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Lyrik der Resistenza – der antifaschistische italienische Widerstand in Gedichten von Eugenio Montale und Cesare Pavese

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zur Methode: Die Besonderheit der Lyrik als subjektives Zeitzeugnis

2 Der antifaschistische Widerstand vor dem italienischen Kriegseintritt
2.1 Eugenio Montale: Non chiederci la parola
2.1.1 Formelle und inhaltliche Analyse
2.1.2 Hintergründe und Interpretation

3 Cesare Pavese: Tu non sai le colline
3.1 Formelle und inhaltliche Analyse
3.2 Hintergründe und Interpretation

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Zweite Weltkrieg und seine kollektiven politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Auswirkungen haben unsere Zeit wie kaum ein anderes historisches Ereignis geprägt. Zeitzeugenberichte, die Erforschung von historischen Tatsachen und persönlichen Erfahrungen bestimmen große Teile der geschichts- und kulturwissenschaftlichen Forschung. Nicht zuletzt aufgrund des 60-jährigen Jubiläums des Kriegsendes von 1945, wegen des Aufsehens um Gerichtsprozesse gegen schließlich aufgespürte Kriegsverbrecher in den letzten Jahren und da auf tatsächliche Zeitzeugen altersbedingt bald nicht mehr zurückgegriffen werden kann, hat die internationale Öffentlichkeit bis heute ein verstärktes Interesse an den damaligen Geschehnissen entwickelt.

Neben Deutschland als Hauptschauplatz des Krieges sieht sich dabei kaum eine Nation vielschichtiger und prekärer mit den Kriegsereignissen und ihren Folgen konfrontiert als Italien. Die heikle Besonderheit der italienischen Rolle im Zweiten Weltkrieg – zunächst als Streitmacht auf Seiten der Nationalsozialisten und nach ihrer Niederlage schließlich als alliierte Truppen gegen die ehemaligen Verbündeten – wird besonders in den letzten Jahren erst landesweit aufgearbeitet. Eine besondere Stellung in der kulturhistorischen Forschung kommt dabei dem italienischen Widerstandskampf, der Resistenza, und deren Mythisierung in der Nachkriegszeit zu. Anders als etwa die französische Résistance-Bewegung sieht sich die italienische Resistenza mit einem komplizierteren historischen Erbe konfrontiert, das erst seit jüngster Zeit umfassend erforscht und aufgearbeitet wird.

Die vorliegende Hausarbeit widmet sich eben dieser Aufarbeitung, indem Gedichte der italienischen Schriftsteller Eugenio Montale und Cesare Pavese als literarische Zeitzeugnisse untersucht werden sollen.

Zunächst wird dazu auf die Bedeutung von Gedichten als subjektives, historisches Zeitzeugnis eingegangen. Einführend zum ersten behandelten Gedicht folgt eine kurze Darstellung des antifaschistischen Widerstandes in Italien noch vor der eigentlichen Teilnahme am Zweiten Weltkrieg. Schließlich werden Montales Non chiederci la parola und Paveses Tu non sai le colline im Mittelpunkt der Analyse und Interpretation stehen.

Mit einer Zusammenfassung der errungenen Untersuchungsergebnisse wird die Abhandlung im Fazit abgeschlossen werden.

1 Zur Methode: Die Besonderheit der Lyrik als subjektives Zeitzeugnis

So unterschiedlich die Erfahrungen eines jeden Menschen mit Kriegsereignissen und dem Widerstand in seiner Umgebung waren, so vielfältig gestalteten sich auch die Wege, auf denen die Zeitzeugen das meist selbst Erlebte dokumentierten oder für sich verarbeiteten. So bietet sich dem Forschenden eine breite Palette an schriftlichen Zeugnissen, wie etwa Partisanenzeitschriften, Tagebücher, Briefwechsel, Partisanenlieder, -romane odee -gedichte.

Bei der Betrachtung dieser Quellen ist jedoch die Spezifik der einzelnen Zeugnisarten zu beachten: Partisanenzeitschriften zum Beispiel beinhalteten eine ganz andere Intention als etwa Briefwechsel zwischen Partisanen und ihren Familien. Partisanenromane gestalteten sich ganz anders als etwa Resistenzagedichte.

Ein Überblick über die verschiedenen Quellen und ihre literarischen Besonderheiten würde an dieser Stelle zu weit führen. Zu diesem Gebiet sind allerdings bereits mehrere Veröffentlichungen erschienen, die sich ausführlich mit der literarischen und auch filmischen Verarbeitung der Resistenza beschäftigen.[1]

Im Folgenden sollen, wie einleitend festgelegt, Resistenzagedichte als Untersuchungs-gegenstand der Abhandlung dienen. Dabei soll jedoch nicht auf einen Vergleich der beiden analysierten Gedichte abgezielt werden. Wie noch deutlich werden wird, sind sowohl die lyrischen Werke als auch deren Autoren zu unterschiedlich für einen fruchtbaren Vergleich.

Was aber stellen die Besonderheiten von Gedichten in einer kulturgeschichtlichen Untersuchung dar?

Lyrik zeichnet sich stets durch einen hochgradig subjektiven Charakter aus, der durch innere Überlegungen, Reflexionen und Konflikte ausgebildet wird.

Zwar lassen sich Lyriker von Tatsachen und Ereignissen zum Gedichteschreiben inspirieren, jedoch kann man in der Interpretation nicht immer tatsächliche Fakten aus den Gedichten herausfiltern. Somit ist die Interpretation von Lyrik gleichermaßen ein subjektives Vorgehen.

Im Folgenden können die Betrachtungen also nicht immer evident, sondern eher spekulativ sein – dies bringt die Methode der Gedichtinterpretation zwangsläufig mit sich.

In dieser Abhandlung soll dennoch versucht werden, Analysiertes und Interpretiertes anhand von Fakten aus den Biographien der Autoren zu belegen oder Schlussfolgerungen durch Nachweise aus der bestehenden Literatur zum Thema zu bestärken.

2 Der antifaschistische Widerstand vor dem italienischen Kriegseintritt 1940

Der kulturhistorische Begriff der Resistenza umfasst in der Geschichtsforschung weit mehr als nur den bewaffneten Widerstand der italienischen Partisanenkämpfer gegen die deutsche Besatzung und die faschistischen landsmännischen Kollaborateure im Zeitraum vom September 1943 bis April 1945.

Bereits seitdem Benito Mussolini mit seiner faschistischen Front PNF (Partito Nazionale Fascista) auf eine Machtergreifung hinarbeitete, formierte sich eine antifaschistische Opposition aus Gruppen unterschiedlichster Ideologien: Kommunisten, Katholiken, Sozialdemokraten, Liberale und Anarchisten hatten längst die Gefahr eine drohenden Diktatur unter Mussolini erkannt.

Die Ermordung des populären sozialistischen Parteisekretärs Giacomo Matteotti während Mussolinis noch junger Amtszeit als Ministerpräsident im Juni 1924 schließlich bezeichnete den Beginn des offenen Widerstandes gegen den duce und dessen Politik.

Zuvor waren bereits antiliberale Gesetze erlassen worden, die demokratische Freiheiten wie Pressefreiheit oder Oppositionsbildung untersagten; sogar die 1890 abgeschaffte Todesstrafe wurde wieder eingeführt.

Mussolinis Regime war zu einer Diktatur ausgebaut worden, woraufhin ab 1925 tausende Anhänger der nun verbotenen oppositionellen Parten ins Ausland flüchteten.[2]

Im selbstgewählten Exil jedoch schlossen sie sich zu antifaschistischen Bünden zusammen: in Paris entstand 1927 die Concentrazione Antifascista (CA) und 1929 verbündeten sich Oppositionelle zu der Bewegung Giustizia e Libertà (GL).

Gemeinsam mit der schon 1921 gegründeten Partito Comunista Italiana (PCI) formierten sich diese Verbände zur wichtigsten Kraft im Kampf gegen den Faschismus.[3]

In Diese Zeit fällt das Entstehungsdatum des ersten Gedichts, das als Zeugnis des antifaschistischen Widerstandes schon vor Kriegsbeginn betrachtet werden soll.

[...]


[1] Siehe dazu: Steger (2007); Hortenbach(2004)

[2] Vgl. Hortenbach (2004), S.9

[3] Ebd., S.10

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640289677
ISBN (Buch)
9783640289721
Dateigröße
773 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v124161
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Lyrik Resistenza Widerstand Mythos Wirklichkeit Eugenio Montale Cesare Pavese Kulturwissenschaft Kulturgeschichte Partisanen Gedichtinterpretation Gedichtanalyse Italien Zweiter Weltkrieg

Autor

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Titel: Lyrik der Resistenza – der antifaschistische italienische Widerstand in Gedichten von Eugenio Montale und Cesare Pavese