Lade Inhalt...

Technische Lagersysteme und Strategien im Kommissionierbereich zur Verbesserung der Distributionslogistik

Diplomarbeit 2006 60 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 DISTRIBUTIONSLOGISTIK - EIN SUBSYSTEM DER LOGISTIK

2 FUNKTION UND ARTEN DES LAGERHAUSES
2.1 Vorratslager
2.2 Umschlagslager
2.3 Verteilungslager

3 TECHNISCHE LAGERSYSTEME
3.1 Statische Lager
3.1.1 Statische Lagerung ohne Lagergestell
3.1.2 Statische Lagerung mit Lagergestell
3.2 Dynamische Lager
3.2.1 Dynamische Lager mit feststehenden Lagermitteln
3.2.2 Dynamische Lager mit bewegten Lagermitteln
3.2.3 Dynamische Lagerung auf Fördermitteln

4 LAGERORGANISATION UND LAGERPLATZORDNUNG
4.1 Festplatzlagerordnung
4.2 Freie Lagerplatzordnung

5 TECHNIKEN UND STRATEGIEN IM KOMMISSIONIERBEREICH
5.1 Klassifikation von Kommissioniersystemen nach dem Informationsfluss
5.1.1 Auftragserfassung
5.1.2 Auftragsaufbereitung
5.1.3 Weitergabe der Kommissionieraufträge
5.1.4 Quittierung der Kommissionieraufträge
5.2 Klassifikation von Kommissioniersystemen nach dem Materialfluss
5.2.1 Bewegung der Güter zur Bereitstellung
5.2.2 Bereitstellung der Lagereinheiten
5.2.2.1 Statische Bereitstellung
5.2.2.2 Dynamische Bereitstellung
5.2.3 Fortbewegung des Kommissionierers
5.2.3.1 „Eindimensionale“ Fortbewegung
5.2.3.2 „Zweidimensionale“ Fortbewegung
5.2.3.3 „Dreidimensionale“ Fortbewegung
5.2.4 Entnahme der Ware
5.2.4.1 Manuelle Entnahme
5.2.4.2 Automatische Entnahme.
5.2.5 Abgabe der Auftragsmengen
5.2.5.1 Zentrale A b g ab e
5.2.5.2 Dezentrale Abgabe
5.2.5.3 Transport zum Abgabeort
5.2.5.4 Rücktransport der angebrochenen Ladeeinheiten
5.3 Klassifizierung vom Kommissioniersystemen nach dem Organisationssystem
5.3.1 Aufbauorganisation
5.3.2 Ablauforganisation
5.3.2.1 Sammeln 38
5.3.2.2 Entnahme der Ware 39
5.3.2.3 Auftragszusammenführung 39
5.3.3 Betriebsorganisation
5.4 Kommissionierstrategien
5.4.1 Belegungsstrategien
5.4.2 Bearbeitungsstrategien
5.4.3 Entnahmestrategien
5.4.4 Bewegungsstrategien
5.4.5 Nachschubstrategien
5.4.6 Leergutstrategien

6 KENNZAHLEN FÜR LAGER UND KOMMISSIONIERUNG 50 LITERATURVERZEICHNIS

Bücher

Zeitschriften

Internet

EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Bodenblock und Bodenzeilenlagerung, Quelle: Heinz, K., Hompel, M.t. (2004a): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Anhang%20Materialbereitstellung .pdf, Stand: 15.03.2006.

Abb. 2: Einfahrregal Quelle: o.V. (o.J.):, Stand: 10.03.2006.

Abb. 3: Palettenregal und Fachbodenregal Quelle: Heinz, K., Hompel, M.t. (2004a): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Anhang%20Materialbereitstellung .pdf, Stand: 15.03.2006.

Abb. 4: Kragarmregal und Wabenregal Quelle: o.V. (o.J.): http://www.viastore.de/body_seite11.html, Stand: 17.03.2006.

Abb. 5: Durchlaufregal und Einschubregal Quelle: o.V. (o.J.): http://www.atlet.se/ger/sel_main/picking/pushback.htm, Stand: 15.03.2006.

Abb. 6: Paternosterregal und horizontal umlaufendes Karusselllager Quelle: o.V. (o.J.): http://www.arkiv-lager.no/script/arkivlager/bysvis.pl?id=34350BFhYTf&vindu=hoved&subvindu=li ste&subkat=36, Stand: 19.03.2006 und Heinz, K., Hompel, M.t. (2004a): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Anhang%20Materialbereitstellung .pdf, Stand: 15.03.2006.

Abb. 7: Verschieberegal Quelle: o.V. (o.J.): http://www.atlet.se/ger/sel_main/picking/highde.htm, Stand: 18.03.2006.

Abb. 8: Kommissioniersystem mit statischer Bereitstellung, eindimensionaler Fortbewegung, manueller Entnahme und zentraler Abgabe Quelle: Gudehus, T. (1973), S. 15.

Abb. 9: Kommissioniersystem mit statischer Bereitstellung, eindimensionaler Fortbewegung, manueller Entnahme und zentraler Abgabe Quelle: Gudehus, T. (1973), S. 17.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Distributionslogistik - ein Subsystem der Logistik

Die Herkunft des Begriffs „Logistik“ geht auf den Gebrauch beim Militär zurück (loger =versorgen). Das Militär bezeichnet mit Logistik die planmäßige Versorgung der Truppen mit den unterschiedlichsten Materialien. Bereits im Altertum unterschied der byzantinische Kaiser Leon VI (886-912) in der Kriegswissenschaft zwischen Strategie, Taktik und Logistik. In den 50-er Jahren wurde der Begriff der Unternehmenslogistik („business logisitics“ in den USA) vom militärischen Sprachgebrauch abgeleitet. Er bezeichnet die „Transport-, Lager-, Umschlagstätigkeiten von Gütern in und zwischen Unternehmen“1. „Zur Logistik gehören alle Tätigkeiten, durch die die raum-zeitliche Gütertransformation und damit die zusammenhängenden Transformationen hinsichtlich der Gütermengen und –sorten, der Güterhandhabungseigenschaften sowie der logistischen Determiniertheit der Güter geplant, gesteuert, realisiert oder kontrolliert werden, der einen Empfangszeitpunkt möglichst effizient verbindet.“2 Aus dieser Definition lassen sich die „4 R“ der Logistik ableiten: Das richtige Produkt im richtigen Zustand zur richtigen Zeit am richtigen Ort bei minimalen Kosten bereitzustellen. Die industrielle Logistik kann in die Subsysteme Beschaffungslogistik, Produktionslogistik, Distributionslogistik und Informationslogistik unterteilt werden.3 Die Beschaffungslogistik ist das Bindeglied zwischen der Distributionslogistik der Lieferanten und der Produktionslogistik des Unternehmens. Aufgabe der Beschaffungslogistik ist das Sicherstellen der Produktionsbereitschaft, indem alle benötigten Güter wie Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe bedarfsgerecht zur Verfügung stehen.4 Die Aufgabe der Produktionslogistik liegt in der Planung, Steuerung und Überwachung des Materialflusses der verschiedenen Produktionsstufen vom Rohmaterial bis hin zum Fertigprodukt.5 Der Informationslogistik kommt aufgrund des Fortschritts in der Informationstechnologie eine immer größere Bedeutung zu, um die schnittstellenübergreifenden Prozesse wie Transport, Umschlag, Lagerung und Vertrieb effizienter und schneller abzubilden.6 Analog zur Beschaffungslogistik verbindet die Distributionslogistik innerhalb der logistischen Ketten die Produktionslogistik des Unternehmens mit der Beschaffungslogistik der Kunden.7 Die Aufgaben der Distributionslogistik sind Auftragsabwicklung, Lagerung und Transport. Die Annahme des Kundenauftrages, die Aufbereitung der Auftragsdaten, Erfassung des Auftrags, die Dokumentation sowie Steuerung der Kommunikation zwischen Kunde und internen Funktionsbereichen des Unternehmens sind Aufgabe der Auftragsabwicklung. Die Lagerhaltung beinhaltet die Einlagerung, die Bereitstellung, die Kommissionierung, die Auslagerung sowie die Verpackung der Fertigprodukte. Die Funktion des Transports ist der Raumausgleich zwischen den Logistikketten durch die Auswahl geeigneter Transportmittel.8

Da die Distributionslogistik eine Schnittstelle zum Kunden darstellt, sollte sie in einem Unternehmen besondere Aufmerksamkeit genießen. Schwachstellen werden vom Kunden direkt wahrgenommen werden und Fehler, wie z.B. Fehllieferungen, bleiben dem Kunden nicht verborgen. Dies lässt das Vertrauen in die logistische Leistungsfähigkeit des Lieferanten sinken und kann zum Verlust des Kunden und Umsatzrückgang führen.9

2 Funktion und Arten des Lagerhauses

Das Lager stellt im logistischen Netzwerk einen Knotenpunkt dar, in dem Güter vorübergehend gelagert oder veredelt werden oder in einen anderen logistischen Weg übergeleitet werden.10

Als Lagern bezeichnet man das Bevorraten der Bestände einer größeren Anzahl von Artikeln oder eines breiten Sortiments mit lange anhaltendem Bedarf.11. Als Lagerhaltungsmotive können verschiedene Gründe auftreten. Unter der Ausgleichfunktion sind ist abweichender Materialzufluss und Materialbedarf im Hinblick auf

Menge und Zeit zu verstehen. Durch saisonale Nachfrage oder Produktionsminima kann ein Lager für den Ausgleich zwischen Nachfrage und Bedarf sorgen.12 Bei ungenügender Information über Mengenbedarfe, Lieferund Bedarfszeitpunkte übernehmen Lager eine Sicherungsfunktion, um Produktionsausfälle zu verhindern.13 Auch drohende Preissteigerungen oder extreme Preisschwankungen auf Beschaffungsmärkten können dazu führen, zu bestimmten Zeitpunkten größere Mengen einzukaufen als benötigt werden. Dem Lager kommt dann eine Spekulationsfunktion zu.14 Werden Güter gelagert, um eine Qualitätsänderung z.B. durch Alterung, Gärung, Reifung oder Trocknung herbeizuführen, hat das Lager eine Veredelungsfunktion,. z.B. bei Wein oder Käse.15 Dem Lager kommt eine Assortierungsfunktion zu, wenn sortimentsbezogene Lager gebildet werden, wie z.B. bei Tiefkühlgut in Tiefkühllagern oder Getreide in Silos.16

Je nach Funktion des Lagerhauses können andere technische Lagersysteme zum Einsatz kommen. Es lassen sich drei verschiedene Lagerhausarten nach ihrer Funktion unterscheiden. In der Praxis treten häufig Mischformen auf.17

2.1 Vorratslager

Diese dienen Produktionsbetrieben zur Sicherung ihrer Produktion. Ihre Aufgabe ist es, die Zeit zu überbrücken zwischen der Warenverfügbarkeit und dem Bedarf.18 Durch die Bevorratung von Rohstoffen und Halbfabrikaten können sich Industriebetriebe vor Produktionsstillstand schützen, falls es zu Lieferengpässen der Lieferanten kommt. Das Vorratslager kann auch zur Spekulation genutzt werden. Bei bevorstehenden Preiserhöhungen seitens der Lieferanten können größere Mengen beschafft werden. Zudem können bei Sonderangeboten und Mengenrabatten Preisvorteile ausgenutzt werden.19

Das Vorratslager kann aber auch zur Lagerung der eigenen Fertigwaren dienen, um die eigene Distribution sicherzustellen.20

2.2 Umschlagslager

Die Funktion dieses transportorientierten Lagers ist der kurzfristige Umschlag von Waren und Sendungen.21 Kurier-Express-Pakete-Dienstleister (KEP) nutzen diese Lager zur Konsolidierung der Sendungen auf die Zielrelationen. Eine weitere Umschlagsform ist das „Cross Docking“. Unterschieden wird zwischen dem einstufigen und zweistufigen Cross Docking. Beim einstufigen Cross Docking werden die Warenlieferungen filialbezogen von verschiedenen Lieferanten kommissioniert und an das Umschlagslager geliefert. Im Lager werden die Sendungen je Filiale des Handels zusammengestellt und ausgeliefert.22 Beim zweistufigen Cross Docking werden von den Lieferanten die Waren artikelbezogen angeliefert und erst im Umschlagslager je Filiale kommissioniert.23

2.3 Verteilungslager

Bei Verteilungslagern kann unterschieden werden zwischen Zulieferungslagern und Auslieferungslagern. Gemein ist den beiden Lagern, dass der Güterfluss in seiner Zusammensetzung geändert wird. Lagerund Bewegungsprozesse sind von gleicher Bedeutung. Ein Zulieferungslager ist beschaffungsorientiert und konzentriert die eintreffenden Warenströme. Ein Auslieferungslager ist absatzorientiert. Produktionsgüter werden in ihnen gesammelt und an die Kunden ausgeliefert.24

Je nach Funktion des Lagerhauses können andere technische Lagersysteme zum Einsatz kommen.25

In Industrieunternehmen sind Vorratslager die Lager mit der größten Bedeutung, da in ihnen die größten Lagerbestände lagern und somit das meiste Kapital gebunden ist. Durch Verringerung der Lagerbestände und Optimierung der Bestellmengen lassen sich Kapitalbindungskosten verringern. Besonders in Distributionslagern sollte dabei geklärt sein, welcher Lieferservice erbracht werden soll. Diese Information muss von Vertrieb und Außendienst mit ihren Kontakten zum Kunden geklärt sein, um gewünschte Lieferzeiten und Warenverfügbarkeit sicherzustellen.26

3 Technische Lagersysteme

Damit ein Lager die genannten Funktionen erfüllen kann, können verschiedene Lagersysteme eingesetzt werden. Abhängig vom Aggregatzustand des Lagergutes werden die entsprechenden Lagertechniken eingesetzt. Gase werden in Druckbehältern gelagert, flüssige Lagergüter in Tanks, während Schüttgüter in Silos oder auf Halden gelagert werden. Werden Gase, Flüssigkeiten oder Schüttgüter in Förderhilfsmittel wie Flaschen oder Behälter abgefüllt, werden sie zu Stückgütern.27 Stückgüter sind feste Transportgüter, die einzeln gehandhabt werden können und die während Transport oder Lagerung ihre Gestalt nicht ändern.28 In meinen weiteren Ausführungen möchte ich mich nur auf Stückgutlager beziehen, da sie (häufig) die größte Bedeutung für Industriebetriebe haben. Um Stückgüter zu lagern, können statische und dynamische Lagersysteme verwendet werden.

3.1 Statische Lager

Bei der statischen Lagerung wird das Lagergut nach der Einlagerung bis zur Auslagerung nicht mehr bewegt. Es wird unterschieden zwischen statischer Lagerung mit und ohne Gestellen.29

3.1.1 Statische Lagerung ohne Lagergestell

Die Bodenlagerung ist die einfachste Art der Lagerung, dabei wird das Lagergut nicht gestapelt.30 Die Lagerung am Boden kann in zwei Formen erfolgen, entweder in Bodenblockoder Bodenzeilenlagerung. Diese Lagerformen werden häufig bei schweren oder sperrigen Gütern verwendet. Die Einrichtungskosten sind gering. Sofern die Güter nicht stapelfähig sind, können sich aufgrund der schlechten Raumnutzung hohe Investitionskosten pro Lagereinheit ergeben. Durch den Einsatz von Lagerhilfsmitteln wie Palettengitterboxen können auch nichtstapelfähige Güter gestapelt werden. Die Höhe der Stapelung ist von der Deckenhöhe des Lagerraums, von der Tragfähigkeit des Bodens, von den eingesetzten Fördermitteln zur Stapelung und von der Belastbarkeit der unteren Lagereinheiten abhängig.31 Bei der Bodenblocklagerung werden die Güter auf dem Boden in großflächigen Blöcken gelagert. Mit Hilfe eines Gabelstaplers kann auf die oberen Ebenen zugegriffen werden. Ein wahlfreier Zugriff auf das Lagergut ist nicht möglich. Bei der Bodenblocklagerung ist die Einhaltung des Fifo-Prinzips, bei dem das Lagergut in der gleichen Reihenfolge ausgegeben werden soll, wie es in das Lager eingelagert wurde,32 nur durch ständiges Umstapeln möglich, daher wird oft nach dem Lifo- Prinzip einbzw. ausgelagert.33 Beim Lifo-Prinzip wird das Lagergut in der gleichen Reihenfolge aus dem Lager entnommen, wie es auch eingelagert wurde.34 Bei geringer Artikelvielfalt und großen Mengen gleicher Produkte ist ein Bodenbocklager vorteilhaft. Besonders Artikel der Baustoffindustrie und des Baustoffhandels sowie der Lebensmittel-, Getränkeund Papierindustrie eignen sich für diese Lagervariante.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bodenblock und Bodenzeilenlagerung,

Quelle: Heinz, K., Hompel, M.t. (2004a): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Anhang%20Materialbereitstellung.pdf, Stand: 15.03.2006.

Die Vorteile der Bodenblocklagerung sind die hohe Flexibilität, die niedrigen Investitionskosten, geringe Störanfälligkeit und geringe Lagerkosten. Nachteile ergeben sich dadurch, dass bei einer größeren Artikelanzahl keine Transparenz mehr besteht, die Produktentnahme nur von einigen wenigen Stellen aus erfolgen kann und die Bestandsführung und Bestandskontrolle der Waren erschwert werden.36 Bei dieser Art der Lagerung sind nur geringe Möglichkeiten der Automatisierung gegeben37. Die Bodenzeilenlagerung bietet mehr Zugriffsmöglichkeiten durch die zeilenförmige Anordnung, hat aber im Gegensatz zur Bodenblocklagerung eine schlechtere Flächennutzung, da durch die Regalgassen Lagerfläche verloren geht.38.

