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Clemens Brentano und seine „Rheinmärchen“

Ausarbeitung des Themas für die Magisterklausur

Wissenschaftlicher Aufsatz 2008 27 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Rheinmärchen“: Inhaltsangabe

3. Zur Begriffsbestimmung: Märchen

4. Brentanos Rheinmärchen: Kunst- oder Volksmärchen?

5. Entstehungsgeschichte und Quellen

6. Die sprachliche Gestaltung der Rheinmärchen

7. Zu der Motivwahl in den Rheinmärchen

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den zur Zeit der Rheinromantik von Clemens Brentano verfassten Rheinmärchen. Die Rheinmärchen waren wie die Italienischen Märchen als zyklische Werke geplant. Bei denen handelt es sich um vier motivisch miteinander verbundene Texte bzw. um eine anspruchsvolle Gesamtkonstruktion, die inhaltlich als Einheit zu betrachten sind, jedoch unterscheiden sich die einzelnen Märchen in der Wahl der Quellen. Es wurden in ihnen klassische Mythen, Sagen vom Rhein und eigene Erfindungen vermischt. Zunächst wird der Inhalt und die innere Gliederung der Rheinmärchen kurz vorgestellt. Dabei werden auch die Hauptpersonen und deren Rolle in den Einzelmärchen beschrieben. Daran anschließend wird die literarische Gattung „Märchen“ und der Platz der Rheinmärchen innerhalb dieser Gattung behandelt. Nachdem die sprachliche Gestaltung der Texte und Stileigentümlichkeiten Brentanos ausführlich zur Diskussion gestellt werden, folgt abschließend eine breite Erläuterung der von Brentano verwendeten Motive.

2. Die „Rheinmärchen“: Inhaltsangabe

Die Rheinmärchen sind ein Märchenkomplex, der aus mehreren in bestimmter Reihenfolge erzählten Geschichten besteht. Die Rheinmärchen bestehen aus vier Einzelmärchen, die aber thematisch zusammenhängen. „Das Märchen von dem Rhein und dem Müller Radlauf“ bildet den Rahmen der ganzen Geschichte.

Der Müller, der einsam und friedlich lebt, rettet eines Tages die Königstochter Ameleya aus dem Rhein. Dem Versprechen ihres Vaters zufolge müsste Radlauf die Hand der Prinzessin bekommen. Der böse König hält aber sein Wort nicht und schickt den Retter seiner Tochter in Verbannung. Nach seiner Befreiung unternimmt Radlauf eine Reise in den Schwarzwald, wo er mehr über seine Vorfahren erfährt. Der König Hatto flieht in den Bingenturm, wo er schließlich von Mäusen aufgefressen wird.

In dieser Zeit sind die schöne Prinzessin Ameleya und die Kinder der Stadt Mainz in die Gewalt des Rheinkönigs geraten. Die Motivierung für das weitere Erzählen von Geschichten liegt also im Verhalten des Vaters Rhein. Er wird die Mainzer Kinder und die schöne Prinzessin Ameleya aus seinem Wasserschloss nur gegen erzählte Märchen zurückgeben. Die Erlösung erfolgt also nur durch das Erzählen von Märchen.

Es beginnt mit dem „Märchen von dem Hause Starenberg“. Es handelt sich davon, wie Radlauf in den Schwarzwald reist und seine Familiengeschichte zurückverfolgt, Generation nach Generation.

Das Starenberg Märchen klärt alle Zusammenhänge, die bisher unklar und geheimnisvoll geblieben sind. Der Müller Radlauf ist nach seiner Rückkehr zum König ausgerufen worden. Er erzählt als erster die Geschichte seiner Vorfahren und die Abenteuer seiner Reise. Dafür erhält er seine Geliebte Ameleya vom Vater Rhein zurück. Somit endet das Märchen von dem Hause Starenberg.

Mit dem Ende des Märchens von dem Hause Starenberg wird auch die Rahmenerzählung abgeschlossen. Es folgen zwei weitere Märchen, die von Mainzer Einwohnern für ihre Kinder erzählt werden. Mit den Geschichten vom Murmeltier und vom Schneider Siebentot lösen die Fischerin Marzibille und Meister Meckerling auch ihre Kinder aus.

3. Zur Begriffsbestimmung: Märchen

Märchen ist eine phantastische, meist kurze Prosaerzählung, die der Gattung der Epik zugeordnet wird. Die bekannteste Märchensammlung ist die der Brüder Grimm. Da es sich im Laufe der Zeit verändert hat, wird es heute nach der Art seiner Überlieferung oder Handlung in zwei Kategorien eingeteilt - nämlich die Kunstmärchen und die Volksmärchen.

Das reine Volksmärchen stellt die traditionelle Form eines Märchens dar. Darunter versteht man eine kürzere Prosaerzählung von phantastisch-wunderbaren Geschehnissen ohne zeitliche und räumliche Festlegung. Hierfür sind die folgenden Formulierungen typisch: ,,es war einmal..." oder ,,wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Da sie aus verbaler Erzähltradition entstanden sind, haben sie im Gegensatz zu den Kunstmärchen keinen Verfasser und deswegen existieren sie in zahlreichen unterschiedlichen Erzählversionen(Vgl. Schmitt 2003). Die Volksmärchen sind leicht verständlich und zeichnen sich durch eine einfache Handlungsstruktur und durch einen bildhaft anschaulichen Stil.

Damit die Helden etwas Außergewöhnliches erleben, müssen sie sich von zu Hause entfernen. Nur durch Wanderschaft, also unterwegs und allein, begegnen sie die Abenteuer. Die Volksmärchen verfolgen bestimmte Handlungsschema: jemand muss bestimmte Aufgaben lösen und erhält dafür einen Gewinn, der ihn für immer glücklich macht: ein Liebespartner, eine Königskrone, Reichtum. Solche Aufgaben sind: kostbare Gegenstände finden, Rätsel lösen, verwandelte Menschen erlösen (Vgl. Schmitt 2003). Hier kommen die guten übernatürlichen Mächte ins Spiel, die dem Helden helfen, indem sie ihm Zaubermittel geben, ohne die er sein Ziel nicht erreichen würde. Vorhanden sind auch immer die Bösen, die versuchen, sein Erfolg zu verhindern, indem sie ihm verschiedene Fallen stellen. Es handelt sich im Allgemeinen um Feen, sprechende Tiere, Zwerge, Riesen, Hexen, Drachen, Teufel. In den Volksmärchen sind die Grenzen zwischen Menschlichem und Übernatürlichem verschwommen. Das Wunder in den Märchen zeigt sich aber nicht nur durch die übernatürlichen Elemente, sonder auch durch die Tatsache, dass jeder Macht und Reichtum gewinnen kann, unabhängig von seiner Herkunft. Ein weiteres typisches Merkmal der Volksmärchen ist die Wiederherstellung der gestörten Weltordnung. Bei einem Volksmärchen ist das Ende immer gut. Das Böse wird bestraft und das Gute belohnt, wobei die Guten auch immer schön sind während die bösen immer hässlich(Vgl. Schmitt 2005). Dadurch sind die Volksmärchen auch der kindlichen Vorstellung zugänglich. Weiterhin sind die Dörfer, Städte, Berge, Flüsse und Wälder namenlos. Sogar die Helden haben meistens keine Eigennamen(ein König, ein Bauer, ein schönes Mädchen).

Bei den Volksmärchen handelt es sich um instrumentales und zyklisches Geschehen. Das instrumentale Geschehen kommt dadurch zum Ausdruck, dass alles, was in dem Märchen passiert, einem Zweck dient, die gestörte Weltordnung wieder herzustellen und somit einen Glückzustand zu erreichen(Vgl. Schmitt 2003). Das zyklische Geschehen dient einerseits zur Wiederherstellung der gestörten Ordnung, da es einen Kreis vom Anfangszustand über den Zwischenzustand zum Endzustand beschreibt. Andererseits macht es die Grenzen des einzelnen Märchens übergreifend, da in allen Volksmärchen die gleichen Motive in einer neuen Variante erkennbar sind. Ein weiteres typisches Merkmal ist die Zahlensymbolik – meist werden die Zahlen 3, 7, 12, 14 oder 100 verwendet. Das Volksmärchen wird typisiert nach Tiermärchen, Schreckmärchen, Formelmärchen, Schicksalsmärchen und dem Zauber- und Wunschmärchen.

Im Gegensatz zu den Volksmärchen wurden die Kunstmärchen(entstanden im 16. Jahrhundert) nicht mehr mündlich überliefert, sondern sind sie Schöpfung von Märchendichtern, die wohl die Erzähltechnik und die Motive des Volksmärchens übernehmen. Sie haben teilweise aber auch eine verschachtelte Form („Märchen im Märchen“), unterscheiden sich somit stark von den einfachen Volksmärchen. Somit zeichnen sich die Kunstmärchen durch ein instrumentales und zyklisches Erzählen. Im Orient begann es mit dem Tausendundeine Nacht, im Mitteleuropa mit Pentamerone. Zyklisches Erzählen bedeutet, dass relativ selbständige Einzelerzählungen in einem größeren Erzählzusammenhang eingefügt werden. Dieses Erzählen stellt also mehr als nur einen geschlossenen Kreis von Erzählungen dar, sondern auch noch einen geschlossenen Kreis von Personen, die einander die Erzählungen vortragen- es handelt sich also immer wieder um Erzähler und Zuhörer. Instrumentales Erzählen bedeutet hier, dass eine Geschichte innerhalb der Märchen erzählt wird, um dadurch einen bestimmten Zweck(z.B. ums Überleben oder um jemanden zu Erlösen) zu erreichen. Dabei befindet sich der Erzähler meistens in einer außergewöhnlich schwierigen Zwangslage, da er Geschichten erzählen muss, um Leben zu retten. Ein typisches Beispiel für zyklisches und instrumentales Erzählen ist das Märchen Tausendundeine Nacht.

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Details

Seiten
27
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640290406
ISBN (Buch)
9783640290628
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122982
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Schlagworte
Clemens Brentano

Autor

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Titel: Clemens Brentano und seine „Rheinmärchen“