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Die Theologie und der biblische Hintergrund des Epiphaniasfestes

Hausarbeit 2006 26 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Kurzer geschichtlicher Überblick zu Epiphanias

2. Die biblischen Erzählungen zum Erscheinungsfest
2.1 Die Weisen aus dem Morgenland (Mt 2, 1-12)
2.1.1 Exegetischer Zugang
2.1.2 Theologischer Hintergrund
2.2 Die Taufe Jesu (Mt 3, 13-17)
2.2.1 Exegetischer Zugang
2.2.2 Theologischer Hintergrund
2.3 Das Weinwunder zu Kana (Joh 2, 1-11)
2.3.1 Exegetischer Zugang
2.3.2 Theologischer Hintergrund
2.4 Das Speisungswunder Jesu (Joh 6, 1-15)
2.4.1 Exegetischer Zugang
2.4.2 Theologischer Hintergrund

3. Die Bedeutung des Erscheinungsfestes aus heutiger Sicht

4. Abschließende Bemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Epiphaniasfest, das „Fest der Erscheinung des Herrn“, hat vielleicht die vielfältigste Bedeutung von allen Festen des christlichen Kirchenjahres. An Epiphanias findet nicht nur das Gedenken an die Weisen aus dem Morgenland statt, sondern auch die Erinnerung an die Taufe Jesu sowie an das Weinwunder zu Kana. Schließlich tragen auch die Speisungswunder Jesu den Charakter einer Epiphanie, denn „in ihnen gibt sich Jesus in seiner ihm von Gott verliehenen königlichen Herrlichkeit zu erkennen.“[1]

Welche Aussagekraft haben diese Erzählungen noch für die heutige Zeit und welche theologischen Grundgedanken lassen sich in ihnen erkennen? Vor allem dieser Frage will die vorliegende Arbeit nachgehen. Es soll weniger um die geschichtliche Entwicklung oder das religiöse Brauchtum des Erscheinungsfestes gehen, als um den theologischen Gehalt, der vom Dreikönigsfest ausgeht. Dazu sollen im Folgenden die jeweiligen Bibelstellen (Mt 2, 1-12; Mt 3, 13-17; Joh 2, 1-11; Joh 6, 1-15) näher untersucht und deren Bedeutung herausgestellt werden.

Das Epiphaniasfest ist das älteste Fest der Kirche, das kalendarisch festgelegt war. Es wurde schon um 300 im Osten und bald darauf auch im Westen gefeiert. Obwohl es regional unterschiedliche Schwerpunkte in der Feier gab, verlagerte sich im Laufe der Zeit im Westen der Schwerpunkt auf die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, wodurch ein engerer Bezug zum Christfest hergestellt wurde. Es ist gleichsam das Fest, das die Bedeutung des Christfestes weiter vertieft. Aus diesem Grund wird ein Schwerpunkt dieser Arbeit auch auf der bekannten Geschichte von den Magiern aus dem Osten liegen, anhand derer die Geltung des Epiphaniasfestes nachvollzogen werden soll.

Trotz des sehr engen Bezugs zum Weihnachtsfest, das durch die Geburtserzählung aus Lk 2 geprägt ist[2], „beruht das Erscheinungsfest auf der Tradition des Matthäus-Evangeliums vom «neugeborenen König der Juden»“.[3] Es geht um die „Macht und Herrschaft des Christus“[4], um den Herrn, „der sich in Jesus der Menschheit zuwendet und seine Königsherrschaft über die Welt aufrichtet“.[5] Dem soll auch die vorliegende Arbeit gerecht werden und damit der gegenwärtigen Entwicklung entgegenwirken, nach welcher dieses alte und traditionsreiche Fest durch Weihnachten etwas in den Schatten gestellt wird. Das Erscheinungsfest kann in seiner kräftigen Symbolik und Bildhaftigkeit davon zeugen, „daß wir uns mit unseren besten und wertvollsten Möglichkeiten und Gaben dem Reiche Gottes zuwenden können“.[6] Es macht uns zeichenhaft die Bedeutung Jesu für die ganze Welt, für alle Völker, deutlich. In ihm erkennen wir die Herrlichkeit Gottes und haben Grund, in dieser Welt, die noch in der Dunkelheit liegt, zu hoffen und uns an dem Mysterium zu erfreuen, das uns in Jesus Christus offenbart ist.[7]

Kurzer geschichtlicher Überblick zu Epiphanias

Das Epiphaniasfest entstand zu Beginn des 4. Jahrhunderts in Ägypten und verdrängte dort vermutlich das ältere heidnische Fest von der Geburt des ägyptischen Sonnengottes Aion.[8] Man gedachte hier sowohl der Taufe Jesu als auch seiner Geburt. Auch die Verehrung der ersten Zeichen Jesu (Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana) spielte eine Rolle.

Die abendländische Kirche übernahm gegen Ende des 4. Jahrhunderts das Epiphaniasfest, beging das Fest von der Geburt Jesu jedoch am 25. Dezember.[9] Als man später das Weihnachtsfest von den westlichen Kirchen übernahm, verschob sich das „Motiv der Menschwerdung Gottes“[10] auch in der Ostkirche auf den 25. Dezember. Der 6. Januar stand jetzt überwiegend im Zeichen der Taufe Jesu.

Von Ägypten aus breitete sich das Erscheinungsfest bis in die westlichen Gebiete des römischen Reiches und nach Rom selbst aus. Dort wurde der „Motivkomplex Weise – Taufe – Kana“[11] auseinandergefaltet: Am 6. Januar stand die Anbetung der Weisen im Mittelpunkt, während man am 13. Januar (Oktavtag der Epiphanie) der Taufe Jesu und am Sonntag darauf der Hochzeit von Kana gedachte. Der 6. Januar wurde also zum Tag der „Heiligen Drei Könige“ im engeren Sinne, so wie er auch heute bei uns noch im Wesentlichen begangen wird.

2. Die biblischen Erzählungen zum Erscheinungsfest

Die geschichtliche Entwicklung des Epiphaniasfestes zeigt, dass es regionale Unterschiede in den Schwerpunkten der Feier gab. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt jedoch immer mehr auf die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland (Mt 2, 1-12). Diese Perikope soll daher im Folgenden näher untersucht werden. Im Anschluss daran soll aber auch die Taufe Jesu (Mt 3, 13-17), das Weinwunder zu Kana (Joh 2, 1-11) und auch das Speisungswunder Jesu (Joh 6, 1-15) in das Zentrum der Untersuchungen rücken.[12] Dabei soll so vorgegangen werden, dass nach einer möglichst kurzen exegetischen Auseinandersetzung, die selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, der theologische Gehalt des jeweiligen Textes und seine Bedeutung für Epiphanias herausgestellt werden sollen.

2.1 Die Weisen aus dem Morgenland (Mt 2, 1-12)

Der Bericht des Matthäus über die Sterndeuter aus dem Osten gehört wohl zu den bekanntesten Geschichten der Bibel. Sie ist die Geschichte, die am ehesten mit dem Epiphaniasfest verbunden wird.

2.1.1 Exegetischer Zugang

Die Magiergeschichte kann innerhalb des Matthäusevangeliums als Beginn von etwas Neuem angesehen werden. Sie hebt sich sowohl durch einen Subjektwechsel als auch durch einen Ortswechsel von der vorhergehenden Geschichte ab. Die Geburt Jesu, die an 1,25 anknüpft, wird nicht erzählt.[13]

Bei der Frage, ob es sich bei der Perikope Mt 2, 1-12 um eine ursprünglich selbstständige Geschichte handelt, herrscht bei den Exegeten keine Einhelligkeit. So geht Eduard Schweizer davon aus, „daß der Zug der Magier nach Betlehem zuerst für sich erzählt worden ist“[14] und die Erkundigung bei Herodes „also eigentlich unnötig sei“.[15] Dagegen nimmt Ulrich Luz an, dass es nicht möglich sei, „zu einer ursprünglich selbständigen Magiererzählung, die nicht schon im Zusammenhang mit der Verfolgung und Errettung des Jesukindes (2, 13-23) erzählt worden ist, zurückzukommen.“[16]

Diese grundsätzliche Zweiteilung, „nämlich die Begegnung mit dem falschen Judenkönig Herodes (V. 3 – 9a) und die mit dem echten Königskind in Betlehem (V. 9b – 12)“[17], wird von vielen Exegeten als eine Antithese aufgefasst, welche die gesamte Perikope durchzieht und die negative Haltung zum Judentum bei Matthäus unterstützt.[18]

Meistenteils wird davon ausgegangen, dass der Bericht von Matthäus intertextuell mit dem Buch Numeri verbunden sei. Dort prophezeit der Seher Bileam: „Es wird ein Stern in Jakob aufgehen“[19] (Num 24, 17). Dieses Zeichen wurde im Judentum als ein Hinweis auf den Messias interpretiert.[20] Obwohl viele Versuche unternommen worden sind, den in V. 2 gemeinten Stern einem der uns bekannten realen Himmelskörper zuzuordnen, kann man jedoch davon ausgehen, dass Matthäus einen „Wunderstern“ schildern wollte, „der im Osten aufstieg, den Magiern auf dem Weg von Jerusalem nach Betlehem (also von Norden nach Süden!) voranging und dann über dem Haus, wo das Kind zu finden war, stehenblieb.“[21]

Die Magier, die in V. 1 eingeführt werden, waren ursprünglich ein Meder-Clan, der in Persien eine Priesterkaste bildete. Zur Zeit Jesu waren die μάγοι, wie sie im griechischen Original bezeichnet werden, professionelle Traumdeuter und Astrologen. So positiv, wie die Magier bei Matthäus dargestellt werden, so negativ werden sie an anderer Stelle im Neuen Testament gezeichnet. So werden in der Apostelgeschichte die Zaubereien des Magiers Simon (Apg 8, 9-24) und des jüdischen Zauberers und falschen Propheten Barjesus oder Elymas (Apg 13, 6-12) von den Aposteln abgelehnt.[22]

2.1.2 Theologischer Hintergrund

Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland ist von „tiefer Symbolkraft und gleichzeitig von eigentümlicher Präzision“.[23] Sie schildert im Wesentlichen das Verhalten der Menschen, „denen in Jesus der Messias geboren wurde“[24] und gibt damit Antwort auf „Gottes schönstes Wort […], das er in diese Welt hineinsprach, auf das in Jesu Fleisch gewordene Wort Gottes“.[25] Die Magier umschreiben als Heiden die ihnen bekannt gewordene Erwartung Israels, die „Erwartung des Weltenkönigs, der das goldene Zeitalter bringen sollte“.[26] Diese Geschichte von den Weisen beschreibt nun, dass Gott seinen Verheißungen treu geblieben ist und endlich den erwarteten Messias, seinen Sohn, auf die Erde gesendet hat.

In diesem Zusammenhang spielt bei Matthäus die Opposition zwischen Jesus und Herodes eine bedeutsame Rolle. Die Formulierung „König der Juden“ (V. 2) setzt den Neugeborenen von Anfang an in Gegensatz zum skrupellosen und herrschsüchtigen König Herodes. Matthäus macht sehr früh deutlich, dass Jesus von den Juden verworfen und von den Heiden, die in der vorliegenden Perikope durch die Magier verkörpert sind, angenommen wird. Dies ist der Kern der Geschichte: Für die heidenchristliche Gemeinde, für die die Geschichte erzählt wurde, war „das Wissen um den Sieg Jesu über weltliche Macht, mithin der Glaube an die Macht des auferstandenen Herrn Jesus die Voraussetzung für diese Geschichte.“[27]

Dieser Glaube an Jesus Christus, an den Weltenkönig, der von den Heiden als Messias erkannt, von den Seinen aber nicht aufgenommen wird (vgl. Joh 1, 11; Lk 2, 7), soll auch im Epiphaniasfest hervortreten. Die Magiergeschichte weist darauf hin, dass der Messias als Sohn Gottes erschienen ist und als der „gewaltlose König des Friedens“[28] die Welt errettet.

[...]


[1] Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. München7 2001. S. 198.

[2] Vgl. Herbert Vinçon: Die Feste des Christentums. Gütersloh 1997. S. 39.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Bieritz: Kirchenjahr. S. 200.

[6] Vinçon: Die Feste des Christentums. S. 40.

[7] Vgl. http://www.daskirchenjahr.de/tag.php?name=epiphaniastag&zeit=Epiphanias (07.03.2006)

[8] Vgl. Bieritz: Kirchenjahr. S. 198.

[9] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Epiphanias (07.03.2006)

[10] Bieritz: Kirchenjahr. S. 199.

[11] Ebd.

[12] Bei der Auswahl der biblischen Texte richte ich mich an die Ausführungen von Karl-Heinrich Bieritz zum biblischen Hintergrund des Epiphaniasfestes (S. 197f.).

[13] Vgl. Joachim Gnilka: Das Matthäusevangelium. Erster Teil. Kommentar zu Kapitel 1,1 – 13,58. In: Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Hrsg. von Alfred Wikenhauser, Anton Vögtle und Rudolf Schnackenburg. Freiburg, Basel, Wien2 1988. S. 33.

[14] Eduard Schweizer: Das Evangelium nach Matthäus. In: Das Neue Testament Deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk. Teilband 2. Hrsg. von Gerhard Friedrich und Peter Stuhlmacher. Göttingen und Zürich16 1986. S. 17.

[15] Ebd.

[16] Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. In: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament. Band I/1. Hrsg. von Joachim Gnilka, Hans-Josef Klauck, Ulrich Luz und Jürgen Roloff. Neukirchen-Vluyn5 2002. S. 159f.

[17] Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. S. 158.

[18] Vgl. 2.1.2 Theologische Bedeutung

[19] Wörtliche Bibelzitate sind übernommen aus der Lutherübersetzung in der revidierten Fassung von 1984. Sie werden im Folgenden nicht mehr in den Fußnoten nachgewiesen.

[20] Vgl. J. R. Porter: Das große Buch der Bibel. Ereignisse, Personen & Schauplätze. München 2003. S. 158.

[21] Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. S. 162.

[22] Vgl. J. R. Porter: Das große Buch der Bibel. S. 158.

[23] Peter Stuhlmacher: Die Geburt des Immanuel. Die Weihnachtsgeschichten aus dem Lukas- und Matthäusevangelium. Göttingen 2005. S. 77.

[24] Wolfgang Knörzer: Wir haben seinen Stern gesehen. Die Kindheitsevangelien nach Lukas und Matthäus. In: Werkhefte der Bibelarbeit 11. Hrsg. vom Katholischen Bibelwerk. Stuttgart2 1968. S.211.

[25] Ebd.

[26] Eduard Schweizer: Das Evangelium nach Matthäus. S. 18.

[27] Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. S. 163.

[28] Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. S. 177.

Details

Seiten
26
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640266531
ISBN (Buch)
9783640266753
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v122105
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Ev. Theologie / Religionspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Theologie Bibel Epiphanias Heilige drei Könige drei heilige Könige Januar Kirchenjahr

Autor

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