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Der Stellenwert Somalias in der Außenpolitik der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien

Eine Akteursanalyse mit Bezug auf die aktuellen Ereignisse 2006-2008 unter Berücksichtigung US-amerikanischer Interessen in der Region

Magisterarbeit 2008 121 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Theorie und Methode
1.2.1. Theorie
1.2.2. Methode

2. Äthiopische Historie und historisch fundierte Leitlinien der Außenpolitik
2.1. Chronologie und Faktoren der äthiopischen Erfahrungswelt
2.1.1. Aksum und Äthiopien bis zur Kolonialzeit
2.1.2. Äthiopien von der Konsolidierung bis zum Ende des Kalten Krieges
2.1.3. Äthiopien nach 1991: Eine ‚zentralistische Föderation’
2.1.4. Gewalt, Militarisierung und Proliferation
2.1.4.1. Gewalt und Gewaltgewöhnung
2.1.4.2. Militär und Militarisierung
2.1.4.3. Bewaffnung und Proliferation
2.1.5. Der Faktor Religion
2.1.5.1. Christentum: Die koptische Orthodoxie
2.1.5.2. Der Islam und der Islamismus
2.2. Außenpolitik unter Haile Selassie und Mengistu Hailemariam
2.3. Historische Einflüsse und historisch beeinflusste Leitlinien äthiopischer Außenpolitik
2.3.1. Sendungsbewusstsein und regionale Hegemonialmacht
2.3.2. Christentum vs. Islam: Krieg gegen die Isolation
2.3.3. Machtimport durch Bündnispolitik und: Der Feind meines Feindes ist mein Freund
2.3.4. Militarisierung und Verheerung
2.3.5. Ägypten und die Nilfrage

3. Somalia bis zum Jahr 2000
3.1. Das Clansystem: Segmentäre Gesellschaft und pastorale Demokratie
3.2. Die Kolonialzeit: Aufteilung und Gegenwehr
3.3. Unabhängigkeit und Diktatur im Zeichen der nationalen Einigung
3.4. Anarchie nach 1991: Fragmentierung ins Chaos
3.4.1. Internationale Intervention
3.4.2. Konsequenzen
3.5. Der Islam in der somalischen Gesellschaft und Konfliktstruktur
3.6. Äthiopien im Kontext der somalischen Erfahrungswelt

4. Die allgemeine Konstellation am Greater Horn
4.1. Strategische Bedeutung der Region und internationale Interessen
4.1.1. Auswirkungen externer Interventionen am Horn
4.2. Die inneren Grundsätze regionalstrategischer Abläufe
4.3. Die Konstellation vor dem äthio-eritreischen Krieg: Die New African Leaders
4.4. Das Sudan-Containment
4.5. Die regionale Konstellation nach dem Stillhaltevertrag von Algier
4.6. Die Intergovernmental Authority on Development (IGAD)
4.7. Zusammenfassung der Situation

5. Die äthiopische Außenpolitik unter dem Regime Meles Zenawi
5.1. Die Außenpolitik bis zum Krieg mit Eritrea
5.2. Krieg mit Eritrea: „Verdun in der Wüste1
5.3. Die Außenpolitik Äthiopiens nach dem Schiedsspruch der IBC
5.4. Die Außenpolitik nach Westen
5.5. Die äthiopische Somaliapolitik bis 2000: Friedensinitiativen, Sabotage, Intervention
5.5.1. Frühe militärische Eingriffe
5.5.2. Kontinuierliche Eskalation nach dem äthio-eritreischen Krieg
5.5.3. Plan B: Die Institutionalisierung der Anarchie
5.5.4. Die Politik gegenüber Somalialand
5.6. Conclusio: Eine Regierung mit eingeschränkten Handlungsoptionen?

6. Somalia und die Äthio-Connection seit dem Jahr 2000
6.1. Die Arta-Konferenz und das Transitional National Government (TNG)
6.1.1. Die Union of Islamic Courts (UIC): Entstehung und Ausrichtung
6.2. Eine Regierung äthiopischer Prägung: Das Transitional Federal Government(TFG)
6.2.1. Blitzkrieg der UIC: Islamisten gegen Kriegsherrn im War on Terror
6.2.2. Der Vorabend zur Invasion
6.2.3. Die Invasion und danach: Going Iraq?
6.2.4. Die Rebellion: Heterogene Guerilla und ein Ziel
6.3. Zusammenfassung: Mangel an Optionen
6.4. Ausblick

7. Die Rolle der Vereinigten Staaten am Horn von Afrika und bei der äthiopischenInvasionsentscheidung

7.1. Die regionale Bedeutung der USA in der Vergangenheit
7.2. Die amerikanische Somaliapolitik
7.3. War on Terror und äthiopische Invasion
7.4. Die militärische Präsenz in der Region
7.5. Perspektiven, Image, Interessen

8. Synopse: Entscheidungsstränge und Perzeptionen der äthiopischen Somaliapolitik
8.1. Direkte Bedrohungen
8.1.1. Gefahr von außen: Islamismus
8.1.2. Gefahr von innen: OLF und ONLF
8.1.3. Der äthio-eritreische Stellvertreterkrieg
8.1.4. Offene Drohungen aus Mogadischu
8.2. Indirekte Bedrohungen
8.2.1. Der Unsicherheitsfaktor Sudan
8.2.2. Ägypten und die Nilwasserfrage
8.3. Weitere Ziele und Motivationen
8.3.1. Abullahi Yusuf: Ein Freund Äthiopiens
8.3.2. Der Meerzugang als ökonomisches Diktat
8.3.3. Das äthiopische Streben nach der regionalen Hegemonie
8.3.4. Die USA als positiver Faktor: Tolerierung, Genehmigung, Aufforderung?
8.3.5. Faktor Öl
8.3.6. Äthiopische Innenpolitik
8.4. Mentalität, Zwänge, Alternativen
8.4.1. Die äthiopische Grundangst vor der Isolation
8.4.2. Die mentale Verfassung einer Guerilla-Regierung
8.4.3. Flexible Reaktion als Antwort auf einen Blitzkrieg
8.4.4. Anarchie als Exit-Strategie

9. Zusammenfassung

10. Literatur
10.1. Monographien und Sammelbände
10.2. Beiträge in Sammelbänden, Fachzeitschriften, Zeitschriften und Jahrbüchern
10.3. Sonstiges
10.4. Internet

11. Anhang
11.1. Abkürzungen
11.2. Glossar
11.3.Karten
11.3.1. Äthiopien: Administrative Aufteilung
11.3.2. Äthio-somalische Konfliktzone vor der Invasion
11.3.3. Hauptethnien in Äthiopien und Somalia (Galla = Oromo)
11.4. Abstract (deutsch)
11.5. Abstract (english)

„Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.“ (Bertolt Brecht)

1. Einleitung

„Our task is complicated by the fact that much of the history remains chronicled solely in the archives of security agencies – and in the heads of security officers (...)“2

Diese Feststellung, bezogen auf sicherheitspolitische Vorgänge am Horn von Afrika, betrifft auch das weite Feld der äthio-somalischen Beziehungen. Da aber, wie schon Mahatma Gandhi feststellte, Stärke dem unbeugsamen Willen entspringt, soll hier mit der Recherche verfügbarer wissenschaftlicher und journalistischer Texte ein möglichst zutreffendes Bild geschaffen werden.

Angesichts der mannigfaltigen Konfliktlagen in der Region, der unzähligen Brüche, historischer Vorfälle und pauschalen Intoleranz zwischen Äthiopien und Somalia im Speziellen sowie der wiederholt vorgetragenen Intervention fremder Mächte kann das dieser Arbeit zugrunde liegende Thema in einem komplexen Kräftefeld verortet werden. In diesem Sinne scheint ‚Krieg’ im Zusammenhang mit der Situation am Horn von Afrika tatsächlich die Fortsetzung der Politik mit anderen – gewalttätigen – Mitteln zu sein.

Wie aber kann dieser Krieg, und hier im Besonderen die äthiopische Invasion in Somalia gedeutet werden?Si vis pacem, para bellum? Oder gilt für die gesamte Region ohnehinbellum omnium contra omnes? Gibt es überhaupt noch so etwas wie einencasus belli– einen Kriegsgrund?

Die Analyse gewalttätiger internationaler Konflikte ressortiert zum Beispiel zur Kriegsursachen- und Friedensforschung. Zu wichtig ist das Gut des Friedens, als dass sein Antonym nicht zum Gegenstand eingehender Forschung werden sollte.

Mit dieser Arbeit soll ein Beitrag geleistet werden, um die Konfliktsituation am Horn von Afrika plausibel darstellen zu können. Daher wird sich diese Arbeit den Motiven äthiopischer politischer Willensbildung und der dieser zugrunde liegenden historischen sowie geographisch-strategischen Erfahrungswelt widmen.

1.1. Fragestellung

Die forschungsleitende Grundfrage soll jene nach der Bedeutung Somalias für die äthiopische Außenpolitik sein. Da sie zweifelsohne ein breites Spektrum an Problemen umfasst, werden einige spezifische Fragen den Focus auf die äthiopische Invasion in Somalia 2006 lenken:

a) Welche Faktoren, Motive und dergleichen haben Addis Abeba zum Einmarsch in Somalia bewogen?
b) Welche Ziele werden von den unterschiedlichen Akteuren und vor allem von der äthiopischen Regierung verfolgt?
c) Welche Rolle spielten die USA bei der Invasionsentscheidung?
Mit der Beantwortung der zentralen und den weiteren Fragestellungen soll nicht nur die – mittlerweile – historische Entscheidung Äthiopiens beleuchtet, sondern in Ansätzen auch Voraussagen über die Zukunft ermöglicht werden.

Zusätzlich werden folgende Hypothesen aufgestellt, die es am Ende dieser Arbeit zu überprüfen gilt:

a) Der Einmarsch ist ein Präventivschlag gegen ein zentral geführtes, islamistisches Somalia.
b) Innerer Demokratisierungsdruck spielt eine Rolle bei der Entscheidung.
c) Die militärische Anwesenheit Äthiopiens trägt nichts zur Stabilisierung Somalias bei. Dieser Fakt wurde von äthiopischer Seite bewusst in Kauf genommen.
d) Äthiopien war bei seiner Entscheidung nicht von den USA abhängig und handelt nach eigenen Zielvorgaben.

