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Lerntheoretischer und verhaltenstherapeutischer Ansatz des Stotterns

Seminararbeit 2007 15 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Grundlagen zum Stottern
1.1 Definitionen
1.2 Symptomatik des Stotterns
1.3 Ätiologie des Stotterns

2. Lerntheoretischer Erklärungsansatz
2.1 Entstehungsmechanismen
2.2 Auslösende Faktoren
2.3 Aufrechterhaltende Faktoren des Stotterns

3. Stottertherapie auf der Grundlage der Verhaltenspsychologie
3.1 Therapieansätze der Verhaltenstherapie
3.2 Inhalte der Verhaltenstherapie

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Grundlagen zum Stottern

1.1 Definitionen

Sprechen erfordert eine zeitlich und räumlich hoch präzise Koordination aller beteiligten Muskeln, die nicht allen Menschen immer gelingt. Eine sehr bekannte Störung des Sprechens ist das Stottern.

Unter Stottern nach den ICD 10 Richtlinien wird ein Sprechen verstanden, dass „durch häufige Wiederholungen oder Dehnungen von Lauten, Silben oder Wörtern, oder durch häufiges Zögern und Innehalten, den rhythmischen Sprechfluss unterbricht. Es soll als Störung nur klassifiziert werden, wenn die Sprechflüssigkeit deutlich beeinträchtigt ist.“

Für GANTER basiert Stottern auf einer genetischen Veranlagung und ist aus der medizinisch-klinischen Sicht das Symptom einer Funktionsstörung der sprechsprachlichen Organe. Seiner Meinung nach liegt die primäre Ursache im pysiologischen Bereich. Die hörbare Stottersymptomatik ist nach Ganter zufolge das Ergebnis einer erlernten negativen Einstellung zum Stottern.

Stottern ist PRÜSS zufolge ein Syndrom mit einer sprechbezogenene, kommunikativen, emotional-kognitiven und sozialen Problematik. Nach PRÜSS gibt es eindeutige Hinweise auf dispositionelle neurophysiologische Faktoren als Bedingungshintergrund des Stotterns.

In FRIEDRICH/BIEGENZAHN/ZOROWKA (2005) ist das „Stottersyndrom eine zwischenmenschliche Kommunikationsstörung mit Unterbrechungen des Redeflusses, die plötzlich, unabhängig vom Willen des Sprechers, abhängig von Situationen und in sehr wechselnder Stärke auftritt.“

Van Riper legt seinen Schwerpunkt auf den physiologischen Aspekt. Stottern ist nach VAN RIPER eine „reflexartige“ Kampfbereitschaft der Sprechmuskulatur. Er sieht Stottern (1982, S45) als die Unterbrechung des simultanen und sukzessiven Programmierens der muskulären Bewegung, die erforderlich sind, um einen Laut mit dem nächsten zu verbinden und dadurch ein Wort zu bilden. Für ihn liegt der Kern des Stotterns in der Programmierung der Sequenz und des zeitlichen Ablaufs. Damit schließt er auf zentralnervöse Verursachung. Alle weiteren Symptome, die beim Stottern auftreten (Atmung, Begleitsymptome, Sprechängste, Vermeidungsverhalten) sind aus dieser Sicht sekundär, also Folge des Stotterns.

GROHNFELDT fasst Stottern im Anschluss an van Riper als neuromuskuläre Koordinations- und Feedbackstörung auf. Durch eine ungünstige Aufmerksamkeit der Umgebung können erhebliche psychosoziale Auswirkungen hinzukommen. Beide Bereiche können sich regelkreisartig verstärken.

Stottern sollte abgegrenzt werden von Ticstörungen (F95), welche unwillkürliche, rasche, wiederholte, nichtrhythmische Bewegungen meist umschriebener Muskelgruppen oder Sprachlautproduktion sind, die plötzlich einsetzen und keinem erkennbaren Zweck dienen. Weiterhin sollte es vom Poltern (F98.6) abgegrenzt werden, was sich durch eine hohe Sprechgeschwindigkeit mit Abbrüchen des Redeflusses charakterisiert, aber keine Blocks oder Lautdehnungen mit sich bringt. Es besteht ebenfalls eine deutliche Beeinträchtigung der Sprachverständlichkeit. Außerdem sollte Stottern von einer Störung des Sprechrhythmus bei neurologischen Erkrankungen – insbesondere infantile Zerebralparese oder Erkrankungen des extrapyramidalen Systems abgegrenzt werden, welches sich in der Regel generalisierter Veränderungen von Suprasegmentalia zeigt. Zum Schluss sollte man Stottern noch von Zwangsstörungen unterscheiden. Die beim Stotternden auftretende Sekundärsymptomatik ist zwar ähnlich den wiederkehrenden Zwangshandlungen mit stereotypem und ist auch für Betroffene mit quälendem Charakter, allerdings handelt sich es auch hier um ein anderes Störungsbild.

1.2 Symptomatik des Stotterns

Man kann zum einen Kernsymptome, welche die Redestörung charakterisieren und zum anderen Begleitsymptome (=Sekundärsymptome), welche die Gesamtpersönlichkeit des Stottern betreffen unterscheiden. Manchen Autoren nehmen jedoch eine Klassifikation der Stottersymptomatik in äußere, körperliche und innere, psychische Störungen vor. Demnach sind äußere Symptome von der Umwelt unmittelbar hör- und sichtbar, innere beziehen sich auf Gefühle und Einstellungen des Betroffenen, die vom Kommunikationspartner nicht unbedingt wahrgenommen werden.

Wie teilweise in den oben genannten Definitionen treten Unterbrechungen, in Form von Wiederholungen (Repetitionen), Dehnungen (Prolongationen) und Blockierungen (Blocks) im Redefluss auf. Diese sind jedoch je nach Betroffenem in unterschiedlichem Ausmaß auffällig. Die Unterbrechungen bezeichnet man auch als tonisches und klonisches Stottern.

Tonisches Stottern ist gekennzeichnet durch lang anhaltende Verkrampfungen in der Artikulationsstelle (Blocks). Dies führt oftmals zu stummen Pressversuchen, die dem Beginn oder dem Weitersprechen eines Wortes vorausgehen. Außerdem sind bei Blocks der Atemstrom, hauptsächlich im Kehlkopfbereich und die Lautproduktion unterbrochen. Sie werden auch als stille Prolongation bezeichnet.

Klonisches Stottern ist durch „kürzere, rasch aufeinander folgende Kontraktionen der Sprechmuskulatur charakterisiert“ (FIEDLER/STANDOP 1978). Es kommt zu Laut-, Silben- und Wortwiederholungen, denen beim endgültigen Aussprechen des Wortes Wortdehnungen folgen. Die „Sprech- und Kehlkopfmuskulatur zeigt dabei anfänglich nur geringe Verspannung“ (FRIEDRICH/BIGENZAHN/ZOROWKA 2005).

Diese beiden Formen können sowohl getrennt als auch zusammen auftreten. Überwiegt eine der beiden Formen, so spricht man vom klonisch-tonischem bzw. tonisch-klonischem Stottern.

Die Sekundärsymptomatik entsteht aus den Versuchen, die Kernsymptomatik zu beenden bzw. zu vermeiden. Auffällig sind eine Reihe von begleitenden Mitbewegungen (Parakinesen). Diese Mitbewegungen können sich auf die gesamte Gesichts- und Halsmuskulatur, die Extremitäten oder den ganzen Körper auswirken und werden gleichzeitig mit dem Sprechen ausgeführt. Weiterhin sollen die Flicklaute oder Flickwörter, wie zum Beispiel „hm“, „also“, „jedenfalls“, „ich meine“ usw. ein fließendes Sprechen ermöglichen und werden deshalb von Stotternden häufiger als von Normalsprechenden verwendet.

Auch die Atmung kann so gesteuert werden, dass eine fehlerfreie Artikulation mit höherer Wahrscheinlichkeit eintritt. Bei Stotternden wird nicht selten ein inspiratorisches Sprechen beobachtet, bzw. ein Sprechen mit Restluft.

Weitere Sekundärsymptome können Veränderungen im nonverbalen Ausdruck in Mimik und Gestik sein, wobei ein direkter Blickkontakt vermieden wird. Zur Sekundärsymptomatik gehört auch die große Vielfalt von Vermeidungsverhalten, die von zeitlichem Aufschub und Startern – hörbar zum Beispiel als Interjektionen, das heißt, Einschüben – bis zum Vermeiden von Lauten und /oder Wörtern oder von Sprechsituationen geht.

Die äußeren Symptome des Stotterns sind sehr variabel und können im Kindesalter sogar phasenweise ganz verschwinden.

Im Gegensatz zu den äußeren sind die inneren Reaktionen nicht vom Kommunikationspartner unmittelbar beobachtbar. Innere Symptome umfassen Emotionen und Einstellungen von Stotternden. Es kann zu psychischer Anspannung, Frustration, Sprechscheu, Erwartungsangst, Scham, Verlegenheit, Selbstabwertung als Sprecher, Versagensangst oder Depressionen kommen.

Auch können Betroffene ein negatives Selbstbild entwickeln und vermuten, dass sie als dumm oder nervös erachtet werden. Einsichten in das Gefühlsleben von „Stotterern“ können beispielsweise durch die Lektüre von Autobiographien Betroffener erlangt werden.

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Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640292769
ISBN (Buch)
9783640293858
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124279
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt; Würzburg
Note
"-"
Schlagworte
Lerntheoretischer Ansatz Stotterns

Autor

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Titel: Lerntheoretischer und verhaltenstherapeutischer Ansatz des Stotterns