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Über die Region Neuseeland (Aoteatoa). Land der langen weißen Wolke

Studienarbeit 1999 23 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Warum Neuseeland?

Geographie
Lage, Fläche, Ausdehnung
Plattentektonik
Naturräumliche Gliederung
Klima
Niederschläge
Temperaturen
Sonnenscheindauer
Flora und Fauna

Geschichtlicher Hintergrund
Besiedelung durch die Maori
Entdeckung und Inbesitznahme durch die Europäer
Krieg mit den Maori
Goldboom und Entwicklung bis Heute
Neuseeland im 20. Jahrhundert

Staat, Verwaltung
Regierungsform
Verwaltungsgliederung
Der Distrikt Tauranga

Bevölkerung
Dichte
Entwicklung und Verteilung
Einwanderung
Europäer, Maori und ethnische Minderheiten
Struktur

Wirtschaft
Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei
Schafhaltung
Rinderzucht und Milchwirtschaft
Schweine
Ziegenhaltung
Wildfarmen
Pferdezucht
Ackerbau, Obst- und Gartenbau
Wald- und Forstwirtschaft
Fischerei
Industrie, Bergbau, Energie
Handel, Dienstleistung
Außenhandel
Tourismus

Verkehr- und Transportwesen
Architektur
Geschichtliche Entwicklung
Land der Eigenheime
Warum Neuseeland?

Warum Neuseeland?

Warum behandeln wir in diesem Referat eigentlich Neuseeland? Nun, zum einen ist Neuseeland zweifelsohne ein faszinierendes Land - jeder, der sich einmal näher damit befaßt hat, oder ein paar Bilder gesehen hat, wird da zustimmen. Konkret aber hat es damit zu tun, daß wir für 6 Monate ein Auslandspraktikum in einem Architkturbüro in Te Puke, einer Kleinstadt in der Bay of Plenty auf der Nordinsel Neuseelands machen werden.

Unseren Aufenthalt dort werden wir u. a. für eine Studienarbeit nutzen, bei der wir uns näher mit den Eigenarten des Landes, der Menschen die dort wohnen und deren Art von Planung und Ent- wurf befassen werden. Insofern sehen wir dieses Referat als einen ersten Einstieg in die Thematik und auch als eine Vorbereitung auf das, was wir vor Ort vorfin- den werden.

Da uns für ein detailliertes Regio- nalportrait oder die Darstellung der baulichen Eigenarten der lo- kalen Architektur z. Z. nur wenige Informationen zur Verfügung stehen, möchten wir versuchen, anhand der uns vorliegenden Daten ein möglichst umfassendes Bild der „Region Neuseeland“, als landwirtschaftlich geprägtes Land, und der dortigen Lebensumstände zu entwickeln. Am Schluß werfen wir einen Blick auf die Aus- wirkungen der örtlichen Gegebenheiten auf die Architektur und Planung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, Te Puke

Geographie

Lage, Fläche, Ausdehnung

Neuseeland Liegt etwa 25 Flugstunden von Frankfurt entfernt bzw. drei Flugstunden südöstlich von Australien im Südpazifik, etwa auf halbem Wege zwischen dem Äquator und dem Südpol.

Mit einer Fläche von insgesamt rund 270500 qkm (Hauptinseln und mehrere kleinere Eilande) ist Neuseeland ein Viertel kleiner als Deutschland (356733 qkm). Die Nordinsel (114500 qkm) und Sü- dinsel (150700 qkm) erstrecken sich vom 34. Bis zum 47. Grad südlicher Breite. Vom südlichsten Punkt bis zum äußersten Norden sind es 1770 Kilometer. Sie südlichste Siedlung Neuseelands liegt auf Steward Island. Die Ausdehnung von West nach Ost reicht vom 166. Bis zum 179. Grad östli- cher Länge. Kein Ort auf den beiden Inseln ist mehr als 110 km vom Meer entfernt.

Das Staatsgebiet Neuseelands umfaßt neben den beiden Hauptinseln (Nord- und Südinsel) weitere kleinere Inseln und Inselgruppen. Am größten ist die Steward Insel im Süden mit einer Fläche von rund 1700 qkm. Zu den weiter entfernten Inseln zählen die nördlich liegenden Kermadec Inseln, die östlich liegenden Chatham- und Bounty Inseln sowie die südlich liegenden Campbell- und Auck- land Inseln. Weitere neuseeländische Inselgruppen sind die in Polynesien gelegenen Tokelau- und Cook Inseln, sowie die Insel Niue. Die Cook Islands und Niue sind als "self-governing terreto- ries" (Gebiete mit eigener Regierung) an Neuseeland angeschlossen. Weiterhin beansprucht Neusee- land das 4,75 Mio. qkm große Ross Dependency in der Antarktis. Diese unbesiedelte Südpolargebiet setzt sich zusammen aus der Ross See, dem Ross Schelfeis und dem östlichen sowie dem nordöstli- chen Victorialand.

Plattentektonik

Die besondere Lage Neuseelands im Grenzbereich zweier riesiger Platten der Erdkruste (Indisch- Australische und Pazifische Platte) läßt die unruhige erdgeschichtliche Entwicklung des Achipels erahnen. Im Rahmen des Zerfalls des Urkontinents Gondwana wurde Neuseeland bereits vor 80 Mio. Jahren von Australien getrennt. Neuseeland war also schon isoliert, als sich Australien und Antarktika vor 50 Mio. Jahren zu trennen begannen.

Neuseeland liegt auf dem "unstable circumpacific mobile belt". Damit wird die Randzone des Pazifik beschrieben, die geprägt ist von der Kollision konti- nentaler und ozeanischer Erdkrustenplatten. Erdbe- ben, vulkanische Aktivität sowie die Bildung von Gebirgen und Tiefseegräben sind typische Merkmale des unruhigen Gürtels, der bildlich auch "ring of fi- re" genannt wird.

Die Freisetzung gewaltiger Energien im Grenzbe- reich der beiden Erdkrustenplatten wirkt sich in Neuseeland landschaftsprägend aus. Seine heutige Gestalt verdankt Neuseeland einer noch andauern- den Gebirgsbildung. Der anhaltende aktive Vulka- nismus und die immer wieder auftretenden Erdbeben verdeutlichen, daß die Bewegungen im Unter- grund noch nicht abgeschlossen sind. Jedes Jahr erschüttern zahlreiche Beben die Inseln, von denen mindestens eines die Stärke 6 auf der Richter Skala überschreitet. Erdbeben forderten in der Vergan- genheit immer wieder zahlreiche Menschenleben. Geringer ist die Gefährdung durch Vulkanausbrü- che, doch auch hier kommt es immer wieder zu Unfällen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2, Plattentektonik

Naturräumliche Gliederung

Obwohl Neuseeland kein Kontinent ist, sondern aus zwei großen Inseln besteht, die durch die 30 km breite Cook-Wasserstraße getrennt sind, weist es eine ungewöhnliche landschaftliche Vielfalt auf. Hinsichtlich ihrer Landesnatur unterscheiden sich die beiden Inseln grundlegend voneinander. Die Nordinsel ist in starkem Maße von vulkanischen Erscheinungen aller Art sowie von Mittelge- birgen geprägt. Einzelne Vulkane erreichen Höhen über 2500 m. Auf der Südinsel tritt der vulkani- sche Formenschatz in wesentlich geringerem Umfang in Erscheinung. Hier bestimmen alpine Fal- tengebirge, die in Eiszeiten stark überformt worden sind, das Landschaftsbild.

Abwechslungsreiche Küstenlandschaften sind den beiden Inseln gemeinsam. Für das "Northland" sind ausgedehnte Ausgleichsküsten mit kilometerlangen Sandstränden und Sanddünen charakteri- stisch. Auf den beiden Hauptinseln sind Schwemmlandebenen, Deltas und an einigen Stellen auch höchst imposante Kliffküsten anzutreffen. Bemerkenswert sind die vom Meer überfluteten Fluß- mündungen (Riasküste) im Nordosten der Südinsel und vor allem die an norwegische Fjorde erin- nernden, einstmals von Gletschern ausgehobelten Täler im Südwesten der Südinsel.

Die vulkanische Aktivität ist im zentralen Bereich der Nordinsel nicht zu übersehen. Das zentrale Vulkangebiet ist von Mittelgebirgslandschaften (bis über 1700 m) umgeben, die der Nordinsel einen eher hügeligen Charakter verleihen. Von der Südspitze der Nordinsel bis zum "East Cape" ist die Verlängerung des jüngsten Faltengebirges Neuseelands zu verfolgen, das an der Südspitze der Sü- dinsel beginnt und in den "Southern Alps" seine höchsten Erhebungen erreicht. Nördlich von Auck- land erstreckt sich das sogenannte "Northland", eine subtropisch geprägte und recht ausgeglichene Hügellandschaft. Dieser landschaftlich und klimatisch begünstigte Raum bietet geradezu ideale Vor- aussetzungen. für die Entwicklung der Land- wirtschaft und auch des Tourismus.

Die Südinsel ist in erster Linie von dem in geologischer Hinsicht noch recht jungen Faltengebirge der "Sout- hern Alps" geprägt. In seinem Zen- trum erhebt sich neben anderen 3000ern der Mount Cook, der mit 3744 m höchste Berg Neuseelands. Der Reiz dieser Hochgebirgs- landschaft wird durch zahlreiche Gletscherströme verstärkt. Nach Westen fallen die "Southern Alps" innerhalb eines nur 50 km breiten Strei- fens auf Meeresniveau ab. Die Küstenebene des Westens wird durch die Störungszone der "Alpine Fault" von den "Southern Alps" abgegrenzt. Im Osten dagegen ist das Ge- fälle des Hochge- birges geringer. Der Norden der Südinsel ist durch zwei Mittel- gebirgslandschaften geprägt. Eine weitere Ge- birgslandschaft mit Höhen bis 2000 m erstreckt sich im süd- lich zentralen Hin- terland der Südinsel. Breit angelegte Fluß- täler und ein sanf- tes Relief sind für diese eher kontinental geprägte Land- schaft charakteristisch. Im Süden und Osten der sonst ge- birgigen Südinsel erstrecken sich ausge- dehnte Ebenen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Klima

Neuseelands abwechs- lungsreiche Land- schaft spiegelt sich in den klimatischen Ver- hältnissen der ein- zelnen Regionen wider. So gibt es beispielsweise im Westen der Sü- dinsel, also im Stau der "Southern Alps", regenreiche Gebiete, deren jährliche Niederschlagswerte weit über 2500 mm liegen. Weiter östlich, im Regenschatten der "Southern Alps", wird es wesentlich trockener mit Werten unter 700 mm/Jahr. Ausgeglichener sind dagegen die Tempe- raturverhältnis- se. Die Jahresmittel schwanken zwischen 9 °C im Süden der Sü- dinsel und 14 °C nördlich von Auckland. Allerdings können Aus- läufer von Kaltfronten auch im Hochsommer kurzfristig die Tagestempera- turen in den "Southern Alps" und "Central Otago" auf der Sü- dinsel auf unter 10 °C und die Schneegrenze auf 1000 m absinken lassen, während auf der Nordinsel hochsommerliche Temperaturverhältnisse herrschen.

Mit der geographischen Lage von 35 - 47 ° südlicher Breite liegt Neuseeland in den mittleren Brei- ten der südliche Hemisphäre. Lediglich der nördlichste Teil der Nordinsel, "Northland" liegt im Grenzbereich zur subtropischen-randtropischen Hochdruckzone und weist ein milderes Klima auf. Wie in den höheren Breiten der Nordhalbkugel, so gibt es auch in diesen tiefen südlichen Breiten der Südhalbkugel die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wenn die Sonne in Europa ihren Höchststand erreicht, dann hat sie in Neuseeland logischerweise ihren tiefsten Stand; d.h. wenn es in Europa Sommer ist, dann herrschen in Neuseeland winterliche Verhältnisse und um- gekehrt.

Die ganzjährige westliche Hauptwindrichtung ist ein weiteres Charakteristikum der Mittelbreiten und ist in erster Linie für die Niederschlagsverteilung verantwortlich. Typisch für die Mittelbreiten ist das Wechselspiel von vorüberziehenden Tiefdruckgebieten und Hochdruckgebieten.

Niederschläge

Die beinahe quer zur westlichen Hauptwindrichtung verlaufenden "Southern Alps" der Südinsel so- wie die Mittelgebirge der Nordinsel wirken sich entscheidend auf die Niederschlagshäufigkeit und -intensität aus. Es kommt zur charakteristischen Ausprägung einer Wetterseite und einer dem Wind abgewandten Seite. Die von Westen heranströmenden Luftmassen erhöhen über der Tasman See ih- re Luftfeuchtigkeit. Sie werden jedoch von den quer zu ihrer Zugbahn verlaufenden Gebirgen ge- bremst und aufgestaut. Die Luftmassen müssen an der Luvseite aufsteigen, was von einer intensiven Wolkenbildung und einer erhöhten Niederschlagsaktivität begleitet wird. Dort, wo die Luftmassen zuerst die Gebirge erreichen, also im Westen, sind die Niederschläge am ergiebigsten. Dies trifft in besonderem Maße für das Hochgebirge der "Southern Alps" zu, die im Luv z.T. über 7000 mm Nie- derschlag pro Jahr erhalten.

Auf der Leeseite kommt es aufgrund des Föneffektes zu einem deutlichen Rückgang der Nieder- schläge. Die im Windschatten gelegenen Täler, intramontane Becken und Ebenen haben diesem Phänomen ihre Niederschlagsarmut zu verdanken. Örtlich liegen die Jahresniederschlagsmengen unter 500 mm! Von den extremen Luv- und Leelagen abgesehen sind die Niederschläge zwischen 1000 und 1500 mm pro Jahr für Neuseeland die Regel. Zum Vergleich: Stuttgart 700 mm.

Während des Winters gelangt die Nordinsel in den Einflußbereich der Westwindzone und erhält während dieser Jahreszeit die meisten Niederschläge Die Sommermonate hingegen stehen unter dem Einfluß subtropisch-randtropischer Hochdruckgebiete. Eine stabile Wetterlage mit geringen Niederschlägen ist die Folge. Tiefdruckgebiete tropischen Ursprungs bzw. Ausläufer tropischer Wir- belstürme können die stabile Wetterlage mit heftigen Niederschlägen und starken Winden im Nor- den und Osten der Nordinsel sehr stark beeinträchtigen. Sie treten ausschließlich während der Som- mermonate auf.

Auf der Südinsel hingegen läßt sich keine eindeutige niederschlagsarme bzw. -reiche Jahreszeit be- stimmen.

Temperaturen

Das Relief hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Niederschläge. Es ist zusätzlich für erheblich Temperaturunterschiede verantwortlich. So nimmt die Temperatur mit der Höhe um ca. ½ °C pro 100 m ab. Außerdem sinkt die Temperatur nachts in den Hochlagen deutlich tiefer ab als auf Mee- resniveau. Die breitenabhängigen Temperaturunterschiede zwischen dem Norden und Süden Neu- seelands sind geringer als eine Distanz von 1500 km vermuten lassen würde. Hierfür ist die ausglei- chende Wirkung der umgebenen Wassermassen verantwortlich. Das ozeanisch geprägte Klima Neu- seelands weist sowohl im Jahresgang als auch im Tagesgang selten mehr als 10 °C Temperaturdif- fernz auf. Ausnahme hiervon ist insbesondere "Central Otago", eine eher kontinental geprägte Land- schaft. Hier sind größere Temperaturschwankungen die Regel.

Die höchsten Jahresmittel zwischen 13 °C und 14 °C weist der Norden der Nordinsel auf. Der äu- ßerste Norden der Südinsel und die übrigen Regionen der Nordinsel liegen im Bereich der 12 °C

Isothermen. Nach Süden hin folgend sinken die jährlich Mittelwerte auf 9 °C. Zum Vergleich: Stutt- gart 8 °C Die höchsten Tageswerte von 22 °C herrschen während der Sommermonate auf der Nordinsel sowie im Norden und Osten der Südinsel. Temperaturen unter 0 °C sind auch während des neuseeländischen Winters eher selten. Nur in den "Southern Alps" dem "Central Otago" und dem zentralen Vulkangebiet der Nordinsel fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt. In den Küstenregionen verhindert der maritime Einfluß Werte unter dem Gefrierpunkt.

Sonnenscheindauer

Trotz der relativ hohen Niederschläge weist Neuseeland in weiten Gebieten eine höhere Sonnen- scheindauer auf, als man sie aus Mitteleuropa (1600 Std./Jahr) kennt. Die durchschnittliche Sonnen- scheindauer schwankt zwischen annähernd 2500 Stunden bei Nelson und Blenheim im Norden der Südinsel und 1500 Stunden in den "Southern Alps"und im "Fjordland". Von diesen Extremwerten abgesehen sind für die Südinsel 1600 bis 2000 Sonnenstunden pro Jahr als normal zu bezeichnen, wobei eine Abnahme der Sonnenscheindauer von Nord nach Süd zu beobachten ist. Im Windschat- ten der "Southern Alps" liegt das jährliche Sonnenscheinmittel bei 2200 Stunden. Für die Küstenbe- reiche der Nordinsel sind Werte von 2000 bis 2200 Std./Jahr die Regel. Nur im zentralen Vulkan- land der Nordinsel sinkt die Sonnenscheindauer unter 1800 Std./Jahr. Bei einer angenommenen Sonnenscheindauer von 2000 Stunden pro Jahr ergibt sich ein tägliches Mittel von 5 ½ Std. pro Tag.

Flora und Fauna

Rund 80 Mio. Jahre Isolation und Abgeschiedenheit von anderen Landmassen ermöglichten der neusee- ländischen Flora und Fauna eine eigenständige und unabhängige Entwicklung. So überrascht es nicht, daß über 70 % der Flora endemisch sind, d.h. sie kommen nur in Neuseeland vor. Die Entwicklung en- demischer Fauna beschränkte sich in erster Linie auf Vögel und Insekten. Es sind aber auch wenige Arten von einheimischen Reptilien und Süßwasserfischen anzutreffen. Über Jahrmillionen war die Pflanzen- und Tierwelt sich selbst überlassen. In ihrer Tragweite kaum abschätzbar sind die Eingriffe in die naturräum- liche Ausstattung Neuseelands seit der Ankunft der Europäer. In dem höchstens als "Augenblick der Erd- geschichte" zu bezeichnenden geologischen Zeitraum von rund 200 Jahren sind zahlreiche Pflanzen- und Tierarten verdrängt und ausgerottet worden. Und auch in der Gegenwart sind noch viele Arten vom Ausster- ben bedroht.

Ursprünglich war Neuseeland weitgehend von Wald bedeckt. Typisch für die neuseeländischen Urwälder sind die bestandsbildenden immergrünen Laub- und Nadelbäume. Der subtropisch geprägte Teil Neusee- lands, vor allem die Coromandel Halbinsel und das Northland, aber auch die Landschaft im Raum Auckland, waren ursprünglich von Kauriwäldern be- deckt. Die Kaurifichte beeindruckt vor allem durch ihren gewaltigen Wuchs. Im Unterwuchs der Wälder finden sich Farne, Moose, Lianen, Kletterpflanzen und Epiphyten. Ein besonders typischer Vertreter der neuseeländischen Flora ist der Silberfarn, der inzwischen zur "Nationalpflanze" erko- ren wurde. Hohe Tussok- oder Büschelgrasbedeckung ist charakteristisch für die Ebenen. Die trok- kenen Graslandschaften finden sich vor allem im Windschatten der "Southern Alps".

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3, Regenwald

Schon die Maori haben aus ihrer Heimat verschiedene Kulturpflanzen nach Neuseeland mitge- bracht. Besondere Ausmaße nahm die Einfuhr in Neuseeland bislang unbekannter Pflanzen an, als die Besiedlung durch die Weißen begann. Über 2.000 Pflanzenarten kamen auf diese Weise und oft unbedacht hierher und haben das empfindliche ökologische Gleichgewicht verschiedenerorts durch- einandergebracht.

Die einheimische Tierwelt wird in erster Linie von mehr als 250 Vogelarten repräsentiert. Unter ihnen findet man auch einige äußerst seltsame Vertreter, darunter den "Kiwi", ei- nen nachtaktiven Laufvogel. Die Vögel hatten vor der An- kunft des Menschen außer einigen Artgenossen keine natür- lichen Feinde, was dazu führte, daß sich gleich mehrere Ar- ten flugunfähiger Laufvögel (z.B. der bis zu 4 ½ m hohe Moa) entwickeln konnten. Die frühen Besiedler Neusee- lands, vor allem die Maori, jagten diese Vögel, so daß die Moas bereits vor der Ankunft der Europäer ausgerottet wa- ren. In Neuseeland gibt es unzählige Insektenarten. Sie bil- den sozusagen das "Hauptnahrungsreservoir" für die Vögel. Gegen abend können massenhaft auftretende Stechmücken und Sandfliegen ziemlich lästig werden. In den fischreichen Gewässern um Neuseeland finden sich neben zahlreichen kleinen Fischen auch Tiger- und Hammerhaie, Marlins, Schwertfische und Thunfische, aber auch ganze Schulen von Walen und Delphinen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4, Kiwi

Die frühe Isolation hat bewirkt, daß es auf den neuseeländi- schen Inseln, abgesehen von zwei Fledermausarten, keine Säugetiere gibt. Bereits mit den frühgeschichtlichen Ein- wanderern kamen Ratten und Hunde auf die Inseln. Besonders viele für Neuseeland neuartige Tiere haben die europäischen Einwanderer mitgebracht, so z.B. Nutz- und Haustiere wie Rinder, Schafe, Pferde, Ziegen, Schweine, Truthähne und Pfauen, aber auch jagdbares Wild und etliche Süßwasser- fische. Diese Tiere sollten in erster Linie der Nahrungssicherung der europäischen Einwanderer die- nen. Daneben kamen aber auch andere Tiere ins Land, die zu einer schlimmen Bedrohung für die heimische Tierwelt werden sollten.

Vor allem Hirsche, Opossums, Ratten, Marder, Katzen und Hunde haben sich verheerend im labilen Ökosystem Neuseelands bemerkbar gemacht. So sind die flugunfähigen neuseeländischen Laufvö- gel eine leichte Beute für wildernde Hunde und Katzen. Die Nistplätze vieler Vogelarten sind Ne- sträubern wie Mardern und Katzen schutzlos ausgeliefert. Die sich mangels echter natürlicher Fein- de stark vermehrenden Hirsche wurden zur Plage. Durch ihren Verbiß haben sie die natürliche Ver- jüngung der Wälder verhindert. Die sich seit geraumer Zeit ebenfalls stark ausbreitenden Opossums fressen ganze Waldstücke kahl. Mit kostspieligen Aktionen versucht man seitens der Naturschutzbe- hörden die explosionsartige Massenvermehrung einzelner Spezies in den Griff zu bekommen.

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Details

Seiten
23
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638180788
Dateigröße
10.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v12096
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für regionale Architektur und Siedlungsplanung
Note
1,6
Schlagworte
Landeskunde Geografie Geschichte Bevölkerung Wirtschaft Verkehr- und Transportwesen Architektur

Autor

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Titel: Über die Region Neuseeland (Aoteatoa). Land der langen weißen Wolke