1.2. Theorie und Methode

1.2.1. Theorie

„Theorie hat einen realistischen Zweck – sie ist in erster Linie dazu da, mit den Herausforderungen der Gegenwart klarzukommen, nicht dazu, Geschichte umzugraben, „konstruktivistische“ (Selbst)reflexion zu betreiben oder Visionen einer besseren Welt zu hegen.“3

Aus dem Spektrum der vorhandenen Theorien zur Internationalen Politik wurde der neorealistische Ansatz der Münchner Schule ausgewählt. Dieser basiert auf dem von Gottfried-Karl Kindermann weiterentwickelten Realismus’ Hans J. Morgenthaus. Grundlage dieser Arbeit ist allerdings die neuere Version des Münchner Neorealismus von Alexander Siedschlag, die einerseits eine ansprechende Basis zur Analyse von Außenpolitik und andererseits mit dem verfeinerten Konzept der Konstellationsanalyse einen guten methodischen Ansatz für diese Arbeit bietet.

Während ‚Macht’ der zentrale Begriff des Realismus scheint,4 nennt Kindermann für seinen Ansatz ‚Politik’ als Grundbegriff. Diese sei einerseits „differenziert definiertes Entscheidungshandeln“, das auf einem monozentrischen Gesellschaftssystem fußt und andererseits Koexistenz und Interaktion von vielen Aktions- und Entscheidungssystemen im polyzentrischen System Internationaler Politik.5

Im Neorealismus dient die Macht der Selbsterhaltung und wird als Mittel der Interessenverwirklichung gesehen. Gebildet werden Interessen von innerstaatlichen Akteuren, seien es Institutionen oder Funktionen. In jedem Fall handelt es sich um Individuen. Daher ist die Rückkopplung von Erfahrenem ein wichtiger Faktor von Interessenbildung und Interessenverwirklichung.

Ein weiterer zentraler Aspekt sowohl des Realismus’ als auch des Neorealismus’ ist die Feststellung, dass nicht Staaten handeln, sondern Individuen, dass der Staat als rationaler Akteur nicht vorhanden ist.6 Genauso wenig ist Macht auf bloße Hardware zu reduzieren, sondern bezieht sich auf die Gesamtheit der strategisch einsetzbaren Ressourcen – von der Bevölkerungsstruktur bis zur Geographie.

In diesem Sinne wird auch Außenpolitik als Politik der Individuen und Vollzugs-organe begriffen, die nicht der Durchsetzung, sondern der Wahrung gesetzter Interessen dient.7

Mit dieser Theorie will der Münchner Ansatz aber nicht bloßen Erkenntnis-gewinn über vergangene und gegenwärtige Ereignisse erzielen. Kindermanns und Siedschlags Ziel ist es, über die Methode der Konstellationsanalyse Prognosen für weiteres Verhalten stellen8 beziehungsweise als Politikbegleitung Empfehlungen abgeben zu können.

1.2.2. Methode

Der Münchner Schule des Neorealismus folgend, wurde als Methode für diese Arbeit die Konstellationsanalyse ausgewählt. Ihren Grundsätzen soll hier gefolgt werden, wobei die genaue Einhaltung des Reglements für eine Arbeit diesen Ausmaßes nicht zielführend scheint, weswegen der Schwerpunkt mehr auf den Prinzipien als auf den Strukturen der Konstellationsanalyse liegt.

Von Kindermann entwickelt, um in erster Linie trans- und internationale Problemkonstellationen zu analysieren, wurde sie von Siedschlag entscheidend verfeinert. In dessen Diktion ist die Methode nun auch auf das konkrete außenpolitische VerhalteneinesStaates anwendbar, bedingt also nicht mehr zwingend einer internationalen Fragestellung. Außerdem versucht Siedschlag mit der neu konfigurierten Konstellationsanalyse eine Erweiterung der Empirie um die Möglichkeit, Politik „konstruktiv kritisierbar und Zukunftsprojektionen formulierbar“9 zu machen. Damit wird der Entwicklung einer Anwendbarkeit für die Politikberatung Rechnung getragen.10 Dieser Verwertungszusammenhang soll hier zwar vermerkt werden, doch übersteigt die praktische Umsetzung den Anspruch der vorliegenden Arbeit.

Alle Recherchen dieser Arbeit wurden unter Verwendung von Sekundärliteratur durchgeführt. Im Sinne der Hermeneutik wurden Texte – und vor allem Zusammenhänge – interpretiert und einer qualitativen Inhaltsanalyse unterzogen.

2. Äthiopische Historie und historisch fundierte Leitlinien der Außenpolitik

2.1 Chronologie und Faktoren der äthiopischen Erfahrungswelt

Zu berücksichtigen ist zur Beantwortung der zentralen Fragestellung in jedem Falle die Entstehung der Staaten Äthiopien und Somalia in ihren heutigen Grenzen. Dieser Schritt ist zum besseren Verständnis der aktuellen Somalia-Politik von besonderer Relevanz. Daneben soll in diesem Abschnitt auch die aktuelle innenpolitische Situation beider Länder berücksichtigt werden – einer der möglichen Faktoren außenpolitischen Handelns.

2.1.1 Aksum und Äthiopien bis zur Kolonialzeit

Tatsächlich nachweisbar ist ein Staat auf äthiopischem Boden ab dem 6. Jahrhundert vor Christus. Dieses KönigreichAksumhatte neben eigenem Münzwesen und Schriftsystem bereits ausgeprägte Kontakte nach Indien, Arabien, Syrien und Ägypten, mit welchem es auch einige Kriege führte. Im 4. Jahrhundert nach Christus übernahmNegus Ezanadas Christentum und stellte die neue Kirche alsbald unter den koptischen Patriarchen von Alexandria.11

Die Ausbreitung des Islam brachte fürAksumeinige Veränderungen mit sich. Erstens traf das Reich auf durch den Glauben moralisch gestärkte Völker, wie etwa dieBedja.12 Zweitens war mit der Eroberung Ägyptens durch die Mohammedaner der Kontakt zum Patriarchen und zur Außenwelt bedeutend erschwert. Drittens begannen dieAksumitenin der Folge eine Expansion nach Süden in das heutigeShoa, das sie im 10. Jahrhundert als Militärkolonie christianisierten.13 Viertens wurde das äthiopische Hochland nach und nach isoliert und seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wodurch sich fünftens das SendungsbewusstseinAksumsenorm steigerte: Man sah sich – vor allem nach der Eroberung Jerusalems durch Perser und Araber – als neues Volk Israel undAksumals das neue Zion.14

Mit der Ausbreitung des Islam fiel das Reich – ähnlich Europa – in ein dunkles Zeitalter, verlor seinen Zugang zum Meer, an dessen Küste sich der neue Glaube vergleichsweise früh ausbreitete. Die Militarisierung deraksumitischenGesellschaft, in der es bereits früh eine Art Volksheer gab,15 sicherte dem Staat jedoch das Überleben. Im 13. Jahrhundert gewannen die semitisch-kuschitischen Völker der Amharen und Tigre endgültig die Oberhand in Äthiopien.16 In dieser Zeit knüpfte man erste direkte

Kontakte zu Europa, während mit dem muslimischen Umland ein ständiger Kleinkrieg geführt wurde, der aber eher machtpolitischer und ökonomischer als religiöser Natur war.17 Auch mit Ägypten gab es immer wieder Konflikte, die einerseits aus der ägyptischen Befürchtung heraus resultierten, die Äthiopier könnten das Nilwasser beeinträchtigen oder gar absperren18 und andererseits die berechtigten äthiopischen Ängste zum Ausdruck brachten, Ägypten wolle das Land völlig isolieren.19

Im dreißigjährigen Krieg Äthiopiens (1529-1559) überfiel der ausAdalkommende Ahmad Gran mit seinen Horden das Land, eine Artpreemptive warfare20 aus Angst vor einer anstehenden Expansion der Christen. Dieser auf dauerhafte Eroberung angelegte Feldzug wurde als Dschihad geführt, mit dem Ziel „einer Auslöschung der christlich geprägten kulturellen Identität der Hochland-Äthiopier“.21 Rettung und Wende brachten Kontakte zu den Portugiesen, die ein erfolgreiches Expeditionskorps entsandten.

Zurück blieb ein verheertes Land, Ruinen von Klöstern und Kirchen, eine durch Massaker dezimierte Bevölkerung, die unter Druck teilweise zwangskonvertiert worden war und ein zerfallender Rumpfstaat, welcher große Teile seines Gebietes eingebüßt hatte und mit dem Verlust des Küstenzugangs wieder nahezu vollständig isoliert war.22 Zusätzlich drangen aus Süden dieOromoin das von Kaiserreich und Sultanat hinterlassene Vakuum vor.

Noch gelang es mehreren aufeinander folgenden Kaisern, ihre Fürsten gegen äußere Feinde zusammenzuhalten. Doch bald schon machte die daraus folgende starke regionale Militarisierung der Zentralgewalt zu schaffen. Neben diversen Königen (Rase) zogen auchwarlords(Shifta) mit ihren Armeen durch das Land und führten von 1769 bis 1855 einen pausenlosen Bürgerkrieg. Durch diesen Zustand derZemene Mesafintgab es in Äthiopien bereits früh eine Art stehender Armeen.23 Dazu Berhe:

„At that time, war became a common occurrence and the gun a highly prized asset (...)“24

Im Zuge der Kolonisation gelang es den Kaisern Tewodros II. (1855-1868), Yohannes IV. (1872-1889) und Menelik II. (1889-1913) das Reich zu rezentralisieren. Letzterer erweiterte den neuen Staat mit einer massiven Expansion nach Süden und Osten. Mit dieser oftmals gewaltsam vorangetriebenen und durch das Christentum geprägten Ausbreitung25 schlüpfte das unabhängig gebliebene Äthiopien selbst in die Rolle einer expandierenden Metropole.

In diese Zeit fallen Kriege gegen die Briten (1868),26 gegen die von ihrer „Hydropolitik“27 geleiteten Ägypter (1875/76),28 gegen dieDerwischedesMahdi(1888/89) und gegen Italien (1887, 1896).29 Da Äthiopien aus der ersten Niederlage gegen Großbritannien gelernt hatte und daher aus den übrigen Konflikten erfolgreich hervorging, bekam es schlussendlich das, was anderen afrikanischen Staatsgebilden verweigert worden war: Die offizielle Bestätigung seiner Unabhängigkeit durch die europäischen Mächte.

2.1.2 Äthiopien von der Konsolidierung bis zum Ende des Kalten Krieges

Bereits 1875 begann der König vonShoaund spätere Kaiser Menelik II. das, was Matthies eine „Reconquista des Südens“30 nennt. Durch seine Idee der Expansion verschaffte er dem Reich – und vor allem sich selbst – die Möglichkeit, mittels erweiterter Ressourcen-Aquirierung den Feinden die Stirn bieten zu können.31 Auf der einen Seite wurde Äthiopien von den benachbarten Kolonialmetropolen Großbritannien, Frankreich und Italien die Unabhängigkeit zugesichert. Auf der anderen Seite erhielt es durch die Festlegung von Grenzen nun auch offiziell die Kontrolle u.a. über die hauptsächlich moslemischen Völker derOromo, Somali (Ogadeni-Clan) undSidamo.32

Trotz der Zentralisierungsversuche blieben unter Menelik II. weite Teile des Landes unter autonomer Verwaltung regionaler Herrscher. Doch vor allem die neu eroberten Gebiete wurden durch Pfründevergabe vom „Bismarck of Africa“33 eng an die Zentralmacht gebunden.

Ab 1916 leitete der Ras Tafari ausHarardie Regierungsgeschäfte, auch wenn er sich erst 1930 offiziell als Haile Selassie I. zumNeguskrönen ließ.34 Bis zum Zeitpunkt der italienischen Invasion 1935 hatte er einen Zentralstaat auf der Basis deramharischenBevölkerungsminderheit geschaffen, welcher alle anderen Reichsteile mehr und mehr in die Peripherie drängte. Nach außen gewann der Kaiser in der schwarzen Bevölkerung weltweit als Vorreiter des Selbstbestimmungsrechtes an Bedeutung.35

Das Fehlen fester Bündnisse und die Vernachlässigung der Aufrüstung des Heeres erleichterte Mussolini-Italien 1935 die Eroberung des Landes, der eine Schreckensherrschaft folgte. Im April 1941 waren es vor allem britische Truppen,36 die Addis Abeba und damit Äthiopien vom italienischen Terror befreiten. Dieser Erfolg war durch schweren Widerstand innerhalb des Landes erfolgreich vorbereitet worden.37

Ab diesem Zeitpunkt beeinflussten die Briten die Ereignisse in Äthiopien. Haile Selassie wurde wieder eingesetzt, seine Herrschaft überTigraymit Hilfe der RAF durch die Niederschlagung desWoyane-Aufstandes bestätigt,38 und der Kaiser selbst setzte Briten auf hohe Verwaltungsposten. Schließlich wurde die ehemals italienische Kolonie Eritrea in einer Föderation mit Äthiopien verbunden39 – gegen den Widerstand des Großteils der moslemischen Bevölkerung. Vor allem die USA und Großbritannien förderten dieses Anliegen Haile Selassies. 1962 wurde Eritrea dem Kaiserreich vollständig einverleibt.

Im Inneren bildete die vom Amerikaner John Spencer konzipierte Verfassung von 1955 die neue Legitimationsbasis der kaiserlichen Herrschaft.40 Der Kaiser herrschte per Dekret; Matthies spricht von Absolutismus.41

„Haile Selassie based his rule upon a coalition with, and cooptation of Ethiopian nobility, the Ethiopian Coptic church, and the military.“42

Eine Welle derAmharisierung43 ließ den Widerstand in Eritrea und Tigray anschwellen, weil dadurch jene Gebiete in Verbindung mit der fortschreitenden Zentralisierung immer mehr an die Peripherie des Staates verdrängt wurden. Den daraus entstandenen zentrifugalen Kräften regionalen Widerstandes hatte Haile Selassie vor allem eines entgegenzusetzen: Das Militär.

Da diese Art von Politik einigen Widerspruch hervorzurufen imstande war und der Kaiser Furcht vor der arabischen Einkreisung hatte, mussten die Sicherheitskräfte dementsprechend gestaltet werden. Massive Außenhilfe ließ die Armee zur schlag-kräftigsten in Schwarzafrika werden44, was nicht zuletzt auch auf den hohen kampf-technischen Erfahrungsschatz zurückzuführen war.

„The armed forces were better organized than any other socio-political group in the country because of Ethiopia’s long-standing military tradition.“45

Eingesetzt wurde die neue Armee erstmals im Konflikt mit Somalia 1964 und beim Kampf internationaler Truppen in Korea. Im eigenen Land begann der bewaffnete Aufstand derEritrean Liberation Front(ELF) 1961, gefolgt von derOromo Liberation Front(OLF), derWestern Somali Liberation Front(WSLF), derEritrean People’s Liberation Front(EPLF), derTigray People’s Liberation Front(TPLF) und anderen Rebellenbewegungen.

Allerdings war es dann auch das Militär, das dem äthiopischen Thron den Todesstoß versetzte. Offiziere niederen Ranges eliminierten als „bewaffneter Arm des Kleinbürgertums“46 die Monarchie.

Aus dem obersten Militärrat (Derg) entstieg bald der Diktator Mengistu Hailemariam, der seine Herrschaft mit brutalem Terror zu festigen begann.47 DerDergenteignete jeglichen Bodenbesitz, führte allgemeine Besitzbegrenzungen ein und gründete Genossenschaften.48 Bis 1985 wurden zusätzlich an die dreißig Prozent der ländlichen Bevölkerung in Dörfer zwangsumgesiedelt.49

Die Hoffnungen der verschiedenen Nationalitäten Äthiopiens auf Autonomie machte derDergschnell zunichte. Denn im Gegensatz zu anfänglich gegenteiligen Tendenzen setzte der Diktator die zentralistische, auf dem Militär fußende Politik des Kaisers fort und erklärte die territoriale Integrität für sakrosankt. So wurde der Staat ganz auf das Militär „als patriotische[n] Bewahrer der Nationalen Einheit und territorialen Unversehrtheit des Landes“50 ausgerichtet. Neben dem Einsatz gegen politisch Unliebsame kämpfte die Armee imOgadenkrieggegen Somalia und im eigenen Land gegen zahlreiche sezessionistische Bewegungen. Letztere zu eliminieren galt als zentrales Anliegen der Diktatur, da man sich bereits früh vor einer „Libanonisierung“51 Äthiopiens zu fürchten begann, weswegen die knappen Ressourcen des Landes in unglaublichem Maße der eigenen Kampfkraft zugeführt wurden.

ImOgadenkriegwar das eigene Militär noch zu schwach, um der somalischen Invasion etwas entgegensetzen zu können. Dies war auch der Grund, weswegen in einer Blitzaktion kubanische Truppen und sowjetisches Material ins Land geschafft worden waren, wodurch es 1978 schließlich gelang, den Feind zu vertreiben.

Zunehmende Desorganisation und Führungsschwäche führten 1989 zu schweren militärischen Niederlagen, zum Rückzug ausTigrayund in Konsequenz zu einem Umsturzversuch.52 Die äußerste Brutalität, mit der dieser Putsch niedergeschlagen worden war, sowie der kontinuierliche Fehleinsatz militärischer Kräfte führte zum schleichenden Entzug der Unterstützung durch die eigenen Soldaten. Dies – und der Zerfall der Sowjetunion – bedeutete einen Machtverlust, der den Befreiungs-bewegungen53 den finalen Schlag erst ermöglichte. So endete das Kapitel Mengistu Hailemariam mit der Flucht des Diktators aus dem im Mai 1991 von den Truppen derEthiopian People’s Revolutionary Liberation Front(EPRDF)54 eingenommenen Addis Abeba.

2.1.3. Äthiopien nach 1991: Eine ‚zentralistische Föderation’

Der neue Staatsführer Meles Zenawi übernahm ein ausgeblutetes Land: Seit den 1960ern gab es in Äthiopien eine Million Hungertote, 400.000 Tote durch Repression und Krieg, dadurch verursachte 200.000 Voll- und Halbwaisen und ebenso viele Versehrte, jeweils 2,5 Millionen Flüchtlinge inner- und außerhalb des Landes sowie 15 Millionen zwangsweise umgesiedelte Bauern.55 Unter den Ethnien56 hatten sich partiell große Spannungen entwickelt, vor allem dieAmharenfürchteten sich vor Repression. Zusätzlich verschärfte die mit den Jahren sich ausbreitende AIDS-Epidemie die sozialen Probleme, und auch das Wiedererstarken der Religionen trug wenig zur Entspannung bei.

Primär galt es, die eritreische Frage, derentwegen über drei Jahrzehnte blutiger Krieg geführt worden war, zu klären. Die ethno-föderalistische Einstellung der EPRDF, ihre geringe Motivation für weitere Kämpfe, beziehungsweise die Auffassung, andere Probleme seien von höherer Relevanz, aber auch die gemeinsame Kampferfahrung von EPLF und TPLF im Krieg gegen Mengistu stellten von Anfang an klar, was zuvor unter keinen Umständen opportun schien: Eritrea würde unabhängig werden. Thomson hingegen macht ein schlichtes Machtvakuum für diese rasche Entscheidung verant-wortlich:

„No authority remained to enforce the unity of the nation. Consequently, in the talks between the opposition movements that followed Mengistu’s fall, Eritrean representatives were successfully able to negotiate independence for their region.”57

Während die internationale Gemeinschaft die Sezession missmutig, beziehungsweise anlässlich der Zerfallserscheinungen innerhalb des Ostblocks schulterzuckend zur Kenntnis nahm, sah die besiegte Staatselite – allen voran dieAmharen– in diesem Schritt eine Niederlage, und vor allem im Hinblick auf die künftige Binnenlage Äthiopiens den Ausverkauf nationaler Interessen.58 Diese ökonomisch und strategisch relevante Frage konnte die äthiopische Regierung aber mit bilateralen Verträgen über die Nutzung von Häfen, über Zoll- und andere Handelsfragen sowie durch den Verweis auf die gemeinsame Währung vorerst aus dem Weg räumen.

Im neuen äthiopischen politischen System zeichnete sich von Anfang an ein Kampf verschiedener Fraktionen um die gewünschte Form der Staatsstruktur ab. Die dominierende EPRDF konnte ihr Ziel einer ethnischen Föderation auf Kosten der unionistischen und separatistischen Bewegungen durchsetzen, kam jedoch durch die zunehmend mangelnde Legitimierung des eigenen Machtanspruchs unter Reformdruck.

In diesem Sinne gelang es der EPRDF zwar wiederholt, große Mehrheiten einzufahren, jedoch ohne auch nur bei einer einzigen Wahl vor Kritik verschont worden zu sein: 1992 verweigerten 16 von 32 Parteien die Anerkennung,59 die Wahlen von 1994 und 1995 wurden von der Opposition weitgehend boykottiert beziehungsweise die Regierung der Wahlbehinderung beschuldigt,60 und auch bei den darauf folgenden Wahlen von 2000 und 2005 ließ die Kritik nicht lange auf sich warten.61

Die 1995 in Kraft getretene neue Verfassung derFederal Democratic Republic of Ethiopiagalt und „gilt als eine der modernsten der Welt.“62 Sie lehnt sich an die Modelle der Schweiz und der USA an,63 und gewährleistet mit ihrem föderalen Aufbau durch Regionalisierung die Verlagerung weiter Entscheidungsbefugnisse an untere – ethnisch konzipierte – Einheiten, sichert diesen in einmaliger Weise Autonomierechte bis hin zur Sezession zu.64

In der Praxis versucht die Zentralregierung in Addis Abeba jedoch vehement, eine zu große Unabhängigkeit der Regionen zu unterbinden. Dies geschieht durch mangelnde Finanzierung derselben sowie mittels Delegierung – meisttigrayischer– ‚Berater’ an die Lokalregierungen.65 Dabei kommt auch der Faktor einer durch die EPRDF gegebenen Zentralpartei zu tragen.66 Zusätzlich verursachen verfassungsrechtliche Unklarheiten einen Bonus für die Bundesregierung:

„[T]here is a lot of grey area, which in the long run might lead to a controversy.“67

Trotzdem: Dass nach dem Ende des Mengistu-Regimes keine Balkanisierung Äthiopiens eingetreten ist, der Vielvölkerstaat bis auf und trotz des Wegfalls Eritreas erhalten und die Intensität sezessionistisch fundierter Kampfhandlungen gering blieb, wird vor allem dem Föderalismus zugeschrieben.68

Der 1998 ausgebrochene Krieg mit Eritrea brachte nicht nur einen Bruch in der äthiopischen Außenpolitik mit sich, sondern führte auch zu heftigen Auseinander setzungen innerhalb der EPRDF. Vorerst konnte sich Meles durchsetzen, betrachtete sich das Land im Jahr 2000 doch als Sieger. Erst die Bedingungen des Waffenstillstandes versetzten vor allem nationalistische Kreise erneut in Unruhe, deren Befürchtungen mit dem internationalen Schiedsspruch von 2002, wonach das umstrittene Gebiet vonBadmeEritrea zuzusprechen sei, bestätigt wurden. Meles reagierte auf die Bedrohung von innen mit der Verfestigung seiner autoritären Führung und dem Ignorieren der neuen Grenzfestlegung.

Aufgrund weitreichender Liberalisierungen im Vorfeld der Wahl von 2005 zeichnete sich in Äthiopien ein Umbruch ab, der, wenn schon keinen Regierungswechsel, so doch ein Abweichen vom autoritären Kurs erhoffen ließ. Als sich jedoch die Zweidrittelmehrheit der EPRDF in Gefahr befand, reagierte der Staatsapparat mit voller Härte: Bei Demonstrationen der Opposition gab es zahlreiche Tote,69 Zehntausende wurden verhaftet70 und nahezu alle Liberalisierungen zurückgenommen.71

Die EU-Wahlbeobachtermission übte massive Kritik am Votum und dem brutalen Vorgehen der Behörden danach.72 Als Reaktion forderte das EU-Parlament im Dezember eine internationale Untersuchung der Vorkommnisse, um Äthiopien unter Umständen aus der ACP-Partnerschaft ausschließen zu können.73 Großbritannien, eine der wichtigsten Gebernationen des Landes, setzte seine Unterstützung aus, und selbst die ‚unpolitische’ Weltbank warnte Äthiopien vor Kürzungen.74 Auf der anderen Seite konnten sich die USA, die lediglich von Unregelmäßigkeiten sprachen,75 zu keiner Verurteilung durchringen. Im Endeffekt setzte sich das Regime in Addis Abeba durch, fielen doch die tatsächlich umgesetzten Kürzungen sehr bescheiden aus.

Dass dem Demokratisierungsprozess seit 2005 eine lange Pause verordnet wurde, lässt sich anhand einer Aussage des äthiopischen Erzfeindes Issayas Aferworki erklären, der diese freilich auf das eigene Land bezogen hatte:

„Democratization was frozen because of the war.“76

Ein wichtiger Faktor der Machtausübung durch die TPLF/EPRDF ist ihre Tradition als straff geführter Kampfverband, dessen Lebenswelt selbstverständlich in „‚richtige’ und ‚falsche’(Verrat!) Positionen“ aufgeteilt war.77

„From events so far, one can conclude that the consultation and inclusion of citizens, the ‘broad masses’, is neglected, if not considered irrelevant, in view of the vanguard role of the dominant party and the intricate political-economic power structure now established.”78

2.1.4. Gewalt, Militarisierung und Proliferation

Politische Akteure der heutigen Zeit fördern die Gewaltkultur auf unbewusste oder bewusste Weise in ihren Worten und Taten.79 Und auch die gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Wahl von 2005 sind – in Anbetracht der zahlreichen Nachfolgekämpfe der Vergangenheit – eine „tragic continuity of Ethiopian history.“80 „Each of the major actors in the political process consider the other as “enemy” “, stellt Fiseha fest, und:

„It is simply a sad situation of „you think my way or you will be eliminated”.“81

Kein Wunder ist es daher auch, dass historische Ereignisse, Feindbilder und Mythen in aktuelle Konflikte mit eingebunden werden.82 Dies ist kein Spezifikum eines einzelnen Volkes, sondern gilt generell für das gesamte Horn von Afrika.

Die Gesellschaften der Region gilt es vorerst zu „ „rezivilisieren“, nachdem sie jahrelang den alltäglichen Umgang mit Waffen, Gewalt und Tod gewohnt waren.“83 Diese, von Matthies angesprochene ‚Rezivilisierung’, scheint ein äußerst schwieriges Unterfangen, denn:

„[A]lmost every conceivable form, except nuclear wars, has taken place there. These include primordial interethnic and intraethnic internecine wars; wars of settlement and expansion among the indigenous peoples of the Horn; wars of conquest and expansion by regional powers; holy wars; imperialist wars; secessionist wars; revolutionary and counter-revolutionary wars; anti-regime political wars; wars of state invasion; and banditry and brigandage;”84

2.1.4.1. Gewalt und Gewaltgewöhnung

Die Privatisierung von Gewalt ist ein Phänomen, das mit der historischen Erfahrung äthiopischen und somalischen Dezentralismus’ stark verankert war.85 Dazu beigetragen haben unzählige parastaatliche Kriegsparteien,Askaris,Bandas,86Patrioten87 und diverse Guerillabewegungen in Eritrea, dem Sudan, Somalia und Äthiopien.

Gleichzeitig ist speziell die äthiopische Bevölkerung aufgrund der großen Verheerungen im Zuge der unzähligen inneren und äußeren Kriege an ein hohes Gewaltlevel gewöhnt worden.88 Bereits früh wurde der Krieg an und für sich mit der Verteidigung beziehungsweise dem Ausbreiten des Christentums gerechtfertigt.89

Die Soldaten „leben vom Lande und plündern die Bauern aus“,90 berichtet Matthies von vergangenen Tagen. Da sich aber die Bauern gegen die Soldaten zur Wehr setzten, erschien jeder Feldzug als eine Art Bürgerkrieg.91 Vielleicht sind es diese Erfahrungen, welche das äthiopische Volk selbst dann nur ein Schulterzucken kostete, wenn über 50 Prozent des Budgets für das Heer ausgegeben wurden. Vielleicht ist es aber die Tradition des bewaffneten Viehraubs im „cattle rustling belt“,92 die im Schusswaffenzeitalter zur Gewaltgewöhnung beitrug. Knappe Ressourcen führten zu einer „Normalität der Gewalt“,93 zu Kriegertum undTöterwesen.94

In jedem Fall sind dieselben kriegerischen Verhaltensmuster auch in neueren Auseinandersetzungen wieder zu finden. Die bäuerliche Bevölkerung war etwa in die Befreiungskriege von EPLF und TPLF voll eingebunden, wurde von der Regierung drangsaliert. Umso bemerkenswerter war es, dass die Rebellenbewegungen das Vertrauen der „befreiten“ Bevölkerung gewinnen konnte. Zur weiteren Gewaltge-wöhnung trugen die Konflikte der 1970er und 1980er insofern bei, als nach Schätzungen etwa dreißig Prozent der äthiopischen Bevölkerung einbezogen wurden.

„Eine ganze Generation von Äthiopiern und Eritreern wuchs im Krieg auf, der zum „normalen Lebensalltag“ wurde.“95

Auch das Phänomen von Massentötungen ist in der gesamten Region stets präsent gewesen: Bei Ahmad Gran, der Südexpansion Meneliks, bei Mohammed Abdille Hussein, während der italienischen Besatzung sowie im Kalten Krieg gegen Rebellen und vermeintliche Insurgenten.96 Systematische Vergewaltigungen gab es in den Konflikten von Eritrea,Tigrayund Somalia, Kindersoldaten in vielen somalischen Milizen, bei der ELF und TPLF aber auch bei den Regierungsarmeen von Äthiopien und Eritrea.97

Kriege wurden durch Sieg oder Waffenstillstand beendet, nie durch Frieden.98 Prinzipiell gab es „kaum jemals genuin friedenspolitische und substantielle Ansätze zur Verhütung von Kriegen und zur Nachhaltigkeit von Friedensprozessen,“99 und überhaupt:

„ „Frieden“ existierte räumlich und zeitlich nur begrenzt wesentlich als „Nicht-Krieg“, kaum jedoch als eine dauerhafte und verlässliche Abwesenheit von Krieg und Kriegsvorbereitung.“100

2.1.4.2. Militär und Militarisierung

Nach der Machtübernahme des Meles-Regimes 1991 stellte die überproportional hohe Anzahl von Ex-Kombattanten eines der größten Probleme dar. Mit der Auflösung der äthiopischen Armee – ganz im Sinne der USA101 – wurden diese Probleme zusätzlich verschärft. Insgesamt standen beim Ende des Bürgerkriegs fast eine Million Menschen102 unter Waffen, die zögerlich und oft unkontrolliert demobilisiert wurden. Diesem Vorgehen ist die noch heute problematische Proliferation an Kleinwaffen in der Region anzulasten.103

Die Einheiten der TPLF wurden quasi verstaatlicht und als neuer Kern der nationalen Armee übernommen, Einheiten der alten Armee primär als Milizionäre in Reserve behalten. Diese ‚Tigrayisierung’ der Armee zielte auf neue, alte Aufgaben ab:

„[D]ie Repression oppositioneller Kräfte und die Herrschaftssicherung nach innen sowie die Landesverteidigung und Machtprojektion nach außen.“104

Allerdings brachte die ethnische Zusammensetzung des Offizierskorps weitere Probleme mit sich. Steigerte sich einerseits mit dem Ausbluten unterer Ränge im Rahmen des äthio-eritreischen Krieges Selbstbewusstsein und Unmut nicht-tigrayisch-amharischerEthnien, führte der ‚Dolchstoß’-Friedensschluss mit dem Nachbarland zu Unmut unter den Offizieren.

Insgesamt wird dem Land die Größe der Armee vom Nachbarn Eritrea vorgegeben: Dessen eigenes Nichtabrüsten zwingt Äthiopien ebenfalls zum Erhalt eines großen Truppenkörpers.105 Heute haben Armee und andere Sicherheitsorgane dieselbe Mannschaftsstärke erreicht wie zu Mengistus Zeiten.106 Dafür verantwortlich zeichnen sicher auch historische Erfahrungen.

„Warfare was central to the entire (...) history of Ethiopia. (...) There was no time at which the empire as a whole could have been said to be at peace.”107

Dadurch ist einerseits das hohe Ansehen soldatischer Qualitäten und andererseits die große Intensität der Militarisierung zu erklären. In der traditionellen äthio-amharischenGesellschaft gab es keine klare Unterscheidung zwischen zivilem und militärischem Bereich, und alle wichtigen Ämter waren militärischer Herkunft.108

2.1.4.3. Bewaffnung und Proliferation

In Äthiopien herrscht spätestens seit der Durchdringung des Landes mit Schusswaffen ab Anfang des 19. Jahrhunderts ein regelrechter Waffenkult. Wie auch im Nachbarland Somalia befinden sich Millionen Handfeuerwaffen in privatem Besitz.109 Dabei spielten Außenmächte eine große Rolle, trug der Import von Rüstungsgütern doch stark zur Einigung des äthiopischen Reiches und zu dessen Selbstbehauptung bei.110 Matthies meint, dass auch später, im Kalten Krieg, raumfremde Mächte zur Verstärkung existierender Konflikte beitrugen, indem sie große Summen in die Aufrüstung und Ausbildung der lokalen Armeen pumpten.111 Neben Großbritannien und den USA waren in Äthiopien auch die BRD und Israel federführend, aber auch Norwegen, Schweden und Indien an der Ausbildung von Militär und Polizei beteiligt.112 Äthiopien wurde zum wichtigsten Empfänger von Großwaffensystemen in Afrika und die Armee zur schlag kräftigsten schwarzafrikanischen113, was nicht zuletzt auch auf den hohen Erfahrungs-schatz in der Kriegsführung zurückzuführen war.

Dabei seien die Supermächte jedoch nicht Auslöser der Gewalt gewesen, die Regime vor Ort „keineswegs ohnmächtige, passive und willenlose „Opfer“ (...), sondern aktive Betreiber einer Internationalisierung ihrer Konflikte.“114 Wie auch immer das Ergebnis zustande kam, fest steht:

„[W]ith the end of the Cold War, the sub-region was awash with arms, further threatening peace and security.“115

Die Auflösung der äthiopischen Armee 1991 trug dann weiter massiv zur Verschlech-terung der Situation bei.116

2.1.5. Der Faktor Religion

Die TPLF legte zwar von der Zeit ihrer Gründung an großen Wert auf Säkularismus, verwendete dann aber während des Guerillakampfes zur Erschließung neuer Rekrutierungsreviere sehr wohl christliche Symbole und die eher unsäkulare Geschichte der Region. Dabei tritt sie in die Fußstapfen ihrer Vorgänger, die Krieg kontinuierlich mit der Verteidigung oder der Ausbreitung des Christentums legitimiert hatten.117 Nicht zuletzt hatte auch der – ebenso ‚säkulare’ –Dergmit der Beschwörung der „islamischen Einkreisung“ und der „arabischen Invasion“ unter Verwendung christlicher Symbole dem Kampf gegen Eritreer, Somalis undOromoeine Art Kreuzzugscharakter und damit der MassenmobilisierungamharischerBauern für die Armee moralischen Hintergrund verliehen.118

Überhaupt schreibt etwa Matthies die Fortexistenz Äthiopiens sowohl der christliche Orthodoxie als auch dem Islam zu. Letzterer diente nicht nur als Vorwand zur Expansion sondern schon zuvor der inneren Festigung des Reiches über Jahrhunderte hinweg. Zusätzlich förderte die Kirche den Aufbau staatlicher Strukturen.119

Die Verteilung der Religionen werden unterschiedlich angegeben, doch ist in jedem Fall mit den Eroberungen im Zuge des Kolonialismus die christliche Mehrheit in Bedrängnis geraten. Basierend auf der Volkszählung von 1994 gibt es in Äthiopien 60,8% Christen (davon 50,6% orthodox), 32,8% Moslems und 6,4% Andersgläubige.120

2.1.5.1. Christentum: Die koptische Orthodoxie

Derartige Zahlen gestalten es schwierig, alle Äthiopier mit dem alten Argument der Verteidigung der ‚christlichen Insel im moslemischen Meer’,121 mit dem Mythos vom neuen afrikanischen Zion,122 dem christlichen „Bollwerk gegen den Islam“,123 das in ständiger Wachsamkeit vor den belagernden Muslimen geschützt werden muss,124 anzusprechen.

Damit ergeben sich folgende Probleme: Erstens tritt die „Erfindung Äthiopiens“125 zu Tage. Hatte in Zeiten des Reiches der Mythos den Zusammenhalt gegen äußere Feinde gefördert und so das jahrtausendelange Überleben der Kultur gewährleistet, beginnt nun offensichtlich zu werden, dass Äthiopien eher einem – mehr oder weniger freiwilligen – Zusammenschluss mehrerer Staaten und Völker gleicht. Doch auch der ‚Zusammenhalt’ davor, im kaiserlichen Imperium wie unter der Militärdiktatur, war dort, wo er noch existierte, ein von oben oktroyiertes Konstrukt.

Bei aller mit religiösen Motiven gerechtfertigten Kriegstreiberei sei aber darauf hingewiesen, dass innerhalb des äthiopischen Reichsverbandes – wie überhaupt auch für die heutige Zeit – den Religionen und Ethnien gerade unter Rücksichtnahme auf vorhandene Entwicklungsprobleme ein relativ harmonisches Zusammenleben bescheinigt wird.126 Als Beispiel werden dieOromogenannt, die sich durch einen hohe Assimilierungsrate auszeichnen.

Insofern verwundert sowohl das Platzgreifen der radikalislamischen al-Ittihad al-Islamiya (AIAI)127 als auch die opportunistische Verwendung religiöser Zugehörigkeit durch die EPRDF.128 Dabei kann den heutigen Machthabern nur schwerlich die Vertretung christlicher Ideologie nachgesagt werden. Vielmehr wird der Zusammenhalt der überwiegend koptischen Gemeinschaft von Fall zu Fall für eigene Zwecke missbraucht, so geschehen im Krieg gegen Eritrea.129 Konsequenterweise stellte die EPRDF der Restauration der Kirche in Äthiopien nichts in den Weg,130 band diese sogar in ihr klientelistisches Regime ein.

Gefährlich ist diese Tendenz insofern, als im Krieg gegen Eritrea ein fanatischer Chauvinismus geschürt worden ist, der sich – vor allem in der Elite – langsam gegen den Islam wendet.131 Wie sehr sich die äthiopische Kirche in diesem Sinne missbrauchen lässt, konnte nicht festgestellt werden. Ihr Einfluss auf soziale und ethische Normen hingegen ist nach wie vor unbestritten.132

2.1.5.2. Der Islam und der Islamismus

Ähnlich wie in Somalia existiert auch unter der moslemischen Bevölkerung Äthiopiens traditionell keine radikale Glaubensrichtung. Dadurch wurde das Zusammenleben mit der christlichen Mehrheit bis heute erleichtert. Im Zuge des Kampfes gegen Kaiserreich und Militärdiktatur versuchten zwar einige Rebellen den Islam zu instrumentalisieren, doch blieb diese Strömung trotz der Unterstützung radikaler islamischer Regime immer im Hintergrund.133 So ist bei den äthio-somalischen Separatisten immer der Nationalismus im Vordergrund gestanden, eine Vision, die auch denOromoder OLF vorgeschwebt war.

Die OLF scheiterte aber nicht zuletzt am hohen Assimilierungsgrad ihres Volkes – gerade die Religion betreffend. Der OLF-SplittergruppeIslamic Front for the Liberation of Oromia(IFLO), die sich den Islam offiziell auf die Fahnen geheftet hat, bescheinigt de Waal, die Hervorhebung religiöser Motivationen betreffend, reinen Opportunismus.134

Ernstzunehmender sind islamistische Tendenzen auf Seiten der Somali-Bevölkerung. Zwar hat auch die vomOgadeni-Clan begründeteOgaden National Liberation Front(ONLF), die nach demOgadenkriegaus der WSLF hervorgegangen war, ursprünglich keine Ambitionen in diese Richtung, doch baute sie, nachdem sie von der Zentralregierung zunehmend aus der Regionalpolitik gedrängt worden war, auch auf die Unterstützung der AIAI.135 Die ONLF nahm „arms, funds and the Qur’an from al Itihaad“.136 Zusätzlich ist aufgrund der Vernachlässigung des Bildungssystems in der Region auch eine starke Beeinflussung über Koranschulen zu verzeichnen.137

In jedem Falle muss festgehalten werden, dass die schwache islamistische Strömung im Land nur als Teil lokaler Zwistigkeiten innerhalb der Somali-Region unter Einbezug einiger Akteure aus dem Nachbarland bezeichnet werden kann. Dies hinderte die äthiopische Regierung natürlich nicht daran, die ‚moslemische Gefahr’ auf nationaler und internationaler Ebene zur Begründung politischer Eingriffe und militärischer Interventionen zu erheben.138

2.2. Außenpolitik unter Haile Selassie und Mengistu Hailemariam

Die regionalen Kräftekonstellation ist hier charaktisiert durch den Gegensatz zwischen dem christlichen, amharischen Zentraläthiopien und den arabischen Randregionen des Landes. Die herrschenden Amharen sehen sich dabei von einer arabischen Umkreisung bedroht, die mit Unterstützung des arabischen Sudans von den größtenteils moslemischen Eritreern ausgeht, sowie jahrzehntelang (bis zum Friedensschluß 1988) von Somalia, das wiederum von den Golfstaaten und Saudi-Arabien unterstützt wird und beste Beziehungen zum Sudan unterhält.“139

