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Einführung in das Forschungsgebiet der Fach- und Sondersprachen

Untersuchung zur Sprache der Staatssicherheit

Seminararbeit 2007 16 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung in das Forschungsgebiet der Fach- und Sondersprachen
Einleitung
1. Fachsprachen
1.1. Definition des Begriffs Fachsprachen
1.2. Besonderheiten von Fachsprachen
1.3. Die Funktionen von Fachtexten
1.4. Die Sozialisierung von Fachsprachen
2. Sondersprachen
2.1. Definition des Begriffs Sondersprache
2.2. Wo und zu welchem Zweck entstehen Sondersprachen?
2.3. Beispiele von Sondersprachen
2.3.1. Das Rotwelsch als historisches Beispiel einer Sondersprache
2.4. Gegenwärtige Beispiele für Sondersprachen
Zusammenfassung

Untersuchung zur Sprache der Staatssicherheit
Einleitung
1. Semantische Besonderheiten
1. 1. Bedeutungsverschiedenheiten des Begriffs „Aufklärung“
1. 2. Bearbeiten, nutzen, herauslösen von Personen
2. Einflüsse in die Sprache der Stasi
2.1. Einflüsse von Geheimsprachen
2.2. Einflüsse der Amtssprache
2.3. Einflüsse der Militärsprache
Fazit
Bibliographie

Einführung in das Forschungsgebiet der Fach- und Sondersprachen

Einleitung

Fach- und Sondersprachen nehmen in der neueren Linguistikforschung eine immer bedeu- tendere Stellung ein. Jedermann ist durch soziale Determiniertheit in Beruf, Alter, Ge- schlecht, etc. gewissen Gruppen zugehörig. Bei der Ausübung eines Berufes wird man mit einer, eventuell mehrerer Fachsprachen vertraut, bzw. man kommt über die Gemeinsprache zu fachsprachlichen Termini. Nimmt man am gesellschaftlichen Leben teil, kann man sich den Fach- und Sondersprachen also nicht entziehen.

Einerseits werden im Folgenden Definitionen der Fach- und Sondersprachen gegeben und deren Besonderheiten werden hervorgehoben, die durch Beispiele gestützt werden. Bei den Fachsprachen kommt eine kurze Analyse der Funktionen nach Möhn/Pelka „Fachsprachen. Eine Einführung.“1 hinzu.

An dieser Stelle soll gesagt werden, dass ich die Gemeinsprache gleichberechtigt neben den Gruppensprachen sehe, und die Fach- und Sondersprachen gleichwertend den Gruppen- sprachen unterordne.

1. Fachsprachen

1.1. Definition des Begriffs Fachsprachen

Fachsprachen fungieren in erster Linie im wissenschaftlichen technischen Handlungsbe- reich, in der Verwaltung und in der Diplomatie als Kommunikationsmittel.2

Sie können als Hyponym der Gruppensprachen und stehen somit als Kohyponym neben den Sondersprachen. Die Hauptfunktion von Fachsprachen ist das Benennen und Erschließen von bestimmten Sachgebieten, um dann eine einheitliche, möglichst ökonomische und vor allem effiziente Kommunikation zu gewährleisten. Das große Spezifikum von Fachsprachen liegt im lexikalischen Bereich, durch die häufige Anwendung von Fachtermini. Der Hauptun- terschied zwischen Fach- und Sondersprachen besteht in der Schriftlichkeit der ersteren. Fachsprachen sind für jedermann zugänglich und erlernbar. Außerdem setzen Fachspra- chen keinen individuellen Sprecher voraus. Die soziale Komponente, die bei den Sonder- sprachen eine große Rolle spielt, wird außen vor gelassen, und ist auch nicht erwünscht. Vorsicht ist geboten bei einer möglichen Gleichsetzung von Fachsprachen mit dem Berufs- jargon, weil dieser gehört, bedingt durch seine Mündlichkeit, zu den Sondersprachen.

1.2. Besonderheiten von Fachsprachen

Fachtexte sind auf Anhieb zu erkennen. Die Textsorte wird meist explizit genannt, um von vornherein Missverständnisse zu vermeiden. Der Handlungsbereich von Fachsprachen ist öffentlich. Die Themen werden entweder erklärt oder beschrieben. Weiters können in Fach- texten Formeln, Grafiken und Bilder vorkommen, die in einem direkten Verhältnis zu dem Geschriebenen stehen. Untersucht man bei Fachsprachen die Lexik, stößt man wie bereits erwähnt auf eine hohe Anzahl von Fachtermini, die sich auf Kompositionen und auf Nomen- klaturen aufteilen lassen.

Nomenklaturen findet man in Bereichen wie der Chemie, Medizin und Biologie, da sich deren Begriffe häufig auf die lateinische Wissenschaftstradition zurückführen lassen. Kompositio- nen setzen sich meist aus Begriffen des gemeinschaftssprachlichen Wortschatzes zusam- men. Ab drei Kompositionsgliedern werden in der gesprochenen Fachsprache Kürzel ange- wandt, wie zum Beispiel bei den Begriffen Antiblockiersystem (ABS) oder Antischlupfrege- lung (ASR).3

In den Programmiersprachen sind englische Lehnwörter vorherrschend (IfThenStatement, ArgumentList). In der laienhaften Computersprache sind ebenfalls hauptsächlich englische Begriffe anzutreffen, denen deutsche grammatische Kategorien verpasst werden, wie etwa bei downloadbar oder mailen. Ein besonders beliebtes Nomenklaturverfahren, vor allem in den Bereichen der Physik, Chemie und Mathematik, ist das benennen nach Personen, wie zum Beispiel bei pythagoreischer Lehrsatz, Keplersche Gesetze oder Planck’sches Wir- kungsquantum.

Eine exklusive Fachsprachensyntax existiert nicht. Es wird in der Regel eine Auswahl von spezifischen gemeinsprachlichen Syntaxmittel getroffen. Was allerdings doch festzustellen ist, ist, dass man eine strenge Thema-Rhema-Gliederung einhält, und zu Substantivierungen und Funktionsverbgefügen neigt. Weiters fällt die bevorzugte Verwendung des Passivs auf. Um das persönliche Subjekt zu vermeiden, wird auf Personalpronomen verzichtet und aus- weichend auf die Form „man“ zurückgegriffen. Diese syntaktischen Mittel dienen der Objekti- vierung und Anonymisierung von Fachsprachen und dazu, Doppeldeutigkeiten und Missver- ständnisse sofort auszuschließen.4

Auffallend sind auch die kausalen und finalen Verknüpfungen der Sätze. Logische Zusam- menhänge sind in Fachtexten unabdingbar.

Was die Textsorten von Fachsprachen betrifft, sind diese meist schon in der Überschrift klar festgelegt. Die Texte selbst zeichnen sich durch große Kohärenz aus. Die typischsten Kohä- sionsmittel sind anaphorische aber auch kataphorische Elemente, wie bestimmte Artikel und Demonstrativpronomen.

1.3. Die Funktionen von Fachtexten

Hierbei wurde die Einteilung von Möhn/Pelka in Fachsprachen. Eine Einführung.5 herange- zogen.

- Deskriptive Funktion

Beschreibende Fachtexte haben die Aufgabe, den Adressaten so weit wie möglich informie- ren, ohne dabei zu werten. Dazu gehören etwa Gegenstandsbeschreibungen, Lexikonartikel, Rezensionen, etc. Ausschlaggebend bei dieser Funktion ist „die objektkonzentrierte Darstel- lung von Gegenständen“6.

- Instruktive Funktion

Instruktive Fachtexte sollen den Adressaten in eine Materie einführen und ihm eine Empfeh- lung zum Handeln geben. Ob er dieser Empfehlung nachgeht, ist ihm überlassen, denn es gibt für ihn keine Konsequenzen. Unter solche Fachtexte fallen etwa Kochrezepte, Spielan- leitungen, generell alle Arten von Anleitungen. Kennzeichnend für instruktive Texte sind die Häufigkeit von Infinitivkonstruktionen, bei Kochrezepte die Formel „Man nehme“ oder Impe- rativformen.

- Direktive Funktion

Texte dieser Funktion fordern den Adressaten auf etwas auf bzw. schränken ihn beim Han- deln ein, wobei er bei Nichteinhalten mit Konsequenzen rechnen muss. Dazu gehören etwa Gesetzestexte, die Gebots- und Verbotsnormen vorgeben.

1.4. Die Sozialisierung von Fachsprachen

Fachsprachen kommen in den verschiedensten Kommunikationssituationen zum Einsatz. Einerseits gibt es eine fachinterne Kommunikation, wo zwei Vertreter desselben Faches sich miteinander unterhalten. Ihr Fachwissen ist einigermaßen auf demselben Niveau und die Kommunikation erweist sich als unproblematisch. Schwieriger erweist sich die interfachliche Kommunikation, bei der sich zwei Vertreter unterschiedlicher Fächer miteinander unterhal- ten. Es kann es zu Konflikten auf hoher Ebene kommen. Eine fachexterne Kommunikation spielt sich unter Experten und Laien ab. Durch den unterschiedlich manifestierten Wissens- tand können Verständigungsprobleme vorprogrammiert sein, die im äußersten Falle zu ei- nem Kommunikationsabbruch führen. Eine große Rolle für den Erfolg einer fachexternen Kommunikation spielen Bildungsgrad, Vorkenntnisse und Offenheit für Neues, manchmal nicht ganz Verständliches, beim Laien. Als vierte Unterscheidung kann die Kommunikation zwischen Laien und Laien genannt werden, also ein Alltagsgespräch, etwa über Krankheiten, Haustiere oder Hausbau. Vor allem bei dieser Art von Kommunikation bemerkt man die Ein- flüsse, welche die Fachsprachen auf die Gemeinsprache hat. Die wichtigsten sind im lexika- lischen Bereich anzutreffen, durch Erweiterung des Wortschatzes mittels Neologismen und Komposita.

2. Sondersprachen

2.1. Definition des Begriffs Sondersprache

Sondersprachen nehmen eine ausgrenzende Funktion in Bezug auf die Gemeinsprache ein und können unter die Gruppensprachen gegliedert werden. Sie kennzeichnen sich vor allem dadurch, dass nicht alle Sprachteilhaber die für eine erfolgreiche Kommunikation nötigen Kenntnisse besitzen und dies in den meisten Fällen auch nicht wünschenswert ist.

Einerseits umfasst man mit dem Begriff der Sondersprachen „alle Sprachformen, die von sozialen, sachlich-begrifflichen, geschlechts- und altersspezifischen Sonderungen herrüh- ren“7 , folglich alle Standes-, Berufs- und Fachsprachen. Sondersprachen werden von den Sprechern aber auch als Abschirmungs- und vor allem als Abgrenzungsmittel angewandt. Außerdem unterscheiden sie sich nur durch wenig zusätzlichem Informationsgehalt von der Gemeinsprache. Die Erforschung der Sondersprachen fällt in den Bereich der Soziolinguis- tik, da sie durch gruppeninterne bzw. auch gruppenexterne Kommunikation im sozialen Be- reich fest verankert ist. Hierbei werden Sondersprachen oft mit Soziolekten gleichgesetzt.

2.2. Wo und zu welchem Zweck entstehen Sondersprachen?

Durch die Existenz von Gruppen und durch den Vorgang von Gruppenbildungen entwickeln sich Sondersprachen um die Kommunikation gruppenintern zu gewährleisten. Diese Kom- munikation zeichnet sich durch Sprachexklusivität aus. Man will von Nichtgruppenmitgliedern nicht verstanden werden, sich von der Gemeinsprache, die allen Sprachteilnehmern einer Einzelsprache eigen ist, abheben. Die Sprache dient als Oppositionsmittel zu anderen Grup- pen und wird gleichzeitig zu einer identitätsbildenden Instanz. Sondersprachen fördern also das Wir-Gefühl in der Gruppe und dienen als klares Abgrenzungsmittel des Eigenen zum Fremden. Um Mitglied in einer Gruppe zu werden, muss man die darin übliche Sprache er- lernen und die sozialen Voraussetzungen der Gruppe erfüllen. Diese soziale Komponente spielt intern eine große Rolle, da diese neben gewissen vorgegebenen Normen und Regeln als gruppenspezifische Merkmale wahrgenommen werden und genau determiniert sind.

Für die Bildung von Sondersprachen ist eine Interaktionsgemeinschaft vorauszusetzen, wo- bei man von einem Wechselverhältnis zwischen gruppeneigener Kommunikation und von sozialer Verfestigung ausgeht. Man unterscheidet geschlossene und offene Gruppen. So findet man in geschlossenen Gruppen eine große interne Kommunikationsaktivität, mitunter eine hohe Determiniertheit der Sprache durch die Gruppe. Interessant bei deren Mitgliedern ist die Frage, ob sie sich außerhalb dieser bestimmten Gruppe auch in anderen beteiligen und inwieweit die Partizipation in diesen reicht und Sprachelemente sich gegenseitig beein- flussen.8

2.3. Beispiele von Sondersprachen
2.3.1. Das Rotwelsch als historisches Beispiel einer Sondersprache

Das Rotwelsch kann der Sondersprachen untergeordneten Gruppe der Geheimsprachen zugeordnet werden. Es entwickelte sich im späten Mittelalter und galt als Sprache der „un- ehrlichen Berufe“, also von Bettlern, Zigeunern, Dieben, Prostituierten, etc. Jemand, der ei- nen solchen Beruf ausübte, dem stand kein Bürgerrecht zu, somit wurde im der Zugang zur als „normal angesehenen Gesellschaft“ versagt. Aus dieser Konsequenz heraus entwickelte sich in dieser verpönten Gesellschaftsschicht eine „eigene“ Sprache um sich gegen die All- gemeinheit zu behaupten.

Durch dieses Ausgeschlossensein der Gesellschaft, entstand eine natürliche Ablehnung ge- gen deren Wertesysteme und kann als Anstoß für Kriminalität gesehen werden. Die Sozio- linguistik bezeichnet dieses Phänomen „self-fulfilling prophecy“. Geprägt wurde das Rot- welsch vom Jiddischen und von Zigeunersprachen, da Juden und Zigeuner sich in den unte- ren Gesellschaftsschichten wieder fanden. Die Tatsache, dass rotwelsche Elemente in der Studentensprache vorhanden waren, lässt sich dadurch erklären, dass die Studenten im späten Mittelalter zu den Fahrenden zählten. Sie waren es auch, die durch die lateinische Sprache das Rotwelsch beeinflussten. 9

Die Geheimsprache bestand aus zahlreichen Metaphern und Personifikationen; Unterschei- dungen zur Gemeinsprache gab es also vor allem im lexikalischen Bereich.

2.4. Gegenwärtige Beispiele für Sondersprachen

Sondersprachen entstehen, wie oben bereits erwähnt, durch soziale Gemeinsamkeiten. Welcher Ort, als der Arbeitsplatz könnte nun geeigneter für die Entwicklung von Sonderspra- chen sein? „Berufsjargonismen“10 nennt man diese Ausprägung. Hierher gehören etwa die Sprache der (Sport-)journalisten, der Künstler, der Lehrer; im Technikbereich der Computer- jargon, aber auch die Seemanns- und Soldatensprache, wobei die letztgenannte von der Militärssprache als Fachsprache klar abzugrenzen ist.

[...]


1 Dieter Möhn/ Roland Pelka (1984): Fachsprachen. Eine Einführung. Tübingen: Niemeyer. ( = Ger- manistische Arbeitshefte 30).

2 vgl. Walther von Hahn (1980): Fachsprachen. In: Althaus, Hans Peter von/ Henne, Helmut/ Wiegand, Herbert Ernst (Hrsg.): Lexikon der Germanistischen Linguistik. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl. Tü- bingen: Niemeyer, S. 390.

3 vgl. Hahn, Fachsprachen, S. 393.

4 vgl. ebda. S. 394.

5 vgl. Möhn/ Pelka, Fachsprachen. Eine Einführung, S. 46.

6 ebda. S. 55.

7 Dieter Möhn (1980): Sondersprachen. In: Althaus, Hans Peter von/ Henne, Helmut/ Wiegand, Her- bert Ernst (Hrsg.): Lexikon der Germanistischen Linguistik. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl. Tübin- gen: Niemeyer, S. 384.

8 vgl. Möhn, Sondersprachen, S. 384.

9 vgl. ebda. S. 385.

10 ebda. S. 385.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640266975
ISBN (Buch)
9783640267019
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122673
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Germanistik
Note
Sehr gut
Schlagworte
Einführung Forschungsgebiet Fach- Sondersprachen Proseminar Sprache Gesellschaft

Autor

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Titel: Einführung in das Forschungsgebiet der Fach- und Sondersprachen