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Die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der individuelle Nutzen von Feedbackgesprächen im Arbeitsprozess

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Wahrnehmung
2.1 Definition
2.2 Einflussfaktoren der Wahrnehmung
2.3 Wahrnehmung von Personen: Theoretische Modelle
2.3.1 Attributionstheorie
2.4 Abkürzungen („Shortcuts“)
2.5 Johari-Fenster

3 Berufspraktisches Beispiel
3.1 Betriebliche Ausgangssituation
3.2 Situationsanalyse

4 Maßnahmen zur Optimierung des Kommunikations- und Feedbackprozesses
4.1 Definition und Wirkung von Feedback
4.2 Vorgehensweise für konstruktive Rückmeldungen
4.3 Funktionen von Mitarbeitergesprächen
4.4 Zielsetzung in Mitarbeitergesprächen

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung Titel Seite

Abb. 1 die Rubinsche Vase

Abb. 2 Johari Fenster- Ausgangssituation

Abb. 3 Johari-Fenster- veränderte Situation

1 Einleitung

Eigentlich kennt sich jeder Mensch selbst am Besten- sollte man meinen. Doch was ist mit dem so genannten „blinden Fleck“ in der Selbstwahrnehmung? Welchen Eindruck man auf andere macht, ist vor allem im Berufsleben ein wichtiger Erfolgsfaktor. Es gibt einen Weg dies herauszufinden, sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung in Übereinstimmung zu bringen: Feedback von anderen über die eigene Wirkung in diversen Situationen. Nur so kann der „blinde Fleck“ verkleinert und das Verhalten angemessen gesteuert werden.

2 Wahrnehmung

2.1 Definition

„Wahrnehmung kann als eine Form der Widerspiegelung der objektiven Realität in unserem Bewußtsein [!] definiert werden. Dabei werden die von der Umwelt hinterlassenen Eindrücke organisiert und interpretiert“ (STRUNZ, 1999, 30).

Dies hat zur Folge, dass die individuelle, subjektive Wahrnehmung, als Auslöser eines bestimmten Verhaltens, erheblich von der objektiven Realität abweichen kann.

2.2 Einflussfaktoren der Wahrnehmung

Die wahrnehmende Person

Die Interpretation eines Wahrnehmungsgegenstandes ist von verschiedenen persönlichen Faktoren, wie Einstellungen, Motiven, Interessen, Bedürfnissen, Erfahrungen und Erwartungen des individuell Wahrnehmenden abhängig. Diese können stark differenzieren. Dinge, zu denen man aufgrund vergangener Erfahrungen bereits eine Beziehung hat, schränken den Blickwinkel ein und werden somit eher wahrgenommen. Andererseits kann das Interesse an einem Objekt durch Gewohnheit erloschen sein und unbekannte Objekte oder Ereignisse können stärker auffallen. Als Beispiel sind Frauen in Führungspositionen zu nennen, die noch vor einigen Jahren ein ungewohntes Bild abgaben. Ebenso können Erwartungen oder unbefriedigte Bedürfnisse (z.B. Hunger) die Wahrnehmung verzerren (vgl. STRUNZ, 1999, 30).

Das Reizobjekt

Die Eigenschaften und Merkmale eines Reizobjekts, wie z.B. Neuheit, Bewegung, Geräusche oder Größe, formen die Wahrnehmung. Laute oder besonders große Menschen fallen so in einer Gruppe mehr auf als ruhige oder normalwüchsige Personen. Zudem spielt die Beziehung des Objekts zum Hintergrund eine große Rolle, wie man am Beispiel der Rubinschen Vase sehen kann. Je nachdem, ob man die weiße oder die schwarze Fläche als Hintergrund interpretiert, sieht man entweder zwei zugewandte Gesichter oder eine Vase.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 die Rubinsche Vase (Lefrancois 1994, S.101)

Durch räumliche und zeitliche Nähe von Objekten zueinander kann die Wahrnehmung ebenfalls verzerrt werden. Folglich werden Gegenstände, die nahe positioniert sind, miteinander wahrgenommen. Ereignisse, die zeitlich zusammenfallen, werden ebenso nicht isoliert betrachtet, sondern in Verbindung gebracht.

Zudem neigen wir dazu Personen, Objekte oder Ereignisse mit Ähnlichkeiten, wie gleicher Hautfarbe oder Nationalität, zu Gruppen zusammenzufassen. Sie nehmen wir dann auch hinsichtlich anderer Merkmale, die nichts mit diesen zu tun haben, als ähnlich wahr

(vgl. STRUNZ, 1999, 32).

Die Situation

Der Kontext, in dem wir Ereignisse oder Objekte sehen, spielt eine große Rolle bei der Wahrnehmung. Zeitpunkt, Ort, Licht, Wärme, Arbeitsumgebung und soziale Umgebung wirken auf die Wahrnehmung in der Form, dass sich weder Subjekt, noch Objekt ändern und trotzdem eine andere Situation entsteht. Eine stark geschminkte Frau in einer Diskothek würde man nicht gesondert wahrnehmen, am Montagmorgen im Büro schon (vgl. STRUNZ, 1999, 32-33).

2.3 Wahrnehmung von Personen: Theoretische Modelle

2.3.1 Attributionstheorie

Menschen werden, je nachdem welcher Bedeutung wir deren Verhalten beimessen, unterschiedlich beurteilt. Bei der Beobachtung ihres Verhaltens versuchen wir zuallererst herauszufinden, ob internale oder externale Ursachen zugrunde liegen, d.h. erfolgte es aus freien Stücken und unterlag persönlicher Kontrolle oder wurde es von anderen Umständen verursacht. So könnte die morgendliche Verspätung eines Mitarbeiters auf dessen Verschlafen (internaler Faktor) oder auf einen Verkehrsunfall (externaler Faktor) zurückgeführt werden (vgl. ROBBINS, 2001, 162).

Dies entscheiden wir anhand von drei Kriterien:

1. Distinktheitskriterium: Zeigt eine Person in verschiedenen Situationen, unterschiedliche Verhaltensweisen, stufen wir ihr Verhalten als ungewöhnlich ein. Das Kriterium gilt als erfüllt und sein Verhalten als external verursacht.
2. Konsensuskriterium: Reagiert jeder, der sich in einer ähnlicher Situation befindet in derselben Weise, wird man das Verhalten eher auf externale Gründe zurückführen.
3. Konsistenzkriterium: Bleibt die Reaktion einer Person Zeit übergreifend gleich, wird man dies mit internale Faktoren begründen.

Eine wissenschaftliche Entdeckung, die dabei gemacht wurde ist, dass Irrtümer oder Vorurteile die Attributionstheorie verfälschen.
Tendenziell wird die Wirkung internaler Faktoren durch Außenstehende überschätzt, wohingegen externale Faktoren unterschätzt werden. Dies nennt man den Grundirrtum der Attribution. So würde ein Vorgesetzter die niedrigen Verkaufszahlen seines Verkäufers eher auf dessen mangelndes Verkaufstalent, als auf die momentane Marktsituation zurückführen. In der Selbstwahrnehmung dagegen werden Erfolge eher auf internale Faktoren wie Können oder Bemühen zurückgeführt, Fehlschläge jedoch auf externale Faktoren wie Pech. Dieser „ Self-serving Bias“ zeigt, warum Feedback durch Leistungsbeurteilungen verzerrt wahrgenommen werden kann, je nachdem ob es positiv oder negativ ausfällt (vgl. ROBBINS, 2001, 162).

2.4 Abkürzungen („Shortcuts“)

Selektive Wahrnehmung

Ein zentrales Charakteristikum von Wahrnehmung ist, dass sie selektiv erfolgt. Bestimmte Reize werden vom Bewusstsein aus der gesamten Reizumgebung herausgefiltert. Unabdingbare Einstellungen, Erfahrungen oder Interessen sind dabei ausschlaggebend, welche Bruchstücke ausgewählt werden. Dadurch wird die Wahrnehmung stärker durch die Interpretationsbasis des Individuums, als durch den Stimulus selbst beeinflusst. Daraus lässt sich schließen, dass „man sieht, was man sehen will“ (vgl. ROBBINS, 2001, 161-162).

Halo- Effekt

Aus einer einzigen Eigenschaft eines Individuums, wie Erscheinungsbild oder Intelligenz werden Rückschlüsse auf den Gesamtcharakter gezogen. Der Halo- Effekt fällt am stärksten aus, wenn die wahrzunehmenden Eigenschaften hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Verhalten unklar sind, wenn sie moralische Untertöne beinhalten oder wenn der Wahrnehmende Eigenschaften beurteilt, mit denen er aus eigener Erfahrung nur wenig vertraut ist (vgl. ROBBINS, 2001, 162).

Kontrasteffekte/ Vergleichseffekte

Personen werden nicht isoliert betrachtet und beurteilt, sondern deren Wahrnehmung steht unter dem Einfluss von anderen Menschen, die wir vor kurzem getroffen haben. Ein Bewerber um einen Arbeitsplatz überzeugt deshalb nicht nur durch seine persönlichen Eigenschaften, sondern wird vor allem im Vergleich zu dem vorausgehenden oder nachfolgendem Bewerber wahrgenommen (vgl. ROBBINS, 2001, 163).

Projektion

Wir gehen davon aus, dass andere Menschen uns ähnlich sind. Deshalb werden andere Menschen so wahrgenommen, wie wir selbst sind und nicht in einer Weise, die dieser Person tatsächlich gerecht wird. Die Beurteilung von anderen Menschen wird so vereinfacht.

Stereotypen

Verallgemeinerungen sind ein Mittel zur Vereinfachung unserer komplexen Welt mit ihren zahlreichen Stimuli und ermöglichen uns die Aufrechterhaltung von Konsistenz, sowie die Entscheidungsfindung. Menschen, deren Erwartungen von Stereotypen geprägt sind, erfahren unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser auch die entsprechenden Wahrnehmungen. Stereotypen bestehen z.B. hinsichtlich Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Abstammung oder Körpergewicht (vgl. ROBBINS, 2001, 164).

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Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640276639
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122432
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,7
Schlagworte
Selbst- Fremdwahrnehmung Nutzen Feedbackgesprächen Arbeitsprozess

Autor

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Titel: Die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der individuelle Nutzen von Feedbackgesprächen im Arbeitsprozess