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Montage in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 6 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Montage in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz”

In seinem 1929 erschienen Roman „Berlin Alexanderplatz” beschreibt Alfred Döblin das Leben des Protagonisten Franz Biberkopf in Berlin, nachdem er aus der Strafanstalt Berlin- Tegel entlassen wurde. Um dessen Impressionen, Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen bedient sich Döblin der Erzähltechnik der so genannten literarischen Montage. Indem unterschiedliche, vorerst ohne Zusammenhang scheinende Bilder in den Roman eingebunden werden, wird so eine mosaikähnliche Textstruktur konstruiert, die dem Leser das Leben und die Hektik in Berlin eingehend verdeutlicht. Hierbei kann nach Sabina Becker zwischen zwei Varianten der Montage unterschieden werden: Der integrierenden und der demonstrativen Montage.[1]

Die integrierte Montage wird durch die erlebte Rede sichtbar, als Zusammenstellung der Wahrnehmungen, Erinnerungen, Entscheidungen und Vorstellungen des Protagonisten. Diese stehen alle in einem assoziativen Zusammenhang zueinander.[2] Besonders deutlich wird die integrierte Montage an folgendem Beispiel:

Der Schweiß auf seiner Stirn! Die Angst, wieder! Und plötzlich rutscht ihm der Kopf weg. Bumm, Glockenzeichen, Aufstehn, 5 Uhr 30, 6 Uhr Aufschluss, bumm bumm, rasch noch die Jacke bürsten, wenn der Alte revidiert, heute kommt er nicht. Ich wer bald entlassen. Pst du, heut nacht ist eener ausgekniffen, Klose, das Seil hängt noch draußen über die Mauer, sie gehen mit Polizeihunde. Er stöhnt, sein Kopf hebt sich, er sieht das Mädchen, ihr Kinn, ihren Hals. Wie komm ich bloß aus dem Gefängnis raus. Sie entlassen mir nich. Ick bin noch immer nich raus. [S. 36[3]]

Hier wird der zweite Besuch Biberkopfs bei einer Prostituierten beschrieben. Seine Gedanken schweifen auf Grund innerer Beklemmung („Die Angst wieder!”) von ihr ab und sind an Erinnerungen an das Gefängnis geprägt. Durch akustische Eindrücke („Bumm, Glockenzeichen...”), welche den Beginn des Tagesablaufes im Gefängnis darstellen, wird deutlich, wie sehr die Inhaftierung ihn beeinflusst haben muss. Obwohl Biberkopf entlassen ist, fühlt er sich nicht dementsprechend. Auffallend ist der plötzliche Wechsel in die erste Person Singular, welcher seine Verzweiflung überwiegend darlegt, insbesondere da er mit Berliner Dialekt einhergeht (der Erzähler, als Beobachter, distanziert sich vom Dialekt). Biberkopfs Gedanken und Wahrnehmungen scheinen durcheinander, während ihm die Gegenwart kurz bewusst wird („Er stöhnt...”), kommt ihm sofort die Vergangenheit, das Gefängnis, wieder in den Sinn. Durch dieses Mosaik aus vielen, schnell abfolgenden Impressionen, die sowohl eine innere als auch äußere Perspektive aufzeigen, erschließt sich ein vielfältiges Bild des Protagonisten. Somit zeigt die Innenperspektive Biberkopfs Gefühle und Handlungsmotive auf, während die Außenperspektive eine objektive Beobachtung der Geschehnisse erlaubt.

[...]


[1] Vgl. Sabine Becker: Urbanität und Moderne: Studien zur Grostadtwahrnehmung in der deutschen Literatur 1900- 1930, Röhrig 1993, S. 338

[2] Vgl. ebd.

[3] Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2006.

Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640278862
ISBN (Buch)
9783656841289
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122531
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Schlagworte
Montage Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz Urbanität Legenden Literatur Film

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Titel: Montage in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz"