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Die Reformpädagogik - eine Pädagogik des Kindes

Seminararbeit 2005 11 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Erziehung vom Kinde aus

2 Reformpädagogische Bewegungen

3 Internationalität der ReformpädagogInnen

4 Zeitgeschichte

5 Erfolg der Reformpädagogik

6 Literaturverzeichnis

1 Erziehung vom Kinde aus

Der Begriff Reformpädagogik wurde von Hermann Nohl in seinem 1833 veröffentlichtem Buch „Die pädagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie“ geprägt. Er benennt damit den Zeitraum von 1890 bis 1933 bzw. 1945. Innerhalb dieses Zeitraumes fallen Entstehung, Blüte und Verfall dieser pädagogischen Strömung. An dieser Einteilung wird bis heute festgehalten.

„Das Jahrhundert des Kindes“ heißt ein Buch, das 1902 von der Schwedin Ellen Key veröffentlicht wurde. Es wird von vielen als Auftakt der Reformpädagogik bezeichnet. Sie fordert in diesem Buch, das Kind in den Mittelpunkt von Erziehung zu stellen, was auch ein wichtiges Ziel der Reformpädagogik wurde. Das Erziehungskonzept von Rousseau wurde in diesem Zusammenhang wieder entdeckt und aufgewertet. Die Reformpädagogik war also eine Bewegung „vom Kinde aus“ und für das Kind.

Dieser Gedanke war nicht nur einer der zentralsten Grundgedanken dieser Zeit, sondern auch eine der wichtigsten und grundlegensten Neuerungen, die bis heute unsere Pädagogik stark beeinflussen. Dieses Umdenken bewirkte, dass das Kind als Kind, und nicht mehr als kleiner Erwachsener gesehen wurde, und dass von da an auf die wirklichen Bedürfnisse der Kinder geachtet wurde. Bis dahin stand die Frage im Mittelpunkt, wie bringen wir Kinder dazu, so zu sein, wie wir es wollen, und zwar nach dem Motto der Zweck heiligt die Mittel. Ab dieser Zeit aber wurde eher gefragt, was braucht das Kind, um glücklich zu sein, wie schaffen wir es, es zu erziehen, ohne ihm Schaden zuzufügen. Und weil diese neuen Gedanken auch nach dem Ende dieser Pädagogik erhalten blieben, wurde das 20. Jahrhundert wirklich das Jahrhundert des Kindes. Bis heute wird es so genannt.

Auch in vielen anderen Punkten ist diese damals neue Pädagogik wichtig für unsere heutige Pädagogik. Sie war auch eine der ersten Bewegungen, die nicht mehr nur Theorien aufstellte, sondern die vor allem versuchte, sie auch in die Praxis umzusetzen. Manchmal gingen Praxis und Tat sogar der Theorie voraus. Außerdem stellte sie sich selbst das Ziel, nicht nur die Realität zu interpretieren und zu erklären, sondern auch sie zu verändern. Dadurch kamen erstmals wirkliche tatkräftige Änderungen in Gang, deren Auswirkungen in der Pädagogik bis heute spürbar sind. (vgl. Ludwig 1999, 219)

Die Reformpädagogik hat auch ein weiteres zentrales Anliegen. Sie kritisiert die bestehenden Verhältnisse und versucht sie zu verändern. Über die ganze Zeit ihres Bestehens hinweg war ihr dieser kritische Impuls an der Realität und der Erneuerungswille in allen Bereichen gemein. Sie wollte einen „neuen Menschen“ bin einer „neuen Gesellschaft“ kreieren. (vgl. Tenorth 2000, 210, 213)

Ein wichtiges Mittel dafür war Arbeit in verschiedenstem Sinne. Als Erziehungsmittel gab es sie zwar auch schon früher, doch wurde der Begriff im 20. Jahrhundert noch um vieles verstärkt und mehr ins Zentrum der Überlegungen gerückt. Allerdings verstand man unter Arbeit nicht eine eindeutige Sache, sondern hatte der Begriff viele verschiedene Facetten. Während er in der französischen Reformpädagogik die Aktivität und Selbsttätigkeit eines Kindes benannte, meinte beispielsweise der Schulreformer Hugo Gaudig damit die intellektuelle Tätigkeit eines Kindes. John Dewey wiederum definierte Arbeit als problemlösendes, selbsttätiges Lernen. Mit diesem und vielen anderen Mitteln wollte man den Menschen und die Gesellschaft dauerhaft zum Besseren verändern. (vgl. Tenorth 2000, 211)

2 Reformpädagogische Bewegungen

Unter dem Begriff Reformpädagogik verbirgt sich nicht nur eine Bewegung, sondern eine Vielfalt von verschiedenen Richtungen. Diese Strömungen sind zwar voneinander klar zu unterscheiden, haben aber doch alle ein gemeinsames Zentrum. Dieses Zentrum bildet die Kritik an der autoritären, bis zu der Zeit bestehenden Schule und Erziehung. Sie alle kritisierten die bestehenden Erziehungsinstitutionen und -methoden und versuchten sie zu erneuern und zu verbessern, und zwar nach den Bedürfnissen des Kindes. (vgl. Tenorth 2000, 210)

Außerdem hatten sie auch, nach Hermann Nohl, ein gemeinsames Entwicklungsmuster. Er stellte drei Entwicklungsstadien auf, nach denen sich alle Bewegungen ungefähr gleich entwickelt hätten:

a) sie entstehen vereinzelt und isoliert aus der Kritik aus der Gesellschaft heraus bis sie ihre
b) gemeinsamen Intentionen entdecken und sich vereinigen; schließlich lösen sie sich
c) in neuer Bindung an den Staat und die Gesellschaft auf.

(vgl. Tenorth 2000, 185)

Nach Gudjons lassen sich die verschiedenen Richtungen folgendermaßen einteilen:

Die Schule der Selbsttätigkeit und die „Arbeitsschule“:

Bildung sollte durch Fragen der Kinder erfolgen, ohne Zwang, als „geistigen Verkehr“ mit Kindern. Grundlegendes Prinzip sollte das Fragerecht des Kindes sein. Es gab keine Zensuren, Gesamtunterricht ohne den üblichen Stundenplan, alles wurde nach den Wünschen der Kinder gerichtet, betont wurde die selbständige Schülerarbeit. Es gab innerhalb dieser Bewegung zwei Hauptrichtungen:

Zum einen Georg Kerschensteiner mit Handarbeit, er schuf Werkstätten in Schulen, eigenständiger geistiger Arbeit des Kindes und dem Lernen sozialer Tugenden im Dienste der Gesellschaft.

Zum anderen Hugo Gaudig mit Techniken zum eigenständigen Erarbeiten von Themen durch Schüler und dem Ziel der Persönlichkeitsbildung im Sinne eines geistig selbständigen, kritischen Menschen.

Politische Schulreformkonzepte:

Kritik am Grundcharakter der Institution Schule, der Russe Blonskij entwarf eine „Produktionsschule“ die den Wert der Industriearbeit betonte und Schule als Produktionsstätte nach industriellem Muster verstand.

In Deutschland entstand die Idee einer „Elastischen Einheitschule“ mit dem Ziel der brüderlichen Erziehung im Sinne des ethischen Sozialismus durch Mitbeteiligung von Schülern, Eltern und Lehrern und Integration von geistiger und handwerklicher Bildung.

Kunsterziehungsbewegung:

Berühmter Vertreter hiervon war Alfred Lichtwark, mit Prinzipien der Originalität, Phantasie, des Empfindens und des eigenen Darstellens. Neu war sein Dilettantismus und Kunsterziehung als Prinzip statt als Fach.

Landerziehungsheimbewegung:

Diese Bewegung hatte eine naturverbundene und persönlichkeitsfördernde Zielsetzung. Alle Vertreter wehrten sich gegen die Großstadtzivilisation, setzten auf die Einheit Schule und Heim und auf Handarbeit, Koedukation und Familienprinzip.

Zahlreiche weitere Bewegungen und Impulse:

Es war die Zeit der Schulgründungen, z.B. die Jena-Plan-Schule, aber auch Volkshochschulen, Volksbibliotheken oder Menschen wie Maria Montessori und Janus Korczack fallen unter diesen Begriff.

(vgl. Rathmayr 2004, 120)

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Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640271528
ISBN (Buch)
9783640271597
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121976
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1
Schlagworte
reform pädagogik nohl kind erziehung rousseau

Autor

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Titel: Die Reformpädagogik - eine Pädagogik des Kindes