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Vergleichende wissenssoziologische Diskursanalyse am Beispiel der Dossiers „Israel“ und „Nahostkonflikt“ auf „tagesschau.de“

Ein Vergleich mit der „Nahost-Berichterstattung zur Zweiten Intifada in deutschen Printmedien unter besonderer Berücksichtigung des Israel-Bildes“ (DISS)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 33 Seiten

Soziologie - Wissen und Information

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Diskursbegriff

3. Diskurs als soziologisches Konzept nach Schwab-Trapp
3.1 Akteure und Orte der Diskursproduktion nach Schwab-Trapp
3.1.1 Diskursive Formationen / Diskursformationen
3.1.2 Diskursfelder / Arenen
3.1.3 Diskursive Gemeinschaften
3.1.4 Diskursive Eliten
3.2 „Diskursive Strategien“ nach Schwab-Trapp

4. Kollektivsymbolik, politische Metaphern und die Produktion von Medieninhalten
4.1 Kollektivsymbolik
4.2 Politische Metaphern
4.3 Zwischenfazit

5. Die Darstellung Israels während der zweiten Intifada – empirische Studie des DISS
5.1 Die Ergebnisse der Studie des DISS
5.2 Identifizierte politische Metaphern und Kollektivsymbole

6. tagesschau.de im Vergleich zur Berichterstattung über die zweite Intifada in deutschen Printmedien
6.1 Das ARD und tagesschau.de
6.2.1 Erster Diskursbeitrag: „Antizionismus in der orthodoxen Rechten - – »Es ist eine Sünde ein Land mit Gewalt zu erobern«“
6.2.3 Dritter Diskursbeitrag: „»Immigration nach Israel – An jedem anderen Ort würde ich mich fremd fühlen«“
6.3 Zwischenfazit
6.4 Das Dossier „Nahostkonflikt“ bei tagesschau.de aus wissenssoziologischer Perspektive
6.4.1 Erster Diskursbeitrag: „Israel – gelobtes jüdisches Land“
6.4.2 Zweiter Diskursbeitrag: „Ein Militär an der Macht: Ariel Scharon“
6.4.3 Dritter Diskursbeitrag: „Tel Aviv und Jerusalem bei Nacht“

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit thematisiert die Anwendung grundlegender Thesen der wissenssosiologischen Diskursanalyse nach Schwab-Trapp auf die Berichterstattung über die Zweite Intifada in den deutschen Printmedien. Als Grundlage für einen Vergleich aus wissenssoziologischer Perspektive dient eine vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) veröffentlichte Studie, die sich mit der Berichterstattung in den deutschen Printmedien über die Zweite Intifada im Zeitraum von September 2000 bis August 2001beschäftigt. Die zum Vergleich herangezogenen Diskursbeiträge stammen von den auf tagesschau.de veröffentlichten Dossiers „Israel“ und „Nahost-Konflikt“.

Um einen wissenschaftlich fundierten Vergleich leisten zu können, wird zunächst der Begriff „Diskurs“ definiert und eingeordnet.

In einem dritten Kapitel wird außerdem das Konzept der wissenssoziologischen Diskursanalyse nach Schwab-Trapp und für den Vergeich relevante Parameter dieses Konzeptes erläutert. Dabei stehen Akteure und Orte der Diskursproduktion, aber auch diskursive Strategien im Zentrum des Interesses.

Das theoretische Fundament soll durch Erläuterungen, sowohl in Hinsicht auf die Studie des DISS als auch der Thesen Schwab-Trapps, zentraler Parameter wie Kollektivsymbolik und politische Metapher abschließen. An dieser Stelle werden in einem Zwischenfazit die relevanten theoretischen Überlegungen zusammengefasst, um einen analytischen Teil einzuleiten.

Das fünfte Kapitel beinhaltet die wesentlichen Ergebnisse der Studie des DISS, die gemeinsam mit dem theoretischen Fundament als Grundlage für einen Vergleich mit den auf tagesscha.de veröffentlichten Dossiers dient. Dabei werden besonders die in der Studie des DISS identifizierten politischen Metaphern und Kollektivsymbole fokussiert.

In einem sechsten Kapitel soll letztendlich der Vergleich geführt werden. Dabei werden nicht nur die relevanten Diskursbeiträge diskutiert, sondern auch die Position von ARD und tagesschau.de in einen aus wissenssoziologischen Sicht relevanten soziopolitischen Kontext gestellt. Im Rahmen dieser Arbeit werden beide auf tagesschau.de veröffentlichten Dossiers in Auszügen behandelt.

Schließlich werden in einem Fazit die zentralen Ergebnisse des Vergleichs dargestellt.

2. Der Diskursbegriff

Über den Begriff des Diskurses herrscht in der Forschung kein Konsens. Denn zum einen kann damit eine konkrete dialogische Gesprächssituation gemeint sein. Zum anderen kann der Ausdruck „Diskurs“ aber auch eine Menge von Texten bezeichnen, die bestimmten Kriterien unterliegt.

Der Diskursbegriff, der im Folgenden auftaucht, ist der zweiten Kategorie zuzuordnen, denn er wird in Zusammenhang mit Intertextualität über eine konkrete Gesprächssituation hinausgehend angewendet. Demzufolge wird der Diskurs „als eine Menge von inhaltlich zusammengehörenden Texten oder Äußerungen, die nicht in einer realen Gesprächssituation verknüpft sind, sondern ein intertextuelles „Gespräch“ in einer Gemeinschaft bilden“[1] verstanden.

Aus politikwissenschaftlicher Sicht kann zwischen mindestens drei verschiedenen Diskursbegriffen unterschieden werden.

Der erste Diskursbegriff ist an die „Diskusethik“ Habermas’ angelehnt und fokussiert die verwendeten Argumentationslogiken in politischen Debatten. Dabei wird der Diskurs eher normativ als eine „öffentliche Debatte [verstanden], in der ethische Regeln gelten sollen.“[2]

Die zweite Verwendung des Diskursbegriffs lehnt sich an einer „sozialkonstruktivistischen“ Perspektive an. Dabei richtet sich das Interesse hauptsächlich auf bestimmte „Formen der Sinnproduktion im politischen Prozess“.[3] Der Ausdruck „Diskurs“ kann bei dieser Perspektive sowohl eine öffentliche Debatte im Sinne der „Diskursethik“, aber auch eine „(öffentliche) Gesprächssituation“[4] bezeichnen.

Der dritte Diskursbegriff innerhalb der Politikwissenschaft geht auf Foucault zurück.[5] Dabei liegt der Fokus der möglichen Fragestellungen auf der historischen Perspektive, die politische Ereignisse und Entwicklungen beleuchtet. Der Ausdruck „Diskurs“ wird hier als „Menge von Aussagen, die einem Formationssystem angehören“[6] verstanden.

Der „Diskurs als soziologisches Konzept“[7] von Schwab-Trapp kann einerseits dem zweiten Diskursbegriff zugeordnet werden, da Diskurse als eigenständiger Untersuchungsgegenstand aus soziologischer Perspektive betrachtet werden. Dabei stehen konkurrierende Deutungsangebote, als Ergebnis der „öffentlichen und konfliktuellen Produktion von Diskursen“[8], im Zentrum des Interesses. Es wird danach gefragt, wie diese Deutungsangebote „soziales und politisches Handeln zugleich anleiten und legitimieren.“[9]

Dennoch geht Schwab-Trapps Diskursbegriff andererseits auch auf den Diskursbegriff Foucaults zurück. Dabei ist das von Foucault beschriebene Zusammenwirken von Diskurs und Macht, sowie die Konkurrenz verschiedener „Deutungsangebote“[10] von grundlegender Bedeutung.

Es wird im Rahmen dieser Arbeit darauf verzichtet auf die theoretischen Grundlagen des Konzepts von Schwab-Trapp näher einzugehen. Stattdessen soll es in Bezug auf das Dossier auf tagesschau.de in Form von analytischen Parametern angewendet werden und mit den Ergebnissen des DISS zur „Nahost-Berichterstattung zur Zweiten Intifada in deutschen Printmedien“ in Bezug auf das Israel-Bild im Zeitraum von 2000-2001 verglichen werden.

Um eine geeignete Basis für eine vergleichende Analyse der Textbeispiele der ausgewählten Dossiers „Israel“ und „Nahost-Konflikt“ auf tagesschau.de mit den Ergebnissen des DISS zu schaffen, werden im folgenden Kapitel zunächst relevante Parameter der Diskursanalyse nach Schwab-Trapp vorgestellt.

3. Diskurs als soziologisches Konzept nach Schwab-Trapp

Obwohl Schwab-Trapp dieses Konzept, als eigenständige Analysemethode zur Verfügung stellt, soll im Rahmen dieser Arbeit der Fokus auf diejenigen Kategorien gerichtet sein, die im Zusammenhang mit der vergleichenden Analyse relevant sind. Es werden also diejenigen Parameter skizziert, die Diskurse intern strukturieren und somit wesentlichen Einfluss auf die politischen Meinungsbildung ausüben.

3.1 Akteure und Orte der Diskursproduktion nach Schwab-Trapp

Die Produktion von Medieninhalten, die Verwendung von Metaphern und die damit verbundene Kollektivsymbolik unterliegen bestimmten Regeln. Da ein Diskurs intern strukturiert ist, nimmt dies erheblichen Einfluss auf die Vermittlung von Medieninhalten, die Konstruktion von Wirklichkeit, aber auch auf Akteure und Rezipienten. Daher sollen in den folgenden Unterpunkten Schwab-Trapps Thesen zu den diskusinternen Ordnungsstrukturen skizziert werden.

Dieses theoretische Fundament soll schließlich einige Parameter für eine Einordnung der Diskursbeiträge auf tagesschau.de liefern und somit als Grundlage für einen Vergleich mit den Ergebnissen des DISS dienen.

3.1.1 Diskursive Formationen / Diskursformationen

Diskursive Formationen sind nach Schwab-Trapp das Endprodukt eines Prozesses, in dem mehr oder weniger verwandte, benachbarte oder auch sehr heterogene Diskurse in Relation zueinander gestellt werden. Folglich sind Diskurse in „Konkurrenz-, Dominanz- oder Koalitionsbeziehung“[11] organisiert. Damit beziehen sie sich auf institutionalisierte und legitimierungsfähige Formen des Sprechens über spezifische Themenfelder und Gegenstandsbereiche.

Schwab-Trapp argumentiert, dass „[i]m Kampf um die legitime Sichtweise sozialer und politischer Ereignisse Vergangenheitsdeutungen aktualisiert und zu legitimen Sichtweisen verdichtet [werden]“.[12] Diese verdichteten legitimen Sichtweisen könnten als eine Struktur verstanden werden, die darüber entscheidet, was innerhalb eines bestimmten Diskurses von bestimmten Akteuren, gesagt werden kann und was nicht gesagt werden kann, also was legitimierungsfähig ist und was nicht.

Die im Rahmen dieser Arbeit untersuchten „diskursiven Ereignisse“ könnten also als Diskursformationen im Sinne von Schwab-Trapp gesehen werden, die in Koalitionsverhältnis zueinander stehen, da sich alle untersuchten Beiträge auf die gleichen Geschehnisse beziehen. Es könnte dann anhand einer vergleichenden Analyse danach gefragt werden, ob die Verwendung von Metaphern und Kollektivsymbolen eher homogen, also diskursintern vorstrukturiert, oder eher heterogen und damit von einer diskursinternen Determinierung ausgeschlossen ist.

3.1.2 Diskursfelder / Arenen

Diskursfelder oder Arenen sind nach Schwab-Trapp strukturierte Orte oder institutionelle Räume der Diskursproduktion. Medien könnten als eine bestimmte Arena verstanden werden, die aufgrund von Strukturzwängen über Exklusion und Inklusion verschiedener Diskursbeiträge, aber auch über den Zugang verschiedener Akteure entscheidet. Denn eine öffentliche Arena weist Akteuren, die an Konflikten teilnehmen, eine bestimmte Rolle durch „Zugangschancen zum Diskurs und ihre diskursive Möglichkeiten“ zu. Daraus ergibt sich eine „Vorstrukturierung“[13] des Diskursfeldes oder der öffentlichen Arena. Schwab-Trapp bezeichnet diese feldspezifische Diskursordnung als soziopolitische Ordnungsebene des Diskurses.

Dabei könnte die besondere Stellung der ARD und somit tagesschau.de als öffentlich-rechtlicher Sender eine Rolle spielen.

3.1.3 Diskursive Gemeinschaften

Diskursive Formationen und Felder untergliedern sich intern in konkurrierende Deutungen und deren Trägergruppen. Schwab-Trapp nennt diese diskursinternen Formationen „Diskursgemeinschaften“.[14]

Diese können aus organisierten Kollektiven oder aus einem lediglich diskursiv verbundenen, politisch-kulturellem Milieu bestehen. Entsprechend argumentiert Schwab-Trapp, dass Diskursgemeinschaften entstehen, weil sich Akteure im öffentlichen Diskurs wechselseitig identifizieren und aneinander orientieren.[15]

Es könnten sich auch innerhalb der Medien verschiedene Akteure voneinander abgrenzen lassen, indem beispielsweise zwischen mehr oder weniger „seriösen“ Vertretern der vierten Gewalt unterschieden werden könnte.

So beschreibt der Autor die Konstitution von Diskursgemeinschaften „nach außen [durch] Abgrenzung zu anderen Diskursgemeinschaften, die konkurrierende Lesarten zum gleichen Themengebiet entwickeln, und nach innen durch den mehr oder weniger identischen Gebrauch verwandter Argumente.“[16]

Des Weiteren verfügen Diskursgemeinschaften über ein „kollektiv geteiltes argumentatives Repertoire.“[17]

Dies könnte sich an der Verwendung von Metaphern und Kollektivsymbolen abzeichnen. So kann ein Vergleich der Verwendung von Metaphern und Kollektivsymbolik zwischen den untersuchten Printmedien im Zeitraum von 2000 bis 2001 und die Verwendung derselben im Jahr 2008 auf tagesschau.de eventuell auch Aufschluss über mögliche diskursinternen Entwicklungen geben.

3.1.4 Diskursive Eliten

Wortführer diskursiver Gemeinschaften, welche sie in der Öffentlichkeit vertreten, bezeichnet Schwab-Trapp als „Diskursive Eliten“.[18] Sie haben die Funktion Deutungsangebote für soziale und politische Handlungszusammenhänge zu entwerfen.[19]

Diskursive Eliten verfügen „im Bourdieuschen Sinne über ‚symbolisches Kapital’ […], das sie in diskursiven Auseinandersetzungen einsetzen können und das ihren Deutungsangeboten Gewicht verleiht.“[20]

Wendet man Schwab-Trapps These bezüglich der diskursiven Eliten auf die untersuchten Printmedien einerseits und der ARD angehörigen Webseite tagesschau.de an, kann festgehalten werden, dass sich zwei diskursive Eliten gegenüberstehen. Denn einerseits wurden in der Studie über die Nahost-Berichterstattung des DISS renommierte Tageszeitungen untersucht. Das ARD jedoch genießt als öffentlich-rechtlicher und damit unabhängiger Sender besondere Glaubwürdigkeit, was im Folgenden noch dezidierter aufgezeigt wird. Nichtsdestotrotz gehören beide Vertreter der Medien einer übergeordneten gemeinsamen diskursiven Elite, nämlich der „vierten Gewalt“, an.

3.2 „Diskursive Strategien“ nach Schwab-Trapp

Schwab-Trapp bezeichnet[21] Diskursbeiträge als „Einsätze im ‚Kampf der Interpretation’ um die legitime Sichtweise sozialer und politischer Ereignis- und Handlungszusammenhänge.“[22] Weiterhin, stellt der Autor fest, dass diese Beiträge in Zusammenhang oder Widerspruch zu anderen Diskursbeiträgen stehen.[23]

Schwab-Trapp begründet dies damit, dass diese Beiträge Bezug aufeinander nehmen und dadurch ihre Bedeutung konstituieren. Außerdem seien Diskursbeiträge die „Instrumente, die die politischen Akteure dazu benutzen, legitime Sichtweisen zu institutionalisieren und konkurrierende Deutungsangebote zu entwerfen.“[24]

Vor diesem Hintergrund bilden Akteure mit ihren Diskursbeiträgen Konfliktlinien, die „ihre Zugehörigkeit zu politisch-kulturellen Milieus signalisieren.“ Damit zählt die „Konsens- oder Dissensbildung“ zu den grundlegenden diskursiven Strategien.[25]

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage inwieweit die Verwendung von Kollektivsymbolik und homogenen Metaphern verschiedener Medien zu verschiedenen Zeitpunkten auf einen Konsens schließen lassen. Auf den folgenden Vergleich bezogen bedeutet das, dass auch die Frage zu beantworten sein wird, in welchem Verhältnis die Akteure, also die untersuchten Printmedien und tagesschau.de, bzw. das ARD, stehen und inwiefern sich Spannungs- oder Konfliktlinien anhand des Gebrauchs von Metaphern und Kollektivsymbolik nachzeichnen lassen.

Nachdem die Grundlagen des Konzepts von Schwab-Trapp dargelegt wurden, soll nun anschließend auf „Kollektivsymbolik“, „politische Metaper“ und die Produktion von Medieninhalten allgemein eingegangen werden, um letztendlich in einem Zwischenfazit die Bezüge und Relationen zwischen den vorgestellten Thesen herausarbeiten zu können, die schließlich als Grundlage für eine vergleichende Analyse dienen werden.

4. Kollektivsymbolik, politische Metaphern und die Produktion von Medieninhalten

Die Verwendung von Kollektivsymbolen und die Produktion von Medieninhalten sind direkt miteinander verbunden. Die Verbindung besteht in der Metapher als Konstrukt, das von der Gesellschaft nicht nur kollektiv gedeutet und interpretiert, sondern auch , produziert und reproduziert wird. Da selbst das „Israel-Bild“ als eine Metapher verstanden werden kann, die auch durch die Verwendung politischer Metaphern und Kollektivsymbolen bei der Produktion von Medieninhalten, konstruiert und interpretiert wird, sollen diese Ausdrücke in den folgenden Unterpunkten näher betrachtet werden.

4.1 Kollektivsymbolik

Die Theorie der Kollektivsymbolik geht auf Jürgen Link zurück.[26] Nach Link stellen die Kollektivsymbole, die alle Mitglieder einer Gemeinschaft kennen, „das Repertoire an Bildern zur Verfügung [...], mit dem wir uns ein Gesamtbild von der gesellschaftlichen Wirklichkeit bzw. der politischen Landschaft der Gesellschaft machen, wie wir diese deuten und – insbesondere durch die Medien – gedeutet bekommen.“[27]

So versteht Link unter Kollektivsymbolen, speziell solche Symbole, die „allen Menschen (eines kulturellen Zusammenhangs) unmittelbar einleuchten, da sie von allen Mitgliedern einer Gesellschaft, also kollektiv gelernt sind, kollektiv benutzt und verstanden werden.“[28]

Jürgen Link versteht unter anderem auch Metaphern als mögliche Ausdrucksform von Kollektivsymbolik. Denn Kollektivsymbolik verdichtet und vereinfacht „das heute gängige Bild unserer Gesellschaft und bildet ein System.“[29]

Nach Link sind Kollektivsymbole aber auch „»kulturelle Stereotypen« [...], die kollektiv tradiert und benutzt werden. [...] Sie bilden einen Zusammenhang, ein System, ein »prozessierendes Regelwerk«, das in allen Diskursen auftritt [...].“[30] Der von Link beschriebene Zusammenhang ist es, der letztendlich ein Bild von der Realität liefert, wie sie als gesellschaftliche Wirklichkeit wahrgenommen wird.

Es wird daher im Folgenden bei der vergleichenden Analyse auch danach gefragt, ob sich zwischen dem Zeitraum von 2002 (DISS) und 2008 (tagesschau.de) Unterschiede in der Verwendung der Kollektivsymbolik und der politischen Metapher ausfindig machen lassen, also ob es zu Spannungs- oder Konfliktlinien innerhalb des Diskurses gekommen sein könnte.

Als Ausdrucksform der Kollektivsymbolik lässt sich die politische Metapher zu Verbänden zusammenfassen und bildet somit ein System menschlichen Denkens.[31] Daher soll die politische Metapher im folgenden Unterpunkt näher beleuchtet werden, wobei die Charakteristika und Funktionen in Hinblick auf die Diskursanalyse skizziert werden.

[...]


[1] Petraskaite-Pabst (2006): 7

[2] vgl.: Kerchner/Schneider (2006): 9

[3] Kerchner/Schneider (2006): 9

[4] Kerchner/Schneider (2006): 10

[5] vgl.: Kerchner/Schneider (2006): 10

[6] Foucault zitiert nach: Kerchner/Schneider (2006): 10

[7] Schwab-Trapp (2001): 261

[8] Schwab-Trapp (2001): 266

[9] Schwab-Trapp (2001): 266

[10] Schwab-Trapp (2001): 263

[11] Schwab-Trapp (2001): 267

[12] Schwab-Trapp (2001): 267

[13] Schwab-Trapp (2001): 268

[14] Schwab-Trapp (2001): 270

[15] Schwab-Trapp (2001): 270

[16] Schwab-Trapp (2001): 270

[17] Schwab-Trapp (2001): 270/271

[18] ebd. (2001): 271

[19] vgl.: ebd. (2001): 272

[20] ebd. (2001): 272

[21] Schwab-Trapp (2001): 273ff.

[22] ebd. (2001): 273

[23] ebd. (2001): 273

[24] ebd. (2001): 273

[25] vgl.: ebd. (2001): 273

[26] Jäger (2004): 133

[27] Jäger (2004): 133

[28] Jäger (2004): 137

[29] vgl.: Jäger (2004): 134

[30] Jäger (2004): 134

[31] vgl.. Petraskaite- Pabst (2006): 29

Details

Seiten
33
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640298853
ISBN (Buch)
9783640303922
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124787
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Germanistisches Institut
Note
1.3
Schlagworte
Vergleichende Diskursanalyse Beispiel Dossiers Vergleich Zweiten Intifada Printmedien Berücksichtigung Israel-Bildes“

Autor

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