Lade Inhalt...

Das Verhältnis der Geschlechter im "Prozess der Zivilisation" von Norbert Elias und in den "Männerphantasien" von Klaus Theweleit

Die Entstehung des Panzers gegen die Frau

Referat (Ausarbeitung) 2006 13 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 NORBERT ELIAS UND „DER PROZESS DER ZIVILISATION“

3 KLAUS THEWELEIT – MÄNNERPHANTASIEN

4 DIE ROLLE DER FRAU UND DAS VERHÄLTNIS DER GESCHLECHTER
4.1 Monogamisierung und die Sexualisierung der Frau

5 FAZIT

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Verhältnis der Geschlechter zueinander, zum einen in der Zivilisationstheorie Norbert Elias’, zum anderen in den „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit. Ich werde untersuchen, wie beide die Rolle der Frau in der Gesellschaft verstehen und welche Entwicklung im Frauenbild und im Verhältnis der beiden Geschlechter zueinander sie aufzeigen.

Dabei wird es sich hauptsächlich um die Entwicklungen vom späten Mittelalter bis zum 17./18. Jahrhundert handeln, in denen die Rolle der Frau, und das Verständnis von ihrer Rolle, einigen Schwankungen unterworfen war: auf eine Phase der Monogamisierung der Beziehung zwischen Mann und Frau ab dem 15. Jahrhundert folgte eine Phase der Sexualisierung der Frau im 17. und 18. Jahrhundert.

Wie beurteilen Klaus Theweleit und Norbert Elias diese Entwicklungen und welche Erklärungen führen sie an? Klaus Theweleit geht in seinen „Männerphantasien“ einige Male direkt auf Norbert Elias ein. Welche Kritik übt er an Elias? Sieht er andere Gründe für die Entwicklung des Geschlechterverhältnisses?

2 NORBERT ELIAS UND „DER PROZESS DER ZIVILISATION“

Norbert Elias stammte aus einer deutsch-jüdischen Mittelschichtenfamilie. 1915 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Nachdem er an der Front zusammengebrochen war, wurde er in die Heimat zurückgeschickt, wo er den Dienst als Sanitätssoldat weiterführte. 1919 wurde er aus dem Kriegsdienst entlassen. Parallel zu seinem Kriegsdienst absolvierte er ein Medizinstudium, das er allerdings zugunsten der Philosophie abbrach. Nach seiner Promotion 1924 begann er ein Soziologiestudium in Heidelberg. 1929 folgte er Karl Mannheim als dessen Assistent an den Lehrstuhl für Soziologie nach Frankfurt. Dort arbeitet er an seiner Habilitationsschrift „Der höfische Mensch“. Nach der Schließung des Instituts in Frankfurt ging Elias im Jahr 1933 nach Frankreich, von wo er zwei Jahre später einem Studienfreund nach Cambridge folgte. In London baute er seine Habilitationsschrift weiter aus und entwarf ein Modell des Zivilisationsprozesses. 1939 wurde „Der Prozess der Zivilisation“ schließlich veröffentlicht. Nach seiner Zeit in einem Internierungslager war er bis 1954 in der Erwachsenenbildung an der Universität London und als Dozent in Leicester tätig. 1961 übernahm er den Lehrstuhl für Soziologie an der Universität von Ghana.

In seinem bedeutendstem Werk, dem „Prozess der Zivilisation“, beschreibt Elias die Entwicklung der Zivilisation. Nach Elias wohnt dem Prozess der Zivilisation eine ganz bestimmte Richtung inne. Er beschreibt, „wie etwa von den verschiedenen Seiten her Fremdzwänge sich in Selbstzwänge verwandeln, wie in immer differenzierter Form menschliche Verrichtungen hinter die Kulisse des gesellschaftlichen Lebens verdrängt und mit Schamgefühlen belegt werden, wie die Regelung des gesamten Trieb- und Affektlebens durch eine beständige Selbstkontrolle immer allseitiger, gleichmäßiger und stabiler wird.“1

