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Sicherheit in Sportarenen: Aspekte, Konzepte, Beispiele

Hausarbeit 2007 20 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Sicherheitstechnik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffbestimmungen und -abgrenzungen

3 Sicherheitsaspekte
3.1 Arenenbau, -umbau und -ausbau
3.2 Sicherheitsmaßnahmen im Prozess einer Sportveranstaltung
3.2.1 Sicherheitsmaßnahmen in Sportarenen vor der Veranstaltung
3.2.2 Sicherheitsmaßnahmen in Sportarenen während der Veranstaltung
3.2.3 Sicherheitsmaßnahmen in Sportarenen nach der Veranstaltung
3.2.4 Übergreifende Sicherheitsmaßnahmen

4 Sicherheitskonzepte
4.1 Nationales Konzept Sport und Sicherheit
4.2 Sicherheitskonzept der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft

5 Ökonomische Aspekte der Sicherheit in Sportstadien

6 Schlussbetrachtung

1 Einleitung

Diese Hausarbeit wird im Rahmen des Hauptseminars „Sportanlagenmanagement“ erstellt und behandelt das Thema „Sicherheit in Sportarenen“. Dieses Thema wurde in der jüngeren Vergangenheit, aufgrund einiger schwerer Katastrophen in Fußballarenen in den 80er und 90er Jahren, besonders diskutiert. Seitdem wurden viele Verbesserungen an den Arenen und Sicherheitskonzepten vorgenommen. Dennoch bleibt die Thematik, wie z. B. im Bezug auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006, aktuell. Aufgrund der Vielfältigkeit an Sportarten und der damit verbundenen Sportstätten, wurde eine Eingrenzung vorgenommen. Der Schwerpunkt wird im (Profi-) Fußball liegen. In dieser Hausarbeit soll geklärt werden, welche Maßnahmen berücksichtigt werden müssen, um die Sicherheit in Sportarenen zu gewährleisten.

In der Literatur existieren keine Publikationen, die diese Problematik umfassend darstellen. Deshalb sollen hier die Grundsätze, die sich aus verschiedenen Blickrichtungen zur Frage der Sicherheit in Sportarenen ergeben, erörtert werden. Hierzu ist es erforderlich, auf historische, bauliche, ökonomische und soziologische Fragestellungen einzugehen. Außerdem werden Publikationen der Polizei, der Vereine, des DFB und der FIFA über ihre Sicherheitskonzepte verwendet. Des Weiteren werden Internet-Quellen herangezogen, die vom Autor auf ihre Zuverlässigkeit und Beständigkeit geprüft wurden.

Zunächst sollen die Begriffe „Sicherheit“ und „Sportarena“ bestimmt werden. Der Autor hält es in diesem Zusammenhang jedoch für sinnvoll, die Thematik auf die Sportstadien auszuweiten und wird dies im Verlauf der Hausarbeit begründen und umsetzen.

Die Hausarbeit wird sich im Hauptteil einerseits mit den Sicherheitsaspekten im Zusammenhang mit dem Arenenbau, -umbau und -ausbau beschäftigen. Andererseits sollen die Sicherheitsaspekte, die beim Betrieb der Sportarenen bzw. vor, während und nach den Sportveranstaltungen zu beachten sind, beschrieben werden. Darüber hinaus werden Sicherheitskonzepte des DFB und der FIFA erläutert. Es werden die Rahmenbedingungen dargelegt, die vorhanden sein müssen, um die Sicherheit in Sportarenen zu erhöhen. Die Sicherheit der Sportarenen hat für die Arenenbetreiber einen hohen ökonomischen Wert, der in dieser Hausarbeit ebenfalls berücksichtigt werden soll.

Am Ende werden die Ergebnisse komprimiert dargestellt und einer abschließenden Schlussbetrachtung unterzogen.

2 Begriffbestimmungen und -abgrenzungen

Zunächst ist es erforderlich, die thematisch grundlegenden Begriffe „Sicherheit“ und „Sportarena“ zu bestimmen.

„Die Zeit“ (2005, S. 379) bestimmt Sicherheit wie folgt: „…das Freisein von Bedrohung, bezogen einerseits auf den einzelnen und seine soziale Situation, andererseits auf ein Kollektiv, auf Staat und Gesellschaft und ihre Ordnungen, nicht zuletzt die militär. Absicherung“. Bünting (1996, S. 1058) beschriebt den Begriff Sicherheit kurz und bündig, als den „Zustand ohne jegliche Gefahr, Gefährdung“.

Übertragen auf die Sicherheit in Sportarenen bedeutet dies die gefahr- und bedrohungslose Nutzung der Anlage einerseits durch einzelne Individuen (z. B. Zuschauer, Spieler, Schiedsrichter), andererseits durch die einzelnen Gruppen (z. B. Gästefans, Heimfans, Mannschaften, VIPs, Schiedsrichtergespann).

„Eine einheitliche Definition für den Veranstaltungstyp Arena gibt es bisher nicht“ (Vornholz, 2000, S. 13). Es lassen sich trotzdem einige spezifische Charakteristika für Sportarenen herausstellen. Hierzu soll die Betrachtung zweier Begriffsbestimmungen dienen.

„An arena is a flat floor indoor facility with seating for 10,000 to 25,000 spectators on either one or three levels. The sight lines in this facility are usually designed for sports such as basketball, hockey, indoor soccer and ice events” (Farmer, Mulroony & Ammon, 1996, S. 21).

Vornholz (2000, S. 13) unterteilt dagegen die Sportarenen nach der Größe in zwei Kategorien. Zum einen in die Fußballarenen mit bis zu 60.000 Plätzen und zum anderen in die Arenen, die für Indoor-Veranstaltungen, wie z. B. Basketball oder Eishockey, genutzt werden und eine Kapazität von 8.000 bis 20.000 Plätzen aufweisen. Vornholz (ebd.) schrieb zusätzlich:

„Die Arena ist charakterisiert durch eine hohe Flexibilität, so dass hier eine Vielzahl von Veranstaltungen aus den Bereichen Sport, Kultur und Unterhaltung durchgeführt werden können. Weitere Merkmale sind die Multifunktionalität, die sich auf Grund kurzer Umbauzeiten ergibt, und eine optimale technische Ausstattung unter anderem in den Bereichen Akustik und Beleuchtung“

Da beide Begriffsbestimmungen den Rahmen dieser Hausarbeit enorm eingrenzen, hält der Autor es für notwendig, in das Thema „Sicherheit in Sportarenen“ aus folgenden Gründen Sportstadien einzubeziehen. Erstens beziehen sich die meisten Literaturquellen auf den Fußball – dort vor allem auf die Sportstadien – und zweitens sind viele der Sportstätten, die den Namen Arena tragen, wie beispielsweise die Bay-Arena in Leverkusen, laut Begriffsbestimmung nicht als Arena anzusehen, weil zumeist die Multifunktionalität fehlt. Das Wort „Arena“ soll einerseits in dieser Arbeit als übergeordneter Begriff verwandt werden, der die Arena im eigentlichen Sinn und auch das Stadion umfasst. Andererseits gelten die für die Stadien angestellten Überlegungen auch für Arenen.

3 Sicherheitsaspekte

Bei dem Bau, Umbau oder Ausbau einer Sportarena müssen die nötigen Sicherheitsaspekte schon während des Planungsprozesses festgelegt werden, damit später bei der Nutzung eine maximale Sicherheit gewährleistet werden kann (vgl. Farmer et al., 1996, S. 24f.). Die baulichen Maßnahmen in den Arenen können zwar einen optimalen Rahmen für eine reibungslose Veranstaltung stellen, müssen jedoch durch zusätzliche und der Veranstaltung angepasste Sicherheitsmaßnahmen ergänzt werden.

3.1 Arenenbau, -umbau und -ausbau

Die Sicherheit ist einer der wichtigsten Punkte, die beim Bau eines Gebäudes und speziell beim Bau einer Sportarena zu beachten sind. Farmer et al. (ebd. S. 25) nennen die „maximum safety“ als ein Element des Planungsprozesses, das unbedingt beachtet werden muss. Des Weiteren ist es von besonderer Bedeutung, während der Planung und des Baus mit der Feuerwehr und Sicherheitsingenieuren zusammen zu arbeiten (vgl. ebd. S. 26). Auch Brensing (2006, S. 206) ist der Auffassung, dass „…ohne spezifisches Know-how des komplexen Reglements und der Anforderungen der Sportverbände wie NOK und FIFA (…) kein Architekt und Ingenieur mehr“ auskommt.

Die sicherheitsrelevanten Aspekte beim Bau einer Sportarena reichen von der Auswahl rutschfester Toilettenkacheln bis zu der Einrichtung einer ausreichenden Zahl von Notausgängen.

Im Vorfeld der FIFA Fußbal-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat die Stiftung Warentest (2006a, S. 78) die bauliche Sicherheit der WM-Stadien einem Test unterzogen. Dieser Test deckte „teilweise beträchtliche Mängel“ in den WM-Stadien auf. Den Stadienbetreibern und der FIFA wurde so exakt aufgezeigt, wo die Schwachstellen der einzelnen Stadien liegen und wie diese beseitigt werden können. In diesem Zusammenhang erstellte die Stiftung Warentest (2006b) die folgende allgemeingültige Liste der zu beachtenden Sicherheitsaspekte beim Stadionbau:

„Fluchtwege: Fluchtwege müssen kurz und gradlinig sein. Selbst kleine Hindernisse sind gefährlich, wenn tausende Menschen an ihnen vorbeiströmen.

Orientierung: Ausgänge und Fluchtwege müssen deutlich beschildert und schnell erkennbar ein, auch bei Dunkelheit.

Treppen und Gänge: Treppen und Gänge müssen von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden können. An schmalen Durchgängen kann hoher Staudruck entstehen. Staudruck und Massenpanik sind eine gefährliche Kombination.

Stolpersicher: Fluchtwege müssen frei von Hindernissen sein. Schmale und unregelmäßige Treppenstufen, offene Handläufe an Geländern und Papierkörbe in den Laufwegen sind gefährliche Stolperfallen.

Evakuierung: In Notfällen, etwa bei einer Bombendrohung, muss ein Stadion innerhalb kürzester Zeit geräumt werden können. Das geht nur über breite Fluchtwege und große Ausgänge.

Rettungstore: Rettungstore bieten doppelten Schutz. Während des Spiels schützen sie Spieler und Schiedsrichter vor Flitzern und übermütigen Zuschauern. Im Falle einer Panik öffnen sie den Zuschauern den Fluchtweg über das Spielfeld.

Brandschutz: Die Feuerwehr braucht freien Zugang und einen Rundweg ums Stadion. Ebenso wichtig sind Brandmelder, Sprinkleranlagen, Rauchabzüge und Steigleitungen fürs Löschwasser.

Krawall: Unbefestigte Gullideckel und lose Papierkörbe sind in der Hand von Hooligans gefährliche Waffen. Gute Stadien müssen so gebaut sein, dass Krawallmacher keine Munition finden“.

Dieser Auflistung der Anforderungen kann uneingeschränkt gefolgt werden, sie bedarf dennoch einiger Ergänzungen.

Die Katastrophe im Hillsborough-Stadion von Sheffield am 15. April 1989, bei der 96 Menschen ums Leben kamen, zeigt eindeutig, dass die Fluchtwege für die Zuschauer auf das Spielfeld vorhanden sein müssen. In Sheffield wurden die Menschen in den vordersten Reihen durch einströmende Massen gegen die Begrenzungszäune gepresst. Die Polizei machte den entscheidenden Fehler, die Tore des Stadions zu öffnen und so drängten immer mehr Zuschauer in die überfüllten Blocks (vgl. van Winkel, 2005, S. 230). Um den Fluchtweg auf das Spielfeld zu ermöglichen, dürfen keine Gräben, Zäune oder andere unüberwindbare Hindernisse den Weg blockieren. Im Berliner Olympiastadion klafft z. B. ein 3 Meter tiefer Graben vor den Zuschauerrängen und im Leipziger Zentralstadion müssten die Zuschauer 3, 40m tief springen, um auf das Spielfeld zu kommen (vgl. Stiftung Warentest, 2006a, S. 79). Solche Hindernisse müssen bei der Bauplanung auf jeden Fall verhindert werden.

