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Konkurrenz durch Direktbanken. Folgen für das Privatkundengeschäft der „klassischen“ Filialbanken

Hausarbeit 2008 15 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung des Privatkundengeschäfts bis 2007

3. Strategien für die Zukunft

4. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Versicherung

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Diese Seminararbeit ist in zwei Hauptteile aufgeteilt. Der erste Teil der Arbeit be- schäftigt sich mit der Entwicklung des Privatkundengeschäfts bis jetzt. Der zweite Teil zeigt Entwicklungsperspektiven auf und ist daher stark zukunftsorientiert.

Da es sich bei diesem Thema um ein sehr aktuelles Thema handelt, habe ich keine Literatur benutzt, die vor dem Jahr 2000 entstanden ist. Aus diesem Grund habe ich als Quellen hauptsächlich aktuelle Zeitungsartikel, Berichte der Deutschen Bundes- bank und Diskussionsbeiträge benutzt.

Ein besonderes Augenmerk wird in dieser Arbeit darauf gelegt, wie die Direktbanken mittels des Einlagengeschäfts erhebliche Marktanteile gewonnen haben.

Ich halte es für wichtig, den Begriff Direktbank vorab zu definieren. Eine Direktbank ist ein Kreditinstitut, das i.d.R. auf ein Filialnetz verzichtet und deshalb mittels Brief, Telefon, FAX und Internet mit seiner Kundschaft kommuniziert, gleichwohl aber über eine Vollbanklizenz verfügt und hauptsächlich auf die Retail-Kundschaft fokussiert ist.1

Als Retail-Kundschaft betrachte ich Mengenkunden, die stark standardisierte Bank- produkte und -dienstleistungen nachfragen und über eher begrenzte finanzielle Mittel verfügen.2

Neben dem Retail Banking existiert noch das Private Banking. Das Private Banking wird von den Direktbanken regelmäßig nicht betrieben, da diese Sparte sehr bera- tungsintensiv ist. Der Private Banking-Kunde wird von Swoboda wie folgt definiert:

„Sie erwarten von ihrem Kreditinstitut keine Standardleistungen, sondern individuelle Problemlösungen, die steuerliche Aspekte in den Vermögensaufbau einbeziehen.“3

Bis heute erbringen die Direktbanken diese Leistung nur unzureichend, daher wird das Private Banking-Klientel von Direktbanken kaum angesprochen.

2. Entwicklung des Privatkundengeschäfts bis 2007

Im Jahr 1965 wurde die heutige Ing-DiBa gegründet. Daher ist der Gedanke einer Di- rektbank keine Erfindung der jüngeren Vergangenheit, sondern in den sechziger Jah- ren des letzten Jahrhunderts entstanden. Doch erst in jüngerer Vergangenheit kam es zu einem vermehrten Auftreten von Direktbanken im deutschen Privatkundenge- schäft.

Während in früheren Zeiten der Kunde regelmäßig die gleiche Bankverbindung wie seine Eltern einging und an dieser in der Regel auch dauerhaft festgehalten wurde, kam es in jüngerer Zeit dazu, dass die Bankverbindung der Eltern nicht zwingend die Bankverbindung der Kinder wurde. Hier orientierte sich das Eingehen einer Ge- schäftsverbindung vielmehr an Kondition, Beratung und Seriosität des Finanz- dienstleisters. Wie eine Studie von Ernst & Young unter 3000 Befragten ergeben hat, sind 93% der Befragten die Seriosität, 88% die günstige Kondition und weiter 88% die Beratung sehr wichtig bei der Wahl der Geschäftsbeziehung.4

Während die Parameter Seriosität und Beratung durch den Kunden im Regelfall nur schwer nachprüfbar sind, ist die Kondition sehr einfach vergleichbar und überprüfbar. Dies wird durch die vermehrte Nutzung des Internets noch erheblich begünstigt, da hierdurch in kurzer Zeit eine Vielzahl von Angeboten miteinander verglichen werden kann.

Viele Direktbanken haben daher einen aggressiven Preiskampf begonnen, um damit den Markteintritt schnell und dauerhaft zu schaffen. Begünstigt durch die niedrigen Zinsen im kurzfristigen Bereich ab dem Jahr 2003 und durch eine normale Zinsstruk- turkurve, wurde das Tagesgeldkonto von vielen Direktbanken als optimale Möglich- keit entdeckt, den Markteintritt zu schaffen und dennoch sehr auskömmliche Zins- überschüsse zu erwirtschaften.

Das Tagesgeldkonto bietet eine interessante Möglichkeit den Markteintritt zu schaf- fen, da dies keinen kompletten Wechsel der Bankverbindung bedingt, sondern nur das Eingehen einer Zweitbankverbindung. Weiter ist das Tagesgeldkonto als Anker- produkt zur Neukundengewinnung ideal geeignet, da der Beratungsaufwand sehr ge- ring und die Abwicklung ebenfalls sehr einfach ist.5 Die Konditionen, die die Direkt- banken für Einlagen auf Tagesgeldkonten zahlten, lagen gerade in den Jahren 2003 – 2005 weit über dem Marktniveau für täglich fällige Einlagen, was eine Umschich- tung von kurzfristigen Geldern zugunsten der Direktbanken sehr begünstigte.

Das Volumen, das die deutschen Kreditinstitute als Spar- und Sichteinlagen verwal- ten, hat sich in den letzten 5 Jahren beinahe verdoppelt und zeigt als eindeutige Gewinner die Direkt- und Autobanken, da diese seit dem Jahr 2000 mit täglich fälligen Einlagen ca. 80 Mrd. Euro an Einlagen hinzugewinnen konnten.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie die Deutsche Bundesbank in Ihrem Monatsbericht Mai 2006 feststellt, konnten die Direktbanken ihre Bilanzsumme am Anteil der Gesamt-Bilanzsumme aller Kredit- institute im März 2006 auf 1,5% steigern. Dies stellt mehr als eine Verdoppelung zum Dezember 2000 dar, als der Anteil noch bei ca. 0,6% lag.7

Die Direktbanken verwalteten im März 2006 ca. 4,6% aller Einlagen die bei Kreditinstituten in Deutschland unterhalten wurden. Auch dies ist im Vergleich zum Dezember 2000 mehr als eine Verdoppelung und übertrifft den Anteil an der Bilanzsumme erheblich. Am stärksten ausgeprägt ist allerdings das Geschäft bei täglich fälligen Einlagen mit Privatpersonen, da der Anteil der Direktbanken hier im März 2006 bei ca. 14% des deutschen Gesamtvolumens liegt. Im Vergleich zum Dezember 2000 liegt hier fast eine Verdreifachung vor. Der Marktanteil bei längerfristigen Einlagen liegt knapp unter 1% der deutschen Gesamteinlagen und liegt damit leicht unter dem Bi- lanzsummenanteil. Es kann daher festgehalten werden, dass das Geschäft mit Privatpersonen und gerade hier das Geschäft mit täglich fälligen Einlagen das Kerngeschäft der Direktbanken ist, da sie hier überproportional stark vertreten sind.

Vielmals geht diese vorgenannte Entwicklung auf eine weit über dem Marktniveau liegende Konditionierung, die die Direktbanken gerade in den Jahren 2003 – 2005 geboten haben, zurück. Doch die vielfach getroffene Annahme, dass die Direktban- ken sich diese Konditionen nicht langfristig leisten können, scheint falsch. Diese relativ hochverzinslichen kurzfristigen Einlagen stellen eine günstige Refinanzierung dar, da laut interner Kalkulation bis zu 50% der Einlagen für mehr als 5 Jahre auf den Konten angelegt sind und daher im längerfristigen Bereich ausgeliehen werden kön- nen.8 Dies stellt gerade in Zeiten einer normalen Zinsstrukturkurve eine interessante Möglichkeit dar, Überschüsse zu generieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus den vorgenannten Gründen liegt der Zinsüberschuss der Direktbanken daher auch mit 1,6% der DBS über dem Zinsüberschuss aller Banken, der bei ca. 1,2% der DBS liegt.9 Bedingt ist dies dadurch, dass insbesondere Filialbanken teilweise eine teure Refinanzierung über langfristige Einlagen vornehmen. Es ist den Direktbanken daher möglich, auch bei hohen Tagesgeldkonditionen einen auskömmlichen Zins- überschuss zu erwirtschaften. Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen wurden durch erhebliche Volumensteigerungen auf ein Niveau gesenkt, das nur noch leicht über dem aller Banken liegt. Im Jahr 2005 lagen die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen der Direktbanken bei ca. 1,25% der DBS. Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen der anderen Banken lagen im Jahr 2005 bei ca. 1,0% der DBS. Aktuelle Zahlen der ING-DiBa zeigen auf, dass der Kostenvorteil zukünftig bei den Direktbanken liegen wird.10 Die ING-DiBa hat ermittelt, dass die operative Aufwandsquote, d.h. operativer Aufwand im Verhältnis zu verwalteten Kundengeldern, Krediten und Depotvolumen, der ING-DiBa bei 0,50% liegt. Für die Sparkassen auf DSGV-Ebene hat die ING-DiBa einen Wert von 1,31% ermittelt.

[...]


1 vgl. U.C. Swoboda, Retail Banking und Private Banking - Zukunftsorientierte Strategien im Privat- kundengeschäft, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2004, S. 53

2 vgl. U.C. Swoboda, Retail Banking und Private Banking - Zukunftsorientierte Strategien im Privat- kundengeschäft, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2004, S. 39 f.

3 U.C. Swoboda, Retail Banking und Private Banking - Zukunftsorientierte Strategien im Privat- kundengeschäft, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2004, S. 40

4 vgl. Sebastian Jost, Deutschlands Bankkunden werden zu Rosinen-Pickern, in Die Welt vom 24.10.2007, S. 13 f.

5 vgl. zeb/rolfes.schierenbeck.associates: Filialbanken verlieren klassisches Einlagengeschäft http://www.zeb.de/zeb/de/presse/pressemitteilungen/newsdetails.html?newsId=990&cmsframe=ha upt [Zugriff: 12.11.2007]

6 vgl. zeb/rolfes.schierenbeck.associates: Filialbanken verlieren klassisches Einlagengeschäft http://www.zeb.de/zeb/de/presse/pressemitteilungen/newsdetails.html?newsId=990&cmsframe=ha upt [Zugriff: 12.11.2007]

7 vgl. Deutsche Bundesbank, Zur Entwicklung der Direktbanken in Deutschland, in Monatsbericht Mai 2006, S. 28 f.

8 vgl. zeb/rolfes.schierenbeck.associates: Filialbanken verlieren klassisches Einlagengeschäft http://www.zeb.de/zeb/de/presse/pressemitteilungen/newsdetails.html?newsId=990&cmsframe=ha upt [Zugriff: 12.11.2007]

9 vgl. Deutsche Bundesbank, Zur Ertragslage der Direktbanken in Deutschland, in Monatsbericht September 2006, S. 24 f.

10 vgl. o.V., ING-DiBa-Chef sieht Direktbanken im Vorteil, in Börsen-Zeitung vom 19.10.2007, S. 7

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640269211
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122172
Note
2
Schlagworte
Konkurrenz Direktbanken Folgen Privatkundengeschäft Filialbanken Bankbetriebswirt

Autor

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