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Satzergänzungen im Wemfall kennen lernen und bestimmen können

Praktikumsmappe zum studienbegleitenden Praktikum an der Schule zur Sprachförderung

Praktikumsbericht / -arbeit 2008 30 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Gliederung des schriftlich ausgearbeiteten Stundenentwurfs

1. Vorstellung der Klasse
1.1 Eigenlage der Klasse
1.2 Lernausgangslage der Klasse

2. Lerninhalt
2.1 Themenzentrierung/Sequenzplanung
2.2 Verankerung im Lehrplan
2.3 Sachanalyse
2.4 Sprachliche Analyse
2.4.1 Phonetisch-Phonologische Ebene
2.4.2 Morphologisch-Syntaktische Ebene
2.4.3 Semantisch-Lexikalische Ebene
2.4.4 Kommunikativ-Pragmatische Ebene

3. Adaption
3.1 Aufbereitung und Anpassung des Lerninhalts
3.2 Lernvoraussetzungen und individuelle Fördermaßnahmen

4. Ziele

5. Arrangement: Diskussion der Entscheidungen
5.1 Methoden
5.2 Medien
5.3 Sozialform
5.4 Artikulationsschema

6. Literatur

7. Anhang

8. Reflexion der Stunde

1. Vorstellung der Klasse

1.1 Eigenlage der Klasse

Drei Schülerinnen und neun Schüler besuchen die Klasse 4 des Sonderpädagogischen Förderzentrums XXX. Im letzten Jahr wechselte ein Schüler in die Klasse zur individuellen Lernförderung und während meines Praktikums kam Schüler 1 neu in die Klasse. Ansonsten kennt sich die Klasse in dieser Konstellation seit drei Jahren. Das Leistungsniveau der Klasse ist sehr differenziert zu betrachten. Nach diesem Schuljahr werden zwei Schüler in die Hauptschule wechseln können, drei Schüler werden den Zweig zur individuellen Lernförderung besuchen und der Rest der Klasse wird den Hauptschulzweig am Sonderpädagogischen Förderzentrum einschlagen.

Der Umgang unter den Schülern ist meiner Meinung nach sehr aggressiv, rauh und es kommt sehr oft zu Streitereien, Prügeleien ect.. Trotzdem ist der Klassenzusammenhalt sehr gut, die Schüler haben bestimmte Mitschüler, mit denen sie am liebsten arbeiten oder spielen wollen. Dabei kommt es nicht selten zu Kämpfen. Es entstehen täglich neue Gruppenbildungen, die untereinander rivalisieren, sich beschimpfen und sich gegenseitig ausschließen. Vor allem die Dreier-Mädchen-Clique hat sich während meiner Hospitationen täglich gestritten, beleidigt, gegenseitig schikaniert und gemobbt. Dies führte so weit, dass eine Schülerin nicht mehr in die Schule kommen wollte und ständig krank war. Doch durch Frau XXX, die Jugendsozialarbeiterin an der Schule, verbesserte sich die Situation und durch viele Gespräche näherten sich die Mädchen wieder gegenseitig an und legten ihre Streitereien auf Eis.

Die Motivation der Schüler im Unterricht ist nur begrenzt hoch. Die ersten Stunden können sich die SchülerInnen konzentrieren, doch dann lässt die Spannung rapide nach. Die SchülerInnen zeigen bei sehr wenigen Themen großes Interesse und Neugier. Es ist sehr schwer, sie mit einem neuen Thema zu begeistern. Deshalb war ich umso erstaunter, dass sie bei meiner Stunde voll konzentriert und hoch motiviert waren und sehr gut mitgearbeitet haben. Ich hatte keine Disziplinprobleme, was im normalen Unterricht ein großes Problem ist.

In der Klasse wird von Frau XXX ein Tokensystem als klassenbezogene Maßnahme eingesetzt. Die Namen der Schüler hängen jeden Morgen an der grünen Ampel. Die Schüler bemühen sich, diesen grünen Status zu erhalten und bekommen dann am Ende des Tages einen Stern oder eben die rote Karte. Meiner Meinung wird in dieser Klasse dieses System ziemlich inkonsequent angewendet, sodass die „Bestrafung“ (rote Karte abschreiben) für die Kinder keine „Bestrafung“ bedeutet.

1.2 Lernausgangslage der Klasse

Exemplarisch an zwei Schülern wird nun die Lernausgangslage beschrieben. Die beiden Schüler wurden aufgrund ihrer Sprachprobleme ausgewählt. Da die Klasse keine reine Sprachheilklasse ist und sie sich schon im vierten Schulbesuchsjahr befindet, haben auch nur wenige Schüler auffällige Sprachschwierigkeiten. Nach einer ersten Beobachtungszeit habe ich mich schließlich für Schüler 2 und Schüler 1 entschieden und mit ihnen auch die patholinguistische Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen durchgeführt, um eine spezifischere Förderung im Unterricht einbauen zu können.

Schüler 2, 11 Jahre:

Arbeitsverhalten:

Schüler 2 ist gut im Unterricht zu motivieren. Er ist insgesamt lernwillig, aber nicht immer anstrengungsbereit. Er fragt sehr viel nach, weil er nicht immer alle Inhalte versteht. Sein Auffassungsvermögen bei Themen von bestimmtem Schwierigkeitsgrad ist zum Teil eingeschränkt. Im offenen Unterricht ist Schüler 2 schnell abgelenkt, sonst arbeitet er zügig und ordentlich. Schriftliche Arbeiten fertigt er gewissenhaft an, eine Kontrolle dieser erfolgt aber nur nach mehrfacher Aufforderung. Er erledigt seine Hausaufgaben zuverlässig, manchmal sind sie jedoch unvollständig oder falsch verstanden. Auch Materialien der Mitteilungen hat er bereits öfter vergessen.

Sozialverhalten:

Schüler 2 fügt sich gut in die Klassengemeinschaft ein und nimmt schnell Kontakte auf. Er hilft beim Lösen von Aufgaben, muss dazu aber meistens aufgefordert werden. Am Unterrichtsgespräch beteiligt sich Schüler 2 eher weniger und wenn, dann missachtet er oft die Gesprächsregeln. Er arbeitet bei Partner- und Gruppenarbeiten mit bestimmten Schülern gut zusammen. Hin und wieder ist Schüler 2 in Konflikte mit Mitschülern verwickelt, wobei er dann Lösungen von der Lehrkraft sucht. Er zeigt sich meist schnell versöhnungsbereit, aber nicht immer auch einsichtig.

Leistungsfähigkeit:

Schüler 2 verfügt über altersentsprechende motorische Fähigkeiten und zeigt auch in der auditiven und visuellen Wahrnehmung keine Auffälligkeiten. Im logischen Schlussfolgern hat er große Probleme ebenso wie manchmal in der Umsetzung von Arbeitsaufträgen. Schüler 2 hat Schwierigkeiten bei der Orientierung im Zahlraum bis 100, was zu sehr schwachen Leistungen im Rechnen führt. Hierzu benutzt er oft Anschauungsmaterial (Zehnerstangen), um das Addieren und Subtrahieren bis 100 zu bewältigen.

Sprache:

Im phonetisch-phonologischen Bereich zeigt Schüler 2 keine Auffälligkeiten. Seine sprachlichen Probleme liegen hauptsächlich in den grammatischen und semantisch-lexikalischen Bereichen, die ich mit der patholinguistischen Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen überprüft habe. Im Bereich der Grammatik fällt auf, das Schüler 2 zur falschen Kasusverwendung neigt. Besonders in seiner Spontansprache ersetzt er den Akkusativ oder Dativ oft durch den Nominativ. Schüler 2 hat außerdem Schwierigkeiten bei der Pluralmarkierung. Im semantisch-lexikalischen Bereich fällt auf, dass Schüler 2 einige Begriffe fehlen und er auch Probleme beim Wortverständnis hat. Dies ist wahrscheinlich dadurch bedingt, dass er Deutsch als zweite Muttersprache nach Russisch gelernt hat. Zuhause spricht er im Vergleich sehr wenig, denn seine Eltern sind gehörlos. Er kann die Gebärdensprache fließend sprechen, jedoch ist der Wortschatz im Gesprochenen sehr eingeschränkt.

Beim flüssigen Lesen hat Schüler 2 noch Schwierigkeiten, besonders beim Vorlesen. Oft liest er nicht richtig betont. Eine Sinnentnahme während des Lesens kann aber schon in Ansätzen erfolgen. Die Rechtschreibung ist aufgrund der Zweisprachigkeit fehlerhaft, besonders die Anwendung orthographischer Regeln. Die Grammatik ist auch im schriftlichen Bereich fehlerhaft. Schüler 2 übernimmt angebotene Satzmuster und grammatikalische Strukturen auch nur bedingt.

