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Die Entwicklung des MEKO-Konzeptes bei Blohm+Voss

Hausarbeit 2007 23 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Fragestellung
Forschungslage

Die Entwicklung und Technik des MEKO-Konzepts
Vorteile des MEKO-Design Konzeptes
Weiterentwicklungen des MEKO-Design Konzepts
Die Modelle der MEKO-Reihe

Standardisierung und Modularisierung im zivilen Schiffbau
„Pioneer multi-carrier-system“ und M1000
MEKAT

Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

An Bord der Korvette Joao Coutinho, die am 24.2.1970 an Portugal ausgeliefert wurde, hatte Blohm+Voss erstmals am 4.9.1970 eine Präsentation über die Containerisierung von Waffen durchgeführt. Hierbei und bei einer zweiten Vorführung im Dezember desselben Jahres wurde Vertretern der Bundeswehr ein wesentlich bei Blohm+Voss entwickelter Waffencontainer vorgeführt. Durch solche Container sollte beim Bau zukünftiger Marineschiffe deren Verfügbarkeit und Flexibilität erhöht sowie die Kosten des Baus und der späteren Instandhaltung gesenkt werden. Die Erprobung wurde in den folgenden Jahren von Blohm+Voss in Zusammenarbeit mit Elektronik- und Waffenfirmen und der Unterstützung der Bundeswehr durchgeführt.1

Fragestellung

Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Überblick über die im Wesentlichen von Blohm+Voss entwickelte MEKO-Technologie2 zu geben. Dazu soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, wie es zu der Entwicklung des MEKO-Designs bei Blohm+Voss kam. Dies umfasst sowohl die Problematik beim konventionellen Marineschiffbau, vor der sich auch Blohm+Voss Ende der 1960er Jahre sah, als auch die Zielsetzungen und deren Umsetzungen in dem Konzept, welches Blohm+Voss für den Bau zukünftiger Marineschiffe entwarf. Um dieses Konzept besser bewerten zu können, wird eine Beschreibung der MEKO-Technologie mitsamt deren Vor- und Nachteilen und jüngsten Weiterentwicklungen erfolgen. Ein kurzer Überblick der Versuche, das MEKO-Konzept oder die Modularität im zivilen Schiffbau anzuwenden, soll schließlich das Bild der Erfolge und auch Misserfolge der Hamburger Werft mit ihrer Entwicklung abrunden.

Forschungslage

Eine Übersicht über die Entwicklung der Werft nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer Einordnung in die politische und wirtschaftliche Landschaft ist in dieser Form nicht vorhanden. Vielmehr muss sich auf die unternehmenseigene Geschichtsschreibung und deren Veröffentlichungen gestützt werden. So ist von Blohm+Voss über seine eigene Geschichte und auch von Autoren, die durch Blohm+Voss zumindest unterstützt und unternehmensnah Gesamtübersichten verfasst haben durchaus viel Literatur vorhanden. Ansonsten stehen noch einige Erfahrungsberichte der einzelnen Marinen über die

Verwendung der MEKO-Schiffe zur Verfügung, welche aber keinen direkten Vergleich mit anderen Schiffbautechnologien darstellen, sondern mehr allgemeine Punkte, wie beispielsweise die gute Zusammenarbeit mit der Werft ansprechen. Aus diesem Grund sind in der folgenden Arbeit vorrangig Texte aus Gesamtdarstellungen der Entwicklung von Blohm+Voss, Artikel aus Zeitschriften, welche jedoch auch oft von Mitarbeitern von Blohm+Voss verfasst wurden, sowie unternehmenseigene Darstellungen verwandt worden.

Die Entwicklung und Technik des MEKO-Konzepts

1969 entschied Blohm+Voss, eine neuartige Methode des Schiffbaus zu entwickeln. Diese Entscheidung war aufgrund der Erfahrungen während des Baus der Fregatten der Köln-Klasse und der Zerstörer der Hamburg-Klasse entstanden.3 Beim Bau der ersten Nachkriegsschiffe für die Deutsche Marine, den Fregatten der „Köln“-Klasse und den Zerstörern der „Hamburg“-Klasse, traten Probleme bei der Einhaltung der beim Auftrag festgelegten Kosten, Zeiten und technischen Leistung auf. Aufgrund dessen wurde die Entwicklung des MEKO-Design Konzeptes seit 1969 vorangetrieben.4

Weiterhin war Blohm+Voss seit dem Ende der 1960er Jahre darum bemüht nicht nur nationale Aufträge erteilt zu bekommen, sondern sich auch auf dem weltweiten Exportmarkt Marktanteile zu sichern. Dies sollte erreicht werden, indem erstens die Ursachen des unbefriedigenden Gesamtergebnisses festgestellt und danach zweitens ein marktfähiges Produkt entwickelt werden sollte.5

Dazu wurden die bisherigen Rahmenbedingungen beim Schiffbau und deren Probleme analysiert und nach Wegen zu deren Beseitigung oder zumindest Eingrenzung gesucht. So waren beim Rüstungsbau weder die Zuständigkeiten eindeutig geklärt noch die Verantwortungen klar gegeneinander abgegrenzt, da die Hauptverantwortlichkeit beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) lag. Dadurch entstanden oftmals Zeitverzögerungen und damit Kostensteigerungen. Ebenso führten Änderungen in der Ausrüstung der Schiffe während der langen Bauzeit zu beträchtlichen Kostensteigerungen und Verzögerungen.6

Allgemein ist der Bau eines Marineschiffes in Korvetten- oder Fregattengröße durch einerseits kleine Serien, wodurch eine kostensenkende industrielle Massenfertigung nicht ermöglicht wird, und andererseits durch lange Lieferzeiten der zu integrierenden Waffen- und Elektronikanlagen gekennzeichnet. Weiterhin konzentrieren sich der Einbau von Anlagen an Bord sowie Verkabelung, Funktionstests und Integration zum Gesamtsystem in den letzten Monaten der Endausrüstungsphase, wodurch sich die verschiedenen Ausrüstungswerkstätten gegenseitig behindern. Dadurch entstehen lange Bauzeiten und dementsprechend hohe Kosten.7

Auch die Probleme in der Nutzungsphase eines Schiffes wurden in die Untersuchungen mit einbezogen. So schreitet während der Nutzungszeit eines Schiffes, die bei etwa 30 bis 35 Jahren liegt, die Entwicklung von neuen Techniken für Waffen und Elektronik weiter fort. Dieser rasante Fortschritt zieht einen Generationenwechsel nach bereits 15 Jahren nach sich, wobei sich dieser Zeitraum in den nächsten Jahren durch die immer schnellere Entwicklung weiter verringern wird. Da Kampfkraft und Durchsetzungsfähigkeit eines Marineschiffes maßgeblich von seiner Ausrüstung mit Waffen und Elektronik abhängig sind, während die Plattformeigenschaften in den Hintergrund treten, wird ein Schiff während seiner Nutzungszeit ein- bis zweimal zur Kampfkrafterhaltung modernisiert. Während der Nutzungsphase wird das Schiff in regelmäßigen Abständen instand gesetzt, was mit umfangreichen Montage- und Demontagearbeiten an Systemen und Anlagen verbunden ist. Diese Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen sind bei konventionell entworfenen Schiffen äußerst kosten- und zeitintensiv.8

