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Otto Hintze als politischer Publizist in der Weimarer Republik

Ein kritischer Beitrag von Wilma Ruth Albrecht

Wissenschaftlicher Aufsatz 2009 28 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

OTTO HINTZE

ALS POLITISCHER PUBLIZIST

IN DER WEIMARER REPUBLIK

Ein kritischer Beitrag von Wilma Ruth Albrecht

Übersicht

I. Die gesellschaftliche Lage in der Weimarer Republik - II. Hintze als politischer Publizist in der Weimarer Republik 1. Die Zeitspanne Hintzes politischer Publizistik 2. Die Thematik Hintzes politischer Publizistik 3. Die inhaltlichen Aussagen Hintzes politischerPublizistik a) "Nationale und europäische Orientierung in der heutigen politischen Welt" b) "Liberalismus, Demokratie und auswärtige Politik" c) "Die Domestikation Deutschlands und die nationale Moral" d) "Der Staat als Betrieb und die Verfassungsreform" e) "Föderativer Imperialismus" 4. Zur Funktion von Hintzes politischer Publizistik in der Weimarer Republik - III. Implikationen und Traditionen von Hintzes antidemokratischen Denkens

In diesem Beitrag wird die politische Publizistik des ´anerkannten´ Historikers Otto Hintze (1861-1940) in der Weimarer Republik dargestellt, analysiert und kritisch bewertet. Hintze gilt als prominenter Wegbereiter der Überwindung des ´deutschen Historismus´. Hintze verband hermeneutisches Sinnverstehen mit überindividuell rezipierbaren Strukturen und kam – in Anlehnung an den Soziologen Max Weber (1864-1920) –zu einer historischen Typenlehre und zu einer strukturgeschichtlichen Sichtweise. Hintzes “theoretisch-methodische Progressivität” (Hans-Ulrich Wehler) ging zugleich mit einer konservativen politischen Einstellung einher.

Meine Darstellung und Kritik folgt der grundlegenden und das Erkenntnisinteresse leitenden Einsicht, dass Geschichte immer und nur Geschichte von Menschen und für Menschen bedeutet, die nicht nur Vergangenheiten, sondern ebenso Gegenwart und Zukunft umfasst1. In diesem Sinn ist Geschichte den Menschen nichts Äußerliches, sondern Immanentes. Geschichtliche Erkenntnis bedeutet damit keinen Selbstzweck, sondern hat die Aufgabe, zur Reflexion des Selbstverständnisses der Menschen in ihrer jeweiligen besonderen gesellschaftspolitischen Situation beizutragen.

Das heißt konkret: Unser Erkenntnisinteresse an dem vorgegebenen Thema zielt auf Ergebnisse

(1) über die Funktion Hintzes Publizistik in der Weimarer Republik,
(2) über das Abhängigkeitsverhältnis von

a. publizistischen Äußerungen und Gesellschaftssystem,
b. publizistischen Äußerungen und ideologischer Tradition.

Deshalb wurde der Darstellung eine Skizze der gesellschaftlichen und politischen Lage der Weimarer Republik vorangestellt, weil diese den Bezugsrahmen für die Bestimmung der Funktion und der Abhängigkeit Hintzes Publizistik bildet.

Die Untersuchung bezieht sich vor allem auf in der Zeitschrift “Wille und Weg” (1925-1929) veröffentlichte Texte Otto Hintzes.

Die Erstfassung des Beitrags wurde 1972/76 erarbeitet, niedergeschrieben und nach Durchsicht kritisch kommentiert von den damals in Köln lebenden sozialwissenschaftlichen Publizisten Dr. Richard Albrecht und Dr. Reinhard Opitz (1934-1986).2

I. Die gesellschaftliche Lage in der Weimarer Republik

Der Weltkrieg und die Novemberrevolution brachten keine grundlegende Änderung der Gesellschafts- und Produktionsverhältnisse, prägten jedoch die weitere Entwicklung entscheidend:

1) Durch den Krieg wurde die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands um mehr als 15 Jahre zurückgeworfen.3
2) Die politischen Auswirkungen der Kriegsniederlage (Versailler Vertrag, Reparationsabkommen) führten zur vollständigen Abhängigkeit Deutschlands von den Siegermächten.4
3) Die in der Novemberrevolution erkämpften demokratischen Rechte wurden in der fortdauernden Zuspitzung der Klassengegensätze von der Reaktion beständig abgebaut.5

Symptomatischer Ausdruck wirtschaftlicher Schwierigkeiten und politischer Auseinandersetzungen bildete die Inflation von 1923. Hierin spiegeln sich zum einen die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit, zum anderen die Konkurrenz kapitalistischer Systeme untereinander, die wiederum zu Lasten der Arbeiter- und Mittelschichten ging.

“Objektiv wurde die Inflation eine Art Revanche, vollzogen von den alten deutschen Oberschichten, den Großkapitalisten und Großgrundbesitzern, an den Massen des Volkes.”6

Zugleich wirkte sie jedoch auch als ein Bumerang, der die an der Inflation interessierten Kreise selbst traf:

“Die fortschreitende Verelendung der Massen führte zur Schrumpfung des Binnenmarktes, zu verschärften Absatzkrisen, zur Revolutionierung der Arbeiterklasse, zur Loslösung der ruinierten Mittelschichten vom ideologischen Einfluß der Monopolherren. Die Inflation hemmte den Reproduktionsprozeß des Kapitals, erschwerte die kapitalistische Planung (in den einzelnen Unternehmen, bei der Aufstellung des Staatshaushaltes usw.) und schädigte die vom Export abhängigen Industriezweige.”7

So ist es nicht verwunderlich, dass 1923 die Klassenkämpfe verschärft in Arbeitskämpfen und politischen Streiks8 zum Ausdruck drängten. Jedoch konnten objektiv erforderliche Sozialisierungsmaßnahmen nicht durchgeführt werden, da sich weder die SPD willens noch die KPD fähig zeigten, der revolutionären Bewegung gezielte organisatorische - politische Unterstützung zu gewähren und dadurch die antidemokratischen Kräfte zurückzudrängen.9

Diese innenpolitischen Machtkämpfe mussten sich notwendigerweise auf die Stabilität des Regierungssystems der Weimarer Republik auswirken; Ausdruck dieser Systemkrise bildeten die zahlreichen Regierungswechsel10. Ab 1924 stabilisierte sich die Lage: nun übernahmen mehr oder weniger offen Vertreter des Kapitals und der alten herrschenden Schichten die Regierungsmacht (charakterisiert in der Person Stresemanns; den Bürgerblockregierungen aus DDP, DVP und Zentrum, in Krisezeiten modifiziert durch SDP).11

Diese 1924 eingetretene relative Stabilisierungsphase der deutschen Wirtschaft und Politik wurde eingeleitet durch den Dawes-Plan 1924, der einerseits die Reparationszahlungen neu regelte, hierzu andererseits Deutschland umfangreiche Kredite, kurz- und längerfristiger Art, zum Wiederaufbau der Wirtschaft und der Infrastruktur gewährte. Diese Maßname wurde notwenig, als sich zeigte, dass durch die deutschen Sachlieferungen, die die Weltmarktpreise erheblich unterboten, und durch die Reparationszahlungen aus Goldbeständen die wirtschaftliche Stabilität der Alliierten selbst bedroht schien, d. h. es bestand die Gefahr, die Inflation zu exportieren. Durch die Kreditleistungen, die nicht einmal umfassend und effektiv zur Gesundung der Volkswirtschaft verwendet werden konnten, kam Deutschland in die fast totale Abhängigkeit von den Siegermächten.12

Die relative Stabilisierungstendenz führte nun wiederum zur Entschärfung der Klassengegensätze, da der direkt materielle Anlass für Arbeitskämpfe durch die mit der wirtschaftlichen Prosperität verbundene Steigerung der Bruttolöhne überdeckt werden konnte.13

Andererseits nun erlaubten diese Zustände den alten herrschenden Kräften sich neu zu formieren und ihren Einfluss auf die politische Sphäre entscheidend zu vergrößern, so vor allem in der Reichswehr, die in ihrem militärischen Bereich unkontrolliert durch effiziente parlamentarisch-demokratische Gremien frei agieren konnte und die die Politik Stresemanns und der Bürgerblockregierung solange duldete, als sie ihre Projekte ungestört ließ. Man bediente sich sogar formaldemokratischer Mittel, um den Einfluss systemkonform abzusichern.14

Durch den Dawes-Plan eröffneten sich aber auch neue Spielräume für außenpolitische Initiativen, die Stresemann erkannte und geschickt zu nutzen verstand.15 So kam es zu den außenpolitischen Erfolgen, wie dem Vertrag von Locarno (1925), dem Beitritt zum Völkerbund als ständiges Mitglied (1926), den Ergebnissen der Haager Konferenz (1929) und dem Young-Plan (1930).16

II. Hintze als politischer Publizist in der Weimarer Republik

1. Die Zeitspanne Hintzes politischer Publizistik

Auffallend bei der Betrachtung Hintzes politischer Publizistik in der Weimarer Republik ist die Zeit, in der sie erfolgte: 1925 bis 1928. Sie fällt somit in eine Zeit, die gekennzeichnet ist:

(1) vom Beginn der wirtschaftlichen Prosperität in Deutschland,
(2) der relativen innenpolitischen Beruhigung,
(3) der fortschreitenden Formierung antidemokratischer Kräfte
(4) und der Zeit außenpolitischer Aktivitäten und Erfolge.

Bekanntlich bedeutete “die politische Veränderung durch Revolution und Versailler Vertrag […] für ihn einen Zusammenbruch aller bisherigen Vorstellungen und Ideale”17. In der Zeit der Prosperität versuchte er sie wieder aufleben zu lassen und zu propagieren, doch als er merkte, dass besonders sein Staatsideal nicht realisierbar sein würde, entschloss er sich zur politisch-publizistischen Enthaltsamkeit, führte jedoch seine wissenschaftliche Arbeit weiter18.

2. Die Thematik Hintzes politischer Publizistik

Betrachtet man Hintzes Themenwahl, die natürlich auch durch das Publikationsorgan, der Halbmonatszeitschrift “Wille und Weg”19, gekennzeichnet ist, dadurch, dass weniger aktuelle Tagesfragen aufgegriffen als vielmehr längerfristige politische Perspektiven entwickelt werden, dass sie ihrem Gehalt nach weniger Informations- als Meinungsbildungsorgan war, so zeigt sich, dass es ihm als im wilhelminischen Geiste denkenden Intellektuellen immer darum ging, wie deutscher Machtpolitik umgesetzt werden könnte. Die Frage nach deren Realisierungsmöglichkeiten durchzieht Hintzes politische Publizistik wie in roter Faden:

1925 stellt sie sich hinsichtlich der Völkerbundspolitik20,

1926 im Zusammenhang von Demokratie und Liberalismus21,

1927 reflektiert er sie im Konzeptes der neuen Staatlichkeit. Hintze sieht das Scheitern deutscher Machtpolitik - außer in den militärischen Beschränkungen des Versailler Vertrages - hauptsächlich im Egoismus des Kapitalismus begründet22, dessen Einfluss sich auf staatlicher Ebene so erweitert habe, dass der Staat in seinen Organisationsformen die Kennzeichen eines auf Effizienz- und Profitstreben ausgerichteten Betriebes annimmt23.

1928 erweitert er diesen Ansatz und unterlegt ihn seinen weltpolitischen Einschätzungen: Die Zukunft des Kapitalismus hinge ab von “Staatenbildung und Politik”24, insbesondere von imperialistischer Politik, wobei Hintze Imperialismus als die “Fähigkeit eine kraftvolle und selbständige Politik zu treiben”25 definiert. Zu einer solchen Politik sei aber der deutsche Staat zur Zeit nicht imstande. Vielmehr habe er sich nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, des Eintritts in den Völkerbund nun mit dem Kolleg-Paktes teils gezwungen teils feiwillig mehr und mehr dem föderalistischen Imperialismus Frankreichs unterworfen.

3. Die inhaltlichen Aussagen Hintzes politischer Publizistik

a. “Nationale und europäische Orientierung in der heutigen politischen Welt”

Ausgangspunkt dieser Betrachtungen bildeten die deutschen Bestrebungen zu einer Verständigungspolitik, insbesondere mit Frankreich, die im Herbst 1925 zu den Locarnoverträgen führten. Hintze meinte, dass der “Gegensatz einer nationalen und einer europäischen Einstellung zu den großen politischen Problemen der Gegenwart [ ] immer mehr die Bedeutung eines sehr wirksamen dynamischen Prinzips in dem weltgeschichtlichen Prozeß der Fortbildung unseres Staatverhältnisses”26 gewinnen würde.

Angesichts des Primats der Außenpolitik, d. h. der Abhängigkeit innenpolitischer Verhältnisse von Umfang und Intensität des Druckes angrenzender Staaten, eine schon früh von Hintze vertretene Vorstellung27, nehme das nationale Prinzip als ideelles Moment eine Abwehrhaltung gegenüber dem außenpolitischen Druck angrenzender Staaten ein. Es bilde als ideologisches Moment auch die Legitimationsgrundlage für Umfang und Art von Anwendung politischer, d. h. machtpolitischer Maßnahmen. Werde dieses Nationalitätsprinzip vernachlässigt oder sei es in einem Volke nur “verkrüppelt” angelegt, müsse der Staat in mehr oder weniger starke Abhängigkeit von den außenpolitischen Verhältnissen kommen. Diesen Zustand glaubte Hintze für Deutschland feststellen zu können. Das Nationalitätsprinzip sei in Deutschland nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Staaten (z. B. England, Frankreich). Daraus resultiere zum einen Deutschlands Schwäche in der gegenwärtigen politischen Welt, zum anderen zeige sich dieser Zustand auch im Unverständnis, das der preußischen Politik gegenüber gebracht werde.28

Auch konstatiert er eine neue Nationalitätsidee, die vom Kapitalismus und Imperialismus geprägt sei:

„Das Wesentliche der neuen Nationalitätsidee liegt in dem durchbrechenden Bewußtsein der staatlich-völkischen Individualität und der damit verbundenen mehr oder weniger natürlichen oder gewaltsamen Identifizierung von Staat und Volk. Neben die ursprüngliche Rechtsgemeinschaft, die materielle Interessengemeinschaft des Merkantilismus und die durch die allgemeine Wehrpflicht vollendete und veredelte Wehrgemeinschaft des Militarismus tritt jetzt die bewußte nationale Kultur- und Bildungsgemeinschaft als ein ideeller Faktor, der das seiner Schärfe beraubte konfessionelle Element zurückdrängt oder wohl ganz zu ersetzen bestrebt ist. Dabei wird aber gerade das nationale Bildungsmonopol des modernen Staates mehr und mehr zu einer seiner stärksten politischen Waffen. Es dient dem militärisch-politischen Machbedürfnis und den vorherrschenden materiellen Interessen. Es verbindet sich mit dem Geist des Imperialismus und des Kapitalismus zu einer unauflöslichen Einheit. In dem Übermaß von Machtrivalität und Handelskonkurrenz, von Argwohn und Mißtrauen, von Revanchelust und Irredentismus, die aus der modernen Struktur des Nationalstaates entspringen, liegt der größte Teil der Ursachen für den Ausbruch des Weltkrieges.“.29

Da der Erste Weltkrieg das auf einem Gleichgewicht beruhende System Europas zerstört und es durch ein Weltstaatensystem ersetzt habe, stellte sich Hintze die Frage, wie Deutschland von einem “wiederhergestellten Europa” profilieren könnte. Dabei griff er das diskutierte Konzept “Vereinigte Staaten von Europa” auf, das sich versteht als ein Orientierungsmodell am englischen Weltreich.

[...]

1 Vgl. genauer Wilma Ruth Albrecht, Nachkriegsgeschichte/n. Sozialwissenschaftliche Beiträge zur Zeit(geschichte). Aachen: Shaker, 2007 (=Berichte aus der Geschichtswissenschaft):

http://www.shaker.de/Online-Gesamtkatalog/details.asp?ID=8595495&CC=25592&ISBN=3-8322-6506-6

2 Zum letztgenannten und dessen These der Bewußtseinsfalsifikation veröffentlichte erstgenannter inzwischen ein ausgreifendes Porträt: Richard Albrecht, Reinhard Opitz´ These der Bewußtseinsfalsifikation - dreißig Jahre später: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/pot/24644.html; auch online bei: http://anti-b.de/index.php?1817; Druckfassung in: Topos. Internationale Beiträge zur dialektische Theorie, 24.2005, S.124-146; erheblich gekürzt auch in der Berliner Tageszeitung junge Welt (26.11.2004, S. 10-11) Zum letztgenannten und dessen These der Bewußtseinsfalsifikation veröffentlichte erstgenannter inzwischen ein ausgreifendes Porträt (Richard Albrecht, Reinhard Opitz´ These der Bewußtseinsfalsifikation – dreißig Jahre später: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/pot/24644.html; auch online bei: http://anti-b.de/index.php?1817; Druckfassung in: Topos. Internationale Beiträge zur dialektische Theorie, 24.2005, S.124-146; erheblich gekürzt auch in der Berliner Tageszeitung junge welt (26.11.2004, S. 10-11) und seine weiterreichende These zur ganzdeutschen „Verdummungsindustrie“ (Richard Albrecht, Such Linge. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (= Berichte aus der Sozialwissenschaft), Aachen: Shaker, 2008:

http://www.shaker.de/online-Gesamtkatalog/details.asp?ID=8598672&CC=63301&ISBN=3-8322-7333-6)

3 Vgl. J. Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus. Bd. 5: Darstellung der Lage der Arbeiter in Deutschland 1917/18 bis 1932/33. Berlin 1966, S. 3-5

4 Denn abgesehen von territorialen Abtrennungen, militärischen Beschränkungen und psychologischer Demoralisierung wirkten sich gerade die Reparationsverpflichtungen Deutschlands gegenüber den Siegermächten als doppelte Abhängigkeit aus; erstens durch Höhe der Summe der Reparationsleistungen und zweitens durch die daraus notwendig gewordenen ausländischen Kapitalanleihen.

5 Der Abbau demokratischer Rechte erfolgte unter der Legitimierung von Sachzwängen (vgl. Ermächtigungsgesetz vom 13. Oktober 1923: Regierungsvollmacht für Verordnungen mit Gesetzeskraft auf allen Gebieten der Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik)

6 A. Rosenberg, Die Geschichte der Weimarer Republik. Hrsg. V. K. Kersten. Frankfurt/Main 1961, S. 106: „Die hauptsächlichsten Leidtragenden bei der Inflation waren die großen Massen der deutschen Lohn- und Gehaltsempfänger, denn die Papierscheine, die sie empfingen, wurden ihnen in ihren Händen entwertet. So sanken der Reallohn und die Lebenshaltung der breiten Volksmassen immer mehr. Ebenso waren die Steuern, die der Staat empfing, völlig entwertet, denn auf dem Wege von der Einschätzung bis zur Zahlung hatte sich der Wert der Mark wieder entsprechend vermindert. Der deutsche Mittelstand, soweit er Wertpapiere in Papiermark besaß, verarmte durch die Inflation vollständig [..] Goldene Zeiten hatte die Großindustrie. Auch sie war von den Schulden befreit und erhielt von der gutmütig borgenden Reichsbank immer neue Kredite, die praktisch niemals zurückbezahlt wurden.“ (S. 105 f.)

7 W. Ruge, Deutschland 1917-1933. Berlin 1967, S. 195

8 Vgl. J. Kuczynski, aaO (Anm. 3), S. 243

9 Z. B. Hitlers Putschversuch (November 1923), Freikorps und Militärs. Vgl. F. L. Carstens: Reichswehr und Politik 1918-33. Berlin-Köln 1964

10 Vgl. Minister-Plötz. Regenten und Regierungen der Welt. Bd. II, bearbeitet von B. Spuler. Würzburg 1964, S. 13 ff.

11 Vgl. zum Parteiencharakter S. Neumann: Die Parteien der Weimarer Republik [1932]. Neuauflage Stuttgart 1965

12 Dawesplan, Artikel über die Zinssicherung und Kapitaltilgung: Es „war die Linie des amerikanischen Monopolkapitals, den deutschen Produktionsapparat technisch auf die Höhe zu bringen, um sich an den Profiten der deutschen Monopolisten direkt und (durch Rückzahlung der Schulden Frankreichs und Englands mittels deutscher Reparationszahlungen) indirekt zu beteiligen, sowie Deutschland mit einem durch amerikanische Hilfe modernisierten Produktionsapparat im Kampf gegen die Sowjetunion einzusetzen.“ J. Kuczynski, aaO (Anm. 3), S. 5-6, hier zit. S. 6

13 Diese Aussage impliziert nicht, dass hier einer mechanistischen Auffassung von Klassenkampftheorie und geschichtlicher Entwicklung gefolgt wird. Jedoch müssen durch die skizzenhafte Verkürzung aller Elemente, die hindernden und treibenden, sowie insbesondere massenpsychologische Erklärungsmodelle zu kurz kommen

14 So durch die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten (1926):„Denn Hindenburg betrachtete sich als den wirklichen Oberbefehlshaber der Reichswehr. Er reservierte alle wesentlichen Angelegenheiten seiner persönlichen Entscheidung und trat jedem Versuch der politischen Parteien, sich in Militärangelegenheiten einzumischen, unbedingt entgegen.“ A. Rosenberg: aaO (Anm. 6) S. 185

15 Die Initiativen Stresemanns fußten natürlich auch auf der Verständigungsbereitschaft Englands und insbesondere Frankreichs (mit seiner linksliberaler Regierung Herriot)

16 Rosenberg betont, dass dieser außenpolitischen Erfolge für Stresemann nur dadurch erreichbar gewesen seien, dass er Deutschland an das westliche amerikanische Finanzkapital anhängte. Wir können jedoch hier nicht die realen Alternativen zu dieser von Stresemann verkörperten Politik diskutieren. A. Rosenberg, aaO (Anm. 6), S. 162 ff.

17 G. Oestreich: Otto Hintzes Stellung zur Politikwissenschaft und Soziologie. In: Hintze: Gesammelte Abhandlungen, Bd. II, Soziologie und Geschichte, hrsg. von G. Oestreich. Göttingen 1964², S. 21

18 Vgl. hierzu die „Bibliographie selbständiger Schriften“ von Otto Hintze in:O. Hintze, Gesammelte Abhandlungen. Bd. I. Staat und Verfassung, hrgg. von G. Oestreich, Göttingen 1962², S. 567-568 und 576-577

19 Die Zeitschrift „Wille und Weg. Halbmonatsschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur“ wurde im Berliner Bertinetti-Verlag (1.1925/26 ff. [bis1929]) veröffentlicht und ist nicht zu verwechseln mit der ab 1931 im Münchener Eher-Verlag erschienenen NSDAP-Zeitschrift [Unser] „Wille und Weg“

20 O. Hintze, Nationale und europäische Orientierung in der heutigen politischen Welt. In: Gesammelte Abhandlungen, Bd. II, aaO (Anm. 17), S. 193 ff.

21 O. Hintze, Liberalismus, Demokratie und auswärtige Politik. In: ebenda, S. 200 ff.

22 O. Hintze, Die Domestikation Deutschlands und die nationale Moral. In: Wille und Weg, 3. Jg. 1927, S. 12-17

23 O. Hintze, Der Staat als Betrieb und die Verfassungsreform. In: Gesammelte Abhandlungen, B.II, aaO (Anm. 17), S. 205 ff.

24 O. Hintze, Die Zukunft des Kapitalismus. In: Wille und Weg, 4. Jg. 1928, S. 110-115

25 O. Hintze, Föderalistischer Imperialismus. In: Gesammelte Abhandlungen, aaO (Anm. 17), S. 210 ff.

26 O. Hintze, Nationale und europäische…, aaO (Anm. 20), S. 193

27 Vgl. O. Hintze, Roschers politische Entwicklungslehre. In: Gesammelte Abhandlungen, aaO (Anm. 17), S. 3-45

28 „In der ganzen deutschen Geschichte hat es nur einmal eine nach dem Muster der westlichen Nachbarn geformte gesunde und bewußte Realpolitik ergeben: das ist die Linie der preußischen Politik, die durch den Namen Friedrich des Großen und Bismarcks bezeichnet ist, die aber in Deutschland selbst vielfach als etwas Fremdartiges und Unheimliches empfunden worden ist bis auf den heutigen Tag.“ O. Hintze, Nationale und europäische…, aaO (Anm. 26), S.194

29 Ebenda

Details

Seiten
28
Jahr
2009
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122223
Note
Schlagworte
Otto Hintze Publizist Weimarer Republik

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Titel: Otto Hintze als politischer Publizist in der Weimarer Republik