Ein weiteres Problem in den neuen Arenen sind die Fluchtwege aus den VIP-Bereichen. „Die Fluchtsituation ist hier häufig problematisch. Denn die Gäste müssen von der Tribüne zurück in die Logen beziehungsweise in die Gastronomiebereiche und von dort durch das Gebäude zu den Treppenräumen fliehen“ (ebd. S. 84). Auf diesem Weg stehen oft Stolperfallen, wie z. B. Tische, Stühle oder Barhocker.

Außerdem sollte beim Bau der Arena auf die Sektorentrennung geachtet werden, damit „…ein unkontrolliertes Wechseln der Zuschauer in andere Bereiche unterbunden werden kann“ (OK Deutschland, 2005, S. 32). In den meisten heutigen Stadien können diese Sektorentrennungen flexibel vor jedem Spiel errichtet werden. Dies zeigt z. B. auch die unterschiedliche Sektorenverteilung in demselben Stadion bei nationalen oder internationalen Spielen.

Die Hinweise auf die Beachtung des Brandschutzes der Stiftung Warentest sollten um einen weiteren Punkt ergänzt werden, da die Auswahl der Materialien für den Arenenbau von besonderer Bedeutung ist. Die Materialen dürfen nicht leicht entzündbar sein und sollten – soweit es geht - feuerresistent sein. Dies hat eine Tragödie in Bradford gezeigt, bei der 1985 eine Holztribüne in Flammen aufging. Diesem Feuer fielen 52 Zuschauer zum Opfer (vgl. Borgmann & Flohr, 2005, S. 307).

Farmer et al. (1996, S. 33) halten es außerdem für notwendig einen Raum für die medizinische Notfallversorgung bereitzustellen. Eine weitere Forderung, die sie stellen, ist die Absicherung gegen illegalen Zutritt zu verschiedenen Bereichen durch Zäune, Mauern, Gitter und Türen.

Um die Sicherheit zu erhöhen, werden in vielen Arenen, besonders in England, Stehplätze durch Sitzplätze ersetzt (vgl. Brensing, 2006, S. 202). In die Sitzplatzbereiche passen bei weitem nicht so viele Menschen wie in die Stehplatzbereiche und somit ist erstens die Evakuierung leichter und zweitens wird eine Überfüllung von vornherein ausgeschlossen. Im Übrigen erlaubt auch das UEFA-Sicherheitskonzept keine Stehplätze (vgl. van Winkel, 2005, S. 252).

Beim Bau von Arenen sind viele Sicherheitsaspekte zu beachten. Einige Aspekte, die hier nicht weiter aufgeführt werden können, betreffen die technischen Anlagen, wie z. B. die Stromversorgung, Blitzableiter, Beleuchtung und Beschallung (vgl. Hennes, 1993, S. 28).

3.2 Sicherheitsmaßnahmen im Prozess einer Sportveranstaltung

Keine Arena der Welt, ob sie den baulichen Sicherheitsmaßstäben entspricht oder nicht, kann ohne weitere und veranstaltungsbezogene Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld, während und nach der Veranstaltung auskommen. Diese organisatorischen, zumeist immateriellen und personenbezogenen Sicherheitsaspekte, sollen in den folgenden Abschnitten erläutert werden.

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Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640264001
ISBN (Buch)
9783640264131
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121912
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Sportwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Sicherheit Sportarenen Aspekte Konzepte Beispiele Sportanlagenmanagement

Autor

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