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Hatte das Regime Adolf Hitlers tatsächlich die Gewalt über die Jugend?

Erika Mann: 10 Millionen Kinder - Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DIE ERZIEHUNG DER JUGEND IM DRITTEN REICH
2.1 Zur Autorin und zur Entstehung des Buches
2.2 Das Kind im Dritten Reich
2.3 Die Familie
2.4 Die Schule
2.4.1 Vergleich Weimarer Republik – Nationalsozialismus
2.4.2 Position der Lehrer
2.4.3 Unterricht und Materialien
2.5 Die Staatsjugend

3 FAZIT

4 LITERATUR

1 Einleitung

Das Buch „10 Millionen Kinder. Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich“ von Erika Mann gilt heute als wichtiges zeitgeschichtliches Dokument ebenso wie als bewegendes Stück Exilliteratur über die Erziehung der Jugend im Dritten Reich.[1]

Zunächst geht diese Arbeit auf die Autorin, ihr politisches Engagement und die damit verbundene Entstehung des oben genannten Buches ein.

Im Anschluss wird anhand der Frage „Hatte das Regime Adolf Hitlers tatsächlich die Gewalt über die Jugend?“ das Thema auf Basis des Buches bearbeitet und die wesentlichen Aussagen und Ansichten der Autorin zusammengefasst. Analog zum Referat liegt mein Schwerpunkt hierbei auf der Schule im Dritten Reich. Anhand von ausgewählten Inhalten des Buches sowie von anderen Arbeiten werden die Schulpolitik der Nationalsozialisten, die Position der Lehrer, der Unterricht, einzel- ne Unterrichtsmaterialien und die Auswirkungen auf die Schüler der damaligen Zeit beispielhaft untersucht.

Um dem Buch als „Gesamtwerk“ gerecht zu werden, werden in dessen chronolo- gischer Reihenfolge auch die drei anderen Kapitel „Das Kind“, „Die Familie“ sowie „Die Staatsjugend“ im Hinblick darauf, ob und in wieweit die einzelnen Instanzen von den Nationalsozialisten für deren Ziele instrumentalisiert wurden, behandelt.

2 Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich

2.1 Zur Autorin und zur Entstehung des Buches

Erika Mann, geboren 1905 als erstes Kind von Katia und Thomas Mann, studierte nach dem Abitur 1924 Schauspiel in Berlin. Erste Engagements folgten. Ende der 20er Jahre begann sie außerdem zu schreiben. „‚Nur für die Zeitung', hatte sie sich fest vorgenommen, wollte sie schreiben; nur, weil sie von der Schauspielerei nicht leben konnte, wechselte sie von der Bühne an den Schreibtisch.“[2]

Sie veröffentlichte unter anderem Glossen, Reiseberichte, Reportagen, Rezensio- nen, Bühnenstücke und Kinderbücher.

Im Jahr 1932 wurde Erika Mann wegen ihres beginnenden politischen Engage- ments immer wieder von den Nazis angegriffen, sie führte gegen nationalsozialis- tische Publikationen Prozesse, zeigte sich wütend und enttäuscht über die Lage in Deutschland. Einen Monat vor der „Machtergreifung“ wurde das politische Kaba- rett „Die Pfeffermühle“ in München eröffnet.

„Erika Manns Kabarett ist literarisch und politisch, es werden Märchen, Balladen, Kin- dergeschichten und scheinbar harmlose Alltäglichkeiten erzählt, man spielt mit dem Unausgesprochenen, ohne sich zu verstecken, und man liebt das Naive, um mit ihm zu entlarven.“[3]

Kurz darauf emigrierte Erika Mann in die Schweiz, das Kabarett wurde dort wie- dereröffnet und tourte anschließend durch Europa.

Die Situation in Europa spitzte sich zu, im September 1936 ging Erika Mann nach New York ins Exil. Sie versuchte dort, gemeinsam mit ihren Mitstreitern, die Pfef- fermühle „wieder zu beleben“, jedoch fiel das Programm bei den Amerikanern durch. Sie konnten mit der eigenwilligen, europäisch geprägten Mischung des Ka- baretts nichts anfangen.

Im März 1937 wurde Erika Mann zur „Peace an Democracy Rally“, der ersten amerikanischen Massenkundgebung gegen Hitler geladen, auf der sie ein Gruß- telegramm ihres Vaters verlesen sollte. Sie nutzte ihren Auftritt vor rund 20.000 Menschen außerdem dazu, ihr eigenes politisches Anliegen zu verkünden. „Wir müssen alles, wirklich alles in unserer Macht Stehende tun, um der Menschheit beim Erkennen der Wahrheit zu helfen, so dass sie ihren Feind eindeutig sieht, den Erzfeind der Zivilisation, des Fortschritts und aller menschlichen Würde – Hit- lers Faschismus!“[4]

Erika Mann hatte mit ihrer Rede Erfolg, bekam weitere Aufträge und zog von da an als „lecturer“ durch die USA, klärte die Amerikaner über die Entwicklungen in Deutschland auf und warnte vor der Gefahr, die weit über Deutschland hinaus von Hitler ausging.

Einen Schwerpunkt ihrer Vorträge legte sie auf die Situation der Kinder und Ju- gendlichen im Dritten Reich. „School for Barbarians“ und „Who has the youth, has the future“ waren Vortragsthemen, deren Brisanz den Amerikanern unmittelbar einleuchtete [...]“[5]

Das Buch, das 1938 zunächst in englischer Sprache unter dem Titel „School for Barbarians. Education under the Nazis.“ erschien, von der Autorin als „politisches Lehrbuch“ bezeichnet, beinhaltet eine Sammlung und Weiterverarbeitung der Vor- träge.[6] Im selben Jahr wurde es, mit 40.000 verkauften englischen Exemplaren ein Bestseller, auch auf Deutsch unter dem Titel „[10] Millionen Kinder. Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich“ vom Amsterdamer Querido-Verlag herausgegeben.

Erika Mann griff in ihrem Buch auf die literarische „Mischform“ ihrer Vorträge zu- rück: „dokumentarisches Material in selbsterlebte Geschichte einzubinden und dabei die von den Nazis erlassenen Gesetze, ihre Verlautbarungen und Vor- schriften prinzipiell gegen den Strich zu lesen.“[7] Ihre Art zu schreiben ist leicht ve r- ständlich und lebensnah. Auch Formen des politischen Kabaretts der Pfeffermühle finden sich wieder: Auf den ersten Blick manchmal harmlos wirkende Alltäglich- keiten werden erzählt, die Autorin begegnet dem schwerverdaulichen Thema mit Ironie und Spott und entlarvt die unfreiwillige Komik in verschiedenen Aussagen und Schriftstücken der Nationalsozialisten. Andererseits appelliert sie „mit einem pädagogisch-humanen Optimismus“[8] an die Vernunft der Menschen, dem Faschismus Einhalt zu gebieten.

2.2 Das Kind im Dritten Reich

Das Kind im Dritten Reich sei „schon heute nur ein Nazi-Kind und nichts weiter“[9]. Erika Mann beschreibt, wie sich das Leben aller Menschen veränderte, seit Hitler Reichskanzler wurde. Es gab kein Recht auf Individualität mehr, jeder musste die Gebote Hitlers verinnerlichen und danach handeln. Die Kinder traf es am härtes- ten, da sie keine Vergleichsmöglichkeiten hatten: „Die Jugend kennt keine Privat- interessen mehr und sie weiß nichts von einer anders und besser regierten Um- welt. In ihrer Unerfahrenheit und schnellgläubigen Bereitschaft lag von Anfang an des ‚Führers' beste Chance."[10]

In diesen Worten ist bereits die uneingeschränkte Macht Hitlers über die Jugend impliziert. Wie kann ein Kind, das in Nazi-Deutschland heranwächst und dem nie- mand vermittelt, dass es gänzlich andere Werte als die des Führers gibt, empfin- den, dass das ihm Vermittelte falsch ist? Ohne Vorbilder, die erklären, warum et- was falsch ist und wie eine Alternative aussehen könnte?

„«Natürlich», denkt das Kind, – «freilich doch», – so geht es zu in der Welt. Ein Glück, dass wir unseren Führer haben, der es den bösen Tschechen, Juden, Amerikanern, Kommunisten und Geistlichen schon zeigen wird.“[11]

Renate Finckh stützt in ihrem autobiographischen Roman über Kindheit und Ju- gend im Nationalsozialismus diese Aussage:

„Mama hielt die Hand an den Mund. Niemand außer mir sollte hören, was sie sagte:

«Das sind Juden. Wir verkehren nicht mehr mit ihnen.» Mich durchfuhr noch nach- träglich ein Schreck. «Sie haben eine unangenehme Art. Sie haben andere Gewohn- heiten als wir», hatte Mama einmal gesagt. Ich wusste nun, daß das stimmte [...].“[12]

Die ‚Kreise', die eng um das Kind gezogen waren, innen „Die Familie“, dann „Die Schule“ und außen „Die Staatsjugend“[13], verhinderten, dass das Kind aus dem vorgegebenen Rahmen ausbrechen konnte.

2.3 Die Familie

„‚Rettet die Familie', hatten die Nazis geschrien, – ‚rettet die Religion!' In Wirklichkeit wußten sie sehr wohl, daß es nötig für sie sein würde, beide zu zerstören, Familie und Religion, wollten sie in den Besitz der unumschränkten Macht gelangen.“[14]

Die Nationalsozialisten wussten, dass Familie und Religion wichtige Instanzen in Deutschland waren, und taten daher, als ob diese auch für sie wichtige Werte dar- stellten. Erika Mann beschreibt, wie die Nationalsozialisten systematisch die Fami- lie zerstörten: Durch Verpflichtungen der einzelnen Familienmitglieder innerhalb der nationalsozialistischen Organisationen, denen sie nun angehörten, blieb keine Zeit mehr für ein Familienleben.[15]

Doch ein noch wichtigerer Faktor als die fehlende Zeit miteinander innerhalb der Familie war das Misstrauen, verbunden mit der Angst, denunziert zu werden.[16] Die Nationalsozialisten bespitzelten die Bürger, schon 14-jährige „Pimpfenführer“ kontrollierten, ob die Deutschen sich nach den Geboten ihres „Führers“ verhiel- ten.[17]

[...]


[1] vgl. Erika Mann: 10 Millionen Kinder, 5. Auflage Februar 2007, „Zu diesem Buch“, S. 2

[2] Irmela v. d. Lühe: Erika Mann. Eine Biographie. 2. Auflage 1994, S. 43

[3] Ebd. S. 75

[4] Ute Kröger: Wie ich leben soll, weiß ich noch nicht. Erika Mann zwischen „Pfeffermühle“ und „Firma Mann“, Zürich, 2005, S. 35

[5] Erika Mann: 10 Millionen Kinder, 5. Auflage Februar 2007, Nachwort v. d. Lühe, S. 200

[6] Vgl. ebd., Nachwort v. d. Lühe, S. 201

[7] Vgl. ebd., Nachwort v. d. Lühe, S. 202

[8] Irmela v. d. Lühe: Erika Mann. Eine Biographie. 2. Auflage 1994, S.145

[9] Erika Mann, a. a. O., S. 21

[10] Erika Mann: 10 Millionen Kinder, 5. Auflage Februar 2007, S. 21

[11] Ebd., S. 26

[12] Renate Finckh: Sie versprachen uns die Zukunft. Eine Jugend im Nationalsozialismus, überarb. Neuausgabe 1995, S. 44

[13] Erika Mann, a. a. O., S. 26 f.

[14] Ebd., S. 30

[15] Vgl. Erika Mann: 10 Millionen Kinder, 5. Auflage Februar 2007, S. 30 f.

[16] Vgl. ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640278671
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122498
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Hatte Regime Adolf Hitlers Gewalt Jugend Exilpublizistik

Autor

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