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Theoretische Erklärungsansätze für den Sozialen Wandel der Familienformen

Hausarbeit 2008 31 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DIE ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER BÜRGERLICHEN KLEINFAMILIE ALS IDEALTYPISCHE FAMILIENFORM

3. DEMOGRAPHISCHE WANDLUNGSPROZESSE SEIT DER NACHKRIEGSZEIT DES ZWEITEN WELTKRIEGES

4. PLURALISIERUNG DER FAMILIALEN LEBENSFORMEN AB MITTE DES 20. JAHRHUNDERTS

5. THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE FÜR DEN SOZIALEN WANDEL FAMILIALER LEBENSFORMEN
5.1 Die Individualisierungsthese
5.2 Die These der Deinstitutionalisierung von Ehe und Familie
5.3. Die Theorie gesellschaftlicher Differenzierung familialer Lebensformen

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Während es vor und zu Beginn der Industrialisierung in Deutschland noch eine große Vielfalt von familialen Lebensformen gab, konnte sich in der Nachkriegszeit der BRD das bürgerliche Familienideal in Form der modernen Kleinfamilie scheinbar etablieren. Positiv hierzu beigetragen hat insb. das „Wirtschaftswunder“, der damit einhergehende Ausbau des sozialen Sicherungssystems sowie die Propagierung dieses Ideals seitens der Parteien und Kirche(n). Seit den 1960er Jahren erlebt die Familie nun einen erneuten Wandlungsprozess, der oftmals auch als „Krise“ bezeichnet wird. Bei diesem neuen Wandlungsprozess geht die Dominanz der modernen Kleinfamilie zurück und anstelle dessen treten vermehrt andere familiale Lebensformen auf wie bspw. Single, nichteheliche Lebensgemeinschaft oder das getrennte Zusammenleben. In diesem Kontext wird auch von einer Pluralisierung der familialen Lebensformen gesprochen.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werde ich der Frage nachgehen, welche theoretischen Erklärungsansätze existieren, mit denen sich die Pluralisierung familialer Lebensformen erklären lässt. Hierbei werde ich mich auf die drei Theorien beschränken, die meiner Meinung die Chance dazu haben, zum größten Erkenntnisgewinn beizutragen. Zu diesen drei Theorien gehört die Individualisierungsthese von Ulrich Beck, die Deinstitutionalisierungsthese, die maßgeblich von Hartmann Tyrell geprägt wurde und die Theorie gesellschaftlicher Differenzierung familialer Lebensformen, die in die Systemtheorie eingebettet ist.

Beginnen werde ich meine Arbeit jedoch zunächst mit dem Thema der Entstehung und Entwicklung der bürgerlichen Kleinfamilie als idealtypische Familienform. Ich werde darstellen wie und zu welchem Zeitpunkt sich die moderne Kleinfamilie gesellschaftlich etablieren konnte und wodurch sie sich auszeichnet. Anschließend werde ich auf die wichtigsten Aspekte der demographischen Entwicklung in der BRD näher eingehen und anhand der Studien von Brüderl (2004) und Schmidt et al. (2003) nachweisen, dass eine Pluralisierung der familialen Lebensformen seit Mitte der 1960er Jahre stattgefunden hat bzw. stattfindet. Im Hauptteil werde ich mich den theoretischen Erklärungsansätzen widmen und der Frage nachgehen, inwiefern diese dazu beitragen können, den Wandel der Familie zu deuten. Ich werde die vorgestellten Erklärungsansätze kritisch hinterfragen und abschließend der Frage nachgehen, ob eine Theorie die Komplexität des familialen Entwicklungsprozesses hinreichend beschreiben kann.

2. Die Entstehung und Entwicklung der bürgerlichen Kleinfamilie als idealtypische Familienform

Vor und zu Beginn der Industrialisierung gab es eine große Vielfalt von Familienformen. Damals reichte das Spektrum von Kleinfamilien bis hin zu größeren komplexen Familienverbänden. Zu diesen Familienformen kamen ferner vielfältige Haushaltstypen hinzu, in denen entfernt- und nichtverwandte Personen miteinander zusammen lebten (vgl. Peuckert 2005, S. 21). Da die vorindustrielle Wirtschaft überwiegend Familienwirtschaft war, bestand die wichtigste Aufgabe der Familienhaushalte darin, sich als funktionierende Arbeitseinheit zu behaupten. Das Familienleben hatte sich dieser Aufgabe unterzuordnen. So kam es i.d.R. zu zweckgebundenen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern, bei denen nicht besonders deutlich zwischen Kernfamilie1 und entfernt- bzw. nichtverwandten Personen differenziert wurde. Nichtverwandte Angehörige zählten in gleicher Weise zum Hausverband wie verwandte. Für gefühlsmäßige Bindungen unter den Mitgliedern der Kernfamilie war kaum Platz, Rückzugsmöglichkeiten existierten kaum (vgl. Huinink & Konietzka 2007, S. 64). Das am weitesten verbreitete Wirtschafts- und Sozialgebilde war die Sozialform des „ganzen Hauses“, dessen zentrales Kennzeichen in der Einheit von Produktion und Familienleben bestand. Innerhalb des „ganzen Hauses“ wurde eine Vielzahl von gesellschaftlich notwendigen Aufgaben erfüllt wie bspw. Produktion, Konsumtion, Sozialisation sowie die Alters- und Gesundheitsvorsorge. Dem „Hausvater“ unterstanden sowohl die verwandten Familienmitglieder als auch die nichtverwandten Angehörigen wie etwa Lehrlinge, Handwerksgesellen, Knechte, Dienstmägde und Gesinde. Das Geschlechterverhältnis sowie die Beziehung zu den Kindern waren zumeist durch gefühlsarme Strukturen gekennzeichnet. Ausschlaggebend für die Partnerwahl waren hauptsächlich ökonomische Gründe wie die Arbeitskraft oder die Mitgift der Frau (vgl. Peuckert 2005, S. 21). Neben den Familien mit „Produktionsfunktion“, gab es auch Familien ohne „Produktionsfunktion“ im vorindustriellen Zeitalter. Dies waren überwiegend Kernfamilien, zum Teil erweiterte Familien, die zumeist besitzlos waren und einen geringen Rechtsstatus besaßen. Sie waren durch eine hohe Autonomie von Verwandtschaftskontexten, durch freie Partnerwahl und ein spätes Heiratsalter gekennzeichnet (vgl. Nave-Herz 2004, S. 38).

Das lange Zeit vorherrschende Bild einer Großfamilie mit Großeltern, Eltern und Kindern (Dreigenerationenhaushalt) als vorherrschende Familienform der vorindustriellen Zeit gilt inzwischen als widerlegt (vgl. Peuckert 2005, S. 21f.). Die Gründe hierfür sind vielfältiger Art: Zum einen bestehen sie in der damaligen, im Vergleich zur heutigen, geringen Lebenserwartung sowie zum anderen in dem späten Heiratsalter und in ökonomischen Gründen (vgl. Nave-Herz 2004, S. 37).

Mit der Trennung von Produktions- und Familiensphäre während der Industrialisierung wurden Familien zur Sphäre des Konsums und der Privatheit (vgl. Huinink & Konietzka 2007, S. 66). Die Sozialform des „ganzen Hauses“ büßte durch die immer weiter fortschreitende Trennung von Arbeits- und Wohnstätte enorm an Bedeutung ein, und es gewannen zwei unterschiedliche Familientypen, die proletarische und die bürgerliche Familie, immer mehr an Bedeutung. In der bürgerlichen Familie waren Haushalt und Produktion Mitte des 19. Jhdt. schon weitestgehend getrennt. Frauen und Kinder waren i.d.R. von der Erwerbsarbeit freigestellt und die Aufgaben waren nach Geschlechtern getrennt: Der Mann war für die Geschäfte und Außenbeziehungen zuständig, die Frau für die Kindeserziehung und den Haushalt. Gemeinsame Arbeitsbereiche, die es zuvor, bspw. in Bauernfamilien, gab, existierten nicht mehr. Es kam zu einer „Entsachlichung“ bei der Beziehung zwischen den Ehepartnern und auch zu den Kindern. Intimität und Emotionen traten immer mehr in den Vordergrund. Es fand eine Orientierung an dem Idealbild der romantischen Liebe statt. Ein weiteres Merkmal der bürgerlichen Familie war, dass sie über Produktiveigentum verfügte und ihr Einkommen gesichert war. Die proletarische Familie bildete sich in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. heraus. Wie auch bei der bürgerlichen Familie waren hier Arbeitsstätte und Familie bzw. Wohnstätte voneinander getrennt. Die proletarische Familie verfügte jedoch über keine eigenen Produktionsmittel, ihre materielle Situation konnte als ungesichert bezeichnet werden. Aufgrund dieser Tatsache unterschieden sich die Lebenssituationen in den beiden Familientypen extrem voneinander. Besonders deutlich wird dies anhand der Rolle der Frau. So war die Frau in der bürgerlichen Familie, bedingt durch die Trennung von Haushalt und Produktion, weitestgehend von der Erwerbsarbeit ausgeschlossen und von nun an für die Erziehung der Kinder zuständig, wobei sie im Haushalt i.d.R. von Bediensteten unterstützt wurde (vgl. Österreichisches Institut für Familienforschung 2000). Proletarische Familien waren arm und auf das Einkommen beider Elternteile angewiesen. Kinderarbeit war hier zunächst noch die Regel (vgl. Huinink & Konietzka 2007, S. 69).

Quantitativ gesehen war die Anzahl der proletarischen Familien (zunächst) wesentlich höher als der Anteil der bürgerlichen Familien. Dennoch setzte sich die Bürgerfamilie als anzustrebendes Familienmodell durch (vgl. Nave-Herz 2004, S. 49). So lässt sich für das Ende des 19. Jhdt. eine alle Schichten umfassende normative Orientierung am Idealbild der bürgerlichen Familie feststellen. Trotz des Idealbildes der bürgerlichen Familie, wird die Lebensform zunächst jedoch nur von einem kleinen Kreis privilegierter Schichten praktiziert. Ausgelöst durch eine Zunahme des Angestelltenanteils zeigten sich zwar in der ersten Hälfte des 20. Jhdt. Verbürgerlichungstendenzen, etablieren konnte sich das bürgerliche Familienmodell jedoch erst in den 1950er Jahren in Form der modernen Kleinfamilie2. Bedingt wurde dies zum einen durch das „Wirtschaftwunder“ und den damit einhergehenden Ausbau des sozialen Sicherungssystems sowie zum anderen durch die Propagierung dieses „idealtypischen“ Modells seitens der Parteien und der Kirche(n) (vgl. Peuckert 2005, S. 24).

Wie deutlich wurde, haben wir es mit der Dominanz einer Familienform als gesellschaftlich propagiertes Ideal und quantitativ völlig dominierendes Modell mit einer historisch einzigartigen Situation zu tun, was in der aktuellen Debatte um die Erosion dieses Modells und die dadurch entstehende Pluralität der familialen Lebensformen oftmals vergessen wird. Die „Hochzeit“ hatte die bürgerliche Familie in Deutschland und in Europa in den 1950er und 1960er Jahren (vgl. Huinink & Konietzka 2007, S. 70). Seit Mitte der 1960er Jahre zeichnen sich in allen Industriestaaten starke familiale Wandlungsprozesse ab, was oftmals auch als „Krise“ der modernen Kleinfamilie diagnostiziert wird (vgl. Nave-Herz 2004, S. 58). Deutlich werden die familialen Änderungen insb. bei den demographischen Wandlungsprozessen seit der Nachkriegszeit, auf die ich im Folgenden näher eingehen werde.

3. Demographische Wandlungsprozesse seit der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges

Die so genannte Krise der modernen Kleinfamilie lässt sich insb.3 an der Entwicklung der Geburtenzahlen und dem veränderten Heirats- und Scheidungsverhalten ausmachen. Die Anzahl der jährlichen Eheschließungen betrug zu Beginn des „golden age of marriage“4 im Jahr 1950 noch 750.000 und fiel dann bis zum Jahr 1980 stetig ab. Erklären lässt sich dieser Abfall durch ein verändertes individuelles Heiratsverhalten. Der daraufhin folgende Anstieg im Jahr 1990, ist hingegen darauf zurückzuführen, dass es aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre zu diesem Zeitpunkt überdurchschnittlich viele Personen im heiratstypischen Alter gab. Anschließend fällt die Anzahl der jährlichen Eheschließungen dann weiterhin ab.5 (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, S. 39ff.). Stark angestiegen ist hingegen das Heiratsalter: Während es in den 1960er Jahren noch bei Anfang / Mitte des 20. Lebensjahres lag, betrug es im Jahr 2006 in Ostdeutschland für Männer 31,8 und für Frauen 29,2 Jahre. In Westdeutschland liegen die Werte jeweils ein halbes Jahr über den ostdeutschen (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2007, S. 5). Die Anzahl der Ehescheidungen war 1950 mit 135.000 relativ hoch und sank dann 1960 auf ein Rekordtief. Anschließend stieg dieser Wert jedoch wieder an und erreichte 2004 den höchsten Wert (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, S. 41).

