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Trendsportarten. Jugendliche auf der Suche nach Risiko, Abenteuer und Erlebnis

Examensarbeit 2008 75 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit

2. Abenteuer, Risiko und Erlebnis – Begriffsklärung, Zusammenhang und Bedeutung
2.1 Abenteuer
2.2 Risiko
2.3 Erlebnis
2.4 Die Synthese von Abenteuer, Risiko und Erlebnis
2.5 Abenteuer, Risiko und Erlebnis im täglichen Leben
2.6 Die Verknüpfung mit dem Sport

3. Was ist Trendsport?
3.1 Der Begriff „Trend“
3.2 Der Begriff „Sport“
3.3 Der Begriff „Trendsport“
3.4 Beispiele einiger ausgewählter Trendsportarten
3.4.1 Snowboarding
3.4.2 Inline-Skating
3.4.3 Freeclimbing
3.5 Fazit

4. Eine Generation im Wandel – Zeitalter der Extreme?
4.1 Der Reiz des Risikos in unserer Gesellschaft
4.2 Die entscheidende Bedeutung des Sports
4.3 Vom Traditions- zum Trendsport
4.4 Der Wandel des Trendsports selbst

5. Die besondere Stellung der Jugendlichen
5.1 Jugendliche auf der Suche nach sich selbst
5.2 Die Freizeit und der Konsum der Jugendlichen
5.3 Die Rolle der Medien
5.4 Trendsport als Lebensstil
5.5 Ist die Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis männlich?

6. Warum suchen Jugendliche bei der Ausübung von Trendsport freiwillig nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis?
6.1 Das Sensation Seeking
6.2 Das Flow Erlebnis
6.3 Angstlust und Angstüberwindung
6.4 Die eigenen Grenzen austesten
6.5 Flucht aus dem Alltag
6.6 Weitere Gründe
6.7 Fazit

7. Mögliche negative Aspekte der Abenteuer-, Risiko- und Erlebnissuche
7.1 Folgen einer zu starken Extremisierung
7.2 Jugendliche am Rande der Legalität
7.3 Reelle Gefahr im Trendsport? Der kalkulierte Wahnsinn

8. Pädagogische Konsequenzen durch die aufgezeigte Entwicklung
8.1 Erziehen durch Abenteuer, Risiko und Erlebnis
8.2 Die Thematisierung des Trendsports
8.3 Trendsport in der Schule. Was auswählen?
8.4 Wie sollen Abenteuer, Risiko und Erlebnis vermittelt werden?
8.5 Präventionsarbeit durch Schule, Eltern und Verein
8.6 Grundzüge der Erlebnispädagogik
8.7 Fazit

9. Gesamtfazit

Literatur

1. Einleitung

Seit einigen Jahren fühlen sich Eltern und externe Beobachter immer mehr in ihrer Meinung bestärkt, dass das Leben der Jugendlichen zunehmend von einer Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis bestimmt ist und diese Suche die Entwicklung jener Lebensphase entscheidend prägt. Teilweise wird einem sogar der Eindruck vermittelt, dass die Faszination an den drei Bereichen ein für unsere Zeit modernes Phänomen darstellt. Die Jugendlichen selbst geben verschiedene Gründe bezüglich der vermehrten Lust nach Abenteuer & Co. an und nennen z.B. Langeweile, Suche nach dem „Kick“ oder einfach Spaßhaben als mögliche Ursachen. Von Seiten der Erwachsenen hingegen wird oft der Vergleich zu Selbstmördern oder Verrückten gezogen, da scheinbar willentlich Gefahren eingegangen werden und deren Folgen von den Jugendlichen nicht bedacht werden. Fakt ist, dass zwischen diesen beiden „Parteien“ ein Konflikt festzustellen ist und die eine Seite das Geschehen als „völlig normal“ betrachtet, während die andere Seite es für absolut inakzeptabel hält und infolge dessen nicht tolerieren will.

Um dieser Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis gerecht zu werden, bedienen sich die Jugendlichen hauptsächlich zweier Bereiche. Zum einen wird der Trendsport als ein geeignetes Mittel angesehen, um die eigenen Bedürfnisse in ausreichendem Maße stillen zu können, zum anderen werden jedoch auch Aktivitäten beobachtet, welche deutlich von der Norm abweichen und deren Ausübung zumeist illegal ist. S- Bahn-Surfen, Car-Crashing etc. sind hier nur einige Beispiele, welche diesem Bereich zuzuordnen sind.

Dass die beschriebene Problematik nicht nur den Freizeitbereich der Jugendlichen betrifft sieht man daran, dass man auch in der schulischen Erziehung seit einiger Zeit der Frage gerecht werden will, ob und wie man die Bereiche Abenteuer, Risiko und Erlebnis bestmöglich in den Schulalltag integrieren kann und sich dadurch den veränderten Bedingungen anpasst. Bisher wurde eine „Thematisierung von riskanten Bewegungsaktivitäten in Schule und Verein oder im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe von der deutschen Sportpädagogik traditionell eher vernachlässigt“ (GISSEL/SCHWIER 2003, S. 7). Auch GISSEL/SCHWIER beobachten mittlerweile jedoch die intensive Auseinandersetzung mit den Begriffen Abenteuer, Risiko und Erlebnis und erkennen in jedem mit Erziehung beschäftigten Bereich der Gesellschaft eine vermehrte Bedeutung dieses Themas. Die Gründe dafür sind recht plausibel. Zum einen befürchten die Institutionen eine zunehmende Abwanderung ihrer Mitglieder, welche sich dann an anderer Stelle mehr Spannung und Reiz holen können. Zum anderen glaubt man ohne eine Art Prävention mit der Zeit die Kontrolle über die Entwicklung verlieren zu können. So lässt sich letztendlich ein Interesse erkennen, welches der Sicherung der Werte und Normen unserer Gesellschaft dienen zu scheint.

In dieser Arbeit soll es nun darum gehen, die aktuelle Bedeutung der Phänomene Abenteuer, Risiko und Erlebnis für die Gesellschaft aufzuzeigen und im Weiteren speziell die Jugendlichen in Bezug auf deren Suche hiernach zu betrachten. Dabei soll sowohl das Umfeld der Jugendlichen als auch ihre Freizeit und momentane Lebensweise untersucht werden. Besondere Berücksichtigung bezüglich der Erfüllung der Bedürfnisse soll der Trendsport haben, da dieser wie wir im Folgenden sehen werden, sehr eng mit abenteuer-, risiko- und erlebnisreichen Situationen verknüpft zu seien scheint. Jedoch soll auch auf mögliche Gründe und Folgen eingegangen werden, wenn die Suche nach den bereits erwähnten Phänomen zu extreme Ausmaße annimmt und wie schon angedeutet ein illegales Handeln entsteht. Hieraus resultieren anschließend die pädagogischen Folgen und bestimmen, inwieweit die Gesamtthematik in den Erziehungsalltag zu integrieren ist und welche Aufgabe den Erziehenden bei der Vermittlung dieser zukommt.

Vor allem wird zu klären sein, ob der verwendete Begriff „Phänomen“ in Bezug auf Abenteuer, Risiko und Erlebnis wirklich eine neumodische Erscheinung ist oder solche Situationen schon immer einen besonderen Charakter besessen haben.

1.1 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 geht es zunächst um eine allgemeine Klärung der Begriffe Abenteuer, Risiko und Erlebnis und es wird im Weiteren versucht, sie in einen Kontext zu bringen, um eine ständige Aufgliederung zu vermeiden. Anschließend wird das Vorkommen von Abenteuer-, Risiko- und Erlebnissituationen im Alltag untersucht und eine Verknüpfung zum Sport hergestellt.

Kapitel 3 beschäftigt sich dann ausführlicher mit dem Trendsport an sich, wobei zunächst die Begriffsklärung im Vordergrund steht und am Ende des Kapitels noch einige Trendsportarten vorgestellt werden.

In Kapitel 4 rückt die Gesellschaft und deren Wandel in den Mittelpunkt der Betrachtungen und es wird zunächst der Reiz des Risikos in unserer Gesellschaft untersucht. Im Folgenden wird die entscheidende Rolle des Sports in Bezug auf seine befriedigende Wirkung bei der Suche von Reizen dargestellt. Zuletzt wird die Veränderung des Sporttreibens analysiert.

Kapitel 5 stellt nun die Jugendlichen und ihre spezielle Rolle bei der Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis dar. Geklärt werden sollen die Gründe für diese Suche, inwieweit diese ihr Leben bestimmen und ob es hierbei eine feststellbare Gewichtung bezüglich des Geschlechts gibt.

Kapitel 6 beschreibt die Hintergründe der Abenteuer-, Risiko- und Erlebnissuche im Hinblick auf gewünschte Gefühlslagen und Ziele von Jugendlichen, welche diese bei der Ausübung von Trendsport bezwecken bzw. verfolgen. Anschließend werden die Hauptaussagen noch mal explizit herausgearbeitet.

In Kapitel 7 werden jetzt die möglichen negativen Aspekte der Suche betrachtet und es soll die Frage geklärt werden, ob bei der Befriedigung der Bedürfnisse durch den Trendsport reelle Gefahren auftreten können und vor allen Dingen von den Jugendlichen wahrgenommen und auch eingeschätzt werden können.

Kapitel 8 behandelt abschließend die Folgen für die Pädagogik und für die an der Erziehung der Jugendlichen beteiligten Personen. So wird beschrieben, inwieweit die Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis und der damit verbundene Trendsport in den Erziehungsalltag integriert werden müssen und welche Intentionen beim Aufgreifen dieser Thematik verfolgt werden.

Letztlich kommt es zu einem Gesamtfazit und einer daraus resultierenden subjektiven Einschätzung bezüglich der Relevanz und Notwendigkeit des Themas im (Schul-) Alltag.

2. Abenteuer, Risiko, Erlebnis – Begriffsklärung, Zusammenhang und Bedeutung

„Abenteuer, Risiko und Erlebnis sind Konstrukte. Sie sind festzumachen an einem Geschehen, sind gebunden an ein Subjekt und ein Objekt“ (SCHOLZ 2005, S. 11). Laut dieser Definition ist für alle drei Begriffe also eine Gemeinsamkeit erkennbar, trotzdem werden sie im üblichen Sprachgebrauch je nach Situation meist unter- schiedlich angewandt.

Im Folgenden sollen die Begriffe Abenteuer, Risiko und Erlebnis definiert werden, um anschließend einen eventuell bestehenden Zusammenhang zwischen ihnen feststellen zu können. Weiterhin werden einige Beispiele aufgelistet, wo im Alltag Situationen auftauchen, in denen die Menschen z.B. mit Abenteuer und Risiko leben und umgehen. Abschließend erfolgt dann die Verknüpfung zum Sport und es kommt zur Klärung der Frage, warum der Sport in seiner jetzigen Form, sowohl in der Schule als auch in der Freizeit, fast nicht mehr getrennt von dem oben genannten Konstrukt betrachtet werden kann.

2.1 Abenteuer

Zurückgeführt wird das Wort „Abenteuer“ auf das mittelalterliche adventura. Noch heute ist die Grundbedeutung des Schicksalhaften und Zufälligen erkennbar, bei dem „außermenschliche Kräfte“ mitspielen (SCHLESKE zit. nach REIDT 1958, S. 51). Das Wort wurde zu jener Zeit mit Kampf und Gefahr in Verbindung gebracht und einem hieraus resultierenden Erlangen von Ruhm und Ehre.

In denen dem Mittelalter folgenden Epochen kommt es jedoch zu einer Abwertung des Begriffes und der Vergleich mit Landstreichern und Hochstaplern verleiht dem Wort eine deutlich negative Bedeutung (vgl. SCHLESKE nach GÖTZE 1939, S. 9).

Erst später wird der Begriff wieder aufgewertet und im positiven Sinn als „außer- ordentliches Erlebnis“ verwendet (SCHLESKE 1977, S. 27).

Die Gegenwart weist sowohl positive als auch negative Bedeutungen auf und es kommt auf die Betrachtung der jeweiligen Situation an. Die Gemeinsamkeit dieser Situationen besteht jedoch darin, dass sie als ein „aus dem Alltäglichen herausragendes Erlebnis beschrieben werden, das als spannend, unsicher oder gefährlich erfahren wird und das man aber aufsucht, und wie eine Probe besteht“ (SCHLESKE 1977, S.27). Personen können somit freiwillig oder unfreiwillig in solch eine abenteuerliche Situation geraten, wobei meistens eine bewusste Intention vorliegt. Zeitlich gesehen ist ein Abenteuer begrenzt und hat einen Anfang und ein Ende. Bezogen auf den Verlauf des alltäglichen Lebens kommt ihm damit ein Ausnahmecharakter zu.

Ich werde im weiteren Verlauf dieser Arbeit den Begriff „Abenteuer“ sowohl in seiner ursprünglich positiven Form verwenden, als auch davon ausgehen, wie anhand des Titels „Jugendliche auf der Suche...“, die Intentionen ein Abenteuer einzugehen bewusst und somit freiwillig gewählt sind.

2.2 Risiko

Das Wort „Risiko“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet laut Definition „das Wagnis, die Gefahr; in der Wirtschaft Verlustgefahren, Unsicherheits- und Zufällig- keitsfaktoren, die mit jeder wirtschaftlichen Tätigkeit verbunden sind. Unterschieden werden natürliche (z.B. Sturmschäden), technische (z.B. Produktmängel), soziale (z.B. Fluktuation), persönliche (z.B. Krankheit),...“ (lexikon.meyers 2008).

Zwar handelt es sich bei dieser Definition speziell um den wirtschaftlichen Bereich, es lassen sich jedoch für unser Thema wichtige Kernpunkte herausfiltern. Stark reduziert bleibt so für mich die folgende Grundaussage: Ein Risiko ist das Wagnis, die Gefahr, bestimmte Situationen einzugehen, ohne sich über deren konkreten Ausgang im Klaren zu sein. Die Folgen können für jemanden sowohl positiv als auch negativ sein.

Diese letztere Definition ist zugleich die Grundlage für unseren weiteren Umgang mit dem Begriff „Risiko“. Es wird ebenso wie das Abenteuer im Prinzip fast immer bewusst gewählt und das Vorhandensein einer Gefahr ist beim Risiko bekannt.

2.3 Erlebnis

Das Erlebnis ist „ein Ereignis im individuellen Leben eines Menschen, das sich vom Alltag des Erlebenden so sehr unterscheidet, dass es ihm lange im Gedächtnis bleibt. Erlebnisse können befriedigender (z.B. Teilnahme an Feier, Sex), aufregender (z.B. ein Abenteuer oder eine Reise) oder traumatisierender (z.B. Opfer eines Verbrechens) Natur sein“ (Wikipedia 2008).

SCHOLZ führt weiterhin an „Ein Erlebnis ist die Wahrnehmung und kognitive und emotionale Verarbeitung eines äußeren oder inneren, individuell bedeutsamen Geschehens“ (2001, S. 20).

Bei beiden Definitionen ist klar erkennbar, dass bei einem Erlebnis die individuelle Wahrnehmung eine große Rolle spielt. Dies bedeutet, dass etwas, das für den einen interessant und spannend ist, für den anderen eventuell langweilig sein kann. Je nach Vorgeschichte und Interesse eines Individuums wird eine Situation somit rein für sich selbst interpretiert und bleibt daher subjektiv.

Wir werden aufgrund des Titels dieser Arbeit zwar davon ausgehen, dass die Gemeinsamkeit aller Personen ist, nach besonderen, vor allem nachhaltig wirkenden Erlebnissen zu suchen, dass jedoch andererseits durch die beschriebene Individualität jedes Einzelnen schon jetzt deutlich wird, warum ein bestimmtes Interesse einer Person nicht automatisch auch für die andere gilt, wodurch eine gewisse Spannbreite entsteht.

2.4 Die Synthese von Abenteuer, Risiko und Erlebnis

Bei der Betrachtung der einzelnen Definitionen fällt bei der Beschreibung der situativen Bedingungen, der Merkmale und Strukturen des Handlungsfeldes um Abenteuer, Risiko und Erlebnis auf, dass die Begriffe nicht wirklich strickt voneinander unterschieden werden können. Besonders bei der auf dieses Thema doch recht festgelegten Sichtweise der Definitionen wird dies umso mehr deutlich. Unterschiede ergeben sich zwar insofern, als dass beim Abenteuer die Merkmale des Überraschenden und Zufälligen hervortreten, während z.B. das Risiko durch die gewisse Kalkulierbarkeit der Handlungsergebnisse gekennzeichnet ist (vgl. SCHLESKE 1977, S. 45), jedoch fällt dies durch die schon eben erwähnte richtungsweisende Interpretation der Begriffe nur wenig ins Gewicht.

Weiterhin existiert von GOFMANN eine Untersuchung über den Begriff „action“, der die subjektiven Erlebnismerkmale und objektiven Situationsmerkmale von Abenteuer, Risiko und Erlebnis vereint (1971, S. 164-291). Für ihn liegt „action“ dann vor, wenn „Handlungen folgenreich und ungewiss sind und um ihrer selbst Willen unternommen werden“.

Er stellt also ganz klar heraus, dass die Suchenden bewusst Risiken eingehen die vermeidbar sind und außerhalb des normalen Lebens im Alltag vorkommen.

SCHLESKE ergänzt hierzu: „Der Folgenreichtum des Handelns und die Ungewissheit des Ausgangs beziehen sich vor allem auf physische Gefahr, die dem Phänomen „action“ etwas von Schicksalhaftigkeit verleiht“ (1977, S. 45).

Für mich selbst lässt sich diese Synthese zudem damit begründen, dass das Abenteuer erst in Verbindung mit einem dadurch eingegangenen Risiko zu einer ganz besonderen Wahrnehmung des eigentlichen Erlebnisses führt.

Aufgrund der zum einen eigenen Interpretation, der Definitionen und der zum anderen existierenden Untersuchungen zu diesem Thema werde ich von hier an die Begriffe Abenteuer, Risiko und Erlebnis zwar weiterhin einzeln nennen, sie jedoch insgesamt als eine Einheit betrachten und nicht getrennt voneinander behandeln.

2.5 Abenteuer, Risiko und Erlebnis im täglichen Leben

Ohne Zweifel werden jedem Menschen beim Rückblick in die Vergangenheit zahlreiche Situationen einfallen, in denen er sich bewusst oder eher unbewusst einem Abenteuer, einem Risiko oder einem besonderen Erlebnis ausgesetzt hat. Aus welchem Grund er dieses getan hat, soll an anderer Stelle geklärt werden und wird zunächst vernachlässigt. Wichtig ist, dass es in Bezug auf das Alter weder nach unten noch nach oben Grenzen gibt. Lediglich unterschiedlich ist natürlich wieder die subjektive Empfindung und die für das jeweilige Alter spezifische Situation des Abenteuers, des Risikos oder des Erlebnisses.

Kinder, welche in einem Wald über umgeknickte Bäume klettern, über kleine Bäche springen oder auf der Suche nach einem Schatz sind können hier als Beispiel genannt werden, ebenso Teenager, die das erste Mal mit Freunden allein zum Zelten in den Urlaub fahren oder den bzw. die erste/n Freund oder Freundin haben. Im fort- geschrittenen Alter lassen sich dann schon extremere Situationen finden. So zum Beispiel das Interesse der jungen Generation, an Demonstrationen und dramatischen Auseinandersetzungen mit der Polizei teilzunehmen, sich durch den Missbrauch von Alkohohl und Drogen in einen Rauschzustand zu versetzen oder mit der Clique extrem selbstsicher und „stark“ durch die Straßen zu ziehen.

