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Bundestheologie in Ersten Testament

Essay 2003 6 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitendes

2. b e rît – Bund?

3. Jahwes Versprechen an Abraham (Gen 15 und 17)

4. Unter den Schutz Jahwes gestellt (der sog. Noahbund, Gen 9)

5. b e rît am Sinai (Ex 24,1-11)

6. Abschließende Betrachtung

7. Literatur

1. Einleitendes

Ein elementarer Begriff der Theologie des Ersten Testaments stellt der „Bund“ (im Hebräischen „b e rît“) dar. Er tritt im theologischen Bereich in engem Zusammenhang mit der „Erwählung“ auf. Allerdings ist anzumerken, dass trotz der hohen Bedeutung der Bundestheologie der Begriff „b e rît“ und das Verständnis der Erwählung des Volkes Israel (bzw. einzelner Personen(gruppen) oder der ganzen Menschheit) erst relativ spät auftreten. Frühestens im achten Jahrhundert v.Chr., sicher aber im siebten und sechsten Jahrhundert tauchen diese beiden Begriffe auf. Somit kommt dem Begriff der „b e rît“ in der deuteronomistischen Reformbewegung ein hoher Stellenwert zu. Zentraler Bestandteil der Bundestheologie des Ersten Testaments, ist der sog. „Bundesschluss am Sinai“ (Ex 24,1-1). Die Priesterschrift kennt einen solchen „Bund“ am Sinai jedoch nicht. Sie legt vielmehr wert auf einen „Noah-„ und einen „Abrahambund“. Genaueres soll später noch ausgeführt werden.

Zu erwähnen sei hier noch, dass der Begriff der „b e rît“ zunächst nicht in theologischen Zusammenhängen auftaucht. Im Sprachgebrauch des Ersten Testaments ist von b e rît vorerst nur im zwischenmenschlichen, profanen Bereich die Rede. Welche Bedeutungen diesem Begriff, sowohl im Theologischen, als auch im Profanen zukommen, soll später noch erläutert werden.

Hans-Jürgen Hermisson trifft für beide Begriffe („Bund“ und „Erwählung“), die doch so eng zusammengehören, eine erste grobe Unterscheidung: „Bund“ bezeichnet den „Innenaspekt“ des Verhältnisses zwischen Jahwe und Menschen, während die „Erwählung“ den Außenaspekt“, die Sonderstellung Israels unter den Völkern, kennzeichnet.[1]

2. b e rît – Bund?

Seit Martin Luther ist die Übersetzung des Hebräischen „b e rît“ mit „Bund“ üblich.[2] Doch trifft diese Übersetzung den eigentlichen Wortsinn von b e rît? Gegen diese allgemein übliche Übersetzung haben sich im Laufe der Jahrhunderte nach Luther immer wieder Theologen geäußert. Einer der Bedeutendsten im 20. Jahrhundert wohl Ernst Kutsch. In einer Reihe von Veröffentlichungen (v. a. in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts) bestritt er die Bedeutung von „Bund“ für „b e rît“. Tatsächlich scheint dies, seinen sehr ausführlichen Studien nach auch schlüssig und in manchen Zusammenhängen angebracht, diese Übersetzung zu hinterfragen. Nach der Auffassung von Kutsch entspricht dem Hebräischen b e rît eher die Bedeutung der „Setzung“, der „Bestimmung“ oder „Verpflichtung“.[3] Diesen Sinn setzt er sowohl im theologischen, als auch im Profanen Bereich. Kutsch gliedert vier Möglichkeiten einer b e rît :

1. im zwischenmenschlichen Bereich

a) die Selbstverpflichtung, die Zusage gegenüber einem anderen
b) die Fremdverpflichtung
c) die gegenseitige Übernahme von Verpflichtungen, „Abkommen“, „Bund“

2. im theologischen Bereich

a) die Selbstverpflichtung, die Zusage Gottes (nur selten die Selbstverpflichtung von Menschen gegenüber Gott)
b) die Fremdverpflichtung, eine Verpflichtung, welche den Menschen von Gott auferlegt wird[4]

Im weiteren Verlauf soll jedoch der zwischenmenschliche Bereich zugunsten des theologischen in den Hintergrund rücken.

Unserem heutigen Wortverständnis von „Bund“ nach, handelt es sich um zwei (oder mehrere) gleichberechtigte Parteien, welche sich auf einen Bundesinhalt einigen und diesen durch einen Bundesschluss besiegeln. Doch auf viele der Texte des Ersten Testaments trifft dies nicht so ohne weiteres zu. Meist handelt es sich um einen stärkeren und einen schwächeren Partner. Der Stärkere setzt den Inhalt der b e rît fest und somit rückt eher die Bedeutung von „Setzung“ in den Vordergrund. Ein Konsensversuch zwischen der Position Kutschs und der allgemeinen Auffassung der Bedeutung „Bund“ für b e rît soll im folgenden versucht werden.

