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Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika

Der Fall Ruanda/ Burundi

Hausarbeit 2002 31 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Definition von Ethnizität
2.1 Ethnie - und Nationsbewusstsein in Afrika
2.2 Ethnische Theorien
2.2.1 Primordialistisches Konzept von Ethnizität
2.2.2 Konstruktivistisches Konzept von Ethnizität

3. Der Fall Ruanda/ Burundi
3.1 Ethnien in der Vorkolonialzeit
3.2 Ethnizität und gesellschaftliche Arbeitsteilung
3.3 Die koloniale Ethnisierung
3.4 Machtverteilung der Nachkolonialzeit
3.5 Bevölkerungswachstum
3.5.1 Modernität, Migrationen und Urbanisierung
3.5.2 Ethnizität und Mutationen
3.5.3 Ressourcenknappheit
3.6 Politisierung von Ethnizität
3.7 Der Genozid von Ruanda

4. Lösungsvorschläge zu den ethnischen Konflikten

5. Resümee

Literaturhinweise

1. Einführung

Die Schwierigkeit der Staatenbildung in Afrika nach der Kolonialzeit stellt die Überwindung ethnischer Identitäten in Frage. Die von der Ethnizität verursachten Krisen betreffen am stärksten die sogenannte Dritte Welt bzw. den Kontinent Afrika. Aber die Forderung ethnischer Identitäten betreffen auch die angeblich homogenen Länder: Regionalismus in Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien, linguistische Konflikte in Kanada und Belgien, Nationalitätsprobleme in Osteuropa. Das Ausmaß jedes Konfliktes ist im Bezug auf Heterogenität oder Nationalbewusstsein der betroffenen Gesellschaften relativ.

Der Begriff Ethnizität ist in den 60er Jahren in Amerika entstanden (Ethnicity). Die Forscher beschäftigten sich mit der Entstehung und dem Weiterbestehen der Ethnien. Die Frage der Ethnizität in Afrika südlich der Sahara berührt die Komplexität des Inhalts und der Klassifizierung von ethnischen Gruppen. Nach welchen Kriterien oder Merkmalen klassifiziert man ethnische Gruppen? Sind ethnische Identitäten eine natürliche Eigenschaft von menschlichen Gruppen oder sind sie in bestimmten Situationen konstruiert?

Ethnien sind zeitlich und in einem abgrenzbaren Ort fixiert, aber sie wachsen, wandern, wandeln und verflechten sich mit anderen Nachbargruppen. Sie leben nicht immer geschlossen oder isoliert, sondern sind von nationalen, regionalen oder internationalen Transformationen beeinflusst oder betroffen.

Die ethnischen Konflikte in Afrika existieren nicht nur seit der Kolonialisierung, sondern auch schon in der Vorkolonialzeit. Viele ethnische Theorien und Erklärungsansätze bemühen sich, die Ursachen der ethnischen Krisen in Afrika zu erläutern. Die Frage ist, inwiefern die Teilung von Afrika (seit dem Berliner Kongress, 1884- 1885 in Deutschland) ohne Rücksicht auf politische und kulturelle Unterschiede sowie die koloniale Ethnisierung zugunsten der Kolonialmacht und bestimmter Gruppen, die ethnische Konflikte veranlasst und verschärft hat. Hinzu kommen viele Faktoren, die zur Ausbreitung der ethnischen Krisen führen, nämlich das Bevölkerungswachstum, die Migration- und Urbanisierungsprobleme, die Ressourcenknappheit und die Anwendung von Ethnizität als ein neues politisches Mittel.

Das zweite Kapitel dieser Arbeit wird sich mit dem Zusammenhang zwischen Ethnizität und dem Nationalstaat, sowie die Theorien, die unterschiedliche Bedeutungen von Ethnizität untersuchen, ausseinandersetzen. Im dritten Kapitel wird ein Rückblick über die ethnische Herrschaft in der Vorkolonialzeit, über die koloniale Ethnisierung und über die Machtverteilung in der Nachkolonialzeit Ruandas und Burundis unentbehrlich, um das Problem von Entstehung, Weiterbestehen und Merkmalen von Ethnien in Afrika südlich der Sahara zu erfassen.

2. Definition von Ethnizität

Erst in der amerikanischen Ethnologie wurde „Ethnic“ benutzt, um andere Gruppen zu bezeichnen (Ethnicity gleich foreign stock), während die originale Gruppe der Gemeinschaft nicht als Ethnie erfasst wird. In England z.b. sind die „Ur- Engländer“ im Vergleich zu ausländischen kulturellen Gruppen nicht als ethnische oder kulturelle Gruppe bezeichnet. Dieser Gebrauch von dem Wort „Ethnic“, um „andere“ Völker zu bezeichnen hängt von seiner Etymologie ab.

Ethnizität1 stammt von Ethnos, das unterschiedliche Verwendungen im Laufe der Geschichte gefunden hat. Homer verwendet Ethnos für amorphe Gruppen von Tieren und Kriegern. Bei Aristoteles bedeutet es fremde und barbarische Nationen, d.h. die Nicht- Griechen. Im 19. Jahrhundert kam das Wort zu einer Dichotomie von Wir/ Andere, dieses konnotierte später „Wir- Gruppe“. Michaud benutzt den Begriff Ethnizität, um das Bewusstsein der Zugehörigkeit an einer ethnischen Gruppe zu bezeichnen. Was ist eine ethnische Gruppe?

Ethnien sind Menschengruppen, die als Erben einer historischen und kulturellen Gemeinschaft leben und sich eine gemeinsame Zukunft zusammen vorstellen. Carola Lentz2 definiert Ethnien als „familienübergreifende Gruppen, die sich Selbst eine kollektive Identität zuschreiben und/ oder von Außen als Gruppe definiert werden“. Diese Definition zeigt, inwiefern der Begriff Ethnizität komplex ist, weil die Kriterien der Identität zuerst subjektiv sind.

D.h. die Gruppe muss sich selbst als „Wir- Gruppe“ erkennen und die Anerkennung von den Anderen kommt erst danach3. Die Kriterien, nach denen man eine ethnische Gruppe unterscheidet, können wandelbar sein und nicht immer das ganze Repertoire der Kultur umfassen. Wallerstein (1960) und Gordon (1964) definieren Ethnizität nicht als Zugehörigkeit zu einer Ethnie, sondern als Gefühle, die mit Ethnie assoziiert sind und die sich die Mitglieder miteinander teilen.

Die Mitglieder der „Wir- Gruppe“ teilen eine gemeinsame Sprache, Kultur, Abstammung, Geschichte und leben in einem gemeinsamen Territorium, wo sie ihre Kultur pflegen und an weitere Generationen überliefern. Alle diese Merkmale (Kultur, Sprache) sind nicht immer geteilt. In manchen Fällen sind nur einige Eigenschaften geteilt. So kann z.b. Religion oder die Sprache der dominante Aspekt sein. Ethnizität manifestiert sich in der Wirklichkeit, indem sie durch Symbole wie Ethnonyme4 und äußerliche Erkennungszeichen wie Begrüßungsart, Kleidung die Zugehörigkeit oder die Abgrenzung ankündigt. Diese Grenzziehung hat viele Stufen und kann sich auf ein Merkmal beziehen, das der „andere“ nicht hat, z.b. man kann sich in einer Gruppe abgegrenzt fühlen, wenn man zu einer anderen Religion angehört. Als Haussa in Kamerun kann man zwar katholisch oder protestantisch sein, aber wenn die Leute üblicherweise Haussa hören, stellen sie sich einen Muslim vor. Man könnte sich integriert fühlen, wenn man nicht Haussa ist, aber Haussa spricht oder Muslim ist.

Die Identität der Gruppe steht über der des Individuums5, aber das bedeutet nicht, dass die Angehörigen einer Ethnie ähnlich handeln, denken oder reagieren. Der Begriff Ethnie ersetzt heutzutage die Termini Stamm, Tribalismus, weil viele afrikanische Intellektuelle „Stamm“ als etwas, was auf Primitivität und Stereotype zurückführt, wahrnahmen. Southal bewertet die Termini „Tribe“ als pejorativ und schlägt Ethnie als Ersatz vor, weil Ethnie quasi universal und allgegenwärtig ist. Die Bezeichnungen „kulturelle Gesellschaften“ und „Kultur“ werden für „Ethnie“ angewendet.

Ethnien sind Organisationen von Menschen in Gruppen, die nicht als Nationen zu erfassen sind. Wie definiert man seine Identität in Afrika?

2.1 Ethnie - und Nationsbewusstsein in Afrika

Benedict Anderson (1988) definiert Nation als eine „vorgestellte politische Gemeinschaft“, vorgestellt als „begrenzt“ und „souverän“. Hierbei spielen die Autonomie und die Grenzen (Bounderies) eine bedeutsame Rolle. Wie Ethnie ist Nation durch Grenzen und Symbole konstruiert. Ein Staat wird als Entscheidungsträger der Nation geschafft. Dieser Staat schafft eine normativ stabile Struktur qua seines Ordnungs-, Rechts- und Sicherheitsapparats, was Louis Althusser „Appareil Repressif de l´Etat“ nennt. Nation, Rasse und Ethnie sind nicht einfach zu definieren und zu trennen.

Man spricht über Staatenbildungen in Afrika seit 1885, wo jede Kolonialmacht versuchte, ihr Besatzungsland weiterzustrecken bis sie an die nächste Kolonialmacht angrenzte. Die Kolonialmächte bemühten sich, mit Gewalt und Zwang Nationen nach ihren eigenen europäischen Bildern zu bilden. Später sprach man von Nationenbildungen mit den Befreiungskämpfen und nationalistischen Bewegungen unter Führung von charismatischen afrikanischen Kämpfern wie Kwame Nkrumah, Sékou Touré, Patrice Lumumba. Wenn man die Geschichte der afrikanischen Gesellschaften in der Vorkolonialzeit berücksichtigt, stellt man fest, dass Strukturen wie Königreiche und Häuptlingstümer schon Formierungen größerer Flächenstaaten gebildet hatten: Die Reiche von Mali, Segur, Ghana in Westafrika sind unter anderem illustriert.

Kurz nach den Unabhängigkeiten, die überwiegend entweder nicht gut vorbereitet waren oder oktroyiert wurden, leiden die neuen Staaten unter Neokolonialismus, Bürgerkriegen, Grenzkonflikten, Korruption, Nepotismus. Diese Krisen hängen nicht nur von den ethnisch orientierten Nationen ab, sondern auch von der Politik der Kolonialherren, die manche ethnischen Gruppen gegenüber den anderen bevorzugten.

Ethnische Gruppen erheben sich gegen die zentralen Regierungen, wenn sie ihre Legitimation in Frage stellen. Viele Parteien sind in Afrika ethnisch strukturiert, orientiert, weil sie auf der nationalen Ebene kein Wählerpotential finden. Sie vertreten die Interessen der Ethnien auf nationaler Ebene.

In vielen afrikanischen Ländern definiert man sich zuerst im Bezug auf seine ethnische Gruppe6. Meistens sind die ethnischen Kulturen auf nationaler Ebene nicht proportional repräsentiert und verankert, so dass alle ethnischen Gruppen sich mit dem nationalen Muster identifizieren können oder sich davon repräsentiert fühlen. Viele afrikanische Staaten treiben einen Machtkult, um sich als natürliche Repräsentanten der Nation darzustellen, aber sie sind nicht in der Lage, die unterschiedlichen Ethnien zusammen zu bringen, fassen kaum Fuß in der Realität der schwierigen ethnischen Beziehungen. Deswegen greifen die Menschen auf Ethnizität als Sicherheitsapparat zurück.

Sezessionistische Bewegungen sind Abwehr und Ablehnung des Zentralstaats, weil sie sich nur ausgebeutet oder vernachlässigt fühlen. Außerdem sind diese Bewegungen und Forderungen von Unabhängigkeit ein Ausdruck von einer besonderen Identität. In manchen Fällen hat es nur mit wirtschaftlichen Gründen zu tun. Das Beispiel von Kongo zeigt wie zwiespältig die Frage von Ethnizität und Völkerrechten ist. Katanga unter Führung von Moise Tchombé verlangte kurz nach der Unabhängigkeit des Landes eine eigene Autonomie. Die Regierung von Joseph Kasa- Vubu und Patrice Lumumba stand vor der Komplexität der Definition von Völkerrechten. Tatsächlich beanspruchte Katanga die Autonomie nicht nur aufgrund ihrer sogenannten kulturellen Identität, vielmehr aufgrund des Reichtums dieses Gebietes durch Rohstoffe, wodurch dieses Gebiet als die größte Ressourcenquelle des ganzen Landes bekannt ist. Die Frage stellt sich, ob Ethnizität in diesem Fall nicht nur wegen wirtschaftlicher und politischer Überlegungen verlangt wird.

Wirft man einen Blick auf die Zahl der Ethnien in den meisten afrikanischen Ländern, stellt man fest, dass die Bildung eines Nationalbewusstseins schwierig ist und viel Zeit braucht. Ethnien sind nicht immer ein Hindernis für das Nationalbewusstsein, sie können im Gegenteil als Reichtum für eine Nation sein. Die Mannigfaltigkeit bietet mehr Kreativität. Aber diese ethnische Heterogenität kann nur positiv wirken, wenn sie zugunsten der Nation anwendet wird.

Als menschliche Gruppe, die über eine gemeinsame Kultur, Geschichte, Sprache verfügt, berührt der Begriff Ethnie die Frage von Entstehen und Weiterbestehen dieser Gruppen, die sich eine gemeinsame Zukunft zuschreiben. Über diese Kernfrage der Ethnizität widersprechen sich zwei ethnische Theorien: Der Primordialismus und der Konstruktivismus.

2.2 Ethnische Theorien

2.2.1 Primordialistisches Konzept von Ethnizität

Die Vertreter des primordialistischen oder essentialistischen Konzepts der Ethnizität wie E. Shils 1957, C. Geertz 1963, P. Van den Berghe 1975 argumentieren, dass ethnische Identitäten von der Natur gegeben sind. Als Mitglied einer bestimmten „Wir- Gruppe“ teilt man sich mit den anderen nicht nur die Sprache, die Kultur, die Geschichte, sondern auch einen bestimmten Ursprung. Man glaubt an gemeinsame mythische Ahnen. Für die Primordialisten hat Ethnizität eine Natur, die als Wurzel der Angehörigen gilt. Für sie kann man nicht die Zugehörigkeit an einer Ethnie so einfach wie die Mitgliedschaft eines Verbandes oder einer politischen Partei wahrnehmen. Warum hört man üblicherweise Leute z.b. sagen: als ich Kommunist oder Sozialist war, und überhaupt nicht: Als ich Indianer war, oder als ich Jude war? Warum sind die Angehörigen einer Ethnie überzeugt, dass sie eine gemeinsame Mentalität haben? Dieses Gefühl der Zugehörigkeit ist naturell und ist auch ein Beweis, dass Ethnien nicht wissenschaftlich in der Zeit fixierbar sind. Die Primordialisten beschäftigen sich mit dem Inhalt und den Kriterien der Integration oder Ausgrenzung. Da Ethnie eine quasi- ontologische Gegebenheit ist, braucht man nicht zu viel über ihre Entstehung zu rätseln. Die Herkunft ist etwa mythisch.

Die Theoretiker des Primordialismus verhalten sich, als ob der Mensch a priori prädestiniert wäre, bestimmte Merkmale einer Ethnie zu tragen. Sie vernachlässigen die Tatsache, dass der Mensch zwar in einer ethnischen Gruppe geboren ist, wo er kulturelle Eigenschaften durch Initiationen und Lernprozessen erbt, aber er kann auch durch Adoption, Freundschaft, Heirat Sozialisation oder Verflechtung zu einer Ethnie gehören. Durch äußere Merkmale wie Kleidung, Frisur und Name kann eine Gruppe von Personen in einer bestimmten geschichtlichen Situation eine neue Ethnie konstruieren, daher steht dem Primordialismus der Konstruktivismus gegenüber.

2.2.2 Konstruktivistisches Konzept von Ethnizität

Die gemeinsame Herkunft findet keine Logik bei den Konstruktivisten oder Formalisten. Für sie ist die Geschichte des Ursprungs nur „erschöpft“, um soziale und politische Interessen zu begründen. Ethnien sind in einer bestimmten Zeit der Geschichte erfunden worden. Ethnizität ist keine quasi- überhistorische und natürliche Gruppenzugehörigkeit wie von den Essentialisten behauptet. Ethnien existieren nur im Zusammenhang eines „Wir“ zu „anderen“. Ohne „andere“ existiert keine „Wir- Gruppe“. Wie von Hegel in Phänomenologie des Geistes (1807) begründet, existiert der Meister, weil es einen Sklaven gibt. Das bedeutet, dass man sich als ego (Ich) nur in Relation zu alter ego (der andere) behaupten kann. Laut des Konstruktivismus existieren ethnische Gruppen, weil sie sich von den Anderen unterscheiden wollen. Sie werden erfunden, bestimmte geschichtliche und mythische Figuren werden konstruiert und als Symbole dargestellt werden. Die Konstruktion von Ethnie bedeutet auch die Konstruktion von Differenzen.

[...]


1 Der Begriff Ethnizität ist unterschiedlich bewertet, je nachdem in welchem Kontext man ihn benutzt. In Frankreich spricht man eher über kulturelle Beziehungen, während in England „ race relations“ genutzt wird. vgl. dazu P. POUTIGNAT/ J. STREIFF- FENART, Théories de l´ Ethnicité, Paris, 1995, S. 22.

2 Vgl. Das Kleine Afrika- Lexikon, MABE (Hrg.) 2002, S. 51- 55. Carola LENTZ hat viele Untersuchungen über Ethnizität in Lateinamerika, Afrika und besonders in den ehemaligen britischen Kolonien in Afrika durchgeführt.

3 Während der Kolonialzeit wurden Ethnien von der Kolonialmacht klassifiziert, um detaillierter die Struktur des Landes zu erfassen und dadurch besser zu regieren. Aber bislang bestehen immer noch die Schwierigkeiten, viele ethnische Gruppen geschichtlich und räumlich zu fixieren; Viele erkennen sich nicht als Gruppen im Gegensatz zu der Klassifikation von der Ethnographie.

4 Ethnonym ist der Name von Ethnie. Z b. Ewe in Togo. Ethnonym ist selten mit dem Name des Gebiets, wo die betroffene Ethnie beheimatet ist, identisch.

5 Ein Beispiel ist die Rituale der Trauer in Westkamerun, die viele Wochen dauern und verlangen, dass die Witwe(n) diese harte Rituale folgen muss(en). In seltenen Fällen hat der Gestorbene gefordert, dass seine Frau nach seinem Tot nicht leiden dürfte. In der Gemeinschaft ist diese Forderung nur ein Wunsch, der nicht gelten kann, da er die Identität der Gruppe in Frage stellt.

6 Innerhalb des Landes identifiziert man sich mit seiner Ethnie, während man sich außerhalb des Landes mit seiner Nation identifiziert. Das Gefühl des Nationalbewusstseins wächst meist, wenn man im Ausland ist. In Kamerun z.b. könnte man sich zuerst als Béti oder Bamiléké fühlen. Auch wenn das Gefühl in den europäischen Ländern nicht mehr so stark an der kulturellen Gruppe orientiert ist, könnte man in Deutschland in bestimmten Situationen oder Orten sich z.b. als Franke, Bayer oder Schwabe fühlen. Fast alle Industrieländer haben sich von ethnischen Gruppen zur nationalen Gruppe gewandelt. Vgl. WALDMANN/ ELWERT, Ethnizität im Wandel, 1989, S. 25- 26. Nach dieser Quelle entstand eine Idee von deutschem Nationalismus erst im 16. Jahrhundert. Mit dem Ausdruck „teutsch“ meinte man Volkssprache. Während der politischen und kulturellen Reformation gegen hierarchischen Gesellschaften wurde eine „gemein sprach“ gefördert. So wurde die Sprache formuliert, verändert, um sie für alle verständlich zu machen. Die mythische Einheit des Landes wurde gebildet. Mitte des 16. Jahrhunderts kam man zu einem deutlichen Begriff von „deutsch“. Für die Europäer bedeutet Nationalbewusstsein eine quasi- Homogenität in der Sprache. Einige afrikanische Länder befinden sich in einer Übergangsphase zu einer Muttersprache als Amtsprache neben Französisch oder English wie Senegal (in dem Prozess der Einführung von Wolof als Amtsprache neben Französisch). Die Länder wie Äthiopien (Amharisch), Somalia (Somali) haben als Amtsprache eine einheimische Sprache. Uganda (Swahili und Englisch), Tansania (Swahili und Englisch), Botswana (Setswana und Englisch), Eritrea (Tigrinya und arabisch), Ruanda (Kinyarwanda und Französisch), Burundi (Rundi und Französisch) haben neben der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht eine einheimische Sprache.

Details

Seiten
31
Jahr
2002
ISBN (Buch)
9783640262922
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121510
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Schlagworte
Ethnizität Konflikte Afrika Nation Neue Konfliktlinien Ruanda/Burundi Völkermord

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Titel: Ethnizität und ethnische Konflikte in Afrika