Im Erwachsenenalter liegt der Schwerpunkt dann eventuell eher im beruflichen Leben, wenn es darum geht durch Spekulationen ungeahnte Risiken einzugehen, durch eine Karrierechance das „Abenteuer Ausland“ einzugehen oder durch eine ausgezeichnete Leistung im Beruf mehrere Erfolgerlebnisse zu haben. Weiterhin kommt es häufig zu der Frage, warum Erwachsene ausgerechnet in einem Krisengebiet Urlaub machen. Die Begründung hierfür wird vermutlich eng mit einer gewissen Lust nach Abenteuer und Risiko zusammenhängen, welche dem Urlaub eine besondere Spannung verleihen. Auch im politischen Bereich würden sich etliche Beispiele finden lassen und natürlich ist bei den Erwachsenen das Privatleben ebenso mit Abenteuer, Risiko und Erlebnis behaftet wie auch bei Jugendlichen oder Kindern. Was bei dieser Aufzählung besonders deutlich wird ist, dass die Existenz von Abenteuer, Risiko und Erlebnis im Alltag keine Besonderheit darstellt und somit als nichts ungewöhnliches anzusehen ist. Es gehört zum täglichen Leben dazu diese Situationen zu suchen und zu bestreiten. Diese Tatsache wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Der Sport, sowohl in seiner Form als Freizeitbeschäftigung als auch im Rahmen seiner schulischen Ausübung, ist in diese Betrachtung noch nicht mit einbegriffen. Bei ihm handelt es sich definitiv schon um die bewusste Suche nach dem Konstrukt Abenteuer, Risiko und Erlebnis und einer geeigneten Ausübungsform. Der Sport wird daher als gesonderter Bereich betrachtet (s. Kapitel 2.6).

Ebenfalls wird erst im späteren Verlauf der Arbeit geklärt, inwieweit es zu einer von der menschlich gesehenen Norm abweichenden Zunahme dieser Suche gekommen ist und inwiefern die Gesellschaft dieses als sinnvoll bzw. positiv oder negativ ansieht.

2.6 Die Verknüpfung mit dem Sport

Aus eigenen Erfahrungen mit dem Sport lässt sich sagen, dass eine Thematisierung riskanter Bewegungsaktivitäten in Schule und Verein von der deutschen Sport- pädagogik eher vernachlässigt worden ist. GISSEL&SCHWIER erkennen jedoch seit rund einem Jahrzehnt „eine intensive Auseinandersetzung mit den Begriffen Abenteuer und Erlebnis sowie eine sogar inflationäre Hinwendung zum sogenannten Erlebnissport, zu Bewegungsabenteuern und zur Wagniserziehung vor allem (...) der anhaltende Boom entsprechender Praxisangebote in der außerschulischen Kinder und Jugendarbeit beigetragen haben (2003, S.7). Ein Ausgangspunkt für diese neue Hinwendung besteht für sie in den Veränderungen der Lebensphase der Jugend. Somit geht es hier weniger um eine Neuerung in dem Unterricht der Schule und den Vereinen, sondern vielmehr um eine Reaktion auf die sich ändernde Freizeitbe- schäftigung der Kinder und Jugendlichen. Um nun keinen Konflikt zwischen dem Sport in Schule bzw. Verein und dem Sport in der Freizeit der Jugendlichen zu schaffen, kam es zu einer Annäherung der beiden Bereiche, um einen „Weg zur Jugend“ zu ebnen (GISSEL&SCHWIER 2003, S. 8). Daraus resultiert, dass man jetzt bessere Möglichkeiten besitzt, durch den Sport in die Erziehung der Kinder und Jugendlichen einzugreifen und sich nicht von ihnen entfernt. Wir kommen hier nun auch zum ersten Mal zu der Einsicht, warum der Trend- bzw. Extremsport die oben genannte Verbindung zwischen dem Sport und dem Konstrukt „Abenteuer, Risiko und Erlebnis“ ist. Denn wie wir später noch erfahren werden, ist diese neue „Sportart“ die absolute Modeerscheinung der letzten Jahre, wobei deren Bezug zu den Faktoren Abenteuer, Risiko und Erlebnis bereits aus dem Namen deutlich wird. Betrachtet man einige weitere Beispiele aus den Trendsportarten wie Tauchen, Felsklettern, Mountainbiking oder Snowboarden, wird wohl ohne Zweifel ersichtlich, dass diese nicht ohne eine gewisse Forderung nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis ausgeführt werden und somit eine Verknüpfung besteht. Natürlich existieren auch weiterhin die traditionellen Sportarten welche sich nach wie vor ihrer Beliebtheit erfreuen und mit einem deutlich geringeren Anspruch ausgeübt werden. Jedoch hat sich die Gewichtung bemerkbar verschoben und die Tendenz ist klar in Richtung Trendsport gegangen.

Für den weiteren Umgang mit dem Text gehen wir davon aus, dass wir bei der Rede von Trend- oder Extremsport wissentlich die Kenntnis besitzen, dass die Ausübung solcher Sportarten die Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis impliziert und so nicht mehr gesondert erwähnt werden muss.

Abschließend soll noch aufgezählt werden, welche meiner Meinung nach wichtigen Fragen aus diesem Text hervorgehen und im Laufe dieser Arbeit geklärt werden müssen. Hierzu gehören u.a. die Aspekte: „Besteht eine ernst zu nehmende Gefahr bei der Ausübung von Trendsport und ist diese bewusst?“, „Wie viel Reiz muss ich als Schule bzw. Verein anbieten, um das Interesse der Kinder und Jugendlichen zu wahren?“ und „Welche Auswirkung hat der Trendsport für die pädagogische Arbeit der Schule?“.

3. Was ist Trendsport?

Was macht einen Sport zum Trendsport bzw. wann darf sich eine Sportart mit dieser recht modischen Bezeichnung „schmücken“?

Ziel dieses Kapitels soll es sein, genau diese Frage zu klären um eine klare Vor- stellung über die hier zugehörigen Aktivitäten zu bekommen. Zudem werden anschließend einige dem Trendsport zugehörige Sportarten kurz vorgestellt, um einen Einblick in diesen Bereich zu gewinnen. Jene Sportarten können dann auch im weiteren Text als Beispiele aufgeführt werden und man besitzt so ein gewisses Grundverständnis über sie.

3.1 Der Begriff „Trend“

Das Wort „Trend“ ist von dem gleichbedeutenden englischen Wort „trend“ entlehnt und bezeichnet den Richtungsverlauf oder die Tendenz einer Entwicklung. Teilweise wird der Begriff „Trend“ auch synonym mit „Mode“ verwendet und lässt dadurch auf etwas zeitgemäßes und neues schließen.

Insbesondere freizeitsportliche Trends sind einerseits das Resultat gesamtgesell- schaftlicher Prozesse, andererseits wirken sie sich, gerade in „Erlebnisgesellschaften“ zunehmend auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung aus. Die Ausbreitung von so genannten Trends ist dabei von vielen Faktoren abhängig. In jedem Fall ist er jedoch mit Phänomenen verbunden, die durch Wandel, Flexibilität und Innovation geprägt sind (vgl. BREUER/SANDER 2003, S. 42).

3.2 Der Begriff „Sport“

Das Wort „Sport“ ist vom lateinischen „portare“ (tragen, bringen) über das alt- französische „desport“ (zerstreuen, vergnügen) bis hin zum englischen Wort „sport“ entstanden und hat erst im 19. Jahrhundert seinen jetzigen Sinn in Bezug auf „planmäßige Körperschulung“ und körperliche Betätigung erhalten. Anfang der 70er Jahre kam es dann zu einer Spezifizierung des Begriffes, welcher dadurch gekenn- zeichnet war, dass „z.B. wirtschaftliche, politische, erzieherische und individuelle“ Interessen hinzugefügt wurden (BREUER/SANDER 2003, S. 43).

Im aktuellen Verständnis ermöglicht der Sport dem Menschen „freies“ Handeln und kann zum Abreagieren überschüssiger Energien dienen. Dieses gilt auch im Hinblick auf Frustrationen. Ferner bietet er die Möglichkeit zur körperlichen Vervoll- kommnung, sei es in Bezug auf die Gesundheit, die Koordinationsfähigkeit oder ästhetische Bewegungsformen. Unter dem Aspekt von Risiko und Erlebnis kann der Sport dem Menschen bestimmte Erfahrungen vermitteln und der Schulung des sozialen Verhaltens dienen (vgl. BREUER/SANDER 2003, S. 43).

Laut BREUER/SANDER finden sich in diesen Aussagen Anhaltspunkte, „den Sport als körperliche Betätigung unter der Erfüllung bestimmter Sinnrichtungen wie Bewegung, Leistung, Gesundheit, Spaß, Entspannung, Abenteuer, Geselligkeit und Kommunikation zu sehen, wobei die Sinnrichtungen einzeln und kombiniert auftreten können (2003, S. 44). Die Sportaktivität stellt dabei einen sehr bedeutenden Aspekt in der Gesellschaft dar.

3.3 Der Begriff „Trendsport“

Ebenso zahlreich und vielfältig wie der Trendsport selbst, sind auch die über ihn neu verfassten Artikel und Berichte. Weitestgehend einig ist man sich allerdings über seine Definition und Charakteristik.

So bezeichnet beispielsweise BALZ den Trendsport als „einen bestimmten Bereich sportlicher Aktivitäten, die seit neuerem Verbreitung gefunden haben“ (2001, S. 2). Die charakteristischen Merkmale sind dabei u.a. „seine sichtbare Stilisierung im Hinblick auf den jeweils bevorzugten Lebensstil und seine bewusste Steigerung im Hinblick auf Tempo, Bewegungskönnen und Körpereinsatz“ (vgl. ebd.). Auch hier sind erneut Ansatzpunkte zu erkennen, dass der Trendsport im Prinzip nicht ohne ein gewisses Risiko und schon gar nicht ohne Erlebnisse auskommt. Als weiteres Merkmal gibt BALZ das „Sampling“ an, in welchem es darum geht, sportliche Aktivi- täten zu modifizieren und zu kombinieren. So sind viele Trendsportarten aus mehreren Elementen anderer Sportarten zusammengesetzt und ergeben anschließend ein neues Ganzes. Kinder und Jugendliche können dadurch ihre eigene Trendsportart kreieren und für jeden lässt sich etwas Passendes finden.

Um Trendsportarten von anderen sportiven Entwicklungen zu unterscheiden, zieht SCHILDMACHER noch die Faktoren Kollektivität, Öffentlichkeit, Fristigkeit und die Verdichtung von Themen heran. Ihrer Meinung nach kann es sich nur bei Erfüllung aller dieser Kriterien um eine Trendsportart handeln. Die Kollektivität bedeutet hierbei, dass sich eine gewisse Anzahl von Personen an der Sportart beteiligen muss. Die Beteiligung muss jedoch nicht nur aktiv stattfinden, es zählt auch das bloße Interesse und die Kommunikation an dem Thema. Ein sicherer Indikator für das steigende Interesse sind nach SCHILDMACHER die Medien. Je häufiger eine neue Sportart in den Medien auftaucht, desto umfangreicher wird über sie kommuniziert (vgl. SCHILDMACHER 2001, S. 52ff).

Auch beim Thema Öffentlichkeit ist die Rolle der Medien wichtig. Das Thema muss so propagiert werden, dass es nicht nur zur Diskussion kommt, sondern der Sport muss dazu für jedermann zugänglich gemacht werden. Jeder in der Gesellschaft muss also die Möglichkeit haben, ihn ausführen zu können. Unverzichtbar dafür sind zusätzlich die sogenannten „Meinungsführer“, die mit ihren wertenden Urteilen dem Sport erst das „ok“ für die Öffentlichkeit geben. Dies können einerseits angesehene Schüler oder Freunde sein, aber auch bekannte Sportler und Prominente zählen dazu (vgl. ebd.).

Fristigkeit verleiht der Trendsportart einen zeitlichen Rahmen, welcher nach SCHILDMACHER bei ca. fünf bis zehn Jahren liegt. Dauert dieser Rahmen länger an als die genannte Zeitspanne, handelt es sich ihrer Meinung nach nicht um eine Trendsportart oder die Trendsportart verliert ihre Bedeutung als solche (vgl. ebd.).

Letztes Kriterium, die Verdichtung von Themen, bedeutet wie schon bei BALZ unter dem Begriff „Sampling“ beschrieben, die Entstehung der Trendsportart aus schon existierenden Mustern. So ist zum Beispiel das Inline-Skating aus einer Kreuzung von Schlittschuh und Rollschuh entstanden. Hieraus ist dann ein neuer Zweig geschaffen worden, welcher jedoch durch seine Einfachheit besticht und damit wieder für jeden zugänglich ist (vgl. ebd.).

Die Ausführungen von SCHWIER decken sich im Prinzip mit den Schilderungen der beiden vorangegangenen Autoren, interessant ist jedoch noch seine Verwendung des Begriffs Trendsport als „Kennzeichnung jener Veränderungstendenzen des Sports, die (explizit oder implizit) mit bewegungskultureller Erneuerung und Innovation einhergehen“ (BREUER/MICHELS (Hrsg.) 2003, S. 18).

Zusammenfassend bekommt man mit diesen Beschreibungen meiner Meinung nach einen guten Überblick zu der Frage „Was ist Trendsport?“ und befindet sich zumindest in der Lage, einen Trendsport von einem „normalen“ Sport zu unterscheiden und einordnen zu können.

In den nächsten Kapiteln wird teilweise auch die Bezeichnung „Extremsport“ fallen. Ebenso häufig wie die Verwendung des Begriffs „Trendsport“, ist auch die Auslegung der angebotenen Sportarten sehr vielfältig. SCHWIER & LAMPRECHT bezeichnen als Trendsportarten die übergeordnete Kategorie, die sich in Fun-, Outdoor-, Abenteuer-, Extrem- und Risikosportarten untergliedert (vgl. SCHWIER 1998, S. 9f; LAMPRECHT et al 1998, S. 370ff). So wird in der vorliegenden Arbeit dieser Definition gefolgt, die Trendsportarten als übergeordneten Begriff versteht, wobei es durchaus auch zur Nennung der anderen Begriffe kommen kann. Hier wird wie bereits in Kapitel 2 beschrieben nochmals deutlich, dass der Trendsport unweigerlich mit den Bereichen Abenteuer, Risiko und Erlebnis verknüpft ist.

3.4 Beispiele einiger ausgewählter Trendsportarten

3.4.1 Snowboarding

Das Snowboarding stammt ursprünglich aus den USA und wurde von Surfern erfunden, welche ihren Sport auch in den Wintermonaten ausüben wollten. Also machte man sich Gedanken über das Gleiten im Schnee und entwickelte schließlich das Snowboard. Hierbei handelt es sich um ein Brett mit zwei Haltevorrichtungen für die Füße, welches es einem ermöglicht, durch den Schnee zu gleiten. Dabei können extrem hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Trotz aller Versuche, die Snowboarder als Randgruppe zu behandeln, war die Entwicklung dieses Sports nicht aufzuhalten und das Interesse nahm explosionsartig zu. Im Zeitraum von 1992 bis 2000 stieg die Anzahl verkaufter Snowboards weltweit von 228.000 auf über 1,6 Millionen (vgl. STEINES 2002, S.9). Seit 1998 gehört dieser Sport zum olympischen Programm und es existieren aufgrund einer seit Anfang der 90er Jahre einsetzenden Ausdifferenzierung des Sports zahlreiche Disziplinen wie z.B. Freestyling, Halfpipe, Boarder Cross oder Riesenslalom.

In Deutschland ist diese Sportart im letzten Jahrzehnt zu einer der populären Winter- sportarten aufgestiegen und gehört seither zum festen Programm der Sportartikel- hersteller. Mittlerweile werden sogar in schneefreien Regionen des Landes so genannte „Fun-Parks“ errichtet, welche es einem selbst im Sommer ermöglichen in einer Halle Ski bzw. Snowboard zu fahren.

Zielgruppe dieser Sportart sind ganz klar die Jugendlichen. Laut einer Statistik sind 63% der 14- bis 24-Jährigen Snowboarder (ISF Germany, 1997). Dementsprechend ist auch das Marketing der Snowboardfirmen ausgerichtet und es ist eine spezielle Mode bezüglich der Kleidung und des Designs der Bretter gefragt.

Bezüglich der Verteilung des Geschlechts liegt die Mehrheit zur Zeit noch bei den männlichen Sportlern, jedoch hat es in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Snowboarderinnen gegeben und das Verhältnis gleicht sich immer mehr an.

Bei der Trendsportart „Snowboarding“ tritt laut MARLOVITS der „Sachverhalt des Besonderen und Individuellen in der Art des Erlebens“ hervor (2001, S. 427). Man fühlt sich ungebremst, ungebunden und frei und ist damit losgelöst von jeglicher Norm und Beschränkung. Hier lässt sich erneut die Verbindung zu einer Suche nach Abenteuer, Risiko und Erlebnis aufzeigen (vgl. BREUER/SANDER 2003, S. 107-114; MARLOVITS 2001, S. 425-436).

3.4.2 Inline-Skating

Inline-Skating wurde zu Beginn der 80er Jahre erfunden und ist eine Weiterent- wicklung des traditionellen Rollschuhlaufens, welches es schon seit über 200 Jahren gibt. Inline-Skates verfügen über vier bis fünf hintereinander montierte Rollen aus Kunststoff und eine Bremsvorrichtung und waren zunächst als Gerät für das Sommertraining von Eishockeyspielern gedacht. Auch hier entstand der eigentliche Boom dieser Sportart in den USA, erreichte aber Mitte der 90er Jahre auch Deutschland.

„Innerhalb von sechs Jahren erhöhte sich die Zahl der Freizeit- und Sport-Skater auf rund 11 Millionen“ (BREUER/SANDER 2003, S. 76). Seit einigen Jahren ist das Inline- Skating in viele Sport-Events integriert. So starten mittlerweile beim Köln Marathon neben den eigentlichen Läufern auch ca. 6000 Inline-Skater und bestreiten ihren eigenen Wettbewerb.

Die Zielgruppe dieses Sports liegt im Bezug auf das Alter im Gegensatz zum Snowboarding in einem größer gefächerten Bereich. Zum einen sind es wie schon erwähnt sehr viele Wintersportler, die durch das Inline-Skating die Möglichkeit haben auch im Sommer ihr Training durchzuführen. Ebenso sind Jogger und Ausdauersportler auf den Sport aufmerksam geworden und betreiben ihn als Zu- bzw. Ersatz zu ihren bisherigen Tätigkeiten. Gerade Kinder und Jugendliche nutzen die Skates gerne für das Springen über Hindernisse oder zum „Herunterjagen“ schneller Abfahrten. So kommen als Zielgruppen inzwischen fast alle Altersklassen beider Geschlechter in Frage. Lediglich die Einsatzhäufigkeit und der Anwendungs- bereich ermöglichen eine differenzierte Zuordnung.

Schaut man sich nun dieses breite Spektrum der an dieser Sportart interessierten Personen an, wird einem schnell klar, warum das Inline-Skating bei den Trendsport- arten an erster Stelle steht. Wären alle diese Sportler zudem organisiert, würden selbst Sportarten wie Fußball und Tennis in der Rangliste der Beliebtheit gegen das Inline-Skating das Nachsehen haben. Doch selbst im Verein ist der steigende Trend deutlich zu erkennen. Laut einer Bestanderhebung des „Deutschen Sport Bundes“ stieg die Anzahl der Mitgliedschaften im „Deutschen Rollsportbund“ von ca. 16 Tausend im Jahre 1990 auf ca. 40 Tausend im Jahre 2002 (ZAK GmbH, 2003).

Laut BREUER/SANDER liegen die Motive für das Inline-Skating in „seiner Erlebnisfülle (...) und den überdurchschnittlich gesundheitlichen Werten (2003, S. 81).

Auch Risiko ist laut einer Untersuchung von WOLL/TITZE eines der Hauptmotive für die Ausübung der Sportart und belegt mit 70% hinter dem Faktor Spaß (90%) den zweiten Platz (1999, S. 131; vgl. BREUER/SANDER 2003, S. 75-85).

3.4.3 Freeclimbing

Freeclimbing beschreibt das Klettern als Fortbewegung am Fels ohne künstliche Kletterhilfen. Lediglich zur Absicherung dürfen Hilfsmittel wie z.B. Karabiner und Seile verwendet werden. Das Freeclimbing ist aus dem traditionellen Bergsteigen entstanden und hat seinen Ursprung in den USA. Ab Mitte der 80er Jahre fand es auch in Deutschland immer mehr Anhänger, wo es aufgrund massiver Umwelt schäden jedoch schnell zu Kletterverboten und Gebietssperrungen kam.

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Details

Seiten
75
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640263585
ISBN (Buch)
9783640263707
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121788
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,5
Schlagworte
Jugendliche Suche Risiko Abenteuer Erlebnis Berücksichtigung Trendsportarten

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Titel: Trendsportarten. Jugendliche auf der Suche nach Risiko, Abenteuer und Erlebnis