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Gestaltung der Marketing-Kommunikation für den Existenzgründerkursus "Be Your Own Boss" des gleichnamigen EU-Projektes in Dänemark

Hausarbeit 2008 46 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 DAS EU-PROJEKT „BE YOUR OWN BOSS“
2.1 PROJEKTZIEL
2.1.1 PROJEKTZIEL IM WEITEREN SINNE (AUF EU EBENE)
2.1.2 PROJEKTZIEL IM ENGEREN SINNE (AUF PROJEKTEBENE)
2.2 PROJEKTPARTNER
2.2.1 DIE TEILNEHMENDEN EUROPÄISCHEN PARTNER
2.2.2 UDVIKLINGSCENTER HADERSLEV ALS OPERATEUR FÜR IVÆRKSÆTTERBYEN HADERSLEV AUF DEM DÄNISCHEN MARKT
2.3 STRUKTUR UND INHALT DES PROJEKTES
2.3.1 WPS 1-5, 8 UND 9
2.3.2 WP 6 UND WP 7 - ORGANISATION UND DURCHFÜHRUNG UND DER EXISTENZGRÜNDERKURSE ALS AUSGANGSBASIS FÜR DIE MARKETING KOMMUNIKATION

3 FÜR DIE MARKETING-KOMMUNIKATION ZU BERÜCKSICHTIGENDE RAHMENBEDINGUNGEN
3.1 CHARAKTERISTIKA DER DÄNISCHEN KULTUR
3.1.1 MACHT MACHT NICHT SEXY
3.1.2 „ICH MACH MIR DIE WELT, WIE SIE MIR GEFÄLLT“
3.1.3 EINE GESELLSCHAFT VON DER VENUS
3.1.4 „CHE SERA SERA“
3.2 AUSZÜGE AUS DER DÄNISCHEN ARBEITSWELT
3.3 ERGEBNISSE DER QUALITATIVEN BEDÜRFNISANALYSE
3.4 DAS EU-PROJEKTBUDGET – FREIHEITEN UND RESTRIKTIONEN
3.5 DIE STRATEGISCHEN KOMMUNIKATIONSVORGABEN

4 MARKETING-KOMMUNIKATIONSZIELE UND -ZIELGRUPPEN .
4.1 HAUPTZIEL UND –GRUPPE
4.2 NEBENZIELE UND -ZIELGRUPPEN

5 INTERINSTRUMENTELLE UND INTERMEDIA SELEKTION

6 INTRAMEDIASELEKTION UND TIMING

7 GESTALTUNG DER WERBEMITTEL
7.1 INHALTLICHE UND FORMALE GESTALTUNG DER KOMMUNIKATION
7.1.1 USP / CONSUMER BENEFIT
7.1.2 WIESO, WESHALB, WARUM? – REASON WHY
7.1.3 TONALITY
7.2 ANNONCENKREATION
7.2.1 BESCHREIBUNG DES ANNONCENAUFBAU
7.2.2 KOMMUNIKATIONSPROZESS UNTER BERÜCKSICHTIGUNG VERHALTENSWISSENSCHAFTLICHER THEORIEN
7.2.2.1 Beabsichtigte Streuwirkungen
7.2.2.2 Beabsichtigte intrapsychische Wirkungen
7.2.2.3 Beabsichtigte Verhaltenswirkungen
7.3 F LYERKREATION
7.4 PR M AßNAHMEN
7.4.1 ERSTE PR-MAßNAHME
7.4.2 ZWEITE PR-MAßNAHME
7.4.3 ERGÄNZENDE PR MAßNAHMEN
7.5 WEBSITEKREATION

8 ERFOLGSKONTROLLE UND AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mein sechsmonatiges Pflichtpraktikum habe ich im Ausland – genauer gesagt in Dänemark - absolviert. Während meiner Praktikumszeit im Udviklinklings Center Haderslev habe ich die Projektleitung des EU-Projektes „Be Your Own Boss“ übertragen bekommen.

Meine Aufgabe bestand darin, alle im Rahmen des Projektes anfallenden Tätigkeiten auszuführen bzw. ausführen zu lassen und alle internen (nicht öffentlichen) und externen (an die Öffentlichkeit gelangenden) Maßnahmen miteinander – teilweise in Rücksprache mit den anderen Projektpartnern - zu koordinieren.

Im Rahmen des Projektes habe ich einen Kursus für Existenzgründer organisiert. Die hier vorliegende Arbeit handelt von der in diesem Zusammenhang durchgeführten Marketing-Kommunikation, die v.a. zur Akquise von Kursusteilnehmern stattfand.

Ich werde in der Arbeit nicht auf alle Themengebiete innerhalb der Marketing- Kommunikation eingehen. Daher habe ich die meiner Meinung sehr nach praxisnahe Variante gewählt und im Grunde die wesentlichen Dinge herausgegriffen, mit denen ich während der Planung und Durchführung der Kommunikationsmaßnahmen konfrontiert wurde.

Durch meinen längeren Aufenthalt in Dänemark, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen nördlich der deutsch-dänischen Grenze - trotz der geographischen Nähe zu meinem Heimatort Flensburg in Deutschland – ganz anders ticken.

Um eine effektive Marketing-Kommunikation gestalten zu können, müssen die kulturellen Unterschiede zwangsläufig berücksichtigt werden, damit es nicht zu Missverständnissen in der Kommunikation kommt, was einen Wirkungsverlust mit sich führen würde.

Daher gehe ich in der vorliegenden Arbeit schwerpunktmäßig auf die kulturellen Aspekte der dänischen Kultur ein.

Darauf, wie ich die erlangten Erkenntnisse für Marketing-Kommunikation verwendet und umgesetzt habe, werde ich sehr detailliert bei der Gestaltung der von mir kreierten Annonce eingehen.

2 Das EU-Projekt „Be Your Own Boss“

2.1 Projektziel

2.1.1 Projektziel im weiteren Sinne (auf EU Ebene)

Das Projekt mit dem Titel „Be Your Own Boss“ (Abk. BYOB) ist unter dem EU-Programm „Leonardo da Vinci (Phase II)“ ins Leben gerufen und weiter entwickelt worden. Das Programm beschäftigt sich mit dem Thema Berufsbildungspolitik und zielt auf die „…Verwirklichung eines europäischen Bildungsraums des lebenslangen Lernens und auf die Sicherstellung der weiteren Zusammenarbeit zwischen den Akteuren im Bereich der beruflichen Bildung auf Gemeinschaftsebene(.)“ ab. 1

Personen im erwerbsfähigen Alter, die ihre schulische Laufbahn bereits abgeschlossen haben, sollen durch Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen Wissen, Kompetenzen oder erhöhte Qualifikationen vermittelt werden. Somit erhalten sie bessere Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Die Berufsbildung soll zu innovativen Prozessen führen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Arbeitsmarktes erhöhen sowie Unternehmergeist fördern. Mit dem Programm möchte die EU sich gleichzeitig für Chancengleichheit von Randgruppen sowie Bekämpfung von Diskriminierung einsetzen.2

Eine der von der europäischen Kommission als förderungswürdig befundenen Maßnahmen, die innerhalb des Leonardo-da-Vinci-Programmes ergriffen werden können, ist die Initiierung und Realisierung von „…Pilotprojekten auf Grundlage grenzüberschreitender Partnerschaften mit den Zielen Innovationsförderung und Qualitätssteigerung“.3

Hier setzt das zweijährige Projekt „BYOB“ (Projektbeginn 01.10.2006) an.

2.1.2 Projektziel im engeren Sinne (auf Projektebene)

Das Ziel des Pilotprojektes „BYOB“ ist die grenzüberschreitende Entwicklung eines optimierten Unterrichtsprogramms auf allen das Thema Existenzgründung relevanten Schulungsgebiete. Es sollen bei der Entwicklung insbesondere die Bedürfnisse der Zielgruppen berücksichtigt werden, die traditionell einen geringen Anteil der beruflich Gewerbe treibenden ausmachen: junge Menschen, ethnische Minderheiten, Menschen in ländlichen Gebieten, Behinderte und Frauen. Das ausgearbeitete Schulungsmaterial wird nach Beendigung des Projektes allen Teilnehmern kostenfrei zur Verfügung gestellt so wie auf Wunsch allen interessierten Institutionen oder Privatpersonen der EU-Mitgliedstaaten entgeltlich angeboten.

2.2 Projektpartner

2.2.1 Die teilnehmenden europäischen Partner

Die Projektpartner setzen sich aus acht unterschiedlichen Organisationen aus sieben Nationen der Europäischen Union zusammen:

- business initiative (Unternehmensberatung und Berufsbildung), Großbritannien
- Stadtrat von Stoke-on-Trend, Großbritannien
- Euro Training“ (Aus- und Weiterbildungsinstitut), Bulgarien
- Euroface Consulting“ (Aus- und Weiterbildungsinstitut), Tschechien
- Acadamy of Management (Privatuniversität), Polen
- Kaunas Regional Innovation Centre (Wirtschaftsförderung), Litauen
- UdviklingsCenter Haderslev (Wirtschaftsförderung), Dänemark

Mit Ausnahme des polnischen Partners handelt es sich ausschließlich um non-profit Organisationen.4

2.2.2 UdviklingsCenter Haderslev als Operateur für Iværksætterbyen Haderslev auf dem dänischen Markt

Operateur des EU-Projektes auf dem dänischen Markt ist das UdviklingsCenter Haderslev (deutsch: Entwicklungszentrum Haderselv; Abk.: UCH). Das UCH ist ein regionales halböffentliches Wirtschaftsförderungsunternehmen für die Kommune Haderslev in Dänemark. Das UCH ist eine Dachorganisation, die Partner aus Industrie-, Tourismus- und Einzelhandelssektor sowie der örtlichen Regierung vereinigt.

Aufgabe und Zweck der non-profit Organisation ist es, Projektideen zu entwickeln, diese ins Leben zu rufen oder sich an anderen Projekten zu beteiligen, um Entwicklung, Innovations- und Wachstumsmöglichkeiten seiner Mitglieder und somit das Wirtschaftwachstum der Kommune zu fördern. Die Mitglieder sind ca. 800 - vorwiegend kleine und mittelgroße - Unternehmen aus der Region, die sich den Handels- und kommerziellen Netzwerkorganisationen des Hauses angeschlossen haben. Diese Netzwerkorganisationen sind entweder historisch gewachsen, wie Handel (Handelsrat), Tourismus (Tourismusrat), Ausbildung (Ausbildungsrat) oder aber berufsspezifisch bzw. thematisch gegründet worden - z.B. als Cluster der maritimen Freizeitbranche: Flagskibet.dk (deutsch: Flagschiff).

Das UCH agiert sowohl auf lokaler, regionaler als auch auf internationaler Ebene. UCH ist Mitglied diverser Kooperationsformen, die sich mit Innovation, Clusterbildung und Existenzgründung beschäftigen. Existenzgründung ist die Thematik, mit der sich die Initiative „Iværksætterbyen Haderslev“ (deutsch: die Existenzgründerstadt Haderslev, Abk.: I.H.) beschäftigt. I.H. stellt einen Zusammenschluss aus lokalen Existenzgründer- Akteuren und aus Vertretern des lokalen Gewerbes (u.a. Kreditinstitute, Anwaltskanzleien, Revisoren) dar. Über von I.H. organisierte Kurse mit Beratungsleistungen und Teilnahme I.H.s an Netzwerken und Projekten, soll eine langfristige Existenz der zukünftigen Geschäftsgründer der Kommune sichergestellt werden. UCH fungiert alltäglich als Anlaufstelle und hat für die finanzielle Beteiligung seitens I.H.s durch die Teilnahme am EU-Projekt gesorgt (vgl. auch 3.4) Das Ergebnis des EU-Projektes BYOB, die Finalversion des international ausgearbeiteten Unterrichtsmaterials, wird I.H. frei zur Verfügung gestellt.