3.1.2 Statische Lagerung mit Lagergestell

Mit Hilfe von Lagergestellen bzw. Regalen können im Gegensatz zur Verwendung von Lagerhilfsmitteln wie Paletten, Stapelbehältern oder Stapelhilfen Lagereinheiten vielfach überstapelt werden. Das Gewicht der Lagerartikel wird vom Lagergestell getragen. Da die Raumhöhe im Gegensatz zur Bodenlagerung besser ausgenutzt werden kann, kann ein Lager mit Lagergestell eine höhere Lagerkapazität haben als ein Bodenlager - trotz des Flächenverlustes durch das Lagergestell. Nachteilig sind die höheren Investitionskosten für das Lagerequipment.

Bei der statischen Lagerung mit Lagergestell kann man zwischen Zeilenund Blocklagerung unterscheiden. Einfahrregale und Durchfahrregale sind Beispiele für Blocklagerung im Lagergestell. Einfahrregale kommen häufig zum Einsatz, wenn große Mengen von schweren oder druckempfindlichen Artikeln bei geringer Artikelvielfalt gelagert werden. In einem Regalblocklager können Warenbewegungen nur nach Lifo-Prinzip erfolgen. Die Beladung der Regalanlage erfolgt mit Hilfe eines Gabelstaplers stirnseitig.39

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Einfahrregal

Quelle: o.V. (o.J.):, Stand: 10.03.2006.

Die Zeilenlagerung in Palettenregalen oder Fachbodenregalen ist die am meisten verwendete Art der Lagerung mit Lagergestellen. Diese Regale bieten den Vorteil, dass durch die Zeilen parallel auf die Lagerplätze zugegriffen werden kann, sodass das Fifo-Prinzip einfach eingehalten werden kann. Palettenregale bestehen aus Seitenstützen mit Querund Längstraversen, auf denen die palettierten Güter abgestellt werden.40 Palettenlager werden je nach Raumhöhe mit verschiedenen Lagerbediengeräten bedient. Bei einer Regalhöhe bis 4,5m werden Gabelhochhubwagen, Frontstabler oder Schubmaststabler eingesetzt. Bis zu einer Regalhöhe von ca. 10,0m kommen hauptsächlich Schubmaststapler zum Einsatz. Ab einer Regalhöhe von mehr als 10,0m werden schienengeführte Regalbediengeräte zur Bedienung eingesetzt wie Schmalgangstabler oder automatische Regalbediengerä- te.41 Vorteile des Palettenregals sind die hohe Flexibilität bei der Zugriffsleistung auf die Lagerplätze, der hohe Ordnungseffekt und das hohe Verhältnis zwischen Raumund Volumenausnutzung. Zudem kann das Fifo-Prinzip einfach eingehalten sowie flexibel auf geänderte Anforderungen reagiert werden. Dem gegenüber stehen die hohen Investitionskosten für die Regalanlage. Sind die Bedienungshilfen des Lagers defekt, kann dies dazu führen, dass ein Zugriff auf die Lagerware nicht mehr möglich ist.

Fachbodenregale bestehen aus einem vertikalen Ständer, in den die Fachböden eingehängt oder verschraubt werden. Fachbodenregale können zur Lagerung der unterschiedlichsten Artikel genutzt werden. Vorwiegend werden Kleinteile und Artikel in ihrer Umverpackung in kleinen bis mittleren Mengen gelagert. Durch unterschiedliche Anforderungen an eine Fachbodenregalanlage kann eine Vielzahl an Zusatzkomponenten zu den Fachböden wie Schubladen, Behälter oder ausziehbare Fachböden montiert werden.42 Ändert sich das Volumen der Lagergüter häufig, sind Steckregale von Vorteil, da diese durch Umhängen der Fachböden schnell auf die Abmessungen des neuen Lagerartikels eingestellt werden können. Da diese Lager sehr oft manuell bedient werden, sollte die Regalhöhe 1,8m nicht überschreiten, da hier die Greifhöhe der Kommissionierer endet. Um die Lagerhallenhöhe komplett auszunutzen, können weitere Geschosse aufgebaut werden. Bei diesen so genannten Podestanlagen wird eine weitere Fachbodenregalreihe über die bestehende gestellt. Zwischen den Regalen auf ca. 2m Höhe wird dann mit Gitterrosten oder Spanplatten ein Kommissioniergang geschaffen. Mit Hilfe von Treppen und Lastenaufzügen können die weiteren Geschosse von den Mitarbeitern erreicht werden. Vorteile des Fachbodenregals sind der hohe Ordnungseffekt und eine hohe Zugriffsleistung. Zudem sind diese Lagergestelle flexibel anpassbar an verschiedene Lagerartikel mit unterschiedlichen Volumen. Nachteilig kann sich die schlechte Greifposition für Kommissionierer auswirken bei Artikeln, die in Fußbodenhöhe oder im oberen Lagerbereich lagern. Bei Podestanlagen wirkt die Notwendigkeit zum Treppensteigen der Kommissionierer negativ. Hinzu kommen Klimatisierungsprobleme, da die Luft in den Geschossanlagen nicht gut zirkulieren kann.43

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Palettenregal und Fachbodenregal

Quelle: Heinz, K., Hompel, M.t. (2004a): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Anhang%20Materialbereitstellung.pdf, Stand: 15.03.2006.

Für Langgüter oder Tafelmaterial eignen sich Wabenregale. Sie können stirnseitig befüllt werden und eignen sich vor allem bei geringen Mengen pro Artikel und gleichzeitiger geringer Artikelanzahl.44

Eine weitere Technik der statischen Zeilenlagerung im Regal sind Kragarmregale. Sie dienen ähnlich wie Wabenregale zur Aufnahme von Langgütern, wie z.B. Brettern, Stäben, Rohren und Balken.45

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Kragarmregal und Wabenregal

Quelle: o.V. (o.J.): http://www.viastore.de/body_seite11.html, Stand: 17.03.2006.

Kragarmregale werden i.d.R. zeilenweise angeordnet und mit Seitenstaplern oder Vierwegestaplern bedient.46 Die Kragarmlänge und Anordnung der Kragarme hängen vom Gewicht und der Länge des Lagerguts ab. Werden Rollen oder andere runde Güter gelagert, verhindert ein Abrollschutz an der Vorderkante des Kragarms ein Verrutschen der Güter. Von Vorteil ist, dass die Waren waagerecht lagern und nicht für die Lagerung senkrecht aufgestellt werden müssen. Dem gegenüber steht der hohe Platzbedarf, den die Regalbedienräte benötigen, und der Lagervolumenverlust, wenn nur geringe Mengen auf den Kragarmen gelagert werden.47

3.2 Dynamische Lager

Bei der dynamischen Lagerung wird das Lagergut zwischen der Einund Auslagerung bewegt. Es kann unterschieden werden zwischen feststehenden Lagermitteln und bewegten Lagermitteln48.

3.2.1 Dynamische Lager mit feststehenden Lagermitteln

Dynamische Lager mit feststehenden Lagermitteln gehören zur Gruppe der Blockregallager. Die Besonderheit bei dieser Form der Blocklagerung ist, dass sich das Lagergut im feststehenden Regal während der Lagerung bewegt.49 Ein Durchlaufregal besteht aus mehreren überund nebeneinander liegenden Kanälen, in denen je Kanal ein Artikel gelagert wird. Man unterscheidet zwischen Durchlaufregalen mit Schwerkraftantrieb und durch Stetigförderer angetriebenen Durchlaufregalen. Schwerkraftbetriebene Regale sind zur Einnahmeseite des Regals ca. 3 bis 8 Grad geneigt, sodass das Lagergut von der Füllseite auf Grund des Eigengewichtes

über Rollenoder Röllchenbahnen heruntergleitet.50 Regale mit Stetigförderer müssen nicht zwangsläufig geneigt sein, da die angetriebenen Rollen den Vorschub übernehmen. Für beide Durchlauflagertypen gilt, dass das Lagergut in oder auf geeigneten Lagerhilfsmitteln gelagert werden muss, da sich sonst die Güter in den Kanälen verkanten können. Vorteil der Durchlaufregallager ist, dass das Fifo- Prinzip zwangsläufig eingehalten wird. Zudem rutscht die Ware immer wieder in die Entnahmeposition nach, daher treten keine Nachschubschwierigkeiten bei der Kommissionierung auf. Durch die räumliche Trennung von Einund Auslagerungsort können sich der für die Einlagerung zuständige Mitarbeiter und der Kommissionierer nicht behindern. Von Nachteil ist, dass bei der Verwendung von Paletten die Ladung meist gegen Verrutschen gesichert werden muss. Die Paletten müssen sich zudem in einem guten Zustand befinden, da ansonsten ein Vorwärtsrollen nicht möglich ist.51

Ein Einschubregal ist nahezu baugleich mit einem Durchlaufregal. Dieses Lagerregal wird von der niedrigen Seite her beim Einund Auslagern bedient. Beim Einlagern wird die bereits eingelagerte Ware über die Rollenbahn nach hinten gedrückt. Oftmals können nur wenige Paletten pro Kanal gelagert werden, da der vom Stapler aufzubringende Staudruck immer größer werden muss. Zu Problemen kann es auch kommen, wenn Paletten und Ladung nicht stabil genug sind, um dem Staudruck standzuhalten. Ein weiterer Nachteil eines Einschubregals ist, dass das Fifo- Prinzip nicht eingehalten werden kann und somit nur Lagergut in Betracht kommt, das nach dem Lifo-Prinzip gelagert werden kann. Von Vorteil ist - gegenüber dem Durchlaufregal- ,dass nur ein Bediengang an der Lagerstirnseite notwendig ist.52

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Durchlaufregal und Einschubregal

Quelle: o.V. (o.J.): http://www.atlet.se/ger/sel_main/picking/pushback.htm, Stand: 15.03.2006.

3.2.2 Dynamische Lager mit bewegten Lagermitteln

Bei dynamischen Lagern mit bewegten Lagergestellen wird nicht das Lagergut, sondern das Lagergestell bei der Lagerung bewegt. Die Ware wird automatisch zur Entnahmestelle bewegt. Dies ermöglicht eine Reduzierung der Anfahrwege,iger gehören horizontale bzw. vertikale Umlaufregale und Verschieberegallager.53

Paternoster sind vertikale Umlaufregale. Die Fachböden des Paternoster sind an zwei vertikal umlaufenden Ketten eingehängt. Diese sind zumeist mit einem Gehäuse verkleidet. Die Ware wird über den Antrieb und die Steuerung der Ketten zur Gehäuseöffnung, der Entnahmeposition, gefahren. Dem Lagermitarbeiter wird durch ein Lichtsignal am Regal der Lagerplatz der Ware im Fachboden angezeigt. Vorteil eines Paternosters ist, dass dem Kommissionierer das Lagergut in Griffhöhe gefahren wird, zudem wird nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ kommissioniert. Dies erspart Wegzeit. Teure Artikel können in einem Paternoster sicher gelagert werden, da die Türen abschließbar sind. Das Gehäuse schützt die Ware zudem vor

Schmutz.54 Nachteilig sind die Wartezeiten, die durch die Fahrzeit der Regalböden zur Entnahmeposition entstehen. Bei einem Ausfall des Antriebs ist ein Zugriff auf die Lagerartikel nur per Handkurbel möglich. Eine Anpassung auf sich ändernde

Volumen ist schlecht bzw. kaum möglich, da der Lagerraum durch die Größe und Anzahl der Regale im Paternoster vorgegeben ist.55

Karusselllager sind horizontale Umlaufregallager. Ähnlich wie Paternosterregale werden sie häufig zur Kommissionierung eingesetzt. Die horizontal eingehängten Fachböden werden in einer Schiene am Boden geführt. Die Einund Auslagerung geschieht an einer vorgegebenen Position, meist an der Stirnseite der Anlage. Karusselllager können auch über zwei oder drei Etagen gebaut werden. Die Entnahme kann dann mit einem Hubtisch erfolgen. Bei separat gesteuerten Karussellebe- nen ist eine gleichzeitige Entnahme durch mehrerer Mitarbeiter möglich. Ebenso ist eine Bedienung mittels Regalbediengerät möglich.56

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Paternosterregal und horizontal umlaufendes Karusselllager Quelle: o.V. (o.J.): http://www.arkiv-lager.no/script/arkiv- lager/bysvis.pl?id=34350BFhYTf&vindu=hoved&subvindu=liste&subkat=36, Stand: 19.03.2006 und Heinz, K., Hompel, M.t. (2004a): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Anhang%20Materialbereitstellung.pdf, Stand: 15.03.2006.

Verschieberegallager sind sehr gut dafür geeignet, auf engstem Raum Waren zu lagern. Von dem gesamten Regalblock sind immer nur ein oder zwei Gassen ge- öffnet. Durch in Schienen laufende Rollen werden die Regale von Hand oder mit einem Antrieb verschoben.57 Wegen der schlechten Zugriffsmöglichkeit auf die Regale ist diese Regalart nur dafür geeignet, Langsamdreher, Akten oder Prüfmuster zu lagern. Positiv ist, dass wegen der geschlossenen Regalgassen das Lagergut vor Schmutz geschützt ist. Zwar sind Flächen und Volumenausnutzung beim Ver-schieberegal sehr hoch, jedoch sind geringe Zugriffsleistung und die hohen Investitionskosten ein Nachteil.58

[...]


1 Vgl. Isermann, H. (1998), S. 22.

2 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 12.

3 Vgl. Stich, V., Luczak, H. (2004), S. 4.

4 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 12.

5 Vgl. Klaus, P., Krieger, W. (1998), S. 383.

6 Vgl. Stich, V., Luczak, H. (2004), S. 5.

7 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 211.

8 Vgl. Vastag, A., Schürholz, A. (2002), B-5-5.

9 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 211.

10 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 124.

11 Vgl. Gudehus, T. (2000a), S. 273.

12 Vgl. Stölzle, W., Heusler, K. F., Karrer, M. (2004), S. 18.

13 Vgl. Hompel, M. t., Schmidt, T. (2005), S. 4.

14 Vgl. Koch, R., Krampe, H. (1996), S. 171.

15 Vgl. Schulte, C. (1999), S. 179.

16 Vgl. Fortmann, K. M., Kallweit A. (2000), S. 18.

17 Vgl. Schulte, C. (1997), S. 478.

18 Vgl. Ehrmann, H. (1997), S. 213.

19 Vgl. Arnolds, H., Heege, F., Tussing, W. (1996), S. 365.

20 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 124.

21 Vgl. Pfohl, H. C. (2003) S. 124.

22 Vgl. Seifert D. (2001), S.138.

23 Vgl. Seifert D. (2001), S.138.

24 Vgl. Pfohl H. C. (2003), S. 125.

25 Vgl. Aggteleky, B. (1990), S. 592.

26 Vgl. Pfohl H. C. (2003), S. 125.

27 Vgl. Koether, R. (1993), S. 63.

28 Vgl. Weber, R. (1998), S.307.

29 Vgl. Stich, V., Luczak, H. (2004), S. 133.

30 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 137.

31 Vgl. Jünemann, R. (1996), Kap. 16-91.

32 Vgl. Lahde H. (1967), S. 342.

33 Vgl. Arnolds, H., Heege, F., Tussing, W. (1996), S. 366.

34 Vgl. Gudehus, T. (2000b), S. 50.

35 Vgl. Hompel, M. t., Schmidt, T. (2005), S. 105.

36 Vgl. Heinz, K., Hompel, M.t. (2004b): http://www.lfv.mb.unidortmund.de/mab/p13946/Endbericht%20Materialbereitstellung.pdf, Stand: 15.03.2006. S.25.

37 Vgl. Ehrmann, H. (1997), S. 216.

38 Vgl. Schulte, G. (1996), S. 242.

39 Vgl. Jünemann, R. (1996), Kap. 16-94.

40 Vgl. Pfohl, H. C. (2003), S. 140.

41 Vgl. Bichler, K., Schröter, N. (2004), S. 154.

42 Vgl Stich, V., Luczak, H. (2004) S. 133.

43 Vgl. Bichler, K., Schröter, N. (2004), S. 156.

44 Vgl. Jünemann, R. (1996), Kap. 16-94.

45 Vgl. Bichler, K., Schröter, N. (2004), S. 159.

46 Vgl. Jünemann, R. (1996), Kap. 16-93.

47 Vgl. Bichler, K., Schröter, N. (2004) 158.

48 Vgl. Jünemann, R. (1996), Kap. 16-90.

49 Vgl. Stich, V., Luczak, H. (2004) S. 136.

50 Vgl. Heinrich, M. (2000) S.317.

51 Vgl. Bichler, K., Schröter, N. (2004), S. 162.

52 Vgl. Stich, V., Luczak, H. (2004), S. 136

53 Vgl. Jünemann, R. (1996), S. 16-90.

54 Vgl. Böckmann, H., Rekittke, K. (1980), S. 72.

55 Vgl. Bichler, K., Schröter, N. (2004), S. 162.

56 Vgl. Heinrich, M. (2000) S.322.

57 Vgl. Pfeifer, H. (1995), S. 264.

58 Vgl. Heinz, K., Hompel, M.t. (2004b): http://www.lfv.mb.unidortmund. de/mab/p13946/Endbericht%20Materialbereitstellung.pdf, Stand: 15.03.2006. S.28.

Details

Seiten
60
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640249008
ISBN (Buch)
9783640248933
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120620
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Schlagworte
Technische Lagersysteme Strategien Kommissionierbereich Verbesserung Distributionslogistik Logistik

Autor

Zurück

Titel: Technische Lagersysteme und Strategien im Kommissionierbereich zur Verbesserung der Distributionslogistik