Aus diesen Problemen und Rahmenbedingungen ergaben sich die Entwicklungsziele eines modernen Schiffbaus: Mit dem parallelen Bau von Schiffsplattform und Modulen, wie die für Waffen und Elektronik oder Lüftung sollte die Bauzeit verringert und durch diese Rationalisierungsmaßnahmen auf der Bauwerft und bei den Zulieferern die Kosten gesenkt werden. Weiter sollte durch einfachere und schnellere Überholungen und Kampfwertsteigerungen und somit kürzere Werftliegezeiten die operative Verfügbarkeit verlängert und die Indiensthaltungskosten verringert werden. Und schließlich sollte durch die Übernahme der Gesamtverantwortung durch die Werft und der eindeutigen Abgrenzung der Verantwortungsregelung zwischen der Werft und Zulieferern oder öffentlichen Beistellungen von Systemen, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auf dem nationalen, als auch Exportmarkt gestärkt werden.9

Aus diesen Forderungen ergab sich das MEKO-Design Konzept, welches beinhaltete, dass der Waffenträger „Schiff“ von vornherein für den variablen Einbau von Anlagen sowie standardisierten Modulen entworfen ist. Die Zielsetzungen in der Entwicklung und Erfordernisse des Designs sahen vor, dass beim MEKO-Design Konzept im Marineschiffbau erstmals Modularität und Schnittstellen-Standards für die Waffen- und Elektronikausrüstung eingeführt würden.10 Neben den primären Entwicklungszielen sollten noch weitere allgemeine Anforderungen an ein Marineschiff erfüllt werden: Das Design sollte auf verschiedene operationelle und technische Anforderungen übertragbar sein und so flexibel gestaltet werden, dass es die verschiedenen Ansprüche unterschiedlicher Marinen zu erfüllen kann. Auch sollte die Möglichkeit der fortschreitenden Modernisierung mit modernen Waffenanlagen ohne die Erfordernis, signifikante Änderungen an der Schiffstruktur vornehmen zu müssen, bestehen.

Darüber hinaus wurden für das Design noch weitere Richtlinien festgelegt. Im Einzelnen waren dies die bevorzugte Verwendung von bekannter und bewährter Technik, festgelegter Aufstellungsort und Anordnung der Einrichtungen und Ausstattungen, um die bestmögliche technische Effizienz, den sichersten Arbeitsablauf und bestmöglichen Zugang für Instandhaltung und Reparatur zu versichern und schließlich die Bestimmung von geeigneten Öffnungen in entsprechenden Orten, um Ausstattungen bei der Konstruktion, Umrüstungen oder Modernisierungen schneller installieren oder auch entfernen zu können.11

Das MEKO-Design Konzept wurde im Folgenden alleinig durch die Industrie ohne einen Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung oder des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung seit den Jahren 1969/70 entwickelt. Seit 1973 fanden unter Mithilfe des BMVg, des BWB und der Deutschen Marine der Prototypen-Bau und die Erprobung statt. Die Erprobung wurde 1976 abgeschlossen.12 Die Entwicklung des MEKO-Konzeptes durch Blohm+Voss wurde damit dennoch stark von der Deutschen Marine, dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) unterstützt.13

Mit dem MEKO-Design Konzept wurde ein Funktions-Einheits-System (FES) entwickelt. Hierbei handelte es sich um standardisierte Plattformen, in der Regel Container, in denen die Unterbringung aller für die Fahrzeuge notwendigen Waffen-, Feuerleit-, Ortungs-, und Fernmeldesysteme möglich war.14 Der Ausdruck Funktionseinheit (FES) umschreibt somit die Integration aller Untersysteme und Einheiten, aus denen ein gesamtes Waffen- oder Elektroniksystem besteht, zu einer leicht austauschbaren Einheit bzw. Modul. Diese können die Form eines Containers, einer Palette oder eines Gerüstes annehmen.15

Da neben den Waffen- und Elektronikeinheiten noch andere Funktionseinheiten in Form von Palletten und Gerüsten entworfen wurden, konnte das gesamte Schiff unabhängig von dessen Größe aus solchen Einheiten zusammengesetzt werden.16

Als ein wesentliches Kriterium der Container ist jedoch zu nennen, dass

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau und Abmessungen einer Waffenfunktionseinheit sich Schalttafeln, Anschlüsse, Ein- und Ausgänge usw. immer an der gleichen Stelle befanden und auch die Schnittstelle zum Schiff standardisiert war. Die Waffencontainer für Rohrwaffen fielen in ihren Abmessungen einheitlich aus, während die Größe der Elektronikcontainer variabel war.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aufbau und Abmessungen einer Elektronikfunktionseinheit

Die verschiedenen Module verfügten allesamt über standardisierte Abmessungen, Schnittstellen zur Übertragung von Gewichts-, Rückstoß- und Schockkräften in den Schiffskörper mittels genormter Fundamente, einheitliche Anschlüsse für die Versorgung mit elektrischer Energie und

Kühlung, sowie standardisierte Schnittstellen zur Datenübertragung.18 Sowohl Waffen und Elektronik, als auch Masten und Lüftung wurden als Module gefertigt und montiert. Die einzelnen Waffenmodule waren in ihren Abmessungen den US Navy Standards und somit allen derzeit bekannten NATO-Waffensystemen angepasst.19

Wie in den Abbildungen 1 und 2 ersichtlich, hatten die Standard-Waffencontainer die Abmessungen 4,7 x 4,0 x 2,66 m. Die Elektronikcontainer waren 2,44 m breit und 2,15 m hoch, wobei die Länge variabel war. Wenn ein Container kleiner als der für ihnvorgesehene Platz ausfiel, wurde er eingebaut und der freie Platz mit speziellem, schnell aushärtendem Kunststoff ausgefüllt.20

[...]


1 Witthöft, Hans Jürgen: Tradition und Fortschritt – 125 Jahre Blohm+Voss, Hamburg 2002, S. 360 und 371.

2 MEKO steht für „ ME hrzweck KO mbination“

3 Rohkamm, E.: Modern Warship Construction at Blohm+Voss, in: Naval Forces II/1982 – A Special Supplement on Blohm+Voss MEKO Ships, Bonn 1982, S. 1-3.

4 Neumann, Peter: Wächter der Meere: Geschichte und Zukunft des deutschen Marineschiffbaus, hrsg. v. Blohm+Voss, Hamburg 1997, S. 71.

5 Neumann, Peter: Wächter der Meere, S. 71.

6 ebd.

7 ebd., S. 72.

8 Neumann, Peter: Wächter der Meere: Geschichte und Zukunft des deutschen Marineschiffbaus, hrsg. v. Blohm+Voss, Hamburg 1997, S. 72.

9 Neumann, Peter: Wächter der Meere, S. 72.

10 ebd., S. 71.

11 Wurm, H.G.: The Blohm+Voss Design Philosophy for MEKO Warships, in: Naval Forces II/1982 – A Special Supplement on Blohm+Voss MEKO Ships, Bonn 1982, S. 20.

12 Neumann, Peter: Wächter der Meere, S. 74.

13 o.A.: The B+V MEKO-Mod 3 Concept, in: Naval Forces II/1988 – A Special Supplement on the Blohm+Voss MEKO 2000, Bonn 1988, S. 40.

14 Witthöft, Hans Jürgen: Tradition und Fortschritt, S. 394-395.

15 Sadler, K.-O.: Functional Units – a tested and proven concept, in: Naval Forces II/1982 – A Special Supplement on Blohm+Voss MEKO Ships, Bonn 1982, S. 28.

16 Wurm, H.G.: The Blohm+Voss Design Philosophy for MEKO Warships, S. 21.

17 Witthöft, Hans Jürgen: Tradition und Fortschritt, S. 394-395.

18 Neumann, Peter: Wächter der Meere, S. 73.

19 ebd., S. 74.

20 Marriott, John: The MEKO Frigates, in: Naval Forces IV/1980, Bonn 1980, S. 64-65.

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640242436
Dateigröße
982 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v120545
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
3,0
Schlagworte
Entwicklung MEKO-Konzeptes Blohm+Voss Marine Deutschland Jahrhundert

Autor

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