2.3 Struktur und Inhalt des Projektes

Um eine Übersicht und strukturierte Vorgehensweise beim Erstellen der bestmöglichen Unterrichtsmaterialen zu gewährleisten, wurde das Projekt entsprechend Zeitverlauf und Aufgaben- und Verantwortungsverteilungen in insgesamt neun Phasen - genannt workpackage(s) (Abk: WP) unterteilt. Die Leitung inkl. Planung, Steuerung und Kontrolle für jedes einzelne WP wird jeweils einem der Partner übertragen. Alle anderen Partner sind jeweils an der Durchführung beteiligt.

2.3.1 WPs 1-5, 8 und 9

Die Administration des Gesamtprojektes wird in WP 1 geregelt und liegt unter der Leitung vom Stadtrat von Stoke-on-Trend, der auch das ganze Projekt initiiert hat. So hat dieser den Projektverlauf in Zeiteinheiten (monatsbezogen) unterteilt. Zu seinen Kompetenzen gehört die Koordination und Überwachung verschiedener Aktivitäten, Aufgaben und Budgets. Gleichzeitig hat er dafür Sorge zu tragen, dass die Aufgaben, die den einzelnen Partnern zugeteilt sind, ordnungsgemäß erledigt werden, um die gewünschten Resultate entsprechend der Zielsetzung zu gewährleisten. Publicity und Marketing Strategie Vorgaben für alle Partner werden von hier aus gesteuert (vgl. auch 7.1) Gleichzeitig hat der Stadtrat die Leitung des WP 9 inne, das sich mit der Auswertung des gesamten Projektverlaufs und –fortschritts befasst. Polen fasst hierfür im WP 8 alle von sämtlichen Partner unternommenen Kommunikationsmaßnahmen zusammen.

Im WP 2 wurde die Durchführung einer Benchmark-Analyse vom bulgarischen Partner über einen viermonatigen Zeitraum geleitet. Mit Hilfe einer Bedürfnisanalyse, die in WP 3 vom UCH geleitet wurde, sollten die Lehrinhalte ermitteln werden, die für den Erwerb von Fähigkeiten und zur Kompetenzsteigerung auf dem Gebiet Existenzgründung bei den speziellen Zielgruppen besonders nachgefragt werden (vgl. auch3.3). In WP4 sollte nun das Unterrichtsmaterial entworfen und strukturiert werden, was in folgenden neun Lerneinheiten – im weiteren Verlauf der Arbeit Module genannt - resultierte: persönliche Entwicklung, Geschäftsidee, rechtliche Themen, Buchhaltung & Rechnungswesen, Marketing & Vertrieb, Finanzierungsmöglichkeiten, Internethandel, Geschäftsplan und Mustervorlagen (z.B. Kontenplan, Geschäftsplan). Im Anschluss sollte sollten nun die in WP 4 entwickelten Gliederungspunkte der einzelnen Module im WP 5 mit Inhalt gefüllt werden. Die Leitung der WPs 4 und 5 wurde gemeinschaftlich von einem der englischen dem griechischen Partner übernommen.

2.3.2 WP 6 und WP 7 - Organisation und Durchführung und der Existenzgründerkurse als Ausgangsbasis für die Marketing Kommunikation

Im nächsten Schritt sollten nun alle Partner in ihrem Lande Existenzgründerkurse organisieren, d.h. Kursusort und -zeit festlegen, Kursusleiter und Lehrer/Vortragende engagieren, Räume und Catering buchen, Unterrichtsmappen produzieren, etc.

Sämtliche erstellte Unterrichtsmaterialien sollten in dieser Phase jeweils national im ersten von insgesamt zwei Projektkursen getestet werden und mithilfe der Kursusteilnehmer und des Kursusleiters sowie der Inhaltsvermittler bewertet werden (WP6 – Leitung durch den tschechischen Partner). Im Anschluss daran sollte ein zweiter Kursus (diesmal unter litauischer Leitung) – mit angepassten Lehrinhalten- erneut gehalten und wiederum auf die gleiche Weise durchgeführt werden.

Um den Kursus realisieren zu können, galt es vor allem, potentielle Kursusteilnehmer zu akquirieren. Hier setzt die von mir durchgeführte Marketing-Kommunikation auf operativer Ebene an.

3 Für die Marketing-Kommunikation zu berücksichtigende Rahmenbedingungen

Um eine möglichst effektive und auch sinnvolle Marketing-Kommunikation durchführen zu können, musste ich zunächst die Faktoren näher untersuchen, die den Rahmen für meine gestalterischen Möglichkeiten absteckten, bzw. die es mir ermöglichen würden, die Rezipienten der Marketingbotschaft (vgl.4.1) zielgenau ansprechen zu können.

3.1 Charakteristika der dänischen Kultur

Die Kultur beschreibt G. Hofstede als eine tief unterbewusste, nicht vererbte, sondern erlernte und relativ stabile Einstellung, von der sämtliche Menschen einer Gemeinschaft geprägt sind. Es gibt offensichtliche, gewöhnliche Faktoren, die durch Verhaltensweisen wie z.B. Grußrituale, Tragen von Kopfbekleidung oder Wahren persönlicher Distanzbereiche geäußert werden. Diejenigen Faktoren, die dem flüchtigen Betrachter jedoch nicht sofort ins Auge fallen, sondern erst im längeren Zusammenleben auffallen, sind die unsichtbaren, mentalen Faktoren. Diese äußern sich in Verhaltensmustern – wie z.B. im Angestelltenverhältnis oder in zwischenmenschlichen Beziehungen -, Selbstverständnis, Denkansätzen und Problemlösungsverhalten.5

Für mich als deutsche Staatsbürgerin mit kulturell andersartigem Hintergrund war es daher essentiell, mir die kulturellen Aspekte der dänischen Kultur zu vergegenwärtigen, um eine möglichst wirkungsvolle Marketing-Kommunikation durchführen zu können. Hierdurch konnte ich eventuell aufkommende Kommunikationsmissverständnisse beim Übermitteln der Kommunikationsbotschaft im Vorwege vermeiden (vgl.7.2.2.2)

Ich habe mich hier mit dem von G. Hofstede entwickelten Modell der Kulturdimensionen beholfen, um die dänische Kultur näher zu beleuchten. Er verdeutlicht die Unterschiedlichkeit der Weltanschauungen verschiedener Kulturen anhand von fünf Dimensionen, von denen ich aus Relevanz nur die ersten und ursprünglichen vier betrachten werde.

Die Einstufung der einzelnen Kulturen innerhalb der Dimensionen ist im Vergleich mit bis zu 72 anderen Nationen auf je einer Ordninalskala vorgenommen worden. Die Dimensionen mit ihren mit zwei entgegen gesetzten Ausprägungsformen lauten:

- hohe vs. niedrige Machtdistanz
- Individualismus vs. Kollektivismus
- Femininität vs. Maskulinität
- Vermeiden vs. Inkaufnahme von Unsicherheit 6

Die von G. Hofstede erlangten Erkenntnisse basieren auf einer empirischen Untersuchung, die er weltweit im Unternehmen IBM als Mitarbeiterbefragung durchgeführt hat.7 Fraglich ist, ob bei der angewandten Methodik mit einer willkürlich getroffenen Stichprobenauswahl, repräsentative Aussagen induktiv für die Gesamtbevölkerung einer Nation abgeleitet werden können. Dänemark wird auch als ein sehr homogenes Volk mit weitestgehend gleichen Werten beschrieben8, was die Repräsentativität der in der Empirie erlangten Erkenntnisse G. Hofstedes stützt. Ich werde die während meines sechsmonatigen Aufenthalts in Dänemark persönlich gemachten Beobachtungen sowie ergänzende Aussagen anderer Autoren zwecks Validitätsprüfung mit G. Hofstedes Erkenntnissen vergleichen. Im Anhang habe ich den von mir verfassten Artikel „Arbeiten in DK – so ist es nun einmal“, der in der Tageszeitung der deutschen Minderheit erschien und gerade auf das Erleben der dänischen Kultur als Deutsche eingeht beigelegt. Die in den folgenden Kapiteln gemachten Aussagen lassen sich dort eindeutig wieder finden.

