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Thesenpapier zur Zwischenprüfung: Peter Handke

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter; Der kurze Brief zum langen Abschied; Wunschloses Unglück; Die Stunde der wahren Empfindung; Der Chinese des Schmerzes

Ausarbeitung 2004 9 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

- Der Text enthält zwei Ebenen: Kriminalhandlung und Psychogramm der Hauptfigur Bloch.
- Das Psychogramm wird insbesondere durch Blochs Reaktionen auf sprachliche und nichtsprachliche Zeichen und seine besondere Form der Wahrnehmung von Wirklichkeit bestimmt.
- Zentrales Motiv der Kriminalhandlung ist der Mord an einer Kinokassiererin, begangen von der Hauptfigur Bloch. Weitere Motive sind die (angedeutete) Flucht, der vermisste Schüler, die Entdeckung der Leiche des Kindes.
- Blochs besondere Form der Wirklichkeitserfahrung: Infolge eines Ereignisses – des Mordes – versprachlichen sich ihm die Gegenstände zusehends. Sie werden ihm dadurch auch zu Geboten und Verboten. Bloch überlädt die Realität mit Bedeutungen, bezieht alles auf sich, jeder ‚harmlose‘ Gegenstand kann ihm zur Anspielung werden.
- Bloch zeigt Symptome der Schizophrenie. Auch wenn der Text die Form einer Fallstudie hat, wird Blochs Erleben (seine Wirklichkeits- und Selbsterfahrung) nicht als pathologisch beschrieben, sondern „als eine Form des ‚Ganz-bei-sich-selbst-Seins‘ nachvollziehbar und alltäglich erfahrbar gemacht [...]“(Mixner).
- Klaus Conrad beschreibt in seinem Buch „Die beginnende Schizophrenie“, das Peter Handke als das für ihn wichtigste Buch des Jahres 1968 bezeichnete, drei Phasen der Schizophrenie: 1. Druck- oder Spannungszustand, 2. „primäres Wahnerleben“ (apophänes Erleben von Aussen- und Innenwelt) , 3. „apokalyptische Phase“ (trifft als einzige Phase der Schizophrenie nicht auf das Verhaltensmodell Blochs zu).
- Conrad nennt die Vorliebe fürs Kino, Antriebsschwäche und Wahrnehmungsstress als charakteristisch für den ‚Residialzustand‘ der Kranken nach einem überstandenen schizophrenen Schub. Bloch weist diese Symptome der Schizophrenie auf.
- Bloch ist jedoch nicht kontaktscheu. Er sucht soziale Kontakte, wenn auch häufig ohne Erfolg (z.B. durch zahlreiche vergebliche Anrufe).
- Bloch sieht in der Wirklichkeit keinen ‚Sinn‘. Er ordnet Zusammengehöriges einander nicht zu und gleichzeitig Nicht-Zusammengehöriges einander zu.
- Bloch ist empfindlich und aufmerksam gegenüber der sprachlichen Vermittlung von Wirklichkeit (Zeitung).

Der kurze Brief zum langen Abschied

- Handke stellt einen Bezug zum deutschsprachigen Entwicklungs- und Bildungsroman her, insbesondere zu Kellers „Der grüne Heinrich“ und Goethes „Wilhelm Meister“.
- Das Reisemotiv ist wichtig, weil die Reise durch Amerika den Zeitraum des Entwicklungsprozesses des Protagonisten begrenzt. Die Reise steht dabei bildhaft für das Sich-Entfernen von alten Verhaltensmustern und Ängsten.
- Handke lässt seinen Protagonisten nach Amerika reisen, weil er dort die ‚andere Welt‘ sieht, in der sich dieser – befreit von gewohnten Zusammenhängen und Einflüssen – ‚entwickeln‘ kann.
- Handkes ‚Amerika‘ ist in erster Linie ein Konstrukt: Es steht für ein eigenes Zeichensystem, das sich vom vertrauten europäischen Zeichensystem abgrenzt. Es kann nicht für das tatsächliche Amerikabild des Autors gehalten werden. Dennoch gelingt es Handke, Kritik an der realen amerikanischen Politik und Gesellschaft zu üben.
- Zentraler Bestandteil des Romans ist – wie schon im Tormann – die gestörte Wahrnehmungsfähigkeit des Protagonisten.
- Im Gegensatz zu Bloch gelingen dem Protagonisten, einem österreichischen Schriftsteller, Selbstreflexion und ‚Entwicklung‘.

Details

Seiten
9
Jahr
2004
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124332
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Schlagworte
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter Der kurze Brief zum langen Abschied Wunschloses Unglück Die Stunde der wahren Empfindung Der Chinese des Schmerzes Thesen Handke Erzählungen Romane Erzählung Roman

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Titel: Thesenpapier zur Zwischenprüfung:  Peter Handke