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Begabte Behinderte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 15 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begabte Behinderte
2.1 Begriffe Behinderung und Hochbegabung
2.1.1 Hochbegabung
2.1.2 Behinderung
2.2 Erkennen und Identifikation von Hochbegabung bei Körper- und Sinnesbehinderten
2.3 Behinderte Hochbegabte
2.4 Begabungsforschung
2.5 Hindernisse bei der Begabtenförderung
2.6 Behinderte im Studium

3 Stiftung zur Förderung körperbehinderter Hochbegabter (Vaduz/Liechtenstein)

4 Integrative Förderung hochbegabter Behinderter

5 Schlussbemerkung

6 Literatur

1 Einleitung

„Hochbegabung ist ein Geschenk der Natur an die Gesellschaft“ (Karl Marx)

(Urban, K.K, 1998)

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenwirken von Behinderung und Hochbegabung. Begabte Behinderte gehören zu den benachteiligten Gruppen bei der Begabungsförderung. Ihre Begabung bleibt häufig unentdeckt aufgrund dessen, dass keine Begabung vermutet wird. Es gibt viele physisch behinderte Kinder, die begabt sind.

Im Folgenden wird nun auf die körper- und sinnesbehinderten hochbegabten Kinder eingegangen werden. Zunächst sollen dazu die Begriffe Behinderung und Hochbegabung für sich betrachtet werden. Ein wesentliches Augenmerk soll auf die Erkennung und Diagnose sowie auf die Förderung der Begabung bei Behinderten gelegt werden.

Am Ende dieser Arbeit wird auf die Arbeit einer Stiftung zur Förderung körper- und sinnesbehinderter Kinder eingegangen.

2 Begabte Behinderte

„Bei der Planung eines Förderprogramms für Hochbegabte in den USA wurde ein gewisser Prozentsatz für behinderte Hochbegabte reserviert. Die Veranstalter baten die Lehrer an Sonderschulen, ihnen mögliche hochbegabte Schüler zu nennen, damit diese Plätze mit entsprechenden Schülern besetzt werden. Das Ergebnis: Zur Teilnahme an diesem Förderprogramm für Hochbegabte wurde von 40000 behinderten Schülern kein einziger vorgeschlagen.“ (http://www.begabungszentrum.de/HP3_2004_Diller.pdf)

Anhand dieses Zitats werden die Schwierigkeiten bei der Identifikation von begabten Behinderten ganz deutlich sichtbar.

Bisher galt den Behinderten wenig Aufmerksamkeit und man war damit kaum über physische, psychische und soziale Auswirkungen der jeweiligen Einschränkung informiert. Die Konsequenz daraus ist, dass immer noch die vorherrschende Meinung existiert, dass der gesamte Entwicklungsprozess gestört oder begrenzt ist, wenn bei ihm ein schwerer, nicht behebbarer Körperschaden vorliegt. Dies führt zu der Auffassung Behinderten generell die Entfaltungsmöglichkeit einer besonderen Begabung abzusprechen.

Allgemein ist das Thema Hochbegabung mit einer verpönten „Elitebildung“ verknüpft. Hochbegabung ist häufig allein an den Faktor Intelligenz gebunden. Unter diesen Voraussetzungen werden hohe Begabungen insbesondere bei Körperbehinderten kaum erkannt, nicht gefördert und auch nicht für förderungswürdig gehalten(Jäger, 2002).

Im folgenden Beispiel soll dies verdeutlicht werden:

Ein Vater schrieb einen Brief an eine Zeitung und berichtete über seine hochbegabte und mehrfach leicht körperbehinderte und psychisch gefährdete Tochter Elke. Seit ihrer Grundschulzeit hat Elke die Schule mehrfach wechseln müssen aufgrund ihrer Aussenseiterstellung, Prügel, Neid der Mitschüler und auch Eltern, die der Meinung waren „…Rücksicht braucht auf sie nicht genommen zu werden, weil sie ja in der Schule so gut sei“.

An einer Schule wurde sie vom Unterricht ausgeschlossen – ihr wurde vom Lehrer der Biologiekurs wegen Überfüllung verweigert mit der Begründung sie würde ihn nicht benötigen, und für sie als gute Schülerin käme es auf ein paar Punkte mehr oder weniger nicht an. So hatte Elke ihre überdurchschnittlichen Fähigkeiten und Erfolge nur als Last empfunden und sogar als benachteiligendes Auswahlkriterium erlebt. Mit 18 Jahren nahm sie sich aufgrund einer Psychose das Leben(Feger, 1988, S.173-174).

An diesem Beispiel wird sehr deutlich, dass obwohl die Begabung erkannt wurde, man es nicht für nötig hielt das Mädchen zu fördern. Ganz in Gegenteil – man schloss sie sogar vom Unterricht aus.

Im Laufe der Jahre gibt es eine zunehmende Auseinandersetzung mit dem Begriff Behinderung.

2.1 Begriffe Behinderung und Hochbegabung

2.1.1 Hochbegabung

Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit Gesetzmäßigkeiten menschlicher Entwicklung. Sie unterscheidet kognitive und soziale Entwicklung sowie Persönlichkeitsentwicklung. Bei der individuellen Entwicklung können innere bzw. äußere Faktoren eine hemmende oder fördernde Rolle spielen. Die Entwicklungspsychologie versucht die Frage zu beantworten, welche sozialen und erzieherischen Bedingungen zur optimalen Entwicklung des Individuums beitragen. Die Interaktionen zwischen individuellen Anlagen und sozialer Umgebung bestimmen, welches Verhalten und welche Verhaltens- bzw. Handlungsmotive aktualisiert und manifestiert werden. Menschen unterscheiden sich dadurch voneinander, dass sie unterschiedliche Anlagen besitzen, unterschiedliche Wissbegier und verschieden starken Aktivitätsdrang haben.

Ein hochbegabtes Kind hat im Allgemeinen einen Entwicklungsvorsprung, der nicht in altersspezifisches Denken und Handeln passt.

Das Triadische Interdependenzmodell der Hochbegabung von Mönks beruht auf diese Tatsachen.

Besondere Begabungen erkennt man erst, wenn sie sich in besonderen Leistungen oder auffallenden Verhaltensweisen zeigen. Man spricht von einem hochbegabten Kind, wenn überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, Aufgabenzuwendung und Kreativität als Persönlichkeitsmerkmale vorhanden sind.

Der Mensch ist vom Wesen aus sozial ausgerichtet. Die drei wichtigsten Sozialbereiche, in denen das Kind aufwächst, sind Familie, Schule, und Freundeskreis (Peers).

In der folgenden Abbildung sind diese Zusammenhänge dargestellt.

Wir sprechen dann von Hochbegabung, wenn die genannten Faktoren so ineinander greifen, dass sich eine harmonische Entwicklung vollziehen kann(Mönks, 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Mönks, 2002, S.50)

2.1.2 Behinderung

Die Erscheinung Behinderung umfasst sowohl eine Schädigung (impairment) als auch funktionelle Beeinträchtigungen (disability), die sich drittens als Lebenserschwerung (handicap) im sozialen Feld auswirken. Hiervon ausgehend ist entscheidend, ob und gegebenenfalls welche negativen Folgen der Verlust oder die Einschränkung von Körper- und Sinnesfunktionen auf die Begabungsentfaltung hat oder voraussichtlich haben wird. (Jäger, 2002)

Im traditionellen Begriffsverständnis von Behinderung sind meistens ganz bestimmte Kinder gemeint, die unter anderem folgende Beeinträchtigungen aufweisen:

- Behinderungen im sprachlichen Bereich (z.B: Dysgrammatismus, Sprachentwicklungsverzögerungen)
- Behinderungen im sozial-emotionalen Bereich, z.B: Aggressionen, Ängstlichkeit
- Behinderungen im kognitiven Bereich, z.B. Auffassungs- und Merkschwächen
- Behinderungen im sensorischen Bereich, z.B. Schwerhörigkeit, Sehschwächen
- Behinderungen im motorischen Bereich, z.B. fein- oder grobmotorische Probleme

(Bach, 1995)

2.2 Erkennen und Identifikation von Hochbegabung bei Körper- und Sinnesbehinderten

Bezieht man sich noch einmal auf das in Punkt 2 erwähnte Beispiel, bei dem von 40000 behinderten Kindern kein einziges von den Lehrern für begabt gehalten wurde, so wird ein deutliches Problem im Erkennen von überdurchschnittlicher Begabung bei Körper- und Sinnesbehinderten sichtbar. Das Problem entsteht hierbei vor allem deshalb, weil sich allgemeine Merkmale von Hochbegabung nicht einfach auf das Lern- und Leistungsverhalten Behinderter anwenden lassen. So kommt es häufig zu Fehleinschätzungen, die zu Über- oder Unterforderung führen können und somit demotivierend und verunsichernd statt leistungssteigernd wirken können. Hinzu kommt, dass einige Behinderungen solche Funktionen beeinträchtigen, die bei der Anwendung der üblichen Identifikationsverfahren vorausgesetzt oder sogar besonders geprüft werden. Damit ist es schwierig und oft unmöglich standardisierte Verfahren anzuwenden. Beispielsweise muss ein Intelligenztest für ein blindes Kind so transformiert werden, dass es die Aufgaben verstehen kann, d.h. in Blindenschrift geschrieben werden. Zusätzlich können nicht alle Aufgaben von diesem Kind gelöst werden, da zum Beispiel Aufgaben mit räumlichen Vorstellungsvermögen nicht bearbeitet werden können. So muss ein Test individuell auf jedes behinderte Kind angepasst werden aufgrund der verschiedenen Behinderungen und der unterschiedlichen Schweregrade.

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Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640271924
ISBN (Buch)
9783640272174
Dateigröße
1011 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121998
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Psychologie
Note
2,0
Schlagworte
Begabte Behinderte Entwicklungspsychologie

Autor

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Titel: Begabte Behinderte