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Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz

Hausarbeit 2000 21 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychische Krankheiten
2.1. Definition
2.2. Beispiele psychischer Krankheiten
2.2.1. Depression – Die psychische Erkrankung Nummer eins
2.2.2. Angst, Antriebshemmung und Suizidalität

3. Auslöser psychischer Erkrankungen durch den Arbeitsplatz
3.1. Mobbing
3.1.1. Definition
3.1.2. Ursachen
3.1.3. Der Verlauf von Mobbing und damit verbundene psychische Folgen für das Opfer
3.1.4. Vorgehensweisen gegen Mobbing
3.2.Stress
3.2.1. Definition
3.2.3. Ursachen des Disstresses
3.2.1. Psychische Krankheitsfolgen von Stress
3.2.4. Stressbewältigung
3.3. Arbeitssucht
3.3.1. Definition
3.3.2. Wer ist gefährdet?
3.3.3. Verlauf der Arbeitssucht und dabei auftretende psychische Erkrankungen
3.3.4. Prävention am Arbeitsplatz

4. Was kosten psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz?

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der alten Arbeitswelt, zu Zeiten der Industriegesellschaft, führten physische Belastungen (allseitige, einseitige und statische Muskelbelastungen) und äußere Reize wie Beleuchtung, Lärm Temperatur oder Schadstoffe oftmals zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, des Atmungssystems sowie zu Verletzungen und Vergiftungen. Dies ist jedoch heute Vergangenheit, denn die Gesundheits- und Unfallgefahren am Arbeitsplatz haben im Zeitraum von 1990 bis 2000 rapide abgenommen; dem technisch-organisatorischem Wandel sei Dank.[1]

Trotz allem gibt es eine Krankheitsgruppe, die sich entgegen diesem abnehmendem Trend in den letzten zwei Jahrzehnten bei den deutschen Erwerbstätigen nahezu verdreifacht hat. Die Rede ist von psychischen Erkrankungen. 1980 machten diese gerade mal 2,5 % des gesamten Krankenstandes aus, 1990 waren es bereits 3,7 % und heute sind wir bei 7,3 % angekommen.[2] Die Gründe hierfür sind vor allem in der neuen Arbeitswelt zu finden. Im Rahmen der Globalisierung wird der Wettbewerb für Unternehmen immer härter und somit steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. In einem Arbeitsumfeld geprägt von einer wachsenden Informationsflut, neuen Kommunikationstechnologien, Zeitdruck und Rationalisierungsmaßnahmen sollen sie mehr Verantwortung übernehmen, motiviert und belastbar und am besten noch fortlaufend auf dem neusten Stand der Technik sein.[3] Kein Wunder also, dass der ein oder andere diesen gestiegenen psychosozialen Belastungen nicht mehr gewachsen ist und psychisch auf der Strecke bleibt. Depressionen, Ängste, Antriebshemmungen und Suizidalität sind die häufigsten psychischen Erkrankungen, die durch die neue Arbeitswelt hervorgebracht werden. Im Folgenden werde ich daher nach einer allgemeinen Definition psychischer Krankheiten auf diese vier speziellen genauer eingehen.

Bei der Auseinandersetzung mit der Thematik dieser Hausarbeit erschien es mir als ungeeignet, mich seitenweise über die Symptome psychischer Erkrankungen auszulassen und was diese Krankheiten im einzelnen sind. Dieses möchte ich lieber Studenten anderer Studienrichtungen vorbehalten. Ich sah vielmehr einen Sinn darin, mich mit den Wurzeln, also den Auslösern, zu beschäftigen, denn nur wer ein Problem an den Wurzeln anpackt, kann etwas verändern. Ich werde mich auf die Auslöser Mobbing, Stress und Arbeitssucht konzentrieren. Mobbing auf Grund der katastrophalen Arbeitslage in Deutschland, die den Kampf am und um den Arbeitsplatz immer härter und gemeiner werden lässt, sodass heute schon jeder Fünfte Angst hat, einmal Opfer von Mobbing zu werden.[4] Stress, da sich fast jeder Arbeitnehmer dieser Belastung am Arbeitsplatz ausgesetzt sieht[5] und Arbeitssucht, weil es ein sehr junges Phänomen in Deutschland ist, was sich auch in der zu diesem Topic verwendeten Literatur äußert.

Zuerst werde ich den jeweiligen Auslöser definieren, dann den Verlauf bis zum Entstehen der tatsächlichen Krankheit erläutern mit allen bereits während des Verlaufs auftretenden psychischen Symptomen. Im Anschluss daran gehe ich noch auf mögliche Lösungen oder Präventionsmaßnahmen ein, die aufzeigen sollen, wie psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz bereits in ihrem Keim erstickt werden können bzw. wie deren Ausmaß in Grenzen gehalten werden kann. Um anschließend nochmals die Brisanz dieses Themas zu unterstreichen, werde ich am Ende meiner Ausführungen auf den Kostenaspekt eingehen.

2. Psychische Krankheiten

2.1. Definition

Von einem psychisch kranken Menschen wird gesprochen, wenn sein Erleben oder Verhalten von dem eines psychisch gesunden Menschen enorm abweicht.[6]

Der Psychiater Kurt Schneider nimmt eine Dreiteilung bei der Klassifizierung psychischer Krankheiten vor. Er differenziert psychische Störungen, die sich in Form von Variationen der Psyche äußern von denen, die als Krankheiten oder der Folge von Krankheiten zu Tage treten. Zu den erstgenannten gehören Suchterkrankunken, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen sowie Neurosen, zu denen u.a. Zwangsstörungen, Phobien und andere Angststörungen zählen. Die psychischen Störungen, die als Krankheit oder der Folge von Krankheiten auftreten, werden als Psychosen bezeichnet. Eine Psychose ist eine seelische Erkrankung, die Persönlichkeitsabbau und die Beeinträchtigung psychischer Funktionen zur Folge hat. Die Psychosen werden in zwei Gruppen eingeteilt, den exogenen und den endogenen Psychosen.[7]

Exogene bzw. symptomatische Psychosen sind körperlich begründbar. Sie basieren auf einer akuten, schweren körperlichen Allgemeinerkrankung oder einer organischen Hirnkrankheit bzw. Hirnschädigung. Typische Beispiele sind Alkoholismus, Epilepsie, Infektions- krankheiten oder Traumata. Endogene Psychosen sind nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen und zählen daher zu den psychisch bedingten Geistes- und Gemütskrankheiten. Man geht heute davon aus, dass endogene Psychosen auf erbliche Veranlagungen, ungünstigen Umweltbedingungen und der wechselseitigen Wirkung zwischen den beiden Faktoren basieren. Beispiele hierfür sind die Depression, die Manie und die Schizophrenie.[8]

Kurt Schneider unterscheidet also exogene (körperlich begründbare) und endogene (körperlich nicht begründbare) Psychosen sowie Variationen des seelischen Wesens.[9] Ich werde mich im Folgenden auf einige Krankheiten konzentrieren, die zur Klasse der endogenen Psychosen gehören, da diese bzw. deren Auslöser häufig am Arbeitsplatz vorzufinden sind.

2.2. Beispiele psychischer Krankheiten

2.2.1. Depression – Die psychische Erkrankung Nummer eins

Das Wort „Depression“ entstammt dem Lateinischen und kann mit „Niedergeschlagenheit“, „Schwermut“ oder „Bedrücktheit“ übersetzt werden. Mehr als 10% der Deutschen erkranken einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression und sie rangiert somit unter psychischen Erkrankungen auf Platz eins, [10] wobei Frauen mit 62 % ein fast doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie Männer (38 %) haben.[11]

Es gibt unterschiedliche Depressionsarten mit verschiedenen Schweregraden, wobei ich mich im folgenden auf die endogene und die reaktive Depression beschränke, da diese die häufigsten Formen sind, bei denen der Arbeitsplatz als Auslöser fungiert.[12]

Die endogene Depression ist auf anlagebedingte Ursachen zurückzuführen. Auslöser sind am Arbeitsplatz hauptsächlich in Form von chronischen und spannungsreichen Konflikten, Isolierung sowie beruflicher und sozialer Enttäuschung vorzufinden. Endogen Depressive zeichnen sich durch ihr freundliches, warmherziges Wesen aus, erledigen ihre Arbeit stets korrekt, gewissenhaft und pflichtbewusst. Sie sind jedoch hin und wieder aus unerklärlichen Gründen extrem gereizt, launisch oder aggressiv.[13]

Die reaktive Depression wird durch ein exogenes, schmerzliches Ereignis, wie z.B. Arbeitsplatzverlust oder drastische Lohnkürzung ausgelöst. Typisch für die Persönlichkeitsstruktur ist ein unsicheres Auftreten und die Unfähigkeit, Probleme und Schwierigkeiten zur Sprache zu bringen.

Trotz unterschiedlicher Arten gibt es einige gemeinsame Symptome:

Es treten Stimmungsveränderungen wie Teilnahmslosigkeit, Traurig- oder Einsamkeit auf. Depressive sehen sich selbst negativ, was sich in einem Gefühl der Wertlosigkeit, in Selbsthass oder Schuldgefühlen äußert. Die Zukunft sieht schwarz, hoffnungslos und vollkommen pessimistisch aus, sodass der Wunsch nach Selbstmord geäußert werden kann. Unter Depressionen Leidende legen ein eher passives Verhalten an den Tag, gekennzeichnet durch viel Schlaf, wenig Essen sowie verlangsamte Sprache und Bewegung.

Typische körperliche Erscheinungen sind Herz- und Kopfschmerzen. [14]

2.2.2. Angst, Antriebshemmung und Suizidalität

Der Begriff „Angst“ bezeichn]et ein Gefühl der Beengung, der Bedrohung, der Erregung und des Ausgeliefertseins.[15] Angst kann auf internen oder externen Motiven basieren. Ein typisches externes Motiv am Arbeitsplatz ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Angst geht mit einer Reihe vegetativer und seelischer Erscheinungen einher. Zu den vegetativen zählen u.a. Schweißausbrüche, Zittern, Herzrasen, Harndrang und Muskelverspannungen. Seelische Angstreaktionen äußern sich in einem Aufregungs- und Beklemmungszustand.[16]

„Unter Antrieb versteht man eine ungerichtete Kraft, die jeglichem Verhalten des Menschen zugrunde liegt und eine allgemeine Voraussetzung für Denken, Fühlen und Handeln darstellt.“[17] Wenn ein Mensch unter einer Antriebshemmung leidet, macht sich dieses in vielen Fällen in mangelnder Entschluss- und Handlungskraft bemerkbar sowie in einer Verlangsamung der Bewegungsabläufe. Das Leistungspotential des Betroffenen nimmt ab.

Menschen mit herabgesetztem Antrieb sind apathisch, schwerfällig und von Unruhe getrieben. Oftmals kann der Antriebshemmung durch äußere Fremdantriebskraft Abhilfe geschafft werden; so lässt sich die Antriebskraft eines Mitarbeiters beispielsweise mit Hilfe von Prämien steigern.[18]

Der Terminus „Suizid“ entstammt der lateinischen Sprache und bedeutet soviel wie „Selbsttötung“, „Selbstmord“ oder „Freitod“.

Unter Suizidalität, auch Suizidgefährdung genannt, ist ein psychischer Zustand zu verstehen, unter den alle Gedanken und Handlungen fallen, die den eigenen Tod zum Ziel haben.[19] Der Suizident befindet sich häufig in einer Krisensituation, gekennzeichnet von Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Ausweglosigkeit, mit der er nicht fertig wird, wie z.B. einer Entlassung, sodass der Suizid als Ausweg aus dieser für den Betroffenen unlösbaren Krisensituation anzusehen ist und nur in den wenigsten Fällen als gesuchter Tod.[20]

[...]


[1] Vgl. BKK Bundesverband 2004, S. 13

[2] Vgl. ebd. S. 86

[3] Vgl. Harwerth 1/2003, S. 6 f.

[4] Vgl. DAK 4/2003, S. 8

[5] Vgl. Walter 1993, S. 56

[6] Vgl. http://www.net-lexikon.de/Psychische-Stoerung.html

[7] Vgl. http://www.net-lexikon.de/Psychose.html

[8] Vgl. Frank l99O, S. 4l f

[9] Vgl. http://www.net-lexikon.de/Psychose.html

[10] Vgl. Frank 1990, S. 58

[11] Vgl. Frank 1990, S. 81

[12] Vgl. Frank 1990, S. 59

[13] Vgl. Frank l990, S. 59 ff

[14] Vgl. Frank 1990, S. 81 f

[15] Vgl. http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/PLex/PLex/lemmata/A-Lemma/Angst.htm

[16] Vgl. http://www.medizinerboard.de/lexikon/index.php/Angst

[17] Zit. n. http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/PLex/PLex/lemmata/A-Lemma/Antrieb.htm

[18] Vgl. Frank 1990, S. 32 f

[19] Vgl. www.net-lexikon.de/Suizidalitaet.html

[20] Vgl. www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/PLex/PLex/lemmata/S-Lemma/Suizid.htm

Details

Seiten
21
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783640257690
ISBN (Buch)
9783640259410
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v121260
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
Psychische Erkrankungen Arbeitsplatz Personalwesen

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Titel: Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz