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Das Athena-Nike Heiligtum als politisches Monument

Hausarbeit 2008 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Heiligtum und die Nike Apteros

2. Das Athena Nike Heiligtum der Akropolis als politisches Monument
2.1. Der Bau und der Standort des Heiligtums – eine politische Aussage?
2.2. Das Bildprogramm des Heiligtums
2.2.1. Ostfries
2.2.2. Süd-, West- und Nordfries
2.3. Das Geländer der Nike-Bastion

3. Schlussbemerkung

4. Literatur

5. Anhang

1. Das Heiligtum und die Nike Apteros

Zu einem Heiligtum kann jeder Platz werden, dem die Griechen einen heiligen Charakter zusprechen. Dieser heilige Charakter beruht auf der Existenz einer Grabstätte oder auf einem anderen Zeichen göttlicher Präsenz, wie zum Beispiel einem Felsen oder Baum. Als temenos wird der umgrenzte Bereich bezeichnet, dies bedeutet soviel wie „abgetrennt“. Das heißt, dass der umgrenzte Bereich von dem Areal abgetrennt ist, welches nicht heilig ist. Ein temenos kann den Kult einzelner oder mehrerer Götter unterbringen. Die Grenzen können durch Grenzsteine, welche als horoi benannt, gekennzeichnet werden oder auch durch eine umlaufende Mauer. Eine solche Umfriedung wird durch den Begriff peribolos ausgedrückt. Die meisten Heiligtümer sind einfache Plätze dieser Art, die auf die Charakteristik der Einfriedung passen. Im Inneren der Grundstücke kann sich unter anderem ein heiliger Hain befinden, eine Quelle oder eine Grotte oder sonstige natürliche Erscheinungen, ohne dass es dort irgendwelche anderen außer provisorischen Bauwerke gäbe.[1]

Die Heiligkeit des Platzes birgt dementsprechend auch Verbote. So ist es verboten darin ein Kind zu gebären, sexuellen Kontakt zu haben oder dort zu sterben. Auch mit Makel behaftete Personen dürfen das Heiligtum nicht betreten. Mit Wasser gefüllte heilige Gefäße stehen am Eingang der Heiligtümer, die es jedem erlauben, sich zu reinigen. Weiterhin übernimmt das Heiligtum eine Asylfunktion[2] beispielsweise für entflohene Sklaven oder politisch Verfolgte. Sollte es doch geschehen, dass sich an jemandem vergriffen wird, der im Heiligtum Zuflucht findet, ist dies eine so gewaltige Schandtat, welche eine Plage heraufbeschwören kann, die dann die ganze Stadt heimsucht.[3]

Die Lage der Heiligtümer hat einen sehr vereinzelt verteilten Charakter. Sie sind über das ganze Gebiet der Polis verstreut und befinden sich sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Jedoch sind Heiligtümer, die auf der Akropolis errichtet wurden und sich in der Mitte der Stadt Athen befinden, eine Ausnahme. Dessen ungeachtet möchte ich nur bemerken, dass sich das Athena Nike Heiligtum natürlich nicht in der Mitte Athens befindet. Die städtischen Heiligtümer waren weit entfernt davon, dass Stadtbild zu beherrschen, sie gingen im Gewirr von Bauten und Wegen unter.[4]

Bei Bruit Zaidmann und Schmitt Pantel ist zu lesen, dass die Entstehung bestimmter Heiligtümer auch an die Entfaltung der Polis gebunden war. Eine der bekanntesten Poleis ist Athen mit der Akropolis. Die Akropolis stellt den Kultbezirk der poliadischen Gottheit Athena dar. Auf ihr liegt das Athena Nike Heiligtum im Kultbezirk der Athena Polias, ist jedoch der Athena Nike, also der Athena als Siegesgöttin geweiht.

Dieses Heiligtum wird auch als Tempel der Nike Apteros[5] bezeichnet. Es ist aber eine strittige Frage, ob der ungeflügelte Niketypus überhaupt existiert hat. Kekulé beispielsweise lehnt diesen Typus ab, jedoch ist die Nike auf einigen Münzen und Vasen ungeflügelt dargestellt und durch eine Beischrift benannt.[6] Weiterhin erwähnt Pausanius den Athena Nike Tempel als Tempel der Nike Apteros.[7] Er erklärt weiter, dass der Nike die Flügel fehlten, damit sie nicht aus Athen wegfliegen könne.

Weiterhin befindet sich das Heiligtum südwestlich vor dem Südflügel der Propyläen.[8] Also steht es eigentlich ein wenig außerhalb von dem eigentlichen Bezirk der Akropolis. Der Niketempel stammt aus archaischer Zeit und man dachte zunächst, dass das Heiligtum 566 v.Chr. im Zuge der Panathenäenerweiterung gegründet wurde, worauf die Inschrift ja hinweisen würde, dass das Heiligtum aber wohl schon älter ist, darauf verweisen die Stempelidole[9].[10] In spätklassischer Zeit wurde ein Neubau geplant und dabei das Heiligtum mit einem kleinen ionischen Tempel ausgestattet, welcher absolut konträr zu Parthenon und Propyläen ist. Dieser Tempel besticht durch ganz andere Elemente als Parthenon und Propyläen, nämlich durch seine Feingliedrigkeit und den reichen Bildschmuck statt durch Größe und dorische Elemente.

Somit könnte darauf geschlossen werden, dass das Athena Nike Heiligtum gleich auf zwei Weisen eine politische Aussage darstellt: Kann man zum einen dem Bau an sich und dem Standort des Heiligtums eine politische Bedeutung zusprechen? Machen zum anderen die Friesgruppen das Heiligtum zu einem politischen Monument?

2. Das Athena Nike Heiligtum der Akropolis als politisches Monument

2.1. Der Bau und der Standort des Heiligtums – eine politische Aussage?

Der bekannte Baumeister Kallikrates war der Architekt des Niketempels. Dass dies von der Forschung größtenteils akzeptiert wurde, darauf verweist Wesenberg und beruft sich dabei unter anderem auf Dinsmoor, Carpenter und Travlos.[11] Aufzeichnungen bestätigen, dass es einen Volkbeschlusses über die Einrichtung eines Kultes für Athena Nike gab.[12] Hipponikus hat 449 v. Chr. nach den Plänen des Kallikrates den Bau des Tempels in dieser Volksversammlung beantragt und den Baubeschluss durchgesetzt. Perikles, politischer Gegner von Hipponikus, war gegen dessen Pläne und konnte diese für lange Zeit verhindern. Doch einige Jahre nach dem Tode des Perikles hatten seine politischen Gegenspieler den Niketempel nach den alten Plänen des Kallikrates erbauen können. Durch den Einfall der Perser von 480 v. Chr. wurden einige Bauten auf der Akropolis zerstört und diese ließ man anfangs größtenteils unverändert liegen. Teile von vernichteten Gebäuden wurden dann für diverse andere Bauten genutzt. Unter anderem entstand im Heiligtum der Athena Nike aus fein bearbeiteten Porosblöcken ein Naiskos[13], welcher sich aufgrund von Inschriften als eine private Stiftung interpretieren lässt. Die Porosblöcke waren ohne Brandspuren, woraus zu schließen ist, dass sie nachpersischer Zeit entstammen.[14] Die Propyläen wurden auf Rücksicht auf das Nikeheiligtum verkürzt, genauer gesagt wurde der spiegelbildlich zur Nordseite geplante Flügel zu einer Säulenfassade gekürzt, damit man durch diese das Athena Nike Heiligtum mit einem kleinen, reichgeschmückten ionischen Tempel betreten konnte.[15] Der Nike-Kult lag in hochklassischer Zeit in den Händen des Staates und erhielt eine Priesterin[16], dies beweist auch eine weitere Inschrift eines Volksbeschlusses, welcher die Bezahlung der Athena-Nike-Priesterin zeigt.[17]

Doch Wesenbergs Meinung zur Baugeschichte ist sehr konträr. So schreibt er, dass vor 437/36 das Amt einer Priesterin geschaffen wurde und die 50 Drachmen an Gehalt sehr wenig waren um somit Rückschlüsse auf die Wichtigkeit des Heiligtums erlauben. Weiterhin vergab man in dieser Zeit den kurzfristigen Auftrag an Kallikrates, dass er das Heiligtum mit einer oder mehreren Türen versehen soll. Währenddessen hatte man das Vorhaben einen marmornen Tempel mit Altar zu bauen als Ersatz für den alten Naiskos und Altar. In diesen Jahren ereignete sich auch die Einsetzung einer Baukommission und Kallikrates wird mit der Planung des Tempels beauftragt. Bis 433/32 v. Chr. erfolgte des Bau der Propyläen und gleichzeitig die Errichtung des, noch ohne Pfeiler geplanten, Niketempels. 432 sei es dann nach Wesenberg zu einem Baustopp durch den bevorstehenden Ausbruch des Peloponnesischen Krieges gekommen. Nicht vor 425/24 soll die Wiederaufnahme der Arbeiten am Niketempel stattgefunden haben und erst 424/23 kam es zur Einsetzung der Priesterin. Ob der Tempel bis dato auch fertiggestellt war, stellt Wesenberg in Frage.[18] Bei Schneider und Höcker heißt es, dass 432, also vor dem Ausbruch des Peloponnesischen Krieges, der Bau der Propyläen schon abgeschlossen war.[19] Sie gehen jedoch davon aus, dass der Tempel wohl zwischen 427/26 und 418 v. Chr. entstanden ist.[20]

Wesenberg schreibt weiterhin, dass der aus den politischen und religiösen Auseinandersetzungen erwachsene Parteienstreit um den Bau des Athena Nike Heiligtums nur dann sinnvoll ist, wenn man annimmt, dass eine frühzeitige Aufhebung des Tempelprojektes zugunsten des Baues der mnesikleischen Propyläen stattfand. Dazu notiert er ebenso, dass Plutarch in seiner Aufzählung der Perikleouς erga den Niketempel nicht nennt und dies demnach nicht ausreicht, um ihn zu einem Plan der oligarchischen Opposition zu machen. Obendrein verzeichnet er, dass es viel näher liegt, dass der Bau des Tempels mit der perikleischen Planung eng in Verbindung steht, da der Architekt ebenfalls durch maßgebliche Arbeit am Parthenon beteiligt war.[21] Denn der Parthenon, welcher zwar wie der prächtigste Tempel aussah, wurde doch nicht als solcher, sondern als politisches Gebäude genutzt.[22] Das heißt Wesenberg ist der Meinung, dass der Bau und der Standort des Niketempels aus ihm ein politisches Monument machen, da ein und derselbe Architekt nicht seine Intentionen ändert und schließlich für dieselben Radikaldemokraten arbeitet, welche auch schon den profanen Bau der Propyläen vollzogen haben. Dem Argument Wesenbergs kann ich nicht zustimmen. Die Information mit dem Architekten muss man zwar hinterfragen und es ist gut darauf zu verweisen, dass der Baumeister politische Hintergedanken hatte, wie beim Parthenon und auch den Propyläen. Allerdings bedeutet das nicht, dass er nicht flexibel und wandlungsfähig war. Formal passt der Parthenon nämlich überhaupt nicht zum Tempel der Athena Nike. Aus diesem Grunde kann man meines Erachtens nicht von dem einen auf das andere schließen.

[...]


[1] Bruit Zaidmann, Louise; Schmitt Pantel, Pauline: Die Religion der Griechen. München: Beck 1994. S. 55.

[2] asylon = niemand darf innerhalb der Umgrenzung des Heiligtums andere Person angreifen

[3] Ebd. S. 55-56.

[4] Ebd. S. 56.

[5] Der Tempel wird ebenfalls als Tempel des Flügellosen Sieges bezeichnet.

[6] Alexandra Gulaki: Klassische und klassizistische Nikedarstellungen. Untersuchungen zur Typologie und zum Bedeutungswandel. (Diss. Bonn 1981), Bonn 1981. S. 133.

[7] Ebd.

[8] Siehe Anhang 1

[9] kleine weibliche Statuenfiguren

[10] Scholl, Andreas: Die Akropolisvotive aus geometrischer und archaischer Zeit. JdI 121. 2006. S. 15 – 30.

[11] Wesenberg, B.: Zur Baugeschichte des Niketempels. Jahrbuch des deutschen archäologischen Instituts Berlin (JdI) 96. 1981. S. 29.

Siehe auch: Cancik, Hubert/Schneider, Helmut (Hg.): Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart (u.a.): 1996 -2003. Band 2. S.170.

[12] Ed..: IG I3 1 (1981) 35/Ü.: HGIÜ I 75.

[13] kleiner Tempel in klassischer Bauordnung mit Säulen oder Pfeilern und einem dreieckigen Dachgiebel

[14] Cancik, Hubert/Schneider, Helmut (Hg.): Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart (u.a.): 1996 -2003. Band 2. S.170.

[15] Ebd. S.169.

[16] Ebd. S. 170.

[17] Ed..: IG I3 1 (1981) 36/Ü.: HGIÜ I 120.

[18] Wesenberg, B.: Zur Baugeschichte des Niketempels. Jahrbuch des deutschen archäologischen Instituts Berlin (JdI) 96. 1981. S. 52-53.

[19] Schneider, Lambert; Höcker, Christoph: Die Akropolis von Athen. Eine Kunst und Kulturgeschichte. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2001. S.166.

[20] Ebd. S. 169.

[21] Wesenberg, B.: Zur Baugeschichte des Niketempels. Jahrbuch des deutschen archäologischen Instituts Berlin (JdI) 96. 1981. S. 53-54.

[22] Schneider, Lambert; Höcker, Christoph: Die Akropolis von Athen. Eine Kunst und Kulturgeschichte. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2001. S.165.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640287635
ISBN (Buch)
9783640871629
Dateigröße
5.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123137
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Lehrstuhl für Alte Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Athena-Nike Heiligtum Monument Politischen Religiösen Polis

Autor

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