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Äthiopien seine Bande zu Großbritannien rasch zu lockern und jene zu den USA zu festigen.140 Die Vereinigten Staaten verhalfen dem Land auch zur vollständigen Wiederherstellung seines Staatsgebietes – also in erster Linie der Wiedereingliederung desOgaden, verschafften ihm 1950 das Mandat über Eritrea und versuchten mit der Aufrüstung der äthiopischen Armee, das Kaiserreich gegen die Sowjetunion aufzustellen.141 Die USA verpflichteten sich in einer Geheimabsprache sogar dazu, die territoriale Integrität Äthiopiens zu sichern.142

Durch geschickte Diplomatie – unter anderem durch das Ausspielen des amerikanischen HorchpostensKagnew Station143 – gelang es dem Land bereits früh, an fortschrittliche Waffensysteme zu kommen.144 Neben seiner strategischen Lage bot sich das Land mit seinem christlichen Hintergrund auch für Israel als ‚natürlicher Verbündeter’ an, war es doch der einzige andere nicht-arabische Anrainer am Roten Meer. Dementsprechend eng war die militärische und logistische Zusammenarbeit.145

Durch die fortschreitende Entfremdung Äthiopiens von seinen Nachbarn unter Mengistu146 – bis auf die Volksrepublik Jemen gab es zu niemandem gute Beziehungen – war das Land noch intensiver auf Außenhilfe angewiesen. Daher wandte man sich an die UdSSR, von der ab Ende 1976 Militärhilfe bezogen wurde.147 Mit dem Einmarsch Somalias 1977 steigerten sich die Zahlen der Rüstungslieferungen enorm: In kürzester Zeit investierte die Sowjetunion so viel Geld in die äthiopische Armee, wie zuvor die USA in 25 Jahren148 – ein willkommenes Testgelände für die russische Rüstungs-industrie. Zeitgleich wurden auch andere Ostblockstaaten in Äthiopien aktiv. Vor allem Kuba trug mit der Entsendung eines großen Truppenkontingentes massiv zum Ausgang desOgadenkriegsbei.149

Diktator Mengistu setzte die Aufrüstungspolitik also fort, steigerte durch die Anbindung an die UdSSR sogar noch die Möglichkeiten der Materialbeschaffung. Überhaupt schien die gesamte Außenpolitik dieses Regimes auf die militärische Absicherung seiner Machtbasis abzuzielen, auf die Erhaltung der Übermacht gegen Somalia und die eigenen Rebellen.

„Although personal power and ideology have been the principal determinant in shaping Ethiopia’s foreign relations, the Ethiopian military has exerted considerable, though congruous, influence on Ethiopia’s foreign relations under both Selassie and Mengistu. The Ethiopian military perspective has been that in order to fulfil its preliminary defense mission in the periphery of the state, the government must have access to a steady supply of arms.”150

Dabei wurde insofern wenig Rücksicht auf ideologische Prinzipien genommen, als zum Beispiel auch Mengistu weiterhin auf die Unterstützung der Israelis zurückgriff, welche nach dem Ausbleiben der Sowjet-Hilfe den Diktator sogar noch im Amt hielt.151 Prinzipiell suchten und fanden alle Regime der Region einen „arms patron who would not subvert the political system.“152 Wie sehr jedoch die äthiopische Regierung von militärischer Außenhilfe abhängig war, zeigt der Zeitpunkt ihrer Niederlage – von jeglicher relevanter Unterstützung abgeschnitten.153 Ein Faktum, das die Frage der Fremdeinmischung in innere Angelegenheiten ad absurdum führte:

„Addis Ababa’s fear of territorial disintegration or becoming (...) isolated has created a need for outside military support, which consequently has rendered Ethiopia extremely vulnerable to foreign influence and manipulation.”154

Nebenbei versuchte schon Mengistu auf die sabotierende Wirkung der Waffenhilfe für somalische Rebellen zu setzen, unterstützte ab Ende der 1970er dieSomali Salvation Democratic Front(SSDF) von Abdullahi Yusuf Ahmed155 und dasSomali National Movement(SNM).156

Zusätzlich förderte das Militärregime als Antwort auf die sudanesische Hilfe für die ethnischen Befreiungsfronten Äthiopiens auch dieSudan People’s Liberation Army(SPLA) im Südsudan157 mit großen finanziellen Mitteln und bot der Befreiungsbewegung ein sicheres Rückzugsgebiet.158

2.3. Historische Einflüsse und historisch beeinflusste Leitlinien äthiopischer Außenpolitik

„Äthiopiens Außenpolitik stellt die begrenzten Mittel des Landes in Rechnung, sie ist pragmatisch und frei von ideologischen Vorgaben.“159

Aus der äthiopischen Historie lassen sich einige Leitlinien ablesen, die noch heute eine gewisse Relevanz für außenpolitische Entscheidungen und Strategien bergen. In diesem Abschnitt sollen diese erläutert werden.

2.3.1. Sendungsbewusstsein und regionale Hegemonialmacht

Primär kann festgehalten werden, dass die zentraläthiopische Kultur und Geschichte in ihrer Umgebung – wie überhaupt auf der Erde – als einzigartig bezeichnet werden muss. Dass dieser Aspekt integraler Bestandteil des Selbstverständnisses vonAmharenundTigrayist, darf angenommen werden.

Zugrunde liegt dem daraus resultierenden Sendungsbewusstsein sowohl die Christianisierung als auch die frühe Mythologisierung der kaiserlichen Herkunftslinie. Damit stellten sich die staatstragenden Völker – ähnlich ihren Äquivalenten anderswo – über alle anderen Ethnien und Nationen. Dieses Selbstbewusstsein führte in der alsbald feindlichen Umgebung moslemischer Nachbarn zu Konflikten, die trotz aller innerer Zerwürfnisse auf äthiopischer Seite zur relativen Einigkeit beigetragen haben.160

Diese verinnerlichte Einzigartigkeit wurde von denAmharenim Kolonialzeitalter bis zum Fall von Haile Selassie II. und auch noch unter Mengistu im Zuge von Expansion undAmharisierungspolitikbetont und gleichzeitig weiterhin zur Legitimierung von Herrschaft verwendet. Zur Erhaltung des Mythos beigetragen haben Erfolge wie die Schlacht von Adwa,161 aber auch die große internationale und kontinentale Anerkennung als Konsequenz der Aufrechterhaltung der Eigenstaatlichkeit als Symbol afrikanischer Identität.162

[...]


1 Smoltczyk, Alexander: Verdun in der Wüste. Der Spiegel 24/1999. S. 184-188. S.184

2 De Waal, Alex: The Politics of Destabilisation in the Horn, 1989-2001. In: de Waal, Alex (Hrsg.): Islamism and its Enemies in the Horn of Africa. London, 2004b. S. 182-230. S.183

3 Siedschlag, Alexander: Einführung – Internationale Politik als skeptische Gegenwartswissenschaft und die Münchner Schule des Neorealismus. Auf: http://homepage.uibk.ac.at/~c40290/siedschlag-einfuehrung-ggk-fe.pdf, eingesehen am 14.02.2007. Auch in: Alexander Siedschlag (Hrsg.): Realistische Perspektiven internationaler Politik. Opladen, 2001. S.13-66. S. 16.

4 Wobei ihm laut Siedschlag „die Machtfreudigkeit“ fehlt. Vgl. Siedschlag, 2007. S.14

5 Vgl. Kindermann, Gottfried-Karl (Hrsg): Grundelemente der Weltpolitik. Eine Einführung. München, 4. Auflage, 1991. S.17f

6 Vgl. Siedschlag, 2007. S.23

7 Vgl. ebenda. S.33

8 Vgl. Kindermann, Gottfried-Karl: Neorealismus und Analyse. Zum Ansatz der Münchner Schule. Auf: http://www.internationalepolitik.de/archiv/jahrgang1996/august1996/neorealismus-und-analyse--zum-ansatz-der-munchner-schule.html, eingesehen am 13.02.2007; siehe auch: Kindermann, 1991. S.68

9 Siedschlag, 2007. S.41

10 Vgl. ebenda, S.41ff

Im 13. Jahrhundert gewannen die semitisch-kuschitischen Völker derAmharenund Tigre endgültig die Oberhand in Äthiopien.16 In dieser Zeit knüpfte man erste direkte

11 Vgl. Baum, Wilhelm: Äthiopien und der Westen im Mittelalter. Die Selbstbehauptung der christlichen Kultur am oberen Nil zwischen dem islamischen Orient und dem europäischen Kolonialismus. Klagenfurt, 2001. S.21ff, S.38; siehe auch: Means, Rev. Sterling M.: Ethiopia and the missing link in African history. Philadelphia, 1980. S.43; siehe auch: Alemu, Desta: Äthiopien. Skriptum/Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik der Univ. Wien, Inst. f. Anthropologie. Teil A: Einführung Kulturanthropologie und Geschichte Äthiopiens. Wien, 2004a. S.3ff

12 Vgl. Baum, 2001. S.74f

13 Vgl. ebenda, S.77 und S.118

14 Vgl. ebenda, S.72; die Kirche verwendet „Sion“ als Landesname, Beginn der salomonischen Legitimation, S.83. Siehe auch: S.118f

15 Vgl. Matthies, Volker: Kriege am Horn von Afrika. Historischer Befund und friedenswissenschaftliche Analyse. Berlin, 2005. S.23 und S.21; siehe auch Baum, 2001. S.44. Er schreibt von einem „Militärstaat“.

16 Vgl. Baum, 2001. S.136

17 Vgl. Matthies, 2005. S.24

18 Vgl. Baum, 2001. S.162

19 Vgl. ebenda, S.104

20 Vgl. Matthies, 2005. S.26

21 ebenda, S.27; siehe auch: Alemu, 2004a. S.13; sowie Baum, 2001. S.227f

22 Vgl. Baum, 2001. S.226ff; siehe auch: Alemu, 2004a. S.14

23 Vgl. Matthies, 2005. S.29f; siehe auch: Gudina, Merera: Contradictory Interpretations of Ethiopian History: The Need for a New Consensus. In: Turton, David (Hrsg.): Ethnic Federalism. The Ethiopian Experience in Comparative Perspective. Irthlingborough, 2006. S.119-130. S.120

24 Berhe, Aregawi: The Origins of the Tigray People’s Liberation Front. In: African Affairs (2004), 103/413. S. 569-592. S.570

25 Vgl. Scholler, Heinrich: Mythos und Wirklichkeit Christlicher Imperien am Ende des Zweiten Jahrtausends. Äthiopien und die Deutsche Reichsidee. In: Böll, Verena u.a. (Hrsg.): Studia Aethiopica. Wiesbaden, 2004. S. 233-245. S.237

26 Negus Tewodoros hatte Ausländer im Land als Geiseln genommen, da ihm eine Souveränitätsversicherung von Seiten Großbritanniens verweigert worden war. Siehe dazu: Means, 1980. S.40f; und Alemu, 2004a. S.14

27 Vgl. Matthies, 2005. S.37 und S.287. Gemeint ist die in Äthiopien liegende Quelle des Weißen Nils.

28 Vgl. ebenda, S.39

29 Erste Schlacht und Niederlage beiDogaliim Januar 1887, Schlacht vonAdwa1896.

30 Vgl. Matthies, 2005. S.45

31 Dabei wurde das Staatsgebiet verdoppelt. Siehe: Pfetsch, Frank R. (Hrsg): Konflikte seit 1945. Daten – Fakten – Hintergründe. Schwarzafrika. Freiburg, Würzburg, 1991. S.62

32 Vgl. Schicho, Walter: Handbuch Afrika. Band 3 Nord- und Ostafrika. Frankfurt a.M., 2004. S.197

33 Vgl. Means, 1980. S.42

34 Vgl. ebenda, S.125; siehe auch: Alemu, 2004a. S.19

35 Vgl. ebenda, S.118ff

36 Vgl. Schicho, 2004. S.201. Truppen aus Großbritannien, Indien, Südafrika, Ostafrika;

37 Auch an der eigentlichen Rückeroberung des Landes nahmen äthiopische Truppen teil.

38 Vgl. Matthies, 2005. S.60

39 Vgl. Pfetsch, 1991. S.63; siehe auch: Matthies, 2005. S.95

40 Vgl. Schicho, 2004. S.202

41 Vgl. Matthies, 2005. S.48; siehe auch: Abbay, Alemseged: Diversity and State-Building in Ethiopia. In: African Affairs, 103/413. (2004) S. 593-614. S.594

42 Lefebvre, Jeffrey A.: Arms for the Horn. U.S. Security Policy in Ethiopia and Somalia 1953-1991. Pittsburgh, 1991. S.47

43 Vgl. Berhe, 2004. S.572f; berichtet etwa vom Austausch traditioneller Führer durchamharischeBeamte.

44 Vgl. Matthies, 2005. S.219; siehe auch: Schicho, 2004. S.202

45 Berhe, 2004. S.574

46 Matthies, 2005. S.49

47 Vgl. Schicho, 2004. S.211; der sogenannte ‚Rote Terror’;

48 Vgl. Alemu, 2004a. S.21; siehe auch: Schicho, 2004. S.208ff

49 Vgl. Mutschler, Alexander: Eine Frage der Herrschaft. Betrachtungen zum Problem des Staatszerfalls in Afrika am Beispiel Äthiopiens und Somalias. Münster (u.a.), 2002. S.115; siehe auch: Alemu, 2004a. S.22

50 Matthies, 2005. S.192

51 Pfetsch, 1991. S.61

52 Vgl. Matthies, 2005. S.105; siehe auch Schicho, 2004. S.214f

53 ursprünglich die EPLF in Eritrea, die TPLF inTigrayund die OLF inOromiya. Tatsächlich gab es aber auch noch andere, kleinere Gruppierungen. Die TPLF führte diese Ende der 1980er in die gemeinsame EPRDF über.

54 Die EPRDF war eine Sammelbewegung unterschiedlicher Rebellenbewegungen unter Führung der TPLF.

55 Vgl. Matthies, 2005. S.265f

56 ca. 80 Ethnien, u.a. kuschitischeAgaw, Somali undOromo; Niloten im Westen; kuschitisch-semitischeAmharenundTigray

57 Thomson, Alex: An Introduction to African Politics. Second edition. Abingdon/Oxon, 2004. S.46

58 Vgl. Der Spiegel: Zäh und störrisch wie Kamele. Der Spiegel 25/1998. S. 142-143. S.142; das bis heute schlagkräftigste Argument äthiopischer Revisionisten ist, dass Eritrea in das Reich eingegliedert wurde, bevor die Beibehaltung der Kolonialgrenzen in der OAU-Charta festgeschrieben worden war. Dies gilt im Prinzip auch für alle anderen umstrittenen äthiopischen Gebiete (Ogaden,Haudetc.); Vgl. Jacquin-Berdal, Dominique: Nationalism and Ethnicity in the Horn of Africa. A Critique of the Ethnic Interpretation. Lewiston, NY (u.a.), 2002. S.205f

59 Vgl. Schicho, 2004. S.215

60 Vgl. Alemu, 2004a. S.23; siehe auch: Brüne, Stefan: Der Donor Darling und die Demokratie. Die hehren Ziele der EU und die Wirklichkeit Äthiopiens. In: Der Überblick. Quartalsschrift des kirchlichen Entwicklungsdienstes. Zeitschrift für ökumenische Begegnung und internationale Zusammenarbeit. September 2006 (3/2006), 42. Jahrgang. S. 50-53. S.50f; siehe auch: Schicho, 2004. S.215

61 Vgl. Brüne, 2006. S.50f

62 ebenda, S.50

63 Vgl. Fiseha, Assefa: Federalism in Ethiopia in Particular and in Multicultural Societies in General. In: Recht in Afrika. Zeitschrift der Gesellschaft für afrikanisches Recht 2006, Heft 1 9.Jahrgang (Köln). S. 1­31. S.14

64 Abbay erwähnt diebezüglich Artikel 39 Absatz 1 der Verfassung. Vgl. Abbay, 2004. S.608

65 Vgl. Samatar, Abdi Ismail: Ethiopian federalism: autonomy versus control in the Somali Region. In: Third World Quarterly, Vol. 25, No. 6. 2004. S. 1131-1154. S.1147 Fußnote71 (S.1153); Diese Berater werden etwa in der Somali-Region von der lokalen Bevölkerung ‘Mareehan’ genannt – nach der Clangruppe des äußerst unbeliebten ehemaligen somalischen Diktators; siehe auch: Ziegler, Jean: Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung. München, 2005. S.136

66 Vgl. Fiseha, 2006. S.31

67 ebenda, S.16; zur genauen Aufteilung der Kompetenzen siehe Fiseha, 2006. S.14ff

68 Vgl. Schicho, 2004. S.215

69 ‚Dutzende’ berichtet: Abbink, Jon: Prager Frühling in Addis. Die Parlamentswahl in Äthiopien und die Repression der Regierung. In: Der Überblick. Quartalsschrift des kirchlichen Entwicklungsdienstes. Zeitschrift für ökumenische Begegnung und internationale Zusammenarbeit. September 2006a (3/2006), 42. Jahrgang. S. 46-49. S.47; Harrington, Alex: Ethiopia Dividing lines. In: New African January 2006, S. 30-31. S.31 nennt 7 tote und 330 verletzte Polizisten; Smidt, Wolbert G.C.: Ein demokratischer Versuch zuviel – zurück zur bewährten Diktatur? Äthiopien ein Jahr nach den Parlamentswahlen. In: Afrika Spectrum 41 (2006) (Institut für Afrikakunde, Hamburg) 2: S. 273-284. S.278 nennt 40 tote Demonstranten und mehrere tote Polizisten; Amnesty International Report 2007, Ethiopia. Auf: http://thereport.amnesty.org/eng/Regions/Africa/Ethiopia ; eingesehen am 17.06.2007 nennt 193 Todesopfer.

70 Smidt, 2006. S.278 schätzt ihre Zahl auf 50.000; Abbink, J.: Discomfiture of Democracy? The 2005 Election Crisis in Ethiopia and its Aftermath. In: African Affairs, 105/419 (2006b). S. 173-199. S.191f nennt eine Zahl von 30-40.000 Verhafteten.

71 etwa Presse- und Medienfreiheit betreffend;

72 Vgl. Abbink, 2006b. S.184; siehe auch: Abbink, 2006b. S.187f; siehe auch: Abbink, 2006a. S.47.

73 Vgl. Muchie, Mammo: Ethiopia Another View. In: New African January 2006, S. 32-33. S.32

74 Vgl. Abbink, 2006b. S.189

75 Vgl. Abbink, 2006a. S. 47; siehe auch: Fiseha, 2006. S.14 Fußnote 48

76 Issayas, Afeworki: Ethiopia Must Find its Access to the Sea via Djibouti.“ Interview. In: African Geopolitics 6 (Spring 2002), Paris. S. 189-203. S.190

77 Brüne, Stefan: Lokaler Kontext und internationale Entwicklungszusammenarbeit: Chancen und Grenzen der Förderung von Demokratie und Good Governance in Äthiopien. In: Nord-Süd aktuell, Nr.4, 2003. S. 623-628. S.624. Zitiert nach Matthies, 2005. S.322

78 Abbink, 2006b. S.197

79 Vgl. ebenda; siehe auch: Fiseha, 2006. S.30

80 Abbink, 2006b. S.198

81 Fiseha, 2006. S.30; dazu: Phillipson, David W.: Ancient Ethiopia. Aksum: Its Antecedents and Successors. London, 1998. S.17: „Language is a major factor in determining an individual’s sense of ethnic and/or national identity.“

82 Etwa, als Äthiopien im äthio-eritreischen Krieg den Feind aus dem Norden beschwor (Ägypter, Türken, Italiener) und dem Sieg vonAdwaneue Bedeutung verlieh. Vgl. Matthies, 2005. S.304

83 Matthies, Volker: Horn von Afrika (Äthiopien/Eritrea, Somalia): “Krieg und Dürre, Frieden und Milch”. In: Hofmeier, Rolf/Matthies, Volker (Hrsg.): Vergessene Kriege in Afrika. Göttingen 1992. S. 173-214. S.205

84 Negussay, Ayele: A Brief Profile of Wars in the Horn of Africa. In: North East African Studies, vol.6, nos 1-2. S.1-11, 1984. S.1. Zitiert nach Matthies, 2005. S.16

85 Vgl. Matthies, 2005. S.309

86 Kollaborateure in der italienischen Zeit

87 Die Guerilla gegen die italienische Besatzungsmacht

88 Dies führt soweit, dass McCann nicht mehr die Kriege als Grundproblem für die Bevölkerung ansieht, da sie diese ohnehin gewohnt sei, sondern eher staatliche Interventionen ökonomischer Art sowie schlechte Umweltbedingungen. McCann, James C.: The Myth and Reality of Agricultural Crises in Ethiopia: Empirical Lessons From History, 1900-1987. In: Ottaway, Marina (Hrsg.): The Political Economy of Ethiopia. New York, 1990. S.189ff. Zitiert nach Matthies, 2005. S.272f

89 Vgl. Matthies, 2005. S.182

90 ebenda S.256

91 Vgl. ebenda S.186

92 ebenda S.287; diese Region bezeichnet den Südsudan, Nordkenia, Ostäthiopien, Somalia und Uganda; Strategien der Gebietserweiterung durch Ressourcenaneignung wendeten auch noch die ELF und WSLF an; siehe: Matthies, 2005. S.229

93 Matthies, 2005. S.181

94 Vgl. ebenda; so war es bei denOromofür die Männer verpflichtend, alle acht Jahre einen Feind zu töten. Das Töterwesen ist in Südäthiopien noch immer verbreitet, Ziel ist die Aneignung feindlicher Genitalien. Siehe: Matthies, 2005. S.234

95 Matthies, 1992. S.178

96 Vgl. Matthies, 2005. S.315 berichtet, dass die Genfer Konvention imOgadenkrieg, im äthio-eritreischen Krieg sowie auf befreitem Boden der TPLF und EPLF zur Anwendung kam.

97 Vgl. ebenda, S.316; DieMooryanin Somalia und diehedeysin Somaliland setzen sich fast ausschließlich aus Minderjährigen zusammen. Matthies, 2005. S.317 betont, dass es in der Region – im Gegensatz zu anderen afrikanischen Konfliktfällen – nie zu exzessiven Grausamkeiten gegenüber Kindersoldaten gekommen sei.

98 Vgl. ebenda, S.300 nennt als Ausnahmen in der Region das äthio-somalische Abkommen von 1988, den Aufbau Somalilands, das Friedensabkommen in Dschibuti (1994) und die Beilegung des eritreisch-jemenitischen Konflikts 1995.

99 ebenda, S.299

100 ebenda, S.299

101 Vgl. Zeleke, Mamo: Les leçons que Bush n’a pas tirées. Afrique Asie, Janvier 2007. S.54-55. S.55 berichtet, dass die USA kein Vertrauen in die sowjetisch ausgebildete äthiopische Armee hatte und daher vorerst ihre ganze Unterstützung auf Eritrea richteten. Erst mit der Auflösung der Armee verbesserten sich die Beziehungen.

102 Vgl. Matthies, 2005. S.192: Äthiopische Armee ca. 750.000, EPLF 90.000, TPLF 100.000, OLF 15.000;

103 Vgl. ebenda, S.220

104 ebenda, S.193

105 Vgl. Mohammed, Abdul: Ethiopia’s Strategic Dilemma in the Horn of Africa. http://hornofafrica.ssrc.org/Abdul_Mohammed/printable.html ; eingesehen am 21.5.2007.

106 Vgl. Samatar, 2004. S.1150 Fußnote 85 (S.1154)

107 Clapham, Christopher: War and State Formation in Ethiopia and Eritrea. http://www.theglobalsite.ac.uk/press/010clapham.htm , eingesehen am 20.03.2008; die kurze Zeit nach dem Sieg vonAdwa, sowie nach dem Zweiten Weltkrieg bilden hier die absolute Ausnahme.

108 Vgl. ebenda, S.183

109 Vgl. Matthies, 2005. S.220

110 Vgl. Harding, Leonhard: Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert. München, 1999. S.6f

111 Vgl. Matthies, 2005. S.277

112 Vgl. Matthies, Volker: Der Konflikt um Eritrea. In: Khan, Khushi M./Matthies, Volker (Hrsg.): Regionalkonflikte in der Dritten Welt. Ursachen – Verlauf/Internationalisierung – Lösungsansätze. Köln, 1981. S. 551-708. S.628; siehe auch: Matthies, 2005. S.191

113 Vgl. Matthies, 2005. S.219; siehe auch: Schicho, 2004. S.202

114 ebenda, S.278; Matthies meint, die Großmächte seien so naiv gewesen, dass sie das Spiel ihrer Verbündeten nicht durchschaut hätten. Erstere seien teils von Äthiopien und Somalia, die unterschiedliche Mächte immer wieder gegeneinander ausspielten (auch die VR China), regelrecht „abhängig“ gewesen.

115 Francis, David J.: Uniting Africa. Building Regional Peace and Security Systems. Aldershot, 2006. S.220

116 Vgl. Matthies, 2005. S.220

117 Vgl. ebenda, S.182

118 Matthies, 1981. S.617f

119 Vgl. Matthies, 2005. S.199f

120 Vgl. CIA: The World Factbook. Ethiopia. http://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/print/et.html eingesehen am 30.09.2007; siehe auch: Alemu, Desta: Äthiopien. Skriptum / Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik der Univ. Wien, Inst. f. Anthropologie. Teil B: Landprofil Äthiopiens. Wien, 2004b. S.9. nennt 50 % Orthodoxe, 35 % Sunniten, und 11 % Anhänger von Naturreligionen.

121 Vgl. Lefebvre, 1991. S.38

122 Vgl. Alemu, 2004a. S.5

123 Vgl. Schicho, 2004. S.196

124 Vgl. Matthies, 2005. S.305

125 Holcomb, Bonnie K./Sisai, Ibssa: The invention of Ethiopia. Trenton, 1990. S. xvf. Zitiert nach Schicho, 2004. S.196

126 Vgl. Alemu, 2004a. S.24

127 siehe Kapitel 3.5.

128 vgl. den Bericht aus Kore in der SNNPR bei Abbink, 2006b. S.194

129 Vgl. Matthies, 2005. S.203

130 Vgl. Scholler, 2004. S.233

131 Vgl. Mohammed, 2007

132 Vgl. Phillipson, David W.: Ancient Ethiopia. Aksum: Its Antecedents and Successors. London, 1998. S.21

133 Zu nennen ist etwa die Einflussnahme von Saudi-Arabien auf die ELF oder des Sudan auf die OLF.

134 Vgl. De Waal, 2004b. S.205; die Schwierigkeit besteht in der religiösen Heterogenität der Oromo, da bedeutende Teile der Bevölkerung im Zuge ihrer Assimilierung zum Christentum übergetreten sind.

135 Vgl. ebenda

136 ebenda, S.213

137 Vgl. Adow, Mohammed: At the Frontier. BBC Focus on Africa, October-December 2006. S.24-26. S.26; nur 15 % der Kinder besuchen staatliche Sekundärschulen.

138 Gerade in jüngster Vergangenheit ist dies mit Bezug auf den unmittelbaren Eintritt Äthiopiens in die US-amerkanische Allianz im Rahmen des War on Terror deutlich zu Tage getreten.

139 Pfetsch, 1991. S.60

140 Vgl. Iyob, Ruth/Keller, Edmond J.: The Special Case of the Horn of Africa. In: Rothchild, Donald/Keller, Edmond J.: Africa-US Relations. Strategic Encounters. London, 2006. S.99-121. S.100; u.a. kam es zu zwei Abkommen: dem ‘Mutual Defense Assistance Agreement’ sowie dem ‘Agreement for the Utilization of Defense Installations’;

141 Vgl. Iyob/Keller, 2006. S.101. Siehe auch: Schicho, 2004. S.202; siehe auch: Matthies, 1981. S.639

142 Vgl. Matthies, 1981. S.580; auch Iyob/Keller, 2006. S.100

143 eine Funkstation bei Asmara/Eritrea, die einen wesentlichen Fixpunkt der Kommunikation des US-Militärs darstellte.

144 Vgl. Lefebvre, 1991. S.129 nennt zum Beispiel F-5 Jets, die bereits 1966 in Äthiopien in Dienst gestellt wurden.

145 Vgl. ebenda, S.162; siehe auch: Lefebvre, 1991. S.188; siehe auch: Matthies, 2005. S.99

146 Vgl. ebenda, S.42

147 Vgl. Matthies, 1981. S.632

148 Vgl. ebenda, S.646; Pfetsch, 1991. S.66 beziffert die Waffenlieferungen mit 3 Mrd. $ in den Jahren 1976 bis 1990, was jedoch angesichts der Zahl die Jacquin-Berdal allein für das Jahr 1989 nennt – 800 Mio. $ - ziemlich untertrieben sein dürfte. Vgl. Jacquin-Berdal, 2002. S.125; siehe auch Lefebvre, 1991. S.4

149 Vgl. Schicho, 2004. S.212 spricht von 18.000 kubanischen Soldaten

150 Lefebvre, 1991. S.48

151 Vgl. ebenda, S.43, Operation Solomon: Geld für die Ausreiseerlaubnis jüdischerFalaschas.

152 ebenda

153 Vgl. Matthies, 2005. S.54; Lefebvre betont, dass Äthiopien zu diesem Zeitpunkt – als zu Beginn der 1990er Jahre auch für die USA keinerlei strategische Bedeutung mehr hatte. Vgl. Lefebvre, 1991. S.270

154 Lefebvre, 1991. S.51

155 Vgl. Mutschler, 2002. S.183; Abdullahi Yusuf war im April 1978 in einen erfolglosen Putsch gegen Präsident Siad Barre verwickelt. Nach der Flucht ins Nachbarland begründete sich dieSomali Salvation Front(SOSAF), aus der später dieSomali Salvation Democratic Front(SSDF) hervorging. „Die Verbindung der SSDF zu Äthiopien ging soweit, dass bei erneuten Aufkommen von Grenzgefechten zwischen WSLF und Äthiopien SSDF Kämpfer auf äthiopischer Seite mitkämpften.“

156 Vgl. Lefebvre, 1991. S.36; siehe auch: Lefebvre, 1991. S.245

157 Vgl. Young, John: Eastern Sudan: Caught in a Web of External Interests. In: Review of African Political Economy Volume 33 Number 109, September 2006. S. 594-601. S.596

158 Oberstleutnant John Garang, Führer der SPLM/A residierte bis 1991 in Addis Abeba

159 Alemu, 2004a. S.26

160 Es konnte in der Literatur kein Hinweis auf die Kollaboration relevanter äthiopischer Akteure mit Feinden moslemischer Herkunft gefunden werden. Dies steht im Kontrast zu den unterschiedlichen Bündnissen mit christlichen Nationen im Kolonialzeitalter.

161 Große Niederlage für das erst kurz geeinte Italien gegen Äthiopien im Jahr 1896.

162 Gerade innerhalb der ‚Black Power Bewegung’ und natürlich bei den nach Unabhängigkeit strebenden Kolonien errang Äthiopien hohes Ansehen.

Details

Seiten
121
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640293926
ISBN (Buch)
9783640294046
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124243
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft
Note
Sehr gut
Schlagworte
Stellenwert Somalias Außenpolitik Demokratischen Bundesrepublik Studienabschlußarbeit

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Titel: Der Stellenwert Somalias in der Außenpolitik der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien