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Performativer Religionsunterricht

Seminararbeit 2008 10 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ausgangslage

3. Definition

4. Probleme und Risiken

5. Chancen und Vorteile

6. Kennzeichen und Merkmale des Performativen Ru

7. Ziele des Performativen Ru

8. Anforderungen an den Lehrkörper

9. Fazit

1. Einleitung

Im Rahmen des Proseminars „Didaktische Modelle des Religionsunterrichts (RU) und ihre Konsequenzen für die Praxis“ stellte ich in meinem Referat das Modell der Performativen Didaktik vor. In der folgenden Ausarbeitung meines Referats werde ich zunächst auf die Ausgangslage an den deutschen Schulen eingehen, auf die man im Religionsunterricht trifft, um dann eine Definition von „Performativer Didaktik“ zu liefern. Zudem werden Kennzeichen, Merkmale, Vorteile, Chancen, Ziele, aber auch Probleme und Risiken dieser Unterrichtsform aufgezeigt.

Den Schluss werden die daraus resultierenden Anforderungen an den Lehrer bilden und ein persönliches Fazit, wie ich, als zukünftiger Lehrer, diese Methode beurteile, und ob ich sie für umsetzbar halte.

2. Ausgangslage

Die Religionsdidaktik beschäftigt sich seit längerer Zeit mit dem Phänomen des so- genannten „Traditionsbruch oder – abbruch“[1]. Diese Beobachtung besagt, dass Schülerinnen und Schüler (Ss.) in ihrem Elternhaus ohne jeglichen christlichen Bezug aufwachsen, was zwei direkte Konsequenzen nach sich zieht: Die Ss. besitzen keinerlei „biblisch-christliche Kenntnisse mehr“ und noch weniger können „christliche Gewohnheiten und Lebensvollzüge“[2] vorausgesetzt werden. Diese fehlende kirchliche und christliche Erziehung und Sozialisation hat für den Religionsunterricht und für die Lehrer zur Folge, dass nicht mehr vorausgesetzt werden kann, dass die Ss. „auf ein religiöses Erfahrungsreservoir“[3] zurückgreifen können.

Das bedeutet also für die Lehrerschaft, dass im Religionsunterricht nicht mehr „reflexiv-nachdenkend“[4] gearbeitet werden kann, da das nötige Wissen über und die Erfahrung in bzw. mit Religion einfach nicht mehr vorhanden ist.

An diese Problematik anknüpfend haben sich unter den Didaktikexperten des Religionsunterrichts vor allem zwei Lösungsmöglichkeiten durchgesetzt.

Zum einen die Anhänger des religionskundlichen Religionsunterrichts, die für einen Unterrichtsstil in einer „neutralen Beobachterposition“[5] plädieren. Eine Unterrichtsform, die vor allem die Gefahr der Missionisierung der Ss. sieht und deshalb ausschließlich für einen Unterricht über Religion statt in Religion einstehen.

Die andere Alternative stellt der Performative Religionsunterricht dar. Die Vertreter dieser Lehrform beziehen ganz klar Stellung gegen einen rein religionskundlichen Unterricht, als substanzloses Reden über Religion, das unvermeidbar sei, wenn keine religiösen Erfahrungen mehr vorausgesetzt werden könnten.[6] Ihre Argumentation für die performativität des Religionsunterrichts lautet, dass es gerade bei Ss. ohne religiösen Hintergrund wichtig sei, einen Unterricht mit liturgischen Elementen anzubieten, um überhaupt eine Basis für einen kognitiven Diskurs über Religion zu schaffen.

3. Definition

Um die Absicht und die Bedeutung des Performativen Religionsunterrichts besser verdeutlichen und verstehen zu können, ist es an dieser Stelle notwendig eine Definition dessen zu geben:

Der Begriff „Performativ Religionsunterricht“ beinhaltet zwei zu unterscheidende Begriffe mit unterschiedlichen Aspekten. Einmal der Begriff Performativität und zum anderen Performance.

„Performativ – so definieren es die Kommunikationswissenschaften – nennt man eine sprachliche Handlung, bei der mit dem Verlauten bereits eine Wirklichkeit mitgesetzt ist. Performativ meint einen Sprech-Akt.

Eine Performance ist zunächst einmal ganz allgemein eine Ausdruckshandlung. Eine Handlung, bei der etwas zum Ausdruck kommt.“[7]

Der Unterschied beider Begriffe ist in dem Grad der Ernsthaftigkeit zu finden.

John L. Austin und der Ethnologe Victor Turner haben sich mit beiden Begriffen näher auseinandergesetzt. Turner plädiert dafür „Rituale fremder Kulturen […] nachzuspielen,

um sie besser verstehen zu können.“[8] Unter diesem Akt versteht er eine Performance. Turner sieht unter dem Begriff Performance den unernsten Gebrauch performativer Sprechakte.

Im Gegensatz dazu steht Austins Überlegung zur Bedeutung von Performativität. Austin sieht in Performativität etwas sagen durch etwas tun. Als Beispiele nennt er das „Versprechen“ oder das „Taufen“. Seiner Meinung nach ist die Aufrichtigkeit mit der eine solche Handlung durchgeführt wird Voraussetzung für das Gelingen einer performativen Äußerung.[9] Beispiele einer für religiöse Performativität wären das Gebet, der Segen, oder ein Lob-Psalm. Mit diesen Sprechakten „wird bereits eine Wirklichkeit gesetzt: Es wird gebetet, gesegnet, etwas gelobt und versprochen.“[10]

[...]


[1] A. Roggenkamp: Neue Wege in der Religionspädagogik?! Zum Umgang mit religiöser Vielfalt., 68

[2] Ebd.

[3] H. Roose: Performativer Religionsunterricht zwischen Performance und Performativität, 3

[4] I. Veith (u.a): Religionsunterricht heute, 3

[5] H. Roose: Performativer Religionsunterricht zwischen Performance und Performativität, 3

[6] Vgl. H. Roose: Performativer Religionsunterricht zwischen Performance und Performativität, 3

[7] T. Klie: Religion zu lernen geben: Das Wort in Form bringen, 5

[8] H. Roose: Performativer Religionsunterricht zwischen Performance und Performativität, 1

[9] Vgl. Ebd.

[10] H. Mendl: Plädoyer für einen Religionsunterricht, der mehr ist als „reden über Religion“, 13

Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640289806
ISBN (Buch)
9783640289899
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124302
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12,0
Schlagworte
Performativer Religionsunterricht Didaktische Modelle Religionsunterrichts Konsequenzen Praxis

Autor

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Titel: Performativer Religionsunterricht