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Die Entwicklung des amerikanischen Gangsterfilms von "The Roaring Twenties" zu "Casino"

Hausarbeit 2008 14 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Ursprünge und frühe Entwicklung des Gangsterfilms

2 Themen des Gangsterfilms

3 Der Hays-Code

4 The Roaring Twenties

5 Die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg

6 Casino

7 Der moderne Gangsterfilm

8 Literaturverzeichnis

1 Ursprünge und frühe Entwicklung des Gangsterfilms

Seinen Ursprung findet der Gangsterfilm bereits in Edwin S. Porters „The Great Train Robbery“ (1903), der heute als erster Western der Filmgeschichte angesehen wird. Doch durch die Thematisierung eines Verbrechens – ein Hold-Up – setzt der Film auch einen Fuß in das Genre des Gangsterfilms. Fast zehn Jahre später aber sind es D.W. Griffith und Raoul Walsh, die mit ihren Filmen „The Musketeers of Pig Alley“ (1912) und „The Regeneration“ (1915) den Gangsterfilm als solchen definieren, indem sie dem Aspekt des thematisierten Verbrechens noch eine weitere wichtige Komponente hinzufügen – die Großstadt. In diesen frühen Filmen ist der Gangster ein Opfer der Gesellschaft. Er kommt aus armen Verhältnissen und begeht Verbrechen, um zu überleben. Dies ändert sich noch zu Stummfilmzeiten mit Josef von Sternbergs „Underworld“ (1927), der erstmals aus der Sicht des Gangsters erzählt und Individuen zeigt, die nicht ums Überleben sondern um Macht und Reichtum kämpfen – der „moderne“ Gangsterfilm war geboren.[1],[2]

Waren Filme dieser Gattung bis zum Ende der zwanziger Jahre noch eher sporadisch, so änderte sich das mit der Einführung des Tonfilms, der Soundeffekte wie Reifenquietschen, Telefonklingeln oder natürlich das Geräusch von Feuerwaffen ermöglichte und damit eine ganz neue Dramaturgie erlaubte. Die Zeitungsberichte und Geschichten über das organisierte Verbrechen während der Prohibitionsjahre lieferten Ideen für zahlreiche Drehbücher. Berüchtigte Bandenchefs wie Al Capone oder Bugs Moran bekamen in Filmen wie „Little Caesar“ (Mervyn LeRoy, 1932) oder „Scarface“ (Howard Hawks, 1932) ihr filmisches Denkmal. Warner Brothers begründete mit James Cagney, Edward G. Robinson, Humphrey Bogart und Filmen wie „Public Enemy“ (William Wellman, 1931) oder „Chicago“ (Michael Curtiz, 1938) den so genannten „Classic Circle“, der mit immer wiederkehrenden Themen arbeitete und somit das Genre des Gangsterfilms etablierte.

2 Themen des Gangsterfilms

Bis in die siebziger Jahre stand die Thematik vom Auf- und Abstieg des Gangsters im Mittelpunkt jedes Gangsterfilms. Der Protagonist erschafft sich ein Imperium oder übernimmt ein bereits vorhandenes das er erweitert, ehe er es dann auf dem Höhepunkt seiner Macht durch eigenes Verschulden wieder verliert und seine gerechte Strafe – die Festnahme oder noch öfter den Tod – erhält. Erst 1972 durchbrach Francis Ford Coppola mit „The Godfather“ dieses Prinzip und lässt seinen Gangster am Schluss unbesiegt und noch mächtiger als zuvor triumphieren[3].

Die Figur des Gangsters ist ein Outlaw, der nach Anerkennung sucht und sich diese nur durch Gewalt und Bedrohung zu verschaffen weiß. Üblicherweise wird er, wie bereits in Walshs „The Regeneration“, von der Gesellschaft ausgegrenzt und rächt sich an ihr, obwohl er eigentlich nur ein Teil von ihr sein wollte.

Das Cain-and-Abel-Prinzip bezeichnet das Verhältnis zweier Brüder oder Jugendfreunde, die sich in ihrer Entwicklung plötzlich als Feinde wieder begegnen. Paradigmatisch dafür steht „Chicago“, bei dem sich der Gangster Rocky (James Cagney) und der Priester Conolly (Pat O’Brien) gegenüberstehen und erst mit der Ermordung Conollys findet Rocky wieder auf den richtigen Weg zurück[4]. Eng damit verbunden ist der Konflikt von Familie und Gang, den Raoul Walsh erstmals in „Public Enemy“ eingehend verfolgte. Der Gangster muss sich zwischen seiner Familie und der Gang entscheiden. Er erliegt den Verführungen von Macht und Geld und erkennt erst am Ende, als es bereits zu spät ist, dass Familie das wertvollere von beiden ist[5].

Ende der dreißiger Jahre und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte der Gangsterfilm neue Themen. Mit „High Sierra“ (1941) reduziert Walsh das Rise-and-Fall-Thema auf den Niedergang. Der Fokus liegt auf den letzten Tagen des Gangster Roy Earle (Humphrey Bogart), dessen letzter Coup scheitert und mit seinem Tod endet.

In der New Hollywood Ära entwickelte sich das Couple-on-the-run-Thema, das einem Gangsterpärchen auf seine Plündertour folgt und mit „Bonnie and Clyde“ (Arthur Penn, 1967), „Thelma and Louise“ (Ridley Scott, 1991) oder „Natural Born Killers“ (Oliver Stone, 1994) weltweite Erfolge feierte.

Diese Themen bildeten die Grundthematik des Gangsterfilms. Aber bereits in den dreißiger Jahren kam es zu Abwandlungen oder der Vermengung mehrer Themen, was eine klare Einteilung schwer machte. Mit dem Zerfall des Studiosystems in den 1970er Jahren verlor sich diese Einteilung endgültig, da nun viele Filme mit gänzlich neuen Elementen arbeiteten oder mehrere Themen behandelten, die eine Unterscheidung nicht mehr erlaubten.

3 Der Hays-Code

Der Hays-Code, auch bekannt als Production Code, war eine Zusammenstellung von Richtlinien, die bestimmten was in einem Film, allen voran an Kriminalität und Sexualität, gezeigt werden durfte. Wurde diese Zensur anfangs noch auf freiwilliger Basis von den Studios übernommen, wurde sie 1934 aufgrund des öffentlichen Drucks zur Pflicht. Die starke Einschränkung von darstellbarer Gewalt in Filmen wirkte sich entscheidend auf den Gangsterfilm aus und zwang die Regisseure brutale Verbrechen indirekt darzustellen, was eine völlig neue Bildsprache verlangte.

Mit der Einführung des Tonfilmes war es den Regisseuren möglich, Morde im Off zu inszenieren. Somit konnte man dem Zuschauer die Geschichte erzählen, ohne ihm die zugehörigen Bilder zeigen zu müssen.

In „Public Enemy“ sieht der Zuschauer, wie James Cagney mit gezogener Waffe in ein Gebäude geht. Während die Kamera auf dem Gebäude verweilt, fallen Schüsse und Schreie, Cagney kommt verwundet wieder heraus und hat seine Tat vollendet, ohne dass der Zuschauer etwas davon gesehen hat[6]. Noch eleganter inszeniert Howard Hawks ein Massaker in „Scarface“. Die Gangster um Paul Muni kommen mit Maschinengewehren in einen Kegelclub. Die Kamera folgt der Kugel, wie sie über die Bahn rollt und Schüsse fallen in dem Moment, wo die Kugel die Kegel trifft und sie zu Fall bringt – metaphorisch für die im gleichen Moment erschossenen Männer[7].

Als der Hays-Code 1967 abgeschafft wurde, konzentrierten sich die Regisseure auf eine möglichst realistische Art der Gewaltinszenierung. In „Bonnie und Clyde“ (Arthur Penn, 1967) verfolgt der Zuschauer, wie das Gangsterpärchen in einen Hinterhalt gelockt und anschließend in zahllosen Maschinengewehrsalven zugrunde gerichtet wird und blutüberströmt verendet[8]. Brian de Palma geht in „Scarface“, der außer dem Titel nur noch wenig mit dem Klassiker von Hawks gemeinsam hat, noch einen Schritt weiter. Seine ausufernde Gewaltdarstellung wurde heftig kritisiert und führte in Deutschland sogar dazu, dass lediglich eine um große Teile gekürzte Fassung auf dem Filmmarkt verkäuflich ist.[9]

[...]


[1] www.filmsite.org/crimefilms.html

[2] DVD: A Personal Journey with Martin Scorsese through American Movies

[3] DVD: The Godfather

[4] DVD: Chicago

[5] DVD: Public Enemy

[6] DVD: Public Enemy

[7] DVD: Scarface

[8] DVD: Bonnie and Clyde

[9] DVD: Scarface

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640278657
ISBN (Buch)
9783640282753
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122496
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Medienwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Gangsterfilm Roaring Twenties Die wilden Zwanziger Raoul Walsh Casino Martin Scorsese

Autor

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