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Basil Henry Liddell Hart: STRATEGIE

Seminararbeit zum Buch

Seminararbeit 2005 24 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Einleitung

„Strategie“ ist ein Begriff aus dem Griechischen und setzt sich als „strategos“ zusammen aus den Worten „stratos“ (zu Deutsch: Heer) und „agein“ (zu Deutsch: führen) (vgl. Farwick 2004, S. 71). Er bezeichnete ursprünglich die Feldherrenkunst, die Kunst der Führung von Streitkräften im Krieg (vgl. www.wissen.de 2005). Ein Stratege ist somit ein Feldherr, also jemand, der die Kriegskunst beherrscht.

Obwohl der Begriff Strategie heute in vielen Bereichen der Gesellschaft für planvolles, zielgerichtetes Vorgehen mit seinen unterschiedlichsten Facetten verwendet wird, trägt das Buch „Strategie“ von Basil Liddell Hart, das dieser Arbeit zugrunde liegt, seinen Titel in einem ganz ursprünglichen Sinn. Und der Autor, selber im Kriegsdienst erprobt und als militärischer Planer und Berater tätig, ist ein Stratege im engsten Sinne des Wortes.

Im antiken Griechenland bildeten Militär und Politik eine feste Einheit. Feldherren trugen somit zumeist auch staats- bzw. stadtpolitische Verantwortung. In einer Zeit, als Politik bereits weit mehr als Kriegsführung beinhaltete, definierte Basil Hart Strategie als „die Kunst, militärische Mittel so zuzuteilen und anzuwenden, dass sie die politischen Ziele erfüllen.“

Die vorliegende Arbeit soll die Theorie von Basil Henry Liddell Hart anhand seines viel zitierten Werkes „Strategie“ in ihren Grundzügen darstellen, die Hintergründe ihrer Entwicklung aufzeigen und all das einer kritischen Würdigung auch in Hinblick auf die Relevanz der Theorie für die (politische) Praxis unterziehen.

Ein geschichtlicher Abriss, biographische Daten des Autors und ein kompakter Anhang mit Definitionen militärischer Begriffe ergänzen die Arbeit, um ihre Verständlichkeit zu erhöhen und die Einordnung in die Ideengeschichte zu erleichtern.

2. Biographisches zum Autor

Basil Henry Liddell Hart war britischer Militärhistoriker, -korrespondent und Stratege. Er wurde 1895 in Paris als Sohn eines Pfarrherrn geboren. Im Alter von 18 Jahren beginnt er sein Geschichtsstudium in Cambridge, das er nie beendete. Schon 1915 wird er Leutnant der britischen Armee (in „The King’s Own Yorkshire Light Infantry“) und dient dort während des Ersten Weltkrieges. Nach einer Verwundung und Gasvergiftung im Zuge der Somme-Offensive 1960 wird er Adjutant eines Freiwilligen-Regiments. 1920 war er für die britische Infanterie-Vorschrift verantwortlich. Er verfasste in diesem Jahr die Ausbildungsschrift „Infantry Training“, die er auf seine Erfahrung aus dem Weltkrieg aufbaute. 1927 schied er wegen eines gesundheitlichen Problems am Herzen als Captain aus der Armee aus.

Nach seinem Ausscheiden aus der Armee begann Hart er eine intensive schriftstellerische Tätigkeit, die er– gemeinsam mit eine regen wissenschaftlichen Publikations- und Lehrtätigkeit – bis zu seinem Tod weiterführt.Von 1925 bis 1939 war er Militärkorrespondent für den Daily Telegraph und später für die britische Times. Unterbrochen wird die journalistische Tätigkeit im Jahr 1937, als er für kurze Zeit Berater des britischen Kriegsministers Hore Belisha ist.

Basil Henry Liddell Hart stirbt am 29. Jänner 1970.

Zu seinen Publikationen zählen die Bücher The Decisive Wars of History (1929), The Real War 1914-1918 (1930), The other Side of the Hill (1948) und sein viel zitiertes “Standardwerk” Strategy (1954).

Basil Hart ist einer jener Militärhisotirker und –strategen, deren Erlebnisse und Erfahrungen an der Westfront während des Ersten Weltkrieges sie auf die Suche nach neuen Methoden und Taktiken gebracht haben. In seinen späteren Werken betont Hart stets die zentrale Rolle des „indirect approach“, einer indirekten Vorgangsweise, die darauf abzielt den Feind durcheinander zu bringen und dessen Verteidigungsmöglichkeiten einzuschränken ohne bedeutend mehr kriegerische Besonders bekannt wurde er mit seinem kontroversiellen Buch „The Strategy of the Indirect Approach“ im Jahr 1941 und jene Technik der Kriegsführung, die man später als „Blitzkrieg“ bezeichnete, eine Technik, die auf dem aufeinander abgestimmten und aufeinander folgenden Einsatz von Panzern, bewaffneter Infanterie und Luftunterstützung beruht.

3. Geschichtliche und ideengeschichtliche Einordnung

Hart wird in der Zeit der „Dritten Republik“ in Frankreich geboren. Im Jahr nach deren Proklamierung (1875) erringen die großbürgerlichen Opportunisten einen Wahlerfolg gegen die kleinbürgerlichen Radikalen unter Clemenceau. In Harts Geburtsjahr 1895 spaltet die Dreyfus-Affäre die Nation. Es bildet sich gegen die militärgerichtliche Verurteilung des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus aufgrund gefälschter Dokumente der Bloc Républicain.

In der Zeit des Imperialismus sieht sich die „grande nation“ – seit der Aufklärung und der Französischen Revolution – als Vorkämpferin europäischer Kultur und Zivilisation. Man bemüht sich um die Assimilierung der farbigen Elite in den verbliebenen kolonialen Besitzungen. Getroffen von der außenpolitischen Niederlage im deutsch-französischen Krieg im Jahr 1871 und von den innenpolitischen Schwierigkeiten (Aufstand der „Pariser Kommune“) verfolgen die französische Regierung und die Generalität eine imperiale Politik, um die französische Geltung in der Welt abzusichern. Mittels einer neuen, zentralen kolonialen Bürokratie strebt man eine kulturelle Angleichung und zugleich militärische Rekrutierung aller „farbigen Franzosen an“. Außenpolitisch befindet man sich in einer Allianz mit Russland (gegen das Deutsche Reich), die zu Beginn des Ersten Weltkrieges öffentlich bekräftigt wird.

3.1. Vor dem Ersten Weltkrieg

Zu dieser Zeit ist Hart bereits zum Studium nach Großbritannien, zu jener Zeit ein blühendes Land, gegangen. Das „British Empire“ kann bis 1914 trotz zunehmender Konkurrenz aus den USA, Deutschland und Japan und seinem Festhalten am Freihandel seinen Außenhandel verdoppeln, bei passiver Handels-, aber aktiver Zahlungsbilanz, die auf internationale Bank- und Versicherungsgeschäfte zurückzuführen sind. Die kolonialen Bestrebungen der Briten sind geprägt von einem Sendungsbewusstsein, das wirtschaftliche und machtpolitische Interessen mit einer vom Puritanismus beeinflussten Überzeugung verbindet, die Fortschritt und Zivilisation in die Welt fördern will. Innenpolitisch prägen Krisen die politische Landschaft. Nach fast 20jähriger Herrschaft der Konservativen sind Strukturwandlungen überfällig. Die liberale Partei zerfällt, die liberalen Unionisten verbünden sich mit den Konservativen, es entsteht aus der Arbeiterbewegung die Independent Labour Party. Die Auseinandersetzung über eine neue Verfassung führt zu Konflikten innerhalb der Parteien und zwischen England und Irland. Nur der Ausbruch des Weltkrieges kann die Bürgerkriegsgefahr überdecken und abwenden.

3.2. Der Erste Weltkrieg

Hart erlebt dann den Ersten Weltkrieg im wahrsten Sinne des Wortes an vorderster Front mit. Als Leutnant der britischen Armee dient er an der Westfront und ist mit dabei, als im Zuge der Schlacht an der Somme 1916 etwa 60.000 britische Soldaten sterben. Er selber wird schwer verwundet und kehrt nach seiner Genesung nicht mehr an die Front zurück.

Der deutsche Kriegsplan in diesem Weltkrieg geht zurück auf die Denkschrift des ehemaligen Generalstabschefs Alfred von Schlieffen über die Führung eines Zweifrontenkriegs, des sogenannten „Schlieffen-Plans“. Dieser sieht eine defensive Kriegsführung im Osten und eine gleichzeitig rasche Entscheidung im Westen durch Umfassung des französischen Heeres mit einem starken „rechten Flügel“ vor. In Erwartung französischer Vorstöße nach Elsaß-Lothringen wird dieser Plan durch den jüngeren Helmuth von Moltke abgeändert, was eine Schwächung des rechten Flügels zur Folge hat. Durch den Kriegseintritt von Belgien und England stehen plötzlich den 80 deutschen Divisionen ganze 104 Divisionen der Alliierten gegenüber. Als Ende 1914 englisch-französische Umfassungsversuche am Yserkanal und vor Ypern misslingen, bleibt der Angriff stecken. Der ursprüngliche Bewegungskrieg wird zum Stellungskrieg. In diese Zeit fällt auch die Schlacht an der Somme, die ganze fünf Monate dauert. Nach Rückeroberungen der Franzosen ziehen sich Anfang 1917 die Deutschen in die vorbereitete „Siegfriedstellung“ zurück. An der Ostfront sind die deutsch-österreichischen Truppen gegen die Russen erfolgreicher, können 1917 fast ganz Galizien zurückgewinnen und erobern sogar Riga. Neben diesen beiden Hauptfronten findet sowohl in der Nord- und Ostssee als auch in Übersee (Falklandinseln) eine See- und U-Boot-Krieg statt. Der Luftkrieg, in dem seit 1916 und der Schlacht an der Somme Frankreich und Großbritannien weite überlegen sind, bleibt ohne große Bedeutung für den weiteren Kriegsverlauf. 1917 treten die USA durch eine Kriegserklärung an Deutschland in den Krieg ein.

3.3. Zwischenkriegszeit

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist geprägt von Friedensschlüssen, Konferenzen zur Klärung der Reparationsfrage, Gründung und späterem Versagen des Völkerbundes. Weitere, nicht-kriegerisch ausgetragene zwischenstaatliche Auseinandersetzungen über die Neuordnung Europas, die offene Frage der „besten“ Staatsform, soziale Umschichtungen in den einzelnen Staaten sind Ausdruck einer Zeit der Unsicherheit. Auf jeden Fall verliert in dieser Zeit das zerrüttete Europa seine Vormachtstellung in der Welt an die USA und Sowjetrussland.

Die Reparationsverhandlungen gehen bis in die frühen 30er-Jahre weiter, ebenso Verhandlungen über die internationale Abrüstung, die vor allem Deutschland mangels Gleichberechtigung immer wieder blockiert. Als Antwort auf die Krise der europäischen Demokratien entstehen nach und nach diktatorische Systeme, etwa mit Mussolini in Italien, Gomes in Portugal, Hitler in Deutschland und Franco in Spanien. Im Osten Europas prägen Leninismus und Stalinismus die neue Sowjetunion. Großbritannien nutzt die Zeit zwischen den Weltkriegen um das „British Empire“ neu zu gestalten, als den „British Commonwealth of Nations“. Die Dominions werden als gleichberechtigte Staaten anerkannt, die auch ihren Beitrag zur Kriegsführung, koordiniert durch das Imperial War Cabinet leisten.

Zu dieser Zeit arbeitet Basil Hart bereits als Korrespondent. Es entstehen außerdem die Bücher The Decisive Wars of History (1929), The Real War 1914-1918 (1930), die beide ältere und jüngere historische Ereignisse beleuchten.

Zwischen 1929 und 1935 prägen Wirtschaftskrise und Aufrüstung Großbritannien.1931 tritt die amtierende Regierung zurück, unter MacDonald bildet sich ein „Nationales Kabinett“ aus liberalen und konservativen Kräften, das sich einer Mehrheit der Labour Party gegenüber sieht. Eine Internationale Wirtschaftskonferenz 1933 in London kann die offene Frage der außenpolitischen Haltung gegenüber Japan und Deutschland nicht klären. Ein Jahr später beginnt Großbritannien angesichts einer deutschen Aufrüstung seine eigene Rüstung, besonders im Bereich der Royal Air Force, zu verstärken. Die „Nationale Regierung“ unter Baldwin verfolgt zwischen 1935 und 1937 eine Politik des „Appeasement“, zu Deutsch: Beschwichtigung. Durch Verhandlungen versucht man, den Krieg zu vermeide, da man Rüstungskosten scheut und indem man die maßvollen Revisionsforderungen der im Ersten Weltkrieg besiegten Mächte einsieht. Eine Reihe von Abkommen, u.a. das deutsch-britische Flottenabkommen und das britisch-italienische Abkommen 1938, besiegeln die Fortführung der Appeasement-Politik auch unter Chamberlain. Im Jahr 1939 führt Großbritannien die allgemeine Wehrpflicht ein. 1940 übernimmt Winston Churchill die Regierungsverantwortung.

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Details

Seiten
24
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640307838
ISBN (Buch)
9783640306053
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124926
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaften
Note
Gut
Schlagworte
Basil Henry Liddell Hart STRATEGIE Seminar Parteien Politische Strategie

Autor

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Titel: Basil Henry Liddell Hart: STRATEGIE