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Weshalb zog es bis 1961 tausende junger DDR-Bürger in den Westen Deutschlands? Welche unterschwelligen Faktoren spielten eine bedeutende Rolle?

Gründe, Verlauf, Integration

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs Flüchtling, Einbezug der Jugendlichen
2.1. Politische - & wirtschaftliche Flüchtlinge aus der DDR

3. Das Erziehungssystem und die schulische Ideologie in der DDR

4. Gründe für junge Zuwanderer aus der DDR in die BRD zu flüchten
4.1. Die Freie Deutsche Jugend

5. Integration der jungen Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland

6. Schlussfolgerung

7. Literatur

1. Einleitung

Nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges sollte eine neue Zeit anbrechen, in der die Menschen nach modernen Lebens- und Gesellschaftsformen suchten, da sie die Erlebnisse der Hitlerdiktatur hinter sich lassen wollten.

Die Deutsche Demokratische Republik die - mit neuen Ideen - in eine neuartige Staatsform einsteigen wollte, bewegte viele Menschen, sich in der DDR niederzulassen. Der ursprünglich politische Grundgedanke in der DDR klang viel versprechend und vor den zuziehenden Menschen, wie auch den bereits in der DDR lebenden Bürgern schien eine Zukunft zu liegen, in der sie ihr Leben augenscheinlich neu ausrichten konnten. Doch bald sollte sich die „goldene Zukunft“, die die Führenden versprachen, als gar nicht so „golden“ herausstellen.

Die Flüchtlingsproblematik, ein immer größer werdendes Problem in der Deutschen Demokratische Republik, warf einen großen Schatten auf die DDR. Die Menschen verließen ihre Heimat zu tausenden und kehrten dem Staat, durch den sie sich ein sozialeres und erfolgreicheres Leben gewünscht hatten, den Rücken zu.

Was bewegte nun diese Flüchtlinge - vor allem junge Menschen - aus der DDR zu flüchten? Welche Gründe veranlassten die Heranwachsenden zu gehen und wie verlief deren Integration in Westdeutschland? Meine Fragen und Erörterungen beziehe ich auf die Zeit vor dem Mauerbau August 1961, da in diesem Zeitabschnitt die meisten Menschen aus der DDR nach Westdeutschland flüchteten. Der Aufbau dieser Proseminararbeit richtet sich nach folgenden Überlegungen und Kriterien: Der Flüchtling eine Begriffserklärung, das Erziehungssystem der DDR, Fluchtgründe und Integration der jungen Zuwanderer in Westdeutschland.

Die Literatur die ich verwendet habe, bezog sich auf den Zeitausschnitt 1945 – 1961. Die häufigsten Arbeitschritte habe ich mit Volker Ackermanns Migrationsforschung, [Der „echte“ Flüchtling, Deutsche Vertriebene und Flüchtlinge aus der DDR 1945-1961] erarbeitet. Dieses Buch erschien mir hervorragend geeignet, um diese Arbeit anzufertigen. Die Forschungsliteratur von Bettina Effner [Flucht im geteilten Deutschland], war ebenso hilfreich.

2. Definition des Begriffs Flüchtling, Einbezug der Jugendlichen

Das Ende des zweiten Weltkrieges führte dazu, dass das besiegte Deutschland in vier Besatzungszonen unterteilt wurde, regiert durch die Siegermächte Frankreich, Großbritannien, Amerika und die Sowjetunion. Die westlichen Besatzungszonen, später aufgegangen in der Bundesrepublik Deutschland, erlebten bereits einen deutlichen Anstieg des Zustroms von Flüchtlingen aus den Ostgebieten („Ostzone“). Diese Zuwanderung hielt stetig bis zum Mauerbau am 13. August 1961 an.

2.1. Anlass für das Inkrafttreten eines „Flüchtlingsgesetzes“

Nach dem Mauerbau gelang es nur noch einzelnen Personen über die Grenze zu gelangen, meist war dies nur mit einem hohen persönlichen Gefahrenpotential zu bewältigen. Durch die großen Zuwanderungsströme entstand in Westdeutschland eine heftige Diskussion über die Frage, wer denn nun Anspruch erheben darf, als „echter“ Flüchtling in Westdeutschland aufgenommen zu werden.

Prämisse war:

Ein „echter“ Flüchtling würde nicht so ohne weiteres sein Heimatland verlassen, wenn die Flucht lediglich durch materielle Überlegungen motiviert war, ein echter Flüchtling hatte nur politische Gründen zu haben.[1] Diese Diskussion beinhaltete auch, zu welchen Kriterien ein DDR- Flüchtling aufgenommen werden dürfe und was für Leistungen dieser erhalten solle.

2.1.1 Politische - & wirtschaftliche Flüchtlinge aus der DDR

Der politische Flüchtling galt in weiten Kreisen der westlichen Intellektuellen einzig als „echter“ Flüchtling. Folge dieser Denkart war, dass die Menschen, welche eben meist aus wirtschaftlichen Gründen aus der DDR flüchteten, bis 1961 nicht als „echte“ Flüchtlinge anerkannt wurden. Eine Schwierigkeit dieser Flüchtlings Definition lag unter anderen darin, dass die Bundesrepublik nicht nur „politische“ Flüchtlinge aufnehmen konnte, denn als Folge diesen Handelns wären die meisten Zuwanderer sich selber und der eigenen Not überlassen worden. Allerdings wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit die Flüchtlingspolitik anders verlaufen, wenn alle Flüchtlinge gleich behandelt worden wären.[2] Dadurch, dass eben auch Wirtschaftsflüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland kamen, war die damalige Bundesregierung, unter Konrad Adenauer, in Zugzwang damit diese Menschen in Westdeutschland von der Bevölkerung akzeptiert wurden.

Die Fluchtbewegung wurde so interpretiert, dass „in der Konkurrenzsituation des Kalten Krieges als Zeichen für die politische Überlegenheit des Westens“[3] diese Menschen aufgenommen wurden. Die deutsche Regierung schuf ein Gesetz, das den Zustrom der Flüchtlinge aus der DDR und Ostberlin regeln sollte.

2.2. Das Notaufnahmegesetz

Das Bundesnotaufnahmegesetz (kurz: Notaufnahmegesetz) wurde am 22. August 1950 verkündet. Die Regelungen, die das Notaufnahmegesetz mit sich brachten, sollten der Bundesregierung die Belastung durch den Zuzug der vielen Menschen erleichtern. In diesen Bestimmungen wurde den Flüchtlingen, nach der Anerkennung in Westberlin, ein Wohnort zugewiesen. Der Zuzug zu dem vorbestimmten Wohnort, war die zwingende Vorraussetzung, damit die DDR- Flüchtlinge in der BRD bleiben durften.

Das Notaufnahmegesetz schuf mit seinem Inkrafttreten ein innerstaatliches Asylrecht. Damit die Anerkennung des „echten“ Flüchtlings mit diesem Gesetz vollzogen werden konnte, war es erforderlich, dass der Flüchtling einer unmittelbar drohenden Gefahr für sein Leib und Leben oder wegen Bedrohung seiner persönlichen Freiheit die DDR verlassen musste.[4] Die westdeutsche Regierung schuf damit einen gangbaren Weg, mit welchem die westlichen Behörden herausfiltern konnten, wer als „echter“ Flüchtling galt und wer eben nicht. Die Menschen, die erfolgreich durch das Notaufnahmegesetz zugelassen wurden, erhielten eine Zuweisung in verschiedene Bundesländer.

2.3. Abgelehnte Flüchtlinge

Flüchtlinge, deren Aufnahmeantrag abgelehnt wurden, erhielten nicht die vollen sozialen Leistungen der Bundesrepublik Deutschland und hatten damit einen weitaus schwierigeren Start in die westdeutschen Realität. Es galt jedoch der eherne Grundsatz, dass kein Flüchtling aus der DDR zurück geschickt werden durfte.[5]

Für jugendliche Zuwanderer, die aus der DDR nach Westdeutschland flüchteten, galt ein besonderer Aspekt des Notaufnahmeverfahrens. Den Jugendlichen wurde von den Aufnahmeausschüssen zumeist ein politisches Fluchtmotiv unterstellt, welches ihnen bei der Aufnahme in Westdeutschland sehr nützlich war.[6] Dadurch erhielten sie sofort die vollen sozialen Leistungen der Bundesrepublik Deutschland für ihren „Neuanfang“ im Westen. Der Grund für diese Verwaltungspraxis war, dass sie bei der Befragung die „Angst vor der Willkürherrschaft der SED“ nicht erwähnten, und somit dann ein „echtes“ Fluchtmotiv eigentlich nicht vorhanden gewesen wäre. Also eine frühe Form des Jugendschutzes.[7]

Flüchtlingszahlen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[8]

Mit diesem Schaubild lässt sich der Anteil der Jugendlichen unter 25 Jahren erkennen, die einen Antrag in Westdeutschland in einem Notaufnahmelager gestellt haben.

3. Das Erziehungssystem und die schulische Ideologie in der DDR

3.1. Sozialistische Persönlichkeit

Das vordergründige Erziehungsziel der sozialistischen Einheitspartei (SED) bestand darin, die Jugendlichen zu sozialistischen Persönlichkeiten zu formen.

Die Schwerpunkte, nach denen sich die marxistisch-leninistische Erziehung orientierte, waren klar formuliert. Mit dieser Lehrmeinung galt es zum einen den „neuen Menschen“ zu formen, zum anderen überwog die Heroisierung der (Industrie)Arbeit als wesentliches Merkmal des sozialistischen Menschenbildes. Die SED wollte mit ihrem Erziehungssystem keinen selbstsicheren und couragierten jungen Menschen heran ziehen, sondern dieser sollte sich dem sozialistischen Kollektiv zugehörig fühlen und sich ein bzw. unterordnen. In diesem Zusammenhang steht an oberster Stelle die Schule, nicht nur beschränkt darauf, den Schülern Wissen, Bildung und Erziehung zu vermitteln, sondern die Aufgabe war es hier vor allem, die Schüler zur Akzeptanz ihres leninistischen - marxistischen Weltbildes zu erziehen.

