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Panel-Untersuchungen zu Kindern und Jugendlichen

Seminararbeit 2009 21 Seiten

Statistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellen- und Diagrammverzeichnis

Teil I: Einleitung
Ein andauernder Wechsel in der Betrachtungsweise des Untersuchungsobjektes

Teil II: Methodik
II.1 Panel-Untersuchungen als Forschungsdesign der empirischen Sozialforschung
II.2 Vorzüge des Panel-Designs und Probleme in der Operationalisierung
II.3 Die Elemente eines Panels

Teil III: Wichtige Kinder- und Jugendpanels in Deutschland
III.1 Das Sozioökonomische Panel
III.2 Das Kinderpanel des Deutschen Jugendinstituts
III.3 Das Nürnberger Kinderpanel

Teil IV: Internationale Kinder- und Jugendpanels
IV.1 National longitudinal survey of children and youth (Kanada)
IV.2 Child development supplement (U.S.A.)

Teil V: Vergleich der betrachteten Kinder- und Jugendpanels
V.1 Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der Panels
V.2 Verbesserungsvorschläge für das Sozioökonomische Panel

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellen- und Diagrammverzeichnis

Diagramm 1 Einflüsse auf die Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen

Diagramm 2 Diverse Forschungsdesigns

Diagramm 3 Die Kohorten des National longitudinal survey of children and youth

Tabelle 1 Vergleich der betrachteten Kinder- und Jugendpanels

Teil I: Einleitung

Ein andauernder Wechsel in der Betrachtungsweise des Untersuchungsobjektes

„Die ahistorische, individualistisch und teleologisch geprägte Rahmentheorie von Sozialisation und Entwicklung, die Kinder mehr durch ihr Werden als durch ihr Dasein definiert, hat andere soziologische Zugangsweisen zu Kindheit und Erwachsenheit weitgehend verstellt“[1]

(Thorne, Barrie: Putting a Price on Children)

Lange Zeit stand bei der Untersuchung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen die Perspektive der Eltern im Vordergrund. Daten durch Befragungen über Eltern zu sammeln bedeutete implizit, sich nicht in die Situation der Heranwachsenden zu versetzen sondern weitestgehend die Lebensumstände der Familie auf die Kinder selbst zu projizieren, was jedoch keinesfalls deren (subjektives) Wohlbefinden selbst abbilden lässt. Vor den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es international vereinzelt Längsschnittstudien, die diese Schwäche nicht aufwiesen, bei denen jedoch nur mangelhafte Repräsentativität oder Vergleichbarkeit mit der Bundesrepublik Deutschland gegeben waren. Auch die lang anhaltende Sichtweise der amtlichen Statistik, die rein auf Haushalte fokussiert war, gab den Sozialwissenschaften nicht die Möglichkeit, dem Thema Daten mit der notwendigen Tiefe zur Verfügung zu stellen[2].

Die Sozialökologie nennt unter direkt und indirekt auf die Entwicklung einwirkende Faktoren das Mikrosystem (Familie), das Mesosystem (Peers), das Exosystem (das Erziehungsverhalten prägende Umfeld der Familie) und das Makrosystem (die Strukturen, Normen und Ideologien der Gesellschaft)[3]. Um prospektive Aussagen über die zukünftigen Lebenslagen der Heranwachsenden treffen zu können, müssen darüber hinaus psychische und physische Gesundheit, Bildung, sozioökonomische Ausgangssituation und die subjektive Lebenslage sowie Veränderungen im Längsschnitt hinreichend genau abgebildet werden. Dies bildet eine Grundlage, um Rückschlüsse der Entwicklung auf einzelne verursachende Kontextfaktoren schließen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 1:

Einflüsse auf die Kompetenzent-wicklung von Kindern und Jugendlichen (Quelle: eigene Darstellung, nach Lohmann et. al.(2008))

Die späten, noch immer andauernden Anpassungsprozesse des SOEP führten dazu, dass sich inzwischen auch andere Erhebungen im deutschsprachigen Raum etablieren konnten. Somit gibt es heute viele frei zugängliche Studien aus den Bereichen der Erziehungswissenschaft, der soziologischen Familienforschung und der psychologischen Entwicklungsforschung, die sich auf unterschiedliche Fragestellungen spezialisieren[4]. Bei nahezu allen Studien, die auf unserem Bundesgebiet durchgeführt wurden, handelt es sich leider um regional begrenzte. Somit sind die heutigen Anpassungsprozesse der amtlichen Statistik noch immer entscheidungsrelevant für in Zukunft durchgeführte Untersuchungen, bildet sie doch eine wichtige, allgemein repräsentative Stichprobe ab.

Teil II: Methodik

II.1 Panel-Untersuchungen als Forschungsdesign der empirischen Sozialforschung

Zu der wichtigsten Festlegung in der Konzeptspezifikation eines Forschungsprojektes gehört die Festlegung eines Untersuchungsdesigns und somit die Wahl der Untersuchungsobjekte, Häufigkeit und Zeitpunkt der Datenerhebung und ferner die Datenanalysetechnik. Ausschlaggebend hierfür ist die „Erwünschtheit der Eigenschaften der (...) Untersuchungsform“[5], Beschaffenheit der Untersuchungsobjekte selbst und nicht zuletzt auch Kosten-Nutzen-Aspekte.

Als Panel-Analysen werden Untersuchungen bezeichnet, bei denen bei gleich bleibenden Personen und Variablen bei einer konstanten Operationalisierungsmethode Aggregate über einen längeren Zeitraum zwei Mal oder häufiger erfasst werden[6],[7]. Darüber hinaus werden bei den meisten Befragungspanels auch wechselnde Themen behandelt, da durch die konstante Teilnehmerschaft Vorkenntnisse über die einzelnen Individuen bestehen[8]. Werden diese Variablen nur einmalig erfasst, weisen sie einen Querschnittcharakter auf. Panel-, Kohorten- und Trend-Studien sind spezielle Formen der Längsschnittanalyse. In Trendstudien wie z.B. der Shell Jugendstudie werden bei den unterschiedlichen Erhebungen verschiedene Personen erfasst. Bei Kohortenstudien handelt es sich um eine besondere Form der Panelstudie. Sie betrachten einen bestimmten Personenkreis, bei dem zum selben Zeitpunkt ein bestimmtes Ereignis eingetreten ist wie z.B. in unserem Fall die eigene Geburt oder die Einschulung[9]. Panels mit einer längeren Laufzeit gewähren auch die Möglichkeit dieser Analyse und vermeiden einen Selektionseffekt, der aus der Notwendigkeit des Erreichens des Erhebungszeitpunktes besteht[10]. Fasst man Längs- und Querschnittsanalysen zusammen, spricht man von Ex-post-facto-Anordnungen, da es sich um nicht-experimentelle Studien handelt, die meist unabhängige und abhängige Variablen nachträglich mit Hilfe des Survey-designs oder durch Beobachtung sammeln.

II.2 Vorzüge des Panel-Designs und Probleme in der Operationalisierung

Bei Panel-Untersuchungen ist es notwendig, den Personenstand so weit wie möglich konstant zu halten. Dadurch stellt die Panelmortalität durch Tod, Unerreichbarkeit oder Verweigerung der Mitarbeit als erhebliches Qualitätsmerkmal eine der größten, praktischen Erhebungsprobleme dar[11]. Um dem entgegen zu wirken, ist ein hoher Grad an „Panelpflege“ sowie ein hoher Stichprobenumfang notwendig, was die Erhebungskosten im Vergleich zu einer Querschnittsanalyse stark ansteigen lässt. Dem hinzu kommen „Paneleffekte“, welche die Veränderung der Einstellung der Untersuchungsobjekte u.a. auch durch die wiederholte Teilnahme selbst abbilden. Darüber hinaus kann neben Sprachschwierigkeiten und unwahrer Beantwortung je nach Art des Interviews auch eine „Ja-Sage-Tendenz“ beobachtet werden[12]. Bei Erhebungen, die bereits seit mehreren Jahrzehnten durchgeführt werden, stellt sich häufig auch die Frage, ob auf Grund des wissenschaftlichen Fortschrittes genauere Methoden die Althergebrachten ersetzen sollten. Auch der semantische Gehalt der Formulierungen variiert in Befragungen von Dekade zu Dekade nicht unerheblich. Trotz der methodischen Probleme lassen sich auf Grund der wiederholten Erhebungen wesentliche und aussagekräftige Daten erfassen, die ein Querschnitt nicht abbilden kann.

Im Vergleich der Erhebungswellen untereinander lassen sich intraindividuelle und interindividuelle Ergebnisveränderungen feststellen, d.h. es kann zwischen Veränderungen bei einem Individuum und den Veränderungen des Aggregats auf gegebene Variablen unterschieden werden[13]. Unter Inter- und Intra-Kohortenvergleichen stellt man hingegen Mitglieder unterschiedlicher Kohorten gegenüber oder untersucht den zeitlichen Verlauf bestimmter Merkmale innerhalb einer Kohorte. Kohorten können u.a. auch dadurch gebildet werden, indem man bei der wiederholten Befragung noch weitere Personenkreise in die Erhebung mit einschließt, die einen anderen Jahrgang repräsentieren. Gegenüber einfacher Paneluntersuchungen kommen hier mögliche Kohorteneffekte (Effekte durch eine sich ändernde Umwelt), Lebenszykluseffekte (Effekte durch ein zunehmendes Alter) und Periodeneffekte (historisch bedingte Effekte) hinzu.

II.3 Die Elemente eines Panels

Die vollständige Definition eines Panels erlaubt die Untergliederung in vier Elemente[14]. Die Grundgesamtheit grenzt eindeutig mit Hilfe vorgegebener Kriterien ab, ob eine Person oder ein Haushalt in das Beobachtungsfeld fallen, über das Aussagen gemacht werden soll. Im Falle des SOEP kann man „die Wohnbevölkerung Deutschlands ab 16 Jahren“[15] als Grundgesamtheit betrachten, jedoch darf man weitere Ausnahmen nicht außer Betracht lassen. Die Stichprobe bildet einen Teil der Grundgesamtheit ab und gilt als repräsentativ, wenn von der Stichprobe im Prozess der Hochrechnung wieder Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit möglich sind[16]. Können aus der Stichprobe die Werte für die Grundgesamtheit „hinlänglich genau“ geschätzt werden, kann sie als reliabel, bzw. verlässlich angesehen werden. Die Erhebung erfasst die Variablen der erwünschten Sachverhalte mit Hilfe der Erfassungsmethode (z.B. aktiv durch Befragung einer Person, passiv durch Beobachtung von Verhaltensweisen).

[...]


[1] Thorne, Barrie (1985). Putting a Price on Children, in: Contemporary Sociology. 14/6, S. 696

[2] Vgl. Alt, Christian/Schneider, Susanne/Steinhübl, David (2004): Das DJI-Kinderpanel – Theorie, Design und inhaltliche Schwerpunkte, in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2/2004, S. 102

[3] Vgl.: Alt, Christian (2005): Das Kinderpanel – Einführung, in: Alt, Christian (Hrsg.): Kinderleben – Aufwachsen zwischen Familie, Freunden und Institutionen, Band 1: Aufwachsen in Familien, Wiesbaden,

S. 13

[4] Vgl.: Lohmann, Henning/Spieß, C. Katharina/Groh-Samberg, Olaf et al. (2008): Analysepotenziale des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für die empirische Bildungsforschung, Berlin, S. 3-6

[5] Schnell, Rainer/Hill, Paul B../Esser, Elke (2005): Methoden der empirischen Sozialforschung, München, S.12

[6] Vgl.: Lazarsfeld, Paul Felix (1962): Die Panel Befragung, in: König, René (Hrsg.): Das Interview, 3. Aufl., Köln, S. 253

[7] Vgl.: Galtung, Johan (1967): Theory and Methods of Social Research, Oslo, S. 85

[8] Vgl.: Günter, Martin/Vossebein, Ulrich/Wildner, Raimund (1998): Marktforschung mit Panels: Arten – Erhebung – Analyse – Anwendung, Wiesbaden, S. 5

[9] Vgl.: Ryder, Norman B. (1968): Cohort Analysis, International Encyclopedia of the Social Sciences, New York, S. 546

[10] Vgl.: Nohlen, Dieter (2005): Lexikon der Politikwissenschaft - Theorien, Methoden, Begriffe, Band 2: N-Z, München, S. 645

[11] Vgl.: Rendtel, Ulrich (1988): Eine Analyse der Antwortausfälle beim Sozio-ökonomischen Panel in der 2. und 3. Befragungswelle, in: Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, Berlin, S.37-8

[12] Vgl.: Dees, Werner/Wenzig, Claudia (2003): Das Nürnberger Kinderpanel – Untersuchungsdesign und Deskription der Untersuchungspopulation, Nürnberg, S. 7

[13] Vgl.: Schnell/Hill/Esser (2005), S. 238

[14] Vgl.: Günter/Vossebein/Wildner (1998), S. 6

[15] Rosenblath/Stocker (2004), SOEP Online – Pilotstudie 2004, Methodenbericht, S. 12 (http://www.diw.de/documents/dokumentenarchiv/17/44451/meth_2004_online.pdf)

[16] Vgl.: Kromrey, Helmut, (1998), Empirische Sozialforschung: Modelle und Methoden der Datenerhebung und Datenauswertung., 8. Aufl., Opladen, S. 259

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640280797
ISBN (Buch)
9783640284894
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123345
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V.
Note
2,0
Schlagworte
SOEP Kinderpanel Jugendpanel Panel

Autor

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Titel: Panel-Untersuchungen zu Kindern und Jugendlichen