Sicher handelt es sich bei vielen der Texte, welche mit b e rît in Zusammenhang stehen, nicht um einen Bund nach unserem heutigen Verständnis. Deshalb ist eine pauschale Übersetzung von b e rît mit „Bund“ wohl zu überdenken. In der Einheitsübersetzung wird, im Gegensatz zum Luthertext, der Kontext etwas stärker berücksichtigt und somit eine sinngemäße Übersetzung für b e rît (so z.B. „Vertrag“) getroffen. Jedoch findet man auch in dieser Bibelübersetzung immer noch fast ausschließlich die Übersetzung „Bund“. Allerdings handelt es sich, gerade bei Texten mit theologischem Inhalt, also solchen wo mit b e rît ein Verhältnis zwischen Gott und Menschen bezeichnet wird, nicht so eindeutig um eine „Setzung“, wie dies bei Kutsch den Anschein hat. Sicher ist Jahwe, der Gott Israels, stets der „stärkere“ Partner. Sicher gibt es zwischen Jahwe und den Menschen keine Gleichberechtigung. Sicher ist es Jahwe, der den Inhalt der b e rît festlegt. Und ebenso sicher ist es, dass die Menschen den Inhalt der b e rît nicht einklagen können. Doch macht dies die Menschen zu mundtoten Partnern, die stillschweigend den Inhalt der b e rît so hinnehmen müssen, wie er von Jahwe festgesetzt ist? Mitnichten. Meiner Ansicht nach ist, unabhängig von der Wortbedeutung von b e rît, vielmehr die Darstellung des Verhältnisses zwischen Jahwe und Menschen in zwei Kategorien zu gliedern:

a) Der Gnadensakt Jahwes, ein Versprechen seinerseits an die Menschen (dieser Punkt entspricht etwa der „Selbstverpflichtung“ bei Kutsch, legt aber stärkeres Gewicht auf die Leidenschaft Gottes für die Menschheit, als auf die übernommene Pflicht)
b) Die Setzung, eine Offenbarung Gottes und seiner Gebote, auf welche sich die Menschen einlassen können oder nicht. Stimmen sie jedoch Jahwe zu, so müssen sie seine Setzung, seine Gebote und Bestimmungen halten. Eine solche Setzung ist allerdings niemals ohne a) denkbar. Somit ist hier also eine gewisse Gegenseitigkeit (sicher keine Gleichwertigkeit) vorhanden, die es angebracht erscheinen lässt hier von „Bund“ zu sprechen (wie beispielhaft unten aufgeführt wird). Setzung umschreibt hier lediglich, dass der Bundesinhalt zunächst von Jahwe festgesetzt wird.

Im weiteren Verlauf möchte ich zentrale Texte des Ersten Testaments im Zusammenhang mit b e rît ausführen.

3. Jahwes Versprechen an Abraham (Gen 15 und Gen 17)

Wie bereits einleitend erwähnt wurde, kennt die Priesterschrift keine „Sinai-b e rît“. Sie konzentriert sich vielmehr auf eine b e rît Gottes mit Noah und Abraham. Grund hierfür ist, dass in der Theologie der Priesterschrift, welche im Babylonischen Exil entsteht, der Grund fürs Exil im Bruch des Sinai-Bundes von Seiten Israels gesehen wurde. Dennoch wurde das Verhältnis zwischen Jahwe und den Menschen mit b e rît gekennzeichnet. Allerdings nicht mit jenen Inhalten, welche von Israel übertreten wurden. In der Priesterschrift stellt die Offenbarung Gottes am Sinai einen reinen „Heilserweis Jahwes, ohne besondere Inpflichtnahme Israels“[5] dar (Dtn 5,1-22).

Der erste Text, der eine b e rît zwischen Gott und Abraham setzt, geht jedoch nicht auf das Schrifttum der Priester (im sechsten Jahrhunderts v.Chr.) zurück. Die Frage nach dem Alter dieses Textes (Gen 15) muss jedoch offenbleiben. Eine mögliche Datierung dieses Textes fällt ins siebte Jahrhundert v.Chr., was allerdings nicht mit Sicherheit gesagt werden kann.[6] Dieses Geschehen in Genesis 15 schildert die Landzusage Jahwes an Abraham. Die Beschreibung des Rituals, mit welchem der Inhalt der b e rît besiegelt wird, wird in einem Akt der Selbstverfluchung Jahwes geschildert.[7] Während Abraham schläft geht Jahwe zwischen den von Abraham aufgereihten Fleischstücken hindurch. Die Selbstverpflichtung Jahwes wird im nachfolgenden Satz deutlich „An jenem Tag schloß Jahwe mit Abraham folgende b e rît: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom Eufrat.“(Gen 15,18). Es ist ersichtlich, dass sich ausschließlich Jahwe gegenüber Abraham und dessen Nachkommen aus seiner Gnade heraus verpflichtet hat. Bei einem „Bund“ wäre eine Inpflichtnahme Abrahams zu erwarten. Davon ist im Text jedoch nichts erwähnt. Nimmt man nun die oben getroffene Unterscheidung zur Hand, so handelt es sich hierbei wohl um einen Gnadensakt Jahwes. Ein Versprechen seinerseits, welches er Abraham und dessen Nachkommen gegenüber macht. Also handelt es sich nicht im herkömmlichen Sinn um einen „Bund“, sondern um eine „Zusicherung, ein Versprechen Jahwes“. Für dessen Einhaltung er mit seinem Leben eintritt.[8]

[...]


[1] vgl. Hans-Jürgen Hermisson, S. 222

[2] vgl. Ernst Kutsch, S. 166

[3] vgl. ebd., S. 167

[4] vgl. Ernst Kutsch, S. 24

[5] Hans-Jürgen Hermisson, S. 229

[6] vgl. ebd., S. 226

[7] vgl. Ernst Kutsch, S. 22f

[8] vgl. Hans-Jürgen Hermisson, S. 227

Details

Seiten
6
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638183635
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12491
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg – Fachbereich Religionspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Altes Testament Bund berit Bundestheologie

Autor

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