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Das Spanische und das Quechua in Peru

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 23 Seiten

Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Sprachgebiet Peru

3 Historischer Hintergrund und Sprachpolitik
3.1 Von der Prä-Inkazeit bis zur Kolonialzeit
3.2 Sprachpolitik in der Kolonialzeit bis in die heutige Zeit

4 Das Spanische Perus
4.1 Phonologie /Phonetik
4.2 Morphosyntax
4.3 Lexik

5 Quechua
5.1 Phonologie, Morphosyntax und Lexik des Quechua
5.2 Soziokulturelle Strukturen und Probleme des Quechuas
5.3 Quechua, Quechuasprecher und Bildungssystem

6 Fazit

7 Bibliographie

1 Einleitung

Das Spanische Amerikas hat sich in den 500 Jahren, die seit der Eroberung des Kontinents durch die Spanier vergangen sind, in einigen wesentlichen Aspekten von der Muttersprache different entwickelt. Einige der vielen entstandenen Unterschiede in Morphologie, Syntax und Phonetik, sowie der Phonologie sollen in dieser Arbeit herausgearbeitet werden. Es darf natürlich nicht vergessen werden, dass das Spanische in Amerika in seiner Entwicklung unteranderem auch beeinflusst worden ist durch die Vielzahl an indigenen Sprachen. Die Arbeit soll sich ebenso damit auseinandersetzten, welchen Einfluss die indigenen Sprachen auf das Spanische Südamerikas haben, wie auch gleichzeitig die inverse Wirkungsweise zu berücksichtigen. Das Quechua als ausgewähltes Beispiel für eine indigene Sprache soll hierbei auch im Wechselspiel der gegenseitigen Beeinflussung genauer betrachtet werden, während in der Arbeit der Fokus auf die Ausdifferenzierung der einzelnen Sprachen selbst gesetzt werden soll.

Die Arbeit verschafft sich dafür im ersten Kapitel einen allgemeinen Eindruck über das ausgewählte Sprachgebiet Peru. Es werden im zweiten Kapitel diachrone Aspekte genauer betrachtet, die die wesentlichen historischen Ereignisse auf ihren sprachentwicklungstechnischen Wert hin untersuchen.

Im dritten Kapitel beschäftigt sich die Arbeit mit linguistischen Problematiken, indem sie das Spanische Perus syntaktisch, morphologisch, phonetisch/phonologisch sowie lexikalisch betrachtet und dem Spanischen der iberischen Halbinsel gegenüberstellt.

Im vierten Kapitel stellt die Arbeit das Quechua als indigene Sprache vor. Auch hier wird kurz der historische Hintergrund gesichtet, bevor es zu einer kurzen linguistischen Analyse kommen soll. Auch werden die soziokulturellen Aspekte respektive der Umgang mit dem Quechua in der Gesellschaft genauer betrachtet, wobei auf die Begriffe Monolingualität und Bilinguilität eingegangen wird.

Im Abschluss soll sich kurz mit der Frage der wechselseitigen Beeinflussung der beiden Sprachen auf linguistischem Gebiet beschäftigt werden.

Resümierend wird am Ende der Arbeit ein Fazit gezogen, in dem das vorher Gesagte eine exponierte Auswertung erfährt.

2 Das Sprachgebiet Peru

Peru liegt im nordwestlichen Teil Südamerikas, wo es im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien und Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifik angrenzt. Mit einer Fläche von 1.285.220 kmAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ist Peru knapp viermal so groß wie Deutschland, hat aber im Vergleich dazu mit 28,3 Millionen nur knapp ein Drittel der Einwohnerzahl Deutschlands. 7 Millionen der Einwohner Perus leben in der Hauptstadt Lima. Die ethnischen Gruppen Perus setzen sich prozentual aus 45% Indios, 37% Mestizen, 15% Weißen und 3% Schwarzen, Mulatten und Asiaten zusammen. Neben Spanisch (80%) sind auch Quechua (40%) und Aimara (4%) gesprochene Amtssprachen. Neben diesen Sprachen gibt es noch diverse andere im Sprachgebiet Perus. Die Angaben diese anderen Sprachen betreffend variieren enorm zwischen 40 bis 106 gesprochener Sprachen, die zu 16 verschiedenen Sprachfamilien gehören. Einige wichtige Sprachen neben den Hauptsprachen werden im Aguaruna, Ashaninka, Chayahuita, Cocama-Cocamilla, Shipibo-Conbibo und Yanisha gesehen (Noll 2001; S.7).