3.1.1 Macht macht nicht sexy

Die erste der insgesamt fünf Dimensionen in dem von Hofstede entwickelten Kulturmodell ist die Machtdistanz. Hier könnte man folgende Fragestellungen formulieren: Ist eine Klassengesellschaft, in der eine Bevölkerung in heterogene Schichten eingeteilt ist, welche sich durch sozialen Status, der meist mit erreichbarem Bildungsniveau, Berufschancen und Machteinfluss korreliert, ein wünschenswerter Zustand? Wird er toleriert und wenn ja, bis zu welchem Grad? Oder versucht man dem ausgleichend entgegenzuwirken, um eine Gleichheit aller Menschen – sozusagen das Vorhandensein nur einer Klasse - anzustreben? Je mehr eine Gesellschaft bemüht ist, vorhandene Ungleichheiten zu beseitigen, um jedem Menschen dieselben Rechte zuzugestehen, desto niedriger ist die Machtdistanz.9

Hofstede hat auf Grund seiner Untersuchungen einen Machtdistanzindex ermittelt. Dänemark, das sich bemüht, eine Gesellschaft mit geringen Klassenunterschieden bemüht10, befindet sich im Vergleich mit 73 anderen Ländern auf Platz 72 der Skala, wobei der erste Rank an das Land mit der höchsten Machtdistanz und der letzte Rank – Rank 74 – an das Land mit der niedrigsten Machtdistanz vergeben wurde.11

Nach Berichterstattung meiner dänischen Kollegen, werden schon die Kinder in der Regel eher antiautoritär aufgezogen, ein lt. Hofstede sehr typisches Phänomen bei Ländern mit geringer Machtdistanz.12 Nur äußerst selten werden sie ihren Eltern bevormundet, damit sie früh lernen, eigene Entscheidungen treffen zu können.

Im dänischen Schulsystem, das nachhaltig von N. F. S. Grundtvig (u.a. dänischer Pädagoge und Philosoph) beeinflusst worden ist, spielen Noten eine untergeordnete Rolle und ein offener Dialog zwischen Lehrer und Schüler, von dem beide Seiten profitieren können, ist wünschenswert.13 Auch dies ist ein Indiz für eine kaum ausgeprägt Machtdistanz14.

Allgemein gilt die Auffassung, dass alle Menschen gleichwertig sind und nicht anhand von Besitz, sozialem Status oder Ausbildung sondern ausschließlich hinsichtlich ihrer menschlichen Qualitäten beurteilt werden.15 So ist das „Janteloven“ (deutsch: Gesetz von Jante) jedermann in Dänemark ein Begriff). Das Janteloven ist ein ungeschriebenes Gesetz sagt aus, dass man unter allen Umständen immer am Boden der Tatsachen bleiben muss.16

Es wird ein legerer Umgangston gepflegt und alle duzen einander.

Die über die Sozialisation entstandene Einstellung manifestiert sich im Berufsleben in Form von Macht- bzw. Abhängigkeitsverhältnis eines Unterstellten von seinem Vorgesetzten. Je unabhängiger ein Unterstellter vom Chef agiert, desto geringer ist auch die Machtdistanz.17 Angestellte widersprechen leichter ihrem Vorgesetzten, der einen Konsens herbeiführen sollte. Der dänische Soziologe P. Gundelach beschreibt den in Dänemark vorherrschenden Wunsch nach Konsens als Abweisung von Autorität.18 Der ideale Boss ist beratend und demokratisch, anstelle von väterlich oder autoritär.19 Somit ist die Delegation von Aufgaben in Dänemark üblich und mit der Erwartungshaltung verbunden, dass auch unterstellte Angestellte den nötigen Überblick haben, um diese selbstständig erfüllen können20. Ich als Praktikantin im UCH gleich zu Beginn meiner Arbeitstätigkeit weitläufige Kompetenzen zugeteilt und durfte die Projektleitung für dieses EU-Projekt in Dänemark übernehmen. Auch wurde ich bei der Abwicklung anderer Projekte gebeten, meinen Standpunkt zu äußern. Umgekehrt wird jedoch nicht jegliche Aufgabendelegation seitens des Angestellten akzeptiert und ausgeführt. Der Vorgesetzte muss vielmehr erklären, überzeugen und jegliche Fragen des Angestellten beantworten21.

J. Kjeldsmark, Abteilungsleiter vom Personalberatungsunternehmen Mercuri Urival, bestätigte mir die zuvor aufgestellten Thesen in einem Gespräch unter vier Augen. Er wagte sogar zu behaupten, dass die dänischen Angestellten ihrem Chef generell keinerlei Respekt entgegenbringen, was H. Niss (Universität Aalborg) etwas milder als fehlenden Respekt vor Autorität und Status im Sinne der Gleichberechtigung bezeichnet.22

Die geringe Machtdistanz ist meiner Meinung nach ein Umstand, der den Schritt vom Angestelltendasein in die vollkommene berufliche Unabhängigkeit begünstigt. Kann man Verantwortung übernehmen und Aufgaben und Problemstellungen als Angestellter eigenständig bewältigen, liegt der Gedanke nahe, dass man die Dinge genau so gut bewältigen kann, ohne einem Vorgesetzten Rechenschaft ablegen zu müssen.

[...]


1 Europäische Union (1999): Leonardo da Vinci (Phase II) 2000-2006, http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11025.htm, abgerufen am 01.07.2008.

2 vgl. Ebenda

3 Ebenda

4 Be Your Own Boss (2006): Contact, http://www.eubyob.eu/p3.asp, abgerufen am 01.07.2008.

5 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 3-4

6 vgl. Ebenda, S. 23

7 vgl. Ebenda, S. 22-23

8 vgl. Gundelach, P. (1993): Danskernes særpræg, in: Gullestrup, H/Lorentsen, A., (Hrsg.): Interkulturel kompetence (1996), S. 9

9 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 46

10 vgl. Skaarup Rasmussen, A. / Bank-Mikkelsen,G., 2005, S. 19

11 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 43-44

12 vgl. Ebenda, S. 52

13 Wikipedia (2008): Der Volkspädagoge, http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolai_Frederik_Severin_Grundtvig, abgerufen am 03.07.2008

14 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 57

15 Skaarup Rasmussen, A. / Bank-Mikkelsen,G., 2005, S. 19

16 Wikipedia (o.J): Janteloven, http://de.wikipedia.org/wiki/Janteloven, abgerufen am 09.07.2008

17 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 55

18 vgl. Gundelach, P. (1993): Danskernes særpræg, in: Gullestrup, H/Lorentsen, A., (Hrsg.): Interkulturel kompetence (1996), S. 16

19 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 59

20 vgl. Niss, H., 1994, S. 117

21 vgl. Hofsteede, G. / Hofsteede, G.J., 2005, S. 55

22 vgl. Niss, H., 1994, S. 117

Details

Seiten
46
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640286362
ISBN (Buch)
9783640286430
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123424
Institution / Hochschule
Fachhochschule Flensburg – Marketing
Note
1,0
Schlagworte
Gestaltung Marketing-Kommunikation Existenzgründerkursus Your Boss EU-Projektes Dänemark Marketing Kommunikation

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Titel: Gestaltung der Marketing-Kommunikation für den Existenzgründerkursus "Be Your Own Boss" des gleichnamigen EU-Projektes in Dänemark