Die Anzahl der Lebendgeborenen betrug 1950 1.117.000, stieg dann 1960 noch einmal gering an und verringerte sich dann stetig bis 2004 auf den geringsten Wert von 706.000. Eine Ausnahme ist jedoch wieder der Wert von 1990, der höher ist als sein Vorwert. Erklären lässt sich dies wiederum mit den geburtenstarken Jahrgängen6. Außerhalb einer Ehe werden in Deutschland derzeit 28 % aller Kinder geboren, wobei dieser Wert deutlich geringer ist, als der durchschnittliche EU-Wert mit 32 %. Auf der Datengrundlage von 2004 beträgt die Kinderanzahl je Frau durchschnittlich 1,36 in der BRD (vgl. ebd., S. 32).

4. Pluralisierung der familialen Lebensformen ab Mitte des 20. Jahrhunderts

Nachfolgend werde ich mich mit der Pluralisierung der Familienformen und den Dynamiken innerhalb der individuellen Lebensverläufe nach dem „golden age of marriage“ befassen. Erörtern werde ich dies anhand einer Studie von Brüderl (2004), die sich auf die Ergebnisse des Familiensurveys 2000 stützt und mit Hilfe der drei Generationen umfassenden Studie „Beziehungsformen und Beziehungsverläufe im sozialen Wandel“ von Schmidt et al. aus dem Jahr 2003.

Brüderl betont, dass die neuere demographische Entwicklung nicht zwangsläufig zu einer Pluralisierung von familialen Lebensformen führen müsse, da sich durch den Rückgang der Heiratsneigung und dem Rückgang der Geburtenzahl auch ein neues „Normalmodell“ etablieren könne. Somit dürfe nicht vorschnell auf eine Pluralisierung geschlossen werden (vgl. Brüderl 2004, S. 3). Anstelle dessen würden Studien benötigt, die sich konkret zum Ziel setzten, zu überprüfen ob und inwiefern eine Pluralisierung familialer Lebensformen stattgefunden hat. In seinen Ausführungen stützt sich Brüderl daher auf die Ergebnisse der dritten Welle des Familiensurveys. Auf Grundlage der Erhebungen, lässt sich eine Differenzierung zwischen sieben Lebensformen vornehmen: ledig, nichteheliche Lebensgemeinschaft (NEL), verheiratet, getrennt, verwitwet, nacheheliche NEL und wiederverheiratet. Um Veränderungen innerhalb der Lebensläufe zu überprüfen, vergleicht Brüderl verschiedene Geburtskohorten miteinander. Beim Vergleich zeigt sich, dass ein immer höher werdender Anteil von Personen alleine lebt.7 Zurückzuführen ist der Trend zur Singularisierung auf den Rückgang der Dominanz der Ehe, der nicht durch eine Zunahme von NELs kompensiert werden kann (vgl. ebd., S. 5). Beim Vergleich zwischen der verbrachten Zeit in den sieben Lebensformen zwischen dem 14. bis zum 35. Lebensjahr, zeigt sich, dass die bis zum 35. Lebensjahr in einer Erstehe verbrachte Zeit über die Kohorten (von der ältesten bis zu jüngsten) hinweg von 10 auf ca. 6 Jahre stark abgenommen hat. Angestiegen ist hingegen die Zeit in den Zuständen ledig und NEL.8 Ferner steigt die Anzahl der Lebensformwechsel bis zum 35. Lebensjahr bei den Geburtskohorten bis auf eineAusnahme an.9 Für Brüderl bedeuten diese Ergebnisse jedoch nicht zwingend, dass es zu einer Pluralisierung familialer Lebensformen gekommen ist. So könnte etwa der Anstieg der Ledigen, die Vielfalt wieder reduzieren. Um nun zu überprüfen, ob wir es mit einer Pluralisierung familialer Lebensformen zu tun haben, betrachtet Brüderl die individuellen Lebensverläufe und bildet acht verschiedene Lebensverlaufstypen: erstens diejenigen, die bis zum 35. Lebensjahr ledig gebliebenen sind, zweitens Personen, die kürzere NELs hatten und drittens Personen in längeren NELs. Der vierte Typus ist verheiratet und hatte zuvor eine längere NEL, der fünfte Typus hat mit 20 Jahren geheiratet, der sechste mit 25 und der siebte mit 30. Der achte Typus verbringt bis zum 35. Lebensjahr längere Phasen in nachehelichen Lebensformen. Beim Kohortenvergleich zeigen sich drastische Unterschiede. Deutlich werden diese insb. beim Rückgang der reinen Ehetypen. NELs sind zwar angestiegen, können jedoch nicht den Rückgang der reinen Ehetypen erklären. Infolgedessen kommt es zu einem starken Anstieg bei den Ledigen. Lebensformen mit nachehelichen Lebensverläufen stiegen ebenfalls an.10 Zu erkennen ist hieran, dass die Vielfalt familialer Lebensformen zugenommen hat. Mit einem speziellen Varianzmaß weist Brüderl dann auch nach, dass es einen Anstieg der Varianz von 0,78 in der ältesten auf 0,95 in der zweitjüngsten Geburtskohorte zu verzeichnen gibt. In der letzten Kohorte kehrt sich der Trend wieder um, was in der zunehmenden Dominanz der Lebensform ledig begründet liegt. Hierdurch zeigt sich: „Der Trend weg von der Normalfamilie führt nicht notwendigerweise zu einer Pluralisierung. Ein neuer "Standardlebensverlauf" - ledig bleiben bis in die Dreißiger - zeichnet sich ab (Brüderl 2004, S. 7)“. Aufgrund der studienbedingten Begrenzung bis zum 35. Lebensjahr gilt jedoch, dass keine Aussagen darüber hinaus getroffen wurden. D.h.: Sollten die hier erfassten Personen erst später als mit 35 Jahren heiraten, verlöre der Typus ledig wieder an Dominanz und es würde „bunter“ innerhalb des Spektrums werden.

[...]


1 Die Bezeichnung Kernfamilie (Synonym: Gattenfamilie) bezeichnet die „klassische“ Mutter-Vater- Kind(er)-Familie

2 Die moderne Kleinfamilie zeichnet sich dadurch aus, dass sie von jeder Person die lebenslange, monogame Ehe verlangt. Der Sinn der Ehe erfüllt sich in der Familiengründung. Die Ehefrau und Mutter ist hauptsächlich für die emotional-affektiven Bedürfnisse der Familie, die Kindesziehung und die Haushaltsführung zuständig. Dem Vater wird die „Ernährerrolle“ zugeschrieben. Ferner wird er als Autoritätsperson angesehen. Er geht einer Erwerbsarbeit nach und ist für alle Außenbeziehungen der Familie zuständig. Alternative Formen des Zusammenlebens wie Nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinwohnende, Geschiedene, etc. werden gesellschaftlich bestenfalls als Notlösungen toleriert oder sogar diskriminiert (vgl. Peuckert, S. 24f.).

3 In diesem Kapitel geht es mir nicht darum, die demographische Entwicklung Deutschlands von der Nachkriegszeit bis zum heutigen Standpunkt in ihrer Gänze nachzuzeichnen. Anstelle dessen möchte ich lediglich auf die für meine Arbeit relevanten Schwerpunkte näher eingehen.

4 Der Begriff „golden age of marriage“ bezeichnet die „Hochzeit“ der modernen Kleinfamilie. Die Anzahl der Eheschließungen war zu diesem Zeitpunkt auf dem höchsten Stand.

5 Für eine tabellarische Übersicht der Eheschließungen und -scheidungen in Deutschland von 1950 bis 2004 vgl. Tab. 1 im Anhang

6 vgl. hierzu auch Tab. 2: Lebendgeborene und Gestorbene in Deutschland 1950 bis 2004 im Anhang

7 vgl. hierzu Abb. 1 „Anteil der Personen ohne Partner in demselben Haushalt (Lebensformen: ledig, getrennt, verwitwet)“ im Anhang

8 vgl. hierzu Abb. 2 „Im Alter von 14 bis 35 Jahren verbrachte Zeit in den sieben Lebensformen“ im Anhang

9 für eine genaue Übersicht der Verteilung der Anzahl der Lebensformwechsel bis zum 35. Lebensjahr vgl. Abb. 3 „Verteilung der Zahl der Lebensformwechsel bis zum Alter von 35“ im Anhang

10 für weitere Informationen vgl. Abb. 4 „Verteilung der acht Lebensverlaufstypen“ im Anhang

Details

Seiten
31
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640287659
ISBN (Buch)
9783640287840
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123879
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Schlagworte
Theoretische Erklärungsansätze Sozialen Wandel Familienformen Pluralisierung Individualisierung Deinstitutionalisierung Gesellschaftliche Differenzierung

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