Schüler 1, 11 Jahre:

Arbeitsverhalten:

Schüler 1 begeistert sich sehr schnell für neue Themen. Sie lässt in ihren Beiträgen erkennen, dass sie den Inhalt überblickt, obwohl ihr oft das Detailwissen fehlt. Schüler 1 ist anstrengungsbereit, lässt sich aber auch schnell von anderen ablenken. Sie ist nicht immer aufmerksam und konzentriert und stört dadurch selbst andere Schüler. Schriftliche Aufgaben löst sie nur oberflächlich, weil sie schnell fertig werden möchte. Auch die Kontrolle ihrer Aufgaben erfolgt nicht gewissenhaft und nur nach Aufforderung. Schüler 1 erledigt ihre Hausaufgaben teilweise lückenhaft.

Sozialverhalten:

Schüler 1 nimmt gut Kontakt mit Mitschülern auf und fügt sich in die Klassengemeinschaft ein. Sie übernimmt außerdem freiwillige Dienste und ist in Partner- und Gruppenarbeiten ein zuverlässiger Partner, der seine eigenen Bedürfnisse manchmal fast zu schnell zurückstellt. Ihre eigenen Ideen und ihre Meinung versucht sie dennoch engagiert ins Klassengespräch einzubringen. Sie vergisst hierbei häufig die Gesprächsregeln. Schüler 1 löst Konflikte einsichtig und manchmal schon eigenständig. Sie zeigt sich schnell versöhnungs- und kompromissbereit.

Leistungsfähigkeit:

Schüler 1 wurde mit dem CFT I (Intelligenztest) überprüft, dessen Gesamtergebnis weit unter dem Durchschnittsbereich lag. Der Umgang mit Farben, Mengen und Formen ist jedoch noch nicht gesichert. Die Zwischenfarben lila, braun, orange und rosa sind noch nicht spontan verfügbar. Ihre visuelle Wahrnehmung ist durchschnittlich, nur in der auditiven Wahrnehmung sind leichte Rückstände festzustellen. Die Motorik ist altersgemäß entwickelt. Schüler 1 zeigt eine normale Ausdauer und Konzentration im Unterricht, nur ihr Arbeitstempo könnte noch verbessert werden.

Sprache:

Schüler 1s Sprachverständnis ist altersgerecht entwickelt. Ihr gelingt das eigenständige Erfassen und Verbalisieren von Zusammenhängen. Im lexikalisch-semantischen Bereich zeigt sie keine gravierenden Auffälligkeiten. Ihr Wortschatz ist etwas begrenzt. Im Bereich der Grammatik fällt eine deutlich disgrammatische Spontansprache auf. Schüler 1 hat Schwierigkeiten bei der Kasusbildung, außerdem verwechselt sie die Personalpronomen „sein“ und „ihre“. Relativsätze leitet sie meist mit dem Interrogativpronomen „wo“ ein, was aber auch dialektal gefärbt sein kann. Auf der phonetisch-phonologischen Ebene fällt Schüler 1 durch eine undeutliche Artikulation auf. Beim Vorlesen liest sie nicht immer wortgetreu und noch sehr langsam. Auch im Schriftlichen hat sie noch Probleme. Diese zeigen sich hauptsächlich wieder in der Grammatik. Sie hat hier Probleme mit dem Satzbau und dem Umstellen von Satzgliedern.

2. Lerninhalt

2.1 Themenzentrierung /Sequenzplanung

Die Stunde zu den Satzergänzungen im Wemfall war eine weiterführende Stunde in einer Sequenz. Eine Fortführung des Themas durch Frau XXX war angedacht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Verankerung im Lehrplan

Der Inhalt der Stunde, „Satzergänzungen im Wemfall kennen lernen und bestimmen können“ ist im Lehrplan der Grundschule im Fachbereich Deutsch in Punkt 4.3 Sprache untersuchen verankert. Hier heißt es, „die Kinder vertiefen und erweitern ihre Kenntnisse über Wortarten, deren richtige Verwendung in Sätzen sowie über weitere Möglichkeiten der Wortbildung. In kindgemäßen, lebensnahen Sprachsituationen sollen sie sich Kenntnisse über die Fälle und über die Satzobjekte aneignen, die Erweiterung von Sätzen erproben und Möglichkeiten nutzen, Sätze richtig und sinnvoll miteinander zu verknüpfen.“ (Lehrplan der bayerischen Grundschule 2000, S. 218) Dabei kommt in dieser Unterrichtsstunde vor allem der Unterpunkt 4.3.2 Sprachliche Mittel untersuchen und bewusst nutzen zum Tragen. Die Schüler sollen „Grundeinsicht zu dem 3. Fall gewinnen, Objekte aus dem 3. Fall bestimmen können und den Zusammenhang zwischen Verb und Fallsetzung erkennen“. (Lehrplan der bayerischen Grundschule 2000, S. 219)

Darüber hinaus betonen Hinweise zum Unterricht im Fachprofil Deutsch, dass verschiedene Lerntempi und Lernfortschritte während der ganzen Grundschulzeit berücksichtigt werden sollen. Dies gelingt vor allem durch offene Unterrichtsformen mit differenzierenden Angeboten. (vgl. Lehrplan für die bayerische Grundschule 2000, S. 28)

2.3 Sachanalyse

Alle nominalen Kasusformen (Substantiv, Artikel, Pronomen, Adjektiv) bilden Kasusformen (im Deutschen Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ). Zugleich weisen alle Wortarten mit Kasus auch Numerus (Singular, Plural) und Genus (Maskulin, Feminin, Neutrum) auf. In einer flektierten Sprache wie dem Deutschen fallen häufig grammatische Markierungen in einer Form zusammen. Konzentriert man sich auf die Substantive, kann man feststellen, dass wir den Kasus häufig nur am Artikel erkennen können. Woher kommen die unterschiedlichen Kasusformen? Das Verb hat eine wichtige Rolle für die Konstitution eines Satzes, es determiniert Anzahl und Art der Ergänzungen. Mit anderen Worten kann man sagen, dass jedes Verbe eine Valenz hat, die Fähigkeit, aufgrund seiner Bedeutung Leerstellen um sich zu eröffnen, die durch bestimmte `Mitspieler` besetzt werden müssen. So ist z.B. das Verb “platzen“ einwertig, es verlangt nur ein Subjekt (Der Luftballon platzt), das Verb “lieben“ zweiwertig; es verlangt neben dem Subjekt eine Ergänzung im Akkusativ (Er liebt dich). Je nach Abhängigkeit von der Valenz des Verbs können wir zwei Klassen von Satzgliedern unterscheiden: Ergänzungen und Angaben. Die Fragewörter bestimmen in der Schule die Auseinandersetzung mit dem Kasus und Satzgliedern, weil andere Zugänge im Deutschunterricht weitgehend unbekannt sind und weil die deutschen Termini „Werfall, Wesfall,…“ dies nahe legen (GRANZOW-EMDEN 2006) Die Fragen ergeben sich jedoch, nachdem Prädikat und Subjekt ermittelt sind, aus zwei Gründen von selbst: 1.) Subjekt und Prädikat ergeben zusammen noch keinen sinnvollen Satz; die Schüler merken, dass noch etwas fehlt. 2.) Die Frage ergibt sich aus der Bedeutung des Verbs.

Der Ergänzung im Dativ kommt eine relativ große Bedeutung zu. Das gilt vor allem in dem viergliedrigen Satzmodell `Subjekt-Prädikat-Ergänzung im Dativ-Ergänzung im Akkusativ`. Diese Satzstruktur wird vor allem von den dreiwertigen Verben geprägt, die ein Geben, Nehmen, Vorenthalten oder Mitteilen ausdrücken. Dabei kennzeichnet der Dativ in der Regel die Person oder das Lebewesen, zu deren Gunsten oder Ungunsten die Handlung geschieht.

2.4 Sprachliche Analyse

Im Vorfeld der Stunde ist es wichtig, bestimmte Zielstrukturen und Zielwortschatz zu berücksichtigen. Im Folgenden wird der Lerninhalt in Bezug auf verschiedene Sprachebenen erörtert.

2.4.1 Phonetisch-phonologische Ebene

In dieser Stunde muss vor allem auf eine korrekte Bildung des Dativs (Ergänzung) geachtet werden. Das /m/ im Auslaut kann sich als Schwierigkeit darstellen. Eine deutliche Modellsprache der Lehrerin und explizite Hinweise (Handzeichen für /m/ und farbige Markierung der Stelle) können dabei hilfreich sein.

2.4.2 Morphologisch-syntaktische Ebene

Beim Zusammenbauen der Sätze soll der Anfangsteil des Satzes vorgelesen werden, dann eine richtige Frage dazu gestellt werden und mit einer passenden Antwort geantwortet werden. Z.B. Seine Mutter trennte sich früh – von Wem? …von seine m Vater. Dieses Satzmuster soll jeder Schüler einmal anwenden. Dies wird durch das Angeln von den Verben bestimmt, sodass jeder die Möglichkeit hat, einen Satz in dieser Form zu bilden.

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Details

Seiten
30
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640886210
ISBN (Buch)
9783640888764
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124275
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
Schlagworte
satzergänzungen wemfall praktikumsmappe praktikum schule sprachförderung

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