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Neues genetisches Design: Therapie oder Enhancement?

Seminararbeit 2008 17 Seiten

Ethik

Leseprobe

Neues genetisches Design

Therapie oder Enhancement?

1. Einleitung: Die Fragestellung

Die Menschheit hat die Macht, die natürlichen Anlagen der Menschen umzugestalten und die menschliche Natur umzuformen durch eine geplante Veränderung des biologischen Charakters der Menschen.1 Wie Ludwig Siep sagt: „Die Menschen wollten den Göttern gleich werden, sich von ihrem Körper trennen oder sich auf der Stufenleiter der niederen und höheren Wesen dem Reich der höheren Geister nähern.“2 Derzeit können „übermenschliche“ Leistungen durch Training des Körpers oder Erlernung von Techniken und Künsten erreicht werden. Techniken der Überwindung menschlicher Leistungsgrenzen werden im Zusammenhang mit biotechnischen Entwicklungen wie der Gentechnologie, der medizinischen Anwendung der Nanotechnologie oder der Stammzellforschung erörtert. Diese neue Macht s.g. „Playing God“ stellt sicher ein größeres Risiko für den Menschen dar.

In der bioethischen Diskussion streitet man über die Differenz zwischen Therapie und Enhancement, Bekämpfung von Krankheiten gegenüber der Verbesserung von körperlichen Leistungen.3 Während Therapie durch das allgemeine Gebot der Hilfeleitung und speziell durch das ärztliche Ethos der Leidensbefreiung und der Wiederherstellung körperlicher Leistungsfähigkeit moralisch geboten und jedenfalls unbedenklich erscheint, ist die Erlaubnis zur Verbesserung des menschlichen Körpers ethisch problematisch. Diese Arbeit wirft einige

moralische Fragen im Hinblick auf die Einschränkungen, die Veränderungen oder die Enhancements der menschlichen Natur auf. Ist es unmoralisch oder unangemessen unnatürlich, die biologische Natur des Menschen zu ändern? In welchem Maße kann die Berufung auf die moralische Bedeutung der menschlichen Natur mit Hilfe der neuen Biotechnologien, wie zum Beispiel Gentechnologie, Grenzen setzen?

2. Der Begriff „Enhancement“

Das Wort „Enhancement“ wird in der Biowissenschaften oder Medizin im Sinne der Verbesserung oder Erweiterung bestehender diagnostischer, therapeutischer, präventiver oder palliativer Möglichkeiten verwendet. Die Verbesserungen des Menschen kann nicht mehr nur intergenerationell im Vererbungsprozess geschehen, sondern bereits während des Lebens eines Menschen, insoweit die Gentherapie am Menschen möglich ist. Verbesserungen oder Enhancements in diesem Sinne – ob bereits jetzt möglich oder als in Zukunft möglich erachtet – können auf eine Stärkung physischer Eigenschaften wie z.B. der körperlichen Ausdauer oder Attraktivität („physical enhancement“) abzielen, sie können auf eine Steigerung kognitiver Fähigkeiten wie z.B. der Gedächtnisleistung („intellectual enhancement“) gerichtet sein oder aber auch eine Formung bestimmter Verhaltensattribute wie z.B. der Aggressivität („moral enhancement“) bezwecken.4 Ihrer Methode nach können sie auf medikamentösem, chirurgischem oder gentechnischem Wege erfolgen.

Table 1: Arten der Enhancement

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Die zentralen Fragen der Enhancement-Debatte

Die Frage, inwieweit derartige über die Krankheitsbehandlung und –vorsorge hinausgehende Verbesserungen der menschlichen Natur vertretbar sind, wird derzeit in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern thematisiert, so vor allem im Zusammenhang mit der Gentechnik, der Wachstumshormonbehandlung in der Pädiatrie, der Anwendung von Psychopharmaka, der kosmetischen Chirurgie und dem Doping im Sport.5 Die gesundheitsübersteigenden „Verbesserungen“ oder die „Enhancement-Debatte“ werden in drei zentralen Fragehinsichten nachgezeichnet:6

- Erstens hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit den Aufgaben und Zielen von Medizin und ärztlichem Handeln, die traditionell in der Wiederherstellung und Bewahrung der Gesundheit gesehen werden.
- Zweitens – vor dem Hintergrund knapper Ressourcen im Gesundheitswesen – hinsichtlich ihrer Unterstützungswürdigkeit durch ein öffentliches Gesundheitssystem.
- Drittens hinsichtlich ihrer prinzipiellen ethischen Legitimität von Enhancement spielen nicht zuletzt Aspekte der Gerechtigkeit und Chancengleichheit, der personalen Authentizität und des moralischen Status der conditio humana eine wichtige Rolle.

Table 2. Die Fragen der Enhancement-Debatte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sollen wir den Menschen verbessern, dürfen wir es und wie sind die wahrscheinlichen Folgen zu bewerten? Um die ethische Bewertung einer kreativ]en Umgestaltung der menschlichen Natur diskutieren zu können, müssen wir zunächst nach klaren Fällen einer wirklichen Veränderung oder gar Neuerfindung des Menschen fragen.7 Das grundsätzlich Neue an den erwähnten Vorstellungen der Verbesserung des Menschen ist, dass es dabei nicht mehr um eine Steigerung körpereigener Funktionen und Leistungen geht, sondern um die Nachahmung von Leistungen nicht-menschlicher Wesen bzw. Geräte. Auf diesem Wege käme ein Wesen zustande, dessen Fähigkeiten von denen des bischerigen Menschen so verschieden wäre wie die Fähigkeiten einer biologischen Spezies von einer anderen oder die Leistungen eines technischen Gerätes von dem einer unterschiedlichen „Generation.“8 Daher ist die Grundfrage inwieweit menschliche Kreativität auf die Ummodellierung des eigenen Körpers angewandt werden soll und darf?

[...]


1 H. Tristram Engelhart, Jr. “Die menschliche Natur – kann sie Leitfaden des menschlichen Handels sein?: Reflexionen über die gentechnische Veränderung des Menschen,“ in Die Menschliche Natur: Welchen und wieviel Wert hat sie?. Kurt Bayertz (Hrsg.), (Paderbonn: 2004): 33. DRZE (Hg). Enhancement: Die ethische Diskussion über biomedizische Verbesserungen des Menschen (Bonn: 2002): 15-16.

2 Ludwig Siep, „Die biotechnische Neuerfindung des Menschen,“ in Kreativität, Günter Abel, (Hg.), Deutscher Kongress für Philosophie, Hamburg, 2006, 306.

3 Vgl. Dazu den umfassenden Bericht des „President´s Council on Bioethics“ der USA: Beyond Therapy. Biotechnology and the Pursuit of Happiness. A Report of the President´s Council on Bioethics , US Government Printing Office, Washington DC (15.10.2003) <http//www.bioethics.gov/reports/beyondtherapy/beyond_therapy_final_webconnected.pdf>.

4 Vgl. DRZE, Enhancement. Die ethische Diskussion über biomedizische Verbesserung des Menschen, Bonn 2002, 15-16; LeRoy, Walters and Julie Gage Palmer. The ethics of human gene therapy (New York: 1997): 108.

5 Vgl. Christian Lenk, Therapie und Enhancement. Ziele und Grenzen der modernen Medizin ( Münsteraner Bioethik-Studien 2, zugl.: Münster/Westf., Univ., Diss., 2001): 15. Zitiert in DRZE 2002: 16. Kursivschrift meine.

6 DRZE, Enhancement, 16-32 .

7 Zu der Konzeption einer genetischen Verbesserung des Menschen vgl. Gregory Stock, Redesigning Humans: Our Inevitable Genetic Future, Boston 2002.

8 Lugwig Siep, „Die biotechnische Neuerfindung des Menschen,“ 311.

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640311927
ISBN (Buch)
9783640315949
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123739
Institution / Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
Therapie oder Enhancement?

Autor

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