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Das Porträt als konfessionelle Propaganda - Martin Luther massenhaft: Cranach porträtiert den Reformator

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 32 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biographisches zu Martin Luther

3. Freund oder Imageberater? - Biographisches zu Lucas Cranach dem Älteren

4. Albrecht Dürer als Vorbild

5. Wirkung und Rezeption der Darstellungen Martin Luthers

6. Propaganda bis in den Tod- Bildnisse Luthers nach seinem Tode

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

Abbildungen

Das Portrait Martin Luthers - Die Schaffung eines Images

1. Einleitung

Ein Porträt[1] ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere künstlerische Darstellung einer oder mehrerer Personen. Neben der Darstellung körperlicher Ähnlichkeit zum Porträtierten sollen auch das Wesen, bzw. die Persönlichkeit der porträtierten Person zum Ausdruck gebracht werden. Daher zeigt das Porträt typischerweise das Gesicht der Person. In der Malerei hat das Porträt seit dem 17. Jahrhundert sehr stark an Bedeutung gewonnen. Fast alle namhaften Maler haben sich seitdem insbesondere als Auftragsmaler intensiv mit Porträts befasst und dadurch zur Entwicklung einer großen Darstellungsvielfalt beigetragen. Seit dem 19. Jahrhundert hat die Fotografie als Darstellungsmedium die Porträtmalerei ergänzt. Die Darstellungsformen werden bezeichnet nach der Anzahl der dargestellten Personen, dem Ausschnitt der Figur und nach deren Haltung zum Betrachter. Überdies werden Bildnisse auch nach ihrer Funktion oder thematischen Auffassung differenziert, wie z. B. als Herrscher- oder Kostümbildnis. Porträts haben im Laufe der Kunstgeschichte eine Fülle an Funktionen erfüllt. In Grabmälern, Denkmalen und auf Münzen sind die Porträts bekannter und berühmter Personen der Nachwelt überliefert worden. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das Medium Malerei vorwiegend für die Verbreitung von Bildnissen verwendet. Im Porträt werden die individuellen Merkmale des menschlichen Kopfes wiedergegeben, teils mit Hinzunahme der oberen oder der ganzen Brust. Je nachdem welche Funktion das Bildnis ausüben soll, verblasst oder steigert sich die Authentizität der dargestellten Person. Die Auffassung, wie ein Bildnis beschaffen sein sollte, wandelte sich im Laufe der Zeit. In der mimetischen Darstellung deutet man das Wesen der Person und konnte anhand der Kleidung und der Mimik deren Machtposition ablesen. Kleider sind ein Teil der charakteristischen Personendarstellung, aber sie weisen auch auf die Wandlungsfähigkeit des Dargestellten hin. Die Frage nach der Wahrheit und Täuschung, ob das wahre Gesicht oder eine Maske gezeigt wird, stellt sich bei jedem Porträt.

Anhand der Porträts Martin Luthers von Lucas Cranach dem Älteren wird hier die Kreierung eines „Image“ zu erläutern sein. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den Entstehungsbedingungen der Lutherdarstellungen und auf der Frage, welchen Ansprüchen und Vorstellungen der Menschen sie gerecht werden mussten, um die Lehre Luthers zu verbreiten. Unter dem Begriff „Image“[2] versteht man hier alle Informationen, Vorstellungen und Wirkungen, die auf eine Person bezogen sind und von ihr ausgehen. In der heutigen Werbung steht dieser Begriff auch für die Vermarktung von Gegenständen, die verbraucherorientiert sind. Auch Politiker oder andere Personen der Zeitgeschichte legen sich in Form ihrer Kleidung, Gestik und Sprechweise ein „Image“ zu, um so ihre Wirkung auf andere zu steuern. Die Lutherstiche- und Holzschnitte wurden verbreitet, um die Lehre und Neuerungen der Reformation im Volk zu verbreiten. Lucas Cranach d. Ä. und seine Werkstatt sind die stärksten Unterstützer Luthers in der großflächigen Verbreitung der Thesen und Werte des Reformators. Fragen tauchen auf. An welchem Punkt ist es notwendig, das „Image“ einer Person zu kreieren? Welcher Formensprache und Darstellungsweise hat Lucas Cranach angewandt? Um diese Fragen zu beantworten, werde ich zunächst kurz auf das Leben Luthers und Cranachs eingehen, um dann anhand der Vorläufer der Porträtkunst die Umsetzung der Person Luthers ins Bild nachzuvollziehen. Ob und inwiefern der Wittenberger Hof die Lutherporträts zu Propagandazwecken genutzt hat, wird ebenfalls Inhalt dieser Arbeit sein.

2. Biographisches zu Martin Luther

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. Sein Vater Hans Luder arbeitete im Kupferbergbau. Da dieser in Mansfeld ein Hüttenwerk pachten konnte, siedelte er mit seiner Frau Margarethe und den Kindern von Eisleben nach Mansfeld über.

Nachdem Martin Luther ab 1490/91 die Trivialschule in Mansfeld besucht hatte, ging er 1497 für ein Jahr an die Domschule nach Magdeburg und trat 1498 in die Pfarrschule St. Georg in Eisenach ein. Während seiner Zeit in Eisenach, in der er bei der kirchlich aktiven Familie Schalbe-Cotta wohnte, konnte Luther hervorragende Lateinkenntnisse erwerben. 1501 immatrikulierte sich Luther an der Erfurter Universität. Dort war das Leben klösterlich streng geregelt und der akademische Unterricht durch Nominalismus und Aristotelismus bestimmt. Die Lehrer in den Artes liberales lehrten ihn eine klare Begriffsbildung und die Kenntnis der Moralphilosophie. Der Ausbildung folgte die Ernennung zum Baccalaureus (1502) und zum Magister artium (1505).

Eigentlich wünschte sein Vater, er möge mit dem Jura- Studium beginnen. Doch die Angst vor dem Jüngsten Gericht, innere Zweifel und die unmittelbare Nahtoderfahrung während eines Gewitters bei Stotternheim waren so genannte Erweckungserlebnisse und er beschloss, Mönch zu werden. 1505 trat er in das Erfurter Augustiner-Eremiten-Kloster ein, in dem Askese und Bibelstudium sein Leben bestimmten. In diesem Kloster legte er im Jahr 1506 zunächst das Mönchsgelübde ab, wurde 1507 zum Priester geweiht und begann danach mit dem Theologiestudium. 1510/11 sandte der Orden Martin Luther nach Rom. Kurz darauf promovierte er zum Doktor der Theologie im Jahr 1512. Im folgenden Jahr übernahm er eine Bibelprofessur an der Universität Wittenberg. Seine durch Demut bestimmte strenge christliche Lebensführung brachte ihn immer öfter in Konflikte mit der katholischen Kirche. Als Prediger in der Wittenberger Stadtkirche trat Luther 1514 erstmal in die Öffentlichkeit. Am 31.Oktober 1517 schlug Martin Luther an die Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche an. Der Papst und die katholische Kirche reagierten mit großem Ärger. Martin Luther wurde vom Papst verbannt und auf dem Wormser Reichstag von 1521 vom Kaiser Karl V. geächtet, Unterschlupf fand Luther unter dem Decknamen Junker Jörg mit Schutz vom Kurfürst Friedrich des Weisen auf der Wartburg. Nach zehn Monaten Schutzhaft kehrte er nach Wittenberg zurück und 1525 heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Sechs Kinder, von denen drei im Kindesalter starben, entstammen der Ehe. Diese Ehe war in Augen vieler Menschen ein Skandal, dass ein Mönch und eine ehemalige Nonne heiraten, das hatte es noch nie zuvor gegeben. Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther in Eisleben, wohin er gereist war, um einen Streit des Mansfelder Grafen zu schlichten. Innerhalb von wenigen Wochen übersetzt Luther auf der Wartburg das Neue Testament aus der Griechischen in Deutsche Sprache. Ausgangspunkt für den Beginn der Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche war wohl weniger Luthers Ablehnung der vorherrschenden Theologie, sondern vielmehr seine aktive Kritik an der Ausübung des Ablasses. Ein Thesenanschlag an die Wittenberger Schlosskirche, wenn auch heftig umstritten und erst nach dem Tod Luthers durch Philipp Melanchthon erwähnt, war allerdings damals eine gängige Veröffentlichungspraxis für Disputationstexte innerhalb der Universität. Öffentliche Wirksamkeit erlangte der Inhalt der Thesen jedoch erst, nachdem sie Ende des Jahres gedruckt worden waren. Nach der Anzeige in Rom wurde der Prozess gegen Luther eröffnet. Kurfürst Friedrich der Weise erreichte, dass Luther durch den päpstlichen Legaten Cajetan in Augsburg verhört wurde. Im folgenden Jahr erschienen die drei reformatorischen Hauptschriften An den christlichen Adel, Von der babylonischen Gefangenschaft sowie Von der Freiheit des Christenmenschen. Zeitgleich wurde der Ketzerprozess wieder aufgenommen und die Bulle Exurge Domine, in der ihm der Bann angedroht wurde, an Luther geschickt. Luther verbrannte die Bulle öffentlich. 1521 reagierte die Kurie mit der Exkommunikation. Vor dem weltlichen Gericht, dem Reichstag zu Worms, widerrief Luther nicht. Vom Kaiser durch ein Edikt in die Reichsacht getan, wurde über Luthers Bücher das Verbot verhängt. Unter kurfürstlichen Schutz kam Luther auf die Wartburg. Von nun an sollte die Reformation ihre politische Dimension gewinnen. 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zurück und widmete sich der Durchführung seiner Reformvorschlägen den sich nach der Reformation herausbildenden Kirchen gewann Luther hohe Autorität, die theologisch reflektiert wurde. In der Barockzeit galt Luther vor allem als Erneuerer der deutschen Sprache und Schöpfer eines deutschen Gottesdienstes und Kirchengesangs. Pietismus und Aufklärung erkannten die Leistung der Lehre Luthers, vermissten bei ihm allerdings Tiefe in Frömmigkeit und Lebenspraxis.

Die früheste, der Kunstgeschichte bekannte Darstellung Martin Luthers ist ein Holzschnitt und befindet sich als Titelblatt einer gedruckten Predigt Luthers gedruckt vom Leipziger Wolffgang Stöckel.[3] Dieses Motiv stammt augenscheinlich von einem Medaillon und stellt eine Person in Dreiviertelansicht mit gestikulierenden Händen, bekleidet mit einer Mönchskutte und auf dem Haupt einen Doktorhut. Der Wortlaut der Umschrift: Doctor • Martinus • Lutter • Augustiner: Wittenb: ist spiegelverkehrt aufgedruckt. Auch das Symbol Luthers, die Lutherrose ist auf dem Umschriftenband zusehen. Mit Hilfe des Siegels und der Schrift kann man Martin Luther identifizieren. Doch wer inspirierte Lucas Cranach zu seinem ersten Lutherporträt?