Perus Staatsfläche setzt sich prozentual aus 11% Costa (Küste), 15 % Sierra (Anden, Hochland) und 64 % Selva (Wald, Regenwald) zusammen. Da die Selva wie auch die Sierra aufgrund ihrer geologischen Gegebenheiten heutzutage wenig ökonomisches Potenzial bieten, ist das Phänomen der Landflucht, welche in den Jahrhunderten – nicht ausschließlich wegen ökonomisch motivierter Anlässe – immer weiter zugenommen hat, gut nachzuvollziehen. Ein Thema, auf das später in dieser Arbeit noch genauer eingegangen wird.

Aufgrund der suboptimalen Infrastruktur des Landes, verursacht durch extreme Höhenunterschiede im Land, können Selva und Sierra nur marginal vom wirtschaftlichen Aufschwung der Costa profitieren. Die Landwirtschaft und Fischerei, der Anbau von Zuckerrohr und Kaffee spielen gegenwärtig die größte Rolle in der Wirtschaft und bringen dem Land die meisten finanziellen Erträge ein. Peru ist zwar auch reich an Bodenschätzen, die jedoch durch internationale Konsortien ausgebeutet und exportiert wurden und immer noch werden.

Durch die Missionierung, die mit der Eroberung Südamerikas im 15. und 16. Jahrhundert ihren Einzug hielt, bekennen sich heutzutage 93 % der Peruaner zum Katholizismus, 5 % zum Protestantismus und 2 % zu anderen Konfessionen [Der Weltatlas 2000; S.120].

3 Historischer Hintergrund und Sprachpolitik

Das Sprachgebiet Peru betreffend, soll sich vor allem auf die Entwicklung des Spanischen und des Quechua bezogen werden.

Der historische Hintergrund teilt sich dabei in dieser Arbeit in drei große Epochen auf: Prä-Inkazeit und Inkazeit, Kolonialzeit, Moderne respektive der heutige Zeitraum. Die Ereignisse, die die Sprachpolitik im Wesentlichen bestimmten, sollen den dazugehörigen Daten zugeordnet und ihre Konsequenzen, die vielschichtig waren, genauer beleuchtet werden.

Gerade die Kolonialzeit legt in der Entwicklung der Vernakularsprache Quechua sowie der Sprache der Eroberer Spanisch, den Grundstein.

Die Koexistenz einer liberalen ´asimilación suave´ sowie ihrem Gegenstück der ´asimilación dura´ hat bis heute Einfluss auf die Sprachpolitik des Sprachgebiets Perus. Was genau diese beiden Systeme ausmacht, soll in den nächsten Arbeitspunkten genauer spezifiziert werden.

3.1 Von der Prä-Inkazeit bis zur Kolonialzeit

Peru wurde schon sehr früh von Menschen bevölkert. Bereits von 20.000 bis 10.000 v. Chr. kamen die ersten Einwanderer und schon 4000 v. Chr. begann Ackerbau und Viehzucht. Eine der bekanntesten prä-inkaischen Kulturen war die der Nazca, die sich von circa 200 bis 600 n. Chr. entwickelte. Das Reich der Inka entstand um 1200 n. Chr. und hatte als Verkehrssprache Quechua immanent. Die Inka weiteten ihr Reich bis 1532 so weit aus, dass dieses Teile des heutigen Ecuadors, Perus, Kolumbiens, Boliviens, Argentiniens und Chiles beschrieb (Lipski 1994; S.316). Vertreter neu eingegliederter Völker, die eine große sprachliche Diversität aufwiesen, mussten, um das ökonomische System aufrechtzuerhalten und zu diesem beizutragen, Quechua als Verkehrssprache erlernen, mussten jedoch auf das Ausüben ihrer eigenen Sprache nicht verzichten (Gugenberger S.149). Die Sprachpolitik der Inka gestaltete sich folglich nicht repressiv, war aber von einem elitären Verständnis geprägt (Gugenberger S.149). So hatte das Quechua einen hohen Stellenwert im Inkareich immanent, wurde diesbezüglich auch als runa simi (Sprache des Menschen) bezeichnet, wohingegen die anderen Sprachen zu der Kategorie der hawa simi (die äußeren Sprachen) gezählt wurden (Gugenberger S.149). Mit der Eroberung des Kontinents seitens der Spanier wandelte sich die Sprachpolitik rapide, was bedeutete, dass „der panandine Prozess der poltischen und linguistischen Einigung abgebrochen [wurde]“ (Gugenberger S.153).

1532, also 40 Jahre nachdem mit Kolumbus der erste Europäer südamerikanisches Land betrat, landete Francisco Pizarro an der Küste Perus und nahm den Inka-Herrscher Atahualpa in der Schlacht von Cajamarca gefangen, welchen er ein Jahr später hinrichten lies. Im Anschluss erreichte Pizarro die damalige Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne nennenswerten Widerstand übergeben wurde.

In Folge dessen entwickelte sich Peru nun für fast 300 Jahre zur spanischen Kolonie, die von einem Vizekönig regiert wurde. Ein Faktum, welches die Identifikation seitens der indígenas mit dem de-facto-Regime Spaniens zusätzlich erschwerte. 1542 erfolgte sukzessive die Gründung des Vizekönigreiches Peru mit Lima als Hauptstadt. „Die Entwicklung der eroberten Völker wurde ab jenem Zeitpunkt von den Kolonisatoren kontrolliert und gemäß ihren politischen, ökonomischen und religiösen Interessen gesteuert. Dabei war das langfristige Ziel von Anfang an die ´Zivilisierung´, das heißt Europäisierung und Hispanisierung der indianischen Ethnien (…)“ (Gugenberger S.153).

3.2 Sprachpolitik in der Kolonialzeit bis in die heutige Zeit

Da eine Hispanisierung und Christianisierung aus ökonomischen wie politischen Gründen schnell umgesetzt werden musste, wurden die Missionare ad eum finem „dazu angehalten, die indianischen Sprachen, insbesondere die ´lenguas generales´, zu lernen“ (Gugenberger S.157).

Als Früchte dieser Anordnung entstanden Grammatiken und Wörterbücher der indigenen Sprachen, erstellt und ausgearbeitet seitens des Klerus, die ausgehend von der fälschlichen Annahme es handle sich um eine flektierende Sprache, statt um eine agglutinierende, heutzutage in Hinsicht auf linguistische Analysen eher eine marginale Rolle spielen dürften. Laut der Konzile von Lima (1551/52; 1567/68 und 1581-83) wurde das Abzielen auf eine Hispanisierung unter ausschließlicher Verwendung der indigenen Sprachen de jure vorgeschrieben. Dies und die Gründung eines Lehrstuhls für Quechua an der Universität San Marcos scheinen zwar die Kohabitation von Spanisch und den autochthonen Sprachen nach dem Vorbild der Inka zu tolerieren und zu fördern, sind jedoch genau im gegensätzlichen Sinne zu verstehen. Sinn war es, das Quechua zu instrumentalisieren und durch diese Sprache sukzessiv zu einer Einheitssprache überzugehen: dem Spanisch (Gugenberger S.157). Das Scheitern dieser Sprachpolitik ist noch heute zu beobachten, da die indigenen Sprachen zwar tatsächlich stark zurückgedrängt, aber nicht ausgestorben und durch das Spanisch substituiert worden sind. So steht in Bezug auf die Hispanisierung ein logisch durchdachtes Konzept einer mangelhaften und zum Teil polemisch betrachteten Umsetzung gegenüber. Das Nebeneinander von Vernakularsprachen und der iberischen Muttersprache führte zu einer ökonomisch motivierten Apartheitssituation, ausgelöst durch vermögende Großgrundbesitzer, die ihre Macht dadurch festigen wollten, dass sie den indianischen Mehrheiten den Zugang zur spanischen Sprache versperrten. Das folgende Jahrhundert ist gekennzeichnet durch den totalen Niedergang der Indios. Die Zahl der ursprünglich 10-15 Millionen Ureinwohner sinkt auf etwa 800.000. Im 18. Jahrhundert erfolgt dann durch den Wechsel zur Bourbonenherrschaft in Spanien auch die völlige Ablehnung der Sprachenvielfalt seitens des Mutterlandes, da das Dulden eines solchen Zustands respektive der indigenen Sprachen Unruhen und Aufstände fördere (Gugenberger S.159). So führte auch der letzte indianische Aufstand, welcher gegen Ende des 18. Jahrhundert von Túpac Amaru angeführt wurde, zu einer völligen Ablehnung allen indigenen Kulturguts (Gugenberger S.161). Daran änderte sich auch mit der langsam vor sich gehenden Abspaltung vom Mutterland nur scheinbar etwas. Ziel war nun „ein homogener Staat (…), in dem kulturelle Unterschiede ausgelöscht werden sollten. Die Indios wurden wie alle anderen Minderheiten per Dekret rechtlich mit den anderen Peruanern gleichgestellt. „Aber alle Resolutionen des 19. Jahrhunderts zum Schutz und zur Verbesserung der Situation der Indianer erwiesen sich als bloße Hoffnung, da die angestrebte gesellschaftliche Integration, wie Alphabetisierung und wirtschaftliche Absicherung, nicht geschaffen wurde“ (Gugenberger S.163). Dennoch erkannte nun auch die rein quechuasprachige Bevölkerung die Notwendigkeit die offizielle Sprache, die ihnen Rechte zubilligte, zu erlernen, was den zum Erliegen gekommenen Hispanisierungsprozess wieder in Gang brachte (Gugenberger S.165). Zum Prozess der Mestizenbildung gesellt sich nun auch eine beginnende Bilingualisierung. Auf diesen Punkt wird später noch genauer eingegangen, wenn das Quechua genauer betrachtet wird.

Für die Peruaner stellen vor allem einige weitere Daten wichtige Punkte in ihrer Geschichte dar. So wird das Gebiet der heutigen Länder Ecuador, Kolumbien, Panama und Venezuela 1718 vom Vizekönigreich Peru herausgelöst. 1780 erhebt sich der Indio José Gabriel Condorcanqui gegen die fremde Herrschaft und ernennt sich unter dem Namen Tupac Amaru II selbst zum Inkakaiser, was zu einem 9-monatigen Aufstand führt, der wie der Aufstand 1814 blutig endet. 1821 wird durch General San Martín die Unabhängigkeit Perus ausgerufen und in der letzten Schlacht des Unabhängigkeitskrieges 1824 bei Ayacucho bestätigt. 1825 letztlich trennt sich Bolivien von Peru ab. In der nachfolgenden Zeit werden Präsidenten willkürlich ein- und abgesetzt, was dazu führt, dass Rebellionen und Bürgerkriege die Entwicklung eines modernen Staates verhindern. 1879 bis 1883 nach einem wirtschaftlichen Aufschwung im 19. Jahrhundert werden im Pazifikkrieg Peru und das mit ihm verbündete Bolivien von Chile besiegt, was in der Konsequenz zum Verlust der Provinzen Arica, Tarapaca und Tacna auf peruanischer Seite führt. Im Jahre 1924 findet die Gründung der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA) statt, die die Interessen der sozialen Unterschicht (die vorwiegend aus Indios besteht) vertritt. Die Vorstellung, welche in der Bevölkerung vorherrschte, Indios stünden gleichbedeutend für Barberei, Rückständigkeit, Minderwertigkeit, Armut und Dummheit, während der Weiße Zivilisation, Fortschritt, Höherwertigkeit, Reichtum und Klugheit symbolisierte, konnte erst 1972 mit der Ley General de Educación, die Mehrsprachigkeit als Mittel der Kommunikation und des Ausdrucks von Kultur anerkennt und sich für den Erhalt und die Entwicklung dieser Sprachen einsetzt, zumindest symbolisch überwunden werden, weil die Pflege der indigenen Sprachen dennoch als Integrationshemmnis verstanden wurden. 1993 also 20 Jahre später gesteht die Verfassung jedem Bürger von Peru zu, seine Muttersprache im Kontakt mit Ämtern unter Zuhilfenahme eines Dolmetschers zu verwenden. Amtssprachen sind Kastilisch und in den Gebieten wo sie vorherrschend sind auch das Quechua, das Aimara und die übrigen Eingeborenensprachen (von Gleich 2004; S.118ff.). Desweiteren fördert der Staat zumindest theoretisch die zweisprachige Erziehung. Wie dies im Einzelnen aussieht, wird später diskutiert.

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Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640307869
ISBN (Buch)
9783640328062
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124951
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Spanische Quechua Peru Spanisch Amerika

Autor

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Titel: Das Spanische und das Quechua in Peru