Der Gang des geschichtlichen Wandels wird nach Elias von einer dynamischen Verflechtungsordnung („Figuration“) bestimmt; „sie ist es, die dem Prozeß der Zivilisation zugrunde liegt.“2

Das Prinzip dieser Verflechtungsordnung ist recht einfach: „Pläne und Handlungen, emotionale und rationale Regungen der einzelnen Menschen greifen beständig freundlich oder feindlich ineinander.“3 Daraus ergibt sich jedoch auch vieles, „was kein Mensch bei seinem Handeln eigentlich beabsichtigt hat.“4 Diese Verflechtungsordnung hat also eine Eigengesetzlichkeit. Dabei ist sie jedoch weder rational noch irrational. Nach Elias wird der Zivilisationsprozess zwar „blind in Gang gesetzt und in Gang gehalten durch die Eigendynamik eines Beziehungsgeflechts“5, jedoch ist nicht alles vorbestimmt. In diesen Zivilisationsprozess, kann eingegriffen werden „aufgrund der Kenntnis ihrer [der Verflechtungsmechanismen] ungeplanten Gesetzmäßigkeit.“6 Elias zeigt, dass sich in der abendländischen Gesellschaft „die gesellschaftlichen Funktionen unter einem starken Konkurrenzdruck mehr und mehr [differenzieren].“7 Diese Ausdifferenzierung der gesellschaftlichen Funktionen bestimmt die Richtung der „Veränderung des Verhaltens im Sinne einer immer differenzierteren Regelung der gesamten, psychischen Apparatur“.8

Diese differenzierte Regelung wird jedem einzelnen von klein auf als ein Automatismus angezüchtet, „als Selbstzwang, dessen er sich nicht erwehren kann, selbst wenn er es in seinem Bewusstsein will.“9 „Die eigentümliche Stabilität der psychischen Selbstzwang-Apparatur, die als ein entscheidender Zug im Habitus jedes »zivilisierten« Menschen hervortritt, steht mit der Ausbildung von Monopolinstituten der körperlichen Gewalttat und mit der wachsenden Stabilität der gesellschaftlichen Zentralorgane in engstem Zusammenhang.“10

Monopolisierung und Stabilisierung führen zu „befriedeten Räumen“11, innerhalb derer sich der Mensch immer mehr dazu zwingen muss, seinen Trieben und Affekten Einhalt zu gebieten. Von diesen befriedeten Räumen geht neben einer gewissen Sicherheit auch ein ständiger Druck aus, der den Einzelnen von klein auf an ein beständiges und genau geregeltes An-sich-Halten gewöhnt.“12Zwar hat es früher auch Formen von Selbstzwängen gegeben, jedoch, so zeigt Norbert Elias, ist dies „ein anderer Typus von Selbstbeherrschung oder Selbstzwang“13, einer, der weniger ausgelassen, weniger extrem in den Schwankungen ist, einer der sich auf einer mittleren Linie bewegt.

[...]


1 Elias, Norbert: Über den Prozess der Zivilisation, Amsterdam 1997, Bd.II, S.324.

2 Elias, Norbert: Über den Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 325.

3 Elias, Norbert: Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 324.

4 Elias, Norbert: Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 325.

5 Elias, Norbert: Prozess der Zivilisation, Bd.II, S, 327.

6 Elias, Norbert, Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 327.

7 Elias, Norbert: Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 327.

8 Elias, Norbert: Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 328.

9 Elias, Norbert: Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 328.

10 Elias, Norbert Prozess der Zivilisation, Bd.II, S. 330.

11 Elias, Norbert, Prozess der Zivilisation, Bd.II, S.330.

12 Elias, Norbert, Prozess der Zivilisation, Bd.II, S.331.

13 Elias, Norbert, Prozess der Zivilisation, Bd.II, S.338.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640286348
ISBN (Buch)
9783668090422
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123422
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Norbert Elias Zivilisationstheorie Theweleit Männerphantasien Geschlechterverhältnis

Autor

Zurück

Titel: Das Verhältnis der Geschlechter im "Prozess der Zivilisation" von Norbert Elias und in den "Männerphantasien"  von Klaus Theweleit