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Selbstüberschätzung und Risikoverhalten im Jugendalter. Eine Evaluation

Theorien, Befunde, Einsichten

Fachbuch 2008 329 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis
1. Abbildungen
2. Tabellen

Abkürzungsverzeichnis

A. Einleitung
1. Untersuchungsgegenstand
2. Fragestellung und Hypothese
3. Stand der Forschung

B. Jugendspezifische Selbstüberschätzung im Kontext jugendlichen Risikoverhaltens
1. Bestimmung und Verwendung des Jugendbegriffs und seines Umfeldes
1.1 Allgemeine Definition des Jugendalters
1.2 Sozialgeschichtliche Wurzeln des Jugendalters
1.3 Aktuelle juristische Aspekte
1.4 Aktuelle demografische Parameter
1.5 Pubertät, Adoleszenz, Jugend
2. Risikobegriff, Formen und Folgen jugendlichen Risikoverhaltens
2.1 Etymologie des Risikobegriffs und seine wissenschaftlichen Wurzeln
2.2 Definition des Risikobergriffs
2.3 Funktion, Ursachen und Motivlagen risikobezogener Handlungen
2.4 Geschlechterdifferenzen
2.5 Formen und Diversifikationsmöglichkeiten jugendlichen Risikoverhaltens
2.6 Folgen jugendlichen Risikoverhaltens: Spezifika und aktuelle Befunde
3. Paradigmatische Zugänge: Jugendliches Risikoverhalten sehen:
3.1 Entwicklungspsychologischer Ansatz
3.2 Psychoanalytischer Ansatz
3.3 Weitere Erklärungsansätze für risikobezogene Verhaltensweisen

C. Quantitative Untersuchung zur symptomatik einer jugendspezifischen Selbstüberschätzung
1. Stichproben
1.1 Jugendliche
1.2 Erwachsene (Vergleichsgruppe)
2. Untersuchungsinstrumente
2.1 Fragebogen/Begründung des Designs
3. Modus/Procedere
3.1 Datenerhebung und praktische Vorgehensweise
3.2 Statistische Eckparameter, Datenauswertung und Ergebnisdarstellung
4. Untersuchungsergebnisse
4.1 Gemeinsame Betrachtung aller Risikosettings
4.2 Gesundheitliche Risikodimension
4.3 Sozialer Normenverstoß
4.4 Finanzielle Risikodimension
4.5 Ökologische Risikodimension
5. Zusammenführung der Untersuchungsergebnisse
5.1 Induktiv ermittelte Ergebnisse
5.2 Flankierende, deskriptiv ermittelte Ergebnisse
6. Abschließende Betrachtung der Ergebnisse

D. Diskussion der Ergebnisse
1. Tendenzielle Disposition zur Selbstüberschätzung in Gesamt-N
2. Selbstüberschätzung primär in weiblicher Stichprobe lokalisiert
3. Sonderstellung der Risikodimension „Sozialer Normenverstoß“
4. Schüler stufen im Allgemeinen die Gefahrenpotentiale niedriger ein
5. Abgleich mit Ergebnissen themenrelevanter Studien

E. Kritische Betrachtung des Untersuchungsdesigns/Ausblick

F. Abschließende Bemerkungen

G. Literatur

H. Anhang

Darstellungsverzeichnis

1. Abbildungen

Abb. 1: Eigene Konsumerfahrungen mit psycho-aktiven Substanzen

Abb. 2: Ständige und gelegentliche Raucher, 12- bis 25-Jährige

Abb. 3: Gründe für den Zigarettenkonsum

Abb. 4: Auswirkung des Gesundheitsbewusstseins

Abb. 5: Konsumerfahrungen mit Alkohol

Abb. 6: Alkoholkonsum/Woche

Abb. 7: Motivlagen für den Konsum von Alkohol

Abb. 8: Gefahreneinschätzung zum Thema Alkoholrausch

Abb. 9: Lebenszeitprävalenz illegaler Drogen

Abb. 10: Gründe für die Ablehnung von Drogen

Abb. 11: Wirkungserwartungen und Drogenerfahrunge

Abb.12: Unfallbedingte Sterbefälle nach Unfallarten 2003

Abb. 13: Unfallbedingte Sterbefälle 2003 nach Altersgruppen und Geschlecht

Abb. 14: Darstellung der generierten Datenmatrix des Fragebogen (Ausschnitt)

Abb. 15: Normalverteilungsdiagramm, Jugendliche, alle Risikosettings

Abb. 16: Normalverteilungsdiagramm, Schülerinnen, 13-14 J., soz. Normenverstoß

Abb. 17: Normalverteilungsdiagramm, Erwachsene, alle Risikosettings (n=120)

Abb. 18: Exemplarische Darstellung des Referenzintervalls

Abb. 19: Verteilung der Paardifferenzen, Jugendliche, Darst. des Referenzintervalls

Abb. 20: Distanzwerte/Fragebogen, Jugendliche, alle Risikosettings

Abb. 21: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), Paardifferenzen, alle Risikosettings

Abb. 22: Gegenüberstellung der Stichprobenverläufe der m/w Teilstichprobe, alle Risikosettings

Abb. 23: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), mittlere Dist., alle Risikosettings

Abb. 24: Distanzwerte/Fragebogen, Jugendliche, gesundheitl. Risikodimension

Abb. 25: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), Paardifferenzen, gesundh. Risikodimension

Abb. 26: Gegenüberstellung der Stichprobenverläufe der m/w Teilstichprobe,
gesundh. Risikodimension

Abb. 27: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), mittlere Dist., gesundheitl. Risikodimension

Abb. 28: Distanzwerte/Fragebogen, Jugendliche, soz. Normenverstoß

Abb. 29: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), Paardifferenzen, soz. Normenverstoß

Abb. 30: Gegenüberstellung der Stichprobenverläufe der m/w Teilstichprobe, soz. Normenverstoß

Abb. 31: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), mittlere Dist., soz. Normenverstoß

Abb. 32: Distanzwerte/Fragebogen, Jugendliche, fin. Risikodimension

Abb. 33: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), Paardifferenzen, finanz. Risikodimension

Abb. 34: Gegenüberstellung der Stichprobenverläufe der m/w Teilstichprobe,
finanz. Risikodimension

Abb. 35: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), mittlere Dist., finanz. Risikodimension

Abb. 36: Distanzwerte/Fragebogen, Jugendliche, ökolg. Risikodimension

Abb. 37: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), Paardifferenzen, ökolog. Risikodimension

Abb. 38: Gegenüberstellung der Stichprobenverläufe der m/w Teilstichprobe,
ökolog. Risikodimension

Abb. 39: Darstellung der Spektren Jugendliche, gesamt (N=720), m (n=360),
w (n=360), mittlere Dist., ökolog. Risikodimension

Abb. 40: Männliche Einschätzung des Gefahrenpotentials je Risikosituation, hier: Æ Selbsteinschätzung/Fremdeinschätzung, aufsteigend gegliedert nach Æ SE

Abb. 41: Weibliche Einschätzung des Gefahrenpotentials je Risikosituation, hier: Æ Selbsteinschätzung/Fremdeinschätzung, aufsteigend gegliedert nach Æ SE

2. Tabellen

Tab. 1: Mutprobenausübung je Alter, Gesamt-N

Tab. 2: Auswertung der narrativen Interviews, hier: Mutprobentypen u. Eckparameter

Tab. 3: Auswertung der narrativen Interviews, hier: Motivlagen

Tab. 4: Mutprobenausübung je nach Alter und Geschlecht von der Grundgesamtheit

Tab. 5: Mutprobenausübung je nach Schulform und Geschlecht (n=1050)

Tab. 6: Häufigkeitsangaben der Mutprobenformen

Tab. 7: Mutprobenmerkmale nach Geschlecht („stimmt genau“)

Tab. 8: Mutprobenmerkmale je Mutprobentyp („stimmt genau“)

Tab. 9: Mutprobenmotive nach Geschlecht („stimmt genau“)

Tab. 10: Mutprobenmotive je Mutprobentyp („stimmt genau“)

Tab. 11: Bevölkerungsentwicklung (Gesamtbevölkerung zu Kinder und Jugendliche)

Tab. 12: Unfallbedingte Sterbefälle 2003 nach Unfallkategorien, Altersgruppen und Geschlecht

Tab. 13: Stichprobenverteilung nach Alter (Jugendliche)

Tab. 14: Stichprobenverteilung nach Risikoerfahrung (Jugendliche)

Tab. 15 Stichprobenverteilung nach Schulformen (Erwachsene)

Tab. 16: Stichprobenverteilung nach Alterssegmenten (Erwachsene)

Tab. 17: Stichprobenverteilung nach Risikoerfahrung (Erwachsene)

Tab. 18: Produkt-Moment-Korrelation ÆSE/ÆFE, Jugendliche, alle Risikosettings
(N=720)

Tab. 19: Produkt-Moment-Korrelation ÆSE/ÆFE, Schülerinnen, 13-14 J., soz. Normenverstoß (n=120)

Tab. 20: Produkt-Moment-Korrelation ÆSE/ÆFE, Erwachsene, alle Risikosettings
(n=120)

Tab. 21: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, alle Risikosettings

Tab. 22: t-Test Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung, alle Risikosettings

Tab. 23: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, m/w, alle Risikosettings

Tab. 24: t-Test, Jugendliche, m/w, Selbst-/Fremdeinschätzung, alle Risikosettings

Tab. 25: t-Test Jugendliche, Selbsteinschätzung, m vs. w, alle Risikosettings

Tab. 26: t-Test Jugendliche, Fremdeinschätzung, m vs. w, alle Risikosettings

Tab. 27: Verteilung der Differenzen/Alterssegment, mittlere Dist., Jugendliche, m/w,
alle Risikosettings, in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 28: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w,
diff. nach Alterssegmenten, alle Risikosettings

Tab. 29: Verteilung der Differenzen/Schulform, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, alle Risikosettings, in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe (jeweils n=360)

Tab. 30: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, differenziert nach Schulformen, alle Risikosettings

Tab. 31: Verteilung der Differenzen/Risikopraxis, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, alle Risikosettings, in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe (jeweils n=360)

Tab. 32: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, diff. nach Risikopraxis,
alle Risikosettings

Tab. 33: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, alle Risikosettings

Tab. 34: t-Test Erwachsene, Selbst-/Fremdeinschätzung, alle Risikosettings

Tab. 35: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, m/w, alle Risikosettings

Tab. 36: t-Test Erwachsene Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, alle Risikosettings

Tab. 37: t-Test Erwachsene, m/w, Selbsteinschätzung, alle Risikosettings

Tab. 38: t-Test Erwachsene, m/w, Fremdeinschätzung, alle Risikosettings

Tab. 39: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, Jugendliche, m (n=360), alle Risikosettings, in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe,
m (n=60)

Tab. 40: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, w (n=360), alle Risikosettings,
in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe, w (n=60)

Tab. 41: Differenzierung nach Alterssegmenten im Bereich der extremen SÜ/SU,
alle Risikosettings

Tab. 42: Differenzierung nach Schulformen im Bereich der extremen SÜ/SU, alle Risikosettings

Tab. 43: Differenzierung nach Risikopraxis im Bereich der extremen SÜ/SU, alle Risikosettings

Tab. 44: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, gesundheitl. Risikodim

Tab. 45: t-Test Mittelwerte Selbst-/Fremdeinschätzung, Jugendliche, gesundheitl. Risikodim

Tab. 46: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, m/w, gesundheitl. Risikodim

Tab.47: t-Test Mittelwerte Selbst-/Fremdeinschätzung, Jugendliche m, gesundheitl. Risikodim

Tab.48: t-Test Mittelwerte Selbst-/Fremdeinschätzung, Jugendliche w, gesundheitl. Risikodim

Tab. 49: t-Test Jugendliche, Selbsteinschätzung, m vs. w, gesundheitl. Risikodim

Tab. 50: t-Test Jugendliche, Fremdeinschätzung, m vs. w, gesundheitl. Risikodim

Tab.51: Verteilung der Differenzen/Alterssegment, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, gesundheitl. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe (jeweils n=360)

Tab.52: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w,
diff. nach Alterssegmenten, gesundh. Risikodim

Tab. 53: Verteilung der Differenzen/Schulform, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, gesundheitl. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 54: : t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, differenziert nach Schulformen, gesundheitl. Risikodim

Tab. 55: Verteilung der Differenzen/Risikopraxis, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, gesundheitl. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 56: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, diff. nach Risikopraxis, gesundheitl. Risikodim

Tab. 57: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, gesundheitl. Risikodim

Tab. 58 t-Test Erwachsene, Selbst-/Fremdeinschätzung, gesundheitl. Risikodim

Tab. 59: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, m/w, alle Risikosettings, gesundheitl. Risikodim

Tab. 60: t-Test Erwachsene Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, gesundheitl. Risikodim

Tab. 61: t-Test Erwachsene, m/w, Selbsteinschätzung, gesundheitl. Risikodim

Tab. 62: t-Test Erwachsene, m/w, Fremdeinschätzung, gesundheitl. Risikodim

Tab. 63: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, Jugendliche, m (n=360),
gesundheitl. Risikodim., in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe, m (n=60)

Tab. 64: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, w (n=360), gesundh. Risikodim.,
in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe, w (n=60)

Tab. 65: Differenzierung nach Alterssegmenten im Bereich der extremen SÜ/SU, gesundheitl. Risikodim

Tab. 66: Differenzierung nach Schulformen im Bereich der extremen SÜ/SU,
gesundheitl. Risikodim

Tab. 67: Differenzierung nach Risikopraxis im Bereich der extremen SÜ/SU,
gesundheitl. Risikodim

Tab.68: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, soz. Normenverstoß

Tab. 69: t-Test Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung, soz. Normenverstoß

Tab. 70: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, m/w, soz. Normenverstoß

Tab. 71: t-Test, Jugendliche, m/w, Selbst-/Fremdeinschätzung, soz. Normenverstoß

Tab. 72: t-Test Jugendliche, Selbsteinschätzung, m vs. w, soz. Normenverstoß

Tab. 73: t-Test Jugendliche, Fremdeinschätzung, m vs. w, soz. Normenverstoß

Tab. 74: Verteilung der Differenzen/Alterssegment, mittlere Dist., Jugendliche, m/w,
soz. Normenverstoß, in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 75: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w,
diff. nach Alterssegmenten, soz. Normenverstoß

Tab. 76: Verteilung der Differenzen/Schulform, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, soz. Normenverstoß, in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe (jeweils n=360)

Tab. 77: : t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, differenziert nach Schulformen, soz. Normenverstoß

Tab. 78: Verteilung der Differenzen/Risikopraxis, mittlere Dist., Jugendliche, m/w,
soz. Normenverstoß, in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 79: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, diff. nach Risikopraxis,
soz. Normenverstoß

Tab. 80: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, soz. Normenverstoß

Tab. 81: t-Test Erwachsene, Selbst-/Fremdeinschätzung, soz. Normenverstoß

Tab. 82: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, m/w, alle Risikosettings, soz. Normenverstoß

Tab. 83: t-Test Erwachsene Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, soz. Normenverstoß

Tab. 84: t-Test Erwachsene, m/w, Selbsteinschätzung, soz. Normenverstoß

Tab. 85: t-Test Erwachsene, m/w, Fremdeinschätzung, soz. Normenverstoß

Tab. 86: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, Jugendliche, m (n=360),
soz. Normenverstoß, in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-
Vergleichsgruppe, m (n=60)

Tab. 87: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, w (n=360), soz. Normenverst.,
in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe, w (n=60)

Tab. 88: Differenzierung nach Alterssegmenten im Bereich der extremen SÜ/SU,
soz. Normenverstoß

Tab. 89: Differenzierung nach Schulformen im Bereich der extremen SÜ/SU,
soz. Normenverstoß

Tab. 90: Differenzierung nach Risikopraxis im Bereich der extremen SÜ/SU,
soz. Normenverstoß

Tab.91: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, finanz. Risikodim

Tab. 92: t-Test Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung, finanz. Risikodim

Tab. 93: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche m/w, finanz. Risikodim

Tab. 94: t-Test, Jugendliche, m/w, Selbst-/Fremdeinschätzung, finanz. Risikodim

Tab. 95: t-Test Jugendliche, Selbsteinschätzung, m vs. w, finanz. Risikodim

Tab. 96: t-Test Jugendliche, Fremdeinschätzung, m vs. w, finanz. Risikodim

Tab. 97: Verteilung der Differenzen/Alterssegment, mittlere Dist., Jugendliche,
m/w, finanz. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe (jeweilsn=360)

Tab. 98 t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w,
diff. nach Alterssegmenten, finanz. Risikodim

Tab. 99: Verteilung der Differenzen/Schulform, mittlere Dist., Jugendliche, m/w,
finanz. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 100: : t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, differenziert nach Schulformen, finanz. Risikodim

Tab. 101: Verteilung der Differenzen/Risikopraxis, mittlere Dist., Jugendliche,
m/w, finanz. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 102: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w,
diff. nach Risikopraxis, finanz. Risikodim

Tab. 103: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere
Distanzen, Erwachsene, finanz. Risikodim

Tab. 104: t-Test Erwachsene, Selbst-/Fremdeinschätzung, finanz. Risikodim

Tab. 105: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere
Distanzen, Erwachsene, m/w, alle Risikosettings, finanz. Risikodim

Tab. 106: t-Test Erwachsene Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, finanz. Risikodim

Tab. 107: t-Test Erwachsene, m/w, Selbsteinschätzung, finanzielle Risikosettings

Tab. 108: t-Test Erwachsene, m/w, Fremdeinschätzung, finanzielle Risikosettings

Tab. 109: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, Jugendliche, m (n=360), finanz. Risikodim., in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe,
m (n=60)

Tab. 110: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, w (n=360), finanz. Risikodim.,
in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe, w (n=60)

Tab. 111: Differenzierung nach Alterssegmenten im Bereich der extremen SÜ/SU,
finanz. Risikodim

Tab. 112: Differenzierung nach Schulformen im Bereich der extremen SÜ/SU, finanz. Risikodim

Tab. 113: Differenzierung nach Risikopraxis im Bereich der extremen SÜ/SU, finanz. Risikodim

Tab.114: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche, ökolog. Risikodim

Tab. 115: t-Test Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung, ökolog. Risikodim

Tab. 116: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Jugendliche m/w, ökolog. Risikodim

Tab. 117: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung, m/w, ökolog. Risikodim

Tab. 118: t-Test Jugendliche, Selbsteinschätzung, m vs. w, ökolog. Risikodim

Tab. 119: t-Test Jugendliche, Fremdeinschätzung, m vs. w, ökolog. Risikodim

Tab. 120: Verteilung der Differenzen/Alterssegment, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, ökolog. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweilsn=360)

Tab. 121 t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w,
diff. nach Alterssegmenten, ökolog. Risikodim

Tab. 122: Verteilung der Differenzen/Schulform, mittlere Dist., Jugendliche, m/w,
ökolog. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 123: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, differenziert nach Schulformen, ökolog. Risikodim

Tab. 124: Verteilung der Differenzen/Risikopraxis, mittlere Dist., Jugendliche, m/w, ökolog. Risikodim., in Klammern: Verteilung in m/w Stichprobe
(jeweils n=360)

Tab. 125: t-Test, Jugendliche, Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, diff. nach Risikopraxis, ökolog. Risikodim

Tab. 126: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, ökolog. Risikodim

Tab. 127: t-Test Erwachsene, Selbst-/Fremdeinschätzung, ökolog. Risikodim

Tab. 128: Verteilung der Differenzen, Anteile im Referenzintervall, mittlere Distanzen, Erwachsene, m/w, alle Risikosettings, ökolog. Risikodim

Tab. 129: t-Test Erwachsene Selbst-/Fremdeinschätzung m/w, ökolog. Risikodim

Tab. 130: t-Test Erwachsene, m/w, Selbsteinschätzung, ökolog. Risikodim

Tab. 131: t-Test Erwachsene, m/w, Fremdeinschätzung, ökolog. Risikodim

Tab. 132: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, Jugendliche, m (n=360), ökolog. Risikodim., in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe,
m (n=60)

Tab. 133: Übersicht Selbstüberschätzung/Segment, w (n=360), ökolog. Risikodim.,
in Klammern: Betrachtung der Erwachsenen-Vergleichsgruppe, w (n=60)

Tab. 134: Differenzierung nach Alterssegmenten im Bereich der extremen SÜ/SU,
ökolog. Risikodim

Tab. 135: Differenzierung nach Schulformen im Bereich der extremen SÜ/SU, ökolog. Risikodim

Tab. 136: Differenzierung nach Risikopraxis im Bereich der extremen SÜ/SU, ökolog. Risikodim

Tab. 137: Zusammenführung der t-Test Ergebnisse: alle Risikosettings, gesundh., soz., finanz. und ökolog. Risikodim

Tab. 138: Durchschnittliche Distanzen SÜ größer als SU je Teilsegment

Tab. 139: Darstellung der größten Anteilsvolumina extremer SÜ/SU je Risikodim

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Einleitung

1. Untersuchungsgegenstand

Gegenstand der vorliegenden quantitativ ausgerichteten Studie soll eine nähere Betrachtung einer in der wissenschaftlichen Rezeption als „jugendspezifisch“ beschriebenen Disposition zur Selbstüberschätzung sein.[1]

Von paradigmatischer Seite dienen insbesondere die Schulen der Entwicklungspsychologie und der Tiefenpsychologie als Bezugsrahmen. Berücksichtigung fanden die Angaben von 720 Schülern/-innen im Alter von 11 bis 16 Jahren (Vergleichsgruppe Erwachsene: n=120; Items je Fragebogen: 42).

Jugendspezifische Selbstüberschätzung

Die Phase des Jugendalters[2] birgt im Kanon der menschlichen Genese elementare physiologische, psychische und psycho-soziale Entwicklungsaufgaben und wird – nicht zuletzt aufgrund dessen – von zahlreichen Herausforderungen, Erfahrungen und Unwegsamkeiten begleitet (vgl. Brandtstädter 1985, S. 5 ff).[3]

Das Entwickeln des Selbst- und des Fremdbildes, das Suchen und Finden einer klaren Abgrenzung des Ichs vom Anderen oder – allgemeiner formuliert – die Genese einer stabilen und gesunden Persönlichkeit, gehören zu den wesentlichsten dieser Aufgaben.[4]

Die Zeit der Jugend wird zudem als eine Zeit des Übergangs[5] charakterisiert, als eine Zeit, in welcher der Jugendliche die geschützte, klar gegliederte Welt der Kindheit verlässt und sich mit einem uneindeutigen, komplexen Universum des Erwachsenseins konfrontiert sieht (vgl. Teen Assessment Project 2000, S. 171).[6]

Der Jugendliche erfährt und entdeckt für sich zahlreiche Veränderungsprozesse biologischer und psychischer Natur. Resultierend daraus, erlangt und erarbeitet er wertvolle neue körperliche, kognitive und soziale Handlungsoptionen und Handlungsimpulse, aus denen im Gegenzug spezifische, kontextabhängige Anforderungen erwachsen, die einer gehaltvollen Auseinandersetzung und Abarbeitung im Rahmen der Herausbildung der Persönlichkeit bedürfen (vgl. Fend 2003, S. 210).

Dass derartige Entwicklungsleistungen und -herausforderungen nicht zwangsläufig unproblematisch verlaufen, scheint evident zu sein.

Insbesondere die Begriffe des „Risikoverhaltens“ und der „Selbstüberschätzung“ werden häufig miteinander in Bezug gesetzt und als jugendspezifisch beschrieben (vgl. Berger 1998, S. 416 f).[7]

Jugendliche überschätzen sich und ihre Fähigkeiten offenbar, scheinen zu einer überhöhten Selbstsicht zu neigen, die bis zu einer Ausblendung der konkret realen Gefahrensituation führen kann, und begeben sich, u.a. auch dadurch bedingt, häufiger in riskante Situationen. In der Regel verlaufen diese, vielfach als Mutproben gestalteten Aktivitäten, ohne weitere Folgen für die Jugendlichen und geben ihnen die Möglichkeit, eigene Grenzen auszuloten und – damit einhergehend – ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen.

Mitunter werden sie jedoch Opfer dieser Dynamik und gefährden sich und andere nachhaltig. Dabei sind die negativen Konsequenzen, die aus risikobezogenen Handlungsweisen resultieren können, nicht ausschließlich auf eine gesundheitliche Dimension limitiert, es lassen sich ebenso Facetten finanzieller, sozialer und ökologischer Risiken finden: „Adolescents are statistically over-represented in almost every category of risk-taking behavior” (Greene et al. 2000, S. 439).[8]

Als eine Ursache für diese offenbar jugendtypische Attitüde aus Risikoverhalten und Selbstüberschätzung wird das Phänomen des so genannten „jugendspezifischen Egozentrismus“ angeführt.

Das entwicklungspsychologisch getriebene Grundtheorem

Der amerikanische Entwicklungspsychologe David Elkind beschäftigt sich seit Ende der 1960er Jahre in zahlreichen Publikationen grundlegend mit dieser Symptomatik.

Fußend auf den Thesen der Entwicklungspsychologie Jean Piagets und bezogen auf das Phänomen des jugendspezifischen Egozentrismus, schildert Elkind die Adoleszenz als eine Phase, in welcher der Jugendliche erstmalig über sein eigenes und das Denken anderer reflektieren kann und somit lernt, die Perspektive anderer zu übernehmen („reflective self“), aufgrund mangelnder Erfahrung in diesem Bereich jedoch zu typischen egozentristischen Fehlern neigt: „For the first time, the adolescent can think about his or her own thinking and about the thinking of others. But the adolescent’s lack of experience in reflective thinking leads him or her into some characteristic egocentric errors” (Elkind 1978, S. 120).

Dieses Spannungsverhältnis, in dem der/die Jugendliche einerseits über hinzugewonnene Ressourcen verfügen kann, andererseits jedoch noch nicht die notwendigen Kompetenzen besitzt, um diese kognitive Erweiterung in der Interaktion mit der Realität angemessen dosieren und steuern zu können, wird nun in der Tradition der Entwicklungspsychologie als Katalysator des jugendspezifischen Egozentrismus beschrieben.

Zentrale Termini sind:[9]

(1) Die „Imaginary Audience“ (IA):

Jugendliche wähnen sich fortwährend auf einer imaginären Bühne, fühlen sich den – zumeist als kritisch empfundenen – Blicken eines für sie realen Publikums ausgesetzt und erliegen dem Eindruck, sie befänden sich in einem permanenten Beurteilungsprozess.

(2) Die „Personal Fable“ (PF):

Jugendliche sehen sich als Hauptakteure ihres eigenen, für sie realen Märchens, ihrer eigenen Saga, in der sie sich zur Bewältigung besondere Aufgaben berufen fühlen und dazu von einer (transzendentalen) übergeordneten Instanz auserwählt wurden. Charakteristisch für diese Attitüde sind Gefühle der Omnipotenz, Einzigartigkeit und Unverletzbarkeit.

(3) Die später der wissenschaftlichen Rezeption hinzugefügte „Invincibility Fable“ (IF):

Jugendliche nehmen sich als unverletzbar wahr. Konkrete Gefahrenlagen mit einhergehenden negativen Konsequenzen ergeben sich immer nur für „die Anderen“.

In seinem Ende der 1960er Jahre erschienenen Aufsatz „Egocentrism in Adolescence“ benennt und entwickelt Elkind (1967) die Konstrukte der Imaginary Audience und der Personal Fable erstmalig, überführt diese in den wissenschaftlichen Diskurs und stellt so Erklärungsansätze für verschiedene egozentristische und riskante Verhaltensweisen in der Phase der Adoleszenz zur Verfügung. Insbesondere das Phänomen einer jugendspezifischen Tendenz, sich in potentiell risikobehafteten Situationen selbst zu überschätzen, wird an dieser Stelle besprochen.

Noch heute verweisen zahlreiche Aufsätze auf die von Elkind identifizierten Symptomatiken und Grundannahmen.[10]

Das tiefenpsychologisch getriebene Grundtheorem

Im tiefenpsychologischen Paradigma findet die oben beschriebene Symptomatik in den für die Adoleszenz als typisch eingestuften narzisstischen Verhaltensweisen durchaus seine Entsprechung. Die Zeit der Adoleszenz wird ebenso als umwälzender – potentiell problematischer – Entwicklungsschritt beschrieben, der Ängste und Irritationen freilegt und neue Spielräume und Chancen eröffnet. Insbesondere der irreversiblen Loslösung aus der Geborgenheit und Ordnung der kindlichen Gedanken- und Empfindungswelt wird hier eine massive Bedeutung zuteil. „Die Endgültigkeit dieses inneren Bruchs mit der Vergangenheit erschüttert das Gefühlsleben des Heranwachsenden bis ins Mark. Aber gleichzeitig eröffnet er ihm neue Horizonte, erweckt Hoffnung und bereitet Angst“ (Blos 1978, S. 105).

Ohne sich der oben verwandten entwicklungspsychologischen Terminologie – Personal Fable und Imaginary Audience – zu bedienen, finden sich die für die Adoleszenz als typisch beschriebenen Verhaltensweisen ebenso in der tiefenpsychologischen Schule wieder: Jugendliche fühlen sich, bedingt durch die für diese Entwicklungsphase typischen narzisstisch verzerrten Überhöhung ihres Größenselbsts, zu Besonderem „auserwählt“ und anderen überlegen, – neigen allgemein zu Egozentrizität und Selbstbezogenheit (vgl. Blos 1978, S. 107).

Blos (1978) pointiert:

„Das narzißtische Stadium ist nicht nur eine Verzögerungs- und Aufhalteaktion, bewirkt durch das Widerstreben, endgültig auf die frühen Liebesobjekte zu verzichten, sondern – ganz im Gegenteil –, stellt es auch ein positives Stadium im Loslösungsprozeß dar. Während die Eltern vorher überschätzt, mit Ehrfurcht angesehen und nicht realistisch eingeschätzt wurden, werden sie jetzt unterschätzt und in den schäbigen Dimensionen eines gefallenen Idols gesehen. Die narzißtische Selbstaufblähung zeigt sich in der Arroganz und Rebellion des Heranwachsenden, in seinem Widerstand gegen Gesetze und seiner Mißachtung der elterlichen Autorität“ (Blos 1978, S. 109).

Die Mechanismen, die beide Schulen hinter diesen jugendspezifischen Handlungs- und Denkweisen vermuten, werden erwartungsgemäß aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Jenseits dieser differenten paradigmatischen Sichtweisen postulieren jedoch sowohl die entwicklungspsychologische als auch die psychoanalytische Schule die Annahme jugendtypischer, egozentristischer Wahrnehmungsschemata und werden daher, als theoretische Bezugsebenen für die vorliegende Untersuchung gewählt.[11]

Nachdem das forschungsleitende Interesse dieser Arbeit einleitend umrissen wurde, soll die dieser Arbeit zugrunde liegende Hypothese besprochen und der aktuelle Stand der Forschung näher beschrieben werden (Kapitel A 3).

Daran anknüpfend wird in den Kapiteln B 1 und B 2 das themenrelevante Umfeld durch die Betrachtung der Begriffe „Jugendalter“ und „Risikoverhalten“ und ihrer kontextuellen Hintergründe näher bestimmt. Neben einer allgemeinen Definition des Jugendalters, der Bestimmung seiner sozialgeschichtlichen Wurzeln und der Besprechung verschiedener Spezifika der Status- und Entwicklungsphase „Jugend“ werden Schwerpunkte u.a. im Bereich der Motivlagen von risikobezogenen Verhaltensweisen und Geschlechterdifferenzen gesetzt und aktuelles empirisches Datenmaterial zu den Folgen riskanten Verhaltens zur Verfügung gestellt.

Im Anschluss daran werden jene Passagen aus den Paradigmen der Entwicklungs- und Tiefenpsychologie vorgestellt, die eine jugendspezifische Disposition zur Selbstüberschätzung postulieren. Dabei wird Rückgriff auf die klassischen und grundlegenden Texte genommen, die auch heute noch in der allgemeinen fachlichen Rezeption zur Beschreibung der hier zu behandelnden Symptomatik herangezogen werden. Arbeiten von Piaget und Elkind, die von der entwicklungspsychologischen Warte heraus argumentieren, werden hier ebenso besprochen wie Aufsätze von Freud und Blos, welche die initialisierende tiefenpsychologische Herleitung repräsentieren (Kapitel B 3).

Nach der Präsentation des bearbeiteten Datenmaterials und der Herausarbeitung der zentralen Erkenntnisse in Kapitel C, werden diese dann in Kapitel D dem Prozess der Interpretation zugeführt. An dieser Stelle werden – auf Basis der oben erwähnten klassischen Theoreme – zuvorderst neuere Arbeiten und interpretative Zugänge zu Rate gezogen.

Den Abschluss bilden die kritische Betrachtung des Untersuchungsdesigns und die Vorstellung von Ansätzen, welche eventuelle Gefährdungslagen, die aus selbstüberschätzenden Verhaltenmuster resultieren, präventiv oder intervenierend entgegenwirken können (Kapitel E und F).

2. Fragestellung und Hypothese

Ausgehend von der prinzipiellen Annahme, dass Jugendliche tatsächlich dazu neigen, sich selbst im Vergleich zu anderen als einzigartig und unverwundbar – unter Umständen mit besonderen, omnipotenten Fähigkeiten oder schicksalhafter Fortune gesegnet – zu sehen, soll nun überprüft werden, inwieweit dies im Kontext des jugendspezifischen Risikoverhaltens nachgewiesen werden kann.

Ein solches Unterfangen muss jedoch auf eine realistische, hinreichend konturierbare Untersuchungsebene gerichtet sein, um eine gewisse Trennschärfe erreichen zu können. Konkret auf diese Ebene herunter gebrochen, wird der Frage nachgegangen, ob und wie intensiv Jugendliche das Gefahrenpotential ein und derselben riskanten Verhaltensweise für sich selbst eher unter schätzen, diese Gefahrenlage für ihre (gleichgeschlechtlichen[12] ) Freundinnen/Freunde im Vergleich dazu jedoch eher über schätzen.

Ferner wird untersucht, ob und wie stark eine von den Versuchspersonen gelebte Praxis des Umgangs mit riskanten Verhaltensweisen (hier: die Häufigkeit, mit der die Jugendlichen Riskantes unternehmen/unternommen haben) mit der vermuteten Tendenz der Selbstüberschätzung respektive mit einem unter Umständen gegenläufigen Untersuchungsergebnis korreliert und inwieweit andere Faktoren wie das Alter, die besuchte Schulform und das Geschlecht Einfluss auf diese Attitüde haben.

Zudem wird das Datenmaterial innerhalb der vier Risikodimensionen[13]

(1) gesundheitliches Risiko,
(2) sozialer Normenverstoß,
(3) finanzielles und
(4) ökologisches Risiko

getrennt untersucht, um mögliche differente Wahrnehmungsgrade des Risikopotentials in diesen verschiedenen Perspektiven herausarbeiten zu können.

In diesem Zusammenhang: Bereits zu Beginn der konzeptionellen Phase des Untersuchungsdesigns wurde die Entscheidung getroffen, dass das Phänomen „Egozentrismus / Selbstüberschätzung“ in der Relation – oder besser noch – im Maß der Abgrenzung von einem Gegenüber gemessen werden soll. Eine Relativierung mit dem jeweils Anderen – dem Freund oder der Freundin – innerhalb eines auf diese Weise generierten individuellen Referenzsystems ermöglicht an diesem Punkt einen empirisch-quantitativen Zugang, eine Visualisierung der hier zu analysierenden personalen Dispositionen.

Die dieser Arbeit zugrunde liegende forschungsleitende Hypothese kann nun wie folgt zusammengefasst werden:

Jugendliche der betrachteten Grundgesamtheit neigen bei der Einschätzung riskanter Situationen tendenziell zur Selbstüberschätzung, d.h. sie untersc hätzen das Gefahrenpotential riskanter Situationen für sich selbst und über schätzen es für ihre Peers.

Eine weitergehende Differenzierung nach Alter, Geschlecht, besuchter Schulform und Risikopraxis lässt eine detailliertere Verortung dieser Tendenz zu.

3. Stand der Forschung

Zu Beginn dieses Abschnittes muss konstatiert werden, dass Forschungsarbeiten, die eine unmittelbare Gegenüberstellung „Selbsteinschätzung“ vs. „Fremdeinschätzung“[14] im Bezugsrahmen riskanter Verhaltensweisen liefern und diese Thematik zudem aus der Perspektive des jugendspezifischen Egozentrismus/Narzissmus beleuchten, nicht identifiziert werden konnten.

Dennoch sollen nachfolgend Erkenntnisse dargelegt werden, die sich thematisch in der Nähe des vorliegenden Untersuchungsgegenstands bewegen, einen Querschnitt des mittelbaren themenspezifischen und methodischen Forschungsstandes aufzeigen und Einsichten vermitteln, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit einen interpretativen Zugang zu den extrahierten Forschungsergebnissen gewähren. So werden Erkenntnisse aus den Spannungsfeldern

- „Jugendspezifischer Egozentrismus“,
- „Risikoeinschätzungen/-abwägungen“ und
- „Risikobezogene Handlungen/Mutproben“

ebenso auf der Folie der vorliegenden Forschungsarbeit betrachtet wie Ansätze, die neue standardisierbare Erhebungsverfahren vorschlagen.

Eine direkte Gegenüberstellung der hier vorgestellten Erkenntnisse verbietet sich dagegen aufgrund der differenten forschungsleitenden Interessen und der berücksichtigten Analysedimensionen.

Zudem fehlen m.E. Messverfahren, die zur Verortung egozentristischer Tendenzen einen Abgleich mit nahen sozialen Bezugsgruppen explizit fordern oder herausarbeiten. Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes dient die exemplarische Sicht auf zwei der vornehmlich verwandten Evaluierungsinstrumente, der New-Personal-Fable-Scale (NPFS) und der Adolescent-Egocentrism-Scale (AES). Typische Fragebogen-Items sind hier:[15]

- „It is easy for me to take risks because I never get hurt.” (NPFS, Invulnerability Sub-Scale)
- „I believe that I can do anything I set my mind to.” (NFPS, Omnipotence Sub-Scale)
- „Accepting the fact that others don’t know what it’s like being me.” (AES)

Ein Perspektivwechsel ist nur bedingt erforderlich, die Fokussierung auf die eigene Person wird vorweggenommen („ I never get hurt“, „ I believe“, „ I can do“, „ I set my mind to“ usf.), die Einbeziehung eines extrapersonalen Referenzsystems, das sich durch ein konkretes, greifbares Gegenüber konstituieren ließe, bleibt aus.

Ein Anliegen dieser Forschungsarbeit ist es hingegen, Jugendliche und Erwachsene unmittelbar um eine Risikoeinschätzung für sich selbst und für eine Freundin bzw. einen Freund zu bitten, mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit des Teilnehmers bzw. der Teilnehmerin sowohl auf die eigene als auch auf eine näher spezifizierte und imaginierte andere Person zu lenken.[16] – Die nachfolgende Darstellung des aktuellen Forschungsstandes und ein späterer Abgleich mit den durch das spezifische Untersuchungsdesign geprägten Analyseergebnissen ist somit immer auch unter dieser Prämisse zu betrachten und zu werten.

Am Ende dieses Kapitels findet sich ein komprimierter Abriss der im Folgenden ausführlicher dargelegten Studien und Erkenntnisse. Ebenso sollen themenrelevante Teilergebnisse von Studien Berücksichtigung finden, die – in ihrer Gesamtheit betrachtet – nur wenig Berührungspunkte zum vorliegenden Untersuchungsgegenstand aufweisen und daher im Rahmen dieser Arbeit nicht weitergehend expliziert werden.

Enright/Shukla/Lapsley (1980): Adolescent egocentrism-sociocentrism and self-consciousness

Ende der 1970er Jahre entwickeln Enright, Shukla und Lapsley (1980) die „Adolescent-Egocentrism-Sociocentrism-Scale“ (AES). Erklärtes Ziel war, ein standardisierbares Messinstrument zu designen, welches

(a) drei Symptomatiken des jugendspezifischen Egozentrismus (Personal Fable (PF), Imaginary Audience (IA) und Selbst Fokussierung (SF))[17],
(b) eine soziozentrische[18] Dimension und
(c) das Maß an non-sozialen Fokussierungen[19] zu operationalisieren vermag.

Die soziozentrische Dimension sollte „the adolescent’s focus on the world of politics, society, and government“ beschreiben, während die Betrachtung des non-sozialen Fokusses verwandt wurde, um abschätzen zu können „whether adolescents, as they progressively become more egocentric and then sociocentric, decline in their noninterpersonal or nonsocial focuses” (Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 102).

Insgesamt umfasst die AES 45 unterschiedliche Aussagen. Jeder der oben aufgeführten Hauptkategorien wurden jeweils 15 spezifische Aussagen zugewiesen. Jene 15 Aussagen, die auf die Dimension des jugensspezifischen Egozentrismus entfallen, verteilen sich gleichmäßig auf ihre drei Subskalen (PF, IA, SF). Jedes Item wird mit Hilfe einer fünfstelligen Likert Skala (1= nicht wichtig bis 5=sehr wichtig) einer Operationalisierung zugeführt (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 104).

Exemplarisch können für diese Dimensionen nachstehende Items angeführt werden (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 104):

- PF: „Accepting the fact that others don’t know what it’s like being me.“
- IA: „Being able to daydream about great successes and thinking of other people’s reactions.”
- SF: „Becoming real good at being able to think though my own thoughts.”
- Soziozentrische Dimension: „Knowing what society’s laws are.”
- Non-sozialer Fokus: „Watching televison.”

Im Rahmen einer vergleichsweise überschaubaren Studie wurde die AES einem ersten Praxistest unterzogen (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980). 220 Jugendliche aus dem mittleren Westen der USA – vornehmlich „weißer“ Hautfarbe und der Mittelschicht angehörig – bildeten die Stichprobe. Dieses Sample wurde nach Jahrgängen („sixth-, eighth-, tenth-, twelfth-grades“ und „college“) auf fünf gleich große Teilstichproben von je 22 weiblichen und 22 männlichen Jugendlichen verteilt, die Teilnahme war freiwillig. Die Jugendlichen erhielten im Vorfeld die Information, dass sie an einer wissenschaftlichen Untersuchung teilnehmen, die vor dem Hintergrund sozialer Thematiken Meinungsbilder und Erfahrungen von Jugendlichen evaluieren möchte.

Elkind sieht die Herausbildung des jugendspezifischen Egozentrismus untrennbar mit der Genese des jugendlichen Selbstbewusstseins verbunden.[20] Aus diesem Grund untersuchte das Autorenteam zusätzlich das jeweilig vorhandene Maß an Selbstbewusstsein, um ihre Egozentrismus-Subskala einer möglichen Validierung zuführen zu können. Die Dimension des Selbstbewusstseins wurde mit Hilfe der von Fenigstein et al. (1975) entworfenen „self-consciousness-scale“ erschlossen (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 104 f).[21]

Enright, Shukla und Lapsley formulierten nachstehende Ausgangshypothesen (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 103):

(1) Die Werte der Personal Fable werden mit zunehmenden Alter abnehmen.
(2) Die Werte der Imaginary Audience werden mit zunehmenden Alter abnehmen.
(3) Das Maß der Selbstfokussierung wird mit zunehmenden Alter ansteigen.
(4) Mit zunehmenden Alter wird ein steigendes Interesse an soziozentrischen Aktivitäten („sociocentric activities“) erwartet.
(5) Die Bedeutung von non-sozialen Aktivitäten („nonsocial activities“) wird mit zunehmenden Alter abnehmen.
(6) Die Intensität des Egozentrismus wird mit jener des jugendlichen Selbstbewusstseins positiv korrelieren. Es ist zu erwarten, dass sich diese Korrelation eher moderat als stark gestaltet, da beide Konstrukte nicht dieselben Aspekte der adoleszenten Persönlichkeit messen.
(7) Die Intensität des Selbstbewusstseins wird in keinem Bezug zum Interesse an soziozentrischen oder non-sozialen Aktivitäten stehen.

Mit Ausnahme der dritten Ausgangshypothese – das Maß an Selbstfokussierung wird mit zunehmenden Alter ansteigen – konnten alle Hypothesen bestätigt werden (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 105 ff):

- PF und IA nahmen mit zunehmenden Alter der Jugendlichen ab. Im Segment der weiblichen Jugendlichen zeigten sich diese Trends deutlicher als im männlichen Äquivalent.
- Das Interesse an soziozentrischen Aktivitäten stieg mit zunehmenden Alter an, das Interesse an non-sozialen Aktivitäten nahm hingegen ab. Geschlechterspezifische Zusammenhänge konnten nicht nachgewiesen werden.
- Die Entwicklung von Egozentrismus und Selbstbewusstsein korrelierten moderat positiv miteinander.
- Die Entwicklung von Selbstbewusstsein und das Interesse an soziozentrischen oder non-sozialen Aktivitäten standen in keinem Zusammenhang zueinander.

Die Diversifizierung der Untersuchungsergebnisse in drei Alterssegmente ließ zudem folgende Schlüsse zu (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 114):

- Frühe Adoleszenz: Sie ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Egozentrismus (PF, IA, SF), ein gesteigertes Interesse an non-sozialen Aktivitäten und schenken soziozentrischen Belangen ein nur geringes Maß an Aufmerksamkeit (Politik, gesellschaftliche Themen etc.).
- Mittlere Adoleszenz: Mit dem Erreichen der mittleren Adoleszenz nehmen die Werte in allen Bereichen der egozentristischen Subskalen und im Feld der non-sozialen Interessen ab. Soziozentrische Aktivitäten stehen noch immer nicht im Fokus der Aufmerksamkeit, Egozentrismus und non-soziale Verhaltensschemata nehmen weiterhin eine dominierende Rolle ein.
- Spätadoleszenz: Diese Phase scheint zum einen durch eine Abnahme der PF und der IA, zum anderen durch eine Zunahme der SF gekennzeichnet zu sein. Non-soziale Aktivitäten verlieren ihre Attraktivität, während das Interesse an soziozentrischen Bemühungen zunimmt.

Enright, Lapsley und Shukla schlagen für nachgelagerte Studien dezidiertere Betrachtungen soziodemografischer Faktoren vor. So könne die Evakuierung anderer sozialer Schichten oder die Analyse der Lebensumstände der Untersuchungsteilnehmer/-innen zu weiteren Erkenntnissen führen (vgl. Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 115).

Greene et al. (2000): Targeting adolescent risk-taking behaviors: the contributions of egocentrism and Sensation-Seeking

Ausgehend von einer Bestandsaufnahme von in den USA öffentlich unterstützten Aufklärungs- und Gesundheitskampagnen (health promotion messages), entwickeln Greene et al. (2000) ein paradigmenübergreifendes Forschungsdesign, welches Erkenntnisse aus den biosozialen (Sensation-Seeking-Theory), den lerntheoretischen und den entwicklungspsychologischen Schulen verbinden sollte. Im Fokus stand hier das Interesse, Zusammenhänge auf der Folie des Systemverbunds Egozentrismus/Risikoverhalten/Sensation-Seeking sichtbar zu machen.

Vornehmlich wurden die Theoreme des jugendspezifischen Egozentrismus, wie sie bei Piaget und Elkind zu finden sind[22], mit jenen des Sensation-Seeking -Ansatzes[23] im Bezugsrahmen verschiedener Risikosituationen nebeneinander gestellt und auf etwaige Interdependenzen hin untersucht.

Greene et al. (2000) begründen dieses paradigmenübergreifende Vorgehen mit einer Kritik an renommierten Gesundheitsprogrammen wie das DARE-program (Drug Abuse Resistance Education)[24] oder der Just Say No-Campagne, die ihrer Meinung nach zu kurz greifen, wenn sie lediglich auf eine Dimension eines mehrdimensionalen Bedingungsgefüges aufbauen. „Risk-taking behavior may be associated with cognitive-social immaturity, but previous health development efforts have largely ignored developmental aspects of adolescent information processing” (Greene et al. 2000, S. 439). Und weiter: „Knowledge and social skills may be necessary but not sufficient prerequisites for mature decision-making about risk-taking behaviour” (Greene et al. 2000, S. 440).

Um ihr Vorhaben umzusetzen, fanden hauptsächlich die u.a. von Zuckermann (1994) entwickelten Sensation-Seeking-Scales (SSS) und die durch Lapsley (1991) erarbeitete New-Personal-Fable-Scale (NPFS) Verwendung. Eine Einbindung der Skalen in das Forschungsdesign erfolgte mit Hilfe von inferenz-statistischen Instrumenten (primär t-Tests, Varianz- und Korrelationsanalysen). Items der SSS sind beispielsweise boredom susceptibility, disinhibition, experience Seeking oder das adventure seeking. Die NPFS sollte die Dimensionen der Personal Fable (Unverletzbarkeit, Omnipotenz, Einzigartigkeit) herausarbeiten.

Die Forscher befragten mit Hilfe eines Fragebogens Schüler/-innen (n=381) und Studenten/-innen (n=343) im Alter von 11 bis 18 bzw. 18 bis 25 Jahren bzgl. ihrer Erfahrungen mit verschiedenen risikobezogenen Verhaltensweisen (Sexualpraktiken, Alkoholkonsum, Rauchen, delinquentes Verhalten, Drogenkonsum etc.).

Unter anderem extrahierte das Autorenteam folgende Forschungsergebnisse (vgl. Greene et al. 2000, S. 450 ff):

(1) Signifikant positive Korrelationen konnten insbesondere in Bezug auf das Alter der Untersuchungsteilnehmer/-innen und einer Disposition zu risikobereiten Verhaltensweisen gezeigt werden. Insgesamt ist die Stärke dieser Zusammenhänge (jedoch) als moderat zu bezeichnen, alle Parameter bewegten sich in Bereichen kleiner 0,5:
a. delinquency (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,08)
b. smoking (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,15)
c. drug use (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,21)
d. drinking and drivin ( Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,33)
e. risky sexual behavior (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,35)
f. alcohol use (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,42)
g. risky drivin ( Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=0,44)

Zwischen dem Alter der Untersuchungsteilnehmer/-innen und der NPFS (Omnipotenz, Einzigartigkeit, Unverletzbarkeit) gab es keine signifikanten Zusammenhänge (vgl. Greene et al. 2000, S. 451).

(2) Untersuchungsteilnehmer/-innen, denen im heimischen Umfeld Enzyklopädien zur Verfügung standen, konnten im Gegensatz zu Jugendlichen, die keinen unmittelbaren Zugang zu entsprechender Literatur hatten, in folgenden Bereichen auf einem signifikant niedrigeren Niveau eingestuft werden:[25]
a. sensation-seeking disinhibition
b. risk-taking personality
c. drinking
d. drinking and driving
e. delinquency
f. drug use

Erneut waren keine signifikanten Korrelationen mit den evaluierten Werten aus der NPFS zu dokumentieren (vgl. Greene et al. 2000, S. 450).

(3) Greene et al. (2000) ermitteln einen „durchschnittlichen Bildungsgrad“ der Eltern, indem sie ihre höchsten bildungsrelevanten Abschlüsse (Schulabschluss, akademische Grade usf.) mit Hilfe von Likert-Skalen operationalisieren und den Mittelwert aus den beiden Werten von Vater und Mutter ermitteln. Sie gewinnen folgende Erkenntnisse: Je höher der Bildungsgrad der Eltern war, desto höher war die Disposition zum Thrill and Adventure Seeking (TAS), zum Trinken und zum Glauben an seine eigene Unverletzbarkeit (Subkategorie der NPFS) und desto niedriger die Disposition zum risky sexual behavior. Allerdings mussten diese Aussagen sehr zurückhaltend bemessen werden: „Results indicate the associations are relatively small in size, none greater than 0,12, and should be interpreted with caution“ (Greene et al. 2000, S. 450). Und weiter: “It is interesting to note the lack of consistent findings, as some might argue that more parental education is associated with lower risk-taking by the child, largely not the case in these data” (Greene et al. 2000, S. 450).

(4) Für folgende Items zeigten sich signifikante Korrelationen zwischen Sensation-Seeking und Personal Fable:
a. risky sexual behavior,
b. delinquency,
c. drug use,
d. alcohol use

In den Bereichen drinking and driving, smoking und risky driving war dies nicht der Fall (vgl. Greene et al. 2000, S. 453 ff).

(5) Die Betrachtung der nach Geschlechter differenzierten Stichprobe wies deutliche Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Einschätzungen aus: „Males reported more Sensation-Seeking, egocentrism, risk-taking personality and risk-taking behavior compared with females“ (Greene et al. 2000, S. 450). Einzige Ausnahme bildete der Bereich der Einzigartigkeit, hier konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern angeführt werden, „which could easily be explained by error“ (Greene et al. 2000, S. 450).

Abschließend stellen Greene et al. (2000) fest:

„This study .. found that Sensation-Seeking and egocentrism both contribute to adolescents' tendencies to participate in various types of risky behaviors. Future research might attempt to examine further this complex relationship and employ a longitudinal design to further explore these developmental phenomena” (Greene et al. 2000, S. 458).

Gullone et al. (2000): The Adolescent Risk-Taking Questionnaire: Development and psychometric evaluation

Das „Adolescent Risk-Taking Questionnaire“ (ARQ) wurde Ende der 1990er Jahre von Gullone et al. (2000) mit dem Ziel entwickelt, möglichst umfassend und kontextnah psychometrische Daten zu erheben, die, nach entsprechender Analyse, Aussagen über strukturelle Zusammenhänge auf dem Feld des jugendspezifischen Risikoverhaltens zulassen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 231).

Nach Ansicht des Autorenteams war die Generierung eines solchen Konzeptes aufgrund von Defiziten in der fachlichen Rezeption und zu kurz greifender empirischer Arbeiten angezeigt (vgl. Gullone et al. 2000, S. 233 ff):

- „Different definitions and conceptualizations about what constitutes risk-taking and what underlies it have resulted in a literature that has little commonality, particulary with regard to assessment techniques and instruments” (Gullone et al. 2000, S. 233).
- Und weiter: „Several limitations are evident, including the fact that procedures implemented for developing the instruments have been far from optimal“ (Gullone et al. 2000, S. 234). So sei das Gros der zur Verfügung stehenden Arbeiten von jenen Ansätzen dominiert, die nur eine begrenzte Anzahl von Risikosituationen thematisieren, ausschließlich spezifische Themenfelder fokussierten oder eine zu geringe Anzahl von Alterssegmenten betrachteten (vgl. Gullone et al. 2000, S. 234).
- Dadurch bedingt sei nur wenig über die strukturellen Bedingtheiten von Risikoverhalten bekannt. Die Bestimmung dieser Strukturen wäre jedoch wichtig, da vorliegende Daten darauf hinwiesen, dass verschiedene riskante Verhaltensweisen mit anderen in kausalen Abhängigkeiten zu einander stünden. „Thus, determining the structure of risk will enable the investigation of mechanisms and processes underlying related risk behaviors” (Gullone et al. 2000, S. 233).

Im Wesentlichen setzt sich das ARQ aus zwei Hauptsegmenten zusammen, denen jeweils das gleiche Set von Risikosituationen zugrunde liegt (vgl. Gullone et al. 2000, S. 235 f):

(1) Das erste Segment beleuchtet die Ebene der Wahrnehmung von Risikosituationen („Perception“). Die Untersuchungsteilnehmer/-innen werden an dieser Stelle nach ihren Einschätzungen in Bezug auf das Gefahrenpotential verschiedener riskanter Situationen befragt.
(2) Im zweiten Teilbereich wird die Ebene der Risikopraxis, der Häufigkeit des tatsächlichen Verhaltens („Behavior“) in den Vordergrund gerückt.

In beiden Abschnitten werden die Angaben der Untersuchungsteilnehmer/-innen mit Hilfe von fünfstelligen Likert-Skalen gemessen. Im Bereich der Risikowahrnehmung reicht das Spektrum von „0 – not at all risky“ bis „4 – extremely risky“, das Spektrum auf der Ebene des Verhaltens wird durch die Parameter „0 – never“ und „4 – very often“ begrenzt (vgl. Gullone et al. 2000, S. 236).

Zwei der oben angerissenen Kritikpunkte bezogen sich auf die geringe Anzahl verschiedenartiger Risikosituationen. Daher:

„In developing the instrument .., we strived to ensure that it was a comprehensive measure of adolescent risk taking. In addition, we attempted to devise a measure that constituted an accurate reflection of adolescent notions of risk-taking behaviour” (Gullone et al. 2000, S. 236).

Dieser Anspruch hatte zur Folge, dass Gullone et al. (2000) exklusiv Risikosituationen berücksichtigten, die von Jugendlichen selbst als riskant benannt worden sind. Dabei greift das Forscherteam auf Daten zurück, die im Rahmen einer älteren Studie evaluiert werden konnten[26]:

570 Schüler und Schülerinnen (291 Jungen und 279 Mädchen) im Alter von 12 bis 17 Jahren, sollten bis zu vier Verhaltensweisen assoziativ benennen, die ihrer Meinung nach als „riskant“ eingestuft werden können. Die Stichprobe wurde an verschiedenen Schulen Melbournes (Australien) mit der Maßgabe rekrutiert, ein möglichst ausgewogenes Feld an sozioökonomischen Milieus (Arbeiter-/Mittelschicht) abzudecken (vgl. Gullone et al. 2000, S. 236).[27]

Die aus dieser Erhebung resultierenden, mehr als 2.000 unterschiedlichen Nennungen wurden im Nachgang so konsolidiert, dass

(1) jene Einschätzungen, die inhaltlich weitgehend einander entsprachen, zu einem Szenario zusammengefasst wurden und
(2) lediglich jene Verhaltensweisen Berücksichtigung fanden, die von mindestens fünf Jugendlichen beschrieben wurden.

Auf diese Weise konnten 77 exponierte Verhaltensweisen extrahiert werden, welche die Basis des ARQ stellen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 236).

Im Zuge der Untersuchung erhielten 925 Schüler/-innen das ARQ zur Bearbeitung. Die Geschlechterverteilung gestaltete sich ausgewogen, der Altersdurchschnitt lag bei 14,5 Jahre.

Eine Diversifikation der Stichprobe erfolgte nach Geschlecht und nach Alterssegmenten. So war die Gruppe der jüngeren Adoleszenten und Adoleszentinnen (zwischen 11- bis 14 Jahre) mit 450 Teilnehmer/-innen vertreten – hier wies das Sample der männlichen Jugendlichen einen leichten Überhang auf –, die Teilstichprobe der älteren Schüler/-innen (15-18 J.) lag bei 472 – hier war ein leichter weiblicher Überhang zu verzeichnen. Von drei Jugendlichen lagen keine Altersangaben vor.[28]

Die Datenerhebung fand in den jeweiligen Klassenverbänden statt, im Rahmen der Briefings wurde regelmäßig auf den anonymen, wertfreien und freiwilligen Charakter der Untersuchung hingewiesen. Begleitet wurde die Datenerhebung von jeweils zwei Psychologen und punktuell von den Klassenlehrern. Fragen wurden jederzeit beantwortet, das Bearbeiten der Fragebögen sollte in Einzelarbeit erfolgen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 236 f).

Die Analyse des vorliegenden Datenmaterials ermöglichte eine Gruppierung der konsolidierten Risikosettings in vier Risikodimensionen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 238):

(1) Kick-suchende Verhaltensweisen („thrill Seeking behaviors“) – hierunter versammelten sich Szenarien wie Fallschirmspringen, Inlinerfahren, die Teilnahme an einem Wettbewerb oder Skifahren.
(2) Rebellische Verhaltensweisen („rebellious behaviors“) – z.B. Rauchen, betrunken sein, Drogenkonsum, zu spät nach Hause kommen.
(3) Rücksichtslose Verhaltensweisen (reckless behaviors“) – z.B. Autos stehlen und zum Spaß damit fahren, ungeschützten Sex haben, schnelles fahren, ohne Führerschein fahren.
(4) Antisoziale Verhaltensweisen („antisocial behaviors“) – z.B. Personen ärgern oder verulken, Betrügereien, sich überessen.

Weitere Analyseergebnisse:

- In der Dimension der kick-suchenden Verhaltensweisen korrelierte die Ebene der individuellen Einschätzungen riskanter Situationen mit jener der vorhandenen Risikopraxis positiv, d.h. je häufiger sich Jugendliche riskanten, „kickenden“ Situationen stellten, desto höher schätzten sie das Gefahrenpotential etwaiger Risikosituationen ein. Die Stärke des analysierten Zusammenhangs siedelt sich hier im moderaten bis oberen Bereich an, Korrelationskoeffizienten zwischen 0,59 und 0,74 konnten gemessen werden (vgl. Gullone et al. 2000, S. 243).
- Altersspezifische Unterschiede wurden zwischen den beiden Geschlechtern nicht gemessen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 243).
- Im Verhältnis zu den jüngeren Untersuchungsteilnehmer/-innen, gaben sich ältere häufiger riskanten Verhaltensweisen hin (vgl. Gullone et al. 2000, S. 243).
- Ältere Jugendliche sahen Verhaltensweisen der kick-suchenden Dimension im Vergleich zu den jüngeren als riskanter an, während sie die Risikosettings der anderen Subskalen als vergleichsweise weniger gefährlich einstuften (vgl. Gullone et al. 2000, S. 243).
- Die Wahrscheinlichkeit, sich auf riskante Verhaltensweisen einzulassen, war bei männlichen Jugendlichen höher als bei weiblichen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 244).
- Männliche Jugendliche nahmen die Items der Dimension der rücksichtlosen Verhaltensweisen als weniger riskant wahr (vgl. Gullone et al. 2000, S. 244).
- Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit, sich in riskante Situationen zu begeben, zunimmt, wenn niedrige Einschätzungen des Gefahrenpotentials damit einhergehen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 247).
Im Nachgang diskutieren Gullone et al. (2000) Komponenten ihres Forschungsdesigns kritisch und explizieren so Ansatzpunkte für weitere Forschungsvorhaben:
- Trotz des Hinweises, dass die Angaben der Jugendlichen anonym behandelt werden, kann es vereinzelt zu Vorbehalten auf Seiten der Schüler/-innen gekommen sein, welche eine enthemmte Bearbeitung der Fragebögen nicht möglich machte. Die Gegenwart von Klassenkameraden/-innen, Lehrern und Forschungsassistenten könnte derartige Ressentiments begünstigt haben (vgl. Gullone et al. 2000, S. 247).
- Zum anderen bestünde die Möglichkeit, dass die Untersuchungsteilnehmer sich nicht in die Risikosettings hineinversetzen konnten (vgl. Gullone et al. 2000, S. 248).
- Weitere Untersuchungen, in denen mit Hilfe anderer Instrumente die Validität und Praxixtauglichkeit des ARQ überprüft werden, könnten zu einer entsprechenden Optimierung des Forschungsdesigns beitragen (vgl. Gullone et al. 2000, S. 248).
- Und weiter: „Future research should focus on determining patterns of responding on the ARQ-Scales that relate with adolescent psychological well being. Such research would be invaluable in providing information about adaptive versus maladaptive patterns of adolescent risk taking” (Gullone et al. 2000, S. 248). Diese Forschungsresulltate könnten dann die Basis neuer Präventions- und Interventionsstrategien bilden (vgl. Gullone et al. 2000, S. 248).

Halpern-Felsher et al. (2001): The Role of Behavioral Experience in Judging Risks

Die These, Menschen, die über ein gewisses Maß an Risikoerfahrung verfügen, würden tendenziell eher dazu neigen, das Gefahrenpotential etwaiger riskanter Situationen niedriger einzuschätzen als risikounerfahrene, wird in einer Anzahl von Erklärungsmodellen für risikobezogene Verhaltensschemata ins Feld geführt. Unter anderem nennen Halpern-Felsher et al. (2001) die „Social Cognitive Theory“[29], das „Health Belief Model“[30] oder die „Theory of Reasoned Action“[31], denen eine solche Annahme zu Grunde liegt (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 120).

Jedoch kann diese Annahme im Gros aller empirischen Untersuchungen nur selten einer Verifizierung zugeführt werden:

„The majority of studies to date have failed to support for the hypothesis that engagers will provide lower estimates of personal risk. Instead these studies have found the opposite relationship; that is, individuals with behavioral experience rate the risk as higher than do non-engagers“ (Halpern-Felsher et al. 2001, S. 120).[32]

Halpern-Felsher et al. (2001) vermuten nun, dass partielle Defizite im Forschungsdesign einzelner Studien für etwaige Messartefakte verantwortlich sein könnten.

Das Autorenteam führt folgende, als suboptimal bezeichnete Teilbereiche etwaiger Forschungsdesigns auf:

(1) Häufig bewegen sich die in den Fragebögen dargestellten Szenarien ausschließlich auf einer generischen, nur wenig konkreten Ebene: „Most studies have elicted general judgements about the likelihood of a given outcome occure ... without making the jugdements conditional on an event or behavioral antecedent“. Eine typische Frage wäre: „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du an Lungenkrebs erkrankst?“. Zielführender wäre eine näher spezifizierte Frage („conditional risk assesment“): „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du an Lungenkrebs erkrankst, wenn Du rauchst?“ (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 120).

(2) Ein weiterer Kritikpunkt ist die Nichtberücksichtigung tatsächlich erlebter negativer Erfahrungen:

„Studies focusing on the role of outcome experience in risk judgments have shown that individuals who have personally experienced a negative outcome of an event or risk behavior perceive the same or similar outcome as more likely to happen than do individuals without such outcome experience” (Halpern-Felsher et al. 2001, S. 121).

Es erschiene nun unablässig, diese zwei Gruppen differenzierter zu betrachten, will man Zusammenhänge in einem vermeintlichen Bedingungsgefüge „Risikoeinschätzung/Risikoerfahrung“ eruieren (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001).

(3) Mitunter wird nur eine mögliche negative Konsequenz aufgeführt, welche eine Risikohandlung bedingen kann. Jedoch können riskante Verhaltensweisen eine Vielzahl von differenten Sanktionen nach sich tragen. Die Limitierung der Risikosettings auf nur eine mögliche Konsequenz nimmt die Gefahr einer gewissen Unschärfe der Einschätzungen und die Rigidität einer dichotomen Datenerhebung in Kauf (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 121).

(4) Die einem Risikoverhalten und einer negativen Konsequenz inhärenten Ausprägungen und Intensitätsgrade werden oftmals außer Acht gelassen. So ist es unter Umständen nicht hinreichend, in Erfahrung zu bringen, ob eine Person raucht. Die Menge des Zigarettenkonsums kann ebenso bedeutend sein, wenn die Untersuchungsteilnehmer/-innen gebeten werden, mögliche negative Konsequenzen für ihre Person einzuschätzen (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 121).

(5) „Further, there is evidence that perceptions of risk differ as a function of information including in the scenario ... and may similarly differ depending on the type of behavioural experience assessed or the outcome for which the risk judgement is elicted” (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 121).

(6) Als letzte kritische Anmerkung wird auf die in der Regel limitierte Altersspanne hingewiesen, die in vielen Erhebungen Berücksichtigung findet.

Mit der Vorgabe, diese als kritisch erachteten Punkte zu umgehen, entwerfen Halpern-Felsher et al. (2001) ihr Untersuchungsdesign (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 121).

577 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 10 und 30 Jahren, diversifiziert in vier Alterssegmente (Durchschnittsalter 10/12/14 und 25 Jahre)[33], konnten für die Untersuchung gewonnen werden. Um diese Gruppen rekrutieren zu können, wurden Briefe an die Eltern der Schüler versendet oder entsprechende Informationspakete in den Klassen ausgegeben und an den Universitäten Flyer verteilt. Die Stichproben waren in den unteren beiden Jahrgängen der Schüler auf die Geschlechter gleichmäßig verteilt, in den beiden verbleibenden Gruppen ergab sich ein Verhältnis von 6:4 zugunsten weiblicher Jugendlicher/junger Erwachsener. Die erwachsenen Studienteilnehmer/-innen waren durchweg kinderlos und unverheiratet, weil vermutet wurde, dass Eltern oder verheiratete Personen einen ausgeprägteren Sinn für Risiken und ein intensiveres Verantwortungsbewusstsein entwickelt haben könnten (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 121 f).

Die Datenerhebung erfolgte in Gruppen von fünf bis 40 Teilnehmern bzw. Teilnehmerinnen. Nach einer kurzen Einführung durch Forschungsassistenten wurden die Gruppen gebeten, ihre Fragebögen in Einzelarbeit zu bearbeiten, ohne mit anderen Kontakt aufzunehmen – insbesondere Meinungen auszutauschen. Erwähnung fand ebenfalls der absolut anonyme Charakter der Studie. Verständnisfragen waren jederzeit möglich, die Texte waren auf die jeweiligen Altersgruppen zugeschnitten, so dass jeder Testperson ein kognitiver Zugang eröffnet wurde. Die Bearbeitungszeit betrug 60-90 Minuten, Erfrischungen wurden gereicht, alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhielten eine Aufwandsentschädigung von 10 bis 15 US-Dollar (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122).

Gemessen wurden im Rahmen der Fragebogenerhebung folgende Items (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122):

1. Demografische Daten:
- Geschlecht
- Alter
- (zuletzt) besuchte Schulform
- Ethnie
- Schulbildung der Eltern

2. Risikoeinschätzung:

Die Testpersonen wurden mit jeweils zwei Szenarien im Bereich Naturkatastrophen und sieben verhaltensbedingten Risikosituationen konfrontiert:

Naturkatastrophe:

- In einem starken Gewitter durch Blitzeinschläge zu sterben
- In einem starken Erdbeben umzukommen

Alkoholmissbrauch:

- Chance, sich zu übergeben/Übelkeit zu erfahren (nach dem Genuss von Alkohol, Menge unbestimmt)
- Chance, sich zu übergeben/Übelkeit zu erfahren (nach dem Genuss von sechs alkoholischen Getränken)
- Chance eines Unfalls, wenn man Mitfahrer eines alkoholisierten Fahrers ist
- Chance zu verunfallen, wenn man selbst unter Alkoholeinfluss Auto fährt

Ungeschützter Geschlechtsverkehr:

- Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infizierung, wenn man einmal ohne die Benutzung eines Kondoms Geschlechtsverkehr hatte
- Wahrscheinlichkeit, sich mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken, wenn man einmal ohne die Benutzung eines Kondoms Geschlechtsverkehr hatte
- Wahrscheinlichkeit einer (nicht intendierten) Schwangerschaft, wenn man einmal ohne die Benutzung eines Kondoms/ohne den Einsatz anderer Verhütungspraktiken Geschlechtsverkehr hatte.[34]

3. Einschätzung möglicher negativer Konsequenzen:

Nun sollte die Wahrscheinlichkeit möglicher negativer Konsequenzen auf einer Skala von 0-100 eingeschätzt werden. Alle Szenarien und Konsequenzen wurden sehr spezifisch vorgegeben, die Untersuchungsteilnehmer/-innen aus mehreren denkbaren negativen Folgen wählen („conditional assessment“, s.o.).

4. Persönliche Erfahrungen mit den Szenarien:

Auf einer fünfstelligen Skala (niemals, einmal, zwei bis fünfmal, sechs bis zehnmal, mehr als zehnmal) wurden in einem weiteren Abschnitt des Fragebogens die persönlichen Erfahrungen der Testpersonen mit den jeweiligen Szenarien eruiert.

5. Persönliche Erfahrungen mit entsprechenden negativen Konsequenzen:

Im nächsten und abschließenden Schritt wurden etwaige negative Erfahrungen, Konsequenzen oder Erlebnisse der Jugendlichen und Erwachsenen im Zusammenhang mit den oben beschriebenen Settings herausgearbeitet. Die Antworten wurden lediglich dichotom erhoben und verarbeitet (ja/nein).

Halpern-Felsher et al. (2001) extrahierten nachstehende Analyseergebnisse (Auszug):

- „Between 128 and 148 participants (22% – 26%) reported experiencing one of the negative outcomes associated with drinking, and between 18 and 25 (3% – 4%) reported experiencing a negative outcome linked to their sexual behavior” (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122).
- Trotz der Vermutung, ein inferenz-statistischer Vergleich der oben beschriebenen Personengruppen und jener Gruppe, die zwar Erfahrungen mit den beschriebenen Gefahrensituationen hatte, jedoch keine negativen Erfahrungen in Kauf nehmen musste, würde signifikante Unterschiede in Bezug auf die jeweiligen Risikoeinschätzungen erbringen, konnten hier keine signifikant differierenden Ergebnisse herausgearbeitet werden. – Diese Feststellung hatte zur Folge, dass nur zwei übergeordnete Segmente der Stichprobe mit einander abgegolten wurden: (a) die risikoerfahrenen Untersuchungteilnehmer/-innen[35] und (b) jene Gruppe der risikounerfahrenen (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122).
- Die Analyse beider Gruppen bestätigte die zur Disposition stehende Ausgangshypothese: Untersuchungsteilnehmer/-innen, die sich bereits Naturkatastrophen ausgesetzt sahen oder sich (mindestens) einer der aufgeführten Risiken ausgesetzt hatten, schätzten das Gefahrenpotential im Schnitt niedriger ein, als unerfahrene Jugendliche oder Erwachsene (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122).
- Bis auf zwei Ausnahmen, konnte diese Differenz auch in der Differenzierung nach Alterssegmenten bestätigt werden. „The exeptions were for estimates of getting pregnant after having sexual intercourse ... [and, mj] between participants reporting that they had versus had not had sex without a condom” (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122).
- Je häufiger Erfahrungen in den einzelnen Gefahrenbereichen gesammelt werden konnten, desto niedriger wurde das den Situationen inhärente Risikopotential eingeschätzt. Diese Feststellung galt insbesondere im Zusammenhang mit den Themenkomplexen „Naturkatastrophen“ und „Alkoholmissbrauch“.
- Keine signifikanten Ergebnisse zeigten sich im Bereich der sexuellen Risiken: Das geschätzte Maß des Risikopotentials, durch ungeschützten Sex schwanger oder Opfer eine HIV-Infizierung zu werden, korrelierte nicht mit der Frequenz derartiger Praktiken. In drei Fällen konnte in folgenden Bereichen nach der altersspezifischen Unterteilung keine signifikanten Ergebnisse mehr erzielt werden: „Chance, in einem Erdbeben getötet zu werden“, „Chance, zu verunfallen, wenn man Mitfahrer eines betrunkenen Fahrers ist“ und „die Chance, schwanger zu werden, nachdem man ungeschützten sexuellen Kontakt hatte“ (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 122).

Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Untersuchungsdesign und den gesammelten praktischen Erfahrungen identifizierten Halpern-Felsher et al. (2001) folgende Aspekte, die weiteres Optimierungspotential bergen:

- Die Möglichkeit, sozio-ökonomische und ethnische Parameter zu erfassen, bestand nur eingeschränkt (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 124).
- Die Rekrutierung der Studienteilnehmer erfolgte uneinheitlich. Hier sollte ein Rückgriff auf konsistentere Procedere erfolgen (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 124).
- Die Anzahl jener Testpersonen, die negative Erfahrungen im Kontext der dargelegten Gefahrensituationen vorweisen konnten, war verhältnismäßig gering, eine breitere Basis wäre hier von Vorteil gewesen (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 124).

Hansen/Breivik (2001): Sensation-Seeking as a predictor of positive and negative risk behaviour among adolescents

Das norwegische Forscherteam Hansen/Breivik (2001) untersucht im Rahmen seiner Studie, inwieweit ein Zusammenhang zwischen einer Disposition zum Sensation-Seeking[36] und der Teilhabe an spezifischen Formen riskanter Verhaltensweisen nachgewiesen werden kann. Eine Zielsetzung war es, mit Hilfe der gesammelten Erkenntnisse eine Herausarbeitung präventiver Ansätze vorzubereiten, welche potentiell gefährdete Jugendliche von kriminellen und nicht steuerbaren risikobezogenen Handlungen fernhalten und zu entsprechenden Vermeidungsverhalten führen würde (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 628).

Hansen und Breivik stützen ihre These auf Untersuchungen, die gezeigt haben, dass sich insbesondere jene Rehabilitationsmaßnahmen für ehemals straffällige oder drogenabhängige Menschen in der Praxis bewährt haben, die als flankierendes Instrument professionell betreute Risikoaktivitäten aus der Erlebnispädagogik einsetzen („Abenteuerprogramme“, „Extremsportarten“). Zudem lagen Ergebnisse anderer Forschungsarbeiten vor, die darauf hinweisen, dass kriminelle Handlungen oftmals als ein Substitut für einen Mangel an aufregenden, „kickenden“ Erlebnisfeldern („exciting and thrilling activities“) verwandt werden (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 629 f).

Eine weitere Zielsetzung war „to examine the respondents“ own experiences of challenges in the environment, and to see if there is a relationship between experience of challenges and the kind of risk behaviour they engage in“ (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 628).

Beide Untersuchungsschwerpunkte machten es somit erforderlich, neben der Evaluierung einer risikospezifischen Ebene, eine soziale, kontextabhängige Dimension zu berücksichtigen. Vier Fragebögen kamen zum Einsatz:

(1) Die Ebene des Sensation-Seeking wurde mit Hilfe von „My Opinion II“ untersucht, eines in Schweden entwickelten, standardisierten Fragebogenkonstrukts, welches durch den klassischen Ansatz der Sensation-Seeking-Scales[37] inspiriert wurde. Zuckermans TAS-Scale ist hier weitgehend übernommen worden, die New-Experience-Seeking-Scale (NES) entspricht im Wesentlichen Zuckermans ES-Scale. „Activity (Act) measures the urge to do wild things, preferably with the gang. This subscale resembles Zuckerman’s Dis-scale. Outgoingness (Out) measures the desire to be the centre of attention. This subscale contains a lot from both the ES- and the BS-scale in Zuckerman’s version” (Hansen/Breivik 2001, S. 631).

My Opinion II zählt 63 Settings, denen jeweils zwei konträre Statements zugeordnet sind. Beispielsweise müssen sich die Schüler/-innen für eines der folgenden Szenarien entscheiden: (a) „Ich träume häufig davon, ein Bergsteiger zu sein.“ oder (b) „Ich kann nicht verstehen, dass Menschen regelmäßig ihr Leben auf’s Spiel setzen, wenn sie Bergsteigen“ (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 630 f).

(2) Ein speziell für diese Untersuchung entworfenes Questionnaire evaluierte die jeweilige Risikopraxis der Jugendlichen. Es wurden 35 verschiedene Risikosituationen aufgeführt, die mit Hilfe einer dreistelligen Skala die Häufigkeit, mit der sich die Jugendlichen in die riskanten Situationen begeben haben, erfragt („nie“, „einmal“, „häufig“). Siebzehn Settings stellten dabei positiv besetzte Risken dar, die weder soziale, noch strafrechtliche Sanktionen zur Folge haben, 18 Szenarien waren das entsprechend negativ konnotierte Äquivalent (vgl. Hansen/Breivik 2001,S. 631).

(3) Ein weiterer Fragebogen quantifizierte das wahrgenommene Maß an Herausforderungen („challenges“), welches dem sozialen Umfeld des Jugendlichen inhärent ist. Drei Perspektiven fanden Berücksichtigung: (a) das schulische Umfeld, (b) der Einfluss der Eltern und (c) der Freunde/Freundinnen. Diesen Feldern waren kontextspezifische Aussagen zugeordnet, welche auf einer fünfstelligen Likert-Skala mit den tatsächlichen Lebensumständen abgegolten wurden („trifft auf meine Lebenssituation überhaupt nicht zu“ bis „trifft auf meine Lebenssituation voll zu“). Eine der hier aufgeführten Aussagen war z.B.: „My parents won’t let me do exciting and risky activities“ (Hansen/Breivik 2001, S. 631).

(4) Die Bestimmung des sozialen Hintergrunds der Jugendlichen erfolgte ebenso mit der oben beschriebenen fünfstelligen Likert-Skala. So wurden Parameter erfragt wie
- die finanzielle Situation der Familie („Üben beide Elternteile einen Beruf aus?“),
- die Präsenz der Eltern („Sind die Eltern häufig auf Reisen/oder nicht zu Hause?“)
- oder das Verhältnis zu den Eltern („Lebst Du gerne mit Deinen Eltern zusammen?“) (vgl. Hansen/Breivik 2001,S. 631).

Das Forscherteam rekrutierte eine Stichprobe von n=360 Schüler/-innen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren an einer großen Schule in Trondheim/Norwegen. Das durchschnittliche Alter betrug 14 Jahre, das Geschlechterverhältnis stellte sich weitgehend ausgewogen dar. 60% der Schüler und Schülerinnen lebten im oder in der Nähe des Zentrums, 40% in der städtischen Peripherie. Die Datenerhebung wurde anonym gestaltet und nahm jeweils eine halbe bis dreiviertel Stunde Zeit in Anspruch (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 630).

Hansen/Breivik (2001) arbeiten folgende Analyseergebnisse heraus:

- Sensation-Seeking im geschlechterspezifischen Kontext: Männliche Jugendliche erreichten höhere Punktzahlen im Bereich des Thrill and Adventure Seeking. Dieses Ergebnis geht einher mit den Befunden anderer Studien. Als ungewöhnlich charakterisierte das Forscherteam die Tatsache, dass im Rahmen ihrer Studie Mädchen signifikant höhere Werte in den New-Experience-Seeking und Outgoingness-Scales auf sich vereinten und die Auswertung der Activity-Scale keine Geschlechterdifferenzen erkennen ließ. Vorliegende Studien würden jedoch in allen Dimensionen der Sensation-Seeking-Scales regelmäßig auf signifikant höhere Ratings der männlichen Jugendlichen verweisen.[38] Unter anderem führten die Autoren dieses Ergebnis auf den recht niedrigen Altersdurchschnitt der Stichprobe zurück, der – einhergehend mit dem in der Pubertät zu verzeichnenden Entwicklungsvorsprung weiblicher Jugendlicher – derartige Ergebnisse begünstigt haben könnte. Zudem wäre es denkbar, dass die in den skandinavischen Ländern tief verankerte Tradition weiblicher Gleichstellung einen weiteren interpretativen Zugang zuließe (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 636).
- Sensation-Seeking und Risikoverhalten: Zwischen Sensation-Seeking und Risikoverhalten wurde eine signifikante positive Korrelation nachgewiesen.
In der Betrachtung der einzelnen Skalen zeigte sich die stärkste positive Korrelation zwischen den Werten der Activity Skala und jenen der negativ gerichteten Risikoverhaltensweisen. „This is natural because activity is the sub-scale that resembles Zuckerman’s disinhibtion sub-scale most, the scale that is characterised by the lack of social inhibition through wild Partys, a high consumption of alcohol and gambling” (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 637).

Im Übrigen wurde ein stark signifikanter positiver Zusammenhang zwischen der Thrill-and-Adventure-Scale (TAS) und nicht-sanktionierten Risiken dokumentiert. Auch dieses Resultat sei wenig verwunderlich, hätte doch die TAS in vielen Punkten Parallelen zu den positiv besetzten Risikoaktivitäten des entsprechenden Questionnaires (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 637).

Die analysierten Werte der TAS korrelierten mit jenen der negativ konnotierten Risikoszenarien ebenso. Der entsprechende Korrelationskoeffizient war im Verhältnis zu jenem der positiv besetzten Risiken der TAS jedoch deutlich geringer. An dieser Stelle vermuteten die Autoren, dass jene Jugendlichen, die hohe Rankings auf der TAS erreichen, ihre Bedürfnisse primär im Bereich der nicht-sanktionierten Verhaltensweisen ausleben. Erfolgt eine derartige Bedürfnisbefriedigung im hinreichenden Maße, sinke das Bestreben sich eines negativ besetzten Handlungsfeldes zu bedienen (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 637).

