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Das deutsch-französische Jugendwerk

Chancen und Grenzen als Vermittler im europäischen Einigungsprozess

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten Europas
1.1 Erst Bewunderung, dann Hass und schließlich Versöhnung?
1.2 Die Nachkriegszeit - Deutschlandfrage und anhaltendes Misstrauen
1.3 Annäherung unter De Gaulle und Adenauer: Der Elys´ee-Vertrag

2 Erfolge und Probleme des DFJW als Mittler zwischen Deutschland und Frank- reich
2.1 Aufbau und Angebote des Jugendwerks
2.2 Das politische Stimmungsbarometer DFJW
2.2.1 Die Studentenrevolte 1968
2.2.2 Die deutsch-französischen Beziehungen seit den Siebziger Jahren
2.2.3 Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Zeit nach 1990

3 Bilanz aus vierzig Jahren Vermittlungstätigkeit des DFJW

4 Zusammenfassung und Fazit

Literatur

0 Einleitung

In der Mitte unseres Kontinents gedeiht der Keim eines vereinten Europas - die langjähri- ge Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland ermöglicht uns heute grenzenfreies Reisen und problemloses Einkaufen in den Ländern der Europäischen Union. Vor einigen Jahrzehnten noch eine unvorstellbare Utopie angesichts der gnadenlosen Kriege zwischen den Nachbarn, die Europa jahrelang erschütterten und zerrütteten.

Und doch begegnen sich heute deutsche und französische Jugendliche mit Neugierde und Interesse, statt mit Hass und Abscheu wie noch unsere Großväter. Dies ist ohne Zweifel auch der Verdienst einer Organisation, die sich den friedlichen Austausch der Jugend zur Aufgabe gemacht hat: Das Deutsch-Französische Jugendwerk.

In dieser Hausarbeit zum Thema ”Das Deutsch-Französische Jugendwerk - Chancen und G r enzen als Vermittler im europ äischen Einigungsprozess” möchte ich die Möglichkeiten und Herausforderungen behandeln, die sich bei dem Aufeinandertreffen leidgeprüfter und doch versöhnlicher Nachbarn ergeben. Anfangs steht die Entwicklung V on der Erbfeind- schaft zum Motor des vereinten Europas im Mittelpunkt meiner Betrachtung.

Darauf aufbauend gehe ich auf die Erfolge und Probleme des DFJW als Mittler zwischen Deutschland und Frankreich ein und ziehe anschließend Bilanz aus vierzig Jahren V ermittlungst ätigkeit des DFJW. Zuletzt wird in der Zusammenfassung ein F azit meiner Ausführungen im Mittelpunkt stehen.

1 Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten Europas

1.1 Erst Bewunderung, dann Hass und schließlich Versöhnung?

Die Vorstellung des idyllischen Deutschlands der Dichter und Denker, des gebildeten Kulturvolks und der Gedankenfreiheit, das Madame de Stael in ihrem Buch De l’Allemagne im Jahre 1813 noch beschrieb, sollte sich nach den Kriegsjahren 1870/71 dramatisch wan- deln. Ein anderes Deutschlandbild erwuchs nach dem Schock des Krieges und der Annexion Elsass-Lothringens in den Köpfen der alten und jungen Franzosen: der Erb- feind. Die deutsche Liebe zur französischen Lebensart schlug in blanken Franzosenhass um, nichts mehr war zu spüren von der einstigen Frankophilie. Der Kampf um die Vor- machtstellung in Europa und der Drang nach Revanche bestimmten auch im ersten Welt- krieg weiterhin das Verhältnis der ehemaligen friedlichen Nachbarn. Junge Deutsche und Franzosen bekämpften sich erbittert auf den Schlachtfeldern, unzählige Opfer forderte die- ser Krieg auf beiden Seiten der Schützengräben. Symbolträchtig beschmutze und zerstörte man auch im Zweiten Weltkrieg den Nationalstolz des Feindes: in Paris wurde die deutsche Flagge gehisst, uniformierte NS-Soldaten flanierten in den Straßen von Montmartre. Auch wenn die Staatsmänner Aristide Briand1 und Gustav Stresemann2 zwischen den Kriegen versuchten, durch das Abkommen von Locarno3 (1925) und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund4 (1926) eine Verständigung zu schaffen, beharrten die politischen Par- teien, die Presse und öffentliche Meinung auf der Erbfeindschaft. Nach dem Untergang des Dritten Reichs triumphierte Frankreich an der Seite der Allierten endlich über das besiegte Deutschland.

Wer mochte jetzt an Versöhnung denken, da doch eben erst das gewaltige Verlangen nach Rache befriedigt wurde? Wer konnte sich eine friedliche Zusammenarbeit vorstellen mit denen, die Großeltern, Eltern und Lehrer kurz zuvor noch als ärgsten Feind bezeichneten? Konnte man sich verbrüdern mit denen, die einst Väter, Söhne und Ehemänner umbrachten? Unter diesen Voraussetzungen war eine friedliche Jugendbegegnung sei- nerzeit vorerst unvorstellbar. Doch wie und warum sich Frankreich und Deutschland allmählich doch annäherten und bald eine zarte Freundschaft zwischen ihnen wuchs, erläutere ich im nächsten Abschnitt.

1.2 Die Nachkriegszeit - Deutschlandfrage und anhaltendes Misstrauen

Deutschland war nach der totalen Niederlage am Boden zerstört. Die Frage, wie man mit dem Besiegten weiter verfährt, beschäftigte nun die Siegermächte. Auf der Konferenz von Jalta5 beschlossen die Alliierten schon im Februar 1945 unter anderem die Demili- tarisierung, Denazifizierung, Demokratisierung und die Einteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen. Frankreich kontrollierte fortan den Südwesten Deutschlands. Das tief verwurzelte Misstrauen gegenüber dem besiegten Feind blieb jedoch noch bestimmend für die weiteren Pläne: Aus Furcht vor einer Wiedererstarkung Deutschlands bestand die französische Besatzungsmacht zunächst darauf, das Ruhrgebiet wie auch das Rhein- land einem dem französischen Sicherheitsinteresse entsprechenden Sonderstatus außerhalb Restdeutschlands zu unterstellen. Die USA und die Sowjetunion lehnten eine Abtrennung einzelner Landesteile jedoch ab, denn ohne ein gleichberechtigtes Deutschland im Zentrum Europas schien die Sicherung eines dauerhaften Friedens und möglicher Zusammenarbeit ausgeschlossen. Frankreich durfte jedoch das Saarland aus der eigenen Besatzungszone herauslösen, um es als quasi autonomes Gebiet wirtschaftlich eng an sich zu binden. Der französische Staatspräsident De Gaulle beabsichtigte, Deutschland als untergebenen Staat schwach und handlungsunfähig zu halten - ja sogar Pläne kursierten, einen ausschließlich agrarischen deutschen Staat zu bilden. Die USA und die Sowjetunion sprachen sich aber für den raschen Neuaufbau Deutschlands aus und so setzte sich auch Frankreich nun für die ”Umerziehung” der Deutschen ein.

Am 14. September 1949 fanden schließlich die ersten Bundestagswahlen statt, Konrad Adenauer wurde erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Meinungsumfragen, die seit den fünfziger Jahren durchgeführt wurden, ließen auch jetzt noch sehr klar die Fortdauer der alten Feindbilder in der Bevölkerung erkennen.

[...]


1(1862-1932), französischer Premierminister u.a. nach dem Ersten Weltkrieg.

2(1878-1929), deutscher Außenminister in mehreren Regierungen; bereitete den Weg für die Aufnahme des Deutschen Reiches in den Völkerbund; erhielt 1926 zusammen mit Briand den Friedensnobelpreis für die Locarnoverträge.

3 Ziel des Vertrags war die Errichtung eines Sicherheitssystems in Mitteleuropa, besonders in Hinblick auf die deutsche Westgrenze

4 Internationales Staatenbündnis zur Sicherung des Weltfriedens mit Sitz in Genf bestehend von 1920- 1946.

5 Alliierte Kriegskonferenz (4.-11. Februar 1945) zwischen dem US-Präsidenten Roosevelt, dem britischen Premierminister Churchill und dem sowjetischen Staatschef Stalin zur Abstimmung des weiteren mi- litärischen und politischen Vorgehens in der Endphase des 2. Weltkrieges sowie Klärung von Vorfragen die Gründung der UNO betreffend.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640290444
ISBN (Buch)
9783640290659
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123446
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Romanistik
Note
2,0
Schlagworte
Frankreich Deutschland deutsch-französisches Jugendwerk Imagologie Stereotyp Kulturpolitik Kulturwissenschaft deutsch-französische Beziehungen Charles de Gaulle Kulturbeziehungen Kulturkontakt Kulturmittlung Europäische Einigung

Autor

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Titel: Das deutsch-französische Jugendwerk