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Wandel des Kriegsbildes im Angolakonflikt unter der besonderen Berücksichtigung von Münklers Theorie der neuen Kriege

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Münklers Theorie der neuen Kriege
2.1 Kennzeichen der neuen Kriege
2.2 Kriterien zur Differenzierung zwischen alten und neuen Kriegen
2.3 Raul Zeliks Kritik an Münklers Theorie der neuen Kriege

3. Geschichtlicher Überblick und Ursachen des Angolakonfliktes
3.1 Befreiungskrieg gegen die portugiesische Kolonialmacht von 1961 bis 1975
3.2 Der Stellvertreterkrieg im Zeitalter des Kalten Krieges
3.3 Entwicklung der innenpolitischen Situation Angolas bis 2002

4. Lässt sich der Wandel des Kriegsbildes in Angola nach dem Ende des Ost- West-Konfliktes mit Münklers Theorie der neuen Kriege erklären?

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Die weltpolitische Machtkonstellation hat sich nach dem Ende des Kalten Krieges von Grund auf verändert. Während das 20. Jahrhundert durch eine bipolare Machtverteilung geprägt war, sind die USA nun die einzig verbleibende Supermacht. Für die internationalen Beziehungen bedeutete das Ende des Ost-West-Konflikts eine große Veränderung. Zunächst kam die Hoffnung auf, dass es nun dauerhaft gelingen könnte, Frieden herzustellen. Diese Hoffnung hielt jedoch nicht lange an, da schon bald neue Kriege ausbrachen oder alte wieder aufflammten. Auffällig ist jedoch, dass diese sich grundlegend verändert hatten.

Für den Wandel des Kriegesbildes hat Herfried Münkler mit seiner Theorie der neuen Kriege einen viel beachteten und stak verbreiteten Erklärungsansatz abgeliefert. Münkler ist der Meinung, dass der Krieg in den letzten Jahrzehnten seine Erscheinungsform drastisch verändert hat. Am Wichtigsten ist seiner Meinung nach erstens, dass der klassische Staatenkrieg in dieser Form nicht mehr auftritt und zweitens, dass ökonomische Faktoren heutzutage eine wesentlich größere Rolle spielen als bei Kriegen, die er als „alt“ bezeichnet.

Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit möchte ich den Wandel des Kriegsbildes im Angolakonflikt, der während des Kalten Krieges ausbrach und bis 2002 andauerte, nachzeichnen und der Frage nachgehen, ob sich dieser mit der Hilfe von Münklers Theorie erklären lässt. Ich werde hierbei so vorgehen, dass ich mich zunächst einmal Münklers Theorie der neuen Kriege widmen werde. Ich werde darstellen, was das Neue an den so genannten neuen Kriegen ist und aufzeigen anhand welcher Kriterien sich alte von neuen Kriegen unterscheiden lassen. Da Münklers Theorie der neuen Kriege jedoch keineswegs unumstrittenen ist, werde ich mich in diesem Kapitel abschließend Raul Zeliks Kritik an Münklers Theorie der neuen Kriege widmen.

Im darauf folgenden Kapitel geht es dann um die geschichtliche Entwicklung Angolas im 20. Jahrhundert. Ich werde die Kriegsursachen beschrieben und näher den Kriegsverlauf darstellen. Unterteilt habe ich den angolanischen Kriegsverlauf in drei unterschiedliche Phasen: erstens der Befreiungskrieg gegen die portugiesische Fremdherrschaft, zweitens der Stellvertreterkrieg im Zeitalter des Kalten Krieges und drittens der innerstaatlichen Konflikt von 1991 bis 2002.

Abschließend werde ich mich dann im vierten Kapitel der Frage widmen, ob und inwiefern sich der Wandel des Kriegsbildes im Angolakonflikt mit Hilfe von Münklers Theorie der neuen Kriege erklären lässt.

2. Münklers Theorie der neuen Kriege

Laut Herfried Münkler hat der Krieg in den letzten Jahrzehnten seine Erscheinungsform von Grund auf verändert. So tritt der klassische Staatenkrieg, der die Szenerien des Kalten Krieges noch maßgeblich prägte, immer seltener in Erscheinung, während immer häufiger parastaatliche, sowie teilweise sogar private Akteure das Gewaltmonopol an sich reißen. Die privaten Akteure reichen hierbei von lokalen Warlords und Guerillagruppen über weltweit operierende Söldnerfirmen bis hin zu internationalen Terrornetzwerken, für die der Krieg zu einem dauerhaften Betätigungsfeld geworden ist. Münkler bezeichnet solche Konflikte als neue Kriege (vgl. Münkler 2002, S. 7ff.).

In diesem Kapitel werde ich nun darstellen inwiefern die neuen Kriege sich von den alten unterschieden und detailliert auf die Kennzeichen der neuen Kriege eingehen. Abschließend werde ich Raul Zeliks Kritik an Münklers Theorie der neuen Kriege erörtern.

2.1 Kennzeichen der neuen Kriege

Münkler definiert die neuen Kriege zunächst über die Abgrenzung zu dem klassischen Staatenkrieg, der seiner Meinung nach immer noch die Vorstellung vom Krieg in vielerlei Hinsicht präge. Zum Dreißigjährigen Krieg hingegen weisen die neuen Kriege, so Münkler, eine Vielzahl von Parallelen auf. Ebenso wie beim Dreißigjährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 andauerte, bestehen die Kriegsgründe nämlich in einer Gemengelage aus diversen Gründen (vgl. ebd. 2002, S. 9). Die Besonderheiten bzw. Kennzeichen der neuen Kriege bestehen in folgenden drei Aspekten: Erstens der Entstaatlichung bzw. Privatisierung kriegerischer Gewalt, zweitens der Asymmetrisierung kriegerischer Gewalt und drittens der Autonomisierung vordem militärisch eingebundener Gewaltformen (vgl. ebd. 2002, S. 10f.). Im Gegensatz zu den klassischen Staatenkriegen, die nach Regeln erklärt und nach eben solchen ausgetragen wurden und somit zeitlich präzise begrenzt waren, ist dies bei den neuen Kriegen nicht (mehr) der Fall. Ihnen fehlt die so genannte Entscheidungsschlacht. Daher dauern etliche Konflikte, die Münkler zu den neuen Kriegen zählt, schon mehre Jahrzehnte an (vgl. ebd. 2002, S. 24). Doch warum sind die neuen Kriege zeitlich nicht begrenzt und dauern daher oftmals Jahrzehnte an, ohne dass sich die Lage verändert?

Münkler weist zur Beantwortung dieser Frage zunächst einmal daraufhin hin, dass bei den neuen Kriegen ökonomische Interessen der „Kriegsunternehmer“ von zentraler Bedeutung seien. Diese Kriegsunternehmer führen Kriege aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen, wobei jedoch seiner Meinung nach ganz klar die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen und religiöse und/oder ethnische Fragen oftmals nur instrumentalisiert werden, um verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Die militärische Gewalt wird hierbei zum Zwecke der Selbsterhaltung ausgeübt, ohne je ernsthaft eine militärische Entscheidung zur Beendigung des Konflikts anzustreben, da die Kriegsunternehmer von Plünderungen, Sklavenarbeit, aber auch von Hilfsgütern und somit vom Krieg generell finanziell profitieren. Daher sei potentieller Reichtum auch eine sehr viel wichtigere Kriegsursache als definitive Armut (vgl. ebd. 2002, S. 29ff.).

Das größte Opfer der neuen Kriege ist die Zivilbevölkerung, da sich die Gewaltanwendung nun nicht mehr im Wesentlichen auf das Militär konzentriert, sondern zunehmend die Zivilbevölkerung angegriffen wird. Dies geht einerseits hin bis zu so genannten „ethnischen Säuberungen“ kompletter Gebiete und andererseits führt dies dazu, dass die Einwohner gezwungen werden, die bewaffneten Gruppen permanent zu unterstützen und zu versorgen. Vor allem der zweite Punkt ist besonders charakteristisch für die neuen Kriege. Problematisch ist hierbei, dass dadurch die Grenzen zwischen Gewaltanwendung und Erwerbsleben immer mehr verschwimmen. In anderen Worten: Der Krieg wird zur Lebensform. Seine Akteure sichern sich durch ihn ihre Existenz und gelangen z.T. dadurch zu erheblichen Vermögen. Die Kriegsakteure profitieren nun mehr vom kriegerischen Ist-Zustand als vom Frieden. Deshalb sind Friedensbemühungen in solchen Konflikten auch nur selten erfolgreich. Eines der bedeutendsten Antriebsmomente der neuen Kriege ergibt sich aus dem Zusammentreffen von struktureller Arbeitslosigkeit mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Jugendlichen, die nicht den Disziplinierungsmechanismen regelmäßiger Arbeit ausgesetzt sind und im Morden und Plündern Zugang zur Welt des Konsums erhalten und ihre Gewaltphantasien ausleben können, da sie oftmals keine andere Lebensperspektive für sich erkennen können. Neben der ständig zunehmenden Anzahl von Kindersoldaten werden überdies vermehrt international agierende Söldner geordert. Auftraggeber sind hierbei sowohl Staatschefs, als auch international agierende Unternehmen (vgl. ebd. 2002, S. 33ff.).

Insgesamt gesehen bleibt festzuhalten, dass die Herausbildung der neuen Kriege eng mit der Neuordnung der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges zusammenhängt. Die USA ist nach dem Untergang der Sowjetunion die einzig verbleibende Supermacht, wodurch eine asymmetrische Machtverteilung existiert, durch die es keinem Staat der Erde möglich ist, die USA in einem symmetrischen (klassischen) Staatenkrieg zu besiegen. Daher wird versucht die USA verstärkt mit Strategien der Asymmetrisierung zu bekämpfen. Die Basis für die

asymmetrische Strategie der neuen Kriege bilden der Partisanenkrieg und der Terrorismus. Hierbei spielen die Medien eine besonders große Rolle, da Terroristen und Partisanen diese für sich zu nutzen suchen. D.h., dass sie mit bewusst spektakulären Anschlägen auf sich und ihre Anliegen aufmerksam machen wollen und somit Druck auf die Regierung ausüben (vgl. ebd. 2002, S. 47ff.).

2.2 Kriterien zur Differenzierung zwischen alten und neuen Kriegen

Heupel und Zangl stellen in ihrer Studie „Die empirische Realität des neuen Krieges“ dar, nach welchen Kriterien sich unterscheiden lässt, ob es sich bei kriegerischen Konflikten eher um neue oder eher um alte Kriege handelt. Diese Unterscheidung treffen sie anhand von vier Punkten.

Der erste Punkt behandelt das Thema Gewaltakteure. Laut Heupel und Zangl muss hierbei sowohl bei den alten als auch bei den neuen Kriegen zwischen staatlichen und privaten Kampfverbänden differenziert werden. Im Vergleich alte Kriege / neue Kriege lässt sich feststellen, dass sich die neuen Kriege dadurch kennzeichnen, dass es im staatlichen Verband und auch in Rebellenbewegungen zu einer Privatisierung kommt. Hierbei kann also zwischen einer Privatisierung von oben und einer Privatisierung von unten differenziert werden. Privatisierung von oben meint, dass die Paramilitärs zunehmend außerhalb der Kontrolle des Staates ihr Unwesen treiben und dass der Staat auf private Sicherheitsfirmen zurückgreift. Privatisierung von unten meint hingegen, dass in den neuen Kriegen nicht mehr wenige relativ zentrale Rebellengruppen agieren, sondern dass immer mehr dezentral organisierte Kampfverbände, die privatisiert sind, beteiligt sind (vgl. Heupel & Zangl 2003, S. 7).

Der zweite Punkt bezieht sich auf die Gewaltökonomie. Während es im klassischen Bürgerkrieg typisch war, dass die Versorgung intern freiwillig durch die Bevölkerung und extern durch befreundete Staaten gesichert wurde, ist dies bei den neuen Kriegen nicht mehr der Fall. Hier erfolgt die Versorgung intern nämlich über Plünderungen der Bevölkerungen bzw. der Hilfsorganisationen und extern durch die Schattenglobalisierung und organisierte Kriminalität (vgl. ebd. 2003, S. 8).

Ferner sind die Gewaltmotive sehr unterschiedlich. Dies liegt darin begründet, dass es in den neuen Kriegen zu einer Ökonomisierung der Gewaltziele kommt. In anderen Worten heißt dies, dass beim alten Krieg ideologische oder identitätsbezogene Gewaltmotive klar im Vordergrund stehen und ökonomische Gewaltmotive lediglich zweitrangig sind, während dies bei den neuen Kriegen genau anders herum ist (vgl. ebd. 2003, S. 9f.).

Der vierte und letzte Punkt besteht in der Verschiebung der Gewaltstrategien, wobei hier zwischen Gewalthandlungen der Rebellen und Gewalthandlungen des Staates differenziert werden muss. Bei den alten Kriegen ist es so, dass es für die Rebellenbewegungen typisch ist, mit Guerillastrategien dem Staat soweit wie möglich zu schaden und die Bevölkerung weitestgehend zu schonen, um möglichst neue Anhänger zu gewinnen. Die Gewalthandlungen des Staates sind im alten Krieg, Gewalt gegen die Rebellen, jedoch auch gegen die Bevölkerung, um bewusst mögliche Sympathien innerhalb der Bevölkerung für die Rebellen frühzeitig zu unterbinden. Im neuen Krieg haben sich die Gewaltstrategien verändert. Nun greifen die Rebellen gegnerische Verbände an und vollstrecken an der Bevölkerung grausame Gewalttaten. Die Gewalthandlungen des Staates richten sich überdies zunehmend bewusst gegen die Bevölkerung (vgl. ebd. 2003, S. 11f.).

2.3 Raul Zeliks Kritik an Münklers Theorie der neuen Kriege

Herfried Münkler ist mit seiner Theorie der neuen Kriege in den Feuilletons der liberalen Presse und im wissenschaftlichen Betrieb zu einem viel beachteten bzw. sogar gefeierten Mann aufgestiegen. Dennoch ist seine Theorie der neuen Kriege nicht gänzlich unumstritten. In diesem Kapitel werde ich nun auf Raul Zeliks Kritik eingehen.

Laut Raul Zelik scheint vieles von dem, was Herfried Münkler zu den neuen Kriegen geschrieben hat, bereits durch die Entwicklungen in den letzten Jahren wieder in Frage gestellt worden zu sein. Als Beispiel führt er hierzu den Konflikt im Irak an. Hier zeige sich nämlich, so Zelik, dass sich robuste Staatlichkeit und nicht-staatliche Gewalt auch komplementär entfalten können und dass ein wesentlicher Teil der Besatzungsgruppen private Sicherheitsfirmen wären, die von der us-amerikanischen Regierung eingesetzt werden würden. Ferner seien Teile der schiitischen Milizen laut Zelik als eine Art „Anti-Partisanen- Partisanen“ offensichtlich von Washington aufgebaut und ausgerüstet worden. Demnach könne es also sehr wohl zu einer Stärkung staatlichen Eingriffs (hier der USA) kommen bei paralleler Auflösung des staatlichen Gewaltmonopols. Ferner beweise der vom Westen geführte „War on Terror“, dass die Entgrenzung von Gewalt und der politisch kalkulierte,systematische Angriff auf Zivilisten nicht nur von Terroristen angewendet werden würde (vgl.Zelik 2007a, S. 7).

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Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640276769
ISBN (Buch)
9783640277629
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122651
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Schlagworte
Angolakonflikt Neue Kriege Herfried Münkler Wandel des Kriegsbildes Internationale Beziehungen Asymmetrische Kriegführung

Autor

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