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Beziehungskompetenz bei Paaren

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 30 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

I. Ist Liebe Arbeit?
Entwicklung und Wachstum der Paarbeziehung

II. Über den Sinn von Präventionsarbeit

III. Ein Partnerschaftliches Lernprogramm (EPL) – ein Beispiel für partnerschaftliche Präventionsprogramme
Theoretischer Rahmen
Die Module
1. Sprecher- und Zuhörerfertigkeiten
2. Äußern negativer Gefühle
3. Probleme lösen
4. Erwartungen an die Ehe/ Partnerschaft
5. Sexualität
6. Christliche Ehe
Effizienz

IV. Elemente gelingender Partnerschaft
Rituale in der Partnerschaft
Sexualität in der Partnerschaft

V. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Beziehungskompetenz bei Paaren. Im ersten Kapitel geht es um die grundlegende Frage, ob man sich gelingende Liebesbeziehungen erarbeiten kann und wie sich Paarbeziehungen entwickeln. Als Grundlegung für die Beschäftigung mit dem Ehevorbereitungstraining „Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“ (EPL), dessen Verlauf, Themen und Effizienz im dritten Kapitel abgehandelt werden, stellt sich die Frage im zweiten Kapitel nach dem Nutzen von Präventionsprogrammen im Allgemeinen. Eine Auswahl an weiteren Elementen, die eine gelingende Beziehung kennzeichnen, wird im Kapitel IV vorgestellt. Im Anschluss an das zusammenfassende Kapitel V soll der Anhang einige der im dritten Teil beschriebenen Lerneinheiten von präventiven Trainingsprogrammen verdeutlichen.

In dieser Seminararbeit geht es um Zweierbeziehungen. Wenn es aus dem Kontext nicht anders zu erschließen beziehungsweise wenn es nicht explizit vermerkt ist, kann unter Zweierbeziehungen sowohl die Ehe als auch eine (noch) nicht vor dem Standesamt bestätigte Beziehung verstanden sein. So kann es sein, dass Begriffe wie Partnerschaft, Paarbeziehung, Ehe und so weiter durchaus auch synonym gebraucht werden. Zudem umfasst der Begriff der Zweierbeziehung nicht nur die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau, sondern durchaus auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

I. Ist Liebe Arbeit?

„Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“ Diesen Satz lässt der bekannte deutsche Komiker Hape Kerkeling in seiner Bühnenshow einen seiner von ihm gespielten Charaktere sagen. Spätestens seit dem Erscheinen seines Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ hat Hape Kerkeling gezeigt, dass er nicht nur mit niveauvollen Witzen begeistern kann, sondern auch, quasi zwischen den Zeilen, durchaus auch Tiefgründiges zu präsentieren weiß. Stellt sich also die Frage, ob der Komiker mit seiner neuerlichen Aussage, dass Liebe Arbeit sei, recht behält.

Vielleicht ist die Antwort auf diese Frage eine Ansichtssache, eine Art Lebensphilosophie. Ich bin der Meinung, Liebe, besser gesagt: Beziehungen - übrigens ganz egal ob eine Liebesbeziehung oder ein freundschaftliches Miteinander - sind Arbeit. Mit dieser Meinung stehe ich glücklicherweise nicht alleine da; viele bekannte Paartherapeuten äußern sich in dieser Frage ähnlich. Der Psychologe Fritz Riemann beispielsweise ist der Überzeugung, dass es entweder Schicksal oder Gnade ist, ob wir den Partner finden, der unserem inneren Suchbild entspricht; „uns für ihn zu entscheiden, uns zu ihm zu bekennen ist der Anteil, der in unserer Hand liegt.“[1] Und weiter heißt es bei Riemann: „Wir vergessen zu leicht, dass Lieben ein Tun ist, kein Zustand, in dem wir uns befinden und der uns bleibt, ohne dass wir etwas dafür tun.“[2] Die mittlerweile verstorbene Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim, Ehefrau des Münchner Soziologie-Professors Ulrich Beck, spricht von der Liebe gar als Kampf, der täglich neu gekämpft werden muss[3].

Wenn Liebe und Beziehungen Arbeit sind, dann bedeutet dies, dass Beziehungen eben gepflegt werden müssen; gelingende Beziehungen fallen nicht einfach vom Himmel, sondern es muss etwas dafür getan und riskiert werden, sie machen Mühe. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass nicht alles vom Schicksal abhängig ist, das einem Menschen gut, genauso aber auch schlecht spielen kann. Als Menschen haben wir es ein gutes Stück in der Hand, aus unseren Beziehungen etwas zu machen; dafür haben wir Menschen die Freiheit und auch die Verantwortung.

Entwicklung und Wachstum der Paarbeziehung

Was passiert, wenn sich zwei Menschen ineinander verlieben und daraus eine Partnerschaft begründen, welche Aufgaben und Entwicklungsschritte daraus ergeben, ist in der folgenden Abbildung zusammengefasst[4]. Abbildungen haben in der Regel die Aufgabe, komplizierte Sachverhalte auf das Wesentliche zu reduzieren und übersichtlich anzuordnen. So auch in diesem Fall. Mit der Skizze sollen einige Faktoren und Entwicklungsschritte von Paarbeziehungen aufgezeigt werden. Dass damit nicht die Komplexität von Liebesbeziehungen erfasst werden kann, versteht sich von selbst; gleichwohl können einzelne Aspekte von Paarbeziehungen vielleicht einsichtiger werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vier-Faktoren-Modell der Paarentwicklung

Der erste an der Paarbildung beteiligte Faktor ist das Ich der Partner. Eine reife Liebesbeziehung ist gebunden an Ich-Identität. Nur zwei beziehungsfähige Subjekte können eine gelingende Partnerschaft eingehen; die Aufnahme einer Beziehung, nur um eigenen Problemen und Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, wäre eine denkbar ungünstige Ausgangslage einer Partnerschaft. Eine Partnerschaft, die man benötigt, um eigene Entwicklungsschritte zu vollziehen, ist zwar nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. „Es ist jedoch von großer praktischer Bedeutung, ob die Erwartung besteht, mit der Unterstützung des Partners eine anstehende persönliche Entwicklung zu vollziehen, oder ob erwartet wird, dass der Partner für einen diese Entwicklung übernimmt, persönliche Defizite kompensiert und einem das bisher vermisste Glück beschert.“[5]

In die Partnerschaft bringen die beiden Partner jeweils ihre „eigenen Bindungsmuster, Ängste und Hoffnungen, bewältigte und unbewältigte Konflikte ein“[6]. Ziel ist es, dieser Identität auch während einer Partnerschaft treu zu bleiben, einer Identität, die zwar geprägt ist von der Liebesbeziehung zu einem bestimmten Partner, die es aber ermöglicht, „dass jeder der Partner sich trotz seiner Bindung an den anderen als selbständig begreift.“[7] Oder anders ausgedrückt: „Liebe will Entfaltung, Reifung des Ich und des Du, autonome statt abhängiger Liebe.“[8]

[...]


[1] Riemann, Fähigkeit, S. 113.

[2] Riemann, Fähigkeit, S. 113.

[3] Vgl. Beck, Chaos, S. 132f.

[4] Die Abbildung ist entnommen aus: Hein, Spiritualität, S. 160.

[5] Willi, Psychologie, S. 152.

[6] Hein, Spiritualität, S. 160.

[7] Sellner, Zusammenbleiben, S. 49, vgl. ebenfalls: Grau, Sozialpsychologie, S. 166f.

[8] Hein, Spiritualität, S. 143.

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640288267
ISBN (Buch)
9783640288489
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123157
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,3
Schlagworte
Beziehung Kompetenz

Autor

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