Während zwischen der New-Experience-Seeking-Scale und sanktionierten Risikoverhaltensweisen kein statistisch signifikanter Zusammenhang zu dokumentieren war, konnte ein solcher positiv gerichteter für das Gebiet der nicht-sanktionierten Aktivitäten gezeigt werden. „It is possible that this kind of Sensation-seeking is easier to meet without getting involved in negative risk behaviour, because one can create a lot of variation in one’s daily live, like being engaged in many types of activities and having many different types of friends” (Hansen/Breivik 2001, S. 637 f).

Die Outgoingsness-Scale ließ eine positive Korrelation sowohl mit sanktionierten als auch mit nicht-sanktionierten Risikoverhaltensweisen erkennen. In der detaillierteren Betrachtung konnte diese generelle Aussage in nur einer Analyse nicht weiter aufrechterhalten werden: Die Aussagen weiblicher Jugendlicher im Bereich der negativ besetzten Risiken korrelierten nicht mit ihren Angaben für die Outgoingness-Scale (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 637).

- Risikoverhalten und Herausforderungen des sozialen Umfeldes: Jugendliche, die wenig von ihrem Elternhaus und der Schule gefordert werden, gehen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf illegale oder sozial geächtete riskante Verhaltensweisen ein. Diese Vermutung leiteten Hansen/Breivik (2001) von der Analyse der jeweiligen Skalen ab: „Challenges from parents and school correlate with negative and risk behaviour, but not with positive risk behaviour“ (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 638). Herausforderungen, die von Seiten der Freunde/Freundinnen an die Jugendlichen gestellt werden, wiesen partiell andere Interdependenzen auf: Hier konnten positive Korrelationen sowohl auf dem Feld der positiv konnotierten Risikobetätigungen als auch auf dem des negativen Äquivalents. Der stärkere Korrelationskoeffizient errechnete sich hier im nicht-sanktionierten Bereich (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 638).
- Risikoverhalten und sozialer Hintergrund: Die Skala des sozialen Hintergrunds korrelierte nicht mit jener der sanktionsfreien, positiv besetzten Risikoverhalten. „This result indicates that adolescents from a poor social background are more involved in activities that are criminal or social unacceptable” (vgl. Hansen/Breivik 2001, S. 638).

Die Ergebnisse der Hansen/Breivik-Studie legen den Schluss nahe, dass Risikosportarten und herausfordernde Aktivitäten, eine Motivation krimineller oder negativ konnotierte Risikoverhaltensweisen einzugehen, präventiv mindern könnten. „This is a hypothetical statement and the results here give no guarantee of a positive outcome in a more practical study. Such studies should however, be pursued both as practical interventions and as research” (Hansen/Breivik 2001, S. 639).

[...]


[1] Zur wissenschftlichen Rezeption dieses Themenkomplexes siehe u.a. Freud 1924; Piaget 1974; Elkind 1967; 1978; Blos 1978; Elkind/Bowen 1979; Enright/Lapsley/Shukla 1979; Lapsley/Murphy 1985; Berger 1998; Raithel 2001a; Warwitz 2001; Limbourg et al. 2003; Limbourg/Reiter 2003.

[2] Fend (2003) folgend, werden die Begriffe „Jugend“ und „Adoleszenz“ synonym verwandt. Dort, wo es im Kontext der vorliegenden Arbeit jedoch sinnvoll erscheint, wird den jeweiligen Differenzierungen und etymologischen Traditionen der Termini „Jugend“, „Adoleszenz“ und „Pubertät“ Rechnung getragen und entsprechend darauf verwiesen. In einem gesonderten Kapitel dieser Arbeit wird der Begriff „Jugend“ noch einmal näher thematisiert (siehe Kap. B 1.5 „Pubertät, Adoleszenz, Jugend“).

[3] Siehe hierzu umfassend u.a. Blos 1978; Tillmann 1995; Berger 1998; Fend 2003.

[4] Einen heute noch häufig rezipierten heuristischen Ansatz zur Systematisierung der Entwicklungsaufgaben der mittleren Kindheit, der Adoleszenz und des frühen Erwachsenenalters bietet u.a Harvighurst 1953; siehe auch Liepmann/Stiksrud 1985; Oerter/Dreher 1998.

[5] Brandtstädter geht einen Schritt weiter und kritisiert in diesem Kontext die von Entwicklungspsychologen häufig verwandte Umschreibung des Jugendalters als bloße „Übergangsphase“: „Angesichts der massiven, zahlreiche Entwicklungsebenen umfassenden Veränderungsdynamik der Adoleszenz, ist dies eine wohl eher blasse Charakterisierung“ (1985, S. 5).

[6] Siehe hierzu umfassend Erikson 1966; Tillmann 1995; siehe auch Beck 1986.

[7] Siehe auch Elkind 1967; 1978; Limbourg/Reiter 2003.

[8] Siehe auch Limbourg et al. 1997; Raithel 2001a/b. Zum Risikobegriff siehe ausführlich Kap. B 2.2 „Der Risikobegriff“ und B 2.3 „Funktion, Form und Motivlagen riskanter Verhaltensweisen“.

[9] Siehe hierzu u.a. Berger 1998, S. 416. Weiter ausgeführt werden diese Begriffe unter B 3.1 „Entwicklungspsychologischer Ansatz“.

[10] Siehe u.a. Berger 1998; Fend 2003; Limbourg et al. 2003.

[11] Beide Paradigmen werden im späteren Verlauf ausführlicher beschrieben (siehe Kap. 3.1 „Entwicklungspsychologischer Ansatz“ und Kap. 3.2 „Psychoanalytischer Ansatz“).

[12] Zum Hintergrund dieser Überlegung siehe Kapitel C 2.1 „Fragebogen/Begründung des Designs“.

[13] Siehe Raithel 2001a, S. 14.

[14] Insbesondere der Begriff der „Fremdeinschätzung“ darf nicht mit jenem der „Fremd wahrnehmung “ aus dem Paradigma des Symbolischen Interaktionismus verwechselt werden. „Fremdeinschätzung“ meint im vorliegenden Zusammenhang das durch die Probanden und Probandinnen vermutete Gefahrenpotential einer riskanten Situation für einen Freund bzw. eine Freundin. Zur Verwendung des Begriffs der „Fremdeinschätzung“ siehe u.a. Kap. A 4 „Methodische Vorgehensweise“ oder Kap. C 2.1 „Fragebogen/Begründung des Designs“. Zum Begriff der „Fremd wahrnehmung “ siehe u.a. Mead, G.H. 2005 (Erstveröffentlichung Chicago 1934).

[15] Zur NPFS siehe auch Lapsley/Rice 1988, zur AES siehe auch Enright/Shukla/Lapsley 1980. Die AES wird auch im vorliegenden Kapitel im Rahmen der Vorstellung der Studie von Enright/Shukla/Lapsley (1980) näher ausgeführt.

[16] Siehe auch Kap. C 3 „Modus/Procedere“.

[17] Eine Definition der Personal Fable und der Imaginary Audience stellen die Kapitel A 1 „Untersuchungsgegenstand“ und B 3.1 „Entwicklungspsychologischer Ansatz“ zur Verfügung. „Selbst Fokussierung“ beschreibt das Autorenteam wie folgt: „The adolescent’s general tendency, once abstract thinking develops, to focus inward on the self rather then outward onto other people“ Enright/Shukla/Lapsley 1980, S. 102).

[18] im englischen Originaltext: sociocentric

[19] im englischen Originaltext: nonsocial focuses

[20] Die Autoren beziehen sich hier u.a. auf Elkind 1967; 1978.

[21] Durch die Hinzunahme der self-consciousness scale erhöhte sich die Bearbeitungszeit von 30 bis 45 Minuten auf ca. 45 bis 60 Minuten (1980, S. 105)

[22] Siehe hierzu u.a. Elkind 1967, Elkind 1978 und Kap. B 3.1. „Entwicklungspsychologischer Ansatz“.

[23] Siehe hierzu u.a. Zuckerman 1979; Ruch/Zuckerman 2001 und Kap. B 3.3.3. „Sensation-Seeking-Theory“.

[24] Mittlerweile hat das seit 1983 eingesetzte Konzept mit dem „New DARE Program“ eine Neuauflage erfahren. Siehe http://www.dare.com/home/newdareprogram.asp (Stand: 03.03.2007).

[25] Die Verwendung dieses Fragebogen-Items wird nicht näher begründet. Offenbar vermuten die Autoren in Haushalten mit derartigen Nachschlagewerken einen höheren Bildungsgrad – eine „Atmosphäre des Wissens“ –, an der die Kinder und Jugendlichen partizipieren. Diese Verknüpfung ist m.E. als höchst fragwürdig einzustufen. So lässt weder das Vorhandensein eines Lexikons den Schluss zu, dass dieses auch von den Eltern oder den Jugendlichen genutzt wird, noch ist ein Rückschluss zulässig, dass die Jugendlichen einen kognitiven Zugang zu diesen Informationen finden oder das sie das etwaige Wissen um die Gefahren einer risikobezogenen Handlung in der Praxis entsprechend berücksichtigen. Hier kommen eher kontextuelle Motivlagen zum Tragen (siehe hierzu u.a. B 2.3 „Funktion, Ursachen und Motivlagen risikobezogener Handlungen“).

Geeigneter scheint das zweite gewählte Kriterium zu sein (der „durchschnittliche“ Bildungsgrad der Eltern, Punkt (3)), um die oben erwähnte „Atmosphäre des Wissens“ näher zu bestimmen. Wobei auch hier spekulative Komponenten beachtet werden müssen. So finden Parameter, die das Verhältnis zu den Eltern oder deren Bereitschaft und Fähigkeiten, Wissen weiterzugeben, keine Berücksichtigung.

[26] Siehe hierzu Moore/Gullone 1996.

[27] Weitere Eckdaten wurden an dieser Stelle nicht zur Verfügung gestellt, das Autorenteam verweist hier auf Moore/Gullone 1996.

[28] Teilgruppen, die jüngere weibliche, jüngere männliche und ältere weibliche, ältere männliche Jugendliche repräsentierten, wurden nicht gebildet, respektive ging eine solche Trennung nicht aus den vorliegenden Materialen hervor.

[29] siehe Bandura 1994

[30] siehe Rosenstock 1974

[31] siehe Fishbein/Ajzen 1975

[32] Exemplarisch führen Halpern-Felsher et al. (2001) folgende Studien an: Cohn et al. 1995; Gladis et al. 1992 oder McKenna/Warburton/Winwood 1993 (vgl. Halpern-Felsher et al. 2001, S. 120).

[33] Die Stichprobe setzte sich im Einzelnen aus 125 „fith graders“, 148 „seventh graders“, 160 „ninth graders“ und 144 jungen Erwachsenen (vornehmlich Studenten) zusammen.

[34] „Fifth grader“ wurden an dieser Stelle von der Befragung ausgenommen.

[35] Erfahrungen, die im Zusammenhang mit den jeweilig aufgeführten Risiko- und Gefahrensettings des Fragebogens standen.

[36] „Sensation-Seeking“: „die Suche nach verschiedenen, neuen komplexen und intensiven Erfahrungen beschrieben [werden, mj], für welche eine Person bereit ist, physische, soziale, legale und finanzielle Risiken auf sich zu nehmen“ (Raithel 2001, S. 20). Zur näheren begrifflichen Klärung siehe auch Kap. B 2.2 „Definition des Risikobegriffs“.

[37] „SSS“, siehe Zuckerman 1979; Ruch/Zuckerman 2001. Zur näheren thematischen Klärung siehe auch Kap. B 3.3.3 „Sensation-Seeking Theory“.

[38] Siehe auch Ruch/Zuckerman 2001: „Sensation-Seeking is higher in men than in woman, rises between ages 9 and 14, peaks in late adolescence or early 20s, and declines steadly with age thereafter“ (Ruch/Zuckerman 2001, S. 101).

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Titel: Selbstüberschätzung und Risikoverhalten im Jugendalter. Eine Evaluation