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Die Grenz- und Territorialpolitik der römischen Kaiser Domitian und Trajan an den Reichsgrenzen von Rhein und Donau

Examensarbeit 2006 91 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Grenz- und Außenpolitik Kaiser Domitians an den Nordgrenzen am Rhein und an der Donau
II.1 Die Germanienpolitik der Flavier bis zum Regierungsantritt Domitians 81
II.1.1 Die politischen Verhältnisse in den rheinischen Provinzen bis zum Vierkaiserjahr‘ und die Begründung der flavischen Dynastie
II.1.2 Domitians Rolle im ‚Bataveraufstand‘ von 69/70
II.1.3 Die Germanien- und Familienpolitik Vespasians in den siebziger Jahren
II.2 Der Chattenkrieg Domitians
II.2.1 Ursachen und Motive für den Chattenfeldzug Domitians
II.2.2 Der Chattenkrieg und seine Funktion im Spiegel der kaiserlichen Legitimierung
II.3 Die Konflikte an der unteren und mittleren Donau zwischen 85 und 89
II.3.1 Die politischen Bedingungen für den Ausbruch der Kämpfe im Jahre 85
II.3.2 Der Triumph über die Daker 86 im Lichte der Niederlage des Fuscus und die Geschehnisse an der unteren Donau bis 89
II.3.3 Der römisch-dakische Friedensvertrag von 89
II.3.3.1 Die Konflikte an der mittleren Donau des Jahres 89 und ihre Bedeutung für den römisch-dakischen Krieg
II.3.3.2 Bemerkungen zum Friedensvertrag von 89 im Hinblick auf seine Darstellung durch Kaiser Domitian und in der Literatur
II.4 Der Aufstand der Antonius Saturninus
II.4.1 Die Situation der obergermanischen Rheinlegionen 89
II.4.2 Die Reaktion Domitians auf die Usurpation
II.5 Die Grenzpolitik Domitians in den neunziger Jahren
II.5.1 Weitere Sicherungsmaßnahmen Domitians in den ostrheinischen Gebieten und Bemerkungen zur Errichtung des obergermanisch-rätischen Limes
II.5.2 Die ‚Pannonischen Kriege‘ Domitians und Nervas

III. Die Grenz- und Außenpolitik Kaiser Trajans an den Nordgrenzen am Rhein und an der Donau
III.1 Die Erfahrungen Trajans in den germanischen Gebieten bis zum Tode Nervas
III.2 Die Sicherung und Konsolidierung der germanischen Grenzen unter Trajan
III.2.1 Die Frage nach einem Feldzug gegen die Germanen
III.2.2 Verwaltungs- und militärpolitische Maßnahmen Trajans in Ober- und Untergermanien bis zu seiner Abreise nach Rom 99
III.2.2.1 Die Verwaltungs- und Infrastrukturpolitik Trajans
III.2.2.2 Militärpolitische Maßnahmen
III.2.3 Die Rolle des römisch-dakischen Verhältnisses bezüglich der Friedenspolitik Trajans in den germanischen Gebieten
III.3 Die Integration des Dakerreiches in das Römische Reich
III.3.1 Der erste Dakerkrieg Trajans
III.3.2 Betrachtungen zu dem Friedensvertrag des ersten Dakerkrieges unter Trajan
III.3.3 Die politische Legitimation der Expansion Trajans
III.3.4 Der zweite Dakerkrieg Trajans
III.3.5 Die verwaltungspolitische Integration der Provinz Dacia

IV. Schlussbemerkungen

V. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Beim Vergleich der Biografien der Kaiser T. Flavius Domitianus (Domitian) und M. Ulpius Traianus (Trajan) sind einige Parallelen unübersehbar. Beiden Kaisern blieb es bis zu ihrer Thronbesteigung versagt, ihre militärische Tüchtigkeit, also ihre virtus, unter Beweis stellen zu können. Zwar werden sowohl Domitian als auch Trajan in die germanischen Grenzregionen zur Niederschlagung aufkommender Aufstände geschickt, jedoch kommen Domitian zur Niederschlagung des so genannten ‚Bataveraufstandes‘ der Jahre 69/70 n. Chr. und Trajan zur Bekämpfung des Usurpators L. Antonius Saturninus (Saturninus) im Jahre 89 jeweils zu spät, um ihre militärischen Fähigkeiten nachweisen zu können. Ferner spielen die germanischen Militärbezirke bzw. Provinzen eine zentrale Rolle nach dem Amtsantritt beider Kaiser. Domitian erwählte diese Region für seinen ersten Feldzug, den er 83 gegen die Chatten führte und Trajan war zum Zeitpunkt seiner Adoption durch seinen Vorgänger, M. Cocceius Nerva (Nerva), Statthalter in Obergermanien und hielt sich, selbst nachdem Nerva am 27.1.98 gestorben war, noch einige Monate in den germanischen Provinzen auf. Es ist überdies festzustellen, dass die germanischen Grenzgebiete und die Regionen an der unteren und mittleren Donau die zentralen Aktionsfelder kriegerischer Auseinandersetzungen mit germanischen und sarmatischen Stämmen waren. Dies gilt nahezu durchgängig für die Regierungszeit Domitians sowie für die erste Hälfte der Regierungszeit Trajans, die für die vorliegende Arbeit von Interesse sind. Des Weiteren führten beide Kaiser verlustreiche Kriege an der unteren Donau mit dem Dakerreich und schlossen beide Friedensverträge mit dem Dakerkönig Decebalus ab, die einen nicht geringen Spielraum für Interpretationen bezüglich ihres Zustandekommens und ihrer Wertung zulassen.

Die vorliegende Arbeit soll die Grenz- und Territorialpolitik beider Kaiser einer ausführlichen Analyse unterziehen und untersuchen, welchen Einfluss die Außenpolitik an den nördlichen Provinzgrenzen auf die Etablierung der Machtposition beider Kaiser ausübte, wobei die Grenzpolitik in Britannien hierbei lediglich tangiert werden soll. Dabei sollen verschiedene Aspekte der Grenzpolitik eine genauere Untersuchung erfahren. So ist zu klären, welche Rolle der schnelle Nachweis des Vorhandenseins der militärischen Tüchtigkeit beim Chattenkrieg Domitians 83 und beim Verzicht auf eine militärische Invasion Trajans in das ‚freie Germanien‘ bzw. seinem ersten Dakerkrieg 101/102 spielte, welche Erwartungen an die Kaiser, ihre Außen- und Grenzpolitik betreffend, gestellt wurden und welche Ziele mit dem Limes-System bezüglich der weiteren Territorial- und Verteidigungspolitik im obergermanischen Raum unter beiden Kaisern verfolgt wurden. Den unteren Donaubereich betreffend ist zu erörtern, welche grenzpolitischen Ziele Domitian und Trajan hinsichtlich des Status des Dakerreiches im Reichsgrenzvorfeld und welche Absichten beide Kaiser mit den, jeweils etwas überraschend abgeschlossenen, Friedensverträgen verfolgten, die von beiden nach verlustreich, aber dennoch erfolgreich verlaufenen Schlachten abgeschlossen wurden. Bei der Untersuchung der Grenz- und Territorialpolitik kann eine Betrachtung der angewendeten Romanisierungs-, Sicherungs- und Integrationsinstrumente im Hinblick auf die eroberten bzw. neu geschaffenen Provinzen an Rhein und Donau genauso wenig ausgeblendet werden wie eine Beleuchtung der Methoden, derer sich Domitian und Trajan bedienten, sowohl um sich selbst und insbesondere ihre Grenz- und Reichspolitik erfolgreich darzustellen, als auch um eine Beziehung zum römischen Heer aufzubauen, um sich die Gefolgschaft und Loyalität der Armee, welche seit Augustus faktisch eine Grenzarmee war, zu sichern.

In der vorliegenden Arbeit will ich mich mit der Frage auseinandersetzen, welche Maßnahmen die Kaiser Domitian und Trajan ergriffen, um diese problematischen Grenzregionen zu stabilisieren, innenpolitisch zu konsolidieren und in das Reich zu integrieren. Die Bearbeitung der eben aufgeworfenen Fragen erfolgt in zwei großen Kapiteln, jeweils einen Kaiser systematisch behandelnd. Unerlässlich ist es hierbei meiner Ansicht nach, um das Verhalten und Handeln Domitians diesen Komplex betreffend in Gänze zu verstehen, auch die Grenzpolitik Vespasians im germanischen Raum und die Rolle Domitians innerhalb der flavischen Dynastie mit einzubeziehen. Bezüglich Trajans Regierungszeit sollen vor allem auch die Motive und Ursachen für sein sehr unterschiedliches Vorgehen an der germanischen und an der dakischen Grenze eine zentrale Rolle spielen, wobei der unmittelbar militärstrategische und strukturpolitische Zusammenhang, der die ‚germanische‘ und die ‚dakische Frage‘ miteinander verknüpft, ebenfalls näher beleuchtet werden soll. Ziel bei der Bearbeitung der eben aufgeworfenen Fragen ist es, zu einem umfassenden und ausgewogenen Bild über Parallelen und Kontinuitätslinien bezüglich der Außen- und Grenzpolitik beider Kaiser an den nördlichen Provinzgrenzen zu kommen und dabei auch den Fokus darauf zu richten, ob sie sich, falls es derartige Parallelen bzw. Gemeinsamkeiten gab, gleichermaßen auf die Absicherung der kaiserlichen Macht innenpolitisch auswirkten bzw. auswirken konnten.

Kontinuitäten und Unterschiede zwischen den beiden Amtszeiten sollen erfasst und, daraus folgend, Ursachen und Hintergründe hierfür analysiert und erörtert werden, wobei diese Ergebnisse dann mit dem neuesten Stand der Forschung abgeglichen werden sollen. Dahingegen müssen die genauen Kriegsverläufe der domitianischen und trajanischen Germanien- und Dakienfeldzüge stark marginalisiert dargestellt werden, da auf militärhistorische Aspekte in dieser Arbeit nicht eingegangen werden kann. Weiterhin nicht diskutiert werden können die zahlreichen, in diese Periode fallenden, Datierungsprobleme hinsichtlich des ereignisgeschichtlichen Rahmens sowie archäologische, prosopographische und truppengeschichtliche Details, da dies bereits hinreichend geschehen ist. An gegebener Stelle wird auf die dementsprechende Literatur verwiesen. Die Betrachtungen werden sich an den oben formulierten Fragen orientierend über den Zeitraum von ca. 69/70, der Niederschlagung des ‚Bataveraufstandes‘, bis zur Provinzialisierung Dakiens und der ersten Provinzialisierungsmaßnahmen, ca. 106/07, erstrecken.

Sowohl über Trajan als auch über Domitian sind in den letzten Jahren zahlreiche Monographien erschienen. Hierbei ist festzustellen, dass die Herrschaft Domitians nicht erst in der neuesten Forschung relativ objektiv analysiert wurde.[1] Auch die Rolle beider Kaiser an einzelnen Grenzabschnitten und Provinzregionen sowie in einzelnen Kriegen wurde bereits zum Teil ausführlich dargestellt, ebenso wie ihre Beziehungen zu den Autoren ihrer Zeit.[2] Verbindungs- und Kontinuitätslinien zwischen Domitian und Trajan wurden bislang zumeist stark an einem speziellen Thema ausgerichtet untersucht oder in einem relativ großen Rahmen mit erfasst.[3] Andersherum wurden bei näheren Untersuchungen der germanischen Stämme oder der Nord- und Nordwestgrenzen des Reiches nicht unbedingt die Kaiser Domitian und Trajan ausreichend betrachtet und noch weniger hinreichend miteinander in Beziehung gesetzt.[4] Jedoch ist ein direkter Vergleich der Außen- und Grenzpolitik der Kaiser Domitian und Trajan, der die nördlichen Reichsgrenzen im Zusammenhang betrachtet und einbezieht, wobei hierbei der Schwerpunkt besonders auf den germanischen und dakischen Provinzgrenzen liegen soll, unter der Prämisse, welche Auswirkungen diese Politik auf die innere Konsolidierung der Herrschaft haben sollte und tatsächlich hatte, noch nicht vorgenommen worden.

Die diesen Themenkomplex betreffende Quellenlage ist außerordentlich fragmentarisch hinsichtlich Domitian und zusätzlich zumeist stark subjektiv eingefärbt, insbesondere was die zeitgenössischen Autoren P.(?) Cornelius Tacitus (Tacitus) und Plinius den Jüngeren (Plinius) betrifft. Von den Historien des Tacitus, die ursprünglich die Geschichte bis zum Tode Domitians 96 darstellten, sind lediglich die ersten vier und das fünfte Buch im Ansatz erhalten, weshalb sie uns ausschließlich Aufschluss über die Wirren des ‚Vierkaiserjahres‘ und Domitians Rolle im ‚Bataveraufstandes‘ geben können. Rückschlüsse auf die Germanienpolitik Domitians aus der taciteischen Germania und Agricola aus dem Jahre 98 lassen sich nur punktuell schließen. Die Germania beschreibt vor allem die gesellschaftliche und soziale Struktur germanischer Stämme, wohingegen die Biografie des Agricola eher ein Schlaglicht auf die Beziehung Tacitus’ zu Domitian und auf seine Bewertung der domitianischen Außenpolitik wirft.

Der Panegyrikus des Pilinus ist zwar durch eine deutliche Überhöhung Trajans und im Gegensatz dazu unübersehbare Abwertung Domitians geprägt, aber für die Untersuchung des zu behandelnden Themas dennoch von großem Wert, da der im Jahre 100 gehaltene und wenig später überarbeitete Panegyrikus gerade auch die Außenpolitik Domitians und Trajans kontrastiert und zudem in diesem Zusammenhang Bezug auf die sich abzeichnenden Dakerkriege Trajans nimmt. Die Kaiserbiografien des C. Suetonius Tranquillus (Sueton) gelten zwar als relativ objektive Darstellung Domitians,[5] behandeln jedoch nicht mehr Trajan, wohingegen die Kaiserviten der Historia Augusta erst mit dem Nachfolger Trajans, P. Aelius Hadrianus (Hadrian), wieder einsetzen, was uns an dieser Stelle bezüglich Trajan in eine prekärere Quellensituation bringt. Das 67. und 68. Buch der insgesamt 80 Bücher der Römischen Geschichte des Cassius Dio Cocceianus (Cassius Dio) erweist sich an anderen Stellen als problembehaftet: Cassius Dio ist Mitte des 2. Jh. n. Chr. geboren und damit nicht mehr Zeitzeuge der zu betrachtenden Zeit, wie die eben genannten ersten drei Autoren. Außerdem sind die Bücher nicht vollständig erhalten, sondern von byzantinischen Epimatoren des hohen Mittelalters transkribiert worden, was eine außerordentliche Beeinflussung der Qualität und vor allem auch Quantität dieser Schriften nach sich zog, so dass es sich hierbei, nach Ansicht Strobels, lediglich um eine stark erzählerisch ausgerichtete Selektion des ursprünglichen Werkes Cassius Dios handele.[6] Positiv zu bemerken ist jedoch, dass sich Cassius Dio nicht auf Tacitus stützt, sondern vermutlich auf ältere lateinische Autoren, weshalb er als willkommenes Korrektiv zu den taciteischen Schriften angesehen wird[7] und seine Ausführungen als relativ objektive Ereignisgeschichtsdarstellungen gelten dürfen.[8]

Hinzu kommen zahlreiche kleinere, verstreute Quellenbelege, wie die der Literaten P. Papinius Statius (Statius) und M. Valerius Martialis (Martial), die ihrerseits, da unter Domitian stark gefördert, ebenfalls ein sehr einseitiges, diesmal positiv ausgerichtetes, Bild von Domitian zeichnen.

Auf Grund der dürftigen Quellenlage hinsichtlich literarischer Schriften mussten große Teile der domitianischen und trajanischen Grenz- und Militärpolitik mit Hilfe archäologischer, hier vor allem numismatischer, Funde rekonstruiert werden, die in die Arbeit mit Hilfe der Sekundärliteratur Eingang finden werden. Inwieweit sich zeitgenössische Bauten, wie die 113 eingeweihte und die trajanischen Dakerkriege thematisierende Trajanssäule oder der 114 eingeweihte Trajansbogen von Benevent als historische Quelle methodisch auswerten lassen, ist in der Forschung höchst umstritten.[9] Da sie aus meiner Sicht für die vorliegende Fragestellung als Quellen nicht verwertbar sind, werden sie in der Arbeit keine Berücksichtigung finden.

II. Die Grenz- und Außenpolitik Kaiser Domitians an den Nordgrenzen am Rhein und an der Donau

II.1 Die Germanienpolitik der Flavier bis zum Regierungsantritt Domitians 81

II.1.1 Die politischen Verhältnisse in den rheinischen Provinzen bis zum ‚Vierkaiserjahr‘ und die Begründung der flavischen Dynastie

Bereits unter Augustus, der als Begründer des Prinzipats als erster römischer Kaiser von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. regierte, wurden in den germanischen Militärbezirken die Anzahl der römischen Legionen von zwei auf acht erhöht.[10] Die Tatsache, dass das gesamte Römische Reich in der frühen Kaiserzeit über 24-25 Legionen verfügte, folglich also ca. ein Drittel der römischen Truppen am Rhein stationiert waren, unterstreicht, welche Bedeutung den Grenzkonflikten und Auseinandersetzungen mit den germanischen Stämmen seit den Anfängen der Prinzipatszeit unter Augustus beigemessen wurde. Ursache hierfür waren die schlechten Erfahrungen der frühen Kaiserzeit, die im Zuge der Auseinandersetzungen mit den Germanen[11] gemacht wurden. Zu nennen sind hier beispielhaft die Niederlagen des römischen Oberbefehlshabers P. Quinctilius Varus (Varus), der im Jahre 9 n. Chr. bei der sogenannten ,Schlacht im Teutoburger Wald‘ drei Legionen verloren hatte und die Feldzüge des Germanicus C. Iulius Caesar zwischen 14-16 n. Chr., dem es trotz des Einsatzes von bis zu acht Legionen nicht gelang, gegen die Chatten einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen oder rechtsrheinische Stämme zu unterwerfen.[12] So war es nie zu einer dauerhaften Besetzung rechtsrheinischer Gebiete gekommen. Kaiser Tiberius Claudius Drusus(?) (Claudius) zog 47 die Truppen dauerhaft an den Rhein zurück, womit damit faktisch der hegemoniale Anspruch des Römischen Reiches auf Gebiete östlich des Rheins aufgegeben wurde.[13] Die linksrheinischen Gebiete wurden nicht provinzialisiert, sondern blieben Militärbezirke, welche durch militärische Befehlshaber, die sich legati Augusti pro praetore exercitus Germaniae superioris bzw . inferioris nannten und einen statthalterähnlichen Status besaßen, verwaltet wurden.

Mit dem Selbstmord des letzten Kaisers des julisch-claudischen Hauses am 9.6.68, L. Domitius Ahenobarbus (Nero), wurde das Römische Reich von massiven innenpolitischen Unruhen erschüttert. Nachdem die obergermanischen Legionen dem ehemaligen Statthalter der Provinz Hispania Citerior und nun amtierenden Kaiser Ser. Sulpicius Galba (Galba) am 1.1.69 den alljährlich auf den Kaiser abzulegenden Eid versagten[14] und ihrerseits zusammen mit den niedergermanischen Legionen am 3.1.69 den militärischen Befehlshaber Niedergermaniens, A. Vitellius,[15] zum Kaiser proklamiert hatten,[16] mündete dieser Konflikt in einem offenen Bürgerkrieg. In diesem Bürgerkrieg setzte sich weder Galba, der bereits am 15.1.69 ermordet worden war, noch sein durch die Prätorianergarde eingesetzter Nachfolger M. Salvius Otho (Otho) durch. Im April des Jahres 69 verlor der in militärischer Hinsicht völlig unerfahrene Otho eine entscheidende Schlacht gegen die Legionen des Vitellius bei Cremona und brachte sich daraufhin am 16.4.69 um, woraufhin der Senat am 19.4.69 Vitellius zum neuen Princeps erklärte. Stand Vitellius an der Spitze von sieben Legionen der Rheinarmeen, so konnte der noch unter Nero im Jahre 66 mit der Durchführung der Niederschlagung des jüdischen Aufstandes in der Provinz Iudaea beauftragte legatus Augusti pro praetore exercitus Iudaici,[17] T. Flavius Vespasianus (Vespasian), ebenfalls sieben Legionen unter seinem Befehl vereinigen. Zu den drei unter Vespasians Befehl stehenden Legionen kamen vier Legionen unter dem Kommando des Statthalters der Provinz Syrien, C. Licinius Mucianus (Mucian), der Vespasian zur Übernahme der Herrscherwürde erst gedrängt hatte[18] und der wichtigste Protagonist der flavischen Partei war.[19] Zudem schlossen sich im August 69 die sechs an der Donau gelegenen Legionen, die vor allem in Mösien und Pannonien stationiert waren, Vespasian an.[20] Gestützt auf diese Militärmacht, die ungefähr der Hälfte des gesamten Römischen Heeres entsprach, setzte sich Vespasian letztendlich, nach einer zweiten großen Schlacht bei Cremona, durch. Der Senat verlieh ihm, nachdem Vitellius am 20.12.69 umgebracht worden war, am 22.12.69 die Machtbefugnisse früherer Kaiser, womit er die Dynastie der Flavier begründete.

Die Bedeutung des Jahres 69 liegt vor allem darin, dass der Öffentlichkeit und insbesondere dem Heer gewahr wurde, dass Kaiser auch außerhalb Roms erhoben werden konnten.[21] Seelentag unterstreicht, dass ein von einem massiven Heeresaufgebot ausgerufener Kaiser bei seinem Marsch auf Rom weder vom Senat noch von der plebs urbana, sondern lediglich von einem anderen Heeresaufgebot zu stoppen war und dass die Legionen und die Prätorianer Kaisermacher und Thronerhalter waren.[22]

II.1.2 Domitians Rolle im ‚Bataveraufstand‘ von 69/70

Für den erst achtzehnjährigen zweiten Sohn Vespasians, Domitian, der am 24.10.51 geboren wurde, muss das auf die Erhebung Vespasians zum Kaiser folgende Jahr eine prägende Wirkung gehabt haben. Dass der politisch und militärisch erfahrene Mucian in Abwesenheit Vespasians und seines älteren Sohnes T. Flavius Vespasianus (Titus), Titus war zu diesem Zeitpunkt noch im judäischen Krieg im Osten eingebunden, nach diesem Jahr des Chaos’ und des Bürgerkrieges zunächst die Amtsgeschäfte in Rom leitete und für die von Mucian getroffenen Entscheidungen lediglich Domitians Name „an die Spitze der Briefe und Erlasse gesetzt [wurde]“,[23] dürfte selbst bei Domitian auf Verständnis gestoßen sein, selbst wenn sich Mucian damit „mehr die Rolle eines Mitregenten, als [die] eines Gehilfen des Herrschers“ anmaßte,[24] da Domitian noch nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügte, die zur Übernahme eines so hohen Amtes erforderlich gewesen wären.[25] Das von Jones betonte Missverhältnis zwischen Mucians potentia und im Gegensatz dazu Domitians vergleichsweiser Unbedeutsamkeit,[26] also der klaffende Unterschied, welcher in der Machtaufteilung zwischen Domitian und Mucian de iure und de facto bestand, muss Domitian allerdings dann deutlich im Zuge der Niederschlagung des ‚Bataveraufstandes‘ von 69/70 ins Bewussteins gerückt sein.

Mit der Proklamierung Vitellius’ zum römischen Kaiser am 3.1.69 wurde mittels Geheimverhandlungen auf Betreiben der flavischen Partei der Führer des am linken Ufer des Niederrheins siedelnden germanischen Stammes der Bataver, Julius Civilis (Civilis), aufgefordert, sich gegen den Gegner der Flavier, Vitellius, zu stellen.[27] Civilis folgte dieser Aufforderung und vereidigte zunächst die batavischen Auxiliareinheiten auf Vespasian. Zum offenen Bruch mit Vespasian kam es allerdings, als sich die Bataver weigerten, nach der Ernennung Vespasians zum Kaiser die Kampfhandlungen einzustellen. Dabei machte ihnen „[d]en meisten Mut […] die günstige Gelegenheit[,] [d]a sie das Römische Reich infolge des häufigen Wechsels der Imperatoren innerlich erschüttert sahen“.[28] An Schärfe gewann der Konflikt dadurch, dass sich verschiedene germanische und gallische Stämme dem Aufstand des Civilis angeschlossen hatten, wie die Canninefaten, Friesen, Brukterer, Ubier und Nervier, dass einige römische Legionen zu Civilis übergelaufen waren, so leisteten die 1., 4., 16., und 22. Legion den Treueid auf das Imperium Galliarum, und zudem, zumindest ist dies Bellens Vermutung, die ehemalige batavische Leibwache des römischen Kaiserhauses fortan Civilis unterstützte und ihm als Leibwache diente.[29] Und obwohl unter dem Befehl des Q. Petillius Cerialis (Cerialis) und des Gallus Annius umgehend sieben Legionen zur Niederschlagung des Aufstandes zusammengezogen wurden,[30] entschloss sich Mucian im Frühsommer 70 selbst an der Spitze des römischen Heeres den Feldzug zu leiten, für den Fall, dass die beiden benannten Heerführer „der Führung des Krieges sich als nicht gewachsen erweisen“ sollten.[31]

Weynands Überlegung an dieser Stelle, dass sich Mucian gezwungen sehen musste, Domitian auf diesen Feldzug mitzunehmen, damit dieser nicht dem Einfluss der Gegner Mucians in Rom ausgesetzt sei,[32] ist richtig. Jedoch konnte sich Mucian darauf verlassen, dass Domitian, genau wie sein Bruder Titus, ungeduldig nach militärischem Ruhm streben und jede Gelegenheit, solchen zu erwerben, nutzen würde. Unterstreichend hierfür berichtet Sueton, dass sich Domitian an diesem Feldzug, „von dem seine väterlichen Freunde sogar abrieten“, beteiligen wollte, um „seinem Bruder an Macht und Würde gleich zu sein“.[33] Dass also Domitian freiwillig in Rom zurückbleiben würde, war nicht zu erwarten. Jones betont plausibel, dass diese Ausführungen Suetons nicht als Vorwurf an Domitian gewertet werden müssen. So habe es im Naturell der römischen Elite gelegen, zu glauben, dass militärischer Ruhm alles übertreffe. Darin unterschied sich der Achtzehnjährige kaum von seinen Altersgenossen selben Standes, zumal Domitian besonders dadurch angespornt gewesen sei, dass bereits sieben Verwandte das Kommando über jeweils mindestens eine Legion geführt hatten.[34]

Das Jahr 70 darf wohl ohne weiteres als eines der Schlüsseljahre in der Entwicklung Domitians gesehen werden. Denn obwohl Domitian und Mucian zusammen zur Verstärkung in Richtung der germanischen Militärbezirke aufbrachen, bremste Mucian Domitian in seinem Tatendrang permanent aus, „versuchte Hemmnisse einzuschalten, um dadurch seinen Feuereifer zurückzudämmen“[35] und verzögerte offensichtlich mehrmals den Marsch in den Norden. Nachdem dann Cerialis den Aufstand weitestgehend niedergeschlagen hatte, ohne dass Mucian und Domitian selbst eingreifen konnten, da diese sich auf dem Weg an den Rhein noch vor den Alpen befanden, zogen Mucian und Domitian nach Gallien, da es für den Sohn des Princeps „nicht recht schicklich“ gewesen wäre, „nachdem der Krieg nahezu beendet sei, den Ruhm eines anderen in den Schatten zu stellen.“[36] Southern ist dementsprechend zuzustimmen, wenn er Flavius Josephus’ (Jopephus) heroische Darstellung Domitians bezüglich seiner Rolle im ,Bataveraufstand‘ als flavische Propaganda bezeichnet.[37] Zwar berichtet auch Josephus, dass es Cerialis war, der die Aufständischen besiegte und sie dadurch zwang, „ihr wahnwitziges Unternehmen aufzugeben und zu vernünftiger Überlegung zurückzukehren“. Jedoch sei es Domitian gewesen, der mit „einer über seine Jahre hinaus gereiften Kriegserfahrung gemäß ans Werk ging“ und durch sein bloßes Vorrücken „ihnen [den Treverern] so völlig den Mut [nahm], daß sie sich ihm unterwarfen“, woraufhin er, nach kurzem Aufenthalt in Gallien, „ruhmbedeckt und ausgezeichnet“ nach Rom zurückgekehrt sei.[38] Tatsächlich hatte Domitian im Zuge dieses Konfliktes eben keine Gelegenheit bekommen, seine virtus imperatoria unter Beweis stellen zu können, da es ihm nicht gelungen war, sich aus der Bevormundung Mucians zu lösen. Ferner konnte Domitian in diesem Jahr nicht entgangen sein, dass in den germanischen Grenzgebieten durchaus das Potential lag, das Reich, zumindest an der Nordgrenze, nachhaltig zu destabilisieren und dass dieses Problem mittelfristig einer Lösung zugeführt werden musste, auch wenn die Uneinigkeit unter den germanischen und gallischen Stämmen einen erfolgreichen Aufstand, wie die gelungene Erhebung eines Kaisers oder Ausrufung eines Teilreiches, wie das des Imperio Galliarum, vorerst verhindert hatte.

II.1.3 Die Germanien- und Familienpolitik Vespasians in den siebziger Jahren

Als Vespasian in den Bürgerkrieg aktiv eingriff, hatte er „den judäischen Krieg fast schon beendet. Nur noch die Belagerung von Jerusalem war übrig“.[39] Diese Aufgabe übertrug Vespasian, wie im vorherigen Abschnitt bereits angedeutet, „[z]u Beginn des gleichen Jahres [70] […] Cäsar Titus, den sein Vater auserlesen hatte, Judäa vollends zu bezwingen“.[40] Für diese Aufgabe standen Titus sechs Legionen, 20 Kohorten, acht Alen sowie diverse Hilfstruppen zur Verfügung.[41] Gestützt auf diese massive Truppenkonzentration gelang es Titus, bis zum September 70 den jüdischen Widerstand nach der Belagerung Jerusalems zu brechen und den Krieg zu beenden.[42] Zur Rolle Domitians in dem im Juni 71 abgehaltenen ‚jüdischen Triumphzug‘ zu Ehren Vespasians und Titus’[43] und welche Bedeutung derselbe in Domitians Selbstverständnis als Sohn des Kaisers spielte, existieren divergierende Forschungspositionen. Waters hält die Behauptung, dass Domitian von diesem Triumph ausgeschlossen wurde, sogar für „lächerlich“,[44] da Domitian in diesem Feldzug zum einen schlicht keine Rolle gespielt habe und zum anderen dennoch im Triumphzug an ehrenvoller Stelle mit einbezogen wurde,[45] womit er sich offensichtlich auf die folgende Stelle bei Josephus bezieht: „Dahinter [zahlreichen Beutestücken] ritt Vespasian selbst, gefolgt von Titus, und Domitian ritt diesem zur Seite in prachtvollem Schmuck auf herrlichem Rosse.“[46] Diesem Standpunkt widerspricht Strobel vehement: Domitian sei nicht einmal in die gemeinsame Praxis der imperatorischen Akklamationen Vespasians und Titus’ einbezogen gewesen, womit ihm auch kein Anteil an der flavischen Legitimationstradition eingeräumt wurde.[47] Strobel unterschätzt an dieser Stelle möglicherweise den Umstand, dass Vespasian zum Zeitpunkt des Triumphs erst 18 Monate Kaiser und zudem erst im Oktober 70 in Rom eingetroffen war.[48] Sueton berichtet bestätigend: „An Autorität und gewissermaßen Majestät fehlte es ihm als einem von niemandem erwarteten“.[49] Er war sich mit Sicherheit der Tatsache bewusst, der fünfte Princeps innerhalb von nicht einmal zwei Jahren zu sein und dass der Bürgerkrieg zahlreiche enttäuschte Heeresgruppen und Senatsoppositionen hervorgebracht haben musste. Sueton berichtet, dass sich „[d]ie Soldaten […], teils aus Schmerz über ihre Schmach jeder Zügellosigkeit und Frechheit hingegeben“ hatten. „Aber auch die Provinzen und freien Staaten, desgleichen auch mehrere Königreiche waren voller innerer Unruhen.“[50] Vespasian konnte wohl nicht davon ausgehen, dass seine Position bereits stark genug war, um dem Senat gleich zwei kaiserliche Nachfolger zu präsentieren. So zeugten seine Entscheidungen der Jahre 70/71, zunächst Titus als geeigneten Nachfolger aufzubauen, von politischer Weitsicht, da er dem Senat in seiner noch instabilen Position zu diesem Zeitpunkt noch nicht abverlangen konnte, sich auf eine über fast drei Generationen erstreckende, neue Dynastie einzulassen. Den Aufbau Domitians zum Princeps konnte er Titus überlassen. Dementsprechend ist eher Waters zu folgen. Domitian wurde zwar in die flavische Legitimationstradition mit eingebunden, aber, den politischen Umständen entsprechend, gemäß seiner Rolle. Und die beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt lediglich darauf, zweiter Sohn des Princeps zu sein.

Weiterhin wird Vespasian zuweilen der Vorwurf gemacht, er habe Domitian zeitlebens nicht richtig in die zivile und vor allem militärische Verwaltung eingebunden bzw. hinter Titus zurückgesetzt.[51] Insbesondere vor diesem Hintergrund hätte sich Domitians Verlangen nach kriegerischer Legitimität und uneingeschränkter Anerkennung seiner herrschaftlichen Stellung nach 83 ausgeprägt.[52] Als Beleg hierfür wird immer wieder angeführt, dass Vespasian Domitian 73 das Kommando gegen die Alanen auf ein Hilfegesuch des Partherkönigs Vologaeses verweigerte, obwohl sich Domitian „mit aller Macht [bemühte] selbst entsandt zu werden.“[53] Dem hält Waters entkräftend entgegen, dass kein einziges Mitglied der kaiserlichen Familie unter Vespasian und Titus, auch nicht Titus selbst, der seine militärischen Fähigkeiten bereits hinreichend unter Beweis gestellt hatte, nach dem Krieg in Judäa mit einem militärischen Kommando in einen Krieg entsandt wurde. Die Ablehnung von Domitians Gesuch sei folglich der relativ friedlichen und auf Konsolidierung bedachten Außenpolitik Vespasians[54] geschuldet und keine familienpolitische Entscheidung gewesen.[55]

Kleinere militärische Operationen spielten sich zum einen in der Provinz Britannien, in der Vespasian den römischen Machtbereich geringfügig, aber zielstrebig erweitert hatte,[56] und zum anderen im germanischen Raum ab. Um 73/74 führte der Kommandeur des obergermanischen Heeres, Cn. Pinarius Cornelius Clemens,[57] einen Feldzug im ostrheinischen Gebiet, eroberte das Dekumatenland[58] bis Rottweil (Arae Flaviae) und sicherte das Gebiet durch die Anlage von Kastellen[59] und Verbindungsstraßen zwischen Straßburg und Augsburg (Augusta Vindelicum) sowie Rottweil und Windisch (Vindonissa), wobei anzumerken ist, dass der Grenzverlauf im heutigen Südwestdeutschland davor immer noch durch die so genannte ‚Varus-Niederlage‘ aus dem Jahre 9 geprägt gewesen war.[60] Die Ursachen für diesen Feldzug liegen im Dunkeln. Strobel weist darauf hin, dass diese Operation als eine Strafexpedition gegen die Chatten geplant gewesen sein könnte,[61] da diese sich im Zuge des Bataveraufstandes gegen Rom gestellt hatten,[62] wohingegen Nesselhauf als Hauptmotiv lediglich eine Frontbegradigung erkennen will und Wacher eine Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit zwischen den germanischen Provinzen und Rätien.[63] Ob Clemens die triumphalia ornamenta[64] tatsächlich lediglich für den Bau der Straße durch das Kinzigtal und einer militärischen Machtdemonstration, mit der keine größeren gewaltsamen Auseinandersetzung verbunden waren, erhielt,[65] oder ob es größere, bis heute unbekannte militärische Operationen im Zuge dieses Feldzuges gegeben hat (immerhin waren mindestens fünf Legionen für diesen Feldzug aufgeboten worden),[66] bleibt spekulativ. Jedoch ist Beckers Überlegung nachvollziehbar, dass ein größerer Feldzug gegen einen der prominentesten germanischen Gegner, die Chatten, in dessen Folge der Oberbefehlshaber mit den Triumphalornamenten ausgezeichnet worden ist, sicherlich tiefergehende Spuren in der literarischen Überlieferung hinterlassen hätte.[67]

Ebenfalls ausschließlich fragmentarische Hinweise liegen über eine Expedition des kaiserlichen Legaten von Untergermanien, Q. Iulius Cordinus C. Rutilius Gallicus, vermutlich im Jahre 77 geführt, gegen den Stamm der Brukterer vor,[68] die zwischen Ems und Lippe siedelten. Auch hier ist der Anlass der Expedition nicht genau ersichtlich. V. Petrikovits spekuliert, dass der Intervention des Gallicus Plünderungen der Brukterer im linksrheinisch-römisch kontrollierten Gebiet vorausgingen.[69]

Letztendlich bleibt festzuhalten, dass bereits in vespasianischer Zeit im Grenzvorfeld in die germanischen Gebiete ausgegriffen wurde und sie mit Hilfe der errichteten Kastelle faktisch durchdrungen und kontrolliert wurden,[70] auch wenn diese Gebiete nicht vollständig im eigentlichen Sinne „besetzt“ waren.

II.2 Der Chattenkrieg Domitians

II.2.1 Ursachen und Motive für den Chattenfeldzug Domitians

Die Situation an der obergermanisch-rätischen Grenze musste sich aus Sicht Domitians bei seinem Regierungsantritt 81 als völlig unbefriedigend dargestellt haben.[71] Die germanischen Grenzgebiete waren alles andere als befriedet und konnten immer noch nur mit erheblichem militärischen Aufwand gesichert werden,[72] zumal sie von der Verwaltungsform her immer noch aus der Provinz Gallia Belgica herausgeschnittene Militärbezirke waren.

Zunächst ist zu erörtern, ob dieser Feldzug als Reaktion auf chattische Aggressionen erfolgte oder von Rom selbst ausging. Visy hat zwar kleinere Zusammenstöße in den Jahren 81/82 an der germanischen Grenze unmittelbar vor den Chattenkrieg Domitians nachgewiesen, betont aber, dass derartige Vorkommnisse bei Herrscherwechseln nicht unüblich waren,[73] womit er Braunert widerlegt, der die Ansicht vertritt, dass das Römische Reich zum Chattenkrieg gezwungen worden war und es lediglich einem drohenden Angriff der Chatten unmittelbar zuvorgekommen sei, da die Chatten dabei gewesen wären, Kriegsvorbereitungen zu treffen.[74] Auch aus Sueton geht eindeutig hervor, dass Domitian diesen Krieg „sua sponte[75] begonnen hat. Strobel entkräftet Braunerts Ansatz mit dem durchschlagenden Argument, dass geheime Kriegsvorbereitungen Domitians, insbesondere die Reise Domitians nach Gallien zwecks Vortäuschung der Durchführung eines Zensus,[76] dann nicht von Nöten gewesen wären, da die Chatten in Folge einer Provokation des Römischen Reiches mit einem römischen Gegenschlag unbedingt rechnen mussten.[77] Gleichwohl ist die Bemerkung v. Petrikovits nachvollziehbar, nach denen die massiven Kriegsvorbereitungen in den germanischen Militärbezirken, immerhin wurden insgesamt fünf Legionen sowie mindestens eine Vexillation aus Britannien und diverse Kohorten, Alen und Prätorianerkohorten zur Kriegsvorbereitung zusammengezogen,[78] den rechtsrheinischen Stämmen, also auch den Chatten, wohl kaum verborgen geblieben sein dürften.[79] Damit werden die älteren Forschungspositionen Weynands und Braunerts, die das Täuschungsmanöver für gelungen halten,[80] korrigiert.

Ein breiter Konsens in der Forschung ist bezüglich der Motive Domitians für die Durchführung dieses, wohl im Frühjahr 83 ausbrechenden,[81] Krieges ersichtlich. Auf der einen Seite bedurfte es seitens Domitians dringend einer, vor allem militärischen, Legitimation seiner Herrschaft. Diese blieb ihm, wie bereits hinreichend dargelegt, unter der Regierungszeit Vespasians und Titus’ versagt. Dies machte den verhältnismäßig jungen Princeps, insbesondere als Nachfolger der erfahrenen und erfolgreichen Heerführer Vespasian und Titus, die von ihren in Judäa erworbenen Kriegsruhm ihre gesamte Regierungszeit lang zehren konnten,[82] vermutlich innenpolitisch angreifbarer als seine Vorgänger. Dies wird unterstrichen durch Sextus Aurelius Victor, der Domitian zwar durchweg als schlechten Kaiser und Tyrann beschreibt,[83] ihm immerhin aber bescheinigt, zunächst erträglich gewesen zu sein, „da er nicht gänzlich untätig […] im Kriege war.“[84] Dies unterstreicht die Bedeutung aus Sicht Domitians, irgendeinen Krieg führen zu müssen. Southern weist darauf hin, dass Domitian möglicherweise so schnell wie möglich nachweisen wollte, was er im Jahre 70 hätte erreichen können, wenn er militärisch zum Zuge gekommen wäre.[85] Und Halfmann ergänzenswerte Bemerkung, dass dabei seine persönliche Präsenz an der Front notwendig war, auch wenn sich Domitian im gesicherten Hinterland aufhielt, um den lange erwarteten Feldherrenruhm zu erreichen, der ihn bis dato verwehrt geblieben war,[86] ist hierbei ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Auf der anderen Seite, und dieser Aspekt ist mit den eben dargelegten Ausführungen sehr eng verknüpft, wusste auch Domitian, spätestens seit seinen Erfahrungen im ‚Vierkaiserjahr‘, dass die Gefolgschaft des Heeres eine zentrale Säule der Sicherung kaiserlicher Macht war. Deshalb erscheint der schnelle Nachweis der virtus imperatoria Domitians, als unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltige Stabilisierung der eigenen Position gegenüber dem Heer. Damit ist der breiten Forschungsmehrheit zuzustimmen, dass Domitian diesen Krieg vor allem deshalb begann, um seine virtus gegenüber seinem Heer zu beweisen.[87] Zudem musste Domitian seine Berechtigung zur Herrschaft auch gegenüber dem Senat durch außenpolitische Erfolge nachweisen, um eine sich schnell organisierende Senatsopposition zu vermeiden.[88]

Die Notwendigkeit aus Sicht Domitians einen Krieg zu führen, ist also, insbesondere aus innenpolitischer Sicht, ersichtlich. Ebenso herrscht weitestgehend Einigkeit in der zweiten großen Frage, diesen Themenkomplex betreffend, warum Domitian für seinen ersten großen Bewährungskrieg den germanischen Schauplatz wählte. Es erscheint nachvollziehbar, dass sich Domitian nun dieser „letzten Problemzone des Reiches“[89] zuwenden und die ‚Germanienfrage‘ endgültig lösen wollte. Nach Schmidts Ansicht waren die Chatten der einzig verbliebene germanische Stamm gewesen, von dem ernstzunehmende Gefahren in diesem Grenzabschnitt hätten ausgehen können.[90] Deshalb ist Wolters umfassend zuzustimmen, der diesen Schritt, die Offensive an dieser Stelle zu eröffnen, sowohl für sinnvoll als auch für zeitgerecht hält.[91]

Folglich ist zu resümieren, dass ein Sieg in diesem Feldzug neben der Lösung des Dauerproblems am Rhein und der damit einhergehenden erheblichen Verminderung des militärischen Drucks an diesem Grenzabschnitt auf die Reichsgrenze, Domitian auch in Betracht gezogen haben wird, dass ein Sieg über die Chatten, welche mit den unschlagbaren Germanen gleichgesetzt wurden, seine virtus in beispielhafter Weise steigern und sein Ansehen festigen musste. Denn auch Tacitus rühmt die Chatten als „abgehärtet“ und attestiert ihnen eine „größere geistige Regsamkeit [und] viel Vernunft und Geschick“ sowie nicht zu unterschätzende taktische Fähigkeiten, die „sie nur ihrer Vernunft und Disziplin“ zu verdanken hätten.[92]

Nicht unberechtigt an dieser Stelle scheint die Frage zu sein, ob, nachdem sich Domitian zur Durchführung eines Krieges entschlossen hatte, bei der Auswahl des Schauplatzes nicht auch der unteren Donaubereich hätte in Betracht kommen können. Immerhin hat Visy nachgewiesen, dass es unmittelbar nach Regierungsantritt Domitians zwischen 81 und 83 auch an der mösisch-dakischen Front zu kleineren militärischen Konflikten gekommen sei, was zu stetig steigenden Spannungen an der Donaufront bis 85 geführt habe.[93] Damit, dass sich in diesem Bereich allerdings in naher Zukunft größere Auseinandersetzungen abspielen würden, konnte Domitian wohl kaum rechnen. Kleinere Plünderungszüge germanischer und sarmatischer Stämme im Grenzgebiet stellten keine Seltenheit dar, ohne dass derartige Vorkommnisse immer gleich massive Strafexpeditionen zur Folge gehabt hätten. Das Römische Reich konnte auf vielfältige Weise reagieren, so z. B. mit fortwährend andauernden kleineren Übergriffen auf solche Stämme, mit Hilfe derer die Römer sie durch die systematische Zerstörung ihrer Felder und Dörfer besiegten bzw. vernichteten, wie z. B. die Eburonen am Niederrhein.[94] Unterstützend stellt Strobel fest, dass im Donaubereich nicht mit größeren militärischen Konflikten bis zum überraschenden Ausbruch der Dakerkriege 85 zu rechnen war.[95] Insofern ist zu dem Schluss zu kommen, dass die Wahl des Kriegsschauplatzes, die Rheinprovinzen, durchaus nachvollziehbar ist, insbesondere unter Berücksichtigung Southerns treffender Analyse, dass Domitian schnell einen billigen Kriegsschauplatz suchte, der zwar reif war für einen Krieg, aber von dem dennoch keine ernsthafte Gefahr für das Imperium ausging.[96]

II.2.2 Der Chattenkrieg und seine Funktion im Spiegel der kaiserlichen Legitimierung

Über den eigentlichen Verlauf des Krieges ist auf Grund der dürftigen Quellenlage wenig bekannt. Fest steht, dass Domitian bereits Ende 83 wieder in Rom eingetroffen war, nachdem er erst im März 83 nach Mainz aufgebrochen war, die Chatten förmlich unterworfen und große Teile der Wetterau und des Taunus sowie des Neuwieder Beckens und die Gebiete bis zum Neckar besetzt hatte. Es ist nicht gesichert, welche strategischen Ziele Domitian genau verfolgte. Erst Klee hat erneut die These aufgeworfen, dass Domitian militärische Ziele verfolgt hätte, die weit über die Wetterau hinausgegangen wären und dass erst die 85 ausbrechenden Donaukriege diesen Feldzug vorzeitig beendet hätten, da Domitian daraufhin die Offensive abbrechen musste.[97] Dem wird scharf von v. Petrikovits und Strobel widersprochen. Strobel betont hierbei die geographische Komponente: Dass Domitian den Feldzug auf Grund des Dakereinfalls von 85 abbrechen musste, entbehre jeder Grundlage. Die Grenze sei parallel zu den Flüssen errichtet worden, wo diese als Verteidigungsanlage nicht mehr genügten. Die waldreiche hessische Mittelgebirgsregion mit ihrer dünnen Besiedlung hätte dagegen kaum Anreize zur Expansion geboten.[98] V. Petrikovits ergänzt, dass ein größeres Unternehmen einen zeitgleichen Vorstoß der niederrheinischen Armee erfordert hätte, welcher schlicht nicht erfolgt sei.[99] Luttwak erläutert, dass auch die eigentümliche Hakenform des eroberten Gebietes durchaus Sinn mache, wenn der Grenzverlauf unter gesellschaftlichen und nicht unter militärischen Gesichtspunkten betrachtet werde. Mit der ausschließlichen Erschließung des fruchtbaren Landes, was dem Grenzverlauf die ungewöhnliche Form verschafft habe, wurde die Landwirtschaft gefördert, was wiederum die Urbanisation beschleunigt bzw. einen Bevölkerungszuwachs nach sich gezogen habe, der für den Prozess der Romanisierung unabdingbar gewesen sei.[100] Die letzteren Positionen sind hierbei als stichhaltiger zu bewerten und entkräften somit gleichzeitig die ältere Einschätzung Kornemanns, dass die Provinzgründungen machtpolitisch und räumlich unzureichend gewesen seien.[101]

Welch überragende Bedeutung dieser Operation zukam und dass sich Domitian deshalb ein militärisches Versagen nicht leisten konnte, wurde im vorherigen Abschnitt bereits gründlich ausgeführt. Auf Grund dieser Tatsache erscheint es unwahrscheinlich, dass Domitian eine größer angelegte Operation durchführen wollte, die tief ins Landesinnere hineinreichte. Die nicht errungenen Siege bzw. Niederlagen aus augusteischer Zeit vor Augen (vgl. Kapitel II.1.1), muss Domitian das Risiko, bei seinem ersten Feldzug tief hinter die Wetterau mit lediglich fünf Legionen einzudringen, eindeutig als zu hoch eingestuft haben. Dies konnte keine militärische Option für ihn gewesen sein. Vielmehr hat Strobel Recht, der hinter diesem Krieg ein militärisches Gesamtkonzept erkennt, welches die Arrondierung und Absicherung der unter Vespasian eingeleiteten Ausdehnung des römischen Herrschaftsbereiches beinhaltete, wobei gleichzeitig durch den Angriff auf zentrale chattische Siedlungsräume der letzte gefährliche, germanische Gegner massiv geschwächt werden sollte.[102] In der Tat „besetzte“ Domitian in diesem Konflikt zum großen Teil die Gebiete, die faktisch schon seit vespasianischer Zeit römisch kontrolliert wurden.[103] Ein neues Sicherungskonzept, in Form einer strengen Abgrenzung römischen Siedlungsgebietes mit Hilfe eines Limessystems, ging mit diesem Feldzug noch nicht einher. Die Sicherheitslage dieser Region wurde vor allem durch die Anzahl der dort stationierten Truppen und die Sicherung strategisch wichtiger Positionen bedingt.[104]

Luttwak benennt drei Bedingungen, die bei Gebietseroberungen von römischer Seite aus zu beachten waren: Dass mit dem Feldzug eine Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und des Transits zwischen den einzelnen Teilen des Reiches einhergehe, dass auf die Eroberung schwer urbanisierbarer und damit schwer romanisierbarer Gebiete verzichtet werde und dass im Zuge der Eroberung neue Ressourcen, auch Humanressourcen, mit erschlossen werden.[105] Gemessen an diesen Kriterien muss abschließend festgestellt werden, dass der Chattenkrieg Domitians, genau in diesem Umfang, in dem er geführt wurde, diesen drei Bedingungen im vollen Umfang gerecht wurde.

Nach Domitians Rückkehr nach Rom hielt jener Ende 83 oder Anfang 84 einen Triumph ab, nahm den Ehrenbeinamen Germanicus an, den ruhmvollsten, den ein römischer Kaiser erringen konnte,[106] erhöhte den Sold der Soldaten um ein Drittel von 300 auf 400 Sesterzen jährlich[107] und ließ verschiedene Münzenprägungen in Umlauf bringen, die verkündeten, dass Germania capta sei.[108] Christ bemerkt zu Recht, dass diese kaiserliche Propaganda und Selbstdarstellung in keinem Verhältnis zu den erzielten Erfolgen standen. Es fehlten sowohl große Entscheidungsschlachten als auch große territoriale Gewinne, die mit denen der augusteischen Zeit vergleichbar gewesen wären bzw. die Eroberung Aufsehen erregender Beute, wie z. B. jene, die im jüdischen Krieg unter Vespasian und Titus erobert worden war.[109] Flaig formuliert diesbezüglich pointiert, dass es Domitian nicht gelungen sei, den Zielkonflikt zwischen seiner Grenzpolitik und seinem Prestigeerwerb zu meistern,[110] was durch Kneissls Bemerkung unterstrichen wird, dass diese Strategie, auf große Entscheidungsschlachten zu verzichten und dafür die Anlage von Verteidigungssystem zu forcieren, bei Domitians Zeitgenossen leicht auf Unverständnis stieß.[111]

Bei Cassius Dio heißt es dann auch diesbezüglich, dass Domitian lediglich „einige Stämme jenseits des Rheins [plünderte], die in friedlichen Beziehungen zu den Römern standen“[112] und Domitian aus dem Chattenfeldzug zurückkehrte, „ohne nur irgendwo etwas vom Krieg gesehen zu haben“.[113] Ähnlich urteilt Tacitus, dass Germanien keinesfalls erobert worden sei. Vielmehr sei sich Domitian selbst der Tatsache bewusst gewesen, dass sein „falscher Triumph über Germanien zum Gespött geworden“ sei, weil er sogar gezwungen war, „Sklaven […] herrichten [zu] lassen, damit sie wie Kriegsgefangene aussähen“.[114] Bei der Betrachtung von Zitaten aus der taciteischen Agricola ist jedoch Schwartes Einwand zu berücksichtigen, dass die Agricola jeder Andeutung eines positiven Charakterzuges Domitians entbehre.[115] Dementsprechend sind die Urteile der antiken Autoren diesbezüglich auch als zu hart zu bewerten. Zwar wurden tatsächlich die germanischen Provinzen nicht auf dem Gebiet errichtet, welches in der julisch-claudischen Zeit noch als Germanien begriffen wurde,[116] sondern lediglich die existierenden germanischen Militärbezirke, bei einer leichten Gebietsvergrößerung von Germania superior in die Wetterau und den Taunus sowie bis an den Neckar und die Schwäbische Alb, in Provinzen umgewandelt,[117] jedoch gibt Christ zu bedenken, dass die Namen der dort stationierten römischen Heere bereits feste Begriffe geworden waren und eine anderer Bezeichnung für diese Verwaltungseinheiten kaum denkbar gewesen wäre.[118] Und Strack sekundiert, dass das Römische Reich oft, wenn die vollständige Unterwerfung eines Gebietes sich aus militärischer und wirtschaftlicher Sicht als zu unvorteilhaft erwies, auf eine vollständige Eroberung verzichtete und sich mit der formalen Anerkennung seiner Oberhoheit über dieses Gebiet begnügt habe.[119] Viel diskutiert in diesem Zusammenhang ist die These Nesselhaufs, der im Chattenkrieg ein großes Täuschungsmanöver Domitians zu erkennen glaubt, mit dessen Hilfe und der oben dargestellten aufwändigen Siegespropaganda lediglich der endgültige Verzicht auf das ‚freie Germanien‘ bemäntelt werden sollte.[120] Bengtson und Flach widersprechen dem und sehen in der Niederlage der Chatten und der Annexion der Wetterau durchaus vorzeigbare Erfolge,[121] was aber durch Schönberger weitestgehend entkräftet wird. Der territoriale Gewinn dieses Krieges sei, trotz des Einsatzes von fünf Legionen und starken Hilfsverbänden, dürftig gewesen, insbesondere, da die eroberten Gebiete ja bereits besetzt und fest in römischer Hand gewesen seien, mit Ausnahme des Neuwieder Beckens.[122] Dementsprechend ist Wolters Standpunkt zu folgen, dass der Chattenfeldzug, die Teilnahme Domitians daran, die Errichtung der beiden germanischen Provinzen und diese Herrschaftspropaganda, in einem engen Zusammenhang gestanden hätten und Domitian in der Absicht handelte, durch den gefeierten Sieg und den suggerierten Territorialgewinn proklamieren zu können, die germanische Frage abschließend gelöst zu haben.[123] Er führt den Gedanken an anderer Stelle konsequent weiter: Ein als Präventivschlag geführter Krieg gegen die Chatten war eine notwendige Voraussetzung, um die rechtsrheinischen Grenzen zu definieren und die Umwandlung der Militärbezirke in Provinzen, was lediglich einen formalen Rechtsakt in Rom darstellte, durchführen zu können.[124] Die These Schmidts, dass Domitian mit der auf einigen Münzen gedruckten Formel Germania capta nicht die Eroberung Germaniens, sondern lediglich die Einrichtung der Provinzen Germaniens feiern wollte,[125] geht wohl nicht weit genug. Die reine Umwandlung von Militärbezirken mit stark provinzialem Charakter in Provinzen wäre wohl auch von Domitian nicht derartig übertrieben dargestellt worden. Ebenso ist die Vermutung Schmidts, dass Domitian das Ziel verfolgt habe, mit der Schaffung der germanischen Provinzen lediglich endgültig die römische Nordgrenze festlegen zu wollen, um bei einem Konflikt mit den Dakern nicht in einen Zweifrontenkrieg zu geraten,[126] nur bedingt aufrecht zu halten, da der Dakereinfall in Mösien 85 erst nach dem Chattenkrieg und vor allem, wie bereits oben diskutiert, für das Römische Reich völlig überraschend erfolgte.

[...]


[1] So rückt bereits Köstlin Domitian in ein wesentlich positiveres Licht bezüglich des Friedensschlusses zwischen Domitian und Decebalus 89 als z. B. Mommsen. Vgl. Köstlin, 1910, S. 76, vgl. Mommsen, 1904, S. 201.

Alle vollständigen Quellen- und Literaturangaben sind im Literaturverzeichnis zu finden.

[2] Exemplarisch seien lediglich einzelne Titel erwähnt: Vgl. Strobel, 1984, vgl. Strobel, 1989, vgl. Daicoviciu, 1977, vgl. Schallmayer, 1999, vgl. v. Albrecht, 1992, vgl. Fein, 1994, vgl. Leberl, 2004.

[3] Vgl. z. B. Waters, 1969, wo der Schwerpunkt insbesondere auf die Kontinuität in der Senatorenbeförderungspolitik zwischen Domitian und Trajan gelegt wird oder vgl. Schönberger, 1980, der Kontinuitätslinien zwischen Domitian und Trajan lediglich an Hand des kleinen, obergermanischen Grenzabschnittes untersucht. Für die Einbettung in einen sehr umfassenden Kontext, erneut nur die Titelangabe: Vgl. u. a. Christ, 1995, vgl. Schmitt, 1997, vgl. Heuss, 1998, vgl. Wolters, 2000.

[4] Dies ist bei erneut beispielhaft bei folgenden Titeln der Fall: Vgl. Erdrich, 2001, vgl. Schmidt, 2004, vgl. Timpe, 1996.

[5] Urner stellt fest, dass bei Sueton Ansätze eines unbefangenen Domitianbildes zu erkennen sind. Vgl. Urner, 1993. S. 86.

[6] Vgl. Strobel, 1984, S. 21.

[7] Vgl. Dihle, 1989, S. 358.

[8] Millar attestiert Cassius Dio, dass dieser keine spezifischen politischen Ziele mit der Veröffentlichung der Bücher verfolgt habe, sondern lediglich daran interessiert gewesen wäre, mit Hilfe dieser Arbeit der Nachwelt in Erinnerung zu bleiben, vgl. Millar, 1964, S. 73.

[9] Schmitt lehnt die Auswertung der Trajanssäule mit der Begründung ab, dass auf ihr kein Kriegsbericht dargestellt sei, sondern lediglich ideelle Motive, die die Größe und Würde Roms darstellen sollten. Vgl. Schmitt, 1997, S. 110, mit Anm. 37, S. 110.

[10] Vgl. Stein, 1932, S. 91. Für eine genaue Auflistung der zeitlichen und örtlichen Verteilung römischer Legionen in Ober- und Untergermanien in Tabellenform: Vgl. Stein, 1932, S. 288f.

[11] Für eine genaue Aufzählung und Beschreibung der verschiedenen germanischen Stämme, was nicht Inhalt dieser Arbeit sein soll, vgl. Tac. Germ. 29, 1 – 46, 3.

[12] Vgl. Becker, 1992, S. 212f.

[13] Vgl. Erdrich, 2001, S. 99.

[14] Vgl. Suet. Galba 16, 2.

[15] Zur Tätigkeit Vitellius’ als legatus Augusti pro praetore exercitus Germaniae inferioris 69 in Niedergermanien: Vgl. Eck, 1985, S. 132f.

[16] Vgl. Suet. Otho 8, 1.

[17] Vgl. Suet. Vesp. 4, 4f.

[18] Vgl. Ios. bell. Iud. 4, 10, 5. Mucians Rede, in der er Vespasian ermutigt, sich zum Kaiser erheben zu lassen, findet sich bei Tac. hist. 2, 76f.

[19] Vgl. Christ, 1995, S. 248.

[20] Vgl. Suet. Vit. 15, 1, vgl. Ios. bell. Iud. 4, 10, 6.

[21] Vgl. Tac. hist. 1, 4.

[22] Vgl. Seelentag, 2004, S. 26f.

[23] Tac. hist. 4, 39. Domitian hatte am 1.1.70 zwar das Amt des Stadtprätors erstmals verbunden mit konsularischer Gewalt angenommen, vgl. Suet. Dom, 1, 3, ihm war damit aber primär eine repräsentative Rolle zugewiesen worden, vgl. Christ, 1995, S. 263f. Zudem führte Domitian bereits seit dem 21.12.69 den Titel Caesar, vgl. Ios. bell. Iud. 4, 11, 4, vgl. Tac. hist. 4, 2, womit er ordentlicher Vertreter Vespasians in Rom war.

[24] Tac. hist. 2, 83.

[25] Vgl. Bengtson, 1979, S. 65.

[26] Vgl. Jones, 1992, S. 15.

[27] Vgl. Tac. hist. 4, 13. Die z. T. überaus komplexen Vorgänge im gallisch-germanischen Raum im Laufe des ‚Vierkaiserjahres‘ 69 und des ‚Bataveraufstandes‘, in deren Verlauf sich u. a. mit der Ausrufung des Imperium Galliarum Teile vom Imperium Romanum lossagten, können hier nicht näher erläutert werden, sondern werden in den folgenden Ausführungen lediglich stark verknappt dargestellt.

[28] Ios. bell. Iud. 7, 4, 2.

[29] Vgl. Bellen, 1981, S. 104. Diese kaiserliche Leibwache, bestehend aus acht Kohorten, waren durch Galba kurz zuvor entlassen und nach Germanien zurückgeschickt worden. Vgl. Tac. hist. 2, 69.

[30] Die Legionen sind im Einzelnen bei Tac. hist. 4, 68 aufgezählt.

[31] Tac. hist. 4, 68.

[32] Vgl. Weynand, 1909, Sp. 2546.

[33] Suet. Dom. 2, 1.

[34] Vgl. Jones, 1992, S. 16, mit Anm. 53, S. 201. Auf S. 201, Anm. 53 sind diese Verwandten alle aufgeführt. Ähnlich auch Welwei und Campbell, die bemerken, dass militärische Erfolge den gesellschaftlichen Rang des einzelnen nobilis bestimmten. Vgl. Welwei, 1989, S. 91, vgl. Campbell, 1994, S. 68.

[35] Tac. hist. 4, 68.

[36] Tac. hist. 4, 85.

[37] Vgl. Southern, 1997, S. 20f. Es ist anzumerken, dass Josephus, ursprünglich als jüdischer General in führender Position gegen das vespasianische Heer im jüdischen Krieg eingesetzt, nach seiner Gefangennahme 67 bzw. Freilassung 69 überlief und 70 zunächst an der Eroberung Jerusalems an Titus’ Seite teilnahm und ab 71, nach Ausstattung mit dem römischen Bürgerrecht, Jahrespensionen und Landgütern, in Rom lebte, weshalb ihm eine neutrale Beurteilung der Flavier abgesprochen werden muss.

[38] Ios. bell. Iud. 7, 4, 2.

[39] Tac. hist. 2, 4.

[40] Tac. hist. 5, 1.

[41] Vgl. Tac. hist. 5, 1.

[42] Endgültig wurde der Krieg zwar erst mit der Eroberung der Festung Massada 74 beendet, jedoch stellten diese letzten Kämpfe, wie Bengtson es formuliert, lediglich noch einen „Epilog“ dar. Vgl. Bengtson, 1979, S. 82.

[43] Vgl. Suet. Titus, 6, 1. Vater und Sohn begingen den Triumphzug zusammen, obwohl ihnen der Senat jeweils einen eigenen zugebilligt hatte. Vgl. Ios. bell. Iud. 7, 5, 3.

[44] Übers. A. S.

[45] Vgl. Waters, 1964, S. 58.

[46] Ios. bell. Iud. 7, 5, 5. Zum Triumph vgl. auch Suet. Dom. 2, 1.

[47] Vgl. Strobel. 1994, S. 362, mit Anm. 31, S. 380. Ähnlich auch Seelentag, 2004, S. 115.

[48] Die verzögerte Rückkehr Vespasians nach Rom hatte nach Halfmanns Ansicht einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt. Seine Ankunft zeige symbolisch das Ende der Kriegswirren an und wird als Erlösung erwartet. Vgl. Halfmann, 1986, S. 35f.

[49] Suet. Vesp. 7, 2.

[50] Suet. Vesp. 8, 2.

[51] Vgl. Witschel, 1997, S. 100, vgl. Christ, 1995, S. 264.

[52] Vgl. Witschel, 1997, S. 100.

[53] Suet. Dom. 2, 2.

[54] Christ hebt hervor, dass die Flavier von weitausgreifenden militärischen Offensiven bewusst Abstand nahmen und die endgültige Stabilisierung der Grenzzone im Vordergrund stand. Auch Nesselhauf sieht den Ausbau günstiger Verteidigungszonen und die Abrundung und Arrondierung des Reichskörpers im Vordergrund stehen. Vgl. Christ, 1995, S. 266, vgl. Nesselhauf, 1952, S. 232, mit Anm. 1, S. 232.

[55] Vgl. Waters, 1964, S. 62f.

[56] Vgl. Malitz, 1997, S. 93.

[57] Zur Statthalterschaft vgl. Eck, 1985, S. 36f.

[58] Das Dekumatenland hat zwischen dem heutigen Basel und Straßburg (Argentorate) gelegen und wurde von den Flüssen Rhein, Main und Neckar umschlossen. Der Begriff ‚ decumates agri ‘ erscheint bei Tac. Germ. 29, 4. Seine Bedeutung ist nicht vollständig zu klären. Für die Begriffsdeutungen vgl. Timpe, 1984, S. 273-275.

[59] Auxiliarkastelle wurden u. a. im heutigen Rottweil, Offenburg, Baden-Baden, Neuenheim, Hockenheim, Ladenburg und Zurzach errichtet. Vgl. Bengtson, 1988, S. 284.

[60] Vgl. Schmidt, 2004, S. 231.

[61] Vgl. Strobel, 1987, S. 426.

[62] Vgl. Tac. hist. 4, 37.

[63] Vgl. Nesselhauf, 1960, S. 160, vgl. Wacher, 1990, S. 148.

[64] Die ornamenta triumphalia waren eine Ersatzehrung, welche von Augustus eingeführt wurden, den Dekorierten als Quasitriumphator erscheinen ließen und mit der Errichtung einer Ehrenstatue auf dem Augustusforum verbunden waren. Der Ablauf der Zeremonie der Verleihung ist unbekannt. Vgl. Künzl, 1988, S. 119f.

[65] Für diese Vermutung vgl. Strobel, 1987, S. 425f., vgl. Schönberger, 1985, S. 362.

[66] Vgl. Strobel, 1987, S. 426, mit. Anm. 17, S. 426, auch für die Namen der Legionen.

[67] Vgl. Becker, 1992, S. 263.

[68] Vgl. Stat. silv. 1, 4, 89.

[69] Vgl. v. Petrikovits, 1980, S. 78. Auch Bengtson berichtet von permanenten Beutezügen der Brukterer auf der linksrheinischen Uferseite. Vgl. Bengtson, 1979, S. 136.

[70] Vgl. Schönberger, 1985, S. 370. Dort werden u. a. die Kastelle Wiesbaden, Hofheim a. Ts. Frankfurt, Frankfurt-Heddernheim, Okarben und Friedberg genannt, mittels derer die Grenzkontrolle ausgeübt wurde.

[71] Nur kurze Zeit nach dem Tode Vespasians am 23.6.79 verstarb Domitians älterer Bruder Titus am 13.9.81. Und obwohl Domitian auch unter Titus kaum in die Regierungsgeschäfte mit einbezogen wurde, verlief die Thronübernahme durch Domitian reibungslos. Vgl. Witschel, 1997, S. 100.

[72] 81 befanden sich acht Legionen in Ober- und Untergermanien. Vgl. Stein, 1932, S. 288f.

[73] Vgl. Visy, 1978, S. 58.

[74] Vgl. Braunert, 1953, S. 101, sich stützend auf eine frontinische Passage, in der er von unter Waffen stehenden Germanen im Vorfeld des Krieges berichtet. Vgl. Frontin. strat. 1, 1, 8.

[75] Suet. Dom. 6, 1.

[76] Vgl. Frontin. strat. 1, 1, 8.

[77] Vgl. Strobel, 1987, S. 427. Dementsprechend zu schwach auch Southern, der die Frage, ob es Provokationen seitens der Chatten im Vorfeld des Krieges gegeben habe, für nicht auflösbar hält. Vgl. Southern, 1997, S. 82.

[78] Die Einheiten sind aufgezählt bei Weynand, 1909, Sp. 2557. Strobel schätzt, dass Domitian 50000-60000 Soldaten mobilisieren ließ. Vgl. Srobel, 1987, S. 441, mit Anm. 124, S. 441.

[79] Vgl. v. Petrikovits, 1980, S. 79.

[80] Vgl. Weynand, 1909, Sp. 2557, vgl. Braunert, 1953, S. 101.

[81] Nach Ansicht der breiten Forschungsmehrheit, vgl. u. a. Weynand, 1909, Sp. 2556, vgl. Braunert, 1953, S. 101, vgl. Becker, 1992, S. 285. Abweichend Jones, 1992, S. 128, der die Feindseligkeiten bereits 82 ausbrechen sieht.

[82] Vgl. Halfmann, 1986, S. 36.

[83] Vgl. Vor allem Aur. Vict. 11, 1-7.

[84] Aur. Vict. 11, 3.

[85] Vgl. Southern, 1997, S. 79.

[86] Vgl. Halfmann, 1986, S. 36. Zum verwehrten Feldherrenruhm, vgl. auch Kapitel II.1.2 und II.1.3.

[87] Vgl. u. a. Schmidt, 2004, S. 237, vgl. Seelentag, 2004, S. 115, vgl. Nesselhauf, 1960, S. 162, vgl. Strobel, 1987, S. 427.

[88] Vgl. Grenzheuser, 1964, S. 94.

[89] Vgl. Wolters, 1989, S. 64. Vgl. hierfür auch Kapitel II.1.1.

[90] Vgl. Schmidt, 2004, S. 233.

[91] Vgl. Wolters, 1989, S. 64.

[92] Tac. Germ. 30, 1-2.

[93] Vgl. Visy, 1978, S. 58f.

[94] Kemkes, Scheuerbrandt und Willburger bezeichnen diese Taktik als Kriegsführung der „small wars“, vgl. Kemkes, Scheuerbrandt, Willburger, 2002, S. 32.

[95] Vgl. Strobel, 1987, S. 431.

[96] Vgl. Southern, 1997, S. 82.

[97] Vgl. Klee, 2006, S. 43. Zur selben Argumentationslinie vgl. Schönberger, 1985, S. 371.

[98] Vgl. Strobel, 1987, S. 429.

[99] Vgl. v. Petrikovits, 1980, S. 79. Sinngemäß auch Whittaker, 1994, S. 89. Auch Witschel und Christ gehen von einer von vornherein geplanten begrenzten Ausweitung des römischen Gebietes aus. Vgl. Witschel, 1997, S. 101, vgl. Christ, 1995, S. 270.

[100] Vgl. Luttwak, 1999, S. 96.

[101] Vgl. Kornemann, 1934, S. 8.

[102] Vgl. Strobel, 1987, S. 430, S. 441. Ähnlich Kneissl, 1969, S. 52, der den begrenzten Feldzug und die Abrundung des Erreichten als logische Konsequenz der Einschätzung des römischen Potentials sieht.

[103] Vgl. Schönberger, 1969, S. 158.

[104] Vgl. Kortüm, 1999, S. 197, mit Anm. 9, S. 204.

[105] Vgl. Luttwak, 1999, S. 96.

[106] Vgl. Suet. Dom. 13, 3. Domitian nahm den Siegerbeinamen zwischen dem 14.9. und dem 31.12. 83 an. Zur Datierung vgl. Kneissl, 1969, S. 44. Zum Stellenwert des Beinamens bemerkt Leberl, dass, da seit augusteischer Zeit die Germanen als gefährlichster und am schwersten zu kontrollierender Gegner galten, mit der Annahme dieses Beinamens sowohl eine militärisch-kriegerische Aussage verbunden gewesen sei als auch gleichzeitig auch die Sieghaftigkeit des Kaisers propagiert werden sollte. Vgl. Leberl, 2004, S. 47f.

[107] Vgl. Cass. Dio 67, 3, 5. Grenzheuser erläutert plausibel, dass die Solderhöhung rein politische Gründe hatte, da sich Domitian seiner wichtigsten Machtstütze versichern wollte. Vgl. Grenzheuser, 1964, S. 111f. Weniger folgenswert Jacques und Scheid, vgl. Jacques, Scheid, 1998, S. 164, die Domitian mit der Solderhöhung lediglich den langfristigen Preisanstieg ausgleichen sehen wollen. Der Sold wurde immerhin um ein Drittel erhöht.

[108] Die Münzen sind abgedruckt in: Wolters, 1989, S. 58f.

[109] Vgl. Christ, 1983, Herrscherauffassung, S. 24f.

[110] Vgl. Flaig, 1992, S. 425.

[111] Vgl. Kneissl, 1969, S. 48.

[112] Cass. Dio 67, 3, 5.

[113] Cass. Dio 67, 4, 1.

[114] Tac. Agr. 39, 1.

[115] Vgl. Schwarte, 1979, S. 170.

[116] In dieser Zeit wurde mit Germania noch der Raum zwischen Rhein, Donau und Elbe bezeichnet. Vgl. Seelentag, 2004, S. 118.

[117] Die Provinzen Germania superior und Germania inferior wurden von Domitian zwischen 82 und 90 eingerichtet. Der Großteil der Forschung folgt der schlüssigen Annahme, dass die Einrichtung der Provinzen Ende 84 oder Anfang 85 vorgenommen wurden, um den Chattenkrieg zu beschließen. Vgl. u. a. Witschel, 1997, S. 101, vgl. Strobel, 1987, S. 447, vgl. Becker, 1992, S. 300.

[118] Vgl. Christ, 1983, Herrschaftsauffassung, S. 24.

[119] Vgl. Strack, 1931, S. 69.

[120] Vgl. Nesselhauf, 1952, S. 241.

[121] Vgl. Bengtson, 1979, S. 265. Flach bemerkt hierzu, dass die taciteische Aufwertung der chattischen Kriegskunst, vgl. Kapitel II.2.1, gegen eine Abwertung der domitianischen Kriegserfolge spräche, vgl. Flach, 1995, S. 152.

[122] Vgl. Schönberger, 1980, S. 45.

[123] Vgl. Wolters, 2000, S. 68. Damit folgt Wolters weitestgehend Nesselhauf. Etwas übertrieben hingegen erscheint bei Strobel, dass Domitian mit der Annahme des Ehrenbeinamens Germanicus, auch wenn er ihn als erster Kaiser im Feld erworben hatte, und der Proklamierung von Germania capta, über alle seine Prinzipatsvorgänger, auch Augustus, hinausgewachsen sei. Vgl. Strobel, 1994, S. 366.

[124] Vgl. Wolters, 1989, S. 64. Vom präventiven Gedanken auch ausgehend Baatz, der den Chatten eine latente Romfeindlichkeit attestiert. Vgl. Baatz, 1989, S. 71f.

[125] Vgl. Schmidt, 2004, S. 239.

[126] Vgl. Schmidt, 2004, S. 238.

Details

Seiten
91
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640280155
ISBN (Buch)
9783640283675
Dateigröße
809 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123208
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Grenz- Territorialpolitik Kaiser Domitian Trajan Reichsgrenzen Rhein Donau

Autor

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Titel: Die Grenz- und Territorialpolitik der römischen Kaiser Domitian und Trajan an den Reichsgrenzen von Rhein und Donau