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„Fit durch die Nacht.de“ - Entwicklung und Erstellung einer Website über gesunde Ernährung im Nachtdienst

Als Pilotprojekt in einer ausgewählten Klinikfachabteilung

Projektarbeit 2009 51 Seiten

Pflegewissenschaft, Ernährung, Sport, Gesundheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Definition Nachtarbeit und deren Gründe
2.2 Physiologische Grundlagen bei Nachtarbeitern
2.3 Pathologische Folgen der Nachtarbeit

3 Entwicklung der Fragestellung

4 Thema und Zielsetzung des Projektes

5 Gesundheitspolitische Relevanz des Projektes

6 Stand der Forschung und Entwicklung in der Praxis
6.1 Essgewohnheiten von Nachtarbeitern
6.2 Mögliche Folgen der unangepassten Ernährung im Nachtdienst
6.3 Studien mit Lösungsansätzen

7 Einschätzung der Realisierbarkeit und Strategien zur Akzeptanzsicherung
7.1 Umsetzbarkeit in die Praxis
7.2 Umsetzungsprobleme
7.3 Strategien zur Akzeptanzsicherung
7.4 Einbindung in bestehende Strukturen

8 Durchführung
8.1 Vorbereitungsphase
8.2 Planungsphase
8.3 Durchführungsphase
8.4 Abschlussphase

9 Finanzund Zeitplanung
9.1 Finanzplanung
9.2 Zeitplanung

10 Evaluation

11 Erwartbare Ergebnisse

12 Übertragbarkeit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

A Anhang: Informationen

B Anhang: Inhalte der Website
B.1 Einleitung
B.2 Buttons auf der Navigationsleiste
B.2.1 Wissenswertes
B.2.2 Empfehlungen zur Ernährung
B.2.3 Mahlzeiten richtig verteilen
B.2.4 Weitere Fitmacher
B.2.5 Rezeptideen
B.2.6 Quiz
B.2.7 Forum

1 Einleitung

In Deutschland arbeiten 9,2 % aller Arbeitnehmer regelmäßig oder ständig in der Nacht [Seifert 2005]. Also zu einer Tageszeit, die dem Biorhythmus zuwider läuft. Denn fast alle Körperfunktionen unterliegen einem tagesperiodischen Wechsel. Diese sind so gesteuert, dass sie zwischen einer Leistungsbereitschaft am Tage (ergotrope Phase) und der Erholungsbereitschaft in der Nacht (trophotrope Phase) wechseln. Damit stellt das Arbeiten gegen die „Innere Uhr“ (Body Clock) eine zusätzliche Belastung zur Arbeitstätigkeit dar, auf die mit zusätzlicher Anstrengung reagiert werden muss. Diese Desynchronisation der Zeitstruktur birgt nach einhelliger Auffassung der arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Forschung erhebliche gesundheitliche Risiken [Priester 1994].

So gelten unter anderem Kreislaufstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen als nachgewiesene gesundheitliche Folgen der ungünstigen Arbeitszeitbedingungen. Deren Ursache liegt jedoch auch an für den Körper ungünstigen Essenzeiten und Essgewohnheiten. So verzichten Schichtarbeiter häufig auf das Mittagessen, essen nachts häufig schwer verdauliche Kost und trinken große Mengen anregender Getränke. Fehlernährung und Übergewicht können die Folge sein [Beermann 2008]. Die Regeln einer gesunden Ernährung im Nachtdienst sind kaum bekannt. Eine bedarfsgerechte Ernährung spielt daher eine erhebliche Rolle für die Erhaltung der Gesundheit und eine optimale Leistungsfähigkeit der Schichtdienstleistenden.

In der vorliegenden Arbeit wird anhand von Forschungsergebnissen (vgl. Kapitel 6) herausgestellt, wie ein auf die spezifische Situation des Schichtarbeiters zugeschnittener Ernährungsplan zu einer Risikominderung beitragen kann. In Kapitel 8 wird beschrieben, wie diese Ergebnisse mit entsprechenden Lösungsvorschlägen dem betroffenden Personenkreis vermittelt werden können.

Zunächst wird in Kapitel 2 auf die medizinischen Grundlagen und Definitionen von Nachtarbeit eingegangen.

2 Grundlagen

2.1 Definition Nachtarbeit und deren Gründe

Das Arbeitszeitgesetz (§6) definiert die Nacht als die Zeit zwischen 23:00 Uhr und 6:00 Uhr. Nachtarbeitnehmer im Sinne des Gesetzes sind Arbeitnehmer, die mindestens zwei Stunden in der Nacht arbeiten. Die Gründe für Nachtarbeit sind vielfältig:

1. Technische Gründe (z. B. um Produktionsprozesse nicht zu unterbrechen)
2. Soziale Gründe (Versorgung der Bevölkerung rund um die Uhr muss gewährleistet sein: z. B. Krankenhäuser, Elektrizitätswerke, Verkehrsmittel und andere Dienstleistungsbereiche)
3. Wirtschaftliche Gründe (z. B. Ausnutzung von Maschinen und Anlagen)

Mit der Globalisierung des Arbeitsmarktes und der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitszeiten greifen immer mehr Betriebe auf atypische Arbeitszeitformen zurück. Somit hält der Trend zur Wechselschicht und damit auch zur Nachtarbeit ungebrochen an (vgl. Abbildung 1). Besonders betroffen sind ArbeitnehmerInnen im Sozial-, Sicherheitsund Dienstleistungsbereich sowie in der Produktion und in den Versorgungsbetrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schicht-, Nacht-, und Wochenendarbeit der abhängig Beschäftigten 1991 und 2004 in Prozent (nach [Seifert 2005]).

Dies kann beispielsweise betriebswirtschaftliche Vorteile haben, wirkt sich jedoch auch negativ auf die Gesundheit und die Teilhabe am familiären Leben aus. Denn der Mensch ist grundsätzlich tagaktiv und somit am Tag leistungsfähig und in der Nacht auf Erholung und Regeneration eingestellt. Eine Reihe von Körperfunktionen erreicht nachts ihr Minimum. Dazu gehören unter anderen die Verdauung und der Stoffwechsel (vgl. Abbildung 3). Aus diesem Grund stellt die Ernährung während des Nachtdienstes ein besonderes Problem dar.

2.2 Physiologische Grundlagen bei Nachtarbeitern

Ausgangspunkt aller Abhandlungen die sich mit der beruflichen Beanspruchung durch Nachtarbeit auseinandersetzen sind die Erkenntnisse über die circadiane Rhythmik. Diese bestimmt die menschliche Leistungsfähigkeit und erstreckt sich über einen Zyklus von ca. 25 Stunden [Aschoff 1998]. Doch sie bestimmt bei weitem nicht nur die Schlafund Wachbereitschaft, sondern steuert auch Körpertemperatur, Stoffwechselvorgänge, Hormonspiegel, Muskeltonus, Zahl der Leukozyten, Puls & Blutdruck, Vegetatives Nervensystem, Reaktionszeit, Stimmungslage und Aufmerksamkeit (vgl. Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Durchschnittliche tägliche physiologische Leistungsbereitschaft in Prozent. Im Nachtdienst liegt die Leistungsfähigkeit des Menschen unter 40 % des täglichen Durchschnitts (nach [Korczak 2002]).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: In der Nacht ruht sich der Körper aus und senkt alle seine Körperfunktionen auf ein Minimum herab (nach [Münstermann und Preiser 1978]).

Diese physiologischen Prozesse unterteilen sich in eine Phase die den Menschen in Leistungsbereitschaft versetzt und in eine Phase, die der Regeneration der verausgabten Leistung dient. Nachtarbeiter sind jedoch mehr oder weniger dazu gezwungen, asynchron zu ihrer Leistungsund Regenerationsbereitschaft zu leben (siehe Abbildung 2).

Dabei gilt es grundsätzlich festzuhalten, dass eine physiologische Anpassung des Menschen an die Nachtarbeit nicht erfolgt. Eine Umkehrung des Biorhythmus bei festliegender sozialer Umgebung ist nicht möglich [Hahn 1992].

2.3 Pathologische Folgen der Nachtarbeit

Im Zusammenhang mit der oben beschriebenen Desynchronisation äußern Nachtarbeitnehmer häufig folgende Beschwerden [Beermann 2008]:

- Schlafstörungen; Schlafdefizit/chronische Müdigkeit „chronique fatigue“,
- gastrointestinale Beschwerden,
- kardiovaskuläre Störungen,
- vermindertes Wohlbehagen (reduced wellbeing).

Doch neben Magen-Darmbeschwerden (vgl. Abbildung 4) können durch die Zeitverschiebungen bei der Einnahme von Mahlzeiten Appetitstörungen entstehen [Streich 1986]. Diese können ursächlich mit der verminderten Verdauungstätigkeit und unter Umständen unzureichenden Verpflegungsmöglichkeiten während der Nachtschicht in Verbindung gebracht werden. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Auswirkung von unterschiedlichen Schichtsystemen auf die Gesundheit am Beispiel von Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (nach [Elsner u. a. 1993]).

Hinweise auf eine positive Korrelation von Nachtarbeit und Krebserkrankungen. Wesentliche Bedeutung wird dabei insbesondere den bei Nachtund Schichtarbeit veränderten Melatoninspiegeln beigemessen. So führt die Störung der physiologischen circadianen Rhythmik unter anderem zu einer eingeschränkten Melatoninproduktion und folglich erniedrigten Spiegeln. Daher führt die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Nachtund Schichtarbeit seit Dezember 2007 in der offiziellen Liste wahrscheinlich krebserregender Agenzien („probably carcinogenic to humans“) [IARC 2008].

3 Entwicklung der Fragestellung

Da das Wissen über eine angepasste Ernährung im Nachtdienst noch nicht weit verbreitet ist, führen die steigenden Nachtdienstmitarbeiterzahlen gezwungenerma- ßen auch zu einem Anstieg der mit dem Nachtdienst verbundenen möglichen Erkrankungen. Dies wiederum hat nicht nur persönliche Folgen für den Mitarbeiter (insbesondere Gesundheitseinschränkungen) sondern führt auch dazu, dass für die Krankenkassen und Arbeitgeber (durch krankheitsbedingte Ausfälle) erhöhte Kosten entstehen. Aus diesem Grund ist ein Handeln hier dringend erforderlich.

Angesichts der ungünstigen Ernährungssituation von Nachtdienstleistenden werfen sich in diesem Kontext verschiedene Fragen auf, welche in der folgenden Tabelle dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: In Bezug auf die im vorherigen Kapitel erwähnten Grundlagen werden Fragen entwickelt, die im Zuge dieses Projekts gelöst werden sollen.

Es stellt sich also die Frage, inwieweit die Belastungen des Nachtdienstes durch angepasste Ernährung ausgeglichen werden kann.

Für die Wissensvermittlung gilt es hierbei ein Medium zu suchen welches möglichst viele Menschen nutzen können und welches auch jederzeit möglichst kostengünstig bereit steht.

4 Thema und Zielsetzung des Projektes

Entwicklung und Erstellung einer Internetseite (Website) über gesunde Ernährung im Nachtdienst mit dem:

Hauptziel:

Gesündere Ernährungsweise im Nachtdienst und damit Verhinderung/Verringerung der genannten Erkrankungen/Beschwerden, wie beispielsweise Magenbeschwerden und Schlafstörungen.

Kurzfristige Ziele:

- Vermittlung von Wissen über eine gesündere Ernährungsweise im Nachtdienst,
- durch das vermittelte Wissen Verhaltensänderungen bei den Ernährungsund Essgewohnheiten einleiten,
- eventuell Verringerung von Müdigkeit und daraus resultierender Unfallgefahr.

Mittelbzw. Längerfristige Ziele sind:

- Verringerung der problematischen Beschwerden wie Müdigkeit, damit auch Verringerung der Unfallgefahren,
- Verringerung/Vermeidung von Erkrankungen,
- günstigere/angepasste Ernährungsund Essgewohnheiten,
- gesündere Mitarbeiter, die somit dem Arbeitgeber möglichst lange zur Verfü- gung stehen und das Gesundheitssystem möglichst wenig belasten.

Die kurzfristigen Ziele sind durch eine klar und einfach strukturierte, informative Website, die für jeden Mitarbeiter jederzeit bereit steht, realisierbar und in der Evaluationsphase mittels Fragebogen überprüfbar. Sollten beispielsweise Nachtdienstmitarbeiter nach der Durchführungsphase bei der Evaluation über eine Verringerung der Müdigkeit berichten, so kann davon ausgegangen werden, dass dies mit dem nun verfügbaren Wissen über eine gesündere Ernährungsweise im Nachtdienst in Verbindung gebracht werden kann.

Damit einhergehend resultiert eine Verringerung der Unfallgefahr.

Die Erreichbarkeit der Mittelbzw. Längerfristigen Ziele ist hingegen im Wesentlichen davon abhängig ob die Website auch über einen längeren Zeitraum genutzt und damit das erworbene Wissen auch längerfristig angewandt wird. Um dies zu gewährleisten wird die Seite einen interaktiven Part (Forum, z. B. zum Rezeptaustausch) erhalten, sowie einen Teil der dem Anwender auch Spaß bietet (beispielsweise kleine Spiele, Quiz). Es soll erreicht werden, dass die Seite gern besucht wird. Zur Überprü- fung wird mittels eines eingebundenen Counters eine Statistik über die Häufigkeit der Nutzung erstellt. Des Weiteren wird durch einen eingebundenen Fragebogen ermittelt, welche eventuellen Veränderungen vom Nutzer gewünscht sind bzw. welche neuen Inhalte gewünscht/erwartet werden.

Verringerung und Vermeidung von Erkrankungen sind im Zuge dieses Projektes Ziele mit hoher Priorität, jedoch werden diese Ziele innerhalb des anvisierten Projektzeitraums noch nicht vollständig erreicht werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass mit der richtigen Ernährungsweise gastrointestinale Beschwerden verringert werden. Auch dies wird in der Evaluationsphase mit der genannten Technik überprüft. Doch welche zukünftigen Erkrankungen evtl. vermieden werden, ist innerhalb des Projektzeitraums nicht evaluierbar. Für Arbeitgeber sind gesündere Mitarbeiter von hoher Bedeutung. Für ihn ist der entscheidende Punkt, dass das Projekt eine Verringerung von krankheitsbedingten Ausfällen zur Folge haben kann.

5 Gesundheitspolitische Relevanz des Projektes

Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit werden ein Drittel aller Kosten im Gesundheitswesen durch Krankheiten verursacht, deren Entstehung und Entwicklung direkt oder indirekt durch Ernährungsfaktoren mit beeinflusst werden [Kohlmeier u. a. 1993].

Adipositas, Diabetes und Krebs sind die zurzeit wichtigsten Erkrankungen, an deren Entstehung ernährungsbedingte Faktoren beteiligt sein können. Ob und inwieweit sich derartige Erkrankungen durch verbesserte Ernährung verhindern, in ihrem Verlauf aufhalten oder gar rückgängig machen lassen, ist somit von erheblichem gesundheitspolitischen Interesse.

Im Besonderen wird hier nur auf aktuelle Entwicklungen eingegangen.

So wurde beispielsweise im Juni dieses Jahres unter Federführung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und dem Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Horst Seehofer der Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten beschlossen. Damit sollen bis zum Jahr 2020 im Kampf gegen Bewegungsmangel und Übergewicht sichtbare Ergebnisse erreicht werden.

So werden unter dem Titel „IN FORM Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ von den beiden Ministerien in den kommenden drei Jahren 15 Millionen Euro bereitgestellt um u. a. :

- Die Bedeutung einer gesunden Ernährung und ausreichender Bewegung für die eigene Gesundheit zu vermitteln und Menschen mit Freude und Genuss zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren,
- Empfehlungen zum Ernährungsund Bewegungsverhalten zur Verfügung zu stellen, die die Zielgruppen ansprechen und gut im Alltag umgesetzt werden können,
- Strukturen zur Erleichterung eines gesunden Lebensstils mit ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung in Eigenverantwortung zu schaffen bzw. zu verbessern,
- Akteure und Maßnahmen zu vernetzen, die zu einem erweiterten, aufeinander abgestimmten Angebot beitragen und
- gute und bewährte Projekte bekannt zu machen, um dadurch die Verbreitung und Nachhaltigkeit zu fördern.

Für das Bundesgesundheitsministerium war das Thema Ernährung im Nachtdienst so relevant, dass es 1996 ein Forschungsvorhaben mit dem Titel „Ernährungszustand von Nachtdienstarbeitern“ in Auftrag gab. Das Resultat erschien 2002 als Sonderschrift der Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beschäftigt sich mit diesem Thema. So wird mit der im Januar 2008 bekannt gemachten Initiative „Biomedizinische Ernährungsforschung“ versucht, durch umsetzungsorientierte Projekte gewonnene Erkenntnisse zeitnah anzuwenden, insbesondere für die Prävention ernährungsrelevanter Krankheiten und unter Berücksichtigung definierter Ernährungsgruppen.

In der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (im englischen Original: Ottawa Charter for Health Promotion) der WHO von 1986 ist in der „Gemeinsamen Verpflichtung zur Gesundheitsförderung“ u. a. folgendes festgehalten:

...allen Bestrebungen entgegenzuwirken, die auf die Herstellung gesundheitsgefährdender Produkte, die Erschöpfung von Ressourcen, auf ungesunde Umweltund Lebensbedingungen oder auf eine ungesunde Ernährung gerichtet sind; und die Lösung öffentlicher Gesundheitsprobleme wie der Luftverschmutzung, Gefährdungen am Arbeitsplatz sowie Raumund Siedlungsplanung in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu rücken...

An anderer Stelle der Charta wurde auf den Begriff der Gesundheitsförderung eingegangen:

Gesundheitsför derung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein hö- heres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen

Diese Strategie sollte unter Verwendung von Advocacy (Interessenvertretung), Empowerment (Befähigung) und Networking (Vernetzung) in den Handlungsbereichen Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik, Schaffung gesundheitsfördernder Lebenswelten, Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen, Entwicklung individueller Kompetenz und Reorientierung von Gesundheitsdiensten umgesetzt werden [WHO 1986].

Bedenklich war auch ein in der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienener Artikel (siehe Anhang Informationen Nr. 3). Danach gibt es unter Nachtarbeit bei den Betroffenen nicht nur vermehrt Herzund Hirninfarkte, sondern es nehmen auch Tumore zu [IARC 2007]. Daraufhin hat auch die WHO Nachtarbeit auf die Liste der wahrscheinlich Krebs erzeugenden Ursachen gesetzt.

Trotz aller Warnhinweise und Empfehlungen zu ihrer Beschränkung von Seiten der Gewerkschaften oder Europäischen Union nehmen Nachtund Schichtarbeit seit Mitte der 1990er Jahre immer mehr zu. In 80 % der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten wird mit Schichtsystemen gearbeitet. Oft sind Arbeitnehmer auf Grund der besseren Bezahlung auf diese gesundheitsschädliche Arbeit angewiesen [Hans-Böckler-Stiftung 2008].

6 Stand der Forschung und Entwicklung in der Praxis

Zum Thema Schichtarbeit und Gesundheit wurden in den letzten Jahren eine Reihe umfangreicher Forschungsarbeiten veröffentlicht ([Korczak 2002], [Streich 1986], [Kuckuck und Mayer 1989]). Auf einige wird im Folgenden eingegangen. Im Konsens sind sich die Forschungsgruppen einig, dass Schichtarbeit sowohl Auswirkungen biologischer Art (z.B. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magen-, Darm-, Herz-, Kreislaufbeschwerden) als auch Auswirkungen auf Leistungsvermögen der betroffenen Arbeitnehmer und die Unfallhäufigkeit im Betrieb haben kann. Auch Auswirkungen auf das soziale Leben, wie z.B. Störung des Familienlebens, Beeinträchtigung des Freizeitverhaltens und der Beteiligung am öffentlichen Leben, konnten nachgewiesen werden. Eine Darstellung der Zusammenhänge wird in Abbildung 5 gegeben.

Der Thematik dieser wissenschaftlichen Arbeit geschuldet, wird ausschließlich auf die relevante Problematik eingegangen.

6.1 Essgewohnheiten von Nachtarbeitern

Die Schichtarbeit gerät mit den natürlichen Essenszeiten häufig in Konflikt. Die Mahlzeiten sind jedoch ein wichtiger sozioökologischer Synchronisierungsfaktor des menschlichen Lebens, und somit können Störungen dieser Zeiten sich ungünstig auf die Verdauung und die seelische und körperliche Verfassung auswirken, denn auf Grund des Beginns und des Endes der Arbeitszeiten muss eine Hauptmahlzeit entweder zu Hause früher oder später als normal oder bei der Arbeit, wo das Essen (oft kalt) häufig in Eile und/oder in unbehaglichen Räumen während einer kurzen Arbeitspause verzehrt wird, eingenommen werden.

Während Nachtschichten, wenn oft keine Kantinen verfügbar sind, haben Schichtarbeiter möglicherweise keine andere Wahl, als abgepacktes Essen zu sich zu nehmen, und sie neigen dazu, verstärkt anregende Getränke (z. B. Kaffee, Schwarzen Tee) zu trinken sowie mehr zu rauchen.

So berichtet Léonard, er habe in einer Erhebung festgestellt, dass 25 % der Nachtarbeiter das Mittagessen auslassen, wahrscheinlich, um eine Unterbrechung ihres Schlafes zu vermeiden. 16 % der Arbeiter trinken nachts mehr Kaffee, während 13 % mehr rauchen. 64 % der in drei Schichten eingesetzten Arbeiter rauchen verglichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Modellvorstellung über die Mechanismen der Beeinflussung des menschlichen Organismus durch Schichtarbeit (nach [Seibt u. a. 2006]).

mit 44 %, die zu üblichen Bürozeiten arbeiten [BEST 2000]. Unternehmen bieten nachts nur selten warme Mahlzeiten an. Stärke und langsam verbrennende Kohlenhydrate werden unzureichend konsumiert (beispielsweise Teigwaren und Reis). Oft enthalten die Mahlzeiten Mayonnaise und Gebäck, was das Ernährungsgleichgewicht stört und ein Gefühl der Trägheit und Müdigkeit hervorrufen kann. Obst, Obstsalat oder Salate sollten verfügbar sein. Allerdings bieten die meisten Unternehmen ungeachtet des Nährwerts das an, was von den meisten Menschen gegessen wird, weil die Mitarbeiterverpflegung in erster Linie aus dem ökonomischen Blickwinkel betrachtet wird. Langfristig gesehen sollte die Ernährung jedoch als Bestandteil der Mitarbeiterzufriedenheit und -gesundheit gesehen werden, um krankheitsbedingte Ausfälle zu mindern.

[...]

Details

Seiten
51
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640277162
ISBN (Buch)
9783640277834
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v123078
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,3
Schlagworte
Nacht Entwicklung Erstellung Website Ernährung Nachtdienst

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