Die Ziele der sozialistischen Gemeinschaft waren den persönlichen Interessen überzuordnen. Es galt, nicht die eigenen selbständigen freien Gedanken und die eigene Meinung zu äußern. Das Konzept „sozialistische Persönlichkeit“ ist auf Unterordnung, Disziplin und unreflektierte Aufnahme der angebotenen Ideologie ausgerichtet.[9] Das spätere Zitat von Margot Honecker (1981) macht das Streben der DDR hin zu „sozialistischen Persönlichkeit“im Hinblick auf die DDR- Jugend deutlich: „Unsere Schule hat die Aufgabe, den jungen Menschen unsere Ideologie, die wissenschaftlich begründete Ideologie der Arbeiterklasse zu vermitteln.“[10]

3.2. Die Sowjetpädagogik

Die Sowjetpädagogik setzte die Jugendlichen ständig außergewöhnlichen Situationen aus, damit die Betroffenen nicht zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden konnten. Es gestaltete sich so für die Heranwachsenden extrem schwierig, ein eigenes differenziertes Bild der Motive der DDR gegenüber dem Westen zu erhalten.

Ein Propagandasatz lautete unter anderem: „Eines der edelsten Ziele und eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft ist die allseitig entwickelte Persönlichkeit… Sozialistische Persönlichkeiten entwickeln sich in ihren Arbeitskollektiven, im Ringen um höchste Ereignisse im sozialistischen Wettbewerb, beim Lernen, im Sport und bei der Aneignung der Schätze der Kultur, bei der Teilnahme an der Leitung und Planung unserer Gesellschaft auf allen Gebieten. Nachhaltigen Einfluss übt die ideologische Arbeit auf die Entwicklung des Menschen aus.“[11]

Diese Erziehung setzte bereits im Kleinkindalter ein, und wurde in den Kindergärten und Schulen, sowie im Lehrverständnis durch staatliche Organisationen, wie die jungen Pioniere und die Freie Deutsche Jugend noch verstärkt. In diesen Gefügen wurde den Kindern und Jugendlichen das Gefühl vermittelt, dass sich der Staat ihrer annimmt und in „seine Kinder“ „seine eigene Zukunft“ hinein projiziert. Mit solch Gruppierungen lernten Jugendliche bereits die Denkweise des DDR - Regimes kennen. Durch Linientreue zum politisch - ideologischen DDR - Staatswesen konnten Jugendliche ihre schlechten schulischen Leistungen ausgleichen.[12]

[...]


[1] Volker Ackermann , Der „echte“ Flüchtling, Deutsche Vertriebene und Flüchtlinge aus der DDR 1945-1961. S. 138 (V.A.: D.e.F. S. …)

[2] Helge Heidemeyer, Flucht und Zuwanderung aus der SZB/DDR 1945/1949-1961. Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland bis zum Bau der Berliner Mauer, Düsseldorf 1994. Zitiert in: Ebd. V. A., S. 15

[3] Ebd.,S.336; Zitiert in: Ebd. V. A.: D.e.F. S. 15

[4] Ebd. V. A.: D.e.F. S. 13

[5] Bettina Effner, Helge Heidemeyer (Hg.). Flucht im geteilten Deutschland. Zonengrenze. S. 115

[6] V.A: D.e.F.. S.283

[7] V.A: D.e.F. S.253

[8] Die Flucht aus der Sowjetunion und die Sperrmaßnahmen des kommunistischen Regimes vom 13. August 1961 in Berlin, hg. v. Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Bonn/Berlin 1961, S.16. Zitiert in V.A: D.e.F. S.292

[9] Geschichte betrifft uns 1.2006.Jugend in der DDR. Alltag in der Diktatur. S. 3 (G.b.u. S. …)

[10] http://www.verlagdrkovac.de/3-8300-3083-5.htm. Rev. 18.07.2008

[11] Stichwort „Persönlichkeit“, in: Dietz Verlag Berlin: Kleines politisches Wörterbuch. Berlin 1978, S. 686f. Honecker, 8. Parteitag, S.70. Zitiert in: G.b.u. S. 10

[12] Name: Günther Heydemann. Gesellschaft und Arbeit in der DDR http://www.bpb.de/publikationen/09684005911079201032758511048160,7,0,Gesellschaft_und_Alltag_in_der_DDR.html. Rev. 24.Juni 2008

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640278541
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122471
Institution / Hochschule
Universität Basel
Note
1,9
Schlagworte
Weshalb DDR-Bürger Westen Deutschlands Welche Faktoren Rolle Jahrhundert Flüchtlinge Flucht Asyl

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