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Zu: Friedrich Hölderlins "Hälfte des Lebens"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 26 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Textvorlage

3. Friedrich Hölderlin
3.1. Seine Weltanschauung
3.2. Die Eigentümlichkeiten seiner späteren Werke

4. Analyse des Gedichtes »Hälfte des Lebens«
4.1. Zum Entstehungskontext
4.2. Epoche, Gattung, Form
4.3. Interpretationsversuche

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Friedrich Hölderlins Gedicht »Hälfte des Lebens« (1805) zählt mit Gewissheit zu einem der berühmtesten und wohl auch beliebtesten Gedichte deutschen Ursprungs. Doch auch im Gesamtwerk Hölderlins steht dieses Gedicht einzig da. Denn im Gegensatz zu den vielen anderen Werken des Autors, taucht in »Hälfte des Lebens« keine große Komplexität auf; keine an griechischem Vorbild orientierte Form und auch keine schwer verständlichen mythischen Metaphern. Es ist einerseits ein eher einfaches Gedicht, jedoch nicht zu unterschätzen, was dessen Aussagekraft betrifft.

Die kürzeren Gedichte Hölderlins sind meist persönlicher. Dies wird dem Leser umso deutlicher und verständlicher, wenn er die Biographie des Autors beim Lesen mit einbezieht. Das soll aber nicht heißen, dass es nur in diesem spezifischen Kontext gültig ist, denn »Hälfte des Lebens« spricht eine Thematik an, welche niemandem fremd sein dürfte – nämlich die Furcht vor dem Anbruch einer Lebenszeit, in welcher nur Trostlosigkeit, Einsamkeit und Winter herrscht.

Meine Hausarbeit soll das Hauptaugenmerk vor allen Dingen auf die Analyse des Gedichtes richten, wobei den darin enthaltenen Metaphern besondere Aufmerksamkeit zukommen soll. Aber auch einige ausführlichere Darbietungen zu Hölderlins Weltanschauung und dem Stil seiner Spätwerke sollen nicht unberücksichtigt bleiben.

Diese wissenschaftliche Hausarbeit zum Thema Friedrich Hölderlins »Hälfte des Lebens«, wurde zu dem Hauptseminar „Lyrik des 19. Jahrhundert“, im Sommersemester 2006, an der Friedrich-Schiller-Universität Jena geschrieben. Zur Bearbeitung dieses Themas wurde ausschließlich die im Literaturverzeichnis aufgelistete Literatur verwendet, sowie die erworbenen Kenntnisse und Materialien aus dem Hauptseminar „Hölderlin“, welches ich im Wintersemester 2005/2006 besuchte habe.

Stefanie Warnke

2. Textvorlage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. von J. Schmidt. 1992-94. S. 320.

3. Friedrich Hölderlin

3.1. Seine Weltanschauung

Das Weltbild des Friedrich Hölderlin hat sich natürlich nicht von einem Tag auf den anderen herausgebildet. Es ist eher durch den Einfluss mehrerer Dichter und neuer Ideen herangereift. Um die Grundgedanken des hölderlinschen Weltbilds zu verstehen, macht es Sinn, zurück zu den Anfängen des Dichters zu schauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wer oder was ihn in seiner frühesten Jugend, aber auch später, geprägt hat.

Der junge Hölderlin ist vor allem von Dichtern wie Klopstock, Schubart und Matthisson, Pindar und Schiller beeinflusst worden, aber auch von der christlich-pietistischen Frömmigkeit, welche in Schule und Elternhaus dominierte.[1] Später jedoch, findet eine Veränderung und Wende in der Lyrik statt. Nun sind nicht mehr nur christliche Motive und Inhalte Gegenstand der zeitgenössischen Dichtungen, sondern eher antik-mythologische Vorbilder, Vorstellungen und Versmaße.[2] Diese Veränderung in der Lyrik geht auch mit einer Veränderung des Weltbildes einher. Ideale wie die harmonische Einheit, Schönheit, Freiheit, Freundschaft und Liebe prägen dieses Weltbild und auch Hölderlin nimmt die Grundzüge dieser neuen Anschauungen auf.[3] Das Weltbild der Dichter wird gewissermaßen befreiend ausgeweitet und als Ganzheit begriffen, an der das Ich teilhaben kann. Diese Ganzheit der Welt besteht aus der Verbundenheit zwischen Himmel und Erde und Göttern und Menschen, welche alle aneinander gekettet sind und sich nicht voneinander lösen können.[4] Der Mensch wird dabei als das Wesen gesehen, welches den Spannungen zwischen Himmel und Erde, also dem Endlichen und dem Unendlichem, ausgesetzt ist, da er beiden Weltteilen zugewandt ist.[5] Somit hält der Mensch die Ganzheit der Welt aufrecht, besonders der Dichter, da er das Wesen des Menschen in einem literarischen Werk festhält.[6] Hölderlin hat die Götter stets als real angesehen und verurteilte jene Dichter, welche die Götter nur als Schmuck in ihren Gedichten verwendeten.[7] Der Dichter befasste sich intensiv mit der Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt und das Finden von Gott. Dabei kam er zu der Erkenntnis, dass eine Einheit der Gegensätze vorhanden ist und dass eine gemeinschaftliche Gottheit durch die Vermischung der Sphären erlangt werden kann. Hölderlin sieht den Zusammenhang zwischen dem Individuum und dessen Umgebung als unendlich an. Aus diesem Grund denkt er auch, dass es göttliche Gesetze geben muss, die zwar nicht unbedingt postuliert werden müssen, aber stets einen bestimmten Fall zu deren Umsetzung brauchen. Darum findet Hölderlin für fast jedes seiner Gedichte ein bestimmtes Kalkül und verabscheut die Moderne, da diese gleichmacherisch ist und mehrere Gedichte unter ein Gesetz fallen lässt. Hölderlin denkt, dass derartige Regeln und Gesetzte immer auf die Lebenswelt bezogen sein müssen. Damit Poesie wirken und etwas bewirken kann, muss sie strukturiert sein. Hölderlin will nicht regellos dichten und erschafft eine Trias, deren drei Ebenen ein Gedicht ausmachen: zum einen die religiös-individuelle Ebene, zum zweiten die mythisch-historische Ebene und als letztes die physisch-mechanische Ebene. Des Weiteren erstellt er auch eine Lehre zum Wechsel der Töne, welche besagt, dass es drei verschiedene Töne in der Dichtung gibt (naiv, idealisch, heroisch), welche in gegenseitiger Wechselwirkung stehen.[8] Doch dies soll hier nicht weiter erläutert und diskutiert werden.

Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts werden die bislang abstrakten Gedanken in der Lyrik zunehmend konkreter und auch die strengen antiken Rhythmen und Versmaße werden nach und nach freier und ungebundener, was sicherlich auch mit den damals aktuellen politischen Geschehnissen (französische Revolution) zusammenhing. Auch Hölderlin gesteht seinen Bruch mit den antiken Vorbildern, was man aus einem Brief an Casimir Ulrich Böhlendorf[9] ablesen kann. Dieser Brief markiert praktisch die veränderte Position Hölderlins (vaterländische Wende). Hölderlin sieht die Aufgabe des modernen Dichters nun als dieselbe, welche die Griechen bereits gelöst haben – nämlich das Fremde zu erlernen. Hölderlin war der Ansicht, dass den Griechen die Würdigung des Himmels, also der Götter, angeboren sei und dass sie die Würdigung der Erde erst mühsam erlernen mussten, um deren Ganzheit gerecht zu werden.[10] Die Griechen konnten dies jedoch nicht bewältigten, da sie die Würdigung der Erde zu routiniert betrieben und ihre natürliche Veranlagung zum Würdigen der Götter vergaßen und in Einklang verfielen.[11] Aus diesem Grund ist Griechenland untergegangnen, weil die Ganzheit der Erde nicht erreicht werden konnte.[12] Daraus schließt Hölderlin, dass, wenn man es weiter als die Griechen bringen will, man das Fremde erlernen muss, ohne dabei die eigene Naturveranlagung zu vernachlässigen.

[...]


[1] Vgl. Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte. Hrsg. von D. Lüders.1989. S. 10.

[2] Vgl. Ebd. S. 10.

[3] Vgl. Ebd. S. 10, 11.

[4] Vgl. Ebd. S. 14, 15.

[5] Vgl. Ebd. S. 14.

[6] Vgl. Ebd. S. 14.

[7] Vgl. Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte. Hrsg. von D. Lüders.1989. S. 22, 23.

[8] Vgl. Friedrich Hölderlin. Der Dichter über sein Werk. Hrsg. von F. Beißner. 1996. S. 86.

[9] Vgl. Friedrich Hölderlin. Sämtlich Werke und Briefe II. Hrsg. von M. Knaupp. 1992. S, 912-914.

[10] Vgl. Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte. Hrsg. von D. Lüders.1989. S. 16.

[11] Vgl. Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte. Hrsg. von D. Lüders.1989. S. 16.

[12] Vgl. Ebd. S. 16.

Details

Seiten
26
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640262243
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121615
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Hölderin Hälfte des Lebens Friedrich Hölderin Lyrik Gedicht Gedichtanalyse Lyrikanalyse Gedichtinterpretation

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