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Erziehungsinstitutionen - Merkmale und Organisation

Seminararbeit 2008 11 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Begriff von Institutionen
2.1 Soziologische Ansätze zu einer Theorie der Institution
2.2 Grundüberlegungen zur Theorie pädagogischer Institutionen

3 Merkmale der Institution
3.1 Die Organisation pädagogischer Verhältnisse
3.2 Die Organisation von Prozessen des Beurteilens und Bewertens
3.3 Das Organisieren der Verwaltung
3.4 Organisieren von Beratung und Hilfe
3.5 Zur Professionalität der pädagogischen Mitarbeiter

4 Zur Soziologie von Organisationen
4.1 Zum Begriff der Organisation
4.2 Merkmale der Organisation

5 Abgrenzung von Organisation und Institution

6 Literaturliste

1 Einleitung

Heutzutage gibt es sehr viele verschiedene pädagogische Institutionen, die von der Kinderkrippe über den Kindergarten, die verschiedenen Schulstufen, Volkshochschule, Universität, Jugendhilfe bis hin zu Institutionen reichen, in denen Weiterbildung organisiert wird. Zu pädagogischen Institutionen kann im Alltagsverständnis all das gerechnet werden, dass pädagogisches Handeln regelgeleitet rahmt. In diesem Alltagsverständnis lassen sich mit pädagogischen Institutionen mindestens drei verschiedene Perspektiven verknüpfen. In ihnen wird erzogen. Sie behindern das pädagogische Handeln und es muss geklärt werden, was das Pädagogische an ihnen ist.

„Die Praxis pädagogischer Institutionen prägt somit Lebenserfahrung und Persönlichkeit eines jeden Mitglieds unserer Gesellschaft. Wir wirken [aber auch] alle zumindest zeitweise in der ein oder anderen Form an der Praxis einer pädagogischen Institution mit.“ (Göhlich 2001)

Ich möchte heute mein Hauptaugenmerk auf den Menschen und seine Erziehung aus sozialer und personaler Sicht legen, also die soziologischen Grundlagen von Erziehungsinstitutionen näher beleuchten und zuerst einmal klären, was - soziologisch gesehen - Institutionen sind. Später werden dann die Merkmale von Institutionen bzw. Erziehungsinstitutionen weiter beschrieben. Im nächsten Punkt möchte ich den Begriff Organisation beschreiben und ihn im Abschluss mit dem Begriff der Institution vergleichen bzw. abgrenzen.

2 Zum Begriff von Institution

2.1 Soziologische Ansätze zu einer Theorie der Institution

In der Soziologie gibt es kein einheitliches Verständnis davon, was eine Institution ist. Von Wiese hat damit zwischenmenschliche Beziehungen bezeichnet, die von Dauer sind und den Zweck haben, den Zusammenhang zwischen Menschen/ Menschengruppen im Interesse dieses Gebildes zu festigen und aufrechtzuerhalten. (Merkens 2006)

In der Erziehungswissenschaft wird nach Weber oft Institution mit Bürokratie gleichgesetzt. Das trifft zwar für die Vergangenheit nicht so zu, aber die neuen Anforderungen im Kontext von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung machen einen hohen Aufwand an Dokumentation erforderlich, weil Prozesse dokumentiert werden müssen. Nur so lässt sich die Art der Leistungserbringung nachweisen und deshalb müssen Berichtssysteme aufgebaut werden. Ebenso müssen Übergaben dokumentiert werden. Heute wird von Bürokratien auch Effizienz erwartet.

Mit der Wiederkehr der Fachaufsicht und der Einführung von Monitoringsystemen (Schule z.B. über Vergleichsarbeiten) erhöht sich der bürokratische Aufwand. Es ergibt sich ein komplexes Beziehungsnetz zwischen finanzierenden und verwaltenden Institutionen (z.B. Jugendamt.), den operativen Institutionen, z.B. Kindergarten und den Klienten bzw. den Vertretern der Klienten (z.B. Familie.). Das Netzt hat unterschiedlich Merkmale: Finanzierung, Qualitätskontrolle, Beziehungen zwischen Institutionen etc., so dass es keine einheitliche Rationalität gibt, unter die alles Handeln gestellt werden kann. Das Nichtpädagogische in den Beziehungen wird dann häufig als bürokratisch qualifiziert und gleichzeitig unterstellt, dass es durch das pädagogische Handeln erschwert werde. Vor allem die Beziehungen zwischen pädagogischen Institutionen können mit Hilfe des Bürokratiemodells dargestellt und untersucht werden, indem der Informationsaustausch, die Kontrolle und die Vermittlung von Entscheidungen untersucht werden. (Mayntz 1971)

Für Durkheim wird nicht der Nutzen als Bestimmungsmerkmal von Institutionen herangezogen. Die Funktion der Institution war nicht entscheidend bei deren Gründung. Das trifft bei den pädagogischen Institutionen sicherlich für Betrieb und Familie zu, gilt aber bei vielen anderen nicht, wie z.B. der Schule oder der Jugendhilfe. Institutionen werden uns historisch mit ihrer Funktion überliefert. Daraus resultiert das Gefühl der Fremdbestimmung. Selbst Veränderungen in der Funktion lassen die Institution als ziemlich unverändert erscheinen. Das Beispiel ist die Schule in den neuen Bundesländern nach der Wende. Institutionen erzeugen bei Eintretenden leicht das Gefühl der Anpassung. Es gibt Erwartungen über das richtige Verhalten in ihnen. Auch die jeweiligen Experten im Sinne von Weber müssen sich diesen Erwartungen anpassen. Erwartungen werden heute in gesetzlichen Bestimmungen kondensiert. Als Beispiel gilt da das Verbot des Prügelns in der Familie.

Die Institutionen sind nicht mit dem Zweck der Aufgabenerfüllung gegründet worden, man kann nur feststellen, dass die Aufgaben in ihnen erfüllt werden. Die Institutionen haben einen prägenden Einfluss auf das Handeln in ihnen. (Durkheim 1984)

Parsons war einer der einflussreichsten Soziologen in den USA, der sich selbst in der Tradition von Weber gesehen hat. Er hat für Gesellschaften und auch Institutionen als Grundannahme formuliert, dass es sich jeweils um Systeme handele, die nach dem Zustand der Homöostase strebten. Insoweit ist Parsons der Vertreter eines Ansatzes, für den die Struktur eine der entscheidenden Variablen ist. Die andere entscheidende Variable ist die Funktion. Wenn für Systeme der Normalzustand Homöostase ist, dann liegt es nahe, dass für die Handelnden in Systemen nicht von Freiräumen ausgegangen wird, sondern deren Handeln prinzipiell in Rollen fixiert ist. Gibt es verschiedene Rollenträger, dann kommt der Institution – in Bezug auf diese Rollenträger – eine integrative Funktion zu. So lassen sich in der Schule Lehrer- und Schülerrolle, im Kindergarten Erzieher/innen- und Kinderrolle unterscheiden.

Von den Handelnden wird erwartet, dass sie sich konform in Bezug auf die ihnen zugewiesene Rolle verhalten. Für pädagogische Institutionen ist von besonderer Bedeutung, dass bei hohem Konformitätsdruck das Rollenhandeln selbst dann professionell gestaltet werden kann. Im theoretischen Modell gibt es keine Spielräume. Das Rollenverständnis dominiert das individuelle Handeln.

Diese Skizze des Ansatzes von Parsons lässt erkennen, dass im Prinzip von einem starren Verständnis der jeweiligen Institution ausgegangen wird. Diese Starre kann zwar aufgebrochen werden. Für Parsons bedeutet das eine Störung – jedoch strebt das System anschließend wieder zu einer neuen Homöostase zurück, d.h. Dynamik oder Veränderung kann immer nur punktuell in das System eintreten. Der Aspekt der Rolle, die ja von Parsons eingeführt wird, stimmt einerseits relativ gut damit überein, dass an Handelnde in Institutionen Erwartungen gerichtet werden, denen diese genügen sollen. Bei Parsons wird diese Fremdperspektive aber nicht dominant, sondern der Konformitätsdruck wird vom System selbst mit dem Ziel erzeugt, dass das System sich selbst erhält. (Merkens 2006)

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Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640292752
ISBN (Buch)
9783640293841
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124272
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
"-"
Schlagworte
Erziehungsinstitutionen Merkmale Organisation

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Titel: Erziehungsinstitutionen - Merkmale und Organisation