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Der Holocaust - Ein Thema für den Sachunterricht der Grundschule?

Term Paper 2007 17 Pages

History - Didactics

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Aufgabenbereiche des Sachunterrichts in der Grundschule

3 Historisches Lernen im Sachunterricht der Grundschule
3.1 Der Sinn des historischen Lernens in der Grundschule
3.2 Historisches Lernen in Bezug auf politisches und soziales Lernen
3.3 Die Ziele des historischen Lernens in der Grundschule

4 Das Thema „Holocaust“ in der Grundschule
4.1 Die Ziele des historischen Lernens in der Grundschule zum Thema „Holocaust“
4.2 Der „Holocaust“ – ein Tabuthema?

5 Das Thema „Holocaust“ im Bildungsplan für die Grundschule
5.1 Das Kompetenzfeld „Raum und Zeit erleben und gestalten“
5.2 Das Kompetenzfeld „Heimatliche Spuren suchen, entdecken, gestalten“

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Holocaust stellt für die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg (1939- 1945) ein zentrales Thema dar. Wenn es um die Festlegung der deutschen Identität nach 1945 geht, so wird immer wieder – direkt oder indirekt – Bezug auf dieses Thema genommen. Deshalb ist die Frage, ob der Holocaust bereits in der Grundschule zur Themenauswahl stehen sollte, keineswegs rhetorisch. Auch wenn mittlerweile knapp 60 Jahre seit diesem Völkermord verstrichen sind, ist dieses Thema für uns allgegenwärtig. Sei es beispielsweise durch die Medien, die über die Verwüstung jüdischer Friedhöfe oder die Gewalt von Rechtsradikalen gegenüber Ausländern, berichten. Jedoch wird immer wieder versucht, dieses „Thema von […] Kindern fernzuhalten“1 und zu tabuisieren. Der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno formulierte in Bezug darauf folgendes Ziel von Erziehung:

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die alle- rerste an Erziehung. Es […] war die Barbarei, gegen die alle Erzie- hung geht. […] Da aber die Charaktere insgesamt […] nach den Kenntnissen der Tiefenpsychologie schon in der frühen Kindheit sich bilden, so hat Erziehung, welche die Wiederholung verhindern will, auf die frühe Kindheit sich zu konzentrieren.“2

In der vorliegenden Arbeit stellt sich nun die Frage, inwieweit die Grundschule dies erfüllen oder einen Beitrag dazu leisten kann. Abgesehen davon gilt es zu diskutieren, ob und auf welche Art und weise Kinder bereits im Grundschulalter mit dem Thema Holocaust konfrontiert werden und welches die Ziele einer Erziehung sein sollen, die eine Verhinderung eines „zweiten Auschwitz“ zum Hauptziel hat.

2 Die Aufgabenbereiche des Sachunterrichts in der Grundschule

Um die Frage nach der Wichtigkeit des Themas „Holocaust“ im Sachunterricht der Grundschule zu beantworten, muss sich vorher damit auseinandergesetzt werden, was der Sachunterricht leisten soll und welche Aufgaben er zu erfüllen hat. Dies wird im Folgenden näher erläutert.

Im Bildungsplan für die Grundschule aus dem Jahre 2004 für Baden- Württemberg wird der Sachunterricht im „Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur (MeNuK)“ zusammen gefasst. In ihm sind die folgenden zentralen Auf- gaben formuliert:

„Der Unterricht […] setzt bei der Weltwahrnehmung der Schüler3 […] an und verknüpft deren unterschiedliche Vorerfahrungen und Denkstrukturen.“4 Erfah- rungen und Ansätze der Welterkundung der Schüler werden aufgenommen und zu „tragfähigen Formen des Wissens und Könnens“ und erweitertem musikali- schen und künstlerischen Ausdruck weitergeführt.5 Hierdurch erfolgt eine Un- terstützung der Schüler „bei der Erschließung ihres natürlichen und kulturellen Umfeldes“6. Dies regt an „zu gedanklicher Durchdringung, zu unterschiedlichen Darstellungsweisen und zu eigenen kreativen Prozessen“7, woraus eine grund- legende Bildung resultiert. Schulisches Lernen wird mit dem eigenen Handeln verknüpft, was zu einer persönlichen Bedeutsamkeit und einer Nachhaltigkeit des Lernens führt.8

Der Fächerverbund MeNuK ist mit verschiedenen Inhalten bestückt, welche aus unterschiedlichen Perspektiven, nämlich der sozial-kulturwissenschaftlichen, der raumbezogenen, der naturbezogenen, der technischen, der historischen und der ästhetischen, gewählt werden. „Dies sichert die Anschlussfähigkeit so- wohl an die Lebenswelterfahrungen und Interessen der […] Schüler als auch an die Lernangebote von Sachfächern in den weiterführenden Schulen.“9

Die ästhetischen Zugangsweisen werden in künstlerische und musikalische Lernformen aufgefächert. Dadurch werden die Begegnung mit dem Ästheti- schen, die „Darstellung und Gestaltung“, die „Welterkundung und –erfahrung“, genauso wie „Gespräche zur Klärung kindlicher Meinungen und Deutungen […] berücksichtigt“10, was eine große Rolle bei der Entwicklung der Persönlichkeit der Schüler spielt. Außerdem werden durch den Unterricht in diesem Fächer- verbund entscheidende Grundlagen für die Handlungskompetenz der Schüler gelegt. Die Schüler erwerben „Kompetenzen, die sie befähigen sich an ihrer eigenen Beheimatung aktiv zu beteiligen und ihre Identität im Spannungsfeld zwischen Heimatverbundenheit und Weltoffenheit zu stärken.“11 Die Schulkultur ist geprägt durch partnerschaftliches, demokratisches und weltoffenes Handeln und leistet somit einen großen Beitrag zu einem zukunftsfähigen Verhältnis der Schüler zu ihrer Heimat und zur Welt.12 Zudem wird ihnen eine Auseinander- setzung mit ihrer Heimat in Bezug auf Geographie und Geschichte ermöglicht.13

3 Historisches Lernen im Sachunterricht der Grundschule

Im Zusammenhang mit der Frage, ob der Holocaust ein Thema für den Sach- unterricht darstellen sollte, ist es notwendig dies unter dem Aspekt des histori- schen Lernens zu beleuchten. Der Holocaust ist zwar, wie bereits oben er- wähnt, ein Thema, das die Menschheit auch heute noch beschäftigt, aber trotz- dem ein geschichtliches Ereignis und deshalb aus der historischen Perspektive zu betrachten.

3.1 Der Sinn des historischen Lernens in der Grundschule

Zunächst einmal gilt es zu erörtern, ob denn Grundschulkinder allgemein mit historischen Inhalten oder Ereignissen konfrontiert werden sollten.

„Haben Grundschulkinder […] aufgrund ihrer jeweiligen Lernvor- aussetzungen überhaupt einen Zugang zur Geschichte, sind sie in der Lage, die Spezifik historischen Denkens nachzuvollziehen?“14

Laut Pandels Studie zur „Genese narrativer Kompetenz“ ist der Einsatz von Geschichte im Grundschulalter mit Zweifeln behaftet. Zwar werden die zu be- handelnden Sachverhalte von den Kindern verstanden, jedoch verlieren sie ih- ren historischen Charakter und befinden sich somit auf einer zeitlich neutralen Ebene. Dies ermöglicht ihnen eine Teilnahme an einer kulturellen Kommunika- tion, in der historische Ereignisse thematisiert werden, jedoch fehlt hierbei der geschichtliche Aspekt .15

Nun stellt sich die Frage, ob deshalb im Sachunterricht komplett auf histori- sches Lernen verzichtet werden soll. Von Borries formulierte bezüglich dessen wichtige Fragen, welche im Folgenden auszugsweise dargestellt werden:

- „Werden jüngere Lernende nur durch Abenteuer, Fantastik, Grausamkeit und Vorbilder motiviert? Oder können sie auch schon durch kognitive Dis- sonanz, Gegenwartsbedeutung, Übertragbarkeit und eigene Betroffenheit gefesselt werden?

[...]


1 Beck 1996, S. 11.

2 Adorno 1991, S.88-90.

3 In dieser Arbeit wird immer nur der Sammelbegriff für die Mitglieder einer bestimmten Gruppe verwendet. Diese Bezeichnung schließt alle männlichen und weiblichen Mitglieder ein.

4 Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2004, S. 96.

5 vgl. ebd.

6 ebd.

7 ebd.

8 vgl. ebd.

9 Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2004, S. 96.

10 ebd.

11 ebd.

12 vgl. ebd.

13 vgl. ebd.

14 von Reeken 1999, S. 15.

15 vgl.ebd. S. 21.

Details

Pages
17
Year
2007
ISBN (eBook)
9783640237890
ISBN (Book)
9783640239252
File size
427 KB
Language
English
Catalog Number
v120687
Institution / College
University of Education Ludwigsburg
Grade
1,0
Tags
Holocaust Thema Sachunterricht Grundschule Vorlesung Unterrichtsstunde Geschichtsdidaktische Grundfragen Seminar Lernorten

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