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Die Entsendung des Hospitalschiffs „Helgoland“ nach Saigon 1966

Alternative zu einem militärischen Engagement der Bundesrepublik Deutschland im Vietnamkrieg

Magisterarbeit 2003 95 Seiten

Geschichte - Asien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
- 1.1 Forschungsstand, Fragestellung und Methodik
- 1.2 Aufbau der Arbeit
- 1.3 Quellenlage

2. Ein deutscher Militäreinsatz im Vietnamkrieg?
- 2.1 Rahmenbedingungen: Neuorientierung der westdeutschen Außenpolitik 1963 bis 1966 – Kanzler Erhard und die „atlantische Option“
- 2.2 Der Staatsbesuch Erhards bei US-Präsident Johnson in Washington im Dezember 1965
- 2.3 Reaktionen auf die Bitte der Amerikaner um einen deutschen Militärbeitrag in Indochina
- 2.4 Rechtliche Hindernisse für ein militärisches Engagement der Bundesrepublik in Vietnam

3. Politische Alternative: die „Helgoland“-Mission
- 3.1 Humanitäres Engagement statt Militäreinsatz: Entscheidung für das Hospitalschiff „Helgoland“
- 3.2 Die Vorbereitung der Mission durch die Bundesregierung
- 3.3 Diskussion des „Helgoland“-Einsatzes im Plenum und in den Gremien des Deutschen Bundestages
- 3.4 Reaktionen in der Öffentlichkeit
- 3.5 Der Beginn des Einsatzes im August 1966
- 3.6 Exkurs: Medizinische Versorgung in der Republik Vietnam

4. Rechtliche Grundlagen für den „Helgoland“-Einsatz
- 4.1 Sicherheit für Schiff, Personal und Patienten: der Schutz der Mission durch die Genfer Konventionen
- 4.2 Der völkerrechtliche Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Vietnam
- 4.3 Der Kooperationsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Deutschen Roten Kreuz

5. Zusammenfassung

Anhang

- I. Bildtafeln

- II. Daten und Fakten

- III. Chronologie 1966 – 1972

- IV. Abkürzungsverzeichnis

- V. Quellen- und Literaturverzeichnis

Danksagung

Vorwort

Von 1966 bis 1972 lag das deutsche Hospitalschiff „Helgoland“ in den südvietnamesischen Städten Saigon und Da Nang vor Anker. Das „schwimmende Krankenhaus“, dessen Standard das Niveau vietnamesischer Kliniken um ein Vielfaches übertraf, war zwar nicht die einzige Form humanitärer Hilfe aus Westdeutschland für die Menschen in der Republik Vietnam, aber sicherlich die „populärste“: Die Arbeit an Bord des symbolträchtigen weißen Schiffs mit dem Rotkreuzzeichen an Rumpf und Schornstein wurde in der BRD mit anhaltendem Interesse verfolgt. Fernsehsender, Radiostationen und Printmedien schenkten dem „Helgoland“-Einsatz in ausführlichen Berichten große Aufmerksamkeit. Wie der erste Chefarzt der „Helgoland“, Christoph Nonnemann, in seinen Erinnerungen schreibt, hatte zuvor kein anderes Hilfsprojekt der Deutschen im Ausland national wie international eine vergleichbare Resonanz gefunden wie das Hospitalschiff.

In den vergangenen Monaten konnte ich bislang nicht zugängliche Dokumente einsehen und mit Zeitzeugen sprechen, die an Bord der „Helgoland“ tätig waren. Bei meiner Recherche und in vielen Gesprächen stellte ich fest, daß die Thematik nicht nur bislang wissenschaftlich unerforscht geblieben, sondern auch fast vollständig aus dem Bewußtsein der deutschen Öffentlichkeit verschwunden ist. Selbst jene Menschen, welche die Zeit des Vietnamkriegs bewußt miterlebten, haben kaum noch Erinnerungen daran. In der jüngeren Generation ist der Einsatz der „Helgoland“ nach meiner Einschätzung so gut wie überhaupt nicht bekannt. Der Konflikt in Indochina wird von den meisten Menschen in Bezug auf die Bundesrepublik lediglich mit den aus den Antikriegsprotesten der Jahre 1967 und 1968 resultierenden Studentenunruhen assoziiert. Daß auch die Deutschen in Form humanitärer Hilfe in Südostasien engagiert waren, scheint hingegen weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein.

Vom Einsatz des Hospitalschiffs erfuhr ich erstmals im Sommer 1998 durch einen Zufall: Im Nachtprogramm des Westdeutschen Rundfunks wurde eine Fernsehdokumentation mit dem Titel „Nur leichte Kämpfe in Da Nang“ wiederholt, in der die Journalisten Hans Grube und Carl Hutter über den Alltag an Bord berichteten. Im darauffolgenden Wintersemester bot sich mir die Gelegenheit, zur Vorbereitung eines Kurzreferats in einem Seminar an der Universität Düsseldorf über die Geschichte des Vietnamkriegs erste Nachforschungen zur Thematik durchzuführen. Aufgrund des Mangels an entsprechender Literatur rekonstruierte ich eine chronologische Darstellung des Einsatzes von 1966 bis zur Rückkehr im Winter des Jahres 1972 ausschließlich anhand von Presseberichten, aus dem Redaktionsarchiv der Rheinischen Post.

Durch diese Recherche wurde ich in meiner Absicht bestärkt, die „Helgoland“-Mission im Rahmen meiner Magisterarbeit grundlegender zu erforschen und die aufgrund der gesetzlichen Sperrfrist bis vor kurzem nicht freigegebenen Quellen in den Archiven des Bundes sowie die entsprechenden Bestände des Deutschen Roten Kreuzes auszuwerten. Das vorhandene Material ist sehr umfangreich und ermöglicht nicht nur Historikern, sondern auch Wissenschaftlern anderer Disziplinen wie Jura und Medizin sowie den Sozialwissenschaften Ansätze für Forschungen, die den Einsatz an sich sowie seine juristischen und politischen Hintergründe betreffen. Es ist mein Anliegen, durch die Erforschung der Mission unter den Gesichtspunkten der Geschichtswissenschaft mit meiner Arbeit eine erste zusammenhängende Untersuchung zur Thematik vorzulegen und somit dazu beizutragen, das wissenschaftliche Interesse auf den Einsatz der „Helgoland“ und seine Hintergründe zu lenken.

Die zentrale Frage der Arbeit, welche Form der Unterstützung die Deutschen dem amerikanischen Bündnispartner zukommen lassen konnten, hat nach den Terroranschlägen von New York und Washington im September 2001 zudem wieder eine aktuelle Dimension bekommen: Abermals mußte die Bundesregierung eine Entscheidung treffen, ob und in welchem Ausmaß sie dem Ersuchen der USA um einen aktiven Beitrag in einem militärischen Konflikt, hier im Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan, entsprechen konnte.

Meerbusch, im Januar 2002

1. Einleitung

1.1 Forschungsstand, Fragestellung und Methodik

Am 9. Januar 1966 beschloß das Bundeskabinett, den zeitlich begrenzten Einsatz eines Hospitalschiffs zur medizinischen Versorgung durch Kriegshandlungen verletzter Zivilisten in der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon zu finanzieren. Trägerschaft und Durchführung des Einsatzes wurden dem Deutschen Roten Kreuz übertragen. Nach kurzer Prüfung durch Fachleute der Bundesministerien für Gesundheit und Verteidigung fiel die Wahl auf den Ausflugsdampfer „Helgoland“, für dessen Nutzung als Lazarettschiff im Verteidigungsfall bereits detaillierte Pläne vorlagen. Die grundsätzliche Initiative für ein Engagement der Bundesrepublik Deutschland im Vietnamkrieg ging allerdings nicht von der Bonner Regierung, sondern von den USA aus: Im Dezember 1965 hatte US-Präsident Lyndon B. Johnson Bundeskanzler Ludwig Erhard aufgefordert, den amerikanischen Bündnispartner im Indochinakonflikt nicht nur ideell durch Solidaritätserklärungen, sondern auch durch konkretes Handeln zu unterstützen.

Bevor die „Helgoland“ nach dem Umbau in Hamburg im August 1966 ihre Reise nach Südostasien beginnen konnte, mußten zunächst verschiedene Fragen zum völkerrechtlichen Status des Schiffs geklärt, ein Kooperationsvertrag zwischen der Bundesregierung und dem DRK sowie ein bilaterales Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Vietnam geschlossen werden. Verschiedene Arbeitsgruppen in den beteiligten Bundesministerien bereiteten den Einsatz in enger Abstimmung mit dem Roten Kreuz und den Gremien des Deutschen Bundestages vor.

Anspruch meiner Magisterarbeit ist es, die Vorbereitung des „Helgoland“-Einsatzes vom Eintreffen des amerikanischen „Hilfeersuchens“ bei der Bundesregierung im Dezember 1965 bis zur Ankunft der „Helgoland“ in Vietnam im September 1966 im Rahmen einer Abhandlung zur politischen Ereignisgeschichte darzustellen. Neben einer Analyse der Hintergründe für dieses humanitäre Engagement stehen die Untersuchung des Planungsprozesses, der öffentlichen Reaktionen und der rechtlichen Rahmenbedingungen im Focus der Arbeit. Um die Thematik bearbeiten zu können, war zuvor eine ausgiebige empirische Recherche in den Archiven des Bundes und des Deutschen Roten Kreuzes erforderlich, da bislang keine zusammenhängende geschichtswissenschaftliche Untersuchung der Thematik vorgelegt wurde. In der Universitätsbibliothek, in den Archiven der beteiligten Bundesbehörden und Organisationen sowie im Internet konnten keine Publikationen ausfindig gemacht werden, in denen die politischen Hintergründe und die Vorbereitung der „Helgoland“-Mission aus historischer Sicht untersucht worden sind. Eine umfangreichere Veröffentlichung des DRK[1] zum Hospitalschiff liegt zwar vor, sie befaßt sich aber vorrangig mit den medizinischen, nicht aber mit den historischen und politischen Aspekten des Einsatzes. Auch in den in Buchform erschienenen autobiographischen Erlebnisberichten zweier an Bord der „Helgoland“ tätiger Ärzte finden sich, abgesehen von einigen Anmerkungen zu ihrem politischen Selbstverständnis bezüglich des Einsatzes, keine Ausführungen, aus denen sich Hinweise auf die politischen Rahmenbedingungen und den Prozeß der Vorbereitung der Mission entnehmen lassen.[2] Weitere Sekundärquellen zur „Helgoland“ existieren nicht – in den für die Arbeit zu Rate gezogenen Standardwerken zur Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland und zur Geschichte des Vietnamkriegs wird das Schiff nicht einmal erwähnt.[3]

Daher war eine empirische Auswertung der bis zum jetzigen Zeitpunkt unerforscht gebliebenen Primärquellen gegeben. Im Zuge der Forschungen galt es die folgenden grundsätzliche Fragen zu klären:

- Welche politischen Hintergründe führten zu Vorbereitung und Durchführung der „Helgoland“-Mission und wie sind diese zu bewerten?
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Mission und der weltpolitischen Lage der Jahre 1965 und 1966?
- Welche Möglichkeiten eines aktiven Engagements im Vietnamkonflikt hatte die Bundesregierung?
- Welche Aktivitäten waren ihr aus rechtlichen, politischen und historischen Gründen verwehrt?
- Wer war an Durchführung und Planung des Einsatzes beteiligt?
- Wie wurde die Vorbereitung koordiniert?
- Welche rechtlichen Aspekte galt es bei der Vorbereitung des Einsatzes zu beachten und zu klären, welche Schwierigkeiten gab es?
- Wie wurde der „Helgoland“-Einsatz in Politik, Medien und Öffentlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland bewertet?

Die vorliegende Magisterarbeit soll durch die grundlegende Aufhellung der Hintergründe, der Planung, der Durchführung und der Rezeption des „Helgoland"-Einsatzes die Basis für eine mögliche weitergehende historische Auseinandersetzung mit der Thematik legen. Der sozial-humanitäre Charakter der Mission steht in direkter Beziehung zu ihren politischen wie rechtlichen Rahmenbedingungen; ein Verständnis der Zusammenhänge ist ohne die Kenntnis dieser Hintergründe nicht möglich. Darauf aufbauende Forschungen wären ohne Berücksichtigung der hier dargestellten Zusammenhänge ebenso wenig vollständig wie umfassend möglich. Erst auf dieser Grundlage können detailliertere Untersuchungen, beispielsweise aus medizin-[4], schiffahrts- oder sozialhistorischer Perspektive, unternommen werden.

In den Akten zum „Helgoland“-Einsatz, in Presseveröffentlichungen und in verschiedenen Zeitzeugenberichten finden sich für solche weiterführenden Untersuchungen wertvolle Hinweise und Ansätze. Einige Anmerkungen zur medizinisch-humanitären Notwendigkeit des Einsatzes sowie zu seiner Wahrnehmung sind in diese Arbeit aufgenommen worden, um den Einfluß dieser Faktoren auf den Einsatz zu verdeutlichen. Der Untersuchungszeitraum bleibt bewußt auf die Jahre 1965 und 1966 beschränkt, da sich der politische Prozeß der Planung, Vorbereitung und Begleitung der „Helgoland“-Mission, abgesehen von wenigen Fragen zur Finanzierung des Einsatzes und zum Bau eines Landkrankenhauses als Ersatz für die „Helgoland“, auf diesen Zeitraum konzentriert. Daher bieten sich Untersuchungen des Folgezeitraums in erster Linie für Medizin- und Sozialhistoriker an. Es sei darauf verwiesen, daß eine historische Gesamtdarstellung der Mission von 1966 bis 1972 erst dann möglich ist, wenn keine Akten in den Archiven des Bundes mehr von der im Bundesarchivgesetz festgelegten Sperrfrist von 30 Jahren betroffen sind. Bislang sind nur Akten bis einschließlich 1970 zugänglich.

1.2 Aufbau der Arbeit

Meine Untersuchung zur „Helgoland“-Mission habe ich neben der Einleitung (Kapitel 1) und der Zusammenfassung (Kapitel 5) in drei Kapitel mit folgenden Schwerpunkten gegliedert:

Im zweiten Kapitel „Dilemma der Regierung Ludwig Erhard: Ein deutscher Militäreinsatz in Vietnam?“ soll die Vorgeschichte der „Helgoland“-Mission untersucht werden: Einführend erfolgt zunächst eine kurze zusammenfassende Darstellung der deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Ära Erhard unter besonderer Berücksichtigung des Vietnamkonflikts. Eine Kenntnis dieser Hintergründe ist Voraussetzung für das Verständnis der folgenden Entwicklung. Im Folgenden soll der Staatsbesuch Erhards im Dezember 1965 in Washington thematisiert werden, in dessen Verlauf US-Präsident Johnson die deutsche Delegation zu einem aktiven Engagement von Bundeswehrverbänden in Vietnam aufforderte. Im Vordergrund steht hier die Fragestellung, welche Motive Johnson dazu bewegten, welche Forderungen er stellte und wie die deutsche Delegation darauf reagierte. Es folgt die Auseinandersetzung mit dem Feedback von Politikern, Medien und Öffentlichkeit auf den Wunsch der Amerikaner. Untersucht werden soll die Frage, welche Konsequenzen und Probleme sich für das politische Handeln der Bundesregierung daraus ergaben. Des weiteren enthält das erste Kapitel eine kurze Darstellung der rechtlichen Hindernisse für einen deutschen Militäreinsatz außerhalb des NATO-Gebiets. Somit soll, überleitend zum nächsten Kapitel, geklärt werden, welche Formen eines deutschen Engagements auf internationalen Kriegsschauplätzen überhaupt möglich gewesen wären.

Das dritte Kapitel „Politische Alternative: die ,Helgoland‘-Mission“ befaßt sich mit der Vorbereitung des Einsatzes von Januar bis September 1966. Zunächst erfolgt die Untersuchung, warum und wie aus dem Wunsch der USA nach deutschem Militärengagement ein humanitärer Einsatz in Form eines Hospitalschiffs wurde. Anschließend werden der Prozeß der Vorbereitung der Mission durch die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag sowie die Diskussion in der Öffentlichkeit dargestellt. Hier sollen die Koordination, die notwendigen Planungsschritte sowie die Frage untersucht werden, welche Reaktionen das Vorhaben der Entsendung der „Helgoland“ bei Politikern, Bürgern und Medien auslöste. Abschließend sollen die letzten Vorbereitungen der Reise, die Verabschiedung in Hamburg und das Eintreffen der „Helgoland“ in Saigon thematisiert werden. Ein besonderes Augenmerk gilt an dieser Stelle der Frage, wie das medizinische Personal an Bord den Zusammenhang zwischen der humanitären Aufgabe und den kontrastierenden politischen Hintergründen bewertete. Hierzu werden einige Einschätzungen der Ärzte Dr. Klaus Wagner und Dr. Christoph Nonnemann hinzugezogen. Eine zusammenfassende Darstellung der Lage der medizinischen Versorgung in der Republik Vietnam in den 60er Jahren schließt das dritte Kapitel ab, um in Kürze, unabhängig von den politischen Hintergründen, die Notwendigkeit eines solchen Einsatzes aus medizinischer Sicht zu verdeutlichen.

Um den Einsatz der „Helgoland“ durchführen zu können, mußten im Vorfeld einige rechtliche Hindernisse durch die Bundesregierung aus dem Weg geräumt werden. Mit diesen Aspekten befaßt sich das vierte Kapitel „Rechtliche Grundlagen für den Einsatz der „Helgoland““. Die Frage der Unterschutzstellung von Schiff, Patienten und Personal sowie der völkerrechtliche Status der Mission sind ebenso Gegenstand der Untersuchung wie der Vertrag zwischen der Bundesregierung und dem DRK sowie der völkerrechtliche Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Vietnam. Ferner soll die Rolle des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes bei der Notifizierung der am Konflikt beteiligten Parteien untersucht werden.

1.3 Quellenlage

Die wissenschaftliche Sekundärliteratur zur „Helgoland“-Mission beschränkt sich auf die bereits erwähnte Darstellung des DRK. Die im Literaturverzeichnis aufgeführten Sekundärquellen wurden daher ausschließlich zur Untersuchung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, der bundesdeutschen Souveränität in militärischen Fragen, der innenpolitischen Auseinandersetzung um den Auslandseinsatz deutscher Soldaten und die Wiederbewaffnung sowie zur Klärung von Fragen bezüglich des Völkerrechts verwendet.

Primärquellen aus dem Bundesarchiv Koblenz, dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts und des DRK in Berlin sowie dem Parlamentsarchiv des Deutschen Bundestages in Bonn gründen somit das Fundament der Arbeit. Von einigen Ausnahmen abgesehen, war das Material für wissenschaftliche Zwecke problemlos zugänglich. Die Akten sind in der Regel vollständig und in gutem Zustand erhalten geblieben.

Da von Seiten der Bundesregierung neben dem AA und dem Bundeskanzleramt auch sechs Bundesministerien mit dem Vorgang beschäftigt waren, wurden Recherchen in verschiedenen Beständen erforderlich. Im AA wurden die Bestände B 37 (IB 5 – Länderreferat Südostasien) und B 80 (AA-Rechtsabteilung) ausgewertet. Im Bundesarchiv Koblenz konnten die Bestände B 189 (Bundesministerium für Gesundheit), B 213 (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), B 106 (Bundesministerium des Innern) und B 136 (Bundeskanzleramt) eingesehen werden. Die entsprechenden Bestände des Bundesministeriums der Verteidigung sind für die wissenschaftliche Forschung noch nicht zugänglich; im Bestand des Bundesministeriums für Verkehr sind die entsprechenden Akten nach Auskunft des Bundesarchivs unauffindbar. Da sich viele Dokumente aus dem BMV und dem BMVtg als Korrespondenz in den Beständen von Bkamt, AA, BMI, BMZ und BMGes befinden, ist davon auszugehen, daß auch ohne Einsicht in die o. g. Bestände ein Bild der Koordination und Planung durch die beteiligten Ministerien gezeichnet werden kann. Gleiches gilt auch für das lediglich mit Fragen der Finanzierung befaßten Bundesministeriums der Finanzen. In den ausgewerteten Quellen finden sich genügend Hinweise auf den Prozeß der Kostenkalkulation und der Bewilligung außerplanmäßiger Mittel im Bundeshaushalt, so daß von einer Einsichtnahme in den Bestand des BMF abgesehen werden konnte.

Im Archiv des Deutschen Bundestages konnten die Protokolle der Plenarsitzungen und die Protokolle der Sitzungen der Fachausschüsse für Haushalt und Entwicklungspolitik sowie des Unterausschusses „Vietnamhilfe“ für den Untersuchungszeitraum ausgewertet werden. Die Akten des Auswärtigen und des Verteidigungsausschusses sind trotz Antrag auf Einsichtnahme zu wissenschaftlichen Zwecken aus Gründen der Geheimhaltung derzeit noch nicht zugänglich. Aus diesem Grund konnte nicht geprüft werden, ob die entsprechenden Gremien mit der Problematik befaßt waren. Obwohl die Bundesministerien des Innern sowie für Gesundheit und für Verkehr ebenfalls mit der Organisation der „Helgoland“-Mission befaßt waren, war das Hospitalschiff nach Prüfung der Findbücher kein Gegenstand der Beratungen in den entsprechenden Bundestagsausschüssen.

Dem Archiv des DRK konnten verschiedene Statistiken, Korrespondenzen und Redemanuskripte entnommen werden. Im Vergleich zu den Archiven des Bundes befindet sich dort allerdings nur wenig Material, das für eine Untersuchung der Thematik von Bedeutung ist. Im Büro des DRK-Generalsekretärs existieren noch weitere Akten zum Thema, die jedoch für die wissenschaftliche Forschung nicht freigegeben sind.

Die für die Arbeit verwendeten Presseartikel aus regionalen und überregionalen Tageszeitungen sowie das im Anhang abgedruckte Bildmaterial wurden mir vom Redaktionsarchiv der Rheinischen Post in Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Die Berichte sind besonders bei der Bewertung der Wahrnehmung des Einsatzes von Bedeutung.

Eine wichtige ergänzende Quelle waren die beiden autobiographischen Zeitzeugenberichte der Ärzte Dr. Klaus Wagner und Dr. Christoph Nonnemann, die an Bord der „Helgoland“ tätig waren. Neben Informationen über den Stand der medizinischen Versorgung in Vietnam und die Bedeutung der „Helgoland“ für das dortige Gesundheitswesen enthält vor allem die Darstellung Dr. Wagners auch einige Hinweise auf das politische Selbstverständnis des medizinischen Personals in Bezug auf den Einsatz. Zudem war Dr. Wagner bereit, zu weitergehenden Fragen bezüglich dieses Aspekts gegenüber dem Verfasser schriftlich Stellung zu nehmen und hat dadurch weitere wertvolle Hinweise gegeben.

2. Ein deutscher Militäreinsatz im Vietnamkrieg?

2.1 Rahmenbedingungen: Neuorientierung der westdeutschen Außenpolitik 1963 bis 1966 – Kanzler Erhard und die „atlantische Option“

Mit der Übernahme der Kanzlerschaft durch Ludwig Erhard im Oktober 1963 setzte eine deutliche Verschiebung der Prioritäten in der deutschen Außenpolitik zugunsten der USA ein. Während die bislang von der Regierung Adenauer praktizierte Haltung, daß die Bindung an den Westen Vorrang vor dem Ziel der deutschen Wiedervereinigung und einer damit verbundenen Annäherung an die Sowjetunion habe, unangetastet blieb, machte Erhard klar, daß er innerhalb des westlichen Bündnissystems das von seinem Vorgänger gesetzte Primat der Orientierung an den Nachbarn Frankreich aufgeben und sich stärker nach Washington ausrichten wolle.[5]

Daß der Kanzler, wie sein für außenpolitische Fragen zuständiger Büroleiter Horst Osterheld schrieb, „der Freundschaft mit Amerika eine noch höhere Priorität gab als andere Politiker“ und „ihm nicht viel an einer engen Bindung mit Frankreich lag“[6], zeigte er auch anhand seiner Vorstellungen für die Reiseplanung für das Jahr 1963: Gerne hätte er seinen Antrittsbesuch in Washington an die erste Stelle gesetzt, flog aber, um das Protokoll zu achten, zunächst nach Paris, wo mit de Gaulle der dienstältere und somit ranghöhere Staatspräsident wartete. Allerdings brach Erhard unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Frankreich nach Washington auf, um seine neuen Akzente zu verdeutlichen und sich „zu dem besten Freund zu bekennen“.[7] Gerade an den Fragen der Reiseplanung lasse sich, so Frank Pfetsch[8], die neue Orientierung der westdeutschen Außenpolitik von 1963 bis 1966 ablesen: Während Adenauer in 14 Amtsjahren „nur“ neunmal in die USA reiste, waren es bei Erhard vier Visiten in dreijähriger Regierungszeit. Ebenso oft reiste er nach Paris, wogegen Adenauer 22 Besuche im Elysée-Palast aufweisen konnte. Günstig für den Verlauf der deutsch-amerikanischen Konsultationen war, daß sich die neue Allianz auch in einer „Männerfreundschaft“ zu manifestieren schien – Erhard nannte den amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson seinen „besten Freund“[9].

Bereits in der späten Ära Adenauer hatte die Frage, ob die Bundesrepublik sich künftig stärker an Amerika orientieren oder nach wie vor die Franzosen als wichtigsten westlichen Partner pflegen solle, für einen Riß gesorgt, der sich quer durch alle Parteien und somit auch die Fraktionen im Bundestag zog. Je nach Orientierung wurden die Verfechter der europäisch-französischen bzw. atlantischen Option „Gaullisten“ oder „Atlantiker“ genannt. Zu den „Gaullisten“ zählten in erster Linie Konrad Adenauer, Eugen Gerstenmaier und Franz-Josef Strauß. Sie optierten für einen „europäisch-amerikanischen Duozentrismus“[10] als Kern der westlichen Politik, dessen europäischer Schwerpunkt ein „deutsch-französischer Bilateralismus“[11] sein müsse. Die „Gaullisten“ hofften, daß die BRD in einem von de Gaulle favorisierten und nationalistisch geprägten „Europa der Vaterländer“ mehr an internationalem Prestige zulegen könne als in einer amerikanisch dominierten Allianz.[12] Die Anhänger der französischen Option befürchteten zudem, daß die USA im Ernstfall kein verläßlicher Partner seien und das Ziel des europäischen Integrationsprozesses nicht aufrichtig verfolgten.[13]

Neben dem neuen Kanzler Erhard zählten auch sein Außenminister Gerhard Schröder, dessen Staatssekretär Karl Carstens sowie Fritz Erler, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu den „Atlantikern“, die den Vorschlag des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy und seines ab November 1963 amtierenden Nachfolgers Johnson für eine atlantische Partnerschaft mit deutsch-amerikanischem Kern nur zu gerne aufnahmen. Ein solches Bündnis bot sich den „Atlantikern“ als neue Option der westdeutschen Außenpolitik geradezu an, zumal „de Gaulle in den Jahren von 1963 bis 1969 dem insbesondere von der deutschen Seite aus mit verständlicher Intensität befürworteten Konzept eines europäischen Zusammenschlusses entgegentrat“[14] und weiterhin auf ein Europa der Nationalstaaten setzte. Der französische Präsident warb in der wirtschaftlich starken Bundesrepublik zwar nach wie vor für die „Achse Paris – Bonn“ – aber unter der Voraussetzung einer Vormachtstellung Frankreichs, das die Bundesrepublik allenfalls als Juniorpartner zu akzeptieren bereit war.[15]

Die Hauptargumente für eine atlantische Option waren vor allen Dingen aber sicherheitspolitischer Natur: Zwischen Erhard und Schröder „konnte niemals zweifelhaft sein, daß nur die Amerikaner und keine andere Macht des Westens zu wirksamem Schutze fähig sein würden.“[16] Dies verdeutlicht auch Schöllgen: „Eine bewußte Kehrtwendung gegen Amerika [...] kam um so weniger in Betracht, als die Bundesrepublik in militärischer Hinsicht nach wie vor von den Vereinigten Staaten [...] abhängig war.“[17] Die „Atlantiker“ waren überzeugt, daß die USA im Falle eines militärischen Konflikts zwischen den Blöcken im Vergleich zu Frankreich sowohl konventionell als auch atomar qualitativ wie quantitativ deutlich besser gerüstet und somit spürbar überlegen waren. Zudem gab es in den Augen der „Atlantiker“ keine Anzeichen dafür, daß die USA ihren Verpflichtungen in Europa nicht nachkommen würden[18], wie von den „Gaullisten“ gegen ein atlantisches Bündnis argumentiert wurde.

Mit dem bereits von Kennedy entwickelten Konzept der „Multi-Lateral-Force“ (MLF) offerierten die Amerikaner der Bundesrepublik die Möglichkeit einer Mitsprache, gar der Verfügung über den Einsatz nuklearer Waffen im Verteidigungsfall. Zwar wurde die MLF im Nachhinein nie verwirklicht, doch eine Teilnahme erschien der Regierung Erhard zu diesem Zeitpunkt effektiver[19] als die Unterschutzstellung Westdeutschlands unter die französische „Force de frappe“.[20] Durch die Teilnahme an der multilateralen Atomstreitmacht versprach sich die Bundesregierung nicht nur eine optimale Erfüllung ihrer Sicherheitsbedürfnisse[21], sondern auch eine langfristige Sicherung des Bündnisses mit den USA[22]. Außerdem war Außenminister Schröder überzeugt, „die deutsche Frage längerfristig nur mit der Rückendeckung Amerikas, nicht aber im Verein mit de Gaulles Frankreich offenhalten und lösen zu können“.[23] De Gaulle stand einer deutschen Wiedervereinigung grundsätzlich skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Ein nicht zu unterschätzendes Argument für die atlantische Option war zudem die Bindung der USA unter dem Gesichtspunkt der Truppenstationierung in der BRD. Das Engagement der USA in Vietnam erforderte die Verlegung immer größerer Truppenkontingente nach Südostasien: 1964 waren noch 23 300 Soldaten in Vietnam eingesetzt, 1965 waren es schon 208 000. Im Jahr 1966 kämpften insgesamt 460 000 US-Soldaten in Indochina.[24] Rund 15 000 Mann wurden aus der BRD abgezogen und nach Saigon verlegt – damit waren deutsche Sicherheitsinteressen unmittelbar berührt.[25] Durch die enge Partnerschaft, so die Strategie der „Atlantiker“, sollten die USA langfristig an ihre Verpflichtung zur Wahrung der Sicherheitsinteressen der BRD erinnert werden und deshalb eine ausreichende Zahl von Kampftruppen auf westdeutschem Boden stationiert lassen. Die Angst in Bonn vor einem zu kleinen Kontingent von US-Truppen in der BRD war aber nicht nur Hauptargument für ein deutsches Engagement in Vietnam zur Entlastung der Amerikaner, sondern bedeutete für die USA auch ein effektives Drohpotential gegen die Bundesregierung: Sie sollte durch den drohenden Abzug von Divisionen unter Druck gesetzt werden, ihren im „Offset-Abkommen“ geregelten Verpflichtungen zu Devisenausgleichszahlungen nachzukommen.[26]

Mit Erhard hatte Johnson seinerseits einen verläßlichen Partner der USA in Europa gefunden, zumal die Versuche Frankreichs einer Annäherung an die Sowjetunion in Bonn wie in Washington auf größte Skepsis stießen.[27] Je näher de Gaulle sich an Moskau orientierte, desto näher rückten BRD und USA strategisch zusammen.[28]

Gleiches gilt für die Vietnam-Politik: Kanzler Erhard erwies sich gegenüber den amerikanischen Verbündeten auch in dieser Frage als loyaler Partner; „diese deutsche Rückendeckung für die amerikanische [...] Vietnampolitik war um so wichtiger, als andere Partner im westlichen Bündnis sie nicht nur verweigerten, sondern, wie de Gaulle, die Politik der USA in Südostasien sogar scharf kritisierten."[29] Erhard schrieb im Januar 1966 an Johnson: „Ich habe Ihnen, Herr Präsident, in unseren Gesprächen am Jahresende gesagt, daß die Verteidigung der Freiheit und Unabhängigkeit Vietnams durch die Vereinigten Staaten von Amerika für die gesamte freie Welt von größter Bedeutung ist.“[30]

Die von den USA hervorgebrachte Argumentation, daß die Aktivitäten des Vietcong ein Beispiel für weltweites kommunistisches Expansionsstreben seien, wurde in Bonn gerne aufgenommen, zumal Deutschland wie Vietnam auch ein in zwei Blöcke geteiltes Land war und sich die BRD, vor allem aber West-Berlin, durch die unmittelbare kommunistische Bedrohung in einer ähnlichen Situation befand wie die Republik Vietnam: „Schon deshalb hatten die Bundesregierungen der sechziger und frühen siebziger Jahre eigentlich keine andere Wahl, als die Vietnam-Politik der USA zu unterstützen [...].“[31] Daß die westdeutsche Haltung die angespannten Beziehungen zu Frankreich abermals belastete[32], störte die Bundesregierung nicht. Ihren regelmäßigen Solidaritätsbekundungen folgten auch Taten, zumal sie alle den Konflikt tangierenden außenpolitischen Handlungen eng mit Washington abstimmte: So zog sich Erhard Anfang des gleichen Jahres aus den Verhandlungen mit der jungen Atommacht China zur Aufnahme von Handelsbeziehungen zurück, da Washington zu diesem Zeitpunkt mit einer Intervention Pekings im Indochina-Konflikt rechnete.[33]

Bis weit in das Jahr 1966 hatte die Vietnam-Politik der Regierung Erhard eine breite Rückendeckung von Seiten aller Parteien erhalten. Im Herbst 1966 entzündete sich allerdings an der Frage der finanziellen Unterstützung für den Krieg der Amerikaner in Südostasien ein Streit innerhalb der Regierung, der letztendlich zum Sturz Erhards und zur Bildung der Großen Koalition beitrug. Für die Sozialdemokraten, die bis dahin den Kurs der USA ebenfalls unterstützt hatten, wurde Vietnam zudem mehr und mehr zu einem „moralischen Problem“; auch Altbundeskanzler Adenauer forderte Johnson öffentlich auf, sich aus Vietnam zurückzuziehen.[34] Das öffentliche Bild hatte sich gewandelt, „das Argument, die Freiheit West-Berlins werde in Saigon verteidigt, hielt der Realität des Krieges nicht länger stand“.[35]

2.2 Der Staatsbesuch Erhards bei US-Präsident Johnson in Washington im Dezember 1965

Am 19. Dezember 1965 traf Ludwig Erhard in Washington zu seinem dritten Staatsbesuch in den USA ein. Die zweitägigen Konsultationen zwischen dem Kanzler und Präsident Lyndon B. Johnson waren fünf Tage zuvor bei einem Gespräch zwischen Außenminister Schröder und seinem amerikanischen Amtskollegen Rusk in der Pariser NATO-Vertretung sorgfältig vorbereitet worden.[36] Rusk deutete gegenüber Schröder an, daß Johnson neben Fragen der transatlantischen Sicherheitspolitik auch die Lage in Vietnam mit dem Bundeskanzler erörtern wolle. Im Januar müsse sich der Präsident bezüglich Dauer, Kosten und Umfang des Einsatzes den Fragen des Kongresses stellen; aufgrund des erheblich gestiegenen personellen wie finanziellen Aufwands werde daher in den USA immer deutlicher ein größeres Engagement der Europäer in Vietnam gefordert.

Während private Geschäftsleute und kleinere deutsche Hilfsorganisationen bereits in der Republik Vietnam aktiv waren, trat die Bundesrepublik dort offiziell lediglich als größtes Geberland von Wirtschaftshilfe nach den USA, nicht aber durch die konkrete Präsenz staatlicher Organisationen in Erscheinung.[37] Rusk sagte zu Schröder, es wäre „außerordentlich nützlich, wenn die Bundesrepublik gewisses Personal (Eisenbahningenieure, Bauingenieure, Krankenhauseinheiten und Evakuationseinheiten) nach Vietnam entsenden würde“. Diese Frage europäischer Hilfe sei für Amerika von großer Bedeutung und werde in den USA in der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Von Rusk auf die Entsendung amtlicher Einheiten der Bundeswehr oder der Polizei nach Vietnam angesprochen, entgegnete Schröder, daß solche Einsätze außerhalb des Bundesgebiets aufgrund der strikten Rechtsbedingungen nicht angeordnet werden und allenfalls – wenn überhaupt – nur auf freiwilliger Grundlage durchgeführt werden könnten.

Während Rusk in seinem Gespräch mit Schröder im Zusammenhang eines möglichen Einsatzes der Bundeswehr nur von „assoziierten Krankenhäusern“[38] sprach, warnte der für die Belange des Bundesverteidigungsrates zuständige Bundesminister Heinrich Krone in einem Brief an Erhard[39] vor „amerikanischem Druck auf die Bundesrepublik bezüglich der Vietnam-Frage“: Das wachsende Engagement in Indochina werde die US-Regierung dazu veranlassen, die NATO-Partner zu militärischer Hilfe aufzufordern. Über den Verlauf des Gesprächs zwischen Schröder und Rusk war Krone nach eigenen Worten nicht informiert, eine Erörterung des Themas im Rahmen der Pariser Konsultation hielt er jedoch auch in Bezug auf den Einsatz deutscher Kampfverbände nicht für ausgeschlossen. An Erhard schrieb er bezüglich der möglichen Konsequenzen eines militärischen Engagements der Bundesregierung: „Mir liegt doch, verehrter Herr Bundeskanzler, sehr daran, Ihnen mitzuteilen, daß ich ein Eingehen auf solche Überlegungen für sehr bedenklich halte. Ich glaube auch, daß rechtliche Bedenken einem solchen Engagement in Vietnam entgegenstehen. Ich weise ferner darauf hin, daß damit den Sowjets ein willkommener Vorwand geliefert werden könnte, uns in Berlin unter Druck zu setzen und daß dadurch die Position des freien Berlin gefährdet würde.“[40]

Bereits 1964 hatte US-Verteidigungsminister McNamara in Bonn einen deutschen Militäreinsatz angesprochen. In einem geheimen Protokoll der Sitzung des Sekretariats des Bundesverteidigungsrates am 14. Mai 1964[41] wird die „unglückliche Unterrichtung der Öffentlichkeit über den Besuch McNamaras“ bedauert: „In der Öffentlichkeit ist der unrichtige Eindruck entstanden, daß die Bundesregierung die Entsendung von Bundeswehr-Einheiten nach Süd-Vietnam beabsichtige.“ MinDgt Bachmann (Bkamt) betonte, McNamara sei lediglich die Prüfung des Einsatzes militärischer oder ziviler Krankenhauseinheiten zugesagt worden.[42] Da der Verteidigungsminister im Vorfeld seines Besuchs eine Erörterung solcher Fragen nicht angekündigt habe, sei dessen „Überrumpelungstaktik“ zu bedauern. In diesem Zusammenhang war erstmals auch von der Idee zur Entsendung eines Hospital- oder Lazarettschiffs die Rede.[43]

Bei einem Besuch des Berliner Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt in Washington am 19. Mai 1964 rechtfertigte McNamara seinen Vorstoß damit, daß die öffentliche Meinung in den USA nicht verstehen könne, warum sich immer nur die USA im Kampf gegen den Kommunismus in allen Teilen der Welt engagieren müßten.[44] Eine Gefahr durch den Kommunismus gebe es nach McNamaras Auffassung nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt; Saigon und Berlin stünden in einer Linie.[45] Ein Mitarbeiter der Botschaft gab den Vorstoß McNamaras wie folgt wieder: „Ich habe den Eindruck, daß McNamara an mehr als nur finanzielle Hilfe oder die Stellung von Lazaretten und dergleichen denkt.“[46] Auch im Jahr 1965 tauchten immer wieder Meldungen über ein mögliches Ersuchen der Amerikaner an die Bundesregierung um Hilfe im Vietnamkrieg auf.[47]

Wie von Rusk und Schröder bei ihrem Vorbereitungstreffen in Paris bereits verabredet worden war, nahm die Vietnam-Problematik bei den Konsultationen zwischen Erhard und Johnson im Weißen Haus am 20. Dezember 1965 einen hohen Stellenwert ein. Erhard hatte bereits zuvor gegenüber Verteidigungsminister McNamara betont, „daß Deutschland die amerikanischen Anstrengungen zur Verteidigung der Freiheit von Anfang an moralisch unterstützt und es auch materiell von allen Verbündeten am meisten beigetragen habe“.[48]

Im Rahmen der ersten Begegnung am Mittag des 20. Dezember verdeutlichte Johnson, daß der Vietnam-Konflikt die wichtigste Aufgabe der USA sei, die es derzeit zu lösen gelte. Zu diesem Zeitpunkt waren knapp 200 000 US-Soldaten in Vietnam stationiert, das Verteidigungsbudget war durch den Einsatz mit zusätzlichen jährlichen Ausgaben von zehn bis zwölf Milliarden US-Dollar belastet. 1965 belief sich der Verteidigungshaushalt der USA auf 99 Milliarden Dollar.[49]

Die Forderung nach einer größeren finanziellen Unterstützung des amerikanischen Engagements durch die Bundesregierung gehörte zu den Kernanliegen Johnsons. Er verdeutlichte gegenüber Erhard, daß der Vietnamkrieg die amerikanische Zahlungsbilanz deutlich belasten würde und er sich Anfang Januar gegenüber dem Kongreß rechtfertigen müsse. Johnson forderte Erhard auf, „noch in diesem Monat“ eine erhebliche Summe im Rahmen des Devisenausgleichs zu zahlen, um den Dollar zu stützen. Seine konkrete Forderung belief sich auf insgesamt 5,4 Milliarden Dollar innerhalb der nächsten zwei Jahre.[50] Eine verbindliche Zusage, diese Summe in genanntem Zeitraum zu zahlen, gab Erhard nicht und verwies auf sparbedingte Kürzungen im deutschen Budget in Höhe von zehn Prozent. Damit ginge keinesfalls umher, „daß man deutscherseits beabsichtige, sich von eingegangenen Verpflichtungen zurückzuziehen, doch könne Deutschland seinen Beitrag nur leisten, wenn seine Wirtschaft, seine Finanzen und seine Währung in Ordnung seien“[51]. Er wolle daher keine Versprechungen zu einem Datum und der Höhe der Zahlung eines ersten Teilbetrags machen.

Während der zweiten Begegnung Erhards mit Johnson bei einem abendlichen Essen im Kaminzimmer des Weißen Hauses am selben Tag war es nach Beobachtungen von Erhard-Beratern wie Osterheld aufgrund der wenig konkreten Zusagen des Kanzlers bezüglich der Zahlungen im Rahmen des Offset-Abkommens zu ersten Verstimmungen gekommen. Diese sollten sich im Verlauf des Gesprächs verstärken, als Johnson wie angekündigt neben deutscher finanzieller Hilfe auch auf ein konkretes Engagement der Bundesrepublik vor Ort in Vietnam zu sprechen kam. Der Präsident erklärte, er werde regelmäßig von Kongreßabgeordneten auf die Leistungen der westlichen Verbündeten angesprochen. Da ihm die „deutsche Problematik“ vertraut sei, wolle er die Bundesregierung nicht um die Entsendung von Kampftruppen, aber um die Entsendung einer 200 Mann umfassenden Sanitätseinheit und eines 1000 Mann umfassenden Baubataillons der Bundeswehr bitten. In der Zusammenfassung des Gesprächs, ediert in den Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, heißt es, Johnson habe angedeutet, andernfalls Reservedivisionen aus der BRD abziehen zu müssen. 1965 waren sechs amerikanische Divisionen in Westdeutschland stationiert. Seinen in dieser Form deutlichen Druck auf die deutsche Delegation unterstrich Johnson mit der Aussage, „wenn er 200 000 Mann auf die Beine stellen müsse, sollte es dem Herrn Bundeskanzler möglich sein, 2000 Mann zu finden“.[52] Laut Osterheld begann Johnson aufzuführen, „was Amerika in den letzten Jahrzehnten für Deutschland getan habe; nun sei die Zeit gekommen, daß sich Deutschland revanchiere“.[53]

Im Folgenden verdeutlichte Erhard, daß die Bundesrepublik bereit sei, einen größeren und auch aktiven Beitrag zur Unterstützung der Amerikaner in Vietnam zu leisten. Allerdings müsse zunächst eine Prüfung erfolgen, welche Möglichkeiten es gebe, ohne deutsche Rechtsvorschriften zu verletzen. Einen militärischen Beitrag schloß der Bundeskanzler kategorisch aus, sagte aber zu, eine freiwillige zivile Initiative in Erwägung ziehen zu wollen, um den Wunsch der USA nach medizinischen Fachleuten erfüllen zu können. Er unterstrich, daß eine Lösung nach deutschen Gesetzen nur auf freiwilliger Grundlage möglich sei. Erhard sagte eine schnelle Prüfung zu, da „sowohl der Bundestag, die Parteien und die Bevölkerung wüßten, daß es den Deutschen wohl anstünde, etwas zu tun. Die Deutschen seien sich bewußt, daß es nicht fair wäre, angesichts der Bedrohung Berlins den amerikanischen Schutz als etwas Natürliches anzusehen, es aber andererseits nicht als eine moralische Verpflichtung zu erachten, die Amerikaner bei ihrem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmungsrecht in anderen Teilen der Welt zu unterstützen“.[54]

Wie Osterheld in seinen Aufzeichnungen zusammenfaßt, wurde der Besuch bei Johnson innerhalb der deutschen Delegation als Mißerfolg gewertet. Erhards Hoffnung, der US-Präsident würde ihm durch die Prolongierung der deutschen Zahlungsverpflichtungen mehr Spielräume im Bundeshaushalt ermöglichen und zugleich deutliche Aussagen über eine deutsche Beteiligung an der MLF treffen, erfüllten sich nicht – statt dessen hatte der Kanzler durch den Druck der USA, einen deutschen Beitrag in Vietnam zu leisten, ein Problem mehr, das ihm seine „Abhängigkeit von Amerika“[55] deutlich offenbarte. Zugleich resümierte der Kanzlerberater, daß Johnsons Härte bei den Gesprächen durch seine eigene Zwangslage gegenüber dem Kongreß und der amerikanischen Öffentlichkeit bedingt war. Der Präsident kannte die Schwierigkeiten, in die sein Anliegen Erhard national wie international bringen würde.[56] Der amerikanische Botschafter in Bonn, McGhee, erinnerte sich an das Kamingespräch im Weißen Haus wie folgt: „Johnson aber setzte die Daumenschrauben an, gestikulierte heftig und wechselte pausenlos zwischen Schmeicheleien und Drohungen.“[57] Der Kanzler habe mit Entsetzen und Unbehagen, McGhee mit Betroffenheit auf den Verlauf des Gesprächs reagiert.

Noch in dieser Nacht begann die deutsche Delegation mit Überlegungen, wie die amerikanische Bitte erfüllt und zugleich der deutschen Rechtslage entsprochen werden könne:[58] „Wir diskutierten aber dann bis in die späte Nacht, wie wir halbwegs glimpflich aus dieser vertrackten Situation herauskommen könnten.“[59]

[...]


[1] Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.): „Hospitalschiff Helgoland“, Bonn 1972.

[2] Christoph Nonnemann: „Wir fragten nicht, woher sie kamen“, Hamburg 1968; und Klaus Wagner: „Vietnam in jenen Tagen“, Frankfurt 1992.

[3] In den ausgewerteten Werken zur bundesdeutschen Außenpolitik (siehe Literaturverzeichnis) finden sich keine Hinweise auf die „Helgoland“. Die dortigen Anmerkungen zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen bezüglich des Vietnamkriegs beschränken sich auf Fragen der finanziellen Unterstützung des US-Einsatzes durch die BRD. Gleiches gilt auch für die gängige Literatur zum Vietnamkonflikt (Frey, Kolko, Peake, Mc Carthy).

[4] Siehe DRK: Aus der Aufzeichnung geht hervor, daß die „Helgoland“ zu den modernsten Hospitalschiffen ihrer Zeit gehörte und ihr Einsatz in Vietnam als vorbildlich galt. Ein vom DRK veranstaltetes Symposium beschäftigte sich nach der Rückkehr der „Helgoland“ nach Deutschland 1972 aus medizinischer Sicht mit der Bedeutung der Mission für künftige vergleichbare Einsätze, der Ausstattung von und den Arbeitsbedingungen auf Hospitalschiffen.

[5] Horst Osterheld: „Außenpolitik unter Bundeskanzler Ludwig Erhard 1963 bis 1966“, Düsseldorf 1992, S. 25 f.

[6] Ebd., S. 26.

[7] Ebd., S. 27: Laut Osterheld wäre ein späterer Termin für die erste Washington-Reise des Kanzlers möglich gewesen, ohne gegen das Protokoll zu verstoßen oder Verstimmungen in den USA auszulösen. Erhard habe jedoch entgegen dem Rat seiner Beamten auf den Flug nach Amerika bestanden. Am 22. und 23. November 1963 weilte Erhard in Paris; am 24. November brach er zu einer viertägigen Visite in die Vereinigten Staaten auf.

[8] Frank Pfetsch: „Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1992“, München 1993, S. 157 ff.

[9] Pfetsch, S. 158.

[10] Pfetsch, S. 162 f.

[11] Kurz vor Ende seiner Amtszeit 1963 realisierte Adenauer dieses Ziel durch den Abschluß des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages, kurz auch „Elysée-Vertrag“ genannt. Allerdings konnten die Berfürworter einer stärkeren Amerika-Option durchsetzen, daß dem Vertrag eine Präambel hinzugefügt wurde, in der die enge Partnerschaft zu Amerika als eines der Ziele des Abkommens betont wurde. Siehe auch „Gesetz zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag“ vom 15. Juni 1963 in Auswärtiges Amt (Hrsg.): „Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Dokumente von 1949 bis 1994“, Bonn 1995, S. 279.

[12] Pfetsch, S. 163.

[13] In seiner Darstellung zu den Argumenten der „Gaullisten“ (S. 163) nennt Pfetsch zudem das Argument, daß das Prestige Frankreichs in Osteuropa für eine gemeinsame deutsch-französische Ostpolitik genutzt werden könne.

[14] Klaus Hildebrand: „Von Erhard zur Großen Koalition 1963 bis 1969“; in: „Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, Band 4, Stuttgart 1984, S. 99 f.

[15] Ebd., S. 100 ff.

[16] Klaus Hildebrand: „Integration und Souveränität. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1982“, Bonn 1991, S. 60. Zur selben Frage nimmt auch Pfetsch Stellung: Die Sicherheit werde nur durch den Mächtigsten garantiert; von den dominierenden Staaten USA, UdSSR und China kämen nur die USA als Schutzmacht in Frage (S. 163).

[17] Schöllgen, S. 73.

[18] Pfetsch, S. 163.

[19] Gregor Schöllgen: „Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland“, München 1999, S. 74

[20] Durch die „Force de frappe“ offerierte de Gaulle den Deutschen zwar atomaren Schutz, aber keine Mitspracherechte. Solche schloß de Gaulle gegenüber Erhard 1964 kategorisch aus (siehe auch Hildebrandt: „Von Erhard zur Großen Koalition“, S. 102 ff.).

[21] Schöllgen, S. 73 ff.

[22] Andreas Hillgruber: „Deutsche Geschichte 1945 bis 1986“, Stuttgart 1983, S. 84 f.

[23] Hildebrand: „Von Erhard zur Großen Koalition 1963 bis 1969“, S. 104.

[24] Ebd., S. 171.

[25] Joachim Sobotta: „Vietnam und wir“, in: Rheinische Post vom 12. Januar 1966.

[26] Siehe dazu Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): „Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland“, Band III / 1965, München 1996, S. 1938; Hildebrand: „Von Erhard zur Großen Koalition“, S. 179; und Schöllgen, S. 77.

[27] Hildebrand: „Von Erhard zur Großen Koalition“, S. 100.

[28] Schöllgen. S. 73.

[29] Ebd., S. 76

[30] Auswärtiges Amt Berlin, Bestand B 37, Akte 244: Schreiben von Bundeskanzler Ludwig Erhard an Präsident Lyndon B. Johnson vom 16. Januar 1966.

[31] Schöllgen, S. 76.

[32] Hildebrand zitiert in „Von Erhard zur Großen Koalition“ aus einem Brief des französischen Botschafters in Washington, Hervé Alphands. Alphands bemerkte, die Deutschen hätten die „Mitte Europas“ niemals wirklich verlassen und seien an einer deutlichen Außenpolitik mit eigenen Positionen gegenüber der außereuropäischen Welt nicht interessiert. Im Falle Vietnam lasse sich der Unterschied zwischen der deutschen und der fortschrittlicheren Haltung Frankreichs gegenüber der Dritten Welt deutlich ablesen (S. 172).

[33] Ebd.

[34] Marc Frey: „Geschichte des Vietnamkriegs“, München 2000, S. 184 ff.

[35] Ebd., S. 184.

[36] Siehe zum deutsch-amerikanischen Gipfeltreffen sowie zu den vorausgehenden Gesprächen Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): „Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland“, Band III / 1965, München 1996, S. 1896 bis 1942.

[37] Ebd., S. 1900.

[38] Ebd.: Ein Einsatz militärischer Kampfverbände wird von Rusk zu keiner Zeit angesprochen; ihm geht es vielmehr um deutsche logistische Hilfe in Form medizinischer und technischer Einheiten.

[39] Bundesarchiv Koblenz, Bestand B 136 (Bkamt), Akte 3658: Schreiben des BMVR Krone an BK Erhard vom 17. Dezember 1965.

[40] Auszug aus dem Wortlaut des o. g. Schreibens. Eine nähere Untersuchung der von BM Krone geäußerten Bedenken erfolgt in Kapitel 1.3.

[41] Bundesarchiv Koblenz, Bestand B 136 (Bkamt), Akte 3658, AZ II-7-81-03-0/2362/64.

[42] Am 27. Mai 1964 wurde im Bundeskabinett erstmals über mögliche humanitäre Hilfe für Vietnam als Alternative zu militärischem Engagement diskutiert; eine entsprechende Vorlage des AA wurde im Kabinett allerdings mit der Begründung, der Zeitpunkt für ein solches Engagement in Südostasien sei aus politischen, taktischen und strategischen Gründen mehr als ungünstig, abgelehnt (Schwarz, S. 1940).

[43] Ebd.

[44] Bundesarchiv Koblenz, Bestand B 136 (Bkamt), Akte 3658, AZ 6-1/tgb.-nr. 4067/64: Verschlüsseltes Fernschreiben der Deutschen Botschaft in Washington mit der Zusammenfassung des Gesprächs Brandt – McNamara vom 19. Mai 1964.

[45] McNamara rechtfertigte seine Position mit der sogenannten „Domino-Theorie“, wonach der Verlust Süd-Vietnams unweigerlich die Auslieferung von Nachbarländern wie Laos, Kambodscha, Thailand und Indonesien an den Kommunismus zur Folge haben würde.

[46] Verschlüsseltes Fernschreiben der Deutschen Botschaft in Washington mit der Zusammenfassung des Gesprächs Brandt – McNamara vom 19. Mai 1964.

[47] Verwiesen sei auf einen Bericht der „Neuen Presse“ vom 1. Juni 1965: Dort heiß es, wiederholt hätten die USA über eine mangelnde Unterstützung in Vietnam durch den Westen geklagt. Da die Haltung Frankreichs zum Vietnamkrieg deutlich sei und Großbritannien mit seinen Truppen bereits in Aden und Malaysia de facto an der Seite Amerikas stünden, könne mit dieser Kritik nur die BRD gemeint sein. Konkret kämpften im Vietnam an der Seite der USA die pazifischen Verbündeten Australien, Südkorea und Neuseeland (Hildebrand: „Von Erhard zur Großen Koalition“, S. 171).

[48] Schwarz, S. 1917 f.

[49] Ebd., S. 1939.

[50] Osterheld, S. 269 f.

[51] Schwarz, S. 1928. Siehe dazu auch S. 1940 und Osterheld, S. 269.

[52] Schwarz, S. 1941.

[53] Osterheld, S. 270.

[54] Schwarz, S. 1941 f.

[55] Osterheld, S. 271.

[56] Siehe Kapitel 1.3 und 1.4.

[57] Osterheld, S. 270.

[58] Siehe Kapitel 3.1 und 3.2.

[59] Osterheld, S. 270.

Details

Seiten
95
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640293087
ISBN (Buch)
9783640293209
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124463
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Institut für Geschichte der Medizin
Note
1,15
Schlagworte
Entsendung Hospitalschiffs Landeshistorisches Colloquium Vietnamkrieg Saigon Da Nang Bundeswehr Bundesregierung Deutsches Rotes Kreuz humanitäre Hilfe Entwicklungshilfe

Autor

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Titel: Die Entsendung des Hospitalschiffs „Helgoland“ nach Saigon 1966