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PR politischer Frauenorganisationen in Österreich

Vergleich und Überblick

von Mag. B. Rausch (Autor) B. Fahrnberger (Autor) M. Hinner (Autor)

Seminararbeit 2005 36 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundsätzliches:
2.1. Was ist eine politische Frauenorganisation?
2.2. Daten und Fakten
2.2.1. Österreichische Volkspartei (ÖVP)
2.2.2. Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ):
2.2.3. Die Grünen
2.2.4. Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)
2.3. Frauenpolitische Grundsätze in Parteiprogrammen
2.3.1. Grundsatzprogramm der ÖVP
2.3.2. Parteiprogramm der SPÖ
2.3.3. Das Grüne Programm
2.3.4. Das FPÖ-Programm
2.3.5. Fazit der Programmuntersuchung
2.4. Werte in der Praxis
2.4.1. Kommunikationsschwerpunkte ÖVP-Frauen
2.4.2. Kommunikationsschwerpunkte SPÖ-Frauen
2.4.3. Kommunikationsschwerpunkte Grüne Frauen
2.4.4. Kommunikationsschwerpunkte Initiative Freiheitlicher Frauen

3. Theoretische Grundlagen und Entsprechungen in der Praxis
3.1. Welche Aspekte der PR kommen bei politischen Frauenorganisationen zum Tragen?
3.2. Wer macht die PR politischer Frauenorganisationen?
3.3. Für wen machen die Frauenorganisationen PR?
3.4. Welche Methoden der PR stehen den Frauenorganisationen zur Verfügung?

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des Seminars „Gender und PR“, das wir als Teil unseres „Praxisfeldes PR“ absolvieren, verfasst.

Politik spielt für uns alle drei im täglichen Erleben, teils beruflich und auch während des Studiums – in der Fächerkombination legen wir auch Prüfungen an der Fakultät für Politikwissenschaften ab – eine wichtige Rolle.

Daher haben wir uns entschlossen als Teilaspekt des großen Themenbereichs „Gender und PR“ die Öffentlichkeitsarbeit politischer Frauenorganisationen zu untersuchen.

Ziel der Arbeit ist es, die Public Relations politischer Frauenorganisationen zu beschreiben, daraus Gesetzmäßigkeiten abzulesen, Spezifika herauszufinden und etwaige Unterschiede zur PR anderer (politischer) Organisationen zu benennen. Es sollen gültige Erkenntnisse für die politische Landschaft gefunden werden.

Für die Untersuchung greifen wir auf persönliche Erfahrungen und daraus gezogene Schlüsse zurück, die wir entsprechend argumentieren, aber auch auf Grundlagen-Literatur zu Öffentlichkeitsarbeit und politischer Kommunikation.

Die Arbeit besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Im ersten Teil überwiegen politische Inhalte und inhaltliche Grundlagen zur (Kommunikations-)Tätigkeit der untersuchten Organisationen; im zweiten Teil gehen wir näher auf PR-spezifische Aspekte, also PR-Modelle und die PR-Praxis der Organisationen ein.

In einer abschließenden Schlussfolgerung ziehen wir dann Resümee über die Ergebnisse der Arbeit.

2. Grundsätzliches

2.1. Was ist eine politische Frauenorganisation?

Im weitesten Sinne kann diese Definition jede Gruppe bzw. jeden Verband mit einer bestimmten Struktur umfassen, deren bzw. dessen politisches Ziel die Vertretung der Interessen von Frauen ist

Für die vorliegende Arbeit wollen wir jedoch eine engere Definition wählen. Politische Frauenorganisationen sind daher als jene Organisationen zu verstehen, die sich selbst als die Interessensvertretung von Frauen innerhalb einer politischen Partei verstehen. Gemeinsames Merkmal dieser Organisation ist eine strukturelle Verflechtung mit der jeweiligen politischen Partei ihre Kreationsfunktion (die Besetzung politischer Ämter innerhalb der Partei bzw. in öffentlichen Institutionen durch Repräsentantinnen dieser Organisationen) sowie die Tatsache, dass diesen Organisationen großteils bzw. ausschließlich Frauen als Mitglieder und Funktionsträgerinnen angehören.

Die Art der Verflechtung und wechselseitigen Kommunikation zwischen Frauenorganisation und Partei ist abhängig von Struktur und Organisationskultur einer jeden Partei. Diese Faktoren, ebenso der Stil des Umganges miteinander sowie der Stellenwert von Organisationseinheiten und einzelnen Personen innerhalb der Partei finden ihren Ursprung und Begründung oft in den „Programmen“ der Parteien, wo politische Grundsätze, Wertorientierungen und Forderungen festgehalten werden.

An dieser Stelle werden Daten und Fakten zu den Frauenorganisationen der vier österreichischen Parlamentsparteien als Basisinformation und Grundlage für spätere Bezugnahmen und Vergleiche angeführt. Des Weiteren werden anschließend jene Passagen der vier Grundsatzprogramme dargestellt, die sich vorwiegend mit Frauen- bzw. Genderthemen befassen.

2.2. Daten und Fakten

In diesem Teil der Arbeit werden in Kürze und in tabellarischer Form Kennzahlen und Vergleichsdaten der politischen Frauenorganisationen der österreichischen Parteien dargestellt. Die Angaben zur Anzahl weiblicher Abgeordneter im Vergleich zur Anzahl der Mandatare der jeweiligen Partei wurden für unterschiedliche gesetzgebende Körperschaften gegeben. Aus gutem Grund haben wir gerade diese Wahl getroffen: einerseits die Bundesgesetzgebungsbehörde, den Nationalrat, dann drei Landtage von Ländern, die unterschiedlich regiert sind: Wien (absolute Mehrheit der SPÖ, Stadtrat aus SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grünen), Niederösterreich (absolute Mehrheit der ÖVP, schwarz-rote Regierung) und Oberösterreich (Regierung aus ÖVP und Grünen).

2.2.1. Österreichische Volkspartei (ÖVP)

Vorsitzende: Maria Rauch-Kallat

Funktionen der Vorsitzenden: Bundesministerin für Gesundheit und Frauen / Mitglied des Bundesparteivorstandes

Einbindung der Organisation in die Partei: eine der sechs Teilorganisationen (Sitz im Bundesparteivorstand)

Medien: Website (im Design der ÖVP), Mitgliederzeitschrift

Anzahl weiblicher VP-Abgeordneter (im Vergleich zur Gesamtzahl der Partei) und in Prozent:

Weibliche VP-Abgeordnete im Nationalrat: 20 (79) – 25 %

Weibliche VP-Abgeordnete im Wiener Landtag: 4 (18) – 23 %

Weibliche VP-Abgeordnete im nö. Landtag: 5 (31) – 16 %

Weibliche VP-Abgeordnete im oö. Landtag: 7 (25) – 28 %

Untergliederungen: neun Landesorganisationen

2.2.2. Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ):

Frauenorganisation: SPÖ Bundesfrauen

Vorsitzende: Mag. Barbara Prammer, Zweite Präsidentin des Nationalrates

Einbindung der Organisation in die Partei: aus dem Organigramm auf www.spoe.at (vgl. Internet 2005) nicht ersichtlich; über Barbara Prammer als Mitglied kraft Funktion im Bundesparteivorstand eingebunden

Medien: Website (Design hebt sich von dem der Partei ab)

Anzahl weiblicher SP-Abgeordneter (im Vergleich zur Gesamtzahl der Partei) und in Prozent:

Weibliche SP-Abgeordnete im Nationalrat: 24 (69) – 35 %

Weibliche SP-Abgeordnete im Wiener Landtag: 22 (52) – 42%

Weibliche SP-Abgeordnete im nö. Landtag: 3 (19) – 16%

Weibliche SP-Abgeordnete im oö. Landtag: 10 (23) – 44%

Untergliederungen: neun Länderorganisationen

2.2.3. Die Grünen

Frauenorganisation: Grüne Frauen

Vorsitzende: Frauensprecherin Mag. Brigid Weinzinger, Abgeordnete zum Nationalrat

Einbindung der Organisation in die Partei: bei den Grünen keine Teilorganisationen im herkömmlichen Sinn; Weinziger ist nicht im Bundesvorstand vertreten

Medien: Website der Grünen (eigener Bereich „Frauen“)

Anzahl weiblicher Grün-Abgeordneter (im Vergleich zur Gesamtzahl der Partei) und in Prozent:

Weibliche Grün-Abgeordnete im Nationalrat: 9 (17) – 53 %

Weibliche Grün-Abgeordnete im Wiener Landtag: 7 (11) – 64 %

Weibliche Grün-Abgeordnete im nö. Landtag: 3 (5) – 60 %

Weibliche Grün-Abgeordnete im oö. Landtag: 3 (5) – 60 %

Untergliederungen: Grüne Frauenorganisation Wien, Grüne Frauen Salzburg

2.2.4. Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

Frauenorganisation: Initiative Freiheitlicher Frauen

Vorsitzende: DI Elke Achleitner, Abgeordnete zum Nationalrat

Medien: Website

Anzahl weiblicher F-Abgeordneter (im Vergleich zur Gesamtzahl der Partei) und in Prozent:

Weibliche F-Abgeordnete im Nationalrat: 5 (18) – 27%

Weibliche F-Abgeordnete im Wiener Landtag: k. A.

Weibliche F-Abgeordnete im nö. Landtag: k. A.

Weibliche F-Abgeordnete im oö. Landtag: k. A.

Untergliederungen: neun Länderorganisationen (Zukunft unklar wegen BZÖ- Gründung)

2.3. Frauenpolitische Grundsätze in Parteiprogrammen

In der repräsentativen Demokratie wird das Volk durch Parteien in der Legislative sowie in der Exekutive vertreten. Parteien stehen so im Wettbewerb um die Wählergunst. Parteien sind Sinn- und Ziel Kollektive, ihrer Grundsätze lassen sich in ihrer Geschichte erklären und in ihren Grundsatzprogrammen nachlesen.

In den Grundsatzprogrammen beschreiben die Parteien nach ihren Idealen die Welt in der, durch sie gestaltete, Zukunft, oder zumindest zeigen sie Missstände in der Gegenwart oder Vergangenheit auf.

Für den geübten Beobachter der politischen Gegenwart sind Rückschlüsse von tagespolitischen Entscheidungen auf das Grundsatzprogramm und umgekehrt möglich, wenn auch nicht immer leicht.

Im ersten Schritt unserer Untersuchung wollen wir das Bild der Frau in den Grundsatzprogrammen beleuchten um in weiterer Folge dieses Ideal mit den Handlungen der Parteien zu vergleichen. Ziel ist den Zugang der Parteien zu beschreiben, nicht diesen zu beurteilen.

2.3.1. Grundsatzprogramm der ÖVP

Im Folgenden seinen einige Auszüge aus den politischen Grundsätzen der Österreichischen Volkspartei dargestellt. Diese wurden dem „Politischen A-Z“ auf www.oevp.at (Stand: 17. Mai 2005) entnommen.

„Grundlage einer modernen Frauenpolitik sind die Lebensbiografien und Lebensphasen der Frauen. Daran hat sich letztlich die gesamte Politik zu orientieren. Die Volkspartei stellt sich daher den neuen frauenpolitischen Herausforderungen auf Basis dieser klaren gesellschafts- und frauenpolitischen Prinzipien: Unsere Frauenpolitik ist in allen Politikfeldern daheim, die weibliche Biografien betreffen – von der Wirtschafts- über die Bildungs- bis hin zur Familienpolitik. Eine nur auf sich selbst bezogene Frauenpolitik kann auf die neuen Herausforderungen keine Antworten mehr geben.

Fairness & Partnerschaftlichkeit: Wir bekennen uns zu einem partnerschaftlichen Lebensmodell auf Basis der vollständigen Gleichberechtigung und Gleichrangigkeit der Partner/innen. Wir unterstützen diese Partnerschaftlichkeit auf allen Ebenen des Zusammenlebens - in Ehe und Familie, im Wirtschafts- und Arbeitsleben sowie auf der Ebene von Staat und Politik. Fairness und Partnerschaftlichkeit zwischen den Geschlechtern erfordert, dass wir alle – egal, ob Frauen oder Männer - gegen den nachweislich geringeren Verdienst von Frauen bei gleichwertiger Arbeit, gegen eine schlechtere Absicherung im Alter sowie gegen eine geringere Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen und in politischen Gremien auftreten.

Recht auf Anderssein & Unterscheidbarkeit: Die Lebenswelten von Frau und Mann sind durch biologische Vorgaben unterschiedlich. Diese Unterscheidbarkeit soll – gerade im Interesse der Frauen - nicht geleugnet werden. Sie muss vielmehr in den vielen Lebenswelten und –phasen, - und ganz besonders in der Organisation der Arbeitswelt -, angemessen anerkannt und berücksichtigt werden.

Wahlfreiheit & Sicherheit: Wir wollen, dass Frauen – genauso wie Männer – frei wählen können, wie sie ihr Leben bzw. bestimmte Lebensphasen gestalten. Wir wollen, dass die idividuelle Wahlentscheidung der Frau nicht zu einer "Entweder-Oder" -Entscheidung reduziert wird. Dies gilt in besonderem Maß für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Besonders erfreulich ist, dass die Qualifikation der Ausbildung unter Frauen in den letzten Jahren steigt. Qualifikation ist der wichtigste Schlüssel, zum beruflichen Erfolg. Der Frauenanteil unter den Studierenden hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zwar laufend erhöht. Im Studienjahr 2000/01 waren aber erstmals bei den Absolventen der zwölf wissenschaftlichen Universitäten (Erst- und Zweitabschlüsse) eine Frauenquote von 50,6 Prozent erreicht. Nimmt man wissenschaftliche und Kunst-Unis zusammen, lag der Frauenanteil bei 50,4 Prozent. Im Studienjahr 2000/01 standen 8.011 frischgebackene Akademikerinnen 7.971 männlichen Kollegen gegenüber. Anfang der neunziger Jahre lag der Frauenanteil unter den Absolventen noch bei 41,6 Prozent, 4.650 Frauen schlossen damals ein Studium ab, gegenüber 6.537 Männern.“

Das Grundsatzprogramm der ÖVP lag uns nicht in verarbeitbarer digitaler Form vor, weshalb hier nur ein kleiner Auszug dargestellt wird. Frauen werden explizit nur im Kapitel „Neue Gesellschaftsverträge“ im Unterkapitel „Frauen und Männer“ angesprochen. Dort heißt es:

„Unser erklärtes Ziel ist die gleichberechtigte Partnerschaft von Frauen und Männern, in Familie, Berufs- und Arbeitswelt sowie in der Politik. Kernpunkt eines neuen Gesellschaftsvertrages zwischen Frauen und Männern ist die Neubewertung der Erwerbsarbeit und die faire Neuverteilung unbezahlter Tätigkeiten in der Familie, im Haushalt, in der Erziehung und in der Pflege. […] sollen politische Rahmenbedingungen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Geschlechter erleichtern. Für Frauen sollen besondere Föder- und Bildungsprogramme bessere Aufstiegs- und Entlohnungschancen schaffen. Für uns ist es unannehmbar, wenn Frauen für gleichwertige Arbeit einen geringeren Lohn erhalten. […] Die gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männern in der Gesellschaft muss auch mit der gleichberechtigten Vertretung von Frauen und Männern in der Politik einhergehen. Diese Gleichberechtigung ist durch eine Mindestquote von einem Drittel für öffentliche Mandate und eine frauenfreundliche politische Kultur voranzutreiben.“

[...]

Details

Seiten
36
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640299539
ISBN (Buch)
9783640304448
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124924
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Frauenorganisationen Gender

Autoren

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Titel: PR politischer Frauenorganisationen in Österreich