3. Freund oder Imageberater? - Biographisches zu Lucas Cranach dem Älteren

Lucas Cranach der Ältere, geboren vermutlich 1472, stammt aus dem bambergischen „Cranach“, dem heutigen bayerischen Kronach.[4] Von 1501 bis 1504 lebte er in Wien und arbeitete für den dortigen Humanistenkreis. Im Jahr 1505 wurde er Hofmaler des Kurfürsten Friedrich III. (1463 -1525). 1508 erhielt er den Wappenbrief und seine Werkstatt durfte damit eigene Aufträge annehmen und die Bilder signieren. Cranach war sowohl der produktivste und wirtschaftlich erfolgreichste deutsche Maler seiner Zeit und genoss als einziger eine Ruf der es mit Albrecht Dürer aufnehmen konnte. Seine Bindung an seinen Kurfürsten war sehr eng, so dass ihn in dessen zweijährige Verbannung begleitete, während dieser Zeit übernahm sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere[5] die Werkstatt. Um 1519 schaffte sich Cranach in Wittenberg als Kommunalpolitiker der Residenzstadt ein zweites Standbein. Der Aufnahme in den Stadtrat folgte bald die Ernennung zum Reichskämmerer. Als Ratsherr war er auch für die Rechtsfindung mit zuständig. In den Jahren 1537 - 1544 war er dreimal erster Mann in der Stadt als Wittenberger Bürgermeister. Außerdem betrieb er einen Weinausschank, eine Apotheke, eine Druckerei und eine Buchhandlung. Kein Künstler war enger mit der Familie Martin Luthers freundschaftlich verbunden als Lucas Cranach. 1520 übernahm Luther sogar die Patenschaft für Cranachs Tochter Anna, die er mit seiner Frau Barbara bekam. 1525 war Cranach Trauzeuge bei der Trauung zwischen Martin Luther und der Nonne Katharina von Bora. Cranach unterstützte Martin Luther und seine Lehre durch seine Buchillustrationen und Altarbilder, der Hof in Wittenberg unterstützte dies. Luther war nicht nur ein interessantes Motiv, Cranach überzeugt Kritiker und Käufer auch durch seine überragende Fähigkeit zu porträtieren.[6] Betrachtet man nun das erste bekannte Lutherbildnis und zieht zum Vergleich Darstellungen anderer Renaissancepersönlichkeiten heran, ist Albrecht Dürers Unmut ist wenig verständlich, der ihn veranlasste, den Wittenberger Hof aufzufordern, ein angemesseneres Lutherbildnis zu kreieren. Denn auch Dürer selbst ließ den Wunsch verlauten, Martin Luthers Porträts als Kupferstich anzufertigen. Albrecht Dürer legte seinem Dankesschreiben an Georg Spalatin[7], der ihm Schriften Luthers zugesandt hatte, seinen Kupferstich von Kardinal Albrecht von Brandenburg[8] bei. Dieser Kupferstich inspirierte Lucas Cranach für sein erstes Lutherporträt.[9] Albrecht Dürer selbst bewies, welches Potential im ‘Image’ eines Menschen liegen kann, ist es nicht weit, diese Variation auf jede Person umzulegen. In seiner Stellung als Hofmaler am Hofe Friedrich des Weisen, war es Cranach nicht erlaubt, seine Person derart in den Vordergrund zu stellen, doch diese besondere Situation Mitte des 16. Jahrhunderts ermöglichte es ihm, seine Kunstfertigkeit durch Kreierung eines Image für Martin Luthers zu beweisen. Das große Vorbild für die übrigen Renaissancekünstler war Albrecht Dürer, doch nicht nur auf dem Gebiet der Malerei, sondern auch in der Anwendung und Verbreitung neuer Techniken. Die Darstellungen Martin Luthers von Lucas Cranach d.Ä. sind stark verbunden mit den Selbstporträts vom großen Künstler Dürer. Als Beispiele sollen die drei wichtigsten Selbstbildnisse Dürers und die drei frühesten Kupferstiche Cranachs, die er von Luther schuf. Doch wie schuf Cranach das Image Luthers? Als erstes etablierte er sich selbst als Künstler und er konstruierte ein Bild, das für die Reformation, den Wittenberger Hof und schließlich als Denkmal für den Künstler selbst steht. Doch was bewegte Martin Luther dazu, sich ein ‘Image’ zuzulegen? Joseph Leo Koerner sieht einen Grund in der wirtschaftlichen Revolte in den Deutschen Städten, die nun viel Geld und neue Technik zur Verfügung hatten, was dazu führte, dass sich die Lage für Cranach änderte.[10] Die private und auch die kommunale Nachfrage nach Kunst steigerten sich. Künstlermanufakturen wurden gegründet und am Beispiel Cranachs, der nicht nur Künstler war, sondern eine Werkstatt führte und nebenbei noch vielen weiteren Aktivitäten nachging, wird deutlich, dass sich die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft veränderte hatte. Doch Maler, die nicht Cranachs Geschäftssinn hatten, waren nicht so privilegiert. Im Jahr 1525 richten bildenden Künstler ein Gesuch an die Stadtverwaltung von Straßburg, ihnen beim Suchen eines neuen Beruf zu helfen, denn sie hatten keine Arbeit, seit «durch das Wort Gottes die Achtung vor den Bildern merklich abgefallen ist».[11] Die Künstler waren dazu genötigt, sich ein ‘Image’ in Form einer eigenen Identität, einem Markenzeichen, zu schaffen, um sich in dem neu entstandenen Gefüge des Kunstmarktes zu etablieren.

4. Albrecht Dürer als Vorbild

Albrecht Dürer[12] malte viele Selbstbildnisse von sich, das Älteste zeigt ihn im Knabenalter von 13 Jahren. Auf die drei bedeutendsten möchte ich kurz eingehen: Selbstbildnis mit Eryngium, 1493, daneben die Inschrift: My sach die gat/Als es oben schtat.[13], Selbstbildnis mit Landschaft, 1498, darunter das Monogramm des Künstlers und die Inschrift: Das malt Ich nach meiner gestalt/Ich war sex und zwenzig Jor alt/Albrecht Dürer.[14] und Selbstbildnis im Pelzrock, 1500, links das Monogramm des Künstlers, rechts die Inschrift: Albertus Durerus Noricus/ipsum me proprijs sic effin/gebam coloribus aetatis/anno XXVIII.[15] In die Zeit der Renaissance fällt die Geburt des Individuums, die Bewusstwerdung des Menschen als Individuum nach einer langen Epoche des Verfalls. Diese Gedanken hatten ihren Ursprung zunächst in Italien und mit Albrecht Dürer kamen sie nach Deutschland. Joseph Leo Koerner sieht in den Selbstportraits Dürers die Selbstkontrolle und Selbsterforschung eines Künstlers auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens und mehr noch, „these images are a means by which art symbolizes ist tasks; and what they say is that art is an image of ist maker.“[16] Das Selbstbildnis mit Eryngium ist wahrscheinlich das erste farbige Selbstbildnis eines Künstlers, doch liegt sein Bekanntheitsgrad in seinem Ruf, die Deutsche Renaissance einzuleiten. Es übt die Funktion eines Hochzeitsbildnisses aus. Das Selbstbildnis mit Landschaft ist dagegen laut Panofsky, „the first independent selfportraitever produced“.[17] Als stolzer Edelmann, prunkvoll gekleidet entsprechend der neuesten Mode und den teuren Handschuhen aus Rehleder, eine Nürnberger Besonderheit, erhebt er sich über seine soziale Herkunft als Sohn eines Goldschmieds und zeigt sich dem Betrachter als Aristokrat. In seinem Selbstportrait von 1499 erhebt er sich selbst auf eine überirdische, Christusähnliche Ebene, „he is fashioned in the image of God.“[18] Die Selbstbildnisse Dürers geben sicher Stoff für eine eigene umfangreiche Arbeit. Entscheidend ist in Bezug zum Bildnis Luthers die Tatsache, dass diese drei genannten Porträts denselben Mann in jeweils anderen Rollen darstellen. Diese Möglichkeit der Verwandlung bis hin zur Stilisierung zur Ikone hat Lucas Cranach genutzt, um das ‘Image’ Martin Luthers zu kreieren.

[...]


[1] auch Portrait; v. frz. Portrait

[2] Image (englisch: Bild; Erscheinungsbild), Gesamtheit der Vorstellungen, die eine Person oder eine Gruppe von sich selbst oder von anderen Personen, Gruppen, Objekten und anderen Phänomenen hat. Als soziologischer Begriff geht Image auf die von der sozialpsychologischen Forschung beeinflusste angloamerikanische Absatzforschung zurück, wo er das durch Werbung, PR und Marketing erzeugte Bild einer Person oder eines Produkts bezeichnet.

[3] ebd. S.9.

[4] Hinz, Berthold: Lucas Cranach d. Ä. Reinbeck 1993. S. 12.

[5] Lucas Cranach der Jüngere (* 4. Oktober 1515 in Wittenberg; † 25. Januar 1586 ebenda) war als Sohn von Lucas Cranach dem Älteren ein bedeutender Maler und Portraitist der Renaissance.

[6] Koerner, Joseph Leo, The Moment of Self-Portraiture in German Renaissance Art . Chicago, 1997, S. 364.

[7] Georg Burkhardt Spalatin (* 17. Januar 1484 in Spalt im Bistum Eichstätt (daher sein Name); † 16. Januar 1545 in Altenburg) war ein deutscher Humanist, Theologe, Reformator und Historiker. palatin war seitdem als Beichtvater des Kurfürsten dessen vertrautester Diener, begleitete ihn zu fast allen Reichstagen und vermittelte fast ausschließlich Friedrichs Beziehungen zu Martin Luther; seine nicht hoch genug anzuschlagenden Verdienste um die deutsche Reformation sind bisher noch viel zu wenig gewürdigt.

[8] Albrecht von Brandenburg (* 28. Juni 1490 in Cölln an der Spree; † 24. September 1545 auf der Martinsburg zu Mainz) war zunächst gemeinsam mit seinem älteren Bruder Joachim, Co-Markgraf von Brandenburg. Anschließend trat er in den geistlichen Stand ein und wurde (als Albrecht IV.) Erzbischof von Magdeburg sowie (als Albrecht V.) Administrator für das vakante Bistum Halberstadt. Des Weiteren wurde er Erzbischof von Mainz und als solcher Metropolit der Kirchenprovinz Mainz, Landesherr des Erzstifts Mainz, Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches und später Kardinal der Römischen Kirche. Als Förderer des Ablasshandels und ranghöchster geistlicher Würdenträger in Deutschland war er einer der wichtigsten und populärsten Gegenspieler Martin Luthers.

[9] Warnke, Martin, Cranachs Luther, Frankfurt am Main, 1984, S. 15.

[10] Koerner, Joseph Leo, The Moment of Self-Portraiture in German Renaissance Art, Chicago, 1997, S. 59.

[11] Hinz, Berthold: Lucas Cranach d. Ä. Reinbeck 1993. S. 17.

[12] Dürer, Albrecht (1471-1528), deutscher Maler, Zeichner, Kupferstecher und Kunsttheoretiker, der zu den vielseitigsten Persönlichkeiten der Kunstgeschichte gehört. Sein von den Gedanken der Renaissance, des Humanismus und der Reformation geprägtes Werk wirkte besonders auf die deutschen und niederländischen Künstler der Folgezeit.

[13] Heute in Paris, Musée National du Louvre. Öl auf Leinwand, 57 cm × 45 cm

[14] Gemälde auf Holz. Madrid, Museo Nacional del Prado. 52 cm × 40 cm

[15] Gemälde auf Lindenholz. München, Alte Pinakothek. 67 cm × 49 cm

[16] Koerner, Joseph Leo, The Moment of Self-Portraiture in German Renaissance Art, Chicago, 1997, S. 55.

[17] ebd. S.37.

[18] ebd. S. 67.

Details

Seiten
32
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640274703
ISBN (Buch)
9783640274758
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122263
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,9
Schlagworte
Porträt Propaganda Martin Luther Cranach Reformator

Autor

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