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Interpretative Gerontopsychologie

Konkretisierung von Handlungstheorien in der Psychologie

Essay 2008 17 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpretative psychologische Alternsforschung
2.1 Selbstverständnis der Gerontopsychologie
2.2 Gerontopsychologie als aufgabenorientiertes Fach
2.3 Psychologische Alternstheorien
2.4 Altersdefizite und Kompetenzen

3. Technologisches Interesse in der Gerontopsychologie
3.1 Das mechanistische Denkmodell
3.2 Intervention
3.3 Technologie
3.4 Interventionsgerontologie als Technologie?

4. Systematische Erfassung altersabhängiger Veränderungen
4.1. Die Messung von Alternsvorgängen
4.2 Fehlerquellen der beiden Untersuchungsvarianten
4.3 Repräsentativität der Stichproben
4.4 Methodische Probleme in der Forschung mit dem alternden Forschungspartner
4.5 Altersangemessene Forschungsmethoden

5. Schlussbetrachtung

Literatur

1. Einleitung

Im Verlauf der Entwicklung des Menschen stellt der letzte Lebensabschnitt eine Phase dar, die mit bestimmten differenzierten psychischen und psychosozialen Lebensproblemen einhergeht.

Wie jedoch kann man diese besonderen Probleme am besten beschreiben, wie die Zusammenhänge ihrer Entstehung aufklären und was kann man am besten tun, um diese Probleme zu minimieren? Gibt es im Zeitalter der technischen Vernunft die Möglichkeit, den Alternsprozess durch Einsatz der Technologie zu verlangsamen? Was wären Bedingungen für die Langlebigkeit und wie werden überhaupt die Veränderungen des Alternsprozesses systematisiert?

An dieser Stelle setzt die Gerontopsychologie an, die sich der Beantwortung dieser Fragen angenommen hat. Es ist vielmehr die Entdeckung eines lebenspraktischen Problems, als nur die drastische Veränderung der häufiger genannten Alterspyramide unserer Gesellschaft, welche die Gerontopsychologie dazu antreibt, den alten Menschen in den Vordergrund seiner psychologischen Forschung zu stellen.

Ziel dieser schriftlichen Arbeit ist es, einen sehr kurzen und knappen Einblick in die interpretative Gerontopsychologie zu geben, um den Stellenwert der älteren Mitglieder unserer heutigen Gesellschaft und die Dringlichkeit der Lösung anwendungsbezogener Problemstellungen bezüglich ihres Alternsprozesses zu verdeutlichen. Als Grundlage dieser Arbeit dient der “ Entwurf einer interpretativen Gerontopsychologie” (Kaiser 1989).

2. Interpretative psychologische Alternsforschung

2.1 Selbstverständnis der Gerontopsychologie

Die Gerontopsychologie als relativ junges Gebiet der Entwicklungspsychologie ist eines vieler Fachgebiete, welches die Aufgabe der Untersuchung von Alternsprozessen hat. Sie ist also Teil einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, welche psychische, körperliche und soziale Vorgänge und Prozesse des Alterns untersucht, wobei die psychologische Betrachtungsweise ganz klar der Gerontopsychologie zugeschrieben wird. Die Multidisziplinarität dieses Forschungsfeldes (des Alterns) ist daher so wichtig, da Altern ein lebenspraktisches Problem mit vielen Facetten darstellt, zu dessen Lösung die Notwendigkeit besteht, all diese Facetten zu erforschen.

Die Gerontopsychologie etablierte sich erst Ende der 80er Jahre als eigenständiges Gebiet. Aufgabe der psychologischen Alternswissenschaft, also der Gerontopsychologie, ist es, die sich im höheren Lebensalter vollziehenden Veränderungen der Verhaltensbereiche , also die psychologischen Aspekte des Alterns zu untersuchen. So sind “ Gedächtnis und Lernen, Intelligenz und spezifische Fähigkeiten, Motivation und Emotion… Kognition und Persönlichkeit” ihre Untersuchungsgegenstände (Kaiser 1989, S.10). Methodische Verfahren des Experimentierens, Messens, Testens, und der Befragung werden dazu genutzt, Leistungen, z.B. Reaktionszeiten und Wahrnehmungsleistungen, kognitive Fähigkeiten, oder Sozialverhalten der zu betreffenden alternden Menschen zu definieren.

Dieser Ansatz der Gerontopsychologie wird interpretativ und umgangsorientiert genannt, da sich die Forschung am Umgang der Subjekte miteinander orientiert. Dabei ist die wichtigste Analysemethode zur Erstellung von Handlungsinterpretationen der Dialog. Die Ergebnisse der dialogischen Erhebungen sind also interpretative Ergebnisse.

2.2 Gerontopsychologie als aufgabenorientiertes Fach

Es ist nicht nur die allgemeine Neugier, die der forschende menschliche Verstand jedem Phänomen seiner Umwelt gegenüber aufbringt, die eine Gerontopsychologie rechtfertigt: Die Gerontopsychologie bezieht sich als problemlösende Wissenschaft auf lebenspraktische Aufgaben und Aspekte.

In den letzten Jahren ist zunehmend die Rede von der drastischen Veränderung der Alterspyramide: Der Anteil an über 65-jährigen ist stark gestiegen. Die Veränderung der Altersverhältnisse in der Gesellschaft stellen jedoch kein psychologisches Problem und somit auch noch lange keine ausreichende Begründung für eine psychologische Alternwissenschaft dar.

Allein die Tatsache, dass es eine Gerontopsychologie gibt, enthält die implizite Annahme, dass die durch diese Wissenschaft erforschten Altersveränderungen negativer natur sind, oder zumindest als ungünstig für die Lebensführung angesehen werden. Die folgenden 1983 durch Oswald definierten praktischen Aufgaben der psychologischen Alternsforschung bestätigen diese Werthaltung ( Kaiser 1989, S. 15): Untersuchung der Leistungsfähigkeit und Beanspruchbarkeit, sowie die Wahl des richtigen Pensionierungszeitpunktes der alten Menschen sind genauso Aufgabe der Gerontopsychologie, wie die Gestaltung altersangemessene Umwelt oder die Suche nach therapeutischen Möglichkeiten zur Intervention in den Alternsprozess.

Man muss jedoch anmerken, dass sich in der Gerontopsychologie auch positive Vorannahmen finden, wie Alterskompetenzen und Chancen der positiven Entwicklung im Alter, schließlich zeigt sich unter dem Aspekt der Aufgabenorientierung, dass diese Alterskompetenzen im Zusammenhang mit der Bewältigung von Problemen als relevanter angesehen werden. In diesem Zusammenhang wird der Begriff der Intervention erstmalig eingeführt, wenn verlangt wird, dass “praktische Konsequenzen durch einen Eingriff in Alternsprozesse” ( Kaiser 1989, S.17) erzielt werden. Es hat sich also neben einem praktisch begründeten Forschungsfeld der Gerontopsychologie auch das Feld der Intervention zur direkten Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis aufgetan, welches technologischen Leitideen unterliegt.

2.3 Psychologische Alternstheorien

Psychologische Alternstheorien beschäftigen sich mit Veränderungen des menschlichen Verhaltens und Erlebens als Konsequenz des Alterns. Neben dem Defizit-Modell der geistigen Entwicklung können kognitive, sozialpsychologisch orientierte und ökologische Ansätze der Alternstheorie differenziert werden ( Oswald et al.1983, S.37-49).Um den alternden Menschen besser zu kennen ist es von Bedeutung, auch die ihn betreffenden Alternstheorien zu kennen:

Das Defizit-Modell der geistigen Entwicklung geht davon aus, dass während des Alterns emotionale und intellektuelle Fähigkeiten abgebaut werden. Dieses Modell konzentriert sich mit seinen Untersuchungen speziell auf die geistige Leistungsfähigkeit. In diesem Sinne wurde nachgewiesen, dass mit zunehmendem Alter eine Abnahme der flüssigen Intelligenz ( z.B. Wendigkeit, Flexibilität usw.) stattdessen aber eine Zunahme der kristallisierten Intelligenz (z.B. dem Wortschatz oder auf Erfahrung basierendes Wissen) stattfindet. Außerdem weißt dieses Modell auch nach, dass die geistige Leistung wesentlich vom Gesundheitszustand beeinflusst wird.

Die von Thomae entwickelte kognitive Alternstheorie fokussiert auf der “kognitiven Repräsentanz” objektiver Gegebenheiten für die betroffenen alternden Menschen (Oswald et al. 1983, S. 39). Es geht also hauptsächlich um den subjektiven Aspekt des Alterns, also darum, wie der Alternde sich und seine Situation subjektiv wahrnimmt, denn die subjektive Wahrnehmung einer Situation beeinflusst den Menschen stark in seinem Verhalten und in seinem Wohlbefinden. Die Übereinstimmung dieser Kognitiven Struktur mit den Bedürfnissen des Menschen ist wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Altern und Lebenszufriedenheit.

Die Sozialpsychologisch orientierten Alternstheorien sind geteilt in Aktivitäts- Disengagement- und Austauschtheorie. Die Aktivitätstheorie geht davon aus, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft spezielle soziale Rollen übernimmt, deren Verluste, z.B. durch Pensionierung, häufig mit einer Krise der Selbstbewertung einhergehen. Die soziale Aktivität wird also gleichgesetzt mit der Lebenszufriedenheit.

Während die Aktivitätstheorie davon ausgeht, dass der soziale Rückzug ein erzwungener und ungewollter ist, geht die Disengagementtheorie davon aus, dass die Loslösung von sozialen Rollen und Verpflichtungen vom alternden Menschen gewollt ist und das diese gewünschte soziale Isolierung Zufriedenheit beim Altern mit sich bringt. Diese Theorie der Disengagementtheorie wird jedoch durch die Erkenntnis widerlegt, dass Zufriedenheit im Alter von dem Ausmaß der früheren sozialen Aktivität abhängt. So kann man nur bei eher sozial passiven Menschen davon ausgehen, dass soziale Isolation zu Zufriedenheit führt, denn bei sozial aktiveren Menschen wiederum ist gerade der Rückzug der Auslöser von Unzufriedenheit im Alter.

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Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640247400
ISBN (Buch)
9783640247769
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120800
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Psychogerontologie
Note
2,0
Schlagworte
Interpretative Gerontopsychologie Seminar

Autor

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Titel: Interpretative Gerontopsychologie