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Ein Unterrichtsentwurf zum Thema “Gebet“ für zwei Einzelstunden im Schulfach der Evangelischen Religion

Unterrichtsentwurf 2008 24 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema der Unterrichtseinheit.

1. Didaktisches Bedingungsfeld..
1.1 Alter der Schüler und entwicklungspsychologische Betrachtungen.
1.2 Kirchlich-religiöse Vorraussetzungen und Einstellung der Schüler
1.3 Klassensituation.

2. Sachanalyse zum Thema “Gebet“
2.1 Allgemeine Definition
2.2 Inhalt und Form von Gebeten.
2.3 Das Gebet im Christentum
2.4 Gebetspraktiken
2.5 Gebetserhörung
2.6 Das Gebet als Spiegel des Gottesbildes
2.7 Das Gebet in moderner Musik am Beispiel von Sidos “Danke“

3. Fachdidaktische Analyse
3.1 Bedeutung des Themas für die Schüler
3.2 Grunderfahrung von Schülern und vom Gebet im Vergleich
3.3 Lernziele

4. Didaktische Reduktion

5. Verlauf.
5.1 Erste Unterrichtsstunde
5.2 Zweite Unterrichtsstunde.

6. Schlussbemerkungen.

7. Ablaufplan

8. Literaturverzeichnis

Unterrichtsentwurf

Schule: Regionalschule

Klasse:

Fach: Evangelische Religion

Sch.zahl: 15 (7 Mädchen, 8 Jungen)

Thema der Unterrichtseinheit:

Das Gebet als die Kommunikationsform mit Gott, in der sich Lebens- erfahrungen und Gottesbild widerspiegeln, am Beispiel des modernen Rap- Songs “Danke“ vom Rapper Sido.

1. Didaktisches Bedingungsfeld

1.2 Alter der Schüler und entwicklungspsychologische Betrachtungen

Die Schüler der 7. Klasse sind mit 12 – 13 Jahren dem Bereich des Jugendalters zuzuordnen, genau genommen der frühen Adoleszenz. Diese Lebensphase ist gekennzeichnet von “Sturm und Stress“, worunter die Konflikte mit Eltern und Stimmungsschwankungen fallen[1]. In der Entwicklungsphase der frühen Adoleszenz schlägt sich ein Verhalten nieder, das als antisozial, achtlos und gesetzeswidrig anzusehen ist1. Diese Verhaltenweisen können als Mitteilungsform betrachtet werden, mit denen versucht wird, negative Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit Hilfe des Themas: “Gebet“ sollen Mitteilungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, die keine negative Aufmerksamkeit zur Folge haben. Des Weiteren weisen die Schüler dieses Alters nach Mietzel eine derartige Aufmerksamkeitsfähigkeit auf, dass sie beachten, was für sie beachtenswert ist oder worauf sie ausdrücklich hingewiesen werden. Unwichtige Reize hingegen entgehen ihrer Aufmerksamkeit[2].

Da der Sido-Song ein Bestandteil aus der Erfahrungswelt der Schüler ist, ist anzunehmen, dass durch den Song die nötige Aufmerksamkeit der Schüler für das Thema gewonnen wird.

Daneben führt Mietzel an, dass Menschen, die schon vorher viel Erfahrung mit einem bestimmten Wissensbereich gemacht haben, vor allem in dieser Altersphase in der Lage sind, neue Informationen in diesem Wissensbereich zu begreifen³. Die gemeinsamen Grunderfahrungen im Gebet und, welche jeder Schüler aus eigener Erfahrung kennt, ist, das mitzuteilen, was einen innerlich bewegt. Somit lässt sich die in Gebeten vorkommende Grunderfahrung für die Schüler leicht erschließen. Im Großen und Ganzen sind die Schüler der 7. Klasse in ihren kognitiven Fähigkeiten so weit entwickelt, dass das Thema: “Gebet“ für die Schüler nicht allzu kompliziert werden könnte.

1.3 Kirchlich-religiöse Voraussetzungen und Einstellungen der Schüler

Alle Schüler der Klasse weisen eine Herkunft aus einem konfessionslosen Umfeld auf, so dass von einer großen Distanz zwischen jeden Schüler und Kirche auszugehen ist. Daraus lässt sich schließen, dass die Schüler kaum einen Bezug zum Glauben bzw. zur Kirche haben.

1.4 Klassensituation

Die Unterrichtseinheit wurde von mir und einer Kommilitonin in dem Religionskurs mit 15 Schülern der 7. Klasse abgehalten. Der Religionskurs setzte sich aus 7 Mädchen und 8 Jungen zusammen. Am häufigsten war der Frontalunterricht als Sozialform im Gebrauch, jedoch ließ es sich aufgrund der übersichtlichen Schülerzahl auch ermöglichen, dass Einzel-, Partnerarbeit und Lehrer-Schüler-Gespräch zur Anwendung kamen. Der Großteil der Schüler zeigte ein unkonzentriertes und zum Teil desinteressiertes Verhalten, was einherging mit Ruhestörungen seitens einiger Schüler. Erfreulicherweise gab es auch einen kleinen Teil der Schüler, die dem Thema offen und interessiert gegenüberstanden.

Es ist positiv zu bemerken, dass dank dem Rapsong von Sido die Aufmerksamkeit der Schülermehrheit gewonnen werden konnte und die Schüler kurzfristig zu einer guten Mitarbeit motivieren konnte. Für die zweite Unterrichtsstunde wurde eine Sitzplanänderung vorgenommen, um das Unruheverhalten einiger Schüler einzudämmen, jedoch schlug dies fehl.

2. Sachanalyse zum Thema “Gebet“

2.1 Allgemeine Definition

Das Gebet ist nach dem Theologen Udo Hahn als Ausdruck der Zuwendung eines Menschen zu Gott zu verstehen. “Im Gebet spricht ein Mensch zu Gott über sich selbst und Menschen, die ihm wichtig sind.“, wie es Udo Hahn weiter sieht. [4] Hieraus lässt sich schließen, dass im Gebet ein Mensch mit Gott in Kontakt tritt. Weiterhin kann dieser Kontakt als sehr innig und persönlich beschrieben, da im Gebet Sachen zur Sprache kommen, die einen jeden innerlich bewegen. Was konkret der Inhalt eines Gebets sein kann, wird jedoch erst im nächsten Punkt besprochen. Das “Taschenlexikon Religion und Theologie“ stellt das Gebet als ein “allgemein religiöses Phänomen“[5] da, ergo als eine in der Religion geläufige Erscheinung. In welchen Formen sich das Gebet zeigt und was ein Gebet zum Inhalt hat, wird im nächsten Punkt besprochen.

2.2 Inhalt und Form von Gebeten

Die früheste Form des Gebets bildet der Gebetsruf. Der “Gebetsruf ist infolge von menschlicher Not und Gefahr“5 sowie durch “überwältigende religiöse Erlebnisse“[6] entstanden. Diese ursprüngliche Form kann als spontanes Gebet erachtet werden. Im Kontrast dazu steht das gebundene Gebet, welches sich größtenteils an feststehenden Gebetstexten orientiert. Es lässt sich hinsichtlich der Anzahl von Betenden folgendes feststellen: Zum einen das Einzelgebet, welches von nur einem ausgeführt wird, und zum anderen das Gemeinschaftsgebet, welches mit einem regelmäßigen Kult verbunden ist. Des

Weiteren ist zu bemerken, dass Gebete gesungen oder gesprochen vorgetragen werden, wobei nicht zu verachten ist, dass Gebete auch in Form des inneren Monologes erfolgen können.

Bezüglich des Inhaltes eines Gebets kommt die Bitte vor allem zum Tragen. Dies kann einerseits die Bitte nach irdischen Gütern sowie andererseits die Bitte nach sittlichen Werten sein. Im Neuen Testament (vgl. Phil 4,6 und Eph 5,20) wird gefordert, um alle Dinge zu bitten und zu danken. Gemäß Udo Hahn zeichnet sich im Bittgebet eine gewisse Rangordnung und Begrenzung der Bitten ab: Die letzte zu erflehende Bitte muss die Gemeinschaft mit Gott sein, folglich das Einswerden mit Gottes Willen. Hieraus ergibt sich die Vorrangstellung von “geistlichen Gütern“ (vgl. Mt. 6,33) vor irdischen Wünschen, was die Frage nach der Gebeterhörung aufwirfst. Darauf wird an späterer Stelle näher eingegangen. Eine Sonderform der Bitte ist die Fürbitte, was das Bitten für andere beinhaltet. Bitten im Gebet sind ebenso als auf Erlösung zielende Klagen zu sehen, die ihren Ausdruck in Klagegebeten findet. Wie im TRT[7] angeführt wird, sind Gebetsinhalte nicht nur mit Bitten verbunden, sondern auch mit Lob. Das Lob kommt vor allem im Dankgebet zum Ausdruck, so dass Lob und Dank eng miteinander im Zusammenhang gesehen werden können. Das Loben Gottes kann derartig weit gehen, dass sich der Betende total Gott zuwendet, dessen Taten sowie Eigenschaften vom Betenden gerühmt werden. In diesem Fall spricht man von der Anbetung. Weiterhin können Sündenbekenntnis und Bitte um Vergebung der Inhalt eines Gebets sein, was im Bußgebet deutlich wird.

Weiterhin ist zu bemerken, dass das Bekenntnis des eigenen Glaubens sich ebenfalls im Gebet widerspiegelt. Zudem lässt sich in diesem Zusammenhang sagen, dass man Gebete als Spiegel von Gottesbildern betrachten kann.

2.3 Das Gebet im Christentum

Da das Christentum wesentlicher Bestandteil unsrer Kultur ist, ist eine nähere Betrachtung von christlicher Gebetsweise in diesem Unterrichtsentwurf von wesentlicher Bedeutung. Das Christentum entwickelte sich aus dem Judentum heraus, welches eine besonders betende Religion ist. Wie im TRT beschrieben wird, ist das Gebet ein sehr wichtiger Bestandteil christlicher Frömmigkeit und bestimmt sowohl das persönliche als auch gottesdienstliche Leben.[8]

Schon im Neuen Testament, worin die ältesten Texte christlicher Gebete wie zum Beispiel das Vaterunser enthalten sind, wird zum Gebet aufgefordert. Das Gebet wird dem Neuen Testament nach auf die Wirkung des Heiligen Geistes ]zurückgeführt. In der Zeit der alten Kirche war das Gebet vor allem im monastischen Bereich präsent. Im Mittelalter begünstigte vor allem die Mystik das Gebetsleben.

In der Reformationszeit zeichnete sich ein Protest gegen die Verfälschung des Gebets durch den Verdienstgedanken ab. Demnach löse der Verdienstgedanke das Gebet aus der innigen Beziehung zu Gott und sei nur Ausdruck selbstbezogener Frömmigkeit. Im Pietismus kam es zu einer besonderen Betonung des Gebets, indem freie Gebete von mehreren Personen in Gebetsgemeinschaften gesprochen wurden.

Die aktuelle Situation des Gebets zeichnet ein zwiespältiges Bild: Auf der einen Seite entstehen Neuansätze sowohl von Orden als auch von ähnlichen geistlichen Gemeinschaften sowie im evangelischen Bereich. Weiterhin findet eine Verbreitung von Gebetstexten in moderner Sprache statt und meditative Übungen finden Eingang in Gebete. Auf der anderen Seite wird heutzutage vielfach der Versuch unternommen, Gebete umzuinterpretieren, um diese dem modernen Menschen nahe zu bringen. Als Beispiel dafür werden Gebete als Selbstgespräch oder als Nachdenken über das Gute angeboten. Im Katholizismus werden vor allem das Vaterunser und das Ave-Maria hoch angesehen, welche in persönlichen Andachten immer aufs Neue wiederholt werden. Zudem zeichnet sich die katholische Gebetspraxis durch Stoßgebete zur Anrufung der Heiligen aus. Erwähnenswert ist genauso im Katholizismus das Breviergebet, welches für katholische Geistliche verpflichtend ist. Das Breviergebet beinhaltet, dass der Psalter einmal wöchentlich gebetet wird. In der Ostkirche ist das “Jesus-Gebet“, welches unter Anrufung Jesu mit dem Kyrie von statten geht, von zentraler Bedeutung.

[...]


[1] Mietzel, Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend, 230, 2002 2 Mietzel, Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend, 335, 2002

[3] Mietzel, Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend, 337, 2002

[4] HAHN, U., Grundbegriffe Christentum: Beten, 11, 2000

[5] DEICHGRÄBER,R., Gebet in: Taschenlexikon Religion und Theologie Bd. 2, 134, 1983

[6] EMRICH, U., Der Brockhaus, Religionen, 203, 2004

[7] DEICHGRÄBER,R., Gebet in: Taschenlexikon Religion und Theologie Bd. 2, 134, 1983

[8] DEICHGRÄBER,R., Gebet in: Taschenlexikon Religion und Theologie Bd. 2, 135, 1983

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640825882
ISBN (Buch)
9783668123625
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121279
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Evangelisch-Theologische Fakultät
Note
2
Schlagworte
Unterrichtsentwurf Evangelische Religion Gebet SPÜ Regionalschule Gebetssong von Sido

Autor

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Titel: Ein Unterrichtsentwurf zum Thema “Gebet“ für zwei Einzelstunden im Schulfach der Evangelischen Religion