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Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa

Seminararbeit 2006 38 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundbegriff Siedlung

3. Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa
3.1 Ländliche Siedlungstypen
3.1.1 Einzelhof / Doppelhof
3.1.2 Weiler
3.1.3 Haufendorf
3.1.4 Rundplatzdorf / Eckplatzdorf
3.1.5 Angerdorf
3.1.6 Straßendorf
3.1.7 Reihendorf / Waldhufendorf
3.1.8 Marschhufendorf
3.1.9 Streusiedlung
3.2 Städtische Siedlungstypen
3.2.1 Keltisch-Germanische Stadt
3.2.2 Städte in Dorfgestalt
3.2.3 Römerstädte
3.2.4 Burgstädte des Mittelalters
3.2.5 Frühneuzeitliche Stadttypen

4. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Inhaltsverzeichnis des Anhangs

Anhang

1. Einleitung

Die meisten Menschen verbringen ihre Kindheit an einem einzigen Ort auf unserer Erde. Entweder in einem kleinen Dorf auf dem Land, vielleicht in der Nähe von Oma und Opa, oder sie wachsen in einer Stadt auf, weswegen sie sich das Leben auf dem Land nur schwerlich vorstellen können. Ein Jeder kennt seinen Ort oder sein Stadtviertel am Besten. Man weis wie die Straßen verlaufen, wie man am schnellsten in den Wald kommt, wo der Markt, die Kirche und der Park sind und wo die Felder oder die Betriebe angesiedelt sind. Das aber diese Siedlung auch einer bestimmten Gliederung unterliegt, ähnlich vieler anderer Siedlungen auch, darüber macht man sich kaum Gedanken. Das sich früher, als die Siedlungen entstanden, Menschen überlegt haben, wie sie den größten Schutz, die kürzesten Wege, trinkbares Wasser und die besten Böden erreichen können um ihr Überleben zu sichern, ist für heutige Generationen eher unrelevant. Ich möchte auf diesem Weg einen kurzen Einblick über die verschiedenen Siedlungsformen in Mitteleuropa geben. Über deren Verbreitung berichten, auf geschichtliche Entwicklung und Eigenschaften eingehen und an Beispielen belegen. Um eine Grundlage zum Thema „Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa“ zu geben, werde ich zunächst auf den Siedlungsbegriff als solchen eingehen und dann spezielle Formen vorstellen.

2. Grundbegriff Siedlung

Es ist wichtig zuerst für den Begriff Siedlung eine Definition zu finden, damit wir keine unterschiedlichen Vorstellungen haben und es nicht zu Verwechslungen kommt. Diese folgende Begriffserklärung erscheint mir als die Verständlichste. „Unter einer Siedlung versteht man in der Geografie jeden menschlichen Wohnplatz, jede isolierte menschliche Wohn- oder Arbeitsstätte mit ihren dazugehörigen ergänzenden Anlagen an einer beliebigen Stelle der Erdoberfläche, sei sie auf Dauer oder nur zeitweise eingerichtet (Städte, Dörfer, einzeln stehende Häuser, Nomadenlager, Zeltplätze, eine bewohnte Höhle oder überhängende Felsen, unter denen die Steinzeitmenschen Schutz suchten)“ (Hertzsch, U., 1999, S. 110). Der Begriff „Siedlung“ wurde früher oft in unterschiedlichem Sinne gebraucht. Meist ist der Begriff auf Wohnplätze und den zugehörigen Wirtschaftsflächen bezogen. Demnach wurde eine Unterteilung vorgenommen, welche Ortsformen und Flurformen von einander abgrenzt, obwohl eine gegenseitige Bindung besteht. Siedlungen werden auch je nach Nutzungsdauer unterschieden. Danach gibt es neben den Dauersiedlungen auch die kurzzeitig bewohnten temporären Siedlungen, welche des Weiteren in saisonal bewohnte Siedlungen und ephemere (flüchtige) Siedlungen unterschieden werden. Neben den eigentlichen Behausungen gehören auch Grundstücke, öffentliche Flächen, Verkehrs-, Kult- und Schutzanlagen zu einer Siedlung. Land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen sind eng verbunden (Geographisch-Kartographisches Institut Meyer, 1986, S. 320).

Eine Siedlung, in der Menschen wohnen, sich erholen und arbeiten, ist die kleinste mögliche Raumeinheit zum besiedeln der Erdoberfläche. Die Sammlung von Siedlungen an einem Ort lässt Gemeinden oder andere administrative Einheiten entstehen, welche entwickelt wurden um je nach Flächengröße oder u. a. nach Einwohnerzahl eine ordinale Ordnung vornehmen zu können. Jede Siedlung besitzt eigene formale Merkmale, wie Lage, Grundriss, oder Aufriss die einzigartig im Vergleich zu Anderen sind. Jede hat ihre eigene Struktur, Dynamik und Funktion. Außerdem bestehen Beziehungen zwischen Siedlungen untereinander und zu ihrer natürlichen Umwelt, welche unter dem Begriff Siedlungssysteme untersucht werden. Die Typisierung einer Siedlung kann also nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen: historisch-genetische Typisierung, welche sich auf Entstehungszeit bezieht oder nach formalen Gesichtspunkten unterscheidet und es gibt Größentypen, Wirtschaftstypen, Sozialtypen und Planungstypen um nur Einige zu nennen (Hertzsch, U., 1999, S. 110 ff).

Um Siedlungen differenzierter auf ihre Eigenschaften hin untersuchen zu können werden sie in drei Siedlungskategorien differenziert. Zum einen die ländlichen Siedlungen im eigentlichen Sinne. Diese werden nach der Betätigung der Bewohner in den Wirtschaftszweigen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Sammelwirtschaft bestimmt. Hierzu gehören neben den ländlichen Dörfern auch Lagerplätze der Wildbeuter und Sammler, Zeltlager, sowie standfeste Orte der Halbnomaden. Des Weiteren gibt es Siedlungen, die zwischen Land und Stadt stehen, welche in der Regel eine gewisse funktionale Einseitigkeit aufweisen. Dazu gehören Gewerbe- und Industrieansiedlungen vor Einsetzen der Industrialisierung, Verkehrssiedlungen, Fremdenverkehrs-Siedlungen, Wohnsiedlungen, Schutz- und Herrschaftssiedlungen und Kultsiedlungen. Zur dritten und letzten Kategorie gehört die Stadt (Heineberg, H., 2003, S. 252 f). Man muss aber jederzeit bedenken, dass diese Trennung der Kategorien recht problematisch ist, da es Kombinationen der Typen gibt und die Einteilung daher nicht immer eindeutig ist.

Ländliche Siedlungen besitzen laut Lienau, C. folgende Eigenschaften:

- „Dominanz der landwirtschaftlichen Nutzfläche und sonstiger nicht überbauter Flächen gegenüber der Siedlungsfläche;
- eine im Vergleich zur Stadt geringe Größe und geringe innere Differenzierung;
- geringe oder fehlende Zentralität, oft Zentralitätsferne;
- ein geringer Verknüpfungsgrad untereinander, ein hoher mit den Städten;
- eine gegenüber Städten geringere Ausstattung mit Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor sowie geringere Vielfalt und Qualität der Arbeitsplätze;
- ein Pendlerdefizit;
- eine insgesamt geringe(re) Wirtschaftskraft und Entwicklungsdynamik;
- im Regelfall ein nennenswerter Anteil von landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen;
- eine sozial noch überschaubare Gesellschaft;
- von der Stadt unterschiedene Wohnformen ( Überwiegen von Ein- und Zweifamilienhäusern );
- ein Erscheinungsbild, das wenigstens teilweise noch durch – ggf. frühere – Funktionen im primären Sektor und die enge Einbindung in den ländlichen Raum bestimmt ist“ (Lienau, 2000, S. 13).

Natürlich muss nicht jede Eigenschaft zwingend zutreffen.

Im Vergleich zu diesen Eigenschaften besitzen Städte andere Merkmale. Die Wichtigsten lauten wie folgt:

- Geschlossenheit der Siedlung (kompakter Siedlungskörper),
- hohe Bebauungsdichte,
- deutliche funktionale innere Gliederung,
- Bevölkerungswachstum vor allem durch Wanderungsgewinn,
- Dominanz sekundär- und tertiärwirtschaftlicher Tätigkeiten bei großer Arbeitsteilung,
- Einpendlerüberschuss,
- Mindestmaß an Zentralität,
- relativ hohe Verkehrstätigkeit,
- weitgehend künstliche Umweltgestaltung

(Heineberg, 2003, S. 305).

3. Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa

Ich werde nun auf die wichtigsten Siedlungsformen in Mitteleuropa eingehen. Es gibt natürlich immer wieder leicht abweichende Formen, dies würde aber den Umfang dieser Arbeit sprengen und daher gehe ich nur auf die häufigsten und dominantesten Formen ein.

„Die Siedlungsgestalt resultiert aus Anzahl, Gestalt und Anordnung ihrer Elemente, also der Haus- und Hofstätten und sonstiger Gebäude (Kirchen, Wirtshäuser, Fabrikationsstätten etc.), der Infrastruktureinrichtungen und der die Siedlung begrenzenden Befestigungsanlagen, Zäune und anderen Begrenzungen. Anzahl und Anordnung der Gebäudestätten bestimmen Siedlungsgröße und Grundriss, die Gebäudegestalt auch ihren Aufriss und ihre Silhouette“ (Lienau, 2000, S. 38).

Ich werde zunächst die grundlegensten ländlichen Siedlungsformen beschreiben und im Anschluss auf städtische Siedlungstypen Mitteleuropas eingehen.

3.1 Ländliche Siedlungstypen

Es gibt 3 Perioden der ländlichen Siedlungsbewegung. Die „älteren Dorfformen“, die sich bis zum 11. Jh. bildeten, „Übergangsformen“ des 11. und 12. Jh. und „jüngere Dorfformen“ des 13. und 14. Jahrhundert.

Die nachfolgende schematische Darstellung des Territoriums einer ländlichen Siedlung zeigt, dass neben der eigentlichen Dorfform auch die sich anschließenden Flurformen das Bild einer Siedlung bestimmen. Dieses Schema gibt eine Dorfgemeinde wieder, wie sie sich erstmals im 12. / 13. Jh. herausgebildet hat und bis heute besteht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1 Siedlungsdarstellung. Heineberg, 2003, S. 258, Abb. 5.5.

Die folgenden Siedlungstypen werde ich bezüglich ihrer Form, ihrer geschichtlichen Hintergründe und ihrer Verbreitung in Mitteleuropa beschreiben, dabei aber nicht auf die zugehörigen Flurformen eingehen. Im Anhang sind zu jedem Siedlungstyp eine Karte des typischen Grundrisses und meist noch eine Beispielsiedlung zu finden, an der man die Form gut erkennen kann. Des Weiteren sind Karten beigefügt, welche die Verbreitung der Siedlungen deutlich machen.

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Details

Seiten
38
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640294008
Dateigröße
9.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124359
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
Siedlungsformen Verbreitung Mitteleuropa Seminar Wirtschafts- Sozialgeographie